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Full text of "Alemannia"

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ALEMANNIA 



Zeitschrift 



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Sprache, Litteratnr nnd Volkskunde 



des , 



Elsaszes, Oberrheins nnd Schwabens 



herausgegeben 



▼on 



Dr. Anton Birlinger 

ProfoMor an der ÜnWenitKt in Bonn 



Elfter Band 



Bonn 

bei Adolph Marcus 
1888 



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Inhalt 



Sc hweiz 

Seite 

Zum llemannischeii und Schwäbischen Wortschaze ABir- 

linger 160—206 

Findlinge Derselbe 95. 98 ff* 

Elsasz 

Volkstümliches, Elsaeszische Sagen, Hansinschriften 

KMündel 20—44 

Vom Schwarzen Tode ABirlinger 88—91 

Johannes Panli als Prediger KBartsch 136—145 

.Alte Straszbnrger Inschrift ABir I inger 206 

Die Bannwarthtttte zn Thann im Ober-Elsasz B Stehle 246—266 

Bemerkung dazu HPfannenschmid 288 

Findlinge ABirlinger 98 

Rechtsrheinisches Alemannien und Schwaben 

Leben heiliger alemannischer Frauen des XIV XV Jar- 
hunderts IV Die Nonnen Ton Kirchberg bei Haiger- 
loch ABirlinger 1—20 

Irseer Beimkronik des Johannes Kurtz LBaumann.... 220—246 
Fliegende Blätter aus dem SOjärigen Kriege WCrecelius 211 —220 
Lachrymae Sueuico-Germanae , Oermano-Sueuicae Der- 
selbe 207—211 

Stuttgarter Schwäbisch des X VU Jarhunderts H F i s c h e r 49—50 
Aus einem Becepthefte des XVII Jarhunderts ABirlinger 99— 100 
Cunrad Dieterich Ton Ulm gegen Aberglauben Derselbe 267—288 

Maleflzgericht und Ordnung RBuck 101—108 

Hexeuprocesse aus Oberschwaben Derselbe 108—185 

Bindyih- und Bossezauber II ABirlinger 92—95 



IV 

Seite 

TolkstttmUehes, Sagen Derselbe 28—89 

Zn den Yolksbttehern Derselbe 86—88 

Znr Spriehwörter-Litteratnr Derselbe 99. 145 

Die Namen Schönbnch nnd Blanbenren Derselbe 146—148 

Znm Alemannischen und Soliwftbischen Wortsehaze Der- 
selbe 150—206 

Tierstimmen Derselbe 44—45 

Findlinge Derselbe 95—99 

Ton den Weinen Derselbe 148—149 

Ans Grimms Weistümem JMey er 45—49 

Zn des Knaben Wnnderhom IX ABirlinger WCrecelias 51—80 
Zn Göthes Fanst ABirlinger 80—86 



LEBEN HEILIGER ALEMANNISCHER 
FRAUEN DES XIV XV JARHÜNDERTS 

IV 
DIE NONNEN VON KIBCHBERG BEI HAIGERLOCH '). 

Werntrudis von Bürn ,,kame vngefehr zue 9 Jahren ins 
Closter, ein rechte Liebhaberin ihres himmlischen Bräutigamb, 
wegen welchem sie alle weltliche Pracht und zeitlichen Wollust 
verachtet, sich einig und allein in denselbigen iebte, an welchem 
ihr Geliebter ein Freidt und ergötzlichkhait hätte. Damit sie aber 
ein rechte Gespons Christi genennt möchte werden, so beobachtete 
sie forderist ihre jungfräuliche Reinigkhait u. s. w/' Tiefe Demut 
in Reden und Geberden, Mitleid, Barmherzigkeit gegen Jedermann. 
„Eß gelangte diese Gottliebende Jungfrau in kurzer Zeit zue sol- 
cher YoUkommenhait, dass sie o£Ptermahlen gantz ausser ihr im 
Geist yerzuckhet war. Inn Betrachtung göttlicher Dingen war 
sie so eüfferig, dass sie biß weilen ein lange Zeit unbeweglich ist 
gesehen worden — ihr Herz war immer bey ihrem liebsten himm- 
lischen Bräutigamb.'^ Sprach sie von den sonderbaren Gnaden 
Gottes mit Schwester Irmegardt, so geschah es nicht deutsch, nicht 
lat., sondern in einer eigenen Sprache, es waren Laute, beide ver- 
standqns, Niemand aber sonsten. Einmal ließ sie sich in der 
Metten von einem Hundegebell stören, ward trostlos über ire 
Sünde, hieß den Bruder Eberhard v. Freiburg ans Beichtfenster 
kommen und beichtete. Bei irem nahen Ende o£fenbarte sie, wie 
sie mit Gott vereinigt sei, „wie ihr Seil eingetrucket seye in die 
Allerheiligste Dreyfaltigkait als wie ein Insigel in dem Wax, vnd 
wie sie Gott, die Heiligste Jungfrau mit dem ganzen himmlischen 
Hör jetzo abhoUen wolle und begleiten in die ewige Freidt und 
Seligkhait." 

Ludgardis von Herrenberg ward von Gott so würdig ge- 
halten, daß er sich ir täglich zu genießen gab „und geschah sol- 
ches nit durch deß Priesters Hand, sondern miraculos oder durch 
ein Wunderzeichen, welches 2 Schwestern bestettigen, die die Off- 



^) D»e Handschrift atis dem 17, Jhd, sth oben X 121, das Original 
verloren, Äuseiige, das Wichtigste enthaltend, 

Birlinger, Alemannia XI 1 1- 



2 

laten und den Geschmack des Weins anß ihrem Hundt schmeckh- 
ten. — In wehrendem Oebett (allezeit 1000 Ave Maria) war sie 
oft von andern Schwestern in den Lufft erhöben gesehen worden. 
Dieser folgete nach Ädelhaidis, hiesigen Capelans Schwester, die 
trug ein solches mitleiden gegen dem bittern Leiden und Sterben 
unsers Erlösers, dass an ihr o£Pt die 5 h. Wundmäßen seindt ge- 
sehen worden'^ Auch eine Ädelhaid von Au ward von Gottes 
Liebe so entzündet „dass sie auß Lieb gegen ihrem himmlischen 
Preidigamb, alß sie sang, in dem Lufft geschwebt hat. Eine 
Schwester Bertha (YoUmaringen) versenkte sich so ins Leiden 
Christi, dass sie sich nach der Complet an die Saul gebunden, 
geisselte, den Kopf anschlug. „Christus erschien ihr oft und redete 
bey dem Stillschweigen der anderen Schwesteren laut mit ihr, 
doch ganz sanft und zärtlich, dass es andere wol hören möchten/' 

Itta von HoUhausen gelangte durch Gottes Gnaden zum 
höchsten Gipfel der Vollkommenheit, übte Demut, Armut in Klei- 
dern, sie trug die abgetragenen der andern Schwestern; sie nam 
alle Krankheiten geduldig auf sich. „Ihre Sinn und Gedanken 
waren fort und fort entzogen von den Weltlichen Dingen und zue 
den himmlischen gerichtet, also dass sie oftermahlen im Geist ver- 
zuckt, absonderlich wan sie das Allerheiligste Sacrament des Altars 
empfinge, gantz unbeweglich und unempfündtlich wäre. Zueweillen 
war sie in der Liebe Gottes also endtzündet, dass sie ahn ihrem 
Herzen rechte Empfündligkhait verspirte, alß were es mit einer 
Flieden durchschnitten. '' In irer Vollkommenheit so hoch, dass 
sie Gott erkannte „wie er in ihm selber war". Sie hatte alles 
zeitliche verlassen, lebte in lauterem purem Geiste. ,,Einsmahl, 
als sie im Chor bei der h. Meß war, da man das Älleluja gelegt, 
hat sie in einer Verzuckhung ihren liebsten Breitigamb erkbandt, 
als Gott und Mensch, selben liebreich umbfangen und von ihme 
die trostreiche Wort zu hören wirdig worden: Ich will thuen, was 
Dir lieb ist. Nachdem sie aber wider zu ihr selbsten kam, ist 
ihr Gaist under der h. Meß auff dem Altar mit unserem Herren 
redendt, gesehen worden. Wie groß aber underdessen ihr Freidt 
geweßen ist, laß ich einen jedwedem Gottliebenden Menschen selbst 
bey sich betrachten.** 

„In der Betrachtung göttlicher Dingen wäre sie also vertie£Fk, 
daß sie etwan 3 Wochen darmit zubrachte. Wan sie befragt 
wurde, zu sagen von denen Dingen, die sie in solchem Standt er- 
führe, gäbe sie dise Antwordt: sie könnte es nit besser erklären, 
als wan sie einen Brosem Brodt nemme, und selben in einer Bütten 
voll des Honigß versenket, also wäre ihr Seel mit solcher Süssig- 
khait erfüllt, als wie jene Brosem Brodts.'* Ir Angesicht soll 
geradezu himmlisch gewesen sein, wen sie ansah, trib sie zur 
Liebe Gottes. Ir liebster Breütigam erschin ir oft, wie auch 
die Mutter Gottes, welche sie einsmals neben trostreichen Wor- 
ten ganz gesund gemacht hat, „der sie zue Ehren nach erlangter 



Gesundtheit zur schuldigen Danksagung 1000 Ave Maria gebettet 
hat. Sie Sache auch, die h. Jungfrau Maria mit ihrem liebsten 
Kindlein tmder dem Salve Begvna ober die Schwestern schweben. 
Von göttlichen Dingen redt sie oft mit Schwester Irmegard ohne 
Stimb Bewegung des Munds oder Leibß." Sie bekannte selbst, 
es wären durch ir Gebet vil Sünder bekert, vil arme Seelen 
erlöst worden. „Sie erforschte mit ihren Gedanken die Heimlich- 
khait der Hertzen, also daß sie erkanndte, wer in der Gnad Gottes 
were oder nicht." 

Agnes von Wehingen. Ire Müdigkeit, Sanftmut und Barm- 
herzigkeit. Verzückt im Geiste. Offenbarung yiler heimlicher 
Sachen, mit unaussprechlichen Freuden und Süssigkeit erfüllt. Zwei 
Kerzen brannten oft neben ir, wenn sie in eifrigem Gebete war: 
man wüste nicht, woher sie kommen. 

Elisäbet von Eutingen, Kam 9 Jare alt ins Kloster, grosse 
Anfechtungen des bösen Feindes, widerstand gut. Oft im Geiste 
verzückt. „Einesmahls, als sie im Baumgarten mit Schwester Irme- 
gard von der Liebe Gottes redete, wäre sie auß ihr selbsten im 
Geiste verzuckht, da sähe sie den Himmel mit den Augen ihres 
Gemüth offen und ihren geliebten Preitigamb und Seligmacher auf 
das schönste geziert, wegen welches sie mit so vberflissiger Freidt 
und Süssigkhait ist erfilt worden, dass sie überlaut schreüen musste, 
also daß die ganz Samblung zuegeloffen ist." 

„Oft ist sie im Baumgarten von den Schwestern ganz unbe- 
weglich gefunden und ins Closter getragen worden, nichts desto 
weniger verbarge sie ihre Heilligkhait und villfaltige Gnaden so- 
vihl sie immer kundte, ob sie schon in der Liebe Gottes voU- 
khommentlich brennte.^' Sie erkannte' einst Schwester Irmegard 
als ganz clarifiziert in der himmlischen Glorie; ebenso die h. Drei- 
faltigkeit. Ir Beichtvater war Bruder Philipp. Sie muste in 
die Kirche getragen werden. Einmal in der Sequenz Ave Prae- 
clara ist ir die h. Jungfrau erschinen, die sie in irer Krank- 
heit tröstete, sang bei irem Tode, sah mit höchster Süssigkeit 
ires Herzens die h. Mutter Gottes geziert von der h. Dreifaltig- 
keit aufs schönste. 

Adelhaid von Haiterbach. Große Verererin des bittern 
Leidens, weinte 10 Jare lang je am hl. Karfreitag, da man die 
Zeiten las oder sang bitterlich und bat Gott um Teilhaftigmachung 
der Schmerzen Christi am Kreuze; das ward ir gewärt. £s war 
ir als ob man durch alle Glider ein härines Seil ziehe. Gott 
erzeigte sich ir gemein. Von h. Gnade ward sie durchgossen. 
Sie hörte zuweilen die Engel singen, lieblich und süß; ir Herz 
war mildreich und barmherzig gegen Jedermenniglich , „dass sie 
mit dem Lachenden lachte, mit dem Weinenden weinte und die 
Beschwerden der andern tragen hälfe.'' 

Mechtüd von Sulz Krankenmeisterin. ,,Als sie zue Zeiten 
das Geschirr, da man zuer Complet lüte, noch nicht geseibert hatte, 



liesse sie selbige ungeseiberet ligen, ging in Chor, welches doch 
hernach, nach der Complet auff das schönste geseiberet war und 
wuBste man doch nit, wer solches gethan hatte/' Wie sie einst 
daran dachte, ir Amt abzulegen, erschin ir Christus mit dem 
schweren Kreuz, welches er auf dem Berge Calvariä getragen hat 
und sagte: sih Tochter was ich für dich gelitten hab u. s. w. 
Sie behielt hierauf ir Amt fort. Oft yerzuckt, aß nichts. ,,Eine 
Zeit wolte sie Bruder Conrad von PfefQngen ihrer Hailligkhait 
halber mit einer unconsecrierten Hostien versuchen, welches sie 
aber gleich im Gaist erkhandt und gesagt hat: Lieber Bruder 
Conrad, hie bringestu meinen Gott nit, sondern nur das Brod/' 

Haillwig von Herrenberg: „ihr Gaist bewarte ihren schlaffen- 
den Leib, als wie ein Mensch den anderen und vom Schlaff zuem 
Gottes- oder anderen Dienste auferwegte, welches andere hörten 
und darvon Zeugniss gaben." „In Begrabung einer Schwester, 
als man das Tuech von der Baar abnamme, sähe sie der Verstor- 
benen Leib ganz klar und glantzend, als wie die Sonnen/* 

Ädelhaid von Leideringen oft im Geist verzuckt gesehen 
worden, grosse Gnaden Gottes in ir, verbarg sie, gieng aufs Feld 
deshalb. 

HeiUwigis von Bottehburg. „In ihren vielen Leiden beklagte 
sie sich nicht bei Gott, sie sei ohne göttlichen und menschlichen 
Trost, da ward sie von Gott überflAßig getröstet. Auß dessen 
sonderbarer Gnad stunde ich auf und kam vor die Werksttibenj 
allwa die Schwestern bei der Arbeit saßen und sähe darinnen vill 
Engel, welche ein grosse Freidt hej ihnen betten. Ünder anderem 
aber sähe ich ein überauß schönen Jüngling , welcher einer jeden 
Schwester ein Rosen auf die Eunkhel steckhte und da er sich 
gegen der Thür zue mir nahete, hatte ich ihnn, daß ich auch 
einer derselben thaillhafftig werden möchte, wurde mir aber von 
ihm abgeschlagen und gesagt, daß keine von diesen Rosen 
erlangen khönndten alß diejenige , welche in der gemein bey 
der Arbeit schaffen und sassen. Da sähe ich weiter wie gemelter 
Jüngling einer jedwederen auß einer Bixen etwas gäbe, welches 
also wohl schmeckhte, daß kein Geruch in der Welt ihme gleich 
were. Da batt ich ihn wider, daß ich von diesem etwas be- 
khommen möchte, wurde mir aber wider auf obige Weiß abge- 
schlagen. Auff diese abschlägigen Antwurtt fuele ich vor Schmerzen 
zue Boden, daß ihr mich, wie Euch wohlbekannt, von dannen 
tragen muessten; ihr vermeindten zwar, dass dieses auß leiblicher 
Schwachhait geschähe, aber weillen Euch auch wohlbewusst, daß 
ich in meinen eräfften noch stehen, noch gehen möchte, so müesst 
ihr wissen, dass solches auß sonderbarer Gnad und Wunder Gottes 
geschehen ist. Dises verzehlte sie vor der ganzen Samblung und 
starb so schön wie sie gelebt hatt.'' Auf dise Nachricht hin 
trugen die Schwestern ire Bitten in die Werkstube, um der Gnaden 
teilhaftig zu werden. 



Drfäelindis von Weitingen erhielt yile Gnaden, „absonder- 
lich die Erkhandtuüs znkhünftiger Dingen. Inn ihrem seligen Endt 
erschien ihr Christas und sein h. Matter, welches sie denen 
Schwestern durch gewisse Zeichen, so sie von ihr begehrte, da sie 
noch reden kundte, bewißen hat/' 

Wiliburgis von üeffnengen 30 Jare mit grossem Eifer und 
Arbeit im Kloster lebend, lag auf Brettern und einem Stein, ein 
Kette um ire Lenden ins Fleisch gewachsen, Einöde, Menschen 
fliehend. Oft im Geiste verzückt, besonders bei der h. Gommunion. 
Wie sie einst die himmlische Freude betrachtete und bangte ob 
sie selbige erlange, hörte sie eine Stimme : Du wirst in den 9. Chor 
erhöchet werden, und daß hörte sie, weil sie keinen Glauben daran 
hatte, nochmal: dises ist so war, als du wirst Priorin werden. 
Ire Vererung des Jesuskindleins war so, dass man sie auch für 
ein Kind hielt. Deshalb muste sie bißweilen aussezen und welt- 
liche Geschäfte üben. „Und weillen sie so sehr der Betrachtung 
seiner (Christi) Kindheit ergeben war, so erschien er ihr offter- 
mahlen in Kündtlicher Gestalt, in welcher er mit ihr Icurzweilet 
und als ein Kündt spület. Es geschähe aber solcheß meistens in 
der Heul, Adventszeit ^ allwa sie in ganzem ihrem Gemüeth von 
villfaltiger Gnad und Gegenwart Christi erfüllet war, welches ein 
höchste Freidt und Süessigkhait ihrer Seelen verursacht, also dass 
sie von keiner Schwester wehrender Zeit möchte beriert und an- 
gegriffen werden. Etlichen Schwestern bekhanndt sie einesmahles 
auß überflißiger Freidt, daß ihr Herz in Gott, und Gott in ihrem 
Herzen wirklich were. Als sie das Kellermaisterin-Amt hatte, kam 
einesmahls ein Bettelmann inn der Länge und Färb, wie Christus 
nach Außsagen der Menschen gewesen ist auff Erden, zue ihr, 
dem sie von Grundt ihres Herzens Brodt und Wein gab. Alß 
sie ihme aber etwaß zu eßen auß der Küchel hollen wolte und 
mit der Speiß wider zurückkäme, wäre er verschwunden, yber 
welches sie sich herzlich bekhümeret, weinete auch schmerzlich, 
alß sie vernommen, daß er weder von Schwestern noch vom Thor- 
hüeter ist gesehen worden, daß sie niemand trösten könnte, da 
sie könnt ihr leichlich einbilden, es seie derselbige geweßen, den 
sie yber alles liebte, nemblichen ihr himmlischer Preitigamb.*' 
Eine Schwester fand sie einst in der Zelle mit ganz erleuchtetem 
Angesichte, als ob die Sonne darin schine. Am h. Schuzengeltag 
erblickte sie über der Sammlung Christus mit einer grossen Schar 
Engel schweben. Irmegard bezeugte es auch. Einsmals als sie 
ser betrübt war „erschien ihr die h. Mueter Gottes mit ihrem 
lieben Kv/ndlevn und truckte es ihr an ihr Herz, auff welches sie 
gleich getrost und gesundt worden ist.'' 

Mechtild von Zimmeren in die 50 Jare im Kloster. Irme- 
gardt von Bosenfdd hatte geheime Krankheiten geduldig ertragen. 
Am Altare kniend begert sie von Gott zu wissen, wie lieb sie im 
wäre : „da erschin ihr Christus in Gestalt eines kleinen Kindleins 



6 

* 

und nachdeme er vill Kurzweil und Freidt mit ihr gehabt hatte, 
saget er ihr dise Wort: Thue du mir, als wie ich dir! Auß 
disem kundte sie ja abnemmen die grosse Lieb, die Gott gegen 
ihr trüge.*' 

Mechiildis von Hochenmessingen habe in 18 Jaren niemals 
das erste Pater noster im Chor versäumt. 

Drutelindis von Haigerloch „die ihr Vollkommenheit erlangte 
in Betrachtung deß bitteren Leiden und Sterben unseres Herren, 
in welcher sie bißweilen hundert Stundt verhärte. Ueber das hatte 
sie auch ein großes Mitleiden gegen deren Selen im Fegfeuer, 
denen sie mit ihrem ei£Prigen jGebett treulich zu Hilff kommen ist.'' 

Wüiburgis von Bottweil „Ihr Angesicht war ganz klar und 
leichtigy wenn sie vom Gebete kam. Einesmahls als sie sich nach 
der Mettin ihrer Gewonheit nach zu dem Gebett yerfiegte, under- 
dessen aber Schwester Ädelhait von Horb sich wegen ihrer Schwach- 
heit zuer Ruhe begäbe, hörte A. ein Stim, die also lautet: was 
ligstu hie und ruehest und es kniet ein Schwester vor dem Altar 
bettendt, welches Gebett so krä£Ptig ist^ dass es Himmel und 
Erden bewegen möcht. Desswegen sie gleich aufgestanden und 
der Kirchen zugeloffen ist, zuesehen, wer diese Schwester wäre. 
Da fand sie Schwester Wiliburg vor dem Altar bettendt und 
glantzend als wie die Sonn. Da sie 13 Jahr alt war, erschien ihr 
vnser Haillandt, der sie zue aller Vollkommenheit vnderwise. Eines 
ist sich zu verwundern, welches sich ahn dem h. Weyhenachts 
Abendt hat zuegetragen. Zuer selbigen Zeit erschien die h. Mueter 
Gotteß der Claußnerin zu Qruell mit ihrem Kündlein, die es von 
ihr herzlich begerte, wurde ihr aber dises Begehren abgeschlagen 
und gesagt : Sie müeste es nacher Kirchberg Schwester Wiliburg 
von Rottweil bringen ; und geschähe solches nit vergebens, denn 
dazumabl wäre Wiliburg von einer schweren Kranckhait geblaget, 
wurde also erforderet, daß sie von demselbigen getrost und er- 
quickht wurde. Zue dessen Ehr sei alles verrichtet!" 35 Jare 
lang habe sie keine Stunde in Eitel- und Ueppigkeit verzert. 

Ädelhaid von Horb in der Liebe Gottes so inbrünstig, ,,dass 
sie oft desswegen schreyend ist gehört worden." „Von über- 
flissiger Freuden der Gnaden Gottes war sie ganz voll und war 
ihr Gebett bey Gott sehr angenemb." „Ihr Gemieth wäre zum 
Gottesdienst so leicht, dass sie, als sie zuer Metten au£Pgestanden 
ist, vermeinte, sie köndte über das Closter fliegen, desswegen sie 
nie kein Au£Pweckhen vonnöthen hat u. s. w.'' 

JBenigna von Heri/ngsten hatte eine ganz besondere Andacht 
zu irem himmlischen Bräutigam, dass sie sie manchesmal von der 
Metten biß zur Prim mit iren Gedanken von ihme nicht weichte. 
Ausser der Schwester von Holzgerningen war die sog, Cüsterin 
auch da; 40 Jare waltete sie ires Amtes: keine Arbeit zu schwer 
usw. Mechtild von Weildorf, Heill oder Helena von Wurst 
von Gott mit Gnaden verert, litt an Blutflüßen: „sonderbahr, daß 



Er (Gott) ihr seine liebreiche Handt, welches o£ft von andern 
Schwestern gesehen worden, under ihrem schwachen nnd blöden 
Haubt gelegt hat/* Mechiitd von Leidringen konnte ir herz- 
liches Mitleiden mit dem gemarterten Christus im Angesichte nicht 
verbergen; ward auch im Geist verzuckt. Lutgardis von Bronn- 
haubten war im Geist oft vor Freidig- und Siessigkhait erhebt. 
„Einesmahls alß man sie in der Eranckhait mit unserem Herren 
versähe, erkandte Schwester Irmegard im Gaist die Wandlung im 
Kelch, ganz verändert in frischem Bluet/* Mechtildis Basslerin, 
Lutgardis von Haigerloch. Mechtildis von Nagoldt zog sich in 
einer h. Weihnacht beinahe ganz aus biß auf einen Rock und 
betete so vor irem Bette die ganze Nacht, obwol es ser kalt 
war. Sie war ser krank und zulezt ir Körper dick aufge- 
schwollen. In der Nacht, bevor sie Morgens starb, sähe sie Chri- 
stus, seine H. Mutter mit einer Schar Engel und Heiliger neben 
ir sten und sie trösten. 

Schwester Adelheid von Mahneßheim war in allen Tugenden 
„ein vollkommenes Mensch^', wollte vor lauter Demut nicht im 
Kloster bleiben „begerte sie von grundt ihres Hertzens, daß sie 
under der Chorthür in langer Venia ligen und die Schwestern 
ion- und außgehendt des Chors au£P sie träten möchten. Als sie 
zue Tisch sasse, weinte sie vor Freiden, daß ihr Gott zue der hl. 
Sammlung geholffen hätt, ob sie schon nichts änderst als lauter 
GrüebUin (corrig. Armenspeiß) essen mueste.** Sie war eine große 
Armenfreundin, trug alles für selbige zusammen. Wilihurg von 
Weitingen, allezeit in höchster Forcht gegen Gott. An Communion- 
tagen redete sie kein Wort. Hedwigis erwise Gott ser .große 
Gnaden „sonderlich selben Abend, als Itta von Holzhausen starb, 
daß ihr Herz mit grosser Siessigkhait erfilt war — sprach sein 
h. Wort aus mit großer Begirdt ihres Herzens.*' 

Gertrudis von Horb „war noch sehr jung in Jahren als sie 
starb und zue Nacht Schwester Irmegard und Hedwig von Obern- 
dorf bey ihr wachten, da hört Schwester Irmegard auf das lieb- 
lichste und Süesseste die h. Engel singen und weillen Schwester 
Hedwig solches nit hörte, baten sie Gott zugleich, daß sie dieser 
Siessigkhait auch möchte thaillhafftig werden. In disem erhörte 
sie Gott , daß sie es mit großen Freiden des Herzens vernommen 
hatte und wie solches die junge und krankhe Schwester verstan- 
den, sprach sie, sie hete dises liebliche Gesang wol schon 4 Wochen 
gehört, darau£P verschide sie.** 

Mechtildis Wilrschtin Priorin, „daß sie desswegen alß ob 
sie mit Reiffen gebunden were, sehr engbrüstig befunde, also daß 
sie ofiPt den Athem zue hellen den Mundt aufsperrte, als wann sie 
verstückhen wollte. — Schwester Irmegard sähe sie auff einmahl 
under vil Schwestern im Geist, welche zwar alle schön waren, 
also wie Ein schöne Lilien under den Blumen, dero todt sie auch 
vor 4 Wochen erkhandt hatt.*' 



8 

Wemtrudis von Bubenhofen redete über Niemand etwas 
Nachteiliges, ob wol man sie auf die Probe gestellt hatte, sie 
habe die rechte Erkenntnis Gottes gehabt; zur Anhörung des 
Wortes Gottes zeigte sich in ir ein rechter geistlicher Hnnger 
und Durst. Kunegundis von Zimmern „aus dem Hochadeligen Ge- 
schlecht Ton Zimmern geboren, aber vil edler an Tugenden, dann 
ob sie schon Ton hochem Stammen herkhommen, erzeigte sie sich 
doch in ihren Worten nnd Werkhen ganz demüetig, mild und 
barmherzig und liebreich gegen Jedermänniglich. Durch 25 Jahr 
war sie niemahl sitzend bettendt gesehen, wohl aber kniendt, 
stehendt oder in einer langen Venia ligendt/' Adelheid von Nagel- 
ten Bied, JSfechtüd von Hausen. Kunigund von Botiweil „hat 
Ton Gott grosse Gnaden erlangt, sonderlich da sie ihn in der h. 
Hostien empfünge, dan, da empfundte sie ein solche Süessigkhait 
durch selben und andern Tag hernach in ihrem Schlund, als ob 
ihr forthin Honig hinunderflosse , wesswegen sie leichtlich ohne 
leibliche Speiß leben j^ondte/^ Itta von Küebvo-g. Ädelhaid von 
Mtingen. Ädelhaid von Obemdorf „war eine grosse Liebhaberin 
der Heiligsten Mueter Gottes und allzeit Jungfrau Maria, welche 
ihr zu Ehren mit lauter Ave Maria in ihren Betrachtungen einen 
Mantel zu machen pflegte." Gruota von Haßlach: „Einesmahls 
als sie zue Weyhenachten sehr schwach im Chor vor einem Mutter 
Gottesbild stuende und sie ihrer Schwachheit ermandte^ wie auch 
hilff und Trost durch ihr liebreiches Eindelein begerte nnd durch 
die grosse Freiden, die sie mit ihm auf Erden hatte, ist sie ihr 
leiblich mit ihrem Kindelem erschienen und ihr es an das Herz 
getruckt und gesagt: Sihe, mein Eindt sol dein trost ewiglich 
sein und aller derselbigen, die ahn ihm Trost suchen, auff welches 
der Chor also hall und klar worden, dass Schwester Itta von Holz- 
hausen sehr dariber erschrocken ist." 

Mechtild von Schömberg jungfräulich rein, große Lieb- 
haberin Jesu, emsiges Gebet, schwere Krankheiten. „Also daß 
sie auch die grösste und höchste Notturft nit begerte und da sie 
unsern Herren empfangte, mueste man sie mit einem Tuech be- 
decken, damit sie von andern nit verhündert wurde und einig mit 
Gott ruhen konnte; — die h. Mueter Gottes ist ihr auch in einer 
schweren Erankhhait mit ihrem lieben Kindlein auf dem Armb 
tragendt erschinen und mit ihr ganz freundlich und liebreich ge- 
redt. Durch dises Gesicht ist ihr Herz und ganzes Gemieth er- 
quickht worden und hat zugleich ein grosse Lünderung in ihren 
Schmerzen empfunden. Ein andersmahl ersohin ihr Christus ihr 
geliebter Bräutigamb in Gestalt eines schönen Jünglings, der sie 
befragt, ob sie lieber hier oder dort in der andern Welt leiden 
wolle? Darauff gab sie ihm zur Antwort, sie wolte gern und lieber 
alle Pein und Schmerzen hier mit Geduld leiden, wan sie nur der 
Pein des Fegfeuers befreuet wurde. Ob disem gescheiden Be- 
gehren häte Gott ein solches Wolgefallen, dass er sie nach 5 Stun- 



9 

den (corrig. Tagen) von denen zeitlichen Feinen und Schmerzen 
erlediget hat.^ Elisäbet bittet die Schwestern aof irem Totbeite 
Gott zu Eren ein Te Denm Landamus zn singen. 

Heü von Orud, arme von allen Menschen ausgeschlossene 
Schwester; wegen ires erblichen Siechtums muste sie Tom Kloster 
entfernt leben „doch inner der Mauern der Glausnr. Da von Gott 
mit vilen Gnaden begabt und in irem verächtlichen Stand ge- 
tröstet. Einesmahls, als sie in ihrem Heislin war^ höi*te sie an 
der Thür anklopfen mit einer Klopfferen (soll wol Klapperen heilSen), 
alß ob es ein Siech were; in Aufmachung aber der Thür sähe sie 
3 Jünglinge in einer solchen schönen Gestalt, welche gleich in 
Himmelfarb gekleidet waren, dessen Schön kein Mensch auff Erden 
hätte, Tor ihr stehen, auß welchem sie gleich schlösse, dass es 
dieselbigen 3, welche dem Abraham ersohinen seindt, die er doch 
nur als Einen angebetet hat, sein müesten, nemblichen die h. 
Dreyfaltigkhait. Deßwegen sie niderkniet und selbe gleich dem 
Abraham angebettet hat. In wehrendem Gebett aber, da sie in 
dem Mitleren die 5 h. Wunden gesehen, ist sie gar in das Ve- 
niam gelegen und hat recht erkhandt, daß es die h. Dreyfaltig- 
khait were, von dero sie auch 3 Sachen ganz demüetig begehrt 
hat, nemblichen dass ihre Sünden alle Verzügen wurden; daß der 
Sohn sich würdigen thete, zu ihrem Ende zuekhommen und daß 
kein Mensch den Siechtumb erben möchte. Nachdem sie aber 
von disem Gebet auffgestanden, ersähe sie nur denselbigen, der ihr 
die h. Wundmässen gezeigt hat, welcher ihr Begehren bestettiget 
mit folgenden Worten: Dasselbe was du von mir begehrt hast, 
soUestu gewerttig sein, wisse, daß du so rein bist von allen Sün- 
den als an dem Tag da du getauffet wurdest? Ich will zue deinem 
End kommen und kein Mensch soll von dir dein Kranckheit erben.'' 
Als sie einst communizierte, es schneite und regnete, sie nicht von 
der Kirche heim konnte, bat sie um Heimker: der Weg ward so 
schön und grün als ob es mitten im Mai wäre. Einmal wie sie 
in die h. Messe gehen wollte, kam ein Unwetter: da erhob sie 
ire Augen gen Himmel und bat von Gott Hilfe „da ersähe sie 
ein güldenes Creutz ob ihr in dem Lufft schweben, und wurde 
der Weg , den sie gehen muesste ganz truckhen und schön, daß 
sie selben leicbtlich verrichten köndte. Ihr Endt war ganz gnaden- 
reich." 

Qertrudis von DoUernhausen zeigte oft ein verklärtes Ange- 
sicht, krank, kasteiend, 

Hildebwrg empfieng einstens nach der h. Gommunion eine 
solche Süßigkeit, die ir 3 Wochen in irem Munde verblib; auch 
alles was sie genoß, war als wie von Honig. 

[Lehen des Beichtvaters P Waltheri in Kirchberg; echtes 
Kind des Ordensvaters ;f exemplarisches Leben, jung als Beichtvater 
nach K. strenge wie die Altväter. Seinen Leib bezämte er jare- 
lang mit einer Eisenkette. Er stand des Nachts drei Stund (mal) 



10 

auf zum Gebete« Er schlief auf Stroh, das 40 Jare niemals ge- 
schüttelt und nmgekert ward. Die Sünde beweinte er, bat oft 
8. Mitbruder P Berthold t. Messkirch, in im Felde oder Walde 
Beicht zu hören. In Kleidern rauh, demütig. Abends wollte er 
nie kochte Speisen eßen , strenge Fasten. In 40 Jaren hat er nicht 
für 2 Pfennige Fische gegeßen. P Conrad von Pfef&ngen hörte in 
80 Jare Beicht. Järlich am grünen Donnerstag hat er 12 Aus- 
säzigen die Füße gewaschen, die geküßt und jedem 1 Pfennig 
gegeben. Einmal sezte er 12; 13 fand er „auß welchem er wol 
abnemmen kundte, dass der Dreyzehende Niemand änderst were, 
als der liebe Gott selbsten, denn er aus Grund seines Herzens 
liebte und zu dessen Ehren er mit seiner h. Gnad ein so heiliges 
und frommes Leben geführt hat. Er leichtet auch mit Wunder- 
zeichen, da Er noch lebte. Dan als er mit Bruder Ruprecht von 
Weilan einesmahls ein Claußnerin heimsuchte, sie aber nit ver- 
möchte ihm einen Trunck Wein zu geben, sondern nur Wasser, 
hat er durch das Zeichen deß h. Creutzes selber Wasser in den 
besten Wein veränderet^ wovon alle getruncken und Zeugnüß ge- 
geben haben. Er hat gemeltem Bruder vill grosse geheime Sachen 
o£fenbar gemacht, die ihm aber zu sagen seindt verbotten worden. 
Under anderem aber erzehlt er ihme, wie er Eines Tages die Wand- 
lung in der h. Meß erkhendt habe, welches in gleichem dem an- 
dern Bruder selbigen Tag* begegnet ist.^' Oft habe er und Bruder 
Euprecht biß Abend disputiert. „Under anderen grossen Wunder 
sah er auch einsmahls, da er in der Meß unseren Herrn niessen 
wolt, daß Brueder Ruprechts Gaist dahin käme und die Hostien 
niesste, dessen er alsdann beraubt war. Ingleichen geschähe ihm 
auch offt mit etlichen Schwesteren.^^] 

Mechtüd von Wäldeck begab sich 8 Jare alt ins Kloster, 
Liebhaberin der Armut, schwere Krankheiten. „Gott, zu dessen 
Ehr sie alles litte, hat sie mit villen Gnaden begäbet. Als sie 
vor dem Altar bei dem Hoch würdigen, welches sie oft im Brauch 
häte, betete, so vermerckht sie, alß wan Got innerlich in ihrer 
Seel ganz trostreich und sieß reden thete, sie darbey underwise, was 
sie zue Nuzen ihrer Seelen begeren, wie sie betten und wie sie 
alle ihre Sinn zusammenziehen und alleinig und einig in ihme 
richten solte. In diser so schönen Andacht wurde sie ofPt inner- 
lich erleuchtet, dass sie würcklich Gott und die h. Englen im 
Geist mit ihr reden hörte. Einesmahls erschine ihr Christus und 
redet sie an mit disen trostreichen Worten: Alles was ich an dir 
thue, das gefeit mir wol, ich will Wander an dir würckhen. Dar- 
auff sie ihm geantwortet und begehrt, daß sein Willen in allem, 
was Er ihr zuschickhen wurde, geschehen solte, es were ihr lieb 
oder laid. Hernach sprach Christus: weillen du deinen Willen in 
den meinigen vereiniget hast, gleich wie ich den meinigen in 
meines himmlischen Vaters, so will ich mich mit dir ewig ver- 
einigen. Auf ein andermahl sagt er weiter zu ihr: siehe, ich hab 



11 

dich mit meinen göttlicben Armben ambfangeD, begehre von mir 
was du wilst. Weilen sie aber nit gleich verfaßet war, was sie 
begehren solte, sagte sie: was sein h. Will wäre, das wolte sie 
begehren. Daraa£f sprach Gott zue ihr : du hast recht gebetet, 
es ist geschehen, du, thue da mir, als wie ich dir leiblich kossen; 
weiU sie aber dises nit wol verstände, so sprach 6ot zu ihr ganz 
liebreich: Avete, seye gegrüesst und legte ihr das Vorgesagte aoß; 
du soltes mich lieben, als wie ich dich liebe, von grnndt meines 
Herzens und soltest sein mein allein und sonst niemand mit dir 
gemein. DaraufP saget er : du bist ganz schön^ mein Freindtin, und 
ist kein MacuU an dhier und hinderließ ihr den göttlichen Kuß. 
Deß wegen sie also in der göttlichen Liebe entzündet wurde, daß 
sie ein Engel Einesmahls, welcher von Gott zue ihr geschickht ist 
worden, nach Ablegunge des göttlichen Grueß ein himmlisches 
Mensch genendt hat, welcher sie auch ermant dieweillen ihre Be-* 
girden nur zue Gott stunden und von dem Leib au£fgelöS6t zu 
werden, daß es nit so baldt geschehen khendte, es were zwar war, 
daß sie Gott ohne Macuil erkhendt bette , allein schickhte er ihr 
einen Spiegel, darinn sie wirdt erkhennen khennen, in waß für 
erkhandtnus und geheimnuß Gottes sie noch gelangen khendte, die 
sie noch nicht bäte. Welches auch hernach geschehen, daß ihr 
Geist in Erkandtnuß Göttlicher Dingen also hoch erhöbt ist wor- 
den, daß die schwesteren, denen sie su''Zeiten davon erzehlte, sol- 
ches nit verstehen noch ergründen khündten.^' An Pfingsten sagte 
sie einst, sie könne die Menschen nicht ansehen vor Freuden, 
Trost und Süßigkeit, mit welchen ir Herz von göttlichen Dingen 
angefüllt war; ire Seele sprang vor Freuden im Leibe auf. Bißi 
dem Lesen, bei gemeiner Arbeit üblich, entfiel ir oft die Arbeit; 
Gott redete mit ir und sie mit im, wie zwei Menschen mit ein- 
ander reden. „Wan sie bißweilen aus vorfallenden weltlichen Ge- 
schäften von denen reden müeste, damit sie ihre Sinn und Ge- 
danken von Gott nicht abwenden derffte, redte er und gab Antwort 
statt ihrer.^^ ' Einmal verlangte sie von im an Pfingsten, was Ge- 
betes sie dem h. Geist wolgefällig verrichten sollte? Er antwor- 
tete: in den Herzen und Seelen von irdischen zergänglichen Dingen 
wohne der h. Geist zum liebsten. „In wehrendter Meß aber her- 
nach ersähe sie geistlich in ihrem Leib ein überauß schönes glän- 
zendes Liecht und neben disem noch kleinere, welches also schön 
und klar war, daß sie sich darinnen zu versehen vermeint.'* Das 
war ire Seel, sie hörte dabei diso Wort von unserem Herren: ich 
will dich erleuchten und deine Werk! Sie hörte, weil sie noch im 
Zweifel war, was es were, die Wort: ich bin der Weg usw. lieber 
die geistige Gommunion antwortet Christus: aus guter Gewonheit 
gen vile Leute in die h. Messe, welche nach iren Verdiensten des 
unendlichen Opfers teilhaftig werden, denen aber, die mich geist- 
licherweis zu empfangen begeren, gib ich meinen waren Leib und 
Bluty aber Reue, Beicht gehört vorher dazu ; vile empfangen seinen 



12 

Leib nicht wissend ob sie seiner anch würdig sind. „Aber dem 
ich mich selber geistlich geb, der ist sicher, daß er meiner wür- 
dig ist/' — „Beim Altar empfahest du nit was du siebest, son- 
dern was dn glaubest/^ Er lernet sie dabei sprechen: hoc est 
corpus meum. Gott erschin ir noch vilmals, tröstete sie, er wolle 
sie stärken mit s. h. Leib nnd s. wertsamen Blute, mit s. zarten 
Seel, wolle die Seel großmachen mit seiner ewigen Gottheit. 
„Wachse und dn wirst mich essen." Erkannte zukünftige Dinge, 
erfur alles von Gott, was sie begerte. Beim Begräbnis der Klaus- 
nerin von Gruel erfur sie iren Tod. Sie siht beim Todesnahen 
die Engel, Heiligen, Christus der sang : Electa mea! tl305. Nach 
irem Tode sangen die Engel Venu 

Die Clausnerin von Delckhofen war ein frommes und an- 
dächtiges Mensch. Iren Tod zeigte sie den Schwestern 3 Tage 
vorher an, offenbaret inen auch die grossen Gnaden, die Gott ir 
erwisen hatte. Er ist selbst mit seiner h. Mutter und einer 
großen Anzal h. Engel im Todesaugenblicke zu ir gekommen, 
das sah sie vorauß. Ebenso das Begrüßen von Seite der Heiligen. 
Einsmals wollte sie wissen, ob ein sündiger Mensch die Unschuld 
des Taufs erlangen möchte, antwortete Gott: Ein Mensch, der in 
eine Totsünde gefallen, kann zu diser Unschuld nicht kommen. 
Er gelangt aber zu einer solchen Klar- und Lauterkait , die vil 
schöner ist, als wann er nicht gesündigt hätte. Ueber übelange- 
wandte Zeit erstatten: „wa ein solcher Mensch kommet und zue 
rechter Lieb gelangt, so wird er durch ein Jahr reicher an seinen 
Verdiensten werden, als wan er gute Werkh die Tag seines Lebens 
gethan hette und die Lieb nit gehabt und bekräftiget es Gott mit 
disen Worten: amor vincit omnia. — Mir ist besser ahn dhier, 
als dhier an mir, dann ich erkhenn dich, du aber erkhennst mich 
nit." Gott machte sich mit ir so gemein, daß er dise trostreiche 
Wort gesagt hat : ich bin dein und du bist mein, was möchte auch 
besser sein? Daß mein soltest sein, sagte sie, dessen bin ich nicht 
werth. Daß ich aber dein seye, was hilft dich dises, mein Gott? 
Es hilft mich soyil meine Tochter, daß meines Vaters Willen an 
dir ist erfüllt und mein Todt erhalten worden und die Gnad des 
h. Geistes in dir vollkommentlich würckhendt ist inn deiner Seel. 
Einmal sah sie, daß Gott vile Altäre weihete und darinn wonen 
wollte; es ward ir offenbar, daß die Herzen der Schwestern dar- 
unter gemeint waren. „Ich will, sagte Gott, nicht weihen, wie die 
Bischöfe mit Wasser, sondern mit meinem rosenfarben Blut.'' Auf 
irem Totbette wollte sie den Schwestern von den vilen Gnaden 
erzälen, konnte es aber wegen Krankheit nicht; nur das: Gott 
habe ir einst gesagt : ich und du werden eine fröhliche Urstend 
haben. Sie wollte für das Geheimnis des Todes Christi 1000 Tod 
sterben. Iren Tod wünschte sie bei Tage, wie Christus starb. 
Beim Scheiden sagte sie noch: die Schwestern sollen ire Gemüter 
von allen zeitlichen und zergänglichen Dingen abziehen, so würde 



13 

Gott gemein mit inen. „0 weh, liebet Gott und lasset Ench Nie- 
mand darvon abwendig machen." 

Irmegard von Roth: mit ir wirkte Gott in irer blühenden 
Jagend Wunder. 12 Jare alt fiel sie einst in Onmacht, da sie 
mit andern Kindern zu Tische saß und aß, weil dise in Abwesen- 
heit der Meisterin mit einander redeten. Als sie zu sich kam: 
„o ihr liebe Kinder, ihr sollt über Tisch nit reden, denn ich habe 
einen erschrecklichen bösen Geist gesehen, der alle euere Wort auf- 
geschriben hat.^ Große Inbrunst im Gebete, daß sie nichts mer 
nm sich wüste. wie großer Gnaden habt ir mich verhindert, 
pflegte sie zu sagen, wenn man sie störte. Sie war ein Spiegel 
aller Tugenden, fürte ein hartes Leben. Am Tage, da sie den 
Weil bekam, erschin ir unser Herr im Refektorium mit s. Kreuze, 
stellte sich vor sie und redete ganz liebreich und freundlich mit 
ir, sowie sie mit im. Die Umsteheoden hörtens verwundert, konn- 
tens aber nicht verstehen. In Erholungsstunden schlug sie ire 
Augen gen Himmel : o wann kommt die Zeit, daß wir zum ewigen 
Leben gelangen mögen! Sie ward dann traurig. Wenn sie bei 
den Menschen lustig sei, gedenke sie an die unbegreifliche Freud 
der himmlischen Glorie usw. Sie war eine rechte Himmelsrose 
aller Tugenden, leuchtete wie eine Fackel in der Liebe Gottes. 
Tiefste Demut gegen Gott und die Menschen. „Alß sie nun 
nahendt zu ihrem Endt käme und ihr Beichtvater als ein h. Mann 
sein Gebet verrichtet hat, sähe er, daß daß Closter voller weissen 
Tauben wäre und erkhendte darauß , daß es Irmegards Tod be- 
deuten thete; dahere ginge er nit mehr von ihr, biß sie ihren 
glückseligen Geist aufgebe. Sie gehörte nicht dem Kloster an, son- 
dern war in Straßburg. Eine alte Schrift sei dem Schreiber 
P Keßler zu Händen gekommen und er habe ir Leben wollen hie- 
her setzen.'' 

Schwester Irmegard. Herkunft und Geburt unbekannt. Schon 
in frühester Jugend ir Leben innig und allein zu Gott richtend, 
nam sie Abschid von der Welt, kaum 10 Jare alt. Die Abtötung 
bei ir gieng so weit, daß sie den Strohsack mit kleinen Steinen 
füllte, daß er einem Estrich an Härte gleich war. Diser Ueber- 
eifer ward gedämpft und als sie Holzblöcklein in das Bett schob, 
ward ir auch das untersagt. Endlich wüste sie sich ein Bret 
zu verschaffen, welches sie des Tages über vor den Obern verbarg. 

Von dem großen Feuer der göttlichen Liebe, das in irem 
Herzen brannte, hat Gott sichtbare Zeichen gegeben. Aus Ange- 
sicht und Mund schimmerten Stralen und heller Glanz, auch ire 
innbrünstigen Seufzer ließen es mercken. Ja dises inwendige Feuer 
schlug armsdick in wirklicher Feuergestalt aus dem Munde. Sie 
starb einmal fast davon und meinte den lezten Atem zu ziehen. 
Innerlich war sie mit solcher Süssigkeit angefüllt, unaussprechlich, 
sie drang ir durch die Seel, Herz und durch das Mark irer 
Beine. 



14 

Kaam sibsehen Jahre alt, hatte sie, aas Lieb zu irem himm- 
lischen Bräutigam, der Welt abgesagt und nur im zu Liebe alles 
zu tun und zu lassen beschlossen. Mit 20 Jaren hörte sie von 
der h. Elisabet und wie die heilig ward durch die größte Liebe 
gegen Gott. Dise Lieb und die der h. Maria Magdalena begerte 
sie eifrig von Gott. Nun ward dise Liebe bei ir so groß, daß 
sie eine Woche 14 Tage und sogar ganze 6 Wochen in Gedanken 
keinen Augenblick von diser Liebe gewichen ist. Als das Herz 
vor Lieb verwundet war, bat sie Gott Tag und Nacht um Hilf 
und Beistand, daß sie nicht aus Schwachheit von diser Lieb nach- 
lasse, Gott möge ir beistehen. Sie glaubte ir Herz gebrochen 
und voll der Wunden, ein Stral g^eng wie der h. Theresia ir durchs 
Herz. Die überfließende Liebe Gottes habe das Blut aus den Adern 
und das Mark aus den Beinen gesogen : Herz und Leib verlieren 
an Kräften. Zu Pfingsten verlangte sie einst wie die h. Apostel 
erfüllt zu werden, da hat sie Gott mit seiner Liebe so übergössen, 
daß sie es am ganzen Leibe verspürte und die Freude und Süßig- 
keit davon konnte sie nicht aussprechen: alle 'Freuden der Welt 
seien wie ein Schatten gegen der Warheit. Zu Weinachten be- 
gerte sie wider Liebe und ward wider übergössen, wie oben ge- 
sagt. Sie meinte, sie könne nicht mer von der Stelle und ire 
Seele müste vom Leibe scheiden. So hatte sie es 14 Tage nach- 
einander. Die langen Winternächte wurden mit Uebungen ver- 
bracht. Endlich bat sie wider um Liebe, so vil ire Schwachheit 
ertragen könnte, sogar eine Liebe der Seraphim und koste sie es 
auch das Leben. Einst am h. Schuzengel Tag gieng es in Er- 
füllung, ir Herz, meinte sie, sei mitten durchschnitten und das 
dauerte 12 Jare biß sie wider geheilt war. Endlich begerte sie 
gänzliche Einschließung irer Seele in seinem Herzen usw. 

Sie oblag dem Gebete eifrigst und tat es so kräftig, daß 
ir Gott nichts versagte, ir selbst durch einen Engel Geheimnisse 
erschloß. Besonders vererte sie Johannes den Täufer und die 
Apostel, sowie den h. Ordensvater Dominikus, merere davon er- 
schinen ir einstens nach dem Gebete und wisen sie zurecht, wel- 
ches ire Patronen seien. 

Durch ir Gebet seien oft ire Arbeiten glücklich von statten 
gegangen; ir Rücken und ire Knie hätten oft gekracht, als wenn 
man dürres Holz zerbreche. Ir Gebet haben auch die armen 
Seelen wol erfaren. Auch die Engel wüsten dises Gebet zu wür- 
digen und sangen einstens dazu. Eine Stimme daraus ofiPenbarte 
ir, daß sie eine gewisse Seele, von ir erlöst, gen Himmel geleiteten. 
Sie war oft verzuckt im Geiste, sah den Himmel offen, Christum 
den Herrn, dem ir Geist, wie ein Kind dem Vater, entgegen gehen 
wolle, und dabei war ir Körper ob der Erde schwebend. 

Einstens am St. Maria Magdalena Tag war sie wider so recht 
voll Inbrunst, sah im Geiste den Himmel offen und Christus in seiner 
himmlischen Glorie und in im wie in einem göttlichen Spiegel 



15 

zukünftige Dinge: Gnaden, Mühseligkeiten, Krankheiten die ir war- 
teten. Endlich sah sie ir glückseliges Ende. Die Gnadenerwei- 
sangen Gottes trafen alle Monate, alle 14 Tage, oft auch alle Tage 
ein und zwar einmal höhere, denn das anderemal. 

Sie ward schwach und hefürchtete den Verstand zu verlieren. 
Die Schwestern behaupteten, ire Gesichtsfarbe habe mit rosenrotem 
und bleich abgewechselt: war sie rot, so hatte Gott ire Seele 
Übergossen mit dem Honig seiner göttlichen Süße, war sie erbleicht, 
wurde ire Seele von Gott aufgezogen, allwo sie in dem Spiegel 
der Ewigkeit die gründlichen Wunder der ewigen Gottheit ge- 
schauet. Oft y ermeinte sie ire Gedanken fallen von irem Hirne 
und die Augen im Kopfe würden umgekert. 

Einmal betete sie vor dem AUerheiligsten und ir Geist war 
verzücket, kam auf den Altar in die Kapelle, wo die hl. Hostien 
lagen und hatte allda die größte Freude und Kurzweil mit Gott, 
ein lieblicher Geruch drang ir entgegen aus dem Ziborio, der da 
war, als hätte sie unsern Herrn in dem Mund auf der Zungen 
ligen. 

Einmal kam sie zu spät zur Messe, ein schöner Pfau hatte 
sie verhindert, bei der Wandlung ward sie verzückt und ir Geist 
gieng wider auf den Altar. Sie verlangte aber immer grössere Ge- 
meinschaft und als sie das firitte mal auf den Altar kam , tat 
Gott sein Herz auf und nam ire Seele völlig in daselbe hinein. 

L pflag grossen Stillschweigens; denn nur dadurch könne sie 
zu Gott halten; 20 Jare hat sie nicht so lange im abgelaßen, 
als ein Ave Maria wäre. Von Ostern biß Pfingsten redete sie gar 
nicht und hielt sich in der Einöde, um es desto leichter halten 
zu können. Ja im grösten Schmerz schwig sie oder sprach nur 
gebrochen, mit halben Worten. Sie war gedultig in Krankheit 
und Verfolgungen. Man hielt sie einsmals für eine Törin, weil sie 
schwig auf empfangene Schmach und Verachtung. Jemand ver- 
folgte sie mit Schmach 6 volle Wochen, allein sie ließ die be- 
treffende nicht das geringste merken ; sie ertrugs in ir selbst und 
klagte es nur irem Bräutigam, den sie um noch mer solcher Leiden 
bat. Darob hätte Gott ein solches Wolgefallen, daß er ir 17 G«- 
presten abgenommen. J. war ser demätigj eine Tugend, die das 
Fundament aller Tugenden ist. Sie suchte ^ nur ire eigene Ver- 
achtung. Sie trug nur die Kleider verstorbener Schwestern, wes 
man sie auch nicht zu hindern pflegte. Eine Schwester schrib 
einst ire Tugenden auf ein Täfelein, das sie um jeden Preis ver* 
hindern wollte ; gieng in ire Zelle, wollte das Geschribene aus dem 
Täfelein nemen, aber dasselbe war im Kasten versteckt; sie ward 
betrübt und krank darob, konnte nicht mer schlafen. Darauf 
gieng sie nächtlicherweil zu der Schwester und forderte das Ge- 
wünschte und „sie beschworen, daß sie ihr endlich bestehen müeste.^' 
Endlich meinte sie, Gott habe kein Wolgefallen an iren Mühselig- 
keiten, der gab ir aber zur Antwort: „wan ich wer, als wie du 



16 

bist, gedachte ich deiner Bresten nit, als wolt er sagen: wan ich 
nit ein so barmherziger und alles belonender Gott were, so belonte 
ich dir deine Bresten nit/' Ein andermal betrachtete sie ire 
nnd der Schwestern gate Werke und vermeinte, weil sie ser unter 
einander vermischt wären, habe Gott keine Freud und kein Wol- 
gefallen daran. Gott antwortete: sei zufriden, ich will dein mit 
dem andern gut machen. Die Schwestern waren darob ser ge- 
tröstet. Sie baten einmal, sie möchte inen offenbaren die vilen 
Gnaden, die Gott ir erwise: ir Schwestern, sagte sie, wisset daß 
ich nie nichts Gutes getan habe ob meiner Krankheiten. Was 
Gnade mir Gott getan, tat er aus seiner Güte und grundloßen 
Barmherzigkeit. 

Ire große Vertraulichkeit und Gemeinschaft mit Gott. An 
3 Dingen hatte sie Gott nicht zweifeln laßen: an irer Seligkeit, 
Freundschaft Gottes und unfelbaren Beihilfe Gottes. Zweimal ge- 
riet sie in zweifelhaftige Gedanken irer Seligkeit halber. Christus 
erschin ir und tröstete sie. Mit Gott war sie so gemein, daß sie 
in wirklich im Leibe empfunden hat, darum ire Freud nur war, 
an in zu denken oder von im zu reden. Nach den Hören stund 
sie im Chor, da ward sie verzückt nach vermerktem göttlichem 
Tröste, sie sah im Geiste, daß eine Leiter vom Himmel herab- 
langte und eine große Schar der Engel herunterstig, unserem Herrn 
der bei ir, oder vilmer in ir war aufzuwarten. So verzuckt war 
sie oft biß zur Vesperzeit. Als Gott von ir weichen wollte, bat 
sie in, daß er bei ir noch eine Zeit lang verbleiben solte. 

Als sie 16 Jar alt war, gelangte sie zur völligen geistlichen 
Freud, besonders beim Empfange des Herrn, worauf sie den ganzen 
Tag one Narung blib. Dise Freude sei so groß und überflüßig, 
daß sie von keiner Zunge könnte ausgesprochen werden. Darum 
schob sie alles Irdische auf die Seite, wollte nur mit Gott zu 
schaffen haben. In diser Freude ward sie einmal verzuckt, er- 
kannte bei eröffnetem Himmel unsem Heiland als waren Gott und 
Menschen, der ir auch große Geheimnisse offenbar machte. Wie 
sie das den Schwestern mitteilen wollte, stockte ire Sprache und 
man wüste nicht was sie reden wollte. Ist sie ob Krankheit in 
iren Uebungen gestört gewesen, hatte sie nachher das Gefül als 
ob keine Unterbrechung stattgefunden hätte. Sie hatte auch die 
Gnade, daß sie 14 Jare alle Heimlichkeiten der menschlichen 
Herzen erkündete und betrübte sich deshalb ser wegen der Sün- 
der, die der Gnad und Liebe Gottes beraubt wären, um so größer 
war ire Freud über die der Todsünde Freien. Einmal erkannte 
sie im Kapitel der Sammlung im Geiste aller Schwestern innerliche 
Gemüter und weil sie selbe also schön, als wan sie mit lauter 
Edelstein geziert waren, gesehen hatte, konnte sie sich vor Freuden 
nicht enthalten und verlangte alle Schwestern zu küssen; das tat 
sie auch auf beiden Chören. Zur lezten, einer Laienschwester, 
sagte sie mit zusammengeschlagenen Händen: Sorella, Sorella, wo- 



17 

durch sie andeuten wollte, daß sie den andern nicht gleich war. 
Sie hat 50 Jare mit den Angen ires Geistes das ganze göttliche 
Wesen durchsehen und ist geschwommen in dem Meer der gött- 
lichen Gnaden, dann sie gelangte zu einer Erleuchtung, daß sie 
iren Willen ganz in den göttlichen vereinigt hatte, deswegen sie 
nichts wünschet, nichts hegehret, nichts verrichtet, es wäre dann 
Gott gefällig. Ja was noch mer ist, es hat sich Gott also zu ir 
gemacht, daß sie den göttlichen Atem aus seinem h. Munde ver- 
spürt hat und ward auch von im durch die ganze Adventszeit mit 
Himmelshrot gespeiset. Ahgeholt aus dem Chor folgte sie einstens 
strenge dem Befele, was Gott so wolgefiel, daß er sies merken 
ließ. Sie kam kaum zur Ghortüre, da ließ sie Gott Ire Seele sehen, 
welche also schön war, ahsonderlich der Oherteil, der nach der 
Bildnis der h. h. Dreifaltigkeit gemacht ist, daß sie sich darinnen 
nicht genug ersehen konnte. Und mit diser Schönheit get sie 
irem Gehorsam nach. Einmal hegerte sie im Geiste von der h. 
Dreifaltigkeit zu wissen den Ursprung oder Ausgang des Sones 
vom Vater, was ir Gott zeigte: wie der Son von Ewigkeit her 
aus dem Vater gehören ist. VerHeß sie Gott, so sandte er seine 
h. Engel, daß sie nit alleinig sei. Dise Engel sangen ganz lieh- 
lieh. Einmal als sie wider nach der Prim wegen Schwachheit 
niderligen muste, erschin ir der Herr in Gestalt eines Meinen Kneh' 
leinSy das sich vor irem Bette nidersejäe, als wollte er sie hüten 
und erzeigte sich ganz liehreich und freundlich gegen ir, durch 
welches sie in irer Krankheit merklich gesterkt und getröstet war. 

Sie muß verglichen werden den Lilien im Tal usw. Bei der 
tiefen Betrachtung des Leidens Christi fülte sie Schmerzen an 
Händen, Füßen, am Herzen, welches ein Zeichen war, als täte sich 
Gott würdigen, sie mit den h. Wunden zu hegnaden. Sie weinte 
oft hitterlich oh dem Leiden Christi, sie meinte oft aus lauter Mit- 
leiden sterben zu müssen. Dafür verspürte sie oft eine Süße, als 
oh sie commnnizierte. Sie wurde getrenkt von s. h. Wunden, 
sogar von der Gottheit jedwederer Person der heiligsten Dreifaltig- 
keit, worauf sie sich in Gott vereinigt befand, daß sie sich aller 
irdischen uud zeitlichen Dinge eutschlagend , ein rechtes vollkom- 
menes geistliches Mensch worden ist. 

Nach der h. Fastenzeit, als sie ganz geschwächt, abgemattet 
krank ward, ist ir zu Ostern nach der h. Communion unser Herr 
erschinen, hat sie getröstet mit den Worten : ich will dich sehen 
lassen meine Gottheit; die Augen des Gemüts sind ir eröffnet wor- 
den, daß sie die Gottheit wirklich in im erkannt hat, worauf sie 
mit solcher Freud und Süßigkeit erfüllt ward, daß sie vor Freuden 
nicht wüste, wo sie stunde oder gienge. Sie wüste oft nicht 
wenn sie bei Tische saß, daß sie Brot nötig, da doch der Laib 
vor ir lag. Sie meinte auch, es hätte Gott mit Niemand mer auf 
Erden zu schaffen als mit ir. 

Auch die Liebe Is. zur Mutter Gottes war unaussprechlich; 

Birlinger, Alemannia XI 1 ^ 



18 

sie bat die größte Stärke und Beihilfe zu ir Torgenommen. 12 Nächte 
nacheinander erschin sie ir einstens, stellte sich vor ir Bett, trö- 
stete. Einer Schwester ward geoffenbart, daß I. auf Mariae Für- 
bitt in den dritten Chor der Auserwälten kommen sollte. Einmal 
bat sie, daß M. bei irem Ende kommen möchte, zum Beweise sah 
sie in der Verzückung den Himmel offen, hat vil Geheimnis ver- 
nommen. Einmal erschin ir Gottes Mutter in seliger Klarheit und 
Schönheit, ja zeigte ir die Statt des Leibs, wo Gott gelegen hatte, 
sowie die Yererung der Heiligen ir geltend. 

Auf einen Samstag, da sie meinte, sie hätte im Dienste nach- 
gelassen, legte sie sich vor Müdigkeit nider, erschin ir die Mutter 
Gottes mit 2 schönen Jungfrauen auf das allerköstlichste geziert, 
redete sie an : wiße, daß ich dir das Versprochene gewißlich halte, 
und keinen Widerwillen schepfe, daß du allzeit meinen Son ver- 
erest und deine Sachen alle in im richtest. Was du meinem Kind 
tust, das tust du mir und was du mir tust, tust du meinem Kind. 
Einsmal sah sie, wie in der Oktav Assumpt. B. Mariae V. die 
Mutter Gottes unter der Vesper in den Chor kommen, und sich 
ganz freundlich und liebreich gegen alle Schwestern erzeigt hat. 
Sie offenbarte, was sie im Geiste gesehen. Hernach als sie im 
Chor war, hörte sie eine Stimme von Heiligen im Himmel: wann 
willst du zu uns kommen, wir haben ein großes Verlangen nach 
dir? Sie fülte ir Ende, Maria kam öfter, legte ire Hand unters 
Haupt, was sie tröstete. Das geschah stets, wärend die Schwestern 
in der h. Messe waren. Irmegards Freundschaft mit den h. 
Engeln war groß. Sie erschinen so klar und schön, als ob es Gott 
selbst gewesen. Die h. Engel haben sie oft in Glaubenssachen 
unterrichtet und ir glückseliges Ende offenbart. Wie solches sein 
•werde, wollte sie von inen wissen. Da kam um Vesperzeit eine 
große Schar Engel, welche ganz lieblich sangen und durch 3 Nächte 
Antwort gaben — zur Weihnachtzeit. Wie sie schlief, hörte sie 
eine Stimme und eine Schar Engel kam. Daraus nam sie ein 
glückseliges Ende war. Die '2. 3. Nacht hörte sie das ebenso. 
Dißmal kamen sovile, daß sie keinen Plaz mer auf dem Stuben- 
boden hatten, und über dem Bette schwebten. — Die h. Märtyrer 
hätten vile Feinde gehabt und sie erkannt, bat den Herrn um 
Stärke und Kraft wider ire Feinde. Da sah sie ein großes, er- 
schreckliches Heer, im Harnisch, mit Waffen wol versehen, aus 
dem etliche voran auf sie zuliefen. Da sah sie aber auch ire 
Seele, welche ganz ernsthaft gleich einem wolgeharnischten Sol- 
daten gegen denselben zur Wer stellt und nachdem die hintern 
also wolgerüst gesehen, haben sie den ersten gerufen und gesagt, 
sie sollen zurückkeren, sie könnten mit ir nichts ausrichten. Der 
heimliche Feind ließ nicht nach, sondern er sah seine Gelegenheit 
und stellt ir zu, als sie mit den Kranken die Mette betete. Er 
focht sie so schwer an, daß sie um Hilf zu Gott schrie. Da sah 
sie einen Engel kommen mit feurigem Schwerte, womit er dem 



19 

Teufel einen solchen Streich gegeben hat, daß sie gedanckt, der 
ganze Erdboden habe sich erschüttet und ward so von irer An- 
fechtung erlediget. 

In frühester Jugend zweifelte I. einmal, wie Gott in diser 
kleinen Hostie sein könnte. Da öffnete Gott die Augen ires Ge- 
mütes, so daß sie sah und erkannte, was sie anzweifelte: in der 
ganzen, wie geteilten Hostie sei er. Sie sah es, als einst 3 Priester 
zumal die h. Hostie aufhüben. Sie unterrichtete die Schwestern, 
daß sie erkennen konnten, wie ein Seel beschaffen sei, in der Gott 
ruhet. Einer Schwester, die solches zu wissen begerte, drückte 
sie die Hand, daß es ir wetäte und sagte: ein solche Seel wird 
noch lOOmal stärker von Gott zusammengedrückt, als ich jezt 
deine Hand gedrückt habe! 

I. werden verborgene Dinge gezeigt. In irer Jugend wollte 
sie die schon wissen. So begerte sie das Grab des h. Dominicus 
zu sehen. Wärend der hl. Messe ward sie verzückt gen Bononiam. 
So wollte sie erkennen den Baum, worab Adam und Eva die ver- 
botene Frucht gegeßen. Elias und Enöch sind ir gezeigt worden. 
Im Paradise beobachtete sie die 4 Fluß und Brunnen. Einmal 
ward sie verzuckt in irer Jugend, kam in den Himmel und wollte 
sich verbergen sovil möglich, damit sie nicht etwan sobald wider 
herausgeschafft würde. In diser Furcht ersah sie unsern Herrn, 
der also sagte: es ist hier jemand, der noch nicht da sein sollte? 
Darauf erschrack sie, und als sie wider zu sich käme, erzitterte 
sie an allen Gliedern. Einmals offenbarte sich ir Gott, daß er ir 
seine hh. 5 Wundmäßen sehen ließ, die also schön glänzend und 
zierlich waren, daß sie davon nachher bei den Gedanken nur 
außer sich kam. Einstens saß sie in der Werkstuben bei den 
andern Schwestern, kam der Herr als schöner Jüngling, schöne 
Gezierd auf dem Haupte: das sei die Krone; wann ir Herz allezeit 
bei im, so er allezeit bei ir. Sie wollte aufstehen, da verschwand 
er. Ein andermal lag sie in Verzückung auf dem Dormitorio vom 
Sanctus der Messe biß zur Complet; man trug sie für tot weg, 
sie kam aber wider zu sich und erzälte, was sie Wunders gesehen 
hätte. Einmal ward sie verzuckt mitten unter die Heiligen und 
erkannte ire Seele ganz erleuchtet, dann war sie im obersten 
Himmel, wo Gott zu ir nahete. Es wäre dises gottliebende Mensch 
in denen Verzückungen also ganz gemein, daß sie sich bißweilen 
augenblicklich gleich einem Reisenden in fremden Landen befände 
und zugleich ansichtig wurde eine grosse Schar der Heiligen Gottes, 
dero Underschid ir auch Gott eröffnet, daß sie die Engel an 
der Unschuld, die HH. aber als Menschen durch die göttliche 
Erleuchtung erkennet hat und geschah solches Alles in der An- 
schauung Gottes; sie befände auch in diser Verzückung, nachdem 
sie den ewigen Gott wol betrachtet und angesehen hate, daß er 
der rechte alleinige Gott were, welcher auf Erden geprediget, wird 
und wurde ir zugleich offenbar gemacht die grosse Wirdigkeit 



1 



20 

eines Predigers. EDdlich sprach der Herr wider zu ir: nnn 
sihest da, daß du in mir bist. Weil sie aber solches nicht verstehen 
könnte, gab ir Gott weiter zu sehen alle Schöne auf Erdreich, 
die Grüne, und die Tier der Erden, über das eine Menge der 
Menschen, deren Unterschid zu wissen ir Gott abgeschlagen hat, 
dadurch er ir zu verstehen gab, weilen er ir in eine nichts ver- 
bergen täte, daß er sie warhaftig liebte. Das confirmierte Gott 
nachher: Du hast mich jezt gesehen als Gott, sprach er, und 
Mensch, nun will ich dich auch sehen lassen meine göttliche Kraft, 
die ir so erschrecklich vorgekommen ist, daß sie selbe one son- 
dern Schrecken nicht anschauen konnte. 

Die Schreiberin diser Vitae hieß Elisabet, die hinterließ: 
„Erstlich Schwester Elisabeth bin ich genannt, die Got von seiner 
grossen Güete und milde von den leiten nam und mir in das 
Closter hälfe, da ich 4V2 Jfthr alt war, dessen helfet mir Gott 
loben, dancksagen und bitten, daß sein Gnad ewiglich an mir be- 
halten werde. ^ Das ander mal aber auf folgende Weis: „ich bitte 
alle, die dieses lesen oder hören lesen, daß sie durch die Liebe, 
die sie zu Gott haben , meiner gedenckhen. Schwester Elisabeth 
bin ich genandt, von seiner Güete, die Gott von den Juden nam,"' 

ABIRLINGER 



VOLKSTÜMLICHES XIII 

1 ELSiESZISCHE SAGEN ') 
1 Der Glockenfelsen bei Stftnelbronn 

Ein Felsen, auf dessen Spize ein hölzernes Kreuz stet, 
überragt das ehemalige Kloster Stürzelbronn, jezt ein Weiler an 
der Straße^ die von Weissenburg nach Bitsch zieht. Diser Fels 
heißt der Glockenfelsen. Er soll reich an Hölungen sein, die je- 
doch jezt verwachsen und unzugänglich sind. Vor der Zerstörung ' 
des Klosters sollen die Mönche die Schäze und die Glocken in 
disen Räumen geborgen haben. Vile schon versuchten ir Glück 
an dem Felsen, doch noch keinem gelang es, die Schäze zu heben. 

Die Bewoner des Dorfes heißen noch jezt in der Umgegend 
die „Klosterleute". 



1) Vgl. Alm. IX 30 ff. 251 ff. 



21 



2 Henogenhand 



Acht Kilometer östl. von Bitsch an der Straße, die nach 
Weissenbnrg durch dichte Wälder zieht, ligt der aus wenigen 
Häusern bestehende Weiler Herzogenhand. Auf einem Hanse ist 
eine abgehauene Hand abgemalt mit der Umschrift: Main du 
prince. Früher war dises Zeichen in einem Felsen an der Straße 
eingehauen, es wurde jedoch bei Erweiterung der Straße zerstört. Man 
erzält von disem Zeichen, daß einst zwei fürstliche Brüder sich 
entzweiten und sich bekriegen wollten. Um jedoch ire Völker zu 
schonen, kamen sie tiberein, allein gegen einander zu kämpfen. 
Im Kampfe verlor der eine Bruder die eine Hand , wo jezt der 
Weiler stet, floh in den Wald, der noch jezt Herzogskörper heißt, 
und wurde dort von dem verfolgenden Bruder vom Pferde ge- 
stochen. Sein Körper wurde in einer silbernen Lade im Kloster 
Stürzelbronn bestattet. 

Nach anderer Meinung hätte der Herzog falsch geschworen 
und seinen getreuen Waffengenossen verräterisch überfallen. Im 
Kampfe verlor er die rechte Hand. 

Vgl. AUatia 1868161 S 274. 



3 Klliier Sprung 

In der Nähe des Dorfes Eppenbrunn NO von Bitsch ligt 
ein koher, auf der einen Seite jäh abfallender Fels. Von im soll 
einstmals ein Reiter, hart bedrängt von seinen Feinden, im künen 
Sprunge hinabgesezt und unversert unten angekommen sein. Das 
Pferd trug seinen Reiter noch eine Strecke, brach dann aber tot 
zusammen. 



4 Die TotenkOpfe 

Am Hange des Kühberges unweit des hochgelegenen zerstreu- 
ten Gebirgsdorfes der Hub ligt ein merkwürdiger Felsen, auf dem 
ehemals drei lachende Köpfe ausgehauen waren. Der Stein ist 
jezt verstümmelt und weist nur noch ein eingeriztes menschliches 
Gesicht auf. In der Umgegend ist der Stein bekannt unter dem 
Namen „die Totenköpfe". Der Volksglaube vermutet unter dem Stein 
Schäze und schon mancher Umwoner hat verstolen zur nächtlichen 
Stunde vergebens dort nach Schäzen gegraben. Besser gieog es 
einem Knechte von der Hlib, der am Abend an dem Felsen vor- 
über für. Er sah da plözlich einen Haufen glühender Kolen 
ligen, stig ab, nam eine der Kolen und legte sie auf seine Pfeife, 
um den Taback in Brand zu sezen. Als er zu Hause ankam, 
fand er in seiper Pfeife ein blankes Goldstück. Eilends lief er 
zurück, konnte jedoch den Kolenhaufen nicht mer finden. 



./ 



22 

5 Di0 Schaigr&ber auf St. Leon 

Auf dem Felsen südlich von Walscheid, der einst das feste 
Schloss ' der Grafen Ton Dagshurg-Egisheim trag , erhebt sich jezt 
zn £ren jenes Bruno, der aus dem Oeschlechte der Grafen von 
Dagsburg entsprossen, als Leo IX den päpstlichen Stul bestig, eine 
kleine Kapelle. Ehedem stand eine ältere anweit der jezigen; 
von lezterer behauptet man, daß sie sich durchaus nicht halten 
will, sondern beständig zerbröckelt. Die alte Kapelle wurde in 
einer stürmischen Märznacht des Jares 1809 durch einen Brand 
zerstört. Noch finden sich Trümmerreste derselben vor und get 
die Sage, daß in dem Eckstein ein großer Schaz lige. Es ist näm- 
lich auch jezt noch in der Gegend allgemein Sitte, bei dem Bau 
selbst des kleinsten Gebäudes eine, wenn auch noch so geringe 
Summe Geldes unter dem Eckstein niderzulegen. 

Ein alter Mann aus Walscheid, seines Zeichens Urmacher, 
dem nie das Glück besonders hold gewesen war, wollte auf seine 
alte Tage noch einen Versuch machen, dasselbe zu erhaschen. Er 
brach in einer dunklen Nacht samt seinen drei Sönen mit Brecheisen 
bewaffnet zur Hebung des Schazes auf. Schon hofften sie den Stein 
zu lüften, als sich plözlich ein so furchtbares Geschrei und Geheul 
erhob, daß die Schazgräber entsezt den Berg hinab flüchteten. 
Noch dreimal versuchte der Mann den Schaz zu heben, doch immer 
mit demselben Miserfolge. 

6 Feurige H&nner * 

Die alten Bewoner von Walscheid versichern, daß sie früher 
oft in stillen Nächten auf dem St. Leonsberge feurige Männer ge- 
sehen hätten, die mit Keulen einander bekämpften. 

Einst war ein junges Mädchen > die noch jezt hochbetagt in 
Walscheid lebt, Nachts auf den Wisen, um die Bewäßerung zu 
stellen. Wenige Schritte vor sich sah sie eine kleine blaue Flamme 
dreimal langsam aufstehen. Das Mädchen schlich nahe herzu, um 
ire Kappe darauf zu werfen und so des Schazes teilhaftig zu wer- 
den. Plözlich standen dicht bei ir die feurigen Männer und be- 
fedeten sich auf das heftigste. Das Mädchen floh zum Tode er- 
schreckt in das nahe Dorf. ' 

7 Der Pfaff von Garbarg 

Eine Anzal Männer und Frauen, die, wie es vilfach Sitte 
ist, im Herbst von Lothringen aus das Gebirge deYVogesen über- 
schritten, um zur Kirche des heiligen Florentius in Haslach zu 
wallfarten, durchwanderten grade am hellen Tage den Wald von 
Garburg, als ein junges Mädchen einen Mann in geistlichem Ge- 
wände, mit breitem in das Gesicht gedrückten Hute, unter dem 
Arm ein großes Buch, über den Weg gleiten sah. Keiner der 



23 

anderen sah die Erscheinung, die bald lautlos, nur dem einen Mäd- 
chen sichtbar im Walde, verschwand. Auf die Frage der er- 
schreckten Wallfarer im nahen Garburg erhielten sie die Antwort: 
Ja, der Paff get dort schon lange um ! 

8 Die Jungfrau aaf dem Urstelne 

Auf einem dem Schneeberge benachbarten Berge soll einst ein 
wilder gewalttätiger Ritter gehaust haben , der seine Seele dem 
Teufel verschriben hatte. Von seinem Schlosse ist jede Spur ver- 
schwunden. Der Ritter entbrannte in heftiger Liebe zu der schönen 
Tochter des Ritters auf Nideck. Da der Vater die Werbung zu- 
rückwis, raubte er die Tochter, als sie einst im Walde lustwan- 
delte. Er schleppte sie auf den hohen Felsen des Ursteines und 
ließ sie dort unter der Bewachung des Teufels zurück. Diser um- 
kreisete den Felsen beständig in Gestalt eines Hengstes und hin- 
derte jeden Fluchtversuch der Jungfrau. Sie sollte durch Hunger 
und Durst gezwungen werden, ire Einwilligung zur Vermählung mit 
dem Ritter zu geben. Da flehte die Jungfrau zu Gott, er möge sie 
nicht verderben laßen. Gott erhörte ir Gebet und die schalen- 
artigen Vertiefungen des Felsens füllten sich mit Waßer und in 
den Kräutern entdeckte die Verzweifelnde eßbare Beren. So fristete 
sie kümmerlich ir Leben, immer bedacht, der Wachsamkeit des 
Teufels zu entschlüpfen. Endlich bot sich die Gelegenheit, sie 
sprang den Felsen hinab und floh das Alberschweiler Tal abwärts. 
Der Teufel eilte ir nach,- konnte jedoch die in Todesangst Fliehende 
nicht einholen. Die Jungfrau fülte jedoch, daß ire Kraft zu Ende 
gieng. Verzweifelnd brach sie zusammen, schon hörte sie den 
Teufel sich nahen, da betete sie inbrünstig zur Mutter Gottes um 
Errettung. Ir Gebet fand Erfüllung. Die Glocken des nahen 
Klosters L'Hor (jezt ein Hof bei Alberschweiler) läuteten zur Hora. 
Die Macht des Teufels war gebrochen, er muste ablaßen von der 
Jungfrau. An der Stelle, wo die Jungfrau zusammenbrach, sprudelt 
noch jezt eine helle Quelle, die „Fontaine de la dame blanche^, 
an der noch manche Sage haftet. Oben aber im Gebirge auf einem 
öden Plateau, Hengst genannt, in der Nähe des Ursteines stet 
eine rossänliche Felsgestalt, der vilgenannte Hengstfelsen , von den 
Umwonern noch jezt mit abergläubiger Scheu und als Bestätigung 
der Sage betrachtet. 

Alemannia IX 1 S 31 u, IX 3 S 233. 

9 Bestrafter Uebennat 

Ein reicher Mann, der ein leidenschaftlicher Jäger war und 
eine große Jagd an den Quellen der Saar und Zorn hatte, wurde 
plözlich an den Füßen gelämt. Man erzält darüber im Volke, 
daß diß eine Strafe Gottes sei. Einst war eine große Jagd ver- 
anstaltet und dem Jäger ein großer Hirsch fast schon schußgerecht 
gekommen. Da kam ein Bäuerlein des Waldweges daher und zog 



24 

vor dem Bilde des Erlösers seine Kappe demütig ab. Durch die 
Bewegung des Bauers stuzte der Hirsch, machte Eert und ver- 
schwand mit gewaltigen Säzen. Zornig rief der Jäger den Bauern 
an: „Was hast du da gemacht?^ Der Bauer antwortete: „Ich 
hab' unsern Herrgott gegrüßt !^ Der Jäger darauf: „Wart, ich 
werd' dir deinen Herrgott grüßen!^ Sprach^s und schoß die La- 
dung seiner Flinte dem Crncifix in die Füße. — Von Stund an 
versagten im seioe Füße den Dienst immer mer, biß er unfähig war, 
sich allein fortzubewegen. 

10 La bonse plerre 

Bei Wackenbach, einem Dorfe bei Schirmeck, ligt oben im 
Walde, jezt hart am Rande einer neuen Forststraße, die uach 
Fr6conrupt fürt, ein großer Felsblock, in dem sich eiu kleines drei- 
eckiges Loch befindet. Die Bauern nennen den Stein „la bonne 
pierre** und pflegen in die Hölung kleine Eupferstücke zu legen^ 
zu opfern. Die Berürung des Steines gilt auch als heilkräftig. 
Leidet ein Kind an einem Uebel, so wird das Kleidungsstück, das 
den kranken Körperteil berürt, an dem Steine aufgehangen. Das 
Uebel läßt dann sicher nach. 

11 SteiMagen ans der Umgebung von Schirmeck 

An dem Wisenwege von Schirmeck nach Rothau befindet 
sich ein Felsen , von dem geglaubt wird, daß aus im die Kinder 
hervorkämen. 

Ein anderer Felsen, der am Wege von Rothau nach Natz- 
weiler ligt, dient den Mädchen als Orakel. Sie werfen an dem jäh 
abfallenden Felsen Steine hinauf. So vilmals der Stein herabfällt, 
so vile Jare müßen sie warten, ehe sie einen Mann finden. 

12 Schauagen von Salm 

Salm, das Stammschloß des noch jezt blühenden fürstlichen 
Geschlechts der Salm-Salm, ligt unweit Rothau. Dicht unterhalb 
der verfallenden Ruine haben sich eine kleine Anzal Widertäufer 
angesidelt, die dort ein stilles, arbeitvolles Leben füren. Sie er- 
zälen mancherlei von dem Schloße. So soll bei der EHnname des- 
selben die Erzieherin mit den Schäzen geflohen, aber eingeholt und 
getötet worden sein. Sie hatte jedoch noch Zeit gehabt, die Schäze 
zu bergen. Sie fand keine Ruhe, zeigt sich oft den Um wonern, 
das Haupt bedeckt mit einem großen Strohhute, eine große Schürze 
vorgebunden und einen Rechen in der Hand. Ir Erscheinen kün- 
det das sichere Umschlagen des Wetters , das Eintreten von 
Regen an^). 

1) Vgl. Gemeindeeeitung f. Elsasz-Lothringen 1881 No. 53, 



25 

Ein Bauer, der oft in dem den Schloßberg bedeckenden Walde k 

zu tun hatte, fand einst, als er frühstücken wollte, einen bequemen 
Siz, der im vorkam wie eine aus Stein geformte Eiste. Er freute 
sich des bequemen Sizes und erzälte es den Abend. Als im ge- 
sagt wurde, daß in diser Eiste sicher die Schäze des Schloßes ent- 
halten gewesen seien, eilte er auf den Berg, fand aber an der im 
wolbekannten Stelle die Eiste nicht mer. 

Die Hirtenknaben des religiösen Vorstehers der Widertänfer 
weideten einst das Yih in den Trümmern der alten Burg. Da ^^ 

hörten sie plözlich eine Ur schlagen. Sie sahen auf und erblick- 
ten au der ^auer eine große Ur, die inen zu irem größten Er- 
staunen jedesmal die Stunde schlug. Als die Ur siben schlug, 
triben sie ir Vih abwärts und erzälten den Vorfall. Den nächsten 
Morgen stig der Vorsteher mit den Hirten hinauf, fand jedoch an 
der Stelle nur einen aus der Mauer hervorragenden Birkenstamm. 

Einige hielten diß für eine Schazangabe und durchwülten an 
der Stelle die Mauer, doch one Erfolg. 

13 IrrfOreiides Ueoht 

Am Fuße des Odilienberges ligt in der Ebene ein Stück 
Wald. Dort zeigt sich oft ein helles Liecht. Ein Förster, der noch 
jezt lebt, glaubte einen Holzfrevler erwischen zu können und schlich 
dem Liechte nach. Dasselbe gieng immer vor im her und lockte 
in in das Gebirge hiuein. Als er es endlich erreicht zu haben 
glaubte, für es mit lautem Zischen und Geprassel hoch in die 
Lüfte und erlosch. Der Förster fand sich im Dunkeln allein an 
einem wilden verrufenen Ort, weit ab von seinem Hause, mühselig 
wurde im der Rückweg. Einige Tage später fand man einen 
Bäcker aus der Gegend weit ab vom Wege tot im Walde. Das 
Volk glaubte, daß auch er dem Liechte gefolgt und nicht so gut 
als der Förster davongekommen sei. 

14 Der Tännohel 

Der Tännchel ist ein hoher Berg bei Rappoltsweiler im 
Ober-Elsaß, der in unheimlichem Rufe stet. Ueber seinen lang- 
gestreckten Rücken zieht sich eine sogenannte Heidenmauer hin, die 
jedoch wol nur eine Grenzmauer ist, wie man sie jezt noch auf 
denEämmen der Hochvogesen, die beweidet werden, findet. Darauf 
zeigt auch der Glaube des Volkes hin, das da meint, sie sei er- 
richtet als Grenze, nur biß an sie wäre Macht und Recht der 
Heiden gegangen. Auf dem Berge ligt ein Felsen, der im Gleich- 
gewicht rut und in Bewegung gesezt schwankt, einer der in den 
Vogesen öfters vorkommenden „Lottelfelsen". In nennen die Um- 
woner „Elitschfelsen" und glauben, daß die Heiden ire Opfer unter 
disen Felsen gelegt und zu Tode gedrückt hätten. Unterhalb des 



26 

Berges riselt aas einer Felsenmasse eine kleine kalte Qaelle hervor, 
die das „Geisterbrünnel" genannt wird. Sie gilt als Aufenthalts- 
ort und Schlupfwinkel der Gespenster des Berges. 

15 Der wilde J&ger 

Oft hört man über das Hochfeld , die höchste Erhebung 
der Nordvogesen, den wilden Jäger mit lautem Jagdruf dahin- 
stürmen. In selbst siht man nicht, wol aber oft seine Hunde, die 
er mit dem lauten Ruf: Ho tata! Ho tata! anfeuert. 

Eine Frau, die mit irem Mann gegen Abend zum Hochfeld 
anstig , erblickte plözlich zwei große Hunde, die sie « stumm um- 
kreisten. Der Mann gebot ir durch Zeichen Stillschweigen, und 
beide schritten eilend und schweigend weiter. Plözlich hörten sie 
über sich den Jagdruf und Bossegewiher. Erst als die beiden 
halbtot das nächste Forsthaus, die „Melkerei*', erreichten, ver- 
schwanden die Hunde und verstummten die Rufe. 

Einem Holzhauer, der mit poch mereren Genossen in einer 
Holzhütte am Hochfelde lag , ergieng es schlimmer. Als er den 
Lärm der Jagd hörte, trat er in die Türe der Hütte und rief den 
Jagdruf laut mit. Ein furchtbarer Windstoß faßte in und warf 
in. in die Hütte zurück, wo er betäubt ligen blib. Seine Genossen 
schlössen rasch die Türe. Lange tobte der Sturm um die 
Hütte und jeden Augenblick glaubten die Holzhauer, daß diselbe 
zusammenbrechen würde. 

Auch auf dem Eisberge, am St. Odilienberge, zeigt sich der 
wilde Jäger. Dort glauben einige, daß es ein alter Förster Namens 
Henseler sei, der, als er starb, gesagt hätte, er würde den Wald 
noch 100 Jare hüten. Der alte Jäger hatte auf dem Berge eine 
kleine Hütte, der Ort heißt jezt noch „Henselers Hütt". . 

16 Der Jungfrauenplaz 

Südlich von Markirch auf einem Ausläufer des Breßoir ligt 
inmitten einer Waldlichtung ein zimlich großer Haufen zusammen- 
geworfener Steine. Der Ort heißt der Jungfrauenplaz. Man er- 
zält, daß hier ein junges Mädchen begraben lige, die von irem 
Liebhaber erschlagen wurde. Sitte ist es , daß jeder Vorüber- 
gehende einen Stein aufnimmt, auf den Steinhaufen wirft und dazu 
ein Vaterunser betet. 

Diser eigentümliche Gebrauch des Steinwerfens ist über die 
ganze Erde verbreitet. In Norddeutschland heißen derartige An- 
häufungen „Nobiskrüge^. Uralt und heidnisch muß der Gebrauch 
sein, denn eine der Bußfragen bei Burckhart von Worms lautet: 
Hast du Steine zu einem Haufen zusammengetragen ? Zu vergleichen 
ist der Aufsaz von Karl Haberland : die Sitte des Steinwerfens und 
der Bildung von Steinhaufen, in Zeitschrift f. Völkerpsychologie XII 
S 239. 309. 



27 



17 Der Gharlemont 



Nördlich von Leberan und an der Mündung des Deutsch-Ram- 
bachtales, ragt ein spizer waldbedeckter Berg empor. Von den 
Umwonenden Gharlemont, seltener Earlsberg genannt. Auf der 
Spize desselben ligt ein mächtiger Felsen mit prachtvoller weiter 
Aussicht. Man erzält im Lebertal, daß die Feen einst eine Brücke 
über das Tal hätten bauen wollen, deren einer Pfeiler der Gharle- 
mont, der andere der „wälsche Hochfelsen ^ des Tännchel hätten 
sein sollen. 

Auch an Earl den Großen knüpft die Sage an. Er soll dort 
oben einst ein festes Schloß gehabt haben. Andere erzälen, daß 
er einst vor seinen Feinden über den Berg habe fliehen müßen. 
Man will noch jezt in einem der zallosen Riße und Sprünge des 
Felsens die Fußspur seines Rosses sehen. 

18 Der Ungersberg 

Von dem Ungersberge, SW von Barr, erzält man, wie auch 
von Tännchel, daß der Berg im Inneren vollständig hol und mit 
Waßer angefüllt sei. Bricht das Waßer einmal aus, so muß die 
ganze Umgebung vergehen. Deshalb, um den Ausbruch zu hin- 
dern, haben die „ Alten ^ die ungeheuren Steinmassen auf dem Gipfel 
aufgehäuft. 

19 Der Zellenberger Bnrgersmann 

Wenig bekannt ist eine alte Sculptur, die in dem Stalle eines 
Piivathauses an der Stadtmauer von Reichenweier eingemauert ist. Sie 
stellt einen Mann dar, der einen schweren Sack trägt. An dise Gestalt 
knüpft eine Reichenweier Lokalsage an. Die Schweden umlagerten 
einst lange die Stadt, one die starken Mauern und den festen, trozigen 
Sinn der Bürgerschaft brechen zu können. Da erbot sich inen ein 
„Zellenberger Bürgersmann" und versprach zu nächtlicher Stunde 
inen eine schwache unbewachte Stelle der Mauer zu weisen. Der 
Anschlag gelang. Die Schweden brachen unaufhaltsam Nachts in 
die schlafende Stadt ein und übergaben sie der Plünderung. Der 
Berg, von dem aus sie eindrangen, heißt noch jezt der Armenberg, 
weil Reichenweier damals arm wurde. Als die Feinde wie ein 
Sturmwind vorübergebraust waren und die Bürgerschaft der hart 
mitgenommenen Stadt wider aufatmete, gelang es den verräte- 
rischen Nachbar zu fangen. Man hielt Gericht über den Unglück- 
lichen, verurteilte in und mauerte in lebendig an der Stelle der 
Stadtmauer ein, die durch seinen Verrat vom Feinde erstigen wor- 
den war. Zum ewigen Angedenken und zur Warnung wurde an der 
Stelle das Bildnis des Mannes, wie er mit dem schweren Geld- 
sack auf dem Rücken davoneilt, eingehauen. — Manchen Sturm 



28 

noch mnste Reichenweier aushalten, die festen Manem sind jezt 
für immer gehrochen, aher unvergeßen leht hei den Nachkommea 
die Erinnerung an den Verrat des „Zellenhergers Bürgersmann". 

20 Der Bettag in der Grafschaft Nassan-Saarwerden 

Alte Leute erinnern sich noch, daß ire Yäter erzälten, wie 
Yor der großen Revolution in der lothringischen Grafschaft Nassaa- 
Saarwerden am Mittwoche hiß zum Mittage die Arheit rute. Es 
war Mittwochs der sogenannte Bettag, es wurde Gottesdienst ge- 
halten und alles feierte. Der Gehrauch soll daher stammen, daß 
einst ein Grraf von Nassau - Saarwerden ein änliches Geschick 
hatte, wie der Graf von Gleichen. Auch er lag im heiligen Lande 
in harter Gefangenschaft verstrickt. Wie diser wurde er durch 
die Liehe einer vomemen Türkin hefreit und erhöh dieselhe in der 
Heimat zu seiner zweiten rechtmäßigen Frau. Aus Dankbarkeit 
gegen Gott ließ er in seinen Landen den Mittwoch als Dank- und 
Bettag feiern. 

KURT MÜNDEL 



2 RECHTSRHEINISCHE SAGEN 
21 Sage vom Stettelberger in Sernatingen — Lndwigshafen 

Cyriak Eössinger, genannt der Stettelberger nach dem Ge- 
wann des Waldes Stettelberg, über den er Waldhüter war, nam 
beim Sezen von Marksteinen zu Gunsten des Spitales Ueberlingen 
und zum Nachteil s. Heimatgemeinde Sernatingen, weldher der 
Wald Stettelberg gehörte, wärend er auf Sernatinger Gemarkung 
im besagten Walde stund, Grund vom anstoßenden Spitalwald 
Ueberlingen in s. Schuhe und schwur : so war ein Gott im Himmel 
ist, gehört diser Wald dem Spitale Ueberlingen; denn ich stehe 
hier auf spitälischem Grund und Boden. Bald darauf starb Stettel- 
berger beim Ausgang aus der Kirche auf deren Treppe eines plöz- 
lichen Todes und muste zur Strafe für s. Betrug biß vor wenigen 
Jaren als spitälischer Waldhüter in Sernatingen geisten. Im 
Schlößle — (dem Herrn Pfarrer Ewald in Ueberlingen gehörend) 
— war von jeher eine Kammer unbewonbar gewesen, in welcher 
sich der Geist aufgehalten haben soll. Um in zu erlösen, ließ der 
Spital Ueberlingen biß jezt jedes Jar in der Kirche zu Ludwigs- 
hafen ein Seelenamt halten. Heute noch spukt der Stettelberger 
bei alten Leuten, die in jezt noch zeitweise am Abend sehen 
wollen , und nichts bringt die Kinder Abends schneller von der 
Straße, als die Drohung mit dem „Stettelberger". 

Ihr. Schedler. 



29 

22 Eine Ladnng ins Tal Josaphat 

Im altwirtembergschen Landstädtchen Unterriexingen ereig- 
nete sich im Jare 1688 Folgendes. Es wurden dem dortigen 
Bürger Israel Eckstein 25 neue Pfäle aus seinem Weinberge von 
seinem Nebenliger') Henningers Jobbeck gestolen. Sein anderer 
Nebenliger Mathees Hoch sah dem Diebstal zu, und bezeugte die 
Tat. Jobbeck läugnete aber diselbe, und verwarf Hochs Zeugnis 
unter dem Vorwande, daß derselbe sein Feind sei. Weil der 
Zeuge schüchtern zurücktrat, so brachte Jobbeck es vor dem Rich- 
ter soweit, daß Israel um 1 Frevel gestraft und im auferlegt 
wurde, seinem Diebe die Beschuldigung abzubitten. 

Im hohen Grade von Erbitterung, der sieb seines Gefüls 
wegen des leidenden Unrechts bemeisterte ^ forderte Israel den 
Jobbeck und Hoch innerhalb Mondenfrist vor dem Gerichte der 
Ewigkeit zu erscheinen. 

Zwar achtete Henninger diser Ladung nicht und gieng one 
Scheue zum h. Nachtmal; allein nach 14 Tagen schon, den 13. 
Februar, starb Israel Eckstein, den 5. März folgte im Hoch und 
am Tage des Begräbnisses dises Leztge nannten legte sich auch Hen- 
ninger aufs Krankenbette, beichtete noch, vom erwachten Gewissen 
getriben, dem Prediger des Orts M. Wolfg. Lächelin Diebstal und 
Meineid, schrie, daß man es eine Straße lang hören konnte, and 
endigte sein Leben am 9. März. 

In Eausler's Allerlei 1782. 8. ist dise in mereren Hinsichten 
warnende Tatsache in naiven Reimen erzält. 

23 Spnksagen 

a lieber die heilige Zeit 1827/28 regten sich alle Gespenster, 
die scheinbar ruhig geworden waren, aufs neue und stärker. Das 
in Matthias Mösners Haus zu Domhan, das sonst seit mer den 
35 Jaren her nur in der Küche rumorte, besonders gerne mit Waßer- 
gelten, kam jezt in Mösners Leibdingstüble und zwar das erstemal 
wie folgt. Wie froh bin ich, sagte er einst zu seiner alten Gattin, 
daß der Kerl nur in der Küche lärmt und nicht in die Stube 
kommt! Sih da, im Augenblicke auch schob der Unsichtbare, wie 
mit starkem Handgriffe den Eigel zurück und lupfte die Schnalle. 
In frühern Jaren rumorte er auch im Stalle, hat da die Rosse los- 
gebunden. Vor Mösners Zeit wonte im Hause ein Grötzinger, sein 
Vater war Amtspfleger und Bürgermeister, ein betrogener Kerle, 
dem entlief einst sein Knecht deshalb. Dem Mösner blies der Geist 
etlichemal das Liecht aus. Nur einmal hat er in vom Bett aus 
sehen können, im Zauskittel, bückte sich mermals beim Tische 
und tat, als ob er etwas suchte. Unter allerlei Getöse knallte es 



1) t. e, dem Bmzer des nächst an dem semigen Ugenden Wein- 
berges. 



30 

auch, wie wenn einer eine Schlüßelbüchse abschoße. Anf daa Ge- 
bet weicht er und wird still. 

Aufzeichnung Köhlers, Mittwoch 30, Januar 1828 , aus Mösners 
eigenem Munde, 

b Auch der seit vilen Jaren gewonte Spuk in Schloßermeister 
Elingels Haus regte sich aufs neue. Als Klingel einst in der Stuben- 
kammer sich zu Bette gelegt und das auf ein Tischgen neben dem 
Bette gestellte Liecht gelescht hatte, hörte er ein Geräusch, dem 
ganz änlich, als ob die Kaze das Liecht zernagte. Als es auf sein* 
Abweren fortdauerte und er mit den Worten: „Euz, du Luder!'' 
mit s. Fuß aus dem Bette nach der vermeintlichen Eaze stieß, grif 
in Jemand am Fuße und hielt im denselben einige Zeit. 

c Der schon vor etwa 7 Jaren gestorbene Theussenbauer in 
Fürnsal spukt nicht im Hause und spukte biß im Spätjare 1807 
gar nicht. Nun begegnete er einst dem resign. Stadtschultheiß Reich 
in der Halde zwischen Fürnsal und Gundelshausen bei hellem Tage, 
in der Kleidung, die er lebend trug, und einen Markstein unter 
dem Arm haltend, redete den Reich an, der aber das nicht sagen 
zu dürfen versichert, was er im gesagt habe, und überhaupt ein 
geöffnetes Sehorgan für die unsichtbare Welt zu haben scheint, 
denn er sah einst 3 verstorbene Männer von Dornhan zumal und 
miteinander laufen. 

Obiger Theussenbauer, dessen Tochtermann, ein schrecklicher 
Asot, vor im in den besten Jaren starb, erschin auch einem Bur- 
schen, der Holz im Walde holen wollte, aber Seil und Beil von 
sich warf und entprang; und dem Son des Wirts von Fürnsal, 
welcher zuvor den Wunsch in auch zu sehen geäußert hatte, beim 
Stege über den Dirnenbach, über den er gehn wollte, aber weil 
der Spukende von der entgegengesezten Seite herkam und mit im 
auf dem Stege zusammengekommen wäre, ebenfalls entsprang. 

d In der Nacht vom 12./ 13. Januar 1828 bemerkten merere 
Leute in dem leerstehenden Hause des nach Ravensburg abgezognen 
H. Ober am ts- Arztes Schettle in der Hauptstraße zu Oberndorf ein 
helles Liecht, das von einem Zimmer in das andere gieng und die 
Kreuzstöcke erhellte. Auf die Nachricht davon kamen merere 
Leute herbei und auch der Salzfaktor, welchem mit den Schlüßeln 
die Aufsicht dises Hauses übergeben war. Nun giengen um nach- 
zusehen einige Männer in das Haus, fanden aber weder Diebe noch 
Liecht, und erst im Februar erfur man, daß in der nemlichen 
Nacht der Stadtarzt Dr. Kreuzer in Furtwangen, der eine Schwester 
von Schettle's Frau zur Ehe hatte, gestorben war. 

24 Teufetebundsagen 

a Ein gleicher Thnrm der guten Hofnung wäre Mana zu 
Ehingen (aD); alda auf dem Berg einem (ex Bavaria oriundus), wel- 
cher vor dem höllischen Feind, gemäß seines schriftlich mit ime er- 
richteten üontraktes A. 1707 den 14. Aug. lebendig solte in die 



31 

Höllen gefart werden. Der unglückselige Tag war schon ange- 
kommen, yerfiegte sich also abends spat von Haas ganz verzwei- 
felt in den Wald^ an das Ort, wo vormals der Vertrag zwischen 
ime und dem Deufel geschloßen worden. Um die zehende Stund 
in der Nacht traffe er aldort ein, sähe aber zu seinem größten 
Leydwesen, daß der ganze Wald schon völlig in Flammen stunde. 
Nicht nur die Aest auf denen Bäumen, sondern auch die Erden 
unter seinen Füßen schienen ime ein so entsezliches Feur zu sein, 
daß ime vor Forcht und Zittern das Herz im Leib und das Mark 
in denen Beineren zu schauderen anfienge. Denckte also halb ver- 
zweifelt bei sich Selbsten: wie ich solte von nun an auf ewig in 
einem so entsezlichen Feuer braten? Nunmero ist es zehen Ur, 
nach 3 Stunden bin ich schon würcklich aus meiner eigenen Ver^ 
willigung ein ewig unglückseliger Raub der Höllen. Da ime der 
kalte Todesschweiß aller Orten ausgetriben wurde, fallet ime bei 
die wundertätige Gnadenmutter Maria zu Ehingen auf dem Berg.^ 
Er habe sich nach Ehingen gemacht, rief Maria auf dem Wege 
an, womit er sich den höllischen Klauen jedesmal entriß. Auch 
von einem Studenten (a 1729) weiß der Bericht eine änliche Ge- 
schichte. 

Marianisches Ehrenkränzlein, v. Chrysantho Plattner y Franzisk, 
0. Lektor in Ehingen, Constans 1762 S. 32 ff. 

b Den 8. Tag deß Monats May im 1676sten Jar Vormittag 
gegen 8 Ur fände sich allhier zu Augfburg in meiner Behausung 
ein Joseph Egmund Schultz, gewester Französischer Soldat in der 
bekandten Vestung Philippsburg , und gab mit großer Qual und 
Bangigkeit seines Herzens zu verstehen, welcher maßen er sich im 
Jar 1671 den 15. May in ein abscheuliche Bündnus mit dem lei- 
digen Satan eingelassen, demselben mit Leib und Seel sich zu 
Dinsten ergeben, ja mit Blut auf 5 Jar verschriben habe: Die- 
weiln nun solcher Termin biß auf 7 Tag verflossen und zu Ende 
gelaufPen, so hätte er sich ehistens eines höchst-kläglichen und 
erbärmlichen Todes zu besorgen, daß entweder der Teuffel in er- 
würgen, oder mit Leib und Seel davon füren würde: Weßwegen 
sein einiges Verlangen dahin gienge, daß er mit seinem hochbelei- 
digten Schöpfifer wider möchte ausgesönet, dessen Gnad versichert 
und von dem instehenden Seelen-Verderben errettet und befreyet 
werden. Bald darauf fieng er an umständlich und der länge nach 
zu erzehlen, was im den Weg zum Teuffei gebanet, und welcher 
gestalt er in disen Jammer geraten seye, nemlich durch böse und 
mit dem verfluchte Zauber-Gifft angesteckte Gesellschafft: Es hätte 
ein abgefeimter Teuffels -Knecht (der sich unter den Franzosen be- 
funden, und zu deß Satans Werber gebrauchen lassen) nicht ge- 
ruhet, biß daß er in Schnitzen neben 8 andern Soldaten zu Ein- 
gehung solches abscheulichen und verfluchten Pacts beredet, und 
dasjenige zuwegen gebracht, was er anjezo herzlich bereue und 
beweine, nemlich daß er' sich neben besagten 8 Gameraden dem 



32 

Satan mit Leib und Seel ergeben und verschriben, vor gewiß glau- 
bende, daß er von solcher Zeit an in all seinem Tun glücklichen 
Fortgang verspüren, durch Spile vil gewinne, toie auch Htb-, Stich- 
tmd Schußfrey bleiben wurde. Dannenhero er auf begeren deß 
Teofflischen Werbers eine HandschrifiPb mit seinem Blut auf Perga- 
ment verfertiget, dieselbe mit einem Schnuptuch umwunden, Nachts 
zwischen 11 und 12 Ur im freyen Felde auf einem Greuz- oder 
Scheideweg von sich geworffen, und solcher Gestalt den einge- 
gangenen Pact leider! bekräftiget und bestätiget. Das Blut zu 
der Verschreibung hätte er von dem Daumen an der lincken Hand 
nemen (daran die Narben noch eigentlich zu sehen war) und von 
solcher Zeit an dem Teufifel in allen Dingen zu Dienst und Willen 
werden müssen. Er der SeelenmÖrder , wäre im die 5 Jar über 
in unterschidlichen Gestalten erschienen, bald als ein vornemer 
Gavallier und anschlich er Herr, bald als ein großer Rah, zuweilen 
als eine schröckliche Schlange, und wiewoln er sich anfangs ser 
vor im geförchtet, so seye er doch nach und nach mit im je länger 
je gemeiner und vertraulicher worden, auch sich seines Rats und 
Beystands in allen vorfallenden Begebenheiten gebrauchet und be- 
dinet. Die getane Zusag und Yerheißüng hätte er im zwar so 
fern gehalten, daß er vil Gelt durch Spilen gewunnen, es seye 
aber bey solchem Gewinn weder Glück noch Stern gewesen. Kurz 
vor seiner Hieherkun£ft hätte er in Philippsburg andern Soldaten 
mit Hülff deß Satans bey 300 Ducaten abbetrogen, welches Gelts 
er aber bey einem Außfall aus Philippsburg auf einmal wieder ver- 
lustiget, ja zu einem blut- und bettelarmen Menschen gemachet 
worden. Doch wären im die Augen seines Gemüts hierdurch all- 
gemach aufgegangen, daß er die Boßheit und den Betrug deß 
Satans erkennet und wargenommen. Worbey auch dises vil getan, 
daß er der grausamen Hinfürung etlicher Teuffels - Sclaven (deren 
Zeit zu Ende gelauffen) eigenpersönlich beygewonet, und mit höch- 
ster Bestürzung angesehen, wie der Satan endlich seinen Knechten 
so erbärmlich zu Ionen, ja was dise Bündnuß zulezt vor ein kläg- 
liches Ende zu nemen und zu gewinnen pflege. Vor seinen Augen 
seyen einige solcher Rottgesellen durch den Flöllischen Wüterich 
ganz grimmig angefallen und in den Lüfften hinweg gefüret wor- 
den, als sie kurz zuvor nochmaln auf geheiß deß leidigen Satans 
GOtt iren Schöpfer verlaugnet, ire leibliche Eltern, von denen sie 
auf dise Welt erzeiget und geboren worden, vermaledeyet, und dann 
zu drey unterschidlichen malen (welches bißhero noch unerhört 
gewesen) Fleisch, Brod, Bier und Wein in deß TeufiPels Namen 
weggeworffen und außgeschüttet. Von den abgeleibten und hinweg 
gefürten Gesellen hätte er weiter nichts als die Hirnschalen ge- 
sehen, welche der TeufiPel zurück gebracht, und seinen zugegen 
gewesenen Sclaven vor die Füsse geworffen. Weilen er sich nun 
solches Elend ser tieff zu Herzen gezogen, so wäre von solcher 
Zeit an sein meiste Sorge gewesen, daß er der Teufflischen Freund- 



3ä 

schafft quit, dagegen der Göttlichen and Himmlischen wider teil- 
hafftig werden möchte. Massen io der allerbarmende GOtt (der 
kein Gefallen am Tod des Sünders traget) auch anf andere weise 
warnen und zur Busse ermuntern lassen^ indem zu heißer Sommers- 
zeit einer von seinen guten bekannten urplözlich seye von dem 
Donner berüret im an der Seiten weg, und in die £rde geschlagen 
worden. Welcher Fall nicht nur neue Forcht uncL Schrecken bey 
im verursachet, sondern in auch dahin bewogen, daß er sich von 
den Teufflischen ßanden durch göttliche Hülff ganz und gar loß- 
zureißen, dem Satan seinen Kauff wider aufzusagen, und als ein 
verlohrner Son bey seinem Himmlischen Yatter sich wider einzu- 
finden gänzlich entschloß en hätte. Da aber solches der ßöß wicht 
an im zeitlich vermercket, so hätte er in bald mit harten Tro- 
Worten angefaren, bald mit vilen Verheißungen das Maul aufge- 
sperret, bald den verschribenen fünffjärigen Termin zu prodnciren 
oder zu verlängern versprochen, bald (da er nichts bey im ver- 
mägen können) sich nicht anders angestellet, als ob er in seiner 
Widersezlichkeit halben gleich auf der statte zu reißen und er- 
würgen wolle. Deßen aber alles ungeacht, so begere er auf seinem 
guten Vorhaben beständig zu verharren, und lebe der gewißen Zu- 
versicht, daß GOTT stärker als der Teuffei seye, auch seine un- 
endliche Barmherzigkeit alten armen bußfertigen Sündern wider- 
faren.nnd gedeyen laße, vor deßen H. Angesicht begere er sich 
jezo wider zu stellen, nicht zweifflende, daß er um deß Todes und 
Verdienstes JEsu Christi willen Gnad und Vergebung erlangen 
werde. Der Satan (für er fort) sag was er will, er reize mich 
zur Desperation und Verzweifflung an wie er mag, so bleib ich 
doch beständig darauf, daß GOTT vil stärker als der Teuffei seye ! 
Wie mir nun dises lezte ser erfreulich zu vernemen gewesen, 
also ließ ich mir mit sonderbarem Fleiß angelegen seyn, daß er in 
solchem Vertrauen je mer und mer gestärcket, und zu bevorstehen- 
dem schweren Kampf wider den Teuffei recht außgerüstet werden 
möchte. Er gab hierauf abermaln mit Vergießung viler Tränen 
die Reu seines Herzeus an den Tag, sprach ein Buß-Gebett über 
das andere auf gebognen Knien eiferig nach, schlug mit dem Zöll- 
ner öfters an die Brust, verfluchte seinen erschröcklichen Abfall 
von GOtt zum Teuffei, verdamte sein bishero gefürtes gottloses 
leichtfertiges Leben und seuffzte unabläßlich zn GOtt, daß wie er 
mit im bißhero so lang Gedult getragen, in nicht (wie seinen Mit- 
gesellen) vom Donner erschlagen, oder vom Satan wie die andere 
dahin füren lassen; daß er im doch jezo ein bußfertiges Herz 
geben, ihn armseligen den Höllischen Löwen-Klauen entreißen, und 
das jenige Seelen- Hauß wider zu seinem Tempel und WonuQg 
machen wolle, welches der Höllische Mord-Geist so vil Jar hero 
besessen und ingehabt hätte. Ich flehete selber neben ihm zu GOtt, 
daß er so wol seine £re, als dises armen Menschen Seele retten, 
seine große Macht und Herrlichkeit erweisen, und disen bißhero 

Blrlinger, Alemannia XI 1 ^ 



34 

gewesten Teaffels-Kneclit im Werck wolle er^ren lassen, daß Er, 
der große Zebaot, weit stärcker and mächtiger als der Satan seye ! 
Hierauf hat er auf mein getanes Yorsprecben disem Seelen-mörde- 
riscben Feind freudig abgesaget , und den verlassenen Tauff-Bund 
wider erneuert, mit angehengtem Versprechen, daß er sich Arohin 
sowol vor der Teufflischen Freund- und Gemeinschaft, als auch 
andern groben Sünden und üebeltaten, allermeist aber yor böser 
und verfürerischer Gesellschafit, vor allem ehmals beliebten leicht- 
fertigen spilen und rauffen fleissigst hüten und versehen wolte. 

Als er dtses kaum ausgeredet hatte, so ließ er sich zu einem, 
grausamen und entsezlichen Anfall und Sturm deß bösen Feindes 
an, der sich anfangs in Gestalt eines großen Rabens (deß Schulzen 
Bericht nach), bald darauf aber weit abscheulicher präsentiret, und 
in auf das härteste betrobet , wo er sich nicht alsobald von mir 
hinweg begeben, und dtse Büß -Gedanken faren lassen wurde. Wie- 
woln er nun anfangs sich tapffer und freudig bey solchem angehen- 
den Kampf aufgefaret, und gute Hoffnung zum bevorstehenden Sig 
gemachet, so nam doch der Teufflische Anfall je mer und mer so 
hefftig überhand, daß der arme Mensch sich durch kein zureden 
in meiner Behausung länger wolte aufhalten lassen. Ich mochte 
sagen was ich wolte, so war sein Verlangen nach der Straßen, 
weilen ihm (wegen gar zu harter Betrohüng deß Satans) schlechter- 
dings unmöglich seye, länger bey mir zu verbleiben, doch solte 
ich gewiß glauben, daß er sich lieber wolte in Stucken zureißen, 
als dem Teuffei weiter zu dienen bereden lassen. Ach daß ich 
wissen möchte (sagte er mit seuffzen) wie einem solchen Menschen 
zu mut, der diser schröcklichen Höllen -Band befreyet ist! Weiln 
aber alle angewandte Müh und Arbeit, disen Menschen anzuhalten, 
umsonst gewesen, so hab ich in aus meiner Behausung in eine be- 
nachbarte Wonung gefüret, dem Haußvater zu sorgfältiger Ver- 
pflegung und Verwarung auf das ernstlichste anbefolen, dahin stets 
gedenckend, wie und welcher gestalt disem Armseligen völlig 
möchte geholffen, ja alle gute Anstalt zu bevorstehendem schweren 
und schröcklichen Nacht-Kampf gemachet werden. So bald ich 
aber besagter Wonung den Rucken zugekeret, so wolte sich der 
hart-verstrickte Mensch allda auch nicht länger anhalten lassen, 
er trang mit Gewalt (zweiffelson auf hartes Teufflisches zusezen) 
wider aus der Herberg heraus, und wurde von hier flüchtig, daß 
er nicht mer gesehen, noch von im das geringste weiter gehöret 
worden. Ich stehe dahero in großen Sorgen, er seye entweder 
vom Satan nach Verfließung der restirenden siben Tag zerrissen, 
oder auf andere Weise hingerichtet worden. Keines weges trau 
ich ihm zu, daß er in eine neue Bündnuß mit dem Feind getretten 
seye. Ja eben dahero, weil er weiter nicht gesehen worden, mut- 
maße ich, daß der Satan zwar Macht und Gewalt über den Leib 
bekommen, doch aber seiner Seelen hab schonen müssen. 

c Was sich vor ungefer 40 Jaren zu Memmingen vor ein merck- 



35 

würdiger Casus zngetragen mit einem vom leidigen Satan ret" 
strickten , jedoch desselben Macht und Tyranney glücklich wider 
entrückten Kauffmanns-Diener N. N., das ist unlangsten in einem 
besondem Poetischen Werck, unter dem Titel deß verkerten und 
bekerten Ophiletis, auf die Traur-Büne gestellet, und durch eine 
sinnreiche Frauens - Person, Sibylla Schusterin, in wolklingenden 
Teutschen Reimen abgefasset worden^). Die vorangesezte warhafP- 
tige Geschieht lautet von Wort zu Wort also: Ein junger Eauff- 
manns-Diener von Meromingen war im Jar Christi 1646 an St. 
Stephans-Tag, Neuen Calenders, auf ein Dorfif, sich im Wirtshauß 
lustig zu machen, spaziren geritten, und hatte daselbsten einen 
vermeinten Werber angetroffen , welcher sich zu im an den Tisch 
gesezt, und mit bequemer Gelegenheit von der verdamten Kunst, 
sich fest, oder Stich' und Schuß-frey zu machen, zu discuriren an- 
gefangen, Erafft welcher er im Krieg bißher sich großer Streiche 
angetan. Er zündete auch durch seine Beredsamkeit bey dem 
jungen Kauffmanns- Diener die Euncken deß Fürwizes an, daß er 
ihn endlich angesprochen, ob er einen guten Freund nicht auch 
seiner Kunst möchte teilhafftig machen? welches der verkappte 
Werber zwar mit Ja beantwortet, doch immer an sich gehalten, 
als ob er solches nicht gerne gar umsonst täte. Worauf der junge 
Eaufimanns-Diener in gefragt, was er dann dafür begerte? und 
dise Antwort empfangen: Er solte sich ihme zu einem Soldaten 
verschreiben, er dörffte aber erst über 20 Jar erscheinen. Dises 
(gedachte der Diener bey sich selbst) scheine sich noch wol tun 
zu lassen, sintemal diser Werber innerhalb bestirnter Zeit eher tot, 
als noch bey Leben seyn, und er also sich wenig Gefar zu be- 
förchten haben wurde, über das villeicht von demselben sich allweg 
mit Geld loßmachen könte. Ließ sich also, ohne ferneres Nach- 
sinnen in die vorgezeigte Rolle schreiben. 2ki Leistung aber deß 
schändlichen Versprechens von Offenbarung der verfluchten Fest- ' 
macherey gab der vermnmte Werber für, müsse er dem jungen 
Kauffmanns-Dlener nur ein kleines Wündlein in den Kopf schneiden, 
mit dem ausgeronnenen Blut aber solte er seinen Tauff- Namen 
auf ein Papierlein schreiben, welches er ime in die geringe Wun- 
den einheilen, und solcher gestalt demselben vor Schießen und 
Stechen eine unbetrügliche Versicherung erteilen wolle. Welches 
auch geschehen. Nachdem sie nun eine gute weil mit einander 
gezecht, und sich endlich wider zu Pferd gesezt, ritten sie mitein- 
ander biß an eine W^eg-Scheide, allwo der Werber mit disen Wor* 
ten Abschid genommen: Jezt finde ich dich über 20 Jar, soltest 
du auch gleich an der Welt Ende seyn. Woraus zwar der Diener 
geschlossen, daß er von disem Höllischen Werber (dann diser war 
es auch) hinterschlichen und betrogen sey, nam doch solches auf 
eine leichte Achsel, in Meinung, innerhalb so langer Zeit für seine 

1) Gedruckt zu Oetingen 1685. 



36 

arme Seele noch wol Bat zn finden. Gieng aber in solchen ge- 
filrlichen Stricken, ob schon mit schwerem Gewissen nnd abwechs- 
lender Schwermut, dahin, biß die bestimmte Jar allerdings ver- 
flossen. Da er dann Anno 1666 Donnerstag Nachts vor dem Nenen 
StephanS'Tag von dem Feind mit scharfen Tn» -Worten ange- 
schnarchet nnd benachrichtiget worden, daß den knnfitigen dritten 
Tag sein Leib nnd Seel ihme vermög eigen-HandschriffUicher blu- 
tiger, freywilliger Verschreibang, verfallen sey. Welche seine 
Seelen-Gefar denn der Diener seiner Getreuen an seiner Seiten 
ruhenden Ehgehülffin entdeckte, die auch one Verzug, so wol 
Geistlichen als Weltlichen solches geoffenbaret, und bei denselbigen 
Hnlff und Rat gesucht. Hierüber wurde er gefangen gesest, und 
die Herren Geistliche ime zugeordnet, durch deren Anweisung er 
dem Satan widerru£fen, iren eifrigen Zuspruch aus H. Schri£% be- 
ging angenommen, und die Erafit deroselben herzlichen Fürbitt 
dergestalt genossen hat, daß, obwol der Feind auf ermeldte Zeit 
mit ungestüm sich hören und spüren lassen, auch den Diener von 
der Ketten zureißen (wiewol vergeblich) gesuchet, und denselbigen 
blutig geschlagen, er dannoch durch den furgehaltenen Macht- 
Spruch: Deß Weibes Samen wird der Schlangen den Kopf zer- 
tretten, sich unverrichter Sachen abtreiben lassen müssen. Darauf 
wurde er der Kirchen in öffentlichem Bann fürgestellt, und seine 
entsezliche Missetat ime nach Notdurfit vorgehalten. Nachdem er 
aber in einem Traur-Kleid sich in allen Predigten und Betstunden 
bußfertig eingefunden, und seine herzliche Reue mit vilen Tränen 
ernstlich bezeuget, ist derselbe deß Gefängnüsses befreyet, dem 
Schoß nnd der Gemeinschafit der Christlichen Kirchen wider ein- 
verleibet, und in sein Hauß gelassen worden. In welchem er auch 
eine zimliche Zeit sich Christlich und eingezogen verhalten, ließ 
sich doch endlich aus Ueberdruß deß stillen Lebens, nach über- 
mäßigem Trunck, in ein verdächtiges Hauß verleiten, woraus er 
ein neues Unglück im leichtlich einbilden konte, welchem zu ent- 
rinnen, er sich auf die Flucht, und folgends in den Eiieg begeben. 
Da er dann auf dem Wasser fortgefaren, in einer Welt-berümten 
Stadt etliche Tag still ligen müssen, und daselbst einen Hand- 
wercks- Gesellen, welcher vor disem in seinem Vatterland in Arbeit 
gestanden, nnnmer aber eine eigene Werckstatt fürte, angetroffen, 
welchem er sein ganzes Herz eröffnet, und alle seine Händel er- 
zelet, auch seinen damaligen Mangel und Elend beweglich geklaget. 
Diser aber trug an statt Mitleidens Scheu und Eckel über seinem 
Zustand, und ließ sich nicht mer von im antreffen; Reiset eine 
kurze Zeit hernach in deß jungen Kauffmanns- Dieners Heimat und 
erzelte den ganzen Verlauff, welches dann die lezte Urkund von 
im gewesen. Dann ob man gleich zum öfftem ausgesprengt, daß 
er in einer oder andern Stadt wäre gesehen worden, hat sichs 
doch auf eingezogene Kundschafft nicht also erfinden wollen, und 



37 

ist also so wol der Ort als die Art seines Tods noch zur Zeit 
niemand, als dem Allwissenden 60tt bekandt^). 

25 Einfältiges Gedicht von der B&rmatter 

Ich kan nicht furbey ein solch einf&ltiges Gedicht allhier zu 
erinnern^ wie eine sich klug dünckende Frau zn Mayenfeld in 
Pünthen mir einmals, wider meine Natur, glaubend machen wolte, 
daß sie es gewiß und von warhafftem Mund gehöret, wie daß die 
Bärmutter einer am Bach schlafFenden Frauen zum Maul heraus 
gekrochen, sich in den Bach gebg.det^ und wie ein Mäußlein in 
aller Eyl wider zu dem Munde eingekrochen sey, daß von allem 
die Frau nichts empfunden hatte, welchem aber der darbey ge- 
sessene Hirt zugeschauet, und es ir hernach referirt. Ebenso wenig 
als warhafftes an disem Märlein ist, so wenig ist es auch möglich, 
daß den Weibern die Bärmutter biß an den Halß kriechen könne. 

Joh, Jac. Bräuners Thesaurus Sanüatis oder Sehatz menschlicher 
Gesundheit Frankf. a. M. 1732 S 262. 

26 Das HoldentOokle 

Unterhalb des Hochgerichts, begrenzt von -dem sog. Schult- 
heißentäle auf Wurmlinger (Tuttlingen) Markung, ist ein uraltes 
HolderstöcMe <, das man nicht austilgen kann, trozdem die Leute 
es immer wider heraushacken. Es soll etwas damit gewesen sein. 
In der Ebene zwischen Rottenburg und Eieblngersteg ist der Hol- 
derstocky der ebenfalls unausrottbar und bei dem einst eine Schlacht 
geschlagen werden soUe. 

27 Glookenftiiid 

Nicht weit von Herbertingen, mitten in dem obern Donau- 
riede, ligt ein au£fallend runder Hügel, der Bettelbühl genannt. 
Da soll einst ein Schloß gestanden haben. Die Kirchenglocken 

▼on Herbertingen seien daselbst herausgegraben worden. 
Mündlich, 



l) Die Gebrochne Macht der Finsternuß, oder Zerstörte Teuflische 
Bunds und Buhl- Freundschafft mit den Menschen: Das ist Gründlicher 
Bericht, wie und welcher Gestalt die abscheuliche uud verfluchte Zauber- 
Gemeinschafft mit den Bösen Geistern angehe; wie disdbe m- und fort" 
gehe; Ob, und auf was Art und Weise sie widerum zergehe, und denen 
Teufflischen Bunds-Verwandten, aus dem äussersten Seelen -Verderben 
wider geholffen werden "könne; AUen Heyl- und Gnaden-begirigen, und 
vom leydigen Satan schändlich -berückten und verstrickten Seelen zum 
notwendigen Unterricht und Heylsamer Widerkerung, beschriben, und mit 
vüen merckwürdigen alten und neuen Erzehlungen, wie auch einigen 
Kupffer-Bildern ausgezieret von Ghttlieb Spizeln, Pfa/rrem zu St Jacob 
in Augsburg, Augsburg, In Verlegung Gottlieb GÖbels Seel, Wittib, Ge- 
druckt bey Jacob Koppmacher 1687, 



38 

29 Das Ihliger UrakelbUd 

EhiDgen, sage ich, vereret ein von undenklichen Jaren her 
mit vilen Gnaden und Guttaten berümtes Mutter-Gottes-Bild, wel- 
ches aus dem im Würtembergischeu zunächst Blaubeyem gelege- 
nen Blanental durch 2 Ochsen nicht one Wunder anhero gebracht 
worden; maßen solches nicht nur aus einer unbekannten, einem 
Stein gleichenden Materi siben Schuh hoch, folglich über 20 Oent- 
ner schwer, sondern auf dem nunmero befindlichen von dämmen 
sogen. Ochsenberg dermaßen unbeweglich geworden ist, daß selbes 
durch keinen menschlichen Gewalt könnte von dannen gebracht 
werden. Auf welchem sodann, weilen man daraus abgenommen, 
die große Himmelskönigin müsse ir dises Ort vor iren Onadensiz 
erwälet haben usw.^) 

30 Das Mlrakelbild In Mengei 

In der Pfarrkirche, der Marienkirche, stet ein umgitterter 
Altar und darinn ist ein wundertätiges Muttergottesbild. Die ge- 
druckte allda angebrachte Tafel besagt: Den 18. Mai 1632 hat 
das Marienbild seine echte Farbe verkert, seine Augen wunder- 
bar verdreh ty aufgetan, geschloßen. Dises ist geschehen im Beisein 
von 300 Personen, Mengen 21. Juli 1825. Es hängt dise Legende 
mit der Rettung der Stadt M. den 18. Mai 1632 zusammen, als 
die Schweden ob des dichten Nebels von der Berennung abstanden. 
Diser Tag der Hilfe ward järlich gefeiert mit Gottesdienst und 
Procession um die Stadt unter Zulauf einer großen Volksmenge 
aus der Nachbarschaft. Neuerlich ist das Fest auf den Pfingst- 
montag verlegt worden. 

31 MiittergottesbUd weint 

Eben dises Jar den 27. Mai (1613) hat sich zu Endingen 
ein groß miraculum mit der Bildnuß B Mariae Virg. zuogetragen ; 
dann als man sie hat wollen zieren, hat sie angefangen zuo wainen. 

Kromk des SOjär, Krieges, Handschrift in üeberlingeny 

32 ürsnlabronnen 

Ursula Heiderin von Leutkirch hat lang zu Eeutin gelebt; 
t 1498 zu Villingen in gemeltem Clarissinnenkloster ; da ist ein 
heilsamer Brunn, welcher der seligen Ursula Brunn genennt wird. 
Das Wasser von solchem andächtig getrunken hat schon vilen die 
Gesundheit mitgebracht^). 

1) Marianisches Ehrenkränzlein, Von dem Ursprung, Gnaden usw. des 
wundertätigen Gnadenhilds ü, L. Frauen zu Ehingen a. D. Constanz 1762. 

2) Glorreiche Frucht der Büß oder kurze Beschreibung des 3. Ordens 
deß hl, Vaters Francisci von der Büß genannt usw, Solothum Urs 
Heuberger 1731 S 427. 



39 

Eiechiel Meder wirdt in ansehen aller seiner Anheng ?erbrant 

Es wirdt aaß Drefden vermeldt, daß wider Ezechiel Meder 
bey churfürstlichen Gnaden diser beriebt einkomen, das er ein 
Zauberer ist und auf zeit zno einem Müller kommen ynd ein Laib 
brodt von im begert, darauß er drey gemacht vnd den Müller 
dahin beredt, er solle seinen schaz vergraben, er wurde den auff 
ein Zeit dreyfach finden, darauf der Müller solches getan vnd wie 
die Zeit kommen, hat er den schaz erheben wellen, aber nichts 
fanden, darauff er klain müetig haim gangen, beym Zauberer rats 
gefragt, der im angezaigt, der, so auß einem laib drey gemacht, 
bab das gelt bekommen. Auf das ists urteil ergangen, das er 
nicht auff die Enden kommen soll, sonder lebendig verbrendt, 
auch alle seine anhenger bey leib stra£P zuo erscheinen erfordert 
worden, solchem zuozuosehen, wer hinfüro ime nachfolgen oder 
an in glauben wurde, dem solle dergleichen widerfaren. 

Ueberlinger hs, 17. Jhd, ABIRLIN6ER 



3 ELS^SZISCHE HAUSINSCHBIFTEN 

1) ÄUweieTj Kreis Rappoltsweiler 
Gasthaus v. Riette Ofenplatte 

1777, 

Savl : ward : dvrch : Christi : Glantz : bekehrt : mit : Gewalt 
Absalon : sein : vatter : verfolgen : that : am : bavm bleibt hangen 

wird getödt. 

2) Bergheimf Kreis Rappoltsweiler. 

Schule, ehemaliges Beinhaus neben der Kirche 

Q . . . D . MemSto. mori sie. transit. gloria . mundi. on 
rait. in . vitiis en. perit. ille suis. 

Haus 284 

Sicat umbra fugit vita 

F. J. G. fecit anno MDCCXI. 

3) Dahlenheimj Kreis Molsheim. 
Kirche, Südseite 

Von Gottes Geburt MCCC Jar 

LXXX vnd VI gezelet gar 

In der Charwochen ward dis Earchlein 

Zu Ehren der reinen Koenigin 

Von Bischof Wilhelm von Dietsch ernevert 

und von gemeinen Almosen gestevert. 

Maria Mutter reine Maget 

Sie alle Gnad an dir behaget 

So hülf vns Armen allen gleich 

Zv Dir in das frohe Himmelreich. 



40 



4) Dahlenheim 
Hans, Hauptstraße 

Allhie 8te ich in gotes had 
Thomon Kaafer wolbekand 
Gebavet in Gottes Ehren 
Der vns alle thaot emeren. 

5) Egisheimj Kreis Eolmar, 
Brunnen vor dem Bürgermeisteramt 



fogt ynd 
Schultheis 
zu eren 
was. 



do diser 
brvn vart 
gemacht 
hans. ansei 

6) Otbweüer 
Rathans am Erker 

o e 
Im jor cristi MVXIIj | hat der ersam .... hart heller der dich | 
men dis hus gebuw6 vnd ist nur sol | ich arbeit durch hilf gottes . . . 

zum sechste monat vol . . . 

7) Ingersheim, Kreis Rappoltsweiler 
Gemeindehaus 

Honores mutant mores 

1600. 

8) Kaysersberg^ Kreis Rappoltsweiler 
Gemeindehaus. Ueber einer Tür . 

Den Aus- und Ingang gott bewar 

Dem sey lob ynd danck gsagt immerdar. 

9) Kolbshem, Kreis Straßburg 
Haus No. 62 

Alle die dahier in diesem 
Haus gehen aus oder 
ein sie mögnn rei 
ten oder fahren di 
wolle Gott der Herr 
bewahren. 

L. K. B. W. 1 
1776. 

10) Behmühle bei Hambach, Kreis Zabern 

Hier bleibt offen ber ausgang zum streit der eidelkeit 
Im Himmel aber der eingang zur ewigen Zufriedenheit 
Madis Bieser 1807 Christiane Müllerin. 

Ueber der Nebentür 

Zufriedenheit ist die schönste zier 
Bleibt man bei ihr. 



41 



11) Bufach^ Kreis Oebweiler 

St. Arbogastkirche, äassere Südwand 

Gont her und sehent das Recht 
Hie lit der her bi dem Knecht. 
Nun gont für bas in 
Und luget wer mag der here sin. 

12) Saarwnion, Kreis Zabem 
Haus an der Kirche 

Mensch 
e ge 

dult dich in der not 
hof und trau 
allein auf gott 
hast du glück 
erheb dich nicht 
hast du Unglück verzage nicht 
dan got ist der rechte mann 
der glück und unglück wenden kann 
1718. 

13) Steinburff, Kreis Zabem 
Gasthaas zum Löwen, 

Dieses Haus Gehöret mein 

und nicht mein 

Wer mir nachfolget 

Bleibt auch nicht drein 
Joseph Kleinelaus 
Maria Anna Essling 
1824. 

14) StUeem, Kreis Kolmar 

Gott Bewahr Dieses Hauss 
und alle die gehen ein und aus 
Gott steh uns bey mit deiner Gnad 
Das uns nichts Böses schaden mag 
Erhalte uns zu jeder Zeit 
Gesund in Fried und Einigkeit 
Das wir die Tage bringen zu 
In Freuden und in guter Ruh 
Verleih uns allen hier auf Erden 
Das ynY mögen seelig werden 

Anno 1823. 

15) TürJcheim, Kreis Kolmar 
Haus iu der Hauptstraße 

1. Dis Wape ist vile wolbekant 
firt Thomann Schweidel 
in seinS stand in 
becke werck fire ich 
m^i 



42 

2 lauf wer mir nachyolgt muos 
seh^ drauf des glich. 

von Gott wie ers mir gnnt 
dvon ich er 

3 warten alle zeit vnd stat in 
seiner macht ayf erde 

ob ich bischof oder 
bader wurde 

D. S. 

Anna Singlerin 1646. 



16) Türkheim. 

Haus hinter dem Rathaus 

Das . Havs . stet . in . 6o . 

tes . Hand . der 

be . hiet . yns . vor . evnd 

vnd Bchand. 
H. 

t 
1716 

t 

17) Westhofen, Kreis Molsheim. 
Haus an der Wasselnheimer Straße 

1684. Pavlvs Jeger. Alain alain Gott die £r 

Ynnd sundst niemand mer 

Welcher will bavwen an der Strassen 

Der soll sich vexieren nicht irren lassen 

Dann so geschickt ist kein mann 

Der jedem nach seinem gefallen bavwen kann. 

Der Baw ist gemacht vor den samstag am St Johann- 

efen nustag Amen Hanss Conratt Hamel 1550. 

18) Westhof en^ Kreis Molsheim. 
Haas 

Welcher will bavwen auff freyer Strassen 
Der sol sich vnnitz red nit Iren lassen. 

19) Belilenhevm^ Kreis Rappoltsweiler. 
Gasthaus zum weissen Lamm. 

Zum weissen Lamm heisst dies Haus 
Wer kein Geld hat bleib zu Haus 
Ist dain Beutel ganz verronnen 
Und hast Durst so geh zum Brunnen 
Denn mit dem Schreiben au die Wand 
Komm ich nicht aus in dem Weinland 
Drum lieber Leser ich bitte dich 
Ehe Du gehst so bezale mich. 



43 



Heraus mit dem Wort wenn's wahr ist 
Hinab mit dem Trunk wenn er klar ist 
Einer yerlacht's, der andere veracht's 
Der dritt* betracht's, was macht's. 



20) KölmaVs Museum. 
Inschrift auf einem alten Faße 

Ich edles Fass rede das dass ich muss seyn alle Zeit nass bin 
ich nicht voll ist | mir's nicht wohl darum bitt ich umb 
Gottes willen | thut { mich doch füllen aber mit V£NÜS last 
mich I ungeschoren. Johann Heinrich Rennius hat | mich 
iprebohren in dem 1767 Jahr als Frantz Christoph von 
fiutten Bischoff und Fürst | zu Speier war. 

21) Meizeral. 
Gastbaus zur Sonn 

Im Gast Haus 
hier zur golden Sonnen 
Wer kein Gelt hat den lab mein Bronnen 
Dann nur mit Kreiden an der Wand 
Kann ich nicht fahren ins Weinland 
Doch wer inkehrt mit Lieb und Gunst 
Zehrt heut ums Gelt u. morn umsunst. 



22) BcEthscmhausen^ Kreis Schlettstadt. 
Wirtschaft 

Aechte Karpfen in der Sose 

Gebackene Fische klein und grosse 

Locken manchen hier herbei 

In dem schönen Monat Mai 

Krebse Spritzenkuchlein und guter Wein 

Der soll unser Labsal sein 

Wenn's gelüstet so zu schmausen 

Der komm nur nach Rathsamhausen 

Zum Vergnügen Lust und Freud 

In der schönen Sommerzeit* 

23) Sägemüle, Scheidecker Strengbachtal bei Rappoltsweiler. 
Ofenplatte 

Das 0hl gar reichlich sich 
vermehrt der söhn von todt 
zum leben kehrt im todt sich 
gottes gut beweist . mit wenig 
brodt vil menschen speist. 

Zinsweiler 
das brunnenwasser wirt 
in guten wein verkehrt, 
der edler rebensaft im 
Wasserkrng sich mehrt. 



44 



24) Beichemomer. 

Gasthaus zum Stern. Ofenplatte 

Soyons tous 

fidels aax armes. 

Zinsweiler Anno 

Do. 1608. 

25) Völk&berg. Kreis Zabern. 
Gasthaus von Metz 

Gott segne deinen Eingang 
Wenn du Durst hast 
und deinen Ausgang 
Wenn du bezalt hast. 



KÜRT MÜNDEL 



TIERSTIMMEN ^ ) 



Bäurisch Lied vom Frosche: Quackt in dem Sumpfe sein 

bäurisches Lied. 

Scherze I {1762) S 35. 

Ga Ga f. Gans : Es hatte ein vornemmer man einen einigen 
Son, den die Jesuiter zu einem Raub wie die Soldaten die arme 
ga ga gefangen. 

Geitzvögdein S 18 AUm. öfter citiert, 

Gedön usw. Und die Fliegen haben ein groß gedön. 

Kalender 1609. 

Gigerigiz: Die Späzin schreit in hohem Tone: G4gerigiz! 
Grigerigiz! Darauf antwortet der Spaz im Baß: SperJc! Sperkf 

Beizkofeny Gege, 

Glozgen: gloisget der Goggel-Hahn mit lauter Stimm und ruft 
die Hannen zusammen. 

Eisenhuet, Bürghahn. Augsb. 1703 S 133. 

Hauchen swv. Zischen der Schlangen, hauchen des HtAu, 
leiden Zwitzem anderer beförchtlichen Vögeln. 

Genovefa das ist Wunderliches Leben und dencTcvmrdige Geschich- 
ten der Hl Genovefa — geschrieben durch P. Mich. Staudacher DiUingen 
1660. 180. 

Klingen: Die Vögel mit ungewönlichen Schwingen irer Flü- 
geln und Klingen irer Gurgeln. 

Staudacher 412. 

Knarren swv. Wenn die Laubfrösche knarren 

So magst du wol au£P einen Regen harren. 

Kalender 1609. 



1) Ahm. IV 160. 



45 

Ficks zeigte s. Zorn durch Knarren 
Sah hungrig nach dem Schäferkarren. 
Scherze 11762 S222, 

Krauhützen von der Henne: daß nicht mehr Hahn und 
Hennen, sondern nur lauter geschwollne und üherpapte Ayer- 
hrockeu oder Fladen geboren hab, darein sie allererst mit schwizen, 
hizen, sizen und krauhützen das Leben einblasen müssen. Der 
Hahn aber alleweil fa la tri tum jautzet^ und mit seinen Conen- 
binen öffentlich unter freiem Himmel Tafel hält. 
AheU SelU, Gerichtshändel 1654 8 266. 277. 
Pfeifen: Die Ganß. ]au£Pet denjenigen an und pfeifet, wel- 
cher ihren Gänsen zu nahe gehet. 

Ebenda S 723. Bei Wackern oft, 
Pikterik: Glnkt die Wachtel pikterik 

Bin auch ich schon munter. — 
Risch schlägt die Wachtel ir Pikterik drunter. 
GJ Schäller, verm. Gedichte KeU 1789 I S 87 104, feit bei 
WacJcern. Voces, 

Tiriliren: Mit Frewden höret er das krause Tiriliren, da- 
mit das Feder- Volck den Feldern muß hofieren. 

Homburgs Olio Jehna 1642. Bawerleben, Wabern. 55. 80. — 24. 
m. 86 A. 

Vergagen: dann sie hat sibenhundert gens und eine halbe 
vergaget (Spott). 

Zimm. Kronih II 209 (23). 

Wicken: Nein, ist kein lährs sagen, ist aber kein Geschrey 
von einer Nachtigal, sonder ein Hu, Hu oder Wicken von einem 
Kautzen. 

Veridic. Germ. 179. 

2hoitschern swv. Die Heuschreck zwitschert nicht zu aller Zeit. 

Hoppens ÄnmerJcg. z. Todtenuhr. Gera 1745 S 7. 

ABIRLINGER 



AUS GEIMMS WEISTÜMERN 

Wein aus dem Elsaß wurde nach allen Gegenden verfört; 
nach der Schweiz, wie die Richtebriefe von Zürich und Schaff- 
hausen dartun ; aber auch in das Saartal : Jedem wer eß sach, daß 
ein arm man in Elses füre und ein balp fuder wynes oder ein 
foder me oder mender angeuerlichen höelt, so mag er von Gemunde 
(Saargemünden) her faren vnd nimans kein geleide davon geb^n, 
also wer daß der wyn zu Fechingen (bei Saarbrücken) belibe. 
Weistum v. Fechingen, 15 Jh. 2, 51. 

Suppe. Weil das Wort Suppe aus der franz. Sprache zu 
uns gekommen ist , sind wir geneigt anzunemen , die Suppe selbst 
sei eine Erfindung der franz. Küche, um so mer, da es in Alemannien 



46 

hdßt: M&8 gät über Suppa. Mas taugt mer als Snppa. Allein 
längst ist von Fr. Diez dargetan worden, daß das franz. la soupe 
nichts anderes ist, als eine alte Snp, abd. Saf, Brühe. Das eig. 
franz. Wort heißt le pot<ige, weil der Franzmann in seinen Suppen- 
topf ser yil Gemüse (herbes potag^res) wirft; sein Spottname heißt 
auch Jean Potage^ nicht Jean Soupe. Die Suppe wird wol 
eine fränkische Tracht gewesen sein; erzält doch schon Gregor 
V. Tours, daß Chilperich im Geflügelsuppe angeboten habe. Und 
in der Tat finden wir die Suppe auch in deutsch-fränkischen Weis- 
tümern erwänt, nicht bloß als Gabe des Gerichtsherrn an die 
Untertanen: Als dicke man die gerichte heget vf den ersten tag, 
so sal man den schaffen geben ein soppe vnd fleische darauf vnd 
wins genugk. Weistum v. Seligenstadt 1390 Bd 1, 506. Ynd 
was der abt verziehrt ober ein suppe, soll der arm man bezahlen. 
Weistum v. Metloch (Saargegend) v. 1485 Bd 2, 60. Es soll ein 
jeglicher gemeinsman zu Taben sein körn bringen in die probstei 
daselbst ynd soll ihn dan machen der probst ein gute suppen. 
W. V. Taben (ebendas.) 1486 Bd 2, 74. Der foit oder sein amptlut 
pligen ynd sollen geben zu foUest den scheffen zu irnn kosten ein 
sester wins, vnd pligen in dem goßhus zu hollen ein supp. W. des 
Kirmesrechtes zu Metloch 1493 Bd2, 78. Vnd so man die bach 
gefischt, sol der meyer den fischern ein flesch oder halben sester 
weins vnd ein suppe, so gut als ein halber sester weins, geben. 
W. y. Lampaden (Hochwald) Bd 2, 113. Mehr noch erkennen 
wir unserm hern alhie ein tag den vorschnidt im emde vor den 
nachbarn, vnd darin sollen die gehoeuer die fruchten abschneiden, 
so sollen die scheffen die gehoeuer in die achten weisen vnd dahin 
auß des hofmans haus die sopfen tragen vnd das brot schneiden, 
vnd demnach soll der hofman auch den scheffen die morgensopfe 
geben. W. v. Palzel und Dilmar am recht Ufer der Saar. Bd 2, 257. 
Wan wir scheffen die zins heben, so sollen vnsers hern hofleut vns 
wegen des hern geben vf S Brictius tag ein möglichen ehrlichen 
kosten; vf S Stephans tag ein stück fleisch, ein soppe vnd ein sester 
weins oder zwen. W. v. Heifant (Obermosel) Bd 2, 259. Vnd so 
nuhn der lehenman zu dem lehenhern die potschaeft zu nemen 
kompt, so soll man ym ein soppe machen vnd die flesche vollen 
vnd hinwegsenden. Vnd so er wederumb kempt, sein antwort zu 
geben, so sol yme solichs vnd abermals ein soppe gemacht wer- 
den. W. V. Riol u. Volle (üntermosel) Bd 2, 303. Der jüngste 
scheffen sol zum geding den scheffen die sopp kochen. W. v. 
Niedermendig (Untermosel) Bd 2, 494. Wannehe m. h. von Prüm 
den angelwein anstellen wolt, sollen sie (die angelfahrten) geschehen 
halb zum mey vnd halb zum herbst, vnd dieselbige angelfahrt ist 
der gehofner schuldig zu thun zwischent Contzerbrück vnd Hatz- 
porten, vnd soll laden ein frohnfuder, ausgenommen wasser vnd 
stein, vnd der gehofner ist schuldig an der Mosel zu warten von 
einer sonnen zu der andern, vnd wan er dann nit geladen wirt, 



47 

soll er an die Mosel geben ynd dreimal darin mit seiner geißel 
krachen, doch znm viertenmal oberrecht, darnach heimfahren ynd 
dem bem sein farth bezahlt haben. Item weist der schefPen, wann 
der gehofner abends an die Mosel kommt, ein supp vnd weins 
zimblich gnung. Vnd den fahrlenden gebührt nf dem weeg herauß 
of ieder meilen ein maaß weins; wann die fuhrlead heimkommen, 
sollen sie gnug ahn essen vnd drinken krigen, zweierlei brot, 
zweierlei fleisch, zweierlei wein, vnd der fnhrmann soll nit zu viel 
drinken , daß er meinem hern die pferdt nit erschrecke. W. y. 
Badesheim (östl. y. Prüm) Bd. 2, 544. 

Würaüi bildet den Gegensaz zu hofraiti. Meyer, Drei 
Zeigen S 36 23. Es sollent öch die armen lut alle vß den dör- 
fern vnd wylern gehorsamb sin einem amtman von Dornstetten 
(wirtemb. Schwarzwald) zue den zweien gerichten zu kommen vnd 
in alda rügen vf den aid, waß r&gbar ist, es sye an holz, an yeld, 
an wasser, an waiden oder an freneln, als ferr denn die wytraithe 
(so ist zu lesen) ynd gewaltsami gat, die in das gericht gehört. 
W. y. Dornstetten Bd 1, 381. Die in das gericht gehörent, die 
band recht, wa sie in des waltgerichts wytraithe ynd fryhait yf 
wildpret fortkomcnd, darzue sie eben recht band zu jagen, dem 
mögent sie nachziehen den tag, ynd ziehent sie wider herham, so 
sie yß der wytraithe komment, so sollent sie im nit me nach- 
ziehen; aber alle die weil sich in der wytreithe daß wiltpret yf- 
setzet, so mögen sie im wohl mornends wider nachziehen. W. y. 
Dornstetten B 1 384. 

Fastor yom kathol. Pfarrer, yor der Reformation; Dem 
pastor wisen wir zu halten einen widder ynd einen ganzen, item 
wir wisen dem pastor ader pferhere kein fehe fry ader ledych zu 
gan. W. y. Simmern (Hunsrück) 1517 Bd 2, 148. Auch weisen 
wir meinem herrn dem abt den zehnten halb auf allen ynsern 
gütern im' feld, im dorf, im garten, in hofstatten, sie gehören 
gegen Winkel oder zu Steinecken; der pastor yon Myrrhen theilt 
mit daran; ynd den kleinen zehenden ynser herr der abt und 
vnser pastor zu Myrrhen gleich: dessen sollen sie das reityiehe 
halten. W. y. Steinecken (Untermosel) 1506 Bd 2, 398. An dem 
gedinge sullen syn alle dieihenen^ dy op dem berge wonent ynd 
dy zo feur ynd flammen sitzen, yißgescheiden der beschlossene 
vogk, dat ist pastoir, clockener ynd hirten. W. y. Clotten (Unter- 
mosel) 1446 Bd 2, 444. Item weisen die zehenden groß ynd klein 
von allen Sachen dem pastoir zu; des sali der pastor zu gebur- 
licher zeit stier ynd hier halten. W. y. Udelhofen (im Prümschen) 
1481 Bd 2, 533. 

Hauptmann, oberdeutsch Trager. Wenn ein gut yon ein- 
ander gestockt, getheilt ynd yerschlizt wurde in yier, fünf, sechs 
oder mehr teil ynd ein iedes teil so groß ist, daß ein dreibeiniger 
stul daruf gestehen kan, so soll ein ieder sein teil zu empfangen 
schuldig sein ; es solle aber doch bei einem bodemzins bleiben, ynd 



48 

sollen dieselbigen (d. h. die Getheilen) einen hanptman stellen, 
dardurcb der bodemzins järlich außgericbt werde. W. t. Raven- 
girsburg (Hansrück) Bd 2, 183. 

Bekerbt, notiert. Fort weist der scheffen meinem gnäd. herm 
zu zinse vnd pecht, die pecht wol bekerbt Tnd das gelt wol be- 
scbrieben. W. der Herschaft Esch (Untermosel) Bd 3, 341. Item 
weist der scheffen dem Junker von Ulm zuo zappen ein foder weins, 
das soll er acht taghe zuvor verkundigen lassen in der kircben, 
vnd der schefPen &oll in da schetzen, vnd soll in xiiij taghen zu 
zappen auch xiiij taghe borghen vnd iglichem hofman ein kerf 
geben. W. v. Niedermendig (Untermosel) Bd 2, 492. 

Gelach, Zeche. Wannehe nun das gericht gehalten vnd 
vollenbracht ist, alsdann sollen die edle herm vnd ehrsame sche£Pen 
hin bey einen wirt gehen vnd zeren. wan sie nun gezert haben, 
haben die e. herrn alsdann bueßen, sollen sie darvon holen ; haben 
sie aber an bueßen nichts, so sollen sie in ire beudel greifen vnd 
ir gelach bezalen vnd mit lieb von dem wirt scheiden. W. v. Pies- 
port (Untermosel) Bd 2, 345. 

Schuz der Fische, Were es, das ein forman oder me durch 
die Albe faren solle an den zweien fürten an Reilerbrucke vnd zu 
Kinheimer buren, der sol mit seiner geislin drei werbe in die bach 
schlagen, ehe er darin fare ; tut er das nit vnd firt darüber — er- 
trede er dan einen fisch mit seinen pferden oder wagen, so bat 
er das best pferd verloren, das in der £ifelu geit. W. v. Crdve 
(Untermosel) Bd 2, 376. 

Um Hm tanzen, Wan daß hew in der wiesen gemacht, 
soll das junge volck sich mit den bänden nemen vnd einen bansten 
hewes', nit den meisten, auch nit den minsten nemen, soll darumb 
dantzen, vnd solcher hausten hewes soll ir lohn sein. W. v. Gillen- 
feld (Untermosel) Bd 2, 412. 

Zu dich ttm. Und obe der here dem man (dem* HoQünger) 
zu dick thete, das er das nit herdenmögt, so mag der man schönes 
tags vnd heiders himels eine gesandt in seine haut nemen vnd 
zweene seiner nachpuren bei sich holen vnd soll sprechen: diser 
her tut mir zu dick; ich wil von disem hern hinder den andern 
hern etc. W. v. Duckweiler (Untermosel) Bd 2, 436. 

Älman , jederman. Da sali m. gn. herr kirmes hueder 
hain vnd die lehnherrn einen; da sollen die zwien vmbsehen, daß 
alman recht geschehe. W. v. Beulich (Untermosel) Bd 2, 456. 
Alemannia VII 286. 

Was ein guter Schnitter sei. Der schulder soll so tapfer 
sein, daß er neun heim mit eim schnitt abschneiden vnd die vf 
dem rucken zelen kann. W. v. Gondenbret (Prüm) Bd 2, 544. 
Item weist der schefifen von iedem viertel landes dem hof scholt- 
hessen 9 fröhner; der solt einer so solcher sein, daß er 9 heim 
vf seinen rücken zehlen kan, soll dem scholtess gnug sein, sein 
frohen ze quiten. W. v. Büdesheim (Prüm) Bd 2, 545. Item ist 



49 

der höfner schuldig, ein dag zu roden vnd zu schneiden; ist der 
Schneider also stark, das er möcht neun heim in seiner hende 
halten y soll ime genügen mit demselbigen. W. v. Selrich (Prüm) 
Bd. 2, 647. JOHANNES MEYER 



STUTTGARTER SCHWÄBISCH DES XVH 

JARHÜNDERTS 

In Frommanns „Deutschen Mundarten" YII 488 hat der 
vererte Herausgeber der Alemannia eine „Schwäbische Einladung 
zu einem Fasnachtscherz" veröffentlicht aus einem fliegenden Blatte 
Tom Anfang des 18 Jarhunderts. 

Airwirdiga gnad Haira, lieba froind, nachbar, brieder vnd 
gsella. mir wettet eaba aw amahl gearn aunser bests dazuo thnon : 
Mir hend schaun eaban aw zimli weriy vff aunser Gotssail beiss's 
Orieba Lienlis metzelsuppa d'haut fol zeacht vnd komet jetzt eaba 
einher da wie jhr uyer schand angfanga heabet, daß as die Tur- 
maiter d'awra so fol bloset, das mir schier koin stickita mai 
ghairat: Vnd es dunkt as eaba, wen ihr as a wa so an langa 
steacka geabet, mir wettat a eaban aw a so neinstecka ins ringle 
wie jhr. Ja vnd beym tausent aunmacht mir wellets eaba gaun 
woga wen jhr wottet, es miest ja der Tuiffel gar drin sein, wen 
ihr imraeder uyern handel elloin wottet haun vnd wettet as nit 
aw vmb aunsern pfenning dseach macha, so mießtet jr aw beim 
hnnderttauset sackermost nimmy vff aunsar kirby komma. Nasa- 
bana, kurzumb so lend aus nu aw uff de dummelblatz vnd geabat 
as nu flux dlanga stanga hear, so w511 mier a gaun uff der stet 
laira I das dbawran aw leit seyet vnd II wen ihr schaun meinet 
jhr kneacht das jera so wol könnet neaba zu vmmer grasa, das 
dbawran aw oam könnet dgäns in habern dreiba vnd III das mirs 
eben aw so gut mit diena hipscha media meinet ass ihr 

Hanß Hirnwurst 

Jans Letzkerf Enderle Huschwadel Caspar Spörrlatz Paiter 

Letzkopf Basche Schnautzhan Georgle Schnupfer 

Jackele Sewkopf Veit Ginmaul. 

DU 

Dieses höchst wertvolle Denkmal, das an Wichtigkeit den 
oberschwäbischen Liedern von 1633 gleich kommt, ist in Wirklich- 
keit aus dem Beginn des 17. Jhd. Es findet sich wörtlich gleich in 
Georg Rudolf Weckherlins „Eurtze Beschreibung deß zu Stutgarten bey 
den Fürstlichen Eindtauf und Hochzeit Jüngst-gehaltenen Frewden- 
Fests" (Tüb. 1618). Bei den Festlichkeiten, welche zu Stuttgart 

Birlinger, Alemamiia XI l - 4 



50 

am 13. and 14. Juli 1617 zur Feier der Gebnrt des Prinzen 
Ulrich statfanden, zog zum Ringelrennen u. a. anch eine Schar 
von Tornemen Herren auf, als schwäbische Bauern verkleidet. 
Gleich den andern „Mantenitoren" ließen auch sie ir (nach Weckher- 
lins £rzalaDg o£fenbar als Flugblat gedrucktes) „Cartell" aus- 
gehen. Dieses Cartell nun ist dasselbe, was Birlinger ver- 
öffentlicht hat. Ist sein Fund wirklich das originale bei dem Feste 
zu Stuttgart „unter das Volk ausgeworfene*' Flugblat oder aber 
ein Nachdruck desselben, den ein schlauer Kopf sich erlaubt hat, 
um bei einer späteren änlichen Gelegenheit mit fremdem Kalbe zu 
pflügen? Die Hauptfrage wäre die, ob das von B. gefundene 
Flugblat dem typographischen Karakter nach so vil älter sein 
kann ; ich kann das natürlich nicht beurteilen, möchte aber darauf 
hinweisen, daß man die Stuttgarter Drucke jener Zeit (zB die 
von Weyrich Rößlin) leicht für jünger halten kann, als sie wirk- 
lich sind. Der Text ist in beiden Drucken ganz wörtlich, ja biß 
auf ein par absolut irrelevante Abweichungen buchstäblich der- 
selbe. In Weckherlins Text feit aber von den Unterzeichnern des 
Cartells der lezte, Veit Ginmaul, und da in Weckherlins weiterer 
Erzälung die andern 8 Unterzeichner sämmtlich als Teilnemer am 
Rennen aufgefürt werden , V G nicht , so hat hier Weckherlin 
höchst warscheinlich oder sicher das echte. Damit wäre die War- 
scheinlichkeit gewonnen, daß das Flugblat eine Copie des bei 
Weckherlin gedruckten Textes sei, in welche für den betr. Fall 
noch eine neunte Person eingeschoben ward. Ist das aber der 
Fal, so ist weiter fast notwendig anzunemen, daß die Gopie nicht 
nach dem Weckherlin'schen Druck gemacht ward, sondern nach 
dem Original, dem Flugblatte selbst. Bei W nemlich folgt noch 
ein beim Feste vorgetragenes schwäbisches Gedicht, das, wie vil- 
leicht auch das Cartell selbst, W's eigenes Werk ist (in Gödeke*s 
Ausgabe 328 f. abgedruckt). Diß Gedicht muß erst ganz un- 
mittelbar vor dem Rennen fertig geworden sein, da, wie W erzält, 
der Drucker es nicht mer drucken konnte. Dasselbe ist also auf 
dem Original-Flugblatte nicht gestanden. Es ist aber schwerlich 
anzunemen, daß der Verfertiger der Gopie das ganz vortreffliche 
Gedicht nicht auch als gute Beute angesehen haben sollte ; er hat 
also wol nicht Ws Abdruck des Cartells, sondern das Original vor 
Augen gehabt, übrigens — salvo meliori! 

Aus dem oben angefürten Anlaß des Cartells verstet man 
erst recht, was mit dem „langa steacka" und dem „neinstecka ins 
ringle '^ gemeint ist: es handelt sich um ein Garroußel, nicht (wie 
B meinte) um einen Fasnachtscherz. 

HERMANN FISCHER 



51 



ZU DES KNABEN WÜNDERHORN 

Nea bearbeitet von 

ABIRLINGER und WCRECELIüS 

IX 

I 29 Es waren drei Gesellen. 

Eine kürzere Faßung in 7 Strofen in der ersten Ausgabe 
Etwas abweichend ist das Lied, welches EM Arndt 1831 an 
KBouterwek^) unter andern Volksliedern mitteilte. Es lautet: 

Der lose Knabe. 

1 Es gingen drei Gesellen 
Sich Mägdlein za erwählen 
und schlössen alle dreie 
Wol heimlich einen Rath, 
Wer überall die treue- 
Und schönste bei sich hat. 

2 Der Eine könnt' nicht schweigen 
und 80 hub an zu schreien: 

Es hat mir gestern Abend 
Ein Mägdlein zugesagt, 
Ich sollte bei ihr schlafen 
Im Federbett die Nacht. 

3 Und wenn ich bei ihr schliefe 
Und mich der Vater träfe, 
Dann setzt' ich mich aufs Rössle 
Und ritte schnell davon 

Und ließ das schwangre Madie 
In Schimpf und Schande stöhn. 

4 Ich weinen in Schimpf und Schande? 
Gott hielt mich bei Verstände, 

Daß mich der falsche Knabe 
Nicht kriegt' in seine Hand, 
Der wie ein schwarzer Rabe^) 
War auf den Raab entbrannt^). 

5 Die Glock hatt' zwölf geschlagen, 
Da kam er an mit Jagen, 

Er klopft mit leisem Schlage 
Mit seinem güldnen Ring. 
Schläfst oder wachst da? sage, 
Mein allerschönstes Kind. 

6 Ich schlafe nicht, ich wache, 
Die Thür ich nicht aufmache; 
Reit hin zu deinen Knaben, 
Wo du gewesen bist. 

Ich kann alleine schlafen, 
Wenn du nicht bei mir bist. 



52 

7 Du sagtest gestern Abend, 
Da wolltst von dannen traben, 
Wenn uns der Vater fände, 
Das schwaohe Mägdelein 

In Schimpf und auch in Schande 
Dann lassen stehn allein. 

8 Gestern Abend nur im Trünke 
Da redt' ich was ich kannte. 
Doch was ich da auch redte. 
Das macht der rothe Wein; 

Trunk ist ans, doch nicht die Treue, 
Drum, Liebchen, laß mich ein. 

9 Es donnert, es hagelt — geschwinde I 
Es wehen kalt die Winde, 

Es schlafen alle Leute 
Und alle Bürgerskind — 
Wohin soll ich mich wenden, 
Mein allerschönstes Kind? 

10 Reit du zur grünen Heide, 
Da stehn zwei Linden beide, 
Dein Pferd das binde du 
Dort an den Lindenbaum, 
Dann schläfst du ohne Ruh 
Und ich schlaf ohne Traum. 

1) KBouterwek (f 1868 als GymnaBialdirektor in Elberfeld), 
studierte damals noch in Breslau und sammelte für ein größe- 
res Werk, welches die deutschen Volkslieder enthalten sollte. 
Warscheinlich durch Vermittelung Passows wendete er sich 
auch an Ernst Moriz Arndt und erhielt yon disem eine Anzal 
Lieder zugesendet, aus denen ich hier einige auswäle. — 2) An- 
fangs hatte Arndt begonnen „Der wie auf Tauben", atrich aber 
die beiden lezten Worte aus. — 3) Dahinter hatte Arndt ur- 
sprünglich noch zwei Zeilen geschriben: Er fiel von seinem Neste 
gar toll wol in den Sand'' — die er dann tilgte. 

I 130 Zu Strasburg auf der Schanz 

1 Wer kann verderben mich, 
daß ich so liderlich 

bin kommen in Arrest, 
muß sizen alzufest? 

2 Bey Würfel und Kartenspiel 
hat man mich gefunden viel, 
diesen allen sag ich ab 

bis in mein kühles Grab, 
ins kühle Grab. 

3 Mein Grab ist schon gebaut, 
ich hab es angeschaut, 

all die hier um mich stehn 
sollen mit zum Grabe gehn, 
zum Grabe gehn. 



53 

4 Hier Hegt mein Mantelsack, 
mein Pfeifchen und Doback. 
Wolst du nun mein Bruder sein, 
stop mir noch ein Pfeifchen ein, 
ein Pfeifchen ein. 

5 Gut Nacht, ihr Jungfern all, 
beweinet meinen Fall; 
doch weinet nicht zu sehr, 

zu euch komm ich nimmer mehr, 
zu euch komm ich nicht. 

6 Eines bitt ich meine lieben Brüder all, 
schonet mein junges Leben nicht, 
schießet, daß das Blut raußsprizt, 

des bitt ich euch, 

Obersehwäbische Liederhandschrift 18, Jhd, 
In Str. 6 ist Vers 1 zu widerholen. 

I 132 £F. (vgl. Alemannia IX 47 ff.) Bitter St. Georg. 

Stet auch in Corners (kath.) Gesangbuch v. 1625 S 638 
Nr 281 mit Melodie unter der Überschrift: „Ein alter Ruff von 
dem heiligen Ritter Georgio, Ex traditione valde incertä.^^ 

Str. 1: So hebn wir auch (1668 ntm) zu loben an, Kyrieleison, 
den Rittr S. Görgen den heiligen Mann, Alleluia. 

Str. 4 : In einem See gar groß vnd tieff 

Ein grawsam Trach sich sehen ließ. 

One Melodie auch in: Corner, Geistl. Nachtigal 1658 S 362. 
Erk. Dem Gedichte ist in Kolers Hs. folgende Überschrift ge- 
geben: „Ein Neu Catholisch Creützgesang von der Glaubwürdigen 
Historien, wie der Ritter S. Georg in Libien bei ainer Haidnischen 
Statt ainen schedlichen Trackhen vmbgebracht. Dardurch sich 
der Eünig desselben Landts saropt ßeinem gantzen Hofgeßtindt, 
vnd sonst vil Taußendt Menschen zum Christlichen glauben be- 
kertt, vnd ßein Tochter vom Trackhen erlösett hatt. Durch ainen 
Catholischen Priester Joannem Haym Angustanum gemacht, . . . 
folgender Melodia." 

Wir ersehen daraus, daß der Vf. oder Bearbeiter dises Rufes 
Johannes Haym v. The mar war. Er ist auch von Wackernagel 
(das deutsche Kirchenlied V S 1064 ff.) unter dessen Lieder auf- 
genommen. Von demselben Vf. erschin im Druck: „Passion, oder 
Das aller heyligist bitter leiden vnd sterben Jhesu Christi 1581" 
(Wackernagel DK I S 519, abgedruckt V S 10^5 — 1062). 
Ferner sind von im die „Christenliche Catholische Creützgesang — 
durch einen Catholischen Priester anno 1584. Johann Haym'' (Wacker- 
nagel DK I S 533, abgedruckt H Nr. 1162, 1164, 1165). Sie 
stehen auch in der KoWschen Hs. Zulezt erschinen „Sch5ne 
Ghristenliche Catholisch Weinnächt oder Kindtleß wiegen Gesang 
— durch Johannes Haymen von Themar, Thumbuicarier vnnd 



54 

Priestern Hoherstiffl Augspurg 1590** (Wackemagel D E I 
S. 562 f.). VoD einem altern Druck des Rafes vom h. Georg ist 
mir nichts bekannt. 

I 138 Äch wie sanft ruh ich hie 

Das Manuskript Rothers, welches nach unsern Aufzeich- 
nungen auch nur 4 Strofen hat (villeicht fand sich aber eine 
zweite -Faßung in Achims v. Aroim Nachlaß), entnimmt das Ge- 
dicht der Zeitschrift Bragur III 278 ff., wo bloß 4 Strofen ge- 
geben werden. Hier stet 2, 6 Seufzer und 3, 6 im Schatten; 
sonst lautet der Text biß auf unbedeutende Abweichungen in den 
Partikeln wenn und denn (worin der Druck des Wunderhorns 
öfter gegen das Rother'sche Manuskript sich der Form im Bragur 
anschließt) genau wie bei Rother. 

Zur Vergleichung laße ich ein Lied aus den tou Arndt an 
Bouterwek gesendeten folgen: 

Sch&ferglück 

Wenn ich gleich ein Schäfer bin, 
Hab ich doch 'nen frohen Sinn, 
Führ ich doch ein solches Leben, 
Das mit eitel Lust umgeben, 
Wechsle meinen Hirtenstab 
Nicht mit Krön und Scepter ab. 

Morgens wann die Sonn aufgeht» 
und der Thau im Grase steht. 
Treib' ich mit vergnügtem Schalle 
Meine Schäfchen aus dem Stalle 
Auf die grünen Wiesen hin, 
Wo ich ganz alleine bin. 

Auf den Wiesen in dem Klee 
Such' ich meine Galathee, 
Bis ich an den klaren Flüssen 
Ihre Wange kann beküssen, 
Alsdann setz' ich mich zur Ruh, 
Nehm' die Flöt' und spiel dazu. 

Meinen Hund, das treue Thier, 
Hab ich allezeit bei mir. 
Wann ich sicher lieg* und schlafe. 
So bewacht er meinen Schafe 
Und vertreibt mir manches Leid 
Hier in dieser Einsamkeit. 

Wird mir mal die Zeit zu lang, 
Sing ich einen Waldgesang, 
Lehne mich auf meinen Stecken 
Oder kriech' in eine Hecken 
Und ergreif die Feldschalmey 
Dieses macht mich sorgenfrei. 



55 

Wird es Nacht, so treib ich ein, 
Was kann wohl vergnügter seyn, 
Als wenn ich nach meinem Willen 
Kann den Darst mit Molken stillen? 
Drum so bleibt es denn dabei: 
Lustig ist die Schäferei. 

I 171 Es ligt ein Schloß in Oesierreich 
Zu disem Liede stet das folgende, welches E M Arndt 
1831 an E Bouterwek mitteilte, in einiger Beziehung. 

Der kleine Spielmann. 

£s währte kaum eine Viertelstund, 

Der König kam gegangen: 

„Du Schelm! du Diebl du kleiner Spielmannssohn! 

Was thust du bei meiner Tochter? 

In Frankreich ist ein Galgen gebaut, 

Da sollst du Schelm an hangen." 

Es währte kaum drei Tage lang, 
Die Leiter mußt ich steigen: 
„Ach! gebt mir meine Geige her, 
Ich will ein wenig drauf streichen." 

Ich strich wohl hin, ich strich wohl her. 
Ich strich auf allen vier Saiten, 
Ich spielt' einen hübschen Todtengesang — 
Der König fieng an zu weinen. 

„Komm herunter! komm herunter, kleiner Spielmannssohn! 
Meine Tochter soll dir werden; 
In Oestreich ist ein Schloß gebaut. 
Da sollst du König werden." 

I 188 Es wollt ein Jäger jagen 

Eigentümlich ist die Faßung, welche EM Arndt an K Bouter- 
wek mitteilte: 

Jägerlied 

1 Es wollt' ein Jäger jagen, 
So sagt' er, 

[Es wollt' ein Jäger jagen,] 
Drei Stunden vor dem Tagen 
Im Walde hin und- her 

2 Einen Hirsch, einen Hasen und ein Reh, 
So sagt er. 

Er grüßt das Mädchen feine: 
Was thut sie so alleine 
Wohl in dem Wald so früh? 

8 Ich will mir pflücken Rosen. 
So sagt sie, 

[Ich will mir pflücken Rosen,] 
Wir wollen beide kosen 
Wohl in dem Walde früh. 



56 

4 Ich kann vor meinen Hunden nicbt, 
So sagt er, 

[Ich keinn vor meinen Hunden nicht,] 
Bleib sie nur, Schönste, wer sie ist, 
Wohl in dem Walde früh. 

5 Laß er die Hunde laufen, 
So sagt sie, 

[Laß er die Hunde laufen,] 
Wir wollen sie verkaufen 
Wohl in dem Walde früh. 

6 Ich kann vor meinen Hasen nicht. 
So sagt er,. 

Ich kann vor meinen Hasen nicht, 
Bleib sie nur, Schönste, wer sie ist 
Wohl in dem Walde früh. 

7 Laß er die Hasen schmausen, 
So sagt sie, 

[Laß er die Hasen schmausen,] 
Es sind ja mehr als tausend 
Wohl in dem Walde früh. 

8 Ich kann vor meinem Pferde nicht, 
So sagt er, 

Ich kann vor meinem Pferde nicht, 
Bleib sie nur, Schönste, wer sie ist, 
Wohl in dem Walde früh. 

9 Laß er das Pferd doch stehen. 
So sagt sie, 

•[Laß er das Pferd doch stehen,] 
Wir beide wollen gehen 
Wohl in dem Walde früh. 

10 Ick kann vor meinen Sporen nicht, 
So sagt er. 

Ich kann vor meinen Sporen nicht, 
Bleib sie nur. Schönste, wer sie ist 
Wohl in dem Walde früh. 

11 Laß er die Sporen klingen. 
So sagt sie, 

[Laß er die Sporen klingen,] 
Wir beide wollen singen 
Wohl in dem Walde früh. 

12 Ach, Mädchen, bist du rasend blind? 
So sagt er. 

Ich bin dein Vater, du mein Kind — 
Ach, Mädchen, bist du rasend blind 
Wohl in dem Walde früh. 

I 278 IJ wenn der Himmel papierige war usw. (lezte 
Strofe im Lied vom Dursli und Babeli). 

Dise Strofe findet sich in verschidenen Liedern, zB 
II 83 in dem Liede: Wer ist denn draußen und klopfet a/n. Auch 



57 

in folgendem, welches EM Arndt 1831 an EBonterwek mit- 
teilte, kommt sie vor. 

Wollte wünschen, daß es hente noch würde so wahr, 
Daß wir beide stünden wohl vor dem Altar, 
Und hätten uns einander die Hände gegeben, 
In Freuden wollten wir leben. 

Wollte wünschen, daß es heute noch würde so wahr. 
Daß wir beide lägen auf der Todtenbahr, 
Wohl auf der Todtenbahr, wohl in dem kühlen Grab, 
Allwo die Liebe kein Ende nicht hat. 

Mein Schatz hat sich in eine andre verliebt, 
Das macht mich so traurig und betrübt: 
Weil er meine Liebe so wenig geacht't, 
So wünsch* ich ihm von Herzen gute Nacht, 

Eine gute Nacht, einen fröhlichen Tag. 
Ach! Scheiden hat manchen zum Weinen gebracht. 
Das Scheiden von der Liebe ist ja wahrlich eine Pein, 
Wie kann wohl ein bittrer Scheiden seyn? 

Und wenn alle Bäume trügen Muskat, 

Und jedes Blatt war' ein rother Dukat, 

Und jeder Apfel ein Edelgestein, 

Doch würde meines Traurens kein Ende seyn. 

Und wenn der ganze Himmel wäre Papier, 
Und, jeder Stern ein Schreiber war'. 
Und jeder Schreiber hätte hunderttausend Hand, 
Doch schrieb er der Liebe kein End. 

I 536 Maria, jeM ist Zeit 

Das fl. Blat in 8® (in Arnims Samml. o. 0., wol vor 1798 
gedruckt) weicht von dem Abdruck a. a. 0. nur darin ab, daß 
Str. 1, 4 und 10, 4 Äc^eu st. Äcfje stet (wie 6, 3). In Str. 3, 4 
ist gantz zu streichen, oder hier st. allhier zu sezen. 

Es stet auch in einem flieg. Blatte mit dem Bildnis der 
Maria (um 1780—1800) in der Sammlung flieg. Bl. von Ph. Na- 
thusius: Str. 1,4 Ade. 3,4 wie gantz gern blieb ich hier. 
5,4 Traurens voll. 6,1 Ach du liebes H. 6,3 Ade. 6,4 lieb's 
Jesulein. 7,1 Niemand. 7,2 in mein'm Herzen empfind. 7,4 Weil 
leb von dir seh. m. 9,1 schmerzlich. Die Str. 10 feit, dagegen 
ist nach Str. 3 folgende eingeschaltet: 

Sag mir einer, was er will, 
Scheiden bringt der Schmerzen viel, 
Wer hat doch das Scheiden erdacht, 
Maria, gute Nacht! 

Str. 1 — 3 findet sich auch in einem andern flieg. Bl. derselben 
Sammlung mit der Ueberschrift : Abschieds-Lied. L Erk 



58 

I 354 süße Hand Gottes (vgl. Alemannia II 190): 

Der Krüppel 

1 Die süße Hand Gottes ermuntre mein Herz, 

Drum treib ich mit Unglück nur immer den Scherz. 
Gott spielet als wenn er den Ball mit mir schlug. 
Je stärker er zuschlagt, je höher ich flieg. 

2 Ich muß es bekennen, Gott hobelt mich sehr, 

Er haut mich, er schneidt mich, doch fühl ich nichts mehr. 

Willst wißen die Ursach? ich halte dafür, 

Er wollte gern schnitzeln ein Englein aus mir. 

S Ich sag es ohn Scherzen: ein Krüppel ich bin; 

Es liegt mir beim Unglück der Glücksstern im Sinn. 
Ich denke, daß Gott in die Krüppel verliebt, 
Weil er als mein Bruder sein Kurzweil drin übt. 

4 Ich lach nur wann jemand mein Unglück beklagt. 
Denk, daß die Hand Gottes nur Stock mit mir schlagt. 
Ei scherzt dann der Himmel und kurzweilt mit mir, 
Du nichtige Erde! was frag ich nach dir! 

5 Ich spür, Hand Gottes, wie solches mir nutzt, 
Daß du mir ein wenig die Flügel gestutzt. 

Ihr Ohren, was hätt ihr für Zungen gehört, 

Wann euch die Hand Gottes die Thür nicht versperrt! 

6 Hätt nicht die Hand Gottes euch Augen berührt, 
Sagt mir, wie oft wärt ihr ins Irrland spaziert ! 
Ihr Fuß, wie viel spart ihr der müßigen Tritt, 
Weil euch die Hand Gottes ans Bett hat geschmiedt: 

7 Was klagt ihr der Wunden, ihr meine Gebein? 
Ihr geht so viel leichter ins Himmelreich ein. 
Wann Gott diesen Flüßen nur laßet den Lauf, 
So kommt ihr viel besser zum Meerport hinauf. 

8 Ihr meine Gelieder seind Blumen im Feld, 

Bald rupft euch der Teufel, bald ruft euch die Welt. 
Ist besser im Bettlein: drum pflanz euch Gott ein, 
Da steht ihr ganz sicher und döbelt euch fein. 

9 Du süße Hand Gottes! wann ich dich betracht, 
Daß du itzt mein Bettstatt zum Betstuhl gemacht, 
So sing ich viel heller und reiner im Geist, 
Weil mir die Hand Gottes den Takt dazu weist, 

10 Was schads, wann mein Jugend in Zähren zerfließt! 
Es weint ja der Weinstock, wanns Sprößlein ausschießt 
Und lacht, wann ein Träger zwei Trauben gebärt. 

So wird ja mein Weinen in Lachen verkehrt. 

11 Sag oft zu mir selbsten: du Blume! du Blüh! 
Sollst dann so verwelken, ist noch viel zu früh! 

Das schmerzt mich zwar bitter, doch denk ich zuletzt: 
Gott hat mich vom Acker ins Ruhbett versetzt. 



69 

12 So bin ich, o Jesu! zum blühen bereit. 

Bis mir die Hand Gottes den Stengel abschneidt. 
Die Wurzeln and Blumen vor allen allein 
Dir, Jesus! gebühren: dein sollen sie seinl 

Ans einem der Mitte des vorigen Jarhnnderts angehörigen 
Liederbuche im Besize einer Familie zu Münster, mitgeteilt von 
Herrn Oberregierungsrat Mittler in Kassel. 

I 362 Es fielen drei Sterne vom Himmel herab 

Die lezten Strofen haben sich auch einem ostpreußischen 
Volksliede angesezt, mit dem sie ursprünglich nicht zusammen ge- 
hören. Es ist zuerst veröffentlicht vom Dir, Dr. Schottmüller (im 
Bericht über das königl. Gymnasium zu Bartenstein 1875) und 
lautet in seiner reinsten Faßung: 

Es gieng ein Mädchen holen Wein 
Wol in der Nacht bei Mondenschein» 
Und als sie in den Wald rein kam, 
Begegnet sie einem schwarzen Mann. 

„Ach, Mädchen, furcht dich nicht vor mir. 
Ich bin der Herr von Berg und Tal." 
„Seid ir der Herr von Berg und Tal, 
So macht mit mir, wie's euch gefällt.^ 

Er faßt ir an ir goldnes Schloß 
Und baut von ir ein schwarzes Boss. 
Er sezt sich auf das schwarze Boss 
Und ritt wol tapfer der Sohmide zu. 

„Ach Goldschmid, lieber Goldschmid mein, 
Beschläge mir mein Pferdelein." 
Beim ersten Nagel, den er schlug, 
Da fiel ein Tropfen Menschenblut. 

Den zweiten Nagel, den er schlug. 
Da streckt das rferd einen Menschenfuß. 
Den dritten Nagel, den er schlug: 
„Herzliebster Vater, jezt ists genug." 

Er ritt wol tapfer nach der Hölle hin: 
Macht auf, macht auf die höllische Tür, 
Es ist des Goldschmids Töchterlein, 
Dem wollen wir alle Bediente sein. 

Der Herausgeber macht es warscheinlich , daß hier Wodan 
als Todesgott erscheine, welcher den Toten reite. 

An obiges Lied haben sich nach einer andern Faßung am 
Schluß folgende Strofen angefügt, welche z T dem Liede „ Es fielen 
drei Sterne vom Himmel herab" angehören: 

„Bedienter, Bedienter mach auf die Tür, 
Es ist des Goldschmids Tochter dafür, 
„Stehen sie mit des Goldschmids Tochter dafür. 
So will ich öfnen die Höllentür." 



L 



60 

Sie sezten das Mädchen auf 'ne glühende Bank, 
Bis daß ir das Blut unter den Nägeln sprang, 
Sie legten es auf den steinernen Tisch 
Und machten aus ir einen Waßerfisch. 

Oder nach einer dritten Fassung: 

»Macht auf, macht auf die Höllentür, 
Ich bring euch Goldschmids Tochter hier!^ 
Er gab der Tür wol einen Stoß, 
Daß sie aus Ring und Angeln flog. 

Sie legten sie auf einen steinernen Tisch, 
Sie teilten sie wie einen Waßerfisch. 
Und wo ein Tropfen Blut hinsprang, 
Da stand am Morgen ein Engel und sang. 

Die lezte Variante hat den Schluß des Liedes (Wunderhorn II 
298): „Es kamen drei Diebe aus Morgenland^ oder (Scherer Nr. 41) 
„Es ritten drei Reiter wol über den Rhein" angenommen. 

II 15 f. In dem Mai usw. 

Str. 2,2 hat der Druck Blümlin, Str. 7,4 ist wol Schärechen 
zu schreiben, d. i. Schäzchen, wie am Niderrhein häufig Scharz 
st. Schaz zu hören ist. L Erk 

II 175 

Frühere Quelle ; Schweizer Kuhreihen und Schweizer Küeher- 

lieder. Bern, 1805. 8. (Bei Ludw. Albr. Haller.) Dort stet S. 14 : 

„Kühreihen der Emmethaler. Mys Lieb isch gar wyt inne 

etc." (Noch one Mel, die Mel. erst 1812.) L Erk 

II 181 In dem Gedicht Fr. Schlegels ist Str. 4,2 zu lesen 
„Bidibum bidibum", Str. 6,2 „den Bach". 

II 302 Wer noch in Freiheit leben will 

1 Was kan einen mehr ergötzen 
als ein schöner Grüner Wald, 

wo die Vöglein lieblich schwätzen, 
sich Diana selbst aufhalt. 
Fort mit dir, schönes Blumenfeld! 
Der Wald ist — der Wald ist, 
der Wald ist mein Lustgezelt. 

2 In dem Wald thät sich verlieben 
Kaiser, König, Fürst und Herr. 
Wan mich etwas thut betrüben 
nehm ich meine Ladung her; 
diese ist mein Medizin, 

macht mich gsund, macht mich gsund, 
macht mich gsund, wann ich krank bin. 

B Kommt mein Haas und thut mich sehen, 
ist das mein giöstc Freud: 
er vor Schrecken still thut stehen, 
als war's seine letzte Zeit. 
Kehrt sich um, salvirt sich bald 
wieder um, wieder um, 
wieder um in dicken Wald. 



61 

4 Thut der arge Fucbs mich stören, 
wan ich rausche in den Wald, 
thut er nur ein Schnaufen hören, 
macht sich davon alsbald; 

macht mit mir gleich diesen Schluß : 

weit davon, weit davon, 

weit davon ist gut vorm Schuß. 

5 Alle Thierlein mich zu ehren, 
kommen aus dem Wald herfiir, 
grüßen mich als ihren Herrn, 
kommen paar und paar zu mir: 
und musiziren mir so lang, 

biß ich was, biß ich was, 

biß ich was vom Wildbret fang\ 

6 Thut der heiße Sommer strahlen 
und ermordet alle Thier; 

muß ich vor Hitz schier niederfallen, 
nehm ich da mein Waldquartier : 
deck mich zu mit Laub und Naet, 
biß ich ruh, biß ich ruh, 
biß ich ruh aufs allerbest. 

7 In dem Wald will ich verbleiben, 
so lang ich auf der Erden lob, 
nichts kan mich vom Wald vertreiben, 
80 lang mein Geist nur in mir schwebt: 
ich bleib allzeit in dem Wald, 

biß die Welt, biß die Welt, 
biß die Welt zusammenfallt. 

Oberschwäbische Liederhandschrift 18. Jhd. 

II 135 Es freut mich nichts als das: 

Braa(n) Biererl im Glas, 
mei Sohatzerl am Tisch, 
wann ich bei ihm sitz! 

Aus der größeren hs. Sammlung von 1806 (aas Wirtem- 
berg) im Nachlaß Achims v. Arnim. L Erk 

II 387 Wer fragt damch 

Stet mit der Überschrift: Quid non ebrietas designat? one 
Angabe des Dichters in folgender Sammlung: „Erster Theil der 
Arien oder Melodeyen etlicher theils Geistlicher, theils Weltlicher, 
zu gutten Sitten und Lust dienende Lied. Von Heinrich Alberten. 
Königsberg 1638.'' 

Abweichungen vom Druck im Wunderhom: 

1,1 darnach. 1,2 Gelach. 1,11 kan (so immer). 2,1 dieß. 
2,2 der Unmuths Zwang. 2,6 giebt. . 2,7 kunt. 8,1 ff. Safift- 
Krafft. 3,6 dem Armut. 3,8 eiffern. 4,2 Wann. 4,4 Wie wann. 
4,6 kompt. 4,7 wil denn. 5,3 greifft. 5,6 kan sich kaum, kaum 
regen. 5,7 säufft. 5,8 Auff einem Du. 5,9 schwätzt von seinem. 
6,1 jetzt. 6,2 Kopff. 6,8 Glaß. 6,9 Wil ich auff. 6,10 Teut- 
sches. 6,11 Laset. LErk 



62 



n 416 Schnützelpatz-Hänsel. 

Deß Cacumanß Heußlin. 

1 Eß ist ein grosseß Abentheur. 
Die alten Weiber sterben heur. 
Die Männer werden ersohroken. 
Ihr seht auf einem Haselzweig 
Gut Distelvogelin loken. 

Das geht inß Gugenmanß Heuslin, 
Da dantzen vnd springen die Meuslin. 
Vnd stechen und beissen die Leußlin, 
Vnd bellen die Sohneggen im Heuslin. 

2 Eß begab sich in der Winterzeit, 
Die Schneggen haben einen Streit. ^ 
Die Moußlin wollen fridt machen, 

Da kamen die Hennen im Stifel daher 
Vnd theten ihren lachen, 
ut Bupra. 

3 Zu Meilandt an dem Zürcher See 
Bekam mir Basi Dorothe') 

Mit ihren langen fuessen, 
Ist 7 jähr im Himmel gsein, 
Hat wider aben müessen. 

4 Eß fliegt ein Euhe woll über den Rein, 
Die Groppen nemmen sie bei dem Bein 
Vnd sprechen: Waß wiltu machen? 

Die Haring hendt weder Hendt noch Fueß 
Ynd selten kuochlin bachen. 

5 Zu Straßburg in dem Schweitzerlandt 
Eß thet woU Meister Hildebrandt 
Ein todten Man erstechen. 

Darzuo kam Jaggle Ealberzaan 
Vnd wolt den todten rechen. 

6 Eß giengen«) 3 Weiber auß Oberlandt, 
Die flehrten ein Floh an der Hand 
Mit einer blauen Schlingen. 

Eß springt ein Strauhuet ab der Wandt, 
Den Hanselman thut er singen. 

7 Der Gucuman wolt inß Elsaß fahrn, 
6 katzen spant er an den kharn, 
Hatt Fessel weder Boden noch Dekel, 
Derzuo ein eisen Filßhuot auf 
Sampt einem strauen Sekel. 

8 Der Gucuman ist ein armer Tropf, 
Kauff ein messene Geislenknopf 
Vmb 7000 Kronen. 

Der Kater ^) hat ein witzigen Kopff 
Vnd thnt einer Schnek woll blohnen. 



^ 



63 

9 £ß legt ein Floh das Halßband an, 
Eß wahren blitzblau Kuglin dran 
Mit 27 Zingen. 

Mit einem Aag da ward! sie lahm. 
Im anderen that sie hinken. 

10 Die Federdeok wolt Hochzeit han, 
Der Laubsak wolt den Aben dran, 
Auf Steken thaten sie reitten. 
£ß schlegt ein Äff woll auf der Harffen 
Ynd spant ein Eatz die Seiten. 

In Birlingers hs. Liederbuch von c. 1663. — 1) stritt Hs. 
2) Dorotha Hs. 3) giengt Hs. 4) Katz Hs. 



Folgendes „Lügenlied'' teilt« EM Arndt 1831 an EBouter- 
wek mit: 

Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen, 

Ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen, 

Sie flogen gar ferne — 

Sie hatten die Rücken gen Himmel gekehrt. 

Die Füße wohl gegen die Sterne. 

Ein Amboß und ein Mühlenstein 

Die schwammen bei Köln wohl über den Rhein, 

Sie schwammen gar leise — 

Ein Frosch verschlang sie allebeid 

Zu Pfingsten wohl auf dem Eise. 

Ein altes Weib auf dem Rücken lag, 
Sein Maul weit wie die HöU aufthat, 
Ist wahr und nicht erlogen. 
Drinn hat der Storch manch hundert Jahr 
Seine Jungen groß gezogen. 

In Leipzig stand ein altes Haus, 

Da flog eine Fledermaus heraus, 

Zerflog's in tausend Stücken. 

Da kamen fünfhundert Schneidergesell'n 

und wollten das Haus wieder flicken. 

In Strasburg stand ein hoher Thurm, 
Der trotzete Regen, Wind und Sturm 
Und stand fest über die Maßen. 
Den hat der Kuhhirt in der Stadt 
Mit seinem Hom umgeblasen. 

Bei Fürstenberg fuhr ein Schiff im Sand, 
Das hatte die Segel zum Winde gespannt 
Und segelt im vollen Laufen. 
Bald stieß es an einen hohen Berg, 
Da musste das Schiff ersaufen. 



64 

Es wollten vier einen Hasen fangen, 

Sie kamen mit Stelzen und Krücken gegangen, 

Der eine der konnte nicht sehen, 

Der zweite war stumm, der dritte war taub, 

Der vierte konnte nicht gehen. 

Nun denk sich mal einer, wie dieses geschah. 

Als nun der Blinde den Hasen sah 

Auf grüner Wiese grasen, 

Da riefs der Stumme dem Tauben zu 

Und der Lahme erhaschte den Hasen. 

So will ich denn hiemit mein Liedchen beschließen 

Und soUt's auch die werthe Gesellschaft verdrießen, 

Will trinken und nicht mehr lügen. 

Bei mir zu Land sind die Mücken so groß, 

Als hier die größesten Fliegen. 

II 422 Ein ZicMem, ein Zicklein 

Verwant ist ein Lied , welches E M Arndt unter der Über- 
schrift „Wer holt den Teufel?" an KBoaterwek mitteilte: 

1 Da kam die Maus gegangen 
Vor allen Mäusen her 

Und nahm das Korn gefangen 

Und warf es hin und her — 

Die Maus das Korn 

Ist alles verlorn 

Mit Stiefeln und Sporn — 

Sauf Bruder, sauf 

Und führ dich wacker auf. 

2 Da kam die Ratz gegangen 
Vor allen Ratzen her 

Und nahm die Maus gefangen 
Und warf sie hin und her, 
Die Ratz die Maus, 
Die Maus das Korn, 
Ist alles verlorn usw. 

3 Da kam die Katz gegangen 
Vor allen Katzen her 

Und nahm die Ratz gefangen usw. 

4 Da kam der Fuchs gegangen 
Vor allen Füchsen her 

Und nahm die Katz gefangen usw. 

6 Da kam der Wolf gegangen 
Vor allen Wölfen her usw. 

6 Da kam der Hand gegangen usw. 

7 Da kam der Bär gegangen usw. 

8 Da kam der Jäger gegangen usw. 

9 Da kam der Teufel gegangen usw. 



65 

10 Da kam das alte Weib gegangen 
Vor allen Weibern her 
Und nabm den Teufel gefangen 
Und warf ihn hin und her. 
Die Alt den Teufel, der Teufel den Jäger, 
Der Jäger den Bären, der Bär den Hund, 
Der Hund den Wolf, der Wolf den Fuchs, 
Der Fuchs die Eatz, die Eatz die Ratz, 
Die Rcrtz die Maus, die Maus das Korn nsw. 

n 626 Z. 8 V. u. lis „Str. 3,2" stat „Str. 2,2". 

II 638 Der bayerische Hiesel 

Ein knrzes Lied, welches über das Verhör des gefangenen 
Wildschüzen handelt, stet in Radlofs Mustersaal I S 110 f. 

II 679 Bas Schneiderlein sah am Wege stehn 
L Erk teilt die älteste Aufzeichnung des Liedes aus folgen- 
dem Einzeldruck (wol aus der Schweiz) mit. 

Zwey Nagel newe Lieder, ! Das Erst. | Von dem Zy Zy | 
Zy^ Bock bock bock, Meck | Meck Meck, gar schön vnd | lustig 
zu Singen. | Im Thon : Es wolt gut Schneider wandern, gen Wild- 
pretzhausen | Das ander | Die Herren haben verbotten man sol | 
der Schneider nimmer spotten | Im Thon, Ich zog eins mal | in 
Burtigal, etc. (Holzschnit — Geißbock) Getruckt auff dem Bocks- 
berg, bey I Lentz Geisser, in der Schneidergassen, I Anno 1597 

Es wolt gut Schneider wandern 

gen Wiltpertz hausen, 
Begegnet jm der Zy Zy Zy, Bock Bock Bock, Meck Meck Meck, 

es thät jhm grausen. 

Der Schneider gieng den Berg auff, 

begegnet jhm ein Geiß, 
Da sprach derselbige Zy Zy Zy etc. 

wie machstu mir so heiß. 

Die Geiß gab jm zu trincken 

auß einem Finger hut, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

wie ist der Wein so gut. 

Der Schneider war so truncken 

er war so grusam yoI, 
Da ward derselbig Zy Zy Zy etc. 

vor grosser Ohnmacht toll. 

Es kam ein Geiß gelauffen, 

sie wolt jhm helffen auff, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

ich stich dir ein Loch in Bauch. 

Die Geiß die nam den Schneider 

auff jhre kromme Hörn, 
Sie warff denselben Zy Zy Zy etc. 

wol in die Hagendorn. 
BirUnger, Alemannia XI 1 ^ 



66 



Ynd da er wider herauß kam, 

hat er ein krums Bein, 
Da sprach derselbig^ Zy Zy Zy etc. 

ein ander mal bleib daheim. 

Der Schneider spant sein Büchsen, 

er wolt sie schiessen, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

laß mich des Haudwercks geniessen. 

Der Schneider gieng zam Dantze 

mit seinem doUen Kröß, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

wie ist das Hembd so böß. 

Er trat wol vber die Gassen 
mit seinem welschen Bauch, 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
wie ist mein Haut so raach. 

Es wolt gut Schneider neben, 
wolt neben vff dem Feld, 

Was fand derselbig Zy Zy Zy etc. 
ein Hasen wie ich meld. 

Der Haß der war gefangen 

in einer Schlingen fein, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

der Haß ist jetzund mein. 

Den Hasen thet er binden 
mit Gürtel vnd Taschen fein. 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
der Haß muß mit mir sein. 

Der Haß der thet sich sperren, 
er sprang so grausam ding. 

Da ließ derselbig Zy Zy Zy etc. 
den Hasen lauffen hin. 

Der Haß thet jhm entlauffen 
mit Gürtel vnd Däschen fein. 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
hett ich die Däschen mein. 

Der Haß sprang neben ein Bächlein 
mit Gürtel und Däschen fein. 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
jetz ist die Tasche hin. 

Der Haß der ward gefangen 

von einem Bawersman, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

was gib ich dir zulohn. 

Was fand er in der Taschen, 
vier Francken die lagen allein. 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
zwen soll) dein Trinckgelt sein. 



67 

Der Bawer solt jbm versprechen, 

das er woll schweifen sill, 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

drumb mach ich dir den wil. 

Das solt du auch vertrincken 

von wegen jetzand mein. 
Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 

daß es solt verswiegen sein. 

Die Schneider woltens verbieten, 
das man es jhnen nicht sing, 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
wir könnens nicht bringen dahin.- 

Es thut sie sehr verdrießen, 

das man es singen that. 
So macht uns doch derselbig Zy Zy Zy etc. 

gar manchen guten Muth. 

Damach so kan man singen 

vnd dantzen lustig sein. 
Vnd ligt derselbig Zy Zy Zy etc. 

jeder man in dem Sinn. 

Den Schneidern thu ich rahten, 

sie selten schweigen schon. 
Daß man dasselbig Zy Zy Zy etc. 

thet nimmer singen thon. 

Sie thun es gar nit achten, 
daß man es bringt auff die Ban, 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
es geht vns gar nichts an. 

Hiemit thu ich beschliessen, 
diß liedlein hüpsch vnd schon, 

Da sprach derselbig Zy Zy Zy etc. 
wir müssens singen lohn. 

Das zweite Lied in disem Einzeldrucke lautet: 

Die Herren haben verbotten, 

man sol der Schneider nimmer spotten, 

biß auff Sanct Barthlome, me me me me me. 

Wer aber solches haltet nit, 
der hat hiemit gefreflet nit, 
vergangen ist Sanct Barthlome me me me. 

Die Schneider sind von Edlem blut, 

drumb ins vexiren sehr wehe thut 

vom Stamm Bocksberg geboren me me me me. 

Strumpf, Hosen tragens seuberlich, 

das Hembd eim Spiellump gleichet sich, 

jhr Lohn vier Wochon vier Heller, me me me me. 



1 



68 

Ir Schneider all in einer Summ, 

bringens ein ander dap£fer rumb, 

in Fingerhut schenk ein den Wein, me me me me. 

Zürnet ntcht, ich euch freundlich bit, 

ein gute Nacht gib ich hiemit. 

Ade du edle *) Zun£ft, me me me me. 

II 738 Schäfele etc. 

Die Überschrift ist wol zu streichen. In der Hs. (aus 
Wirtemberg) Küiiele, welches auf Kutte hinweist, oder für Kittele 
stet (Hälskittel^ s. Schmeller JI 348, Halskragen, Bändchen?). 
— Z. 2 hanget Hö. — Z. 3. Bollen sind Schellen (Schmeller III 
80). L Erk 

II 773 

Es tanzt ein Bu-Ba-Butzemann 
in unserm Haus herum, di dum, 
es tanzt ein Bu-Ba-Butzemann 
in unserm Haus herum: 
Er rüttelt sich, er schüttelt sich, 
er wirft sein Säckchen hinter sich. 
Es tanzt ein Bu-Ba-Butzemann 
in unserm Haus herum. 

So hätte das Liedchen gedruckt werden müssen. Es passt 
sonst nicht zu seiner schönen Melodie. Das Lied ist in der Gegend 
von Hanau, BYankfurt zu Hause. L Erk 

II 758 Als ich em armes Weih war 

.1 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 
Ach schenkt mir doch ein Hünchen, 
daß ich auch reicher bini 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Hünchen thut heißen: 
Bibbele heißt mein kleines Hünele. 

2 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 
Ach sehenkt mir doch ein Entchen, 
daß ich auch reicher binI 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Entchen thut heißen: 
Drible, drible heißt min Entle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 



1) Bas hier stehende ist wnJclar; ich lese in der Abschrift Erics 
^jSya c'*; der letzte Buchstabe wird als undeutlicher Schriftzug be- 
zeichnet. 



69 



3 Ihr Lent ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Gans, 
daß ich auch reicher bin! 
Alle Lent wollen wissen, 
wie mein Gans thut heißen : 
Langer Hals heißt mein Gans, 
Drible drible heißt mein Entle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 

4 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Geiß, 
daß ich auch reicher bint 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Geiß thut heißen: 
Weißes Fleisch heißt mein Geiß, 
Langer Hals heißt mein Gans, 
Drible drible heißt mein Entle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 

5 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Kalb, 
daß ich auch reicher binl 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Kalb thut heißen: 
Blasbalg heißt mein Kalb, 
Weißes Fleisch heißt mein Geiß, 
Langer Hals heißt mein Gaus, 
Drible drible heißt mein Entle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 

6 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Kuh, 
daß ich auch reicher bin ! 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Kuh thut heißen: • 
Auf und zu heißt mein Kuh, 
Blasbalg heißt mein Kalb, 
Weißes Fleisch heißt mein Geiß, 
Langer Hals heißt mein Gans, 
Drible drible heißt mein Entle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 

7 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann : 

Ach schenkt mir doch ein Pferd, 
daß ich auch reicher bin! 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Pferd thut heißen: 
Ehrenwerth heißt mein Pferd, 
Auf und zu heißt mein Kuh, 
Blasbalg beißt mein Kalb 
etc. etc. 



70 

8 Ihr Leat ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Haus, 
daß ich auch reicher binl 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Haus thut heißen: 
Guckheraus heißt mein Haus, 
Ehrenwerth heißt mein Pferd, 
Auf und zu heißt mein Kuh 
etc. etc. 

9 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 

Ach schenkt mir doch ein Frau, 
daß ich auch reicher bin! 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Frau thut heißen: 
Auf der Bschau heißt mein Frau, 
Guckheraus heißt mein Haus, 
Ehrenwerth heißt mein Pferd 
etc. etc. 

10 Ihr Leut ich bin ein armer Mann, 
bin gar ein armer Mann: 
Ach schenkt mir doch ein Kind, 
daß ich mag reicher sein! 
Alle Leut wollen wissen, 
wie mein Kind thut heißen: 
Goldig Single heißt mein Eindle, 
Auf der Bschau heißt mein Frau, 
Guckheraus heißt mein Haus, 
Ehrenwerth heißt mein Pferd, 
Auf und zu heißt mein Kuh, 
Blasbalg heißt mein Kalb, 
Weißes Fleisch heißt mein Geiß, 
Langer Hals heißt mein Gans, 
Drible drible heißt mein Endle, 
Bübbele heißt mein kleines Hünele. 

Oherschwäbische Liederhandsehrift 18. Jhd. 

Nachtrag zu den Tane-^ Neck- tmd Kmderreimen. 

Geh mir nit über mein Aeckerle, 
Geh mir nit über mein Wies'; 
Oder ich prügle dich wegerle, 
Oder ich prügle dich gwiß. 

Schwäbisch, Nach dem Original in Arnims handschr. Sammlung. 
Wunderhorn (Äusg, v. 1845) III 114. 

Gang mir nit dur min Gässele, 
Gang mir nit dur min Gras, 
Gang mir nit zu min Schätzele, 
's grallt mir je länger je baß. 

Schweizerisch. In Arnims handsehr. Sammiung, {Ins Wunderhorn 
nicht aufgenommen.) 



71 

Und die Blätter sind grÜD, 
und die Rosen sind rot; 
Und die lutherschen Buben 
Sind gut in der Not. 

Wunderhorn (Ausg. v. 1845) III 114. 

Wann der Mond so hell scheint 
Und 's ein Platzregen tut, 
Wann die Fremden nit kommen, 
Seind die Heimischen gut. 

Wo] aus dem Odenwald. In Arnims handschr. Sammlung. 
Im Wunderhorn (Ausg. v. 1845) III 114 mit dem Anfang „Und 
wenn der Mond hell scheint.*^ 



Herüber, hinüber, 
loh hoff mir ein Glück, 
Han berich ein' Bothe 
Bis Sickingen geschickt. 

Der Both der ist kommen. 

Was hat er gebracht? 

Ein Ringle am Finger, 

Ein Schnupftuch im Sack. ' 

So die Original- Handschrift in Arnims Sammlung. Etwas 
verändert im Wunderhorn II 790 (unserer Ausgabe). 

Heidelbeeren, Heidelbeeren 
Stehn in unserm Garten; 
Mutter gib mir auch ein Paar, 
Kann nicht länger warten. 

So in Arnims handschr. Sammlung. Wunderhorn unter den 
Kinderliedern III Anhang 70 1. A.; III 427 (Ausg. v. 1845). 

Heidelbeer, Heidelbeer 

Wachset uf de Glocke: 

's ist kein schönres Madel hier 

Als des Müllers (Geschlechtsname eingefügt) Tochter. 

Mitteilung L Erks. 

Mein Schätzle ist mun (mein). 
Mach mich nit lachun; 
Die Lieb ist brochun, 
Kanns nimmer machun. 

So in der Original-Hdschr. in Arnims Nachlaß. Im Wunder- 
horn II 331 (unserer Ausgabe) der Druckfehler num in der 1. Zeile; 
in der ersten Ausgabe stet nwm. 



72 

Schusterbae, flick mir die Schuh, 
Gib mirs Leder auch dazu, 
Es ist kein Gerber in der Stadt, 
Der ein solches Leder hat. 

Schusterbue in der Original-Handschrift. Wunderhorn l.Ausg. 
III Anhang 80 anter den Einderliedern, III 438 (Ausg. v. 1845). 
Meier, Deutsche Einderreime 42. 

Guck hinüber, puff hinüber, 
Wol über die Straß 'num, 
Kann Deutschland nit finden, 
Rutsch alleweil drauf rum. 

So in Arnims Sammlung (größere Handschr. aus Wirtemberg 
vor 1808. Als Einderlied (Anfang: Guck hinüber, suff herüber) 
mit der Aufschrift „Wenn die Kinder auf der Erde herumrutscben" 
im Wunderhorn III Anhang der 1. Ausg., III 432 in der Ausgabe 
von 1845. Wol kein Kinderlied. 

Aufm Bergle bin ich gsesse. 
Hab dem Vögle zugeschaut, 
Ist ein Federle abe gfloge, 
Hab'n Häusle draus baut. 

So im Original-Mskr. in Arnims Nachlaß. Aus Baden oder 
Wirtemberg. Unter den Kinderliedern im Wunderhorn III An- 
hang (1. Ausg.), III 428 (1845). 

Zimmermändle, Zimmermändle, 
Leih mir deine Hosen ! — 
«Nein, nein, leih dir sie nit; 
Sie bangen hinterm Ofen I^^ 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn III Anhang (1. Ausg.), 
III 430 (1845). Bei Birlinger Augsb. Wb. Anhang 464 als 
Behlinger Neckreim: 

Zimmermändle, Zimmermändle, 
Leich mer dine Hosa; 
I leich der 's net, i leich der 's nett, 
Se hanget hintrem Ofa. 

Steig aufe das Bergle, 
Fall aber nit herab, 
herzig liebs Schätzle, 
Brich's Füeßle nit ab. 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn III Anhang (l.Ausg.), 
III 429 (1845). In unserer Ausgabe unter den Schnaderhüpfeln 
II '322. Meier Kinderlieder 59. 



ir:-; 



73 

Hau dich nit, stich dich nit, brenn dich nit, 

Suppen ist heiß. 

Scheider, wenn du reiten willt, 

Setz dich auf die Geisl 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn („wenn man die 
kleinen Jungen mit ihren Schlappertüchlein am Hals zu Tisch setzt ^) 
in Anhang (1. Ausg.), HI 431 (1845). 

Drei Wolken am Himmel, 
Was soll dies bedeuto? 
Der Metmer soll heimgeh, 
Soll Wetterläuto. 

So im Original. Unter den Kinderliedern im Wunderhorn 
in Anhang (1. Ausg.), HI 434(1845). Unter den Schnaderhüpfeln 
in unserer Ausgabe 11 336. Für Metmer ist wol Mesmer zu lesen 
(s. Schmeller 11 631). Ueber das betonte 6 am Schluß vgl. unsere 
Ausgabe des Wunderhorns H 831. 



Wacker Mägdlein bin ich ja, 
Bote Strümpflein hab ich ao. 
Kann stricken, kann nähen, 
Kann Haspel gut drehen. 
Kann noch wohl was mehr. 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn HI Anhang (l.Ausg.), 
III 437 (1845). Am Schluß der 1. und 2. Zeile ist ja und an 
Zusaz der Herausgeber. Oewönlich get als erste Zeile voraus: 
Hans Pitter, nemm mich. Vgl. . verschidene Faßungen Alemannia 
Vm 73. 

Buchsbaumes Rädle, 
Ein flächsene Schwing; 
Mein Schatz heißt Antonele, 
Wie freut mich das Dingl 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn 111 Anhang (1. Ausg.), 
III 437 (1845). Die Einleitung der Herausgeber ist verfeit. 
Unter den Schnaderhüpfeln in unserer Ausgabe II 321 (A bux- 
baumes Rädle). 

Um um um, mein Krummer, 
Krummer, du bist mein! 
Ei du krummer Dingerler, 
Wie magst so lustig sein? 

Unter den Kinderliedern im Wunderhorn III Anhang (1. Ausg.), 
III 438 (1845) mit der Aufschrift „Wenn er's nur nicht krumm 
nimmt*^ In unserer Ausgabe unter den Schnaderhüpfeln II 325 
(zu verbessern ist der Druckfeier in Z. 3: lis „Ei** statt „Di**). 



74 

Der gescheide Hansel 

Hansel am Bach 
Hat lauter gut Sach, 
Hat's Häusel verbrennt, 
Hat Lumpen drum ghenkt. 

Hansel am Bach 

Hat lauter gut Sach, 

Hat Fischlein gefangen, 

Hat die Schuppen heimbracht. 

Hansel und Gretel, 
Zwei lustige Leut, 
Der Hansel ist närrisch, 
Die Gretel nit gscheid. 

Unter den Kinderiiedern im Wunderhorn HI Anhang (1. Ausg.), 
III 455 (1845). Es sind 2 besondere Liedchen; die Z. 3 u. 4 in 
der 2. Str. sind Zusaz der Herausgeber. Es folgen einige Proben, 
wie dieselben gesungen werden: 

1 Aus Meier Einderlieder S 58: 

Hansel und Gretel 

Sind kreuzbrave Leut, 

Der Hansel hat Gretel 

Zu Graben 'nein keit (= geheit). 

2 Aus A. Stöber, Elsaß. Volksbüchlein, Straßburg 1842 
S 74: 

Der Hansel unn's Gredel 
Sinn beide brave Leut ; 
Der Hansel isch närrisch, 
Unn's Gredel ni^d gscheut. 

Daselbst S 50: 

Der Hansjockele am Bach 
Het alli guet Sach, 
Het Fisohele z'Morje 
Unn Erebsele z'Nacht. 

3 Aus Rocholz Alem. Kinderlieder S 326: 

De Hansel und Gretel 
Sind bede brav Lüt, 
Der Hansel ist närrisch 
Und's Gretli nit gschit. 

Schnoddahaggen oder Schnodahüpfl vom Unterinntal, mitgeteilt 
von JStrolz in Radlofs Mustersaal I S 45 ff. 

TFarum sollt den net i krad 
Eoa Dienal liebn, 
Thiens*) do d'V6gal an Wald 
Daß si d'Astal biegnl 



75 

Ä Bahsal zum sohießn 

und an Stoußring^) zan sehlage 

Und a Dienal zun liebn 

Muß a frischa Bue habnl 

• 

Wie heoha^ da Eirohiurn» 
Wifl schöna das Dläut^), 
Und wie weita zun Diendl, 
Wie baß daß mi's freut. 

itfei Diendl is kloa 
Wien a Muskatnüßl 
Und 80 oft daß i's holfl'«^). 
So oft lacht's a bißl. 

Diendl, gib acht, 

Wenn da V6gal sigst fliegn, 

Und so wenk^) als das Ydgal fängst, 

Sollst mi nid kriegn! 

ITann d'mi liebst, iss ma recht, 
Liebst mi nid, is ma dleich^); 
Weil d'nit lustiga bist, 
Dienal, krad') i di leicht 

1) tan es; 2) Stoßring, Fingerringe mit breiten dicken 
Schilden, deren man sich bei Raufereien zu bedienen weiß. 
3) hoeher. 4) Oel&nt. 5) umhalse. 6) wenig. 7) gleich. 8) ent- 
rate, entbere. 



Salzbnrger Schnodahüpfl ans Hübners Beschreibung von Salzburg 

bei Radlof Mustersaal I 89 fif. 

.FVisch über und über, 
na pinzgerisch frisch. 
Der Bue iss ma lieber 
als Geld aufn Tisch. 

Mei Schäz iss a Sendin 
hoch obn an an Kes'), 
Hat zwoa zaundürre Goaßl ^) 
Schreit alleweil deß deß\^) 

Zwo blitzblobd Täuberl 
fliegn über ka Tal; 
Diendl mogst mi liebn 
oder nit, hast d6 frisch Wal. 

Daß's in Wold finster iss, 
moohen die Bäm, 
Und daß i di gar nit krad^) 
glabet i kam. 

Jtz gel da stark Wind 
und ihan d'Laba^) rauschn, 
Ge her mei schdns Dienaj, 
woUn Herzl tauschn. 



76 

I mecht gB nit Uuiohn, 

i ghalt krad') döß mein; 

Mecht HO OBns bekAma, 

mecbt no ffitecha') «ein, 

Mei Schhz bot ma d'Lieb aufgaagt, 

hot ma aix gmacht'); 

ZlÖet hot da Narr aelba kreaacht, 

nnd i hon brav glacht. 

Gä weck von mei FeoBte, Bue! 

laß mir au Frid 1 

Bin a frischa Bdsdim*), 

auf tae i dir nit. 

l) Gletecber, 2) Geißen, Ziegen. 3) Lookruf der Seadinnen 
nacb iren Ziegen. 4) entrate, eatbere. 5) Läuber, Blätter. 6) icb 
bebalte gerade. 7} falscher. 8) bat mir nichts gemacht: ich habe 
mir nichts daraus gemacht. 9) Milchdiroe. 



Ans: 500 Scbnadabüpfl'n Oheriandler- und neueste Volks-Liadln, 

Oesterreicher G'aangln und Walzer, nebst G'sängen ans den 

Alpenscenen 's leinte Fensterin und drei JalirVn nach dem leteVn 

Fensterin (Mönchen 1873, 16"): 

ümA a Sobnodahüpfy 
Is a offa's Briafej 
Und da stet's dentb drinn, 
■mia, dirs ia in dei Sinn. 
/ hob Bcho oft gsohnittn, 
I hob sehe oft gmaht. 
Hab a scfao oft sDiandl 

Im Tanzn mmdraht. (Wh. U 324 mit dem Anfang: 
Hab Holzäpfel graupelt). 

Ifie hoch is der Himmi, 
wie leuchten die Stern I 
Wie ham die schön Diandln 
Die Buama so gern I 
UnA a feine Bußei gebn 
Ig gwisB uöt a Sund, 
Hat ma's mei Mutter glernt 

Als a kloans Kind. (Nebat den S folgenden von 
Schlieraee). 

Wenns im Himmel tanzn tuen, 

Singa d'Eoeeln dasna, 

BOT i die Zithern Bchlogn, 

Is's mir schon gnual 

fStzn zwoa Täubin am Tannenbaum, 

Fliegn zwoa Täubin davon. 

Wenn i mein Schatz in da Eiroha sich, 

Schaug i koan Heilign mehr onl 



77 

Z7nd wenn i a mal gstorbn bin, 
Brauch i Weichbrunna koan, 
Denn mei Graberl werd naß 
Von mei Diandl sei Woan. 

TFenn da Bua zuaba get 
Und auf da Greiscbn stet. 
Lacht mir mei Herzl scho. 
Redt mi glei o. 

Eimmt er zur Htittn hin 
Wo i scho drinna bin, 
Laf i glei auPn zua: 
Grüaß di Gott, Bua. 

Wie ma mei Herzl springt. 
Wenn da Bua zu mir kimmt, 
Wenn er beim Spaltenzaun 
Eina tuat schaugn. 

^ufs Gaßl bin i ganga, 
Habs Fenster not gwißt, 
Bin dorten hinkemma 
Wo *sSaustallerl is. 

A Sprung übers Gaßl, 
A Juchaza drauf, 
Und a Klopfa ans Fenster, 
Schöns Diandl, mach auf! 

Berg auf bin i ganga, 
Berg ab bin i grennt, 
Da hat mi mei Diandl 
Am Singa glei kennt. 

'8 Gamsl auf der Wand 
ünd'n Punkt in der Scheibn 
Und a Schazl an der Hand 
Is mei Toan und mei Treibn. 

ilfei Herz dös is kloa 

Und kon's koa Mensch not auftoa (auftun), 

Grod a oanziga Bua, 

Der hat 's Schlüssej dazua. 

jKloa bin i, kloa bleib i, 
Groß mag i net wem. 
Schön runket, schön p unket, r 
Wie a Haselnußkem (Wh. 327). 

f loa bin i, kloa bleib i. 
Groß mag i net wern, 
Un a Buam muaß i kriagn 
Wie a Haselnußkern. 

A Haselnußkem 
Is mi no a weng zviel, 
I muaß halt no oan habn 
Wie a Kolöfifelstil. 



78 

üfei Diandl hat gheirat, 
Und waram denn not mi? 
Ün vor Leid maaß i sterbn, 
Verzweifeln mnaß i. 

Verzweifeln muast not, 
Verzweifeln is Sund, 
Hot an andere Muatta 
Wo no a Bchöns Kind. 

Mei Diandl sei Falschheit 
Is not zu ergrfindn, 
Eh wollt i an Kreuzer 
Im Sohliersee findn. 

Ä lustiga Bua 

Der kriegt Diandln grod gnua, 
Vor a trauringa Mo 
Laufens allsamm davo. 

80 gwisB als seit Adam 

Die Nessln habn brennt, 

So gwiss san die Diandln falsch, 

Bai ma's recht kennt. 

Schö tanzn, kluag tanzn, 
Dös hat scho sei Saoh, 
Freili tanzt der Bär a, 
Aber 's is halt darnach. 

Ä Hochzeit one Musi 
Is a Lieb one Freud, 
Und dös is a guats Fnada 
Für d'Langweilikeit. 

Und a Lieb one Freud 
Is a Wagn one Rad, 
Is a Bäm one Blatt» 
Is a Bild one Gnad. 

Und der Türk und der Buss 
Di zwoa gen mi nix o, 
Wann i no mit der Gredl 
Eoan Kriegshandl hol 

TFahr is, schöne Sterndln 
Geit's dort am £nd, 
Aber du bist ma lieber 
Als 's ganz Firmament. 

iSchazerl, sei treu, 
I will dir treu bleibn, 
I will dir mei Treuheit, 
Ins Herzl nei schreibn. 



79 



Trea bin i, trea bleib i, 
Treu hob i im Sinn, 
Und moans a so redli 
Wo i immer bin, 

Stat der letzten 2 Zeilen anch: 

Trea bin i meim Schazerl 
Zu München und in Wien. 

Du bist 8cho mei Schazerl, 
Aber sani darfst du*s not: 
Wenns d'Leat amal wissn, 
Da kimmt ma ins G'red. 

Du gar so schöns Diandl, 

I muaß von dir ge, 

Für die Zeit wo d'mi geliebt hast, 

Bedank i mi schö. 

Mi schaugn jezt alle Leut 
Für an Fischer-Bnam o, 
Weil i's Nezauswerfa 
Und 's Fischfanga ko. 

Der Weber der hat mi 
Soho lang in der Hez, 
Er möcht mi gern fanga 
In sei's verliebts Nez. 

Doch der kriegt mi nimmer, 
Er is ma viel z'dumm; 
Der Kerl kann not tanzn 
Und tuat als wie stumm. 

ZJnd's Diandl hat gsagt, 
Und sie hätt mi so gern, 
Als wia von die Pfiersi 
Und Eerschn die Kern. 

Zu dir bin i ganga 

Ueber Heckn und Bühl, 

Zu dir geh i nimma, 

Du foppetst mi zviel. (Wh. II 229). 

Ä Reh hat zwoa Gwichtl, 
A Jaga zwoa Hund, 
Mei Schaz hat a Gsichtl 
Wia Semmel so rund. 

Und a Jaga sieht guat, 
Aber d'Lieb machtn blind. 
Und da fangt dir den gröstn 
A kloan Diandl gschwind. 

Und im Wald bin i gsessn 
Und sHerz war ma schwär, 
Und ho denkt, wenn i grad 
Von der Welt wegga war. 



1 



80 

Und dÖB muatwilli Lisei 
Do 8 macht mi so trüab, 
Und i kunnts glei verreißn 
Und hobs do so lieb. 

Dös Diandl ist sauba 

Von Fuaß bis zum Kopf, 

Nur am Hals hats a Binkerl, 

Döas hoast ma a Kropf. (Wh. II 325.) 

GaßUiedr ans Baiem in Kadlofs Mustersaal I 119: 

ilfei Schäzerl iss kama 
Wos hot a ma brocht? 
An Ringerl ans Fingerl, 
An Schmazerl auf d'Nocht. 

Schon bin i not, reich bin i wol, 
Geld hob i a ganz Beuderl voll, 
Gehn ma no drei Patzen o. 
Daß i not zwölf Kreuzer ho, 

DIE HERAUSGEBER 



ZU GÖTHES FAUST. 

Zar Richtigstellung des Verhältnisses von Göthes Faust und 
Theophilus möchte ich auf Köpkes Hrotsuit (S 179) aufmerk- 
sam machen, eine Stelle, welche die Fansterklärer meines Wissens 
nicht betonen. 

Zu den kleinern Zügen, die Hrotsuita iren Legenden bei- 
fügte, ist einer der bemerkenswertesten im Theophilus 13, den sie 
zu einem Manne macht, der aus dem sibenfachen Quell der Weis- 
heit getrunken, hat. Der Urtypus des Faust hätte demnach das 
entscheidende Zeichen der Wissenschaft ^ durch die er erst das 
wird, was er uns ist, durch Hrotsuit erhalten, im deutschen Nor- 
den, unfern der Stätte, wo er 800 Jare später seine höchste 
Dichterweihe empfangen sollte. 

I 550 (Frühlingsschilderung) aus einem mitteldeutschen Ka- 
lender 1609 (Frankfurt oder Nürnberg). 

März. Und so lieblich daher grünet, daß alle Welt jhre 
Lust und Freude daran hat und dise Zeit billich vor die schönste, 
lieblichste, fruchtbarste und gesundeste zeyt deß jahrs gehalten 
wird. Darinnen auch die Vögel zum lieblichsten singen und an- 
fangen zu nisten usw., nun frewen sich alle Creaturen, daß der 
verzehrende Winter für vber vnd der erwermende Sommer wider 
angehet, da grünet die Erde, die Bäume in Gärten und Waiden 
schlahen auß, die Wiesen bringen Graß, vnd die schöne, liebliche^ 



81 

wolriecbende, kräftige Blumen, die liufft ist lieblich, das Wasser 
still, der Bauersmann ackert mit Lust im Felde, Summa, es lachet 
Himmel vnd Erden vnd alle Greaturen sein frdlich vnd guter Ding 
usw. Nun gehet alles Vieh mit Frewden springen ynd schreyen 
widerumb hinauß an die Weide, die lieblichen Vögelein singen, 
jubiliren vnd frolocken in der Luft vnd in den Waiden usw. Nun 
bekommen die Gelehrten lust zu spatziren vnd zu studieren vnd 
in summa: nun ist die Welt ein Figur vnd Conterfey deß künf- 
tigen ewigen Lebens usw. 

Mai, Diser Monat gibt dem Lenz vnd dem ganzen Jahr 
die gröste freude vnd lust, denn nun wechst im Felde vnd Wisen 
alles herfur vnd in die höhe, nun singen die Vögel am lieblichsten, 
nun machen sich die Eriegsleut ins Feld, wenn sie kriegen wollen 
vnd alle Menschen vnd Thier frewen sich usw. 

I 1817 Auf yjdein Paris^ ist angespilt in einem zu Leipzig 
verfaßten Buche „Taudel- und Zaudelhaftiger Spinn-Rocken 1678" 
S 207: 

So sagen die Leute — dumpfiger Glockenton fordert bald 
eine Leiche — und wird solches zwar eher wahr — in einer vor- 
nehmen oder großen Stadt^ als an einen kleinen Orten, sintemal 
in Megälopoli fast Wunder sein solte, wenn nicht alle Tage der 
liebe Gott einen und den andern Menschen ex hoc ergastulo auß- 
spannte. Ferner: Nun sind es eben 12 Jahre, als ich in der 
Weltberühmten Stadt Leipzig 100 biblische Grabschriften heraulä- 
zugeben mich bereden ließ. 

Christoph Forsch, Predigers zu Zeier, Kaiserlichen Edlen Poetens^ 
Geistlicher Kirehhof, Bantzig 1687* 8^, Vorrede, 

I 1728. Mit offner Brust singt Eunda^ sauft und schreit: 

Auerbachs Keller 

„ Da muß denn der, der kaum die Stuben gemietet, sein drey 
oder vierfachig Purpurfarbenes Beuteleiu, so jhme Jungfrau Elßgen 
zu Hanse zu guter letzt zum Jahrraarckt gekauft, herfür suchen 
und wofern nicht sein Eopf quasi incus, wie jener beim Plauto 
redet, wol wil abgestösselt und abgedroschen werden, einen ausbün- 
digen Schmaus, da dann das Bundinella wol auf 40 in Chor ge- 
sungen wird, zum besten geben." 

^Schwermen, juchtzen und schreyen mit allen Stimmen. 
Es mangelt ihnen auch nicht an allerley artigen und be- 
quemen Sauff' Liedlein, damit sie sich weidlich hören lassen. 
Als da sind: Ich fuhr wohl übern Rhein, he, hein. Gün- 
stiger Herr und Freund usw. Nachbar, Gott geh euch einen 
guten Tag usw. Ein HJrsCh sprFng aFs deiM" BrFnnen usw. 
He sett den Berckenmeyer wol an sine Mund, der tolle Hund usw. 
Es fuhr, es fuhr ein Bauer ins Holz allde, allda mit seinen Röß- 
lein usw. Der Kuckuck auff dem Zaune usw. Was wollen wir 

Birlinger, Alemannia XI 1 ^ 



6i 

singen usw. Hänselein mein Brüderlein. Bacchus nobiscnm et cum 
suo dolio und was dergleichen Musicalische Stacken mehr seyn. 

Obgesetzte Gesänglein aber werden nun von einem jeden zu- 
gleich gesungen. Sonaten pfleget auch ein jeder am Tisch in ge- 
samieten Chor sein eignes Liedlein mit heller und klarer Stimme 
zu singen, welches dann so lieblich zu hören, daß einem wol die 
Ohren wehe thun (Altmayer: Baumwolle her! Der Kerl sprengt 
mir die Ohren), das Gesicht vergehen und das Leder darvon zer- 
bersten möchte.^ 

Des Zeit kürteenden Lust- und Spielhauses achtes Zimmer, da- 
rinnen der curiöse Künstler vorstellet das Zech-Becht usw, durch Blasium 
Mültibibium, one Jar; Kunstburg (c. Ende 17. Aufg. 18. Jhd.) &*. 
AhdrucJc: Oherhreyer 4. Aufl. S 12, 51. 

Auch in der Bibliothek der elenden Scribenten 1769 4. Stück 
S 21 stet das Wort : Nachdem die Beiden ihr Kriegslied gesungen 
haben, wird ein hartes Eunda herumgetrunken, die Gläser klirren 
usw. 

Der Name Runda, Rundinella ist der mitteldeutschen Heimat 
eigen, süddeutsch heißen die vierzeiligen Tanzliedlein, was Bunda 
auch ursprünglich bedeutet, Schnadahüpfl^ Vt bairisch, der eigent- 
lichen Heimat diser Liedergattung, von schnattern, schnell, Schlag 
auf Schlag singen, hiipfl = Tanz. Früher wurden sie nicht hinter 
dem Tische, sondern wärend des Tanzens gesungen. Alemannisch 
heißen sie JRappendiden, Rappentänzlein , also da üblich , wo die 
Münze „Rappe^^ galt, d. h. in der Schweiz und dem angrenzenden 
Schwarzwalde. Solche bestellte Tänze wurden den Musikanten 
besonders bezalt. Schelmenlieder heißen sie schwäbisch - alem. 
allgemein. Ich verweise auf unsere Ausgabe von des Knaben 
Wunderhorn II 321 ff., wo wir die ursprünglichen Texte herstell- 
ten, sie aus dem übel zusammengesezten Kinderbuche des alten 
Wunderhorns ansschiden, neue Lieder beifügten. 

I 2278 Mein Herr Magister Lobesan, 

In dem vierten Stücke der „Bibliothek der elenden Scriben- 
ten (London und Balle) 1769'' haben S 35 Ehren und Gedächt- 
niß-Lieder eine Stelle gefunden, worinn GM Klotz verhönt wird. 

Held aller Helden Lobesani 

Hör dieses kleine Liedlein an usw. 

Held aller Helden Löbesan, 

Das heist für wahr sehr viel gethan: 

Unwissend sein und dennoch schimpfn 

Ennstrichterlich die Nase rümpfn. 

Schlufistrofe: 

Schutz bist du elender Scribent'n; 
Ihr Glori' ist in deinen Händ'n. 
Deß werden wir herrlich Zeugniß han 
Held aller Helden Lobesani 



83 

I 2273 Den Hans Liederlich gibt Taylor mit „Jack Bake'' 
der bekannten Kogartscben Figur. 

I 3563 Da steigt ein Dampf, dort ziehen Schwaden 

Was der Schwad in den Bergwerkern sei, wissen unsere 
Bergleute nur allzuwol. Einen sothanen giftigen Dunst haben die 
Alten vor eine besondere Art der Dämonum gehalten, daher sie 
solche auch in die Bergwercke und tiefen Erdenbehältnisse ver- 
wießen 59. 

Francisd de Cordva Schrifft- und Vernunftmäßige Gedanken vom 
Schatzgraben usw, 1615, Hamburg 8^. 

Es hindert auch die hartigkeit des Erdreichs oder Bodens die 
Aufdemmung oder den Schwaden, der von vndenauß dem Erdreich 
herauff tringen thut, daß er mit seinen schwachen' Brünsten vnnd 
kleiner Wärme oben nicht durchdringen vnd zu den Wurtzlen 
kommen kann. 

Kalender von 1609, 

I 4055 Die Seelen der Verstorbenen als Vögel sih mein 
„Aus Schwaben'' I 282 ff. Anmerkung, wo ich eine erkleckliche 
Anzal Beispile brachte. 

I 527 ff. Zur Krystallseherei Alem. IX 71 — 84 vergleiche 
LAIWSloet over Twee Stukken geslepen Bergkristal Te Leiden. 
Overgedrukt uit de Verslagen en Mcdedeelingen der koninklijke 
Akademie van Wetenschapen , Afdeeling Letterkunde 2 de Beeks 
Deel XI 8« 12 SS. Ferner das Genovefa- Volksbuch: (Golo hatte 
Sigfrid eine Zauberin auf den Hals geschickt) „derentwegen, als 
sie den Herrn Grafen seines Verlangen allerdings entbrand ge- 
sehen, führet sie ihn, benebens den Golo an der Hand, in einen 
engen Keller unter der Erden, da kein anders Licht erschiene, als 
welches von zwo grün gefärbten Kerzen timper und schwebelblau 
herumglitzete. An diesem Ort, als die Zauberin mit dem Gipfel 
einer Ruthen, welches sie mit sich getragen, zween Greiß ausge- 
zircklet und in dem einen den Grafen, in dem andern den Golo 
zu Mittelpunkten gestellet, wirfet sie in ein Geschirr, das mit 
Wasser angefüllet bey Händen stunde, einen Spiegel und brummete 
darüber etliche Wort, vor deren beförchtlichen Gemurmel die 
Glieder zu erschaudern und die Haar wider die Berg sich aufzu- 
richten begnnten. Nach diesem drehete sie sich zum dritten mal 
rückwärts herum, und eben so oft kauchete sie über das Wasser. 
Welches, als es sich von dem Zittern gestillet und Marmel-glat 
geebnet, nahete sich aus Geheis der Zauberin der Graf hinzu, 
neiget das Haupt dreymäl Über das Geschirr und wirfet seine 
Augen auf den Spiegel, der darinnen läge. 

Was kommet ihm da zu Augen? Das erstemal wird er an- 
sichtig, wie seine Gemahlin, die Genovefa, mit dem Koch Sprach 
hielte , sich eines sehr freundlichen und lächlenden Angesichts 



84 

gegen ihme gebraachend. Das ander mal vermercket er, daß 
Oenovefa ihre Hand dem Koch in seine Haar, Wangen und Lippen 
mit liebkosenden Schmeichlen einlegete. Zum dritten mal ent- 
decket en sich beyderseits Yertreulichkeiten, welche nicht mehr be- 
stehen konnten mit der Erbarkeit. 

Erachte einer, mit was Toben Graf Sigfrid nach solchem An- 
blick seye heransgangen aus dieser kleinen Hölle! und was für 
Reden hat er nicht ausgestoßen! 165 ff. 

Als es nun dem liebreichen Gott gefallen, endlich an den 
Tag zu bringen die Tugend der einen , und den Fehler des an- 
dern, hat er aus gerechter Verhängnuß zugelassen, daß jene Hexen- 
meisterin gefänglich angehalten wurde, welche dem Grafen durch 
das lügenhafte Gesicht in dem Spiegel von der Genovefa vermein- 
ten Liebe gegen den Koch verblendet hatte, massen ich vor diesem 
erzehlet. 

Als nun diese Zauberin anderer Verbrechen halber beklaget 
(angeklagt), überzeuget und vernrtlet zu dem Feuer schon da 
stunde, angestricket an den Stock, mit welchem sie sollte ihre 
Aschen vermischen, ruffte sie noch und begehret, man wolte ihr 
vor ihrem Ende soviel Platz vergunnen, um etwas weniges vorzu- 
bringen. Darauf sie bekennet : Sigfridus der Graf wäre durch ihre 
Verblendung hinderführet, in Argdencken einer unbefindlichen Sund 
wider seine Gemahlin gebracht worden, daraus folgends gar der 
unschuldigen Gräfin Tod entsprungen wäre 337 ff.. 

Genovefa. Das ist: Wunderliches Leben und denckwürdige Ge- 
schichten der H. Genovefa^ Geborener Hertzogin aus Bräbant usw. Mit 
eingebrachten sitlichen Lehren und Ermahnungs Predigeti, ein recht christ- 
lich und Tugendsames Leben anzustellen, Beschrieben durch P. Michaelem 
Staudacher der Sodetät Jesu Priester, Superiorum Permissu, Erstlich 
gedruckt zu DiUingen 1660 kl, 8^, 

Weissagung geschieht bisweilen aber auch durch äusserliche 
Mittel, als Spiegel, Hörn, Crystallen, Ring oder sichtbarliche Bild- 
nus eines Geists in Hunds-, Rabens- oder auch Menscheiigestalt 7. 

Welche aber heimliche Verbünd nusseu mit dem leidigen Satan 
haben und dahero zar Bemäntelung ihrer Boßheit Göttliche, heilige 
Spruch, Namen, St. Johannis-Evangelium muß brauchen, Buch- 
staben, Bilderzeichen machen und andern anhängen, Waffen-Be- 
schwörer, Festmacher, Wahrsager, Zeichendeuter und andere Teufels- 
Künstler, Tagwähler, die durch Crystall wnd Spiegel sehen^ Todte 
fragen. Siebdrehen, Bilder, Siegel, Bänder, unbekannte Wort, Cha- 
rakteren usw. gebrauchen, werden als Zauberer in Sachsen mit 
dem Schwert hingerichtet. Die Crystallenseher und Weissager 
werden im Land zu Hessen am Leib und Leben ohne alle Barm- 
herzigheit abgestraft, desgleichen diejenige, welche sich solchen 
Dingen anhängig machen und zu den Wahrsagern und Grystallen- 
sehern lauffen und Rath bey ihnen suchen usw., sollen in Haft 



85 

gebracht und an Leib und Gut nach Gelegenheit der Verfahrung 
gestrafft werden. Hess. Ordnung und Reformation de anno 1572. 

Kirchgeßner's Tribunal Nemesis juste judieantis 1706 S 2^2. 

Sie (die Franzosen) Hessen sich vorher in einem Zauber- 
Spiegel alle verborgene Schätze von Geld, Gold und Silber- Ge- 
schmeid oder andern prätiosen Sachen (an was Orten selbige auch 
verborgen lägen) zeigen und kund machen, welche dann weder in 
den Wäldern oder Gräbern, wo sie solche zu suchen durch des 
Teuffels Anweisung vergewisset waren , vor ihnen nicht sicher 
lagen. 1639. 

Theophü V. Wahnmd 1691 S 53. ÄUm. X 77. 4. 

Dann wie viel Leut sind, die etwas durch Diebstal verliehren 
vnd haben die ganze Brust tmd Hände voll Crystallen vnd können 
doch nicht wissen, wohin das Ihrige gekommen S 15. 

Grünäl, Bericht Ant. Prätorii Lippiano Westphali von Zauberey 
und Zauberer. Frankfurt 1639 [Strßb.). 

So ists ihm (Satan) auch ein leichte Kunst, Leuten der- 
gleichen Gedancken vnd Phantasien beizubringen ohne gömelte Be- 
sitzung durch anhauchen, einbilden, enthusiast. Verzückung, durch 
Wasser, Glaß, CrystaMj Siebschauen und andere Schwartzkünstelei. 
S. 135. 

Dannhauwer Scheid u. Absagungbrief. Straßb. 1667. 

Ferner kann die Gesichtskunst durch sonderbar formierte 
oder gestellte Spiegel vil wunderliche Bildnussen und Gestalten 
darweisen, ja, bey etlichen hat es ein Ansehen, alß wann die Bild- 
nussen auß den Spiegeln heraußkommen und uns bekannte Per- 
sonen für Augen stelleten. 

Lavater, von Gespenstern 1670 8. 10. 

11 1219 Bovist, im Volksleben, mit Namen von Hexen und 
Teufel entlehnt: Hexenfurz, Teufelsfurz, allgem. alem. und schwä- 
bisch. Das dient zur richtigen Aufklärung. 

II 4. 401 A. Reumont, Saggi di storia e letteratura, Firenze 
1880 bei G. Barbera. Darin S 378—394 II monte di Venere 
in Italia. 

R. weist nach, wie die deutsche Sage vom Tannhäuser auf 
die Berge bei Nurcia, die Sibillenhöle und den Pilatussee über- 
tragen wurde, also auf die Orte, welche Göthe im 2. Teil des 
Faust zum Size des Necromanten macht, der zum Dank, daß der 
Kaiser in vom Feuertode rettete, Faust demselben zu Hülfe 
schickt. 

Die Notizen Göthes im Anhange des B. Gollini werden weiter 
ausgefürt, und aus dem von Eervyn v. Lettenhofe in den Bulle- 
tins de l'Academie royale de Belgique in dem Aufsaz : La derniere 
Sybille 1862 S 64—74 veröffentlichten Bericht des provencali- 
schen Ritters Antonio de la Säle von 1420 das auf den Besuch 
des Venusberges Bezügliche mitgeteilt, gleichfalls aus der „Pilger- 
fart des Ritters und kölnischen Patriciers, Arnold von Harf^, 



86 

welohe E. v. Groote 1860 in Köln veröffentlichte (8 37 und 38). 
Harf rümt sich , im Frühling 1497 einen Vennsberg bei Nocera 
(warscheinlich nur eine Verwechslang mit Nnrda) besacht zn 
haben. 

Incubtis, Succübus. 

Die Teufeln können nicht gebären, dieweil sie keinen natür- 
lichen Leib haben, ohne Adern, ohne natürlicher Hitze vnd fol- 
gendts ohne Samen vnd sie können kein Samen haben, dieweil sie 
Geister seindt. Nichtsdestoweniger können sie natürliche Mittelen 
(ge)braachen vnd sich veränderen in Weiberen und den Succubum 
spielen oder vnterligen vnter dem Mann vnd versamblen erst den 
Samen in den Leib der Franwen, darnach können sie an sich 
nehmen die Gestalt eines Manns vnd führen in einem Augenblick 
denselben Samen in die Mutter des Weibs, welche sie darnach be- 
kennen als incübus oder die vnterliegen, als wenn sie sich mit 
ihr vermischen, biß weilen gebähren, welches geschieht, wann der 
Samen in der natürlichen Hitze in seiner Zeit vnd Platze wol be- 
wahret wirdt. Aber obwohl die Incübi können gebähren, dannoch 
so können die SiACCÜbi oder die vnterligen nicht gebähren, dieweil 
sie nicht können wie die Frauen die Frucht in dem Leib ernähren, 
dieweil allda kein natürliche Mittel vorhanden seind. Das ist, 
das man sagt von Merlin^ das er solte gebohren sein von einem 
Incuho vnd von einer geistlichen Frauwen. 

Eine Äußfuhrliche Instruktion wie in Inqutsitionsaachen des grew- 
liehen Lasters der Zauherey gegen die Zaubere — zu procediren sei 
usw. durch Hinrichen von Schtdtheis, CöUn 1634. 

ABIRLINGER 



ZU DEN VOLKSBÜCHERN 

1 a) Drum darf Sie Hecktor nicht für Troja wiederliegen 

Die Widerspenstigkeit vnd Vntreu zu bekriegen. 
Ich spüre alle Treu, die der Eckart an sich 
Vormahlen hat gehabt: So eine habe ich 200. 
Von la—4a Queüe Älem. IX 10 unten. 

[b) Sol einer an sich selbst ein Vnglück erfaren, das wird 
jhme allzuschwer werden, sagt Polybins sehr weißlich. Dieses 
trewen Eckarts Warnung ist traun nit zu verachten. 

Von der newlichen erregten Frage: Oh man gehorchen soUe oder 
nichts wenn hohe Obrigkeit in Eeligionssachen gebeut? Durch Thomam 
Sigfridum. 1590, 4\ Gedruckt in Verlegg. Paul Brachfeldt o. 0.] 

2 Setze nur wie gedacht deine Brock-Axte an und folge 
wie die Herrn vom Schilde ihren Krebs als einen Tdugen Schneider 
immer hurtig nach 168. 



87 

3 Wie denn solcher Regel der Pfaffe von Kälenherg hat 
wollen nachkommen , nehmlich er solle ohne Weib gelebet und 
immer in s. Alter hinein mit jungen Mägdigen gehuret haben 198. 

4 Eiflenspiegel 

a) Das Stroh , darauf man geschlafen hat, soll man nicht 
verbrennen, sonst kann man nicht ruhen. 

Freilich ruht sichs übel, wenn man mit dem FrischUno 
scamnum decliniren muß, oder mit dem IM-enspiegel auf einer 
Feder zu liegen vorlieb und Willen nehmen soll. Traun, gedach- 
ter Frischlinus hetto gerne ein Stropodium oder Bund -Stroh ge- 
wünschet, wie er zu seiner Zeit, als er noch ein fahrender Schüler 
gewesen und ich weiß nicht, in was für einem Dorfe bei Helm- 
städt von den Bauern sehr schlecht accomodiret ward; in deme 
er seinen Eopff, Bücken vnd ganzen poetischen Leib auf dieBancke 
decliniren muste: doch hies es bei jhme gleichwohl frisch wieder 
frisch; mein Degen ist kein Flederwisch 6. 7. — Alle 4 Füße 
in die Höhe strecken wie das ausgeweidete oder extenderirete 
Pferd des Eulenspiegels, drinnen er, als in seinen 4 Pfählen sich 
präsentirte 19. 

b) Und soll Uülenspiegel seines Handwerkes nach ein Brillen- 
macher gewesen sein, der sich beklagt, seine Profession gelte nun- 
mehr gar nichts , seit der Zeit grosse Herren angefangen hätten, 
mehr durch die Fiüger als Augengläser zu sehen. Vgl. Manlius 
p. 455. Ernst Bilderhauß II S. 807. Taubmann ebendaher. 
Taubmanniana 106. 

Zu Lappenbergs US 89 ff. 264 ff. Aus denkwürdige Curwai' 
täten ed. M. Joh. MänrUing Frankf. Leipzig 1718 S 22. 

5 Faust 

Es werden auch etliche gottlose Menschen gefunden, so mann 
Schwartjshünsteler nennet, die ergeben sich dem TeufiPel dergestalt, 
daß ihnen der Teuffei etliche Jahre lang dienen vnnd alles, was 
jhr leichtfertigkeit begert, verschaffen muß, aber wann die Jahren 
vnnd Zeit verfloßen, so bringt der Teuffei sie erschröcklich vmbs 
Leben vnnd führet sie in abgrundt des Hellischen mit Pech vnd 
Schwefel allen bösen geistern vnd verdambten Menschen in Ewig- 
keit zubereidten Fewrs, darauß nimmer eynige Erlösung zu hoffen 
noch zu warten. 

Wie dem Joanni Fausto widerfaren, als derselbe dem Teuffei 
sich ergeben vnnd von ihm etliche Jar bedienet war, ist er nach 
ablauff der bestimbter abgeredeter zeit in seinem zimmer von dem 
Teuffei zerrissen, die Stücke des Leibs sein an die Wände ge- 
schlagen, das ganze Gemach oben, vnton vnd auf allen Seiten mit 
Blut, mit dem Gehirn vnd zerrissenen Fleisch des Fausti besprengt 
vnd eines grewliohen Absehens gewesen, der Teuffel hat für ab- 
lauff der bestimbter zeit dem Fausto das Leben nicht nemmen 



, \ 



88 

können, weil solches in der verbündtnnß nicht abgeredet war. 

S 31. 

Eine Äußfährliehe InsirtikHonj wie in Inguisitiansscushen des ffrew- 
liehen Lasters der Zaüberey gegen die Zaubere der Qüttliehen Majestät 
vnd der Christenheit Feinde ohn gefalir der Vnschtüdigen eu procediren 
usw. Durch Hinrichen von Schultheis, beyder Bechten Doctoren usw. 
In CöUn a. 1634 by Hinrieh Berchem usw, 

A BIRLINGER 



VOM SCHWARZEN TODE^) 

Wir haben es hier mit einer Zeit za tun, deren Plagen und 
Leiden längst geweißagt waren, in der nach Taulers Worten die 
Säulen der Welt beben sollten, in der alles drunter und drüber 
gehe. Mit dem Beginne des Jares 1348 namen die Judenver- 
folgungen in Südfrankreich iren Anfang, und damit gleichzeitig 
der schwarze Tod. Von Südfrankreich gieng es nach der Pro- 
vence, westwärts nach Catalonien und Arragonien, von da nach 
Savoyen, Burgund, Schweiz. Im Mai 1348 war der erste Juden- 
brand in Südfrankreich, auf Orund der sog. Brunnen Vergiftungen. 
Einige Monat, später wütet man gegen die Juden in Soloturn, 
Zofingen, Stuttgart, Augsburg, Landsberg, Memmingen, Lindau, 
Ulm, Eßh'ngen, Basel, Freiburg, Speier. Im Hornung 1349 haben 
wir die Judenverfolgungen in Straßbnrg, Schaffhansen, St. Gallen. 
Damit zusammen fällt der Geißlerzug vom Januar biß Oktober 
1349, wärend noch 1348 die Selbstgeißlung Bedürfnis viler tau- 
send Menschen war, um den Zorn Gottes abzuwenden, erstand eine 
zallose Gesellschaft, die sich öffentlich geißelnd vom Osten Deutsch- 
lands her herauf wälzte, eine Bußgesellschaft gegen die heran- 
brechende Pest. Am 1. März erreichten dise Fluten Böhmen, 
gleich nachher Dresden, Magdeburg, Lübeck, Wirzburg und den 
Mai 1349 Augsburg. 

Mitte Juni erscheinen die Geißler in Straßburg, Konstanz, 
Endo Juli sind sie schon in Flandern. Wie mit einem Schlage ver- 
schwinden sie in Folge einer römischen Bulle. Die Bulle datiert 
von 1349 Oct. 20. Ir Ansturm galt vorzüglich den Juden und 
dem Klerus. 

Ebenfalls 1348 wälzt sich der schwarze Tod vom schwarzen 
Meere biß zu den Säulen des Herkules, alle Südküsten Europas 
entlang, Dalmatien, Oberitalien, Südfrankreich usw. Ergriffen wer- 



1) Der schwarze Tod in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte 
des XIV Jahrhunderts von Dr. Bobert Honiger ^ Berlin. Chrosser^ Ver- 
lag, 188$. 



89 

den davon Kärnten, und Steiermark, 1349 das Herzogftam Oester- 
reich, Mahren, nachdem schon im Herbste 1348 Baiern und das 
Salzbnrgische berürt waren. In die Schweiz drang die Pest durch 
das Rouetal, so daß wir den schwarzen Tod von Westen über 
Frankreich nach Straßburg vom Juli biß 15. Oktober 1349 kom- 
men sehen. „Nu ist der dot kummen bitz gen Bern und Eernden, 
und in Oesterreich und har bitz in Elsaß." Closener, Geißler- 
predigt. Städtechr. 8, 117. Es fallen also Pest und Geißelfart 
in Straßbnrg, wie in Flandern, zusammen; man darf auch für 
Elsaß die Judenveiiblgungen und die Geißelfarten nicht als Folgen 
der Pest annemen, wie seit dem 15. Jarhundcrt üblich ist. Schon 
der Straßburger Geschichtschreiber Twinger von Königshofen ver- 
schiebt die Dinge, wärend sein Landsmann Closener die richtige 
Aufeinanderfolge kennt; denn er berichtet, mit andern stimmend, 
zuerst den Judenmord in Straßburg vom 14. Februar 1349. Dar- 
auf erzält er ausfürlich von der Geißelfart. 

Die Vergiftung der Brunnen, ja sogar der Luft und der 
ganzen Welt, wird, wie überall, auch im Elsaß den Juden zuge- 
schoben; allein es wurden schon frühe Stimmen laut, welche diß 
nur als vorgeschobenen Grund witterten und aussprachen. Nicht 
bloß eine Konstanzer Chronik, auch Königshofen meint, es wäre 
das Geld schuld, wegen dessen die Juden angeklagt und verbrannt 
wurden. Die Reihenfolge diser drei großen Erscheinungen wäre 
also: die Judenverfolgungen, Geißelfarten, Pest. Merkwürdig, daß 
gerade für jene Zeit die ganze Welt widerhallte von grausigen 
Naturerscheinungen: Erdbeben, Wasserfluten, die Schlangen und 
Kröten brachten, Heuschrecken schwärme, unerhörte Raubgier der 
Tiere, giffcige Nebel und Kometen, Feuerkugeln. Aber diser ganze 
Widerball rürt nur von den spätem Geschichtschreibern her. Den 
schwarzen Tod hat man erst in unserem Jarhundert wissenschaft- 
lich zu erklären versucht. Die historische Pathologie hat den kos- 
mischen Ursprung in einem unerhörten Aufrur der Elemente Über 
und unter der Erde, wie er in gleicher Ausdenung nie wider- 
gekert sein soll, gesehen. Man hat die Pest einem giftigen, dicken 
Nebel in die Schuhe geschoben. 

Diso Anname ist übrigens uralt. Das Aushauchen verpesteter 
Dünste, in Folge dessen Nebel und Krankheit, gehörten Lindwurm- 
Sagen an, wie denn auch diso mythischen Dinger nur in Mo- 
rästen und unbewältigten Sumpfwassern angesezt worden sind, 
was Uhland so schön ausfürte. Die historische Kritik muß alle 
diso Dinge in das Reich der Fabel verweisen. 

. Die heutige medizinische Wissenschaft konstatiert eine gewisse 
Gleichartigkeit in dem Wesen der sog. Infektions - Krankheiten. 
Die Krankheit selbst wird bei dem Individuum durch Aufname 
eigentümlicher giftiger Substanzen in den Organismus verursacht, 
welche noch nicht ganz ergründet sind und iren Ausgangspunkt 
in den Zersezungs-Herdeu organischer Stoffe haben, also in schmu- 



90 

zigen, stinkendei) Kammern, in Stadtteilen, wo Abfalle versohidener 
Gewerke hiDgeschüttet und nicht abgefürt werden, wie denn der 
Stadtteil „unter Eranen-Bäumen" in Köln das ganze Mittelalter 
hindurch den Infektions - Herd abgab. Allein unsers schwarzen 
Todes Geburtsstätte muß außerhalb Europa gesucht werden: im 
fernen Osten entwickelten sich nach Hirsch die Keime der Welt- 
seuche; durch Contagium hat sich dann die Krankheit über ire 
Ursprungsstätte hinaus verbreitet und, begünstigt durch 'eben ge- 
nannte Mistände des Mittelalters, so furchtbare und anhaltende 
Verherungen anrichten können. 

Der schwarze Tod hat sich außerhalb Europas vom Osten 
her über den westlichen Teil Asiens und über Europa und Afrika 
verbreitet. Wir werden in einigen nordwestlichen Gebieten Hin- 
dostans und speziell in den am südlichen Abhänge des Himalaya 
gelegenen Provinzen Garval und Kumarn die eigentliche Heimat 
der unter dem Namen des schwarzen Todes bekannt gewordenen 
Pestepidemien zu suchen haben (Hirsch). Es sind auch die Symp- 
tome bei der Pest im nördlichen Hindostan vor 50 Jaren genau 
dieselben gewesen, wie sie die. Berichte vom schwarzen Tode des 
Mittelalters bringen. 

Unmittelbar vor dem Eintritte des schwarzen Todes hatten 
die Städte sich in raschem Aufblühen entwickelt. Die Krankheit 
begegnete unzweifelhaft einem Höhepunkt der Bevölkerung. Das 
Proletariat muß rapid gewachsen sein; tausende von Menschen 
waren aufeinander gepfercht, dazu Städte mit Wall und Graben 
mit engen, winkeligen, ungepflasterten Straßen — alles das half 
zusammen die Pest zu befördern. 

Das Begräbniswesen lag ser im Argen. So schön auch das 
Bestreben ist, seine Toten mitten im Orte um die Kirche zu haben, 
nach der alten Ansicht, so förderlich war das der herumschleichen- 
den Pest, darum hat der weise Rat in Erfurt, Magdeburg, Wien 
schon im ausgehenden Mittelalter die Beerdigungen außerhalb der 
Mauern angeordnet. 

Mit dem Jare 1350 hat man bißher den schwarzen Tod für 
abgeschloßen angesehen und die großen Sterben bald nachher nicht 
mer dazu gerechnet, sondern sie als gewönliche Pesten one Lnngen- 
affektion, hervorgerufen durch überall verhaltenen Ansteckuugs- 
stof, der bei jeder günstigen Gelegenheit neuen Boden gewinnen 
konnte. Der ursprüngliche Charakter des schwarzen Todes erfärt 
allmählich Veränderung. 

Die LungenafiPektion wird immer seltener beobachtet; fast 
durchgängig erscheint in den spätem Epidemien die Seuche iu 
jener Teilform, in der sich der Krankheitoprozess nur einem der 
beiden Lokalisationsherde und zwar vorzugsweise den Lymphdrüsen 
zuwendet, und nähert sich somit immer mer der gewönlichen 
Beulenpest. 

Die, welche den schwarzen Tod noch beobachtet hatten. 



91 

mögen Aenlichkeit mit den spätem Seuchen heraasgefnnden haben. 
Leute späterer Zeit erkannten in iren Seuchen keinen Zusammen- 
hang mer mit dem schwarzen Tode. Mit 1356 hören wir schon 
wider von einem Sterben. Anno 1357 reicht die Krankheit von 
Brandenburg biß nach Baden und Baiern. Anno 1358 ist ganz 
Südwest-Deutschland angesteckt. Closener und Eönigshofen be- 
richten aus Straßburg, daß ein gemein „Sterben^ anno 1358 neue 
Opfer forderte, das kam von Niderland herauf, wärend der 
schwarze Tod vom Oberland herab kam. In den Jaren 1360 — 70 
kommt das „Sterben^ wider; Eönigshofen meldet Anno 1363: es 
sei ein großer „Sterbet" in dem Sommer zu Straßburg gewesen, 
so groß wie keiner vorher war. Er unterscheidet disen „Sterbet" 
ganz genau von dem sog. Bürzel und sagt, die Beulen-Krankheit 
hätte 2 Jare gedauert. Er erzält weiter von einem Kreuzgang 
zur Abwendung der Pest Anno 1398. Es habe dann etwas auf- 
gehört, fieng aber bald wider an und dauerte 8 Jare. Dise 
Krankheiten zeigen fast durchweg das Bild der gewönlichen orien- 
talischen Beulenpest. 

Merkwürdig ist, daß unmittelbar nach dem schwarzen Tode 
alles fröhlich aufzuleben und in allen Luxus sich zu stürzen be- 
gann: des Tanzens, Pfeifens, Singens war kein Ende; nur ver- 
einzelt ist dises Treiben, nicht verschiden von dem des 6. und 7. 
Jarhunderts in Konstantinopel wärend der furchtbaren Seuchen, 
wo die schamlosesten Orgien gefeiert wurden. Besonders müßen 
die Mode-Torheiten nach 1350 üppig ins Kraut geschoßen sein. 
Auf die politischen Verhältnisse scheint der schwarze Tod keinen 
besondern Einfluß geübt zu haben. Der Menschenverlnst muß ein 
ungeheurer gewesen sein, die Herden waren one Hirten, zur Zeit 
der Ernte gab es keine Schnitter. Die Arbeitslöne musten sich 
steigern und da haben wir denn in diser Zeit als merkwürdige 
Folge zu verzeichnen: Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und 
Arbeitnemern. Die schnelle Verraerung des Volkes nach dem 
schwarzen Tode ist festgestellt; auch die Bevölkerung Straßburgs 
in diser Zeit ist in rascher, aufsteigender Linie begriffen, daß, wie 
Schmoller sagt, eine üppige Kraft, ein außerordentlich frisches 
Leben in der Stadt pulsierte. Die Gewerbe-Industrie nam einen 
großartigen Aufschwung. 

ABIRLINGER 



92 



RINDVIH- und EOSSEZAUBEE ^) 

II 

1 Wawn einer Kuh die Milch genommen worden 

ZU End dieses Werckleins habe ich allhier diesen Fehler 
bey dem Rind- Vieh anführen und etwas gedencken wollen, weilen 
ihrer viele Leuthe den Glauben haben, wann ihr Eühlein die Milch 
etwan ans anderen Ursachen nicht recht gibt, es gleich vor eine 
Bezauberung gehalten wird. 

Andere haben zwar nur mehr als zu vit wahrscheinliches 
von disem, daß sie von gesundem Vieh wenig Milch oder gar keine 
gemolcken haben: Oder etwann noch melcken können, dieses ge- 
schiebet aber unbegreifflicher Weise, wann einer Kuh durch Be- 
zauberung die Milch genommen, und denen Hexen gegeben wird: 
Oder sie (wie man glaubet) selber können von einem Axt-Hälm, 
Knnckel, Graßtuch &c. heraus melcken , dieses ist aber auch eine 
dunckel- scheinen de und un ausgemachte Sach, wie ich oben bey der 
zauberischen Eranckheit gemeldet habe, doch ist zu vermutben, 
daß der Teuffei durch die Geister denen Kühen die Milch nehmen 
lasse, nnd selbe durch die Lufi% biß an den Ort, da sie die Hexe 
hin haben will, führen lasse, wann also dann dieselbe an dem Axt- 
Halm, Kunckel, Graßtuch &c. streichet oder milcket, so kan der 
Teuffei (als der Fürst der Welt, GOtt behüte einen jeden frommen 
Christen vor ihm und seinem Werckzeug) es verfügen und die 
Milch unsichtbar in den Kübel giessen, daß die Hexe vermeint, 
die Milch fliesse durch den Axt-Halm, Kunckel, Graßtuch &c. also 
ist dasselbe mehr vor ein Eingiesseo, als vor das Melcken selbsten 
zu halten, und könte ich dann ein ausführlich Exempel beyfügen, 
wann ich Weitl&ufigkeit nicht vermeyden wolte , wie der Teuffei 
manchsmal die Hexen blindet, doch etwas weniges darvon zu ge- 
dencken. 

Als sich nun in einer gewissen Stadt (dessen Meldung ich 
billich übergehe) sich begeben hatte, daß von solchen hingerichte- 
ten und verbrunten Hexen -Leuthen seynd 2 Kinder, nemlich ein 
Bub und ein Mägdlein von ungefehr 10 Jahren, hinterlassen wor- 
den, welche das Hexenwerck auch schon gekönnt haben, hat man 
diese in ein gewiß Hauß gethan, da man den Gottesdienst 5ffters 
besuchet, in dero Meynung, dieselbe wieder von diesem abzuleiten 
nnd selbe wieder auf Christliche Gedancken und gottseliges Leben 
zu bringen. Welches auch damal an ihnen nicht ermangelt wor- 



1) Alemannia V 57—61, Am dem Pferd- oder Roß-Arzneibuch 
von Jdh. Deigentesch, Kleemeister von Balingen 1716. JcL 8 . Neue Aufl. 
1790 Tüb. Cotta. 



93 

den, daß sie von diesem Hexen-Leben nach jeder gehaltenen Pre- 
digt seynd abgewarnet, hergegen zum guten vermahnet worden, 
als sich nun der Bub zu einem bessern Leben einsmal resolviret 
hatte, so hat sich doch das M&gdlein unter ob vermeldten Ver- 
mahnen nach dem Gottesdienst mit einem Verlachen dieses ver- 
spAhren lassen, da es unter anderem gefraget worden, was es lache, 
hat es zur Antwort gegeben, der Teuffei seye dieselbe Nacht zu 
ihnen auf den Schelmen-Wasen gekommen in einem grAnen Kleid 
als ein Jäger, und habe derselbe ihnen allerley silberne Schnßlen 
und Becher vorgestellt, daraus sie getruncken und gegessen haben, 
wie er aber seye wieder fort gewest, seyen es lauter Roß-HAeff 
und Roß- Köpff gewesen. 

Weilen also bey ihnen nichts gutes hat fruchten wollen, 
seynd sie hernach in die Welt nach einem besseren Leben ge- 
schicket worden. 

Wann sich dann nun dieses ereignet, daß ein Kuh die Milch 
nicht recht gibet. 

So nehme die Milch das die Kuh noch gibt, thue sie in 
einer Pfannen über das Feuer, und thue 1 Hand voll Saltz und 
eine halbe Hand voll Kamin-Ruß darein, und laß sie 3 mal auf- 
wallen. 

Hernach 15sche ein paar glAende Sichlen darinn ab, thue die 
Milch alsdann hernach in eine* Schweins-Blatter, und hencke sie 
in den Rauch in das Kamin: Oder 

Schütte die Milch in einen Schweins-Trog und peitsche sie 
wol mit einem Hagendorn: Oder 

SchAtte der Kuh 3 Morgen von der Milch ein, und gib ihr 
Gundel-Reben zu fressen: Oder 

Siehe daß du das Wasser bekommest von der Kuh, thue 
selbes in einen Hafen, k leibe einen Deckel darauf, stelle solchen 
Aber das Feuer, und laß den Harn gantz einsieden, mache aber 
das Hauß zu, daß niemand hinein kan : Oder 

Brenn der Kuh dein Zeich -Eisen auf die Nasen und Stirn, 
und gib der Kuh einen andern Nahmen. 

W&re aber einer Kuh das Schmaltz genommen worden, so 
nehme das abgenommene das die Kuh noch gibt, thue es in das 
Butter- Faß, Morgens frAhe an einem Freytag, hernach gehe un- 
beschryen zu einem Pflug, nimm das Sech davon, mache es glAend, 
and lösche es 3mal in dem Butter-Faß ab , alsdann thue das 
Sech wieder unbeschryen an sein Ort, und brAhe die Milch-Häfen, 
MelckkAbel und Butter-Faß wol auß. 

2 Tor geschwollene Eiter. Lasse der Kuh ein Weibs-Bild 
mit dem lezten Teil des Rockes über das geschwollene Eiter fahren, 
80 wird die Geschwulst nachlassen, wann sie noch nicht über Hand 
genommen hat 197. 

3 Zauberische Kranckheit der Roß, Das Roß dann und 
wann nicht beizaubert, oder wie man zu reden pflegt von bösen 



d4 

Leaten angegriffen werden, das ist nicht zu beneinen, sondern viel 
mehr zu bejahen, indeme mancher schon darch diese Leichtfertig- 
keit um seine Rößlein gekommen , and dardurch in Armuth ge- 
setzet worden. 

Allein wie und auff was Art und Weiß solches zugehe, ist 
selbiges eine dunckelscheinend und dermalen noch ein ausgemachte 
Sache und unbegreifflich Ding, dieweilen der Fürst der Welt, nem- 
lich der Teuffei, (GOtt behüte einem jeden vor ihm und seinen 
Anhang, und Werekzeug zu dieser Xranckheit) der Meister in der 
Sache ist, wie man Exempel hat, daß wann solche leichtfertige 
Leute ander Leut Roß nicht haben zu k5nnen, sie der Teuffel ge- 
zwungen hat, sie ihnen Selbsten ihr Roß zu bezaubern, und hat 
man solcher Exempel noch mehr, welches aber ich einem jeden 
zu seinem Bedencken will überlassen haben. 

So viel aber Exempel oder wahrscheinliches von diesem vor- 
handen, so vielmehr gehet abergläubisches bey selben vor, und 
betrieget sich mancher in seiner Einbildung, wann er nur etwas 
weniges an seinem Roß das diesem gleichet wahrnimmt, so muß 
es gleich bezaubert sein. 

Es gibt auch Roß-Aertzte (den unschuldigen aber nicht ge- 
meynt) die gleich wider ihr besser Wissen und Gewissen, wann 
ein Roß nur nicht recht frißt, vor bezaubert halten. 

Damit aber die Kranckheit desto eher möchte erkannt wer- 
den, will ich etliche Kennzeichen allhier bey bringen. 

Wann ein Roß bezaubert worden, so stehet es gemeiniglich 
traurig, hängt den Kopf in die Krippen, schwitzet jederzeit, wann 
es auch starck an ihnen ist , fallen sie gar nieder und beheben . 
sich erb&rmlich. Jagt man sie aber auff, k&nnen sie die Füsse 
nicht wol fortbringen , endlich gestehet ihnen der Kieffer, und 
führen allerdings einen Wandel, wie oben den der Hirsch Kranck- 
heit beschrieben, und ist selbes und dieses schwerlich von ein- 
ander zu unterscheiden. 

Grabe an einem Freytag Morgens vor der Sonnen- Aufgang 
Baldrian- Wurtz , und Bey fuß -Wurtz , zerschneide es klein, thue 
darzn zu 2 Loth. 

Wer das Kraut Molo hat, der hat ein gewisses Mittel zum 
Räuchern, wieder die Zauberey. 

Es ist sonsten dieses auch ein gutes Mittel 
Nim 5 Finger-Kraut 
St. Job. Kraut 
Beyfuß 

Durant, jedes 1 quint 
Geschahen Menschen Bein 2 quint. 
alles unter einander zu Pulver gemacht, thue es in ein Schoppen 
Wasser und 2 Gläßle voll Eßig, hoffiere s. v. daran, und schütte 
es dem Roß ein: In die Ohren schütte ihm mit Wasser präparirt 



95 

Einhorn. Es kan anch so viel als obiges Pulver dem Kofi auf 
die rechte Seiten unter dem Kamm angehencket werden. 

Die Zauberey aber in einem Stall zu verhüten, ist dieses 
approbiret worden. Nemlich man solle s. v. den Mist an dem 
Mittwoch und Freytag in dem Stall liegen lassen wie er ligt, und 
selben nicht misten. 

Was sonsten vor Sympathie Mali£tz - Sachen, Aberglauben, 
und anders mehr gebraucht werden, übergehe ich billich. Damit 
ich mir nicht einen Verhaß Aber den Halß ziehe, und beschliesse 
demnach die inwendige Kranckheiten , und wende mich zu den 
äusserlichen Mängel und Guren der Rossen. 

4 Es ist auch das ein approbirtes Mittel, wenn man ein 
Hembd nimmt von einer Weibs Person, die ihr menses hat gehabt, 
selbiges auswaschet und drey Morgen nach einander ein halbe Maß 
einschüttet: Oder das Roß von solchem Wasser trincken lasse (in 
gewissen Rehe-Krankheiten) 53. 

Darmgicht der Boß, Ich weiß auch, ' daß man mit sympa- 
tische Mitteln helfen kann, allein weil man der natürlichen Mittel 
genug hat, will ich die Sympati übergehen, doch das melden, wer 
ein Bindschnur haben kann, wann ein armer Sünder gerichtet 
worden und selbe man einem Roß umb den Leib bindet, so wird 
das Darmgicht ohnfehlbar nachlassen 41. AB 



FINDLINGE 

1 Gallus Ohaim Friz Jacob von Anwyl und Gallus Ohainij 
Kaplau in der Reichenau, Verordnete des Bischofs von Konstanz 
und Abt Martin in der Reichenau tun einen Kompromißspruch 
zwischen Johann Bridler, Leutpriester und einer Gemeinde zu 
Müllheim und Hans Rüdler, »Leutpriester und einer Gemeinde zu 
Hüttlingen. Müllheim behauptet, daß ire Pfarrei die Mutter sei 
und fordert von Hüttlingen Abtrag pfarrhorrlicher Rechte. Er- 
kannt: järlich auf Martini fl. 3 für alle Ansprache. Im Namen 
Galltis Ohaims sigelt Jakob von Klingenberg, Domherr, c^ post 
Judica 1505. 6. Winz, Akten der Stadt Stein a. Rh. 

Zu Alemannia IX 274. Mitteilung Joh. Meyers, 

2 Rollenhagen hat im Froschmäuseier dem Homer treulich 
nachtrompetet (feit in DW VII 2 Sp. 210); Klopstock und Bo- 
demer desgleichen; Zachariä und Utz dem Boileau und Popen und 
unzählige andre, die noch keinen reinen Ton in die Heldentrom- 
pete blasen können, aber dennoch kühner hineinstoßen als ein 
Trompeter, der zum erstenmal Sturm bläst. Ich will diese nicht 



96 

nicht nennen, sonst könnte ich unter Naumanns und Schönaichs 
Anführung ein Heer vor die Critic bringen, das selbst mehr Schläge 
bekäme, als die Schwaben hey Lticca^). 

Scherze I Teil, Heimst, u. Leigz. 1762 S 250. Vgl, Es wird 
dir glücken wie den Schwaben bei Lücken Körte Sprichw. 393, Ein 
VolühücJüein von L Auerbacher ed, J Sarreiter , Leipzig Beclam 

II n. 231. 

3 Prinz Ludwig im Prinz-Eugeniiisliede ist nach den 2 äl- 
testen Lebensbeschreibungen des Savoyers dessen älterer Bruder. 
Das Volkslied wirft Ereignisse zusammen, die oft weit von ein- 
ander abiigen. Ich teile hier aus der ältesten Vita Eugens (1721) 
den Tod Prinz Ludwigs mit. 

1683 Worauf der Aufbruch von der Insel Schutt .geschähe, 
und sich die Kay serliche Armee unfern Raab längs der Donau 
lagerte. Da im Gegentheil die Türkische Armee unter dem Groß- 
Vezier zu Stuhl weißenburg angelanget, welche nicht länger, wegen 
Ermangelung der nöthigen Lebens-Mittel , allda stehen bleiben 
kunte, sondern bald den Aufbruch machen, und ihren weitern 
Marsch nach Ungarn nehmen muste. 

So bald sie nun in der Gegend derVestung Raab zu stehen 
gekommen, schlugen sie alda ir Lager, und stelleten sich, als 
wenn sie die Kayserl. Armee angreifen weiten, nach deren Be- 
siegung diese importante Vestung ihnen desto leichter in die Hände 
fallen würd. Allein es entdekte sich bald darauf ihr verborgenes 
Absehen , daß sie nemlich in die Kayserl. Lande einbrechen, und 
die Kayserl. Haupt- und Residenz- Stadt W"ien belägern wolten. 
Wie ihnen nun das erstere durch Verrätherei des Grafen Budiani 
gelungen, da sie alle Orte, wo sie hin kamen, mit Feuer und 
Schwerdt verheereten; so suchte jedoch der commandirende Herzog 
das leztere zu hintertreiben, ließ den 4 Julii die Infanterire schleu- 
nigst auf die Insul Schutt öbersezen, und so dann an der andern 
Seiten der Donau, gegen Wien marschiren, welcher er selbst mit 
der Cavallerie bald darauf nachfolgte, nachdem er geschwind durch 
den Morast mit selbiger gedrungen. Der Feind sezte ihnen nach, 
und fiel den linken Flügel bey Petronel an, brachte selbigen auch 
ziemlich in Unordnung, der tapfere Prinz Louis aber kam eben 
mit einigen Regimentern darzu, welcher sodann die Türken wieder 
zuruk getrieben. Doch gieng es nicht ohne Schaden ab, indem 
ein Theil der Bagage geplündert, und einige hundert Mann zu 
Grunde gerichtet worden, unter welchen unsers Durchlauchtigsten 
Prinzens Herr Bruder Ludewig Julius höchlich zu bedauren, wel- 
cher, durch sein verwundetes Pferd, einen sehr gefährlichen Stoß 
mit dem Sattel-Knopf bekam, daß er fallen, und, nach wenig 
Tagen, sein Heroisches Leben zu Wien, mit dem Tode verwechßlen 



\) Bei ÄUenburg 1307, in der König Älbrecht gegen Friedrich 
den Gebissenen mit seinen südd. Truppen unterlag. 



97 

mAssen. Es kante zwar dieser Fall anserm Eugenio nicht anders, 
als sehr schmerzlich seyn, doch war vielleicht der Himmels-Schluß 
ihm zu gut also eingerichtet, damit er die Gnade hey dem Kayser 
und den Ruhm, den er sonst etwa mit seinem Bruder hätte theilen 
mAssen, künfiftighin allein besizen möchte. 

4 Mn böses Weib. Bey Löwen, Tieger-Thier, bey Bären, 

Wölff und Drachen 
Bey Hydren, Grocodil und bey Gerasten Brut, 
Ean man vergnügter noch und ohne Sorgen lachen, 
Als wann man leben muß bey böser Weiber Wuth; 
Dann ihre Raserei ist doch nicht auszusagen, 
Weil sie den Teufel selbst dort auf dem Lech-Feld jagen. 

Chr. Bosinä Spitzlin. Poetische Ergötzungsstunden. Äugsb, 1731 
8 194 ff. Unsere Künstlerin und Dichterin gehört der Brockes^sdhen 
Schtde an\ B gibt auch ein Vorcarmen dazu. 

5 Nichts ist abgeschmackter, als ehrwürdige, gebräuchliche 

Titel von unbedeutenden Menschen usurpirt. Der Kanzler {Stadt- 

Schreiber) in Frankreich und in Bopfingen, Magnifizenzen sans 

aucune magnificence. 

Helfrich Feter Sturz „ Üd>€r TiteV, Schriften, 2te Sammlung Leip- 
zig 1782 S 341. 

6 Ein Jüngling, der sein Lieb durch den Tod verloren, 
wallt am Stein vorüber, der sie deckt, er wird düsterer, trüber, 
sein Schmerz wird neu geweckt, in findet oft die Röte des 
Morgens noch am Grab, wo er des Abends späte dem Kumber 
Narung gab! Dann kommt folgende Strofe: 

So starb einst auf dem Grabe 

Ein Thor, der Siegwart hies, 

I}r wa/r ewa/r nur em Schwabe, 

Doch ist die Sach' gewiss 

Auch Schwabenknaben lieben 

Die Mädchen, Euss und Wein, 

Wo steht es doch geschrieben? 

Mir fällt es jezt nicht ein! 

Gedichte meistens der Liebe geweiht von J Friedrich Wenz, 
Frankenthal, gedruckt bey Jakob Christian Kolb o. J. {Nach der Vor- 
rede 1800 im Sommer) 8 14. Weiter unten 81 heißt es: 

schweige, sprach er. Lasest Du 

VieUeicht den Siegwart- Werther ? 

Und wähnst Du, daß Bomanenruh 

Die Liebe sey? 

7 Weidmannssprache, Wie viele Förster auf dem Lande 
haben sich noch die Mühe gegeben, auch Naturkunde zu studieren 
and ein gescheutes Buch zu lesen? Sie begnügen sich oft damit, 
daß sie ihre Unwissenheit hinter der dunkeln Weidmannssprache 
verstecken, die wahrhaftig vberflv&ig wnd ga/ne wnbraiichbar ist. 

H Sander über Natur und Bdigion 2. T. Carlsruhe 1786 8 74. 

Birlinger, Alemannia XI 3 7 



98 

8 KL von Knebels Bemerkung über Strafiburg 

Knebd wollte in Weimar Wieland kennen lernen und hielt 
sich 14 Tage daselbst auf. Bald nach seiner Abreise zum Vater 
in Nürnberg erhielt er vom Weimarischen Minister von Fritscb 
im Namen der Herzogin Amalie eine Einladung, wider nach 
Weimar zu kommen und die Erzieherstelle beim Bruder des Erb- 
prinzen zu übernemen. Es geschah auf einen Empfelungsbrief 
vom Kronprinzen von Preußen hin; Knebel diente ja die lezten 
10 Jare in Potsdam. Juli 1774 wird K. Hauptmann, militäri- 
scher Erzieher des Prinzen Gonstantin.- Alsbald, Dezember, ward 
die Reise nach Frankreich angetreten, Karl August war auch da- 
bei. Der Weg fürte über Frankfurt, wo K. Göthe vorgestellt 
ward, und Karlsruhe. Was jezt folgt, ist einer Skizze Knebels 
entnommen. — „Es ging nun weiter nach Strafiburg ^ um den 
deutschen Bären, wie die Franzosen sagen, etwas ablecken zu lassen. 
Es gefiel mir nicht sonderlich da. Das Zwitterwesen, die Nach- 
äfifung französischer Sitten und Art, denen doch immer etwas vom 
Schwanz nachhängt, erbauten mich eben nicht sehr; den Grafen 
6örz aber destomehr, der noch einige altdeutsche ritterliche Fa- 
milien vorfand. Ich sah und bewunderte nur den Münster, wo 
ich Gothas Namen oben angeschrieben fand und besuchte das 
Monument des Gomte de Saxe. In Madame Schweizinger fand ich 
eine treffliche Frau. Wir speisten auch beim Gouverneur, wo es 
mir gefiel. — Nun nach Paris ! wo ich mich wieder etwas erholte, 
weil es weniger französisch war, als in Straßburg usw." 

9 Ein ring mit seinen dorn 
drey rosseysen ausserkorn 

Ein zime'raxt mit der sex krieg zal — 
Da verviel Basel vberal. 

Hs, 8^ geschriben Mitte 16, sec. viUeicht von Johannes Schweyckofef, 
Abt in Neresheim, JDa und dort noch spätere Einträge. 

10 Der Herliche schöne Tempel vnd die Statt wurden in 
grundt verbrandt vnd zu einer lautern Todtengruob gemacht; ein 
solch erschröcklich eudt hat das Jüdische Priesterthum vnd Herr- 
schaft genommen vnd ist dise Zerstörung Jerusalem nichts auders, 
denn ein Figur des Bömischen Beichs Teuischer Nation; wo wir 
nicht rechtschaffne Buoß thuon vnd würcken werden, so wirdts vns 
nicht anders, denn wie den halßstarrigen Juden ergangen ist, auch 
ergehn werden von wegen unser Sünden. 

Practica fHi/r 1568 v. Georg Vrainus, Dem Bürgermeister u. Bat 
V. Wangen in Ällgäu gewidmet, 

11 Zur Bheinfall'Litteratur. 1) Reime der Muse von FFein- 
ängle 1842 8^ one Ort des Druckes 98 SS. Am BheinfaU den 
18. Juli 1839, 11 Strofen vierzelig. Probe^ die zwei ersten Strofen : 



99 

Es rauscht das Lied — nicbt sanfter Saitenton 
Kann hier der tiefbewegten Brust entschweben; 
Der Sänger liegt gebeugt an Gottes Thron, 
Den Blick dem Elemente preisgegeben. 

Hier zeigt sich des Altvaters Herrlichkeit, 

Voll hoher Pracht im Wilden Wogensturme; 

Es führet Fels und Wasser schweren Streit 

Und beugt den Menschen nieder gleich dem Wurme. 

2) Empfindsamkeiten am Rheinfall, MaUhissons Ged,, Wiener Aus- 
gäbe 1815 n 223. 

8) Poetische Yersache von A Scherr, Gmünd 1835^ zu haben hei dem 
Verfaßer 217. 28. 

12 ^n Sprichwort. Aus des Sulzer Geistlichen Salomon 
Schweigger Reise nach Eonstantinopel 17. sec. nam ich in meinem 
„So sprechen die Schwaben*' S41: 

Ja wol gerennt und geretten 
Na ein Lacken mit vier Bretten 
pflegte jener Mezger zu sagen. 

Diß nidersächsische Sprichwort, das Paulis Postilla, Magdeb. 
1572 zuerst anfnrte, muß früher allgemein in Deutschland bekannt 
gewesen sein. Die Oeconomische Fama, Frkf. u. Leipzig, Conradi 
1733 X Stück handelt von der Schola Textoria Nova durch Daniel 
Erüger. S 8 fiP. heißt es: Wird ein Mensch geboren, so muß 
Leinwand da seyn; Will man sich im Leben reinlich halten und 
für Lause bewahren, so muß Leinwand da sein; Stirbet man, so 
wird der Leib in Leinwand eingehüllet und gehet offce, wie jener 
Schlächter zu Rostock, da er sterben solte, sagte: 

Dat hett gerennt und gereden 

Nachm Lacken und vier Breden. AB 



AUS EINEM RECEPTHEPTE 
XVII JARHÜNDERT 

SPRÜCHE 

Nehmt dies Brieflein hin von mir als einem Freund, 
Der es von Hertzen gath und redlich mit euch meint. 

Ich bin willig und bereit 
Dir zu dienen alle zeit. 

Schönstes Hertz mir hat vor allen 
Deine Trey am besten gfallen. 



100 

Ich lieb dich herczlich in der Stil 
Ich denkh oft was und sag nicht viel. 

Lieben in der Still 

Ist unser Wunsch und Will. 

Einsam und allein 
Soll meine Liebe sein. 

Mein Hoflhung ist groß 
Mein Lieb noch viel grösser 
Mein Mund der meints guth 
Mein Hertz noch viel besser. 

Nim hin mein Hertz zu dir 
Gieb mir daß dein dafür. 



ABERGLAUBEN 

Vor das Podagra Eines Enabens frisch abgeschnittne Hare in 
des Knaben nichteren Urin genetzet und auf den schmerzhaften ort 
gelegt. 

Zum Gesicht Die gedörrten Krappen Äugen an Hals gehangen, 
Tag und Nacht jederzeit getragen, erhalten dem Menschen nicht allein 
daß Gesichty sonder sterket auch das blöde Gesicht und wenden alle 
gebrechen der äugen ab. 

So jemanden von einer gewissenloßen Metz die Liehe in Speiß 
oder Trank zugebracht, der trinke ein glaß voll Frauen milch aus, so 
ist es geschehen. 

Vor Zähnweh Schreib des Patienten vollkommenen Namen auf 
einen Zedel, die folgende Buchstaben darunter 

W H W B E 
r u H H SS 
W E J H C B 

um einen Zweck ^) gewickelt in eine Schwell under dem Dachtrauff ge- 
gen der Sonnenaufgang, ein Loch gebort, auff 3 Straich hineinge- 
schlagen, morgens früh ungebrafflet. A BIRLINGER 



Höleerner Nagd. SchmeUer IP 1172. 



101 



MALEFIZ GERICHT UND ORDNUNG 

wie eß zu Hoß Kirch zerschiden vorgenommen wordten biß ad 

annum 1688 

Ordnung Was Gestalten ein Malefiz Gericht in der Herr- 
schaft Eönigsegg anzustellen. 1688. 

Malefig Gericht wie solches Mittwoch den 28 January 1688 über 
Tommas Zoller von Eötlherg gehalten worden. 

Erstlich solle morgens umb 6 oder 7 Uhr von Ambtman, 
Stabhalter, Richter und gerichtsschöfifen ein Heyl. Meß gehört 
werden. 

Nach welcher man in gueter Ordnung, ie zwey und zwey^ in 
die gerichtsstuben geht und alda sich in Ordnung sezt. Darauf 
legt der Stabhalter dem Ambtman das blose schwerdt und Staab 
für, darnach thuet der Ambtman eine Redt vnd nach solcher fragt 
Er den Stabhalter mit folgenden Worten 

Stabhalter, ich frage Euch hiemit auf den aydt, ob dieses 
gericht, zu Peinlicher Rechtsfertigung, mit genugsammen vnd Ehr- 
lichen Richtern aniez Recht und Wohl besezt seye? 

Stabhalter antwortet 

Hochgeb. Herr obervogt, auff desselben Befragen Erkenne ich 
bei meinem aydt, den ich Ihro Hochgräffl. Exe. meinem gdgst. 
Grafifen und Herrn geschworen hab, daß dieses Gericht zu Peinlicher 
Rechtsfertigung mit genugsamben tauglichen Richtern besezt ist, 
und wan auch schon 1, 2, 3 oder 4 Richter abgiengen, welches 
doch nit ist, so erkennete ich doch, das nichts desto weniger mit 
diesem Peinlichen Gerichts Tag furgefahren werden kdndte. 

Stäbhalter fragt den ältisten Richter 

NN Ich frage Eich bey dem aydt, den Ihr Hochgeb. Ihro 
Hochgräffl. Exe. Ynserem gdst. Gra£Pen und Herrn geschworen habt, 
ob dieses Gericht, zu Peinlicher Rechtsfertigung, mit genügsamen und 
Ehrlichen Persohnen aniezo recht und wohl besezt sey. 

Der antwortet beschaidenlich vnd sagt * 

H. Stabhalter, auff befragen, Erkenne ich bey meinem aydt, 
das dises Gericht zu Peinlicher Rechtsfertigung, mit genuegsamen 
persohnen recht und wol besezt ist. 

Stahhalter fragt alle 

NN Ich frage Euch auch rechtens hinumben an. 

Antwort 

Ich erkenne es auch also bey meinem aydt. 



102 

Wan die Vmfrag hemmb, so spricht Stabhalter zu den H 
Beamten 

Hochgeb. Herr Ober Vogt, Weilen nun die Umbfrag herumb 
vnd von sammentlichen Richteren Erkennet worden, daß dises Gericht 
am Peinlicher Rechtsfertigung mit genugsamben und Tauglichen 
Richtern besezt sey, Alß will ich hieriber von demselben ferneren 
befelch vememmen, waß ich dises angesteUten Peinlichen Gerichts 
Tags halber weitres zu thuen oder zu lassen. 

Hierau£P übergibt der Herr Beambte dem Stabhalter das 
Schwerdt und den Staab, ohngefahr mit folgenden Worten: 

Anß gdg. Befelch deß hochgeborenen H H (tit. tit.) Vnsers 
allerseits gdgen graffen vnd herm übergibe ich Euch Stabhalter hie- 
mit das Schwerdt, Staab und Gewalt» das Ihr heitiges Tags die 
Klagen und Verantwortung, so wider und für (Tomma Zoller) er- 
gehen werden, wol mögen anhören vnd sambt andere hiebey sizenden 
mitrichtern über dessen Leib, gueth und blueth nach Ordnung 
Eayser Carl dies fänfften des nahmens Richten und Urtheilen 
sollen. 

Stäbhalter antwortet vnd nimbt zuvor das Schwerdt vnd 
Staab von im ahn 

Wohl Edler vnd Hochgelehrter, grg. hochgeEhrter Herr 
ober Vogt, Waß derselbe mir im nahmen Ihro Hochgrf. Exe. meines 
gdg.Orafifen und herren anbefohlen, das neben denen samentlichen 
Yrtelsprechern auff die Klag und antworth, so wider und für 
Toman Zoller angebracht werden möchte, Heutiges Tagß Urtheilen 
und Ergehen lassen wolle, wohin mich meine Pflicht und aydt, 
auch daß Kays. Recht anweisen, deme will ich getreulich nach- 
kommen. 

StäbhaUer legt das schwerdt vnd Stab für Uch auf^^den Tisch 
nider, und redt die samentliche Richter ohngefahr also an 

Ihr Richter und Vrtlsprecher , Ihr werdet aus [des]|H Ober 
Vogts gethanem vertrag vernommen haben, aus was Vrsach ihr 
allbero beruffen und Erschinen seindt. Weilen es nun einelhoch- 
wichtige sach ahnbetrefifen Thuet, als will ich gegen Euch die Er- 
innerung Thuen, daß ihr bey disem ange8tellten9Peinlichen|Rechts- 
Tag Eurer Pflicht vnd aydt wohl in acht nehmet, auch Euch 
darbey dergestalten verhalten vnd bezeygen woUet, wie es Ehrlichen 
Richtern und Vrtlsprechern wohl anstehet und Tgebühret, abson- 
derlich aber sollet ihr über die Jenige Klag und antworth , so 
bey disem Peinlichen Rechtstag angebracht werden möchte, Ewer 
fleissiges auflmerkhen haben, auch dariberhin nach den göttlichen 
und weltlichen Rechten, absonderlich Eayser Karl des fünflten 
Peinlicher Halsgerichtsordnung nach, antworthen, Vrtheilen und 
sprechen, wie Ihr solches gegen Gott vnd der Ehrbaren Welt Euch 
zuuerantworten getrauet. 



103 

Hieriber gibt einer antworth, der am besten beredt ist, ohn- 
gefahr also 

H Stabhalter, Wür haben yernommen, was derselbe Yns 
samentlichen Richtern dieses angestellten Peinlichen Hechts Tags 
halber vorgehalten vnd erinnert, werden dariber hin nit ermanglen, 
vns darbey solcher gestalt zu erzeigen und zueuerhalten, wohin 
vns Ynsere Pflicht und aydt auch das Kays. Recht anweisen. 

Über dis spricht Stäbhälter 

Weilen nun der Richter sizt und man zu recht stehen und 
reden will, so frag ich Euch Vrtelsprecher, ob es nit billich vnd 
recht seye, das man den Hochgeborenen (hier muß der ganze 
Titul ausgesprochen werden) dieses Malefiz Gericht auf heut zu 
halten verbanne? Vnd zwar frag ich Euch NN hiemit Rechtens 
darumben ahn vnd sagt mir Ewer mainung. Welcher antworthet 

Herr Stabhalter, ich spriche zu recht bei meinem aydt, das 
derselbe im nahmen hoch-Ihro Hochgr. Exe. dieses Peinliche Gericht 
verbannen solle. 

Vnd also soll Stabhalter einen nach dem andern anfragen. 

Welche alle mit ja antworten oder ich erkenne auch also 
bei meinem aydt. 

Stabhalter verbannt das Gericht auf nachfolgende Weise 
Weilen nun die Vmbfrag herumb vnd von sammentlichen 
Richtern geschlossen worden, daß ich daß Malefiz Gericht auff 
heut wohl halten vnd verbannen möge. So will ich solches Pein- 
liche Halsgericht hiemit in bester formb Rechtens angestellt, ge- 
halten und verbannet haben, also und dergestalt, daß die wider 
den armen Sünder habende Klag und Verantwortung solle vor Recht 
angebracht werden; Vnd verbiete ich anbey, das bey disem ange- 
stellten Peinlichen Rechtstag niemand reden, aufstehen, noch nider- 
sizen solle, es werde im dan mit Recht Erlaubt. Es were dan, 
das ein Priester mit dem hochheyligen sacrament fürüber gienge, 
umb demselben die gebührende Reverenz zuezubringen, Inngleichen 
feur- vnd Wassersnoth, auch andere dergleichen vngligsflihl (wor- 
nor Vns gott gnädiglich bewahren wolle) ausgenommen. 

Ist nun Jemand vorhanden, der Etwas vor Gericht ahnzu- 
bringen oder zu klagen hat, der mag es nun thun alß recht ist. 

Indessen beruefft man den armen sünder, macht ihne von 
Banden loß vnd sezt man denselben vor gericht auff einen stuol. 

Hierauf der beambte im nahmen gdgr. Herrschafit ime aus 
beysizenden Richtern begehrt und sagt 

H Stabhalter, wollen ihr mir einen fürsprechen erlauben? 

Stabhalter antwortet 

Ja, welchen begehrt der Herr. ^ 

H Beamte 

Ich begehre NN. 



J 



104 

8ka>kaUer 

NN stehet auf, traget des Hochgeboren Ynsers gdg. Graffen 
und Herrn anwaldt Euer Klag vor ynd Thnen das Wort zum 
Rechten. 

Diser stehet auf, steUet sich für das gericht vnd spricht 
H Stabhalter haben Ihr mich deß Hochgeborenen meines 
gdg. Oraffen und Herrn anwaldt zu einem Fürsprechen erlaubt. 

SHäbhaUer 

Waiß nicht änderst. 

Herrschafft, fürsprech 

Weilen hochgdl. meines gdg. graffen und herm etc. anwaldt 
eine sehr wichtige Klag wider gegenwärtigen Thoma Zoller zu 
führen hat, die EUiab und Gueth, Leib und Leben berüehren thuet, 
alß dinge ich Sr. hochgräffl. £xc. alle dero Recht vnd da ich ver- 
fahlen möchte, auch die Klag nit recht vortragen konte, es Ihme 
vnnachtheilig sein solle, und Er selbst wohl reden möge, dahero 
dan Wolle der Herr Stabhalter gegenwertigem Tomman eioen für- 
sprechen zu erwöhlen und meine Klag wider ihne anzuhören er- 
lauben. 

Sta^halter 

Nun, Tomma, du hast vernommen, das eine schwere Klag 
wider dich eingebracht werden möchte, als magstu einen fursprechen 
vnder disen Richtern begehren. 

Ich erbide N. 

Stäbhalter 

N stehet auf vnd thuet dem armen Sünder als ein fürsprecb, 
das worth zum Rechten. 

Der ernante fürsprech stehet auf vnd spricht: H Stabhalter 
haben ihr mich dem armen sünder zu Einem fürsprech erlaubt. 

StäbhMer 

Es ist Euch so vil dise Rechtsfertigung zulasset, erlaubt 
warzue ihr Recht habt. 

Fürsprech des armen sünders 

H Stabhalter. Dieweil mich der Herr disem armen sünder 
Tomma Zoller zu einem vorsprechen gegeben hat, so will ich 
Erstens ausdruklich protestirt haben, das es mir an meiner Ehr, 
leib, haab vnd güeter ohnschädlich sein solle, dan am andern, so 
beding ich mir, was ihme nuz, noth und zu erbaltung leib und 
lebens vonnöthen vnd ersprießlich sein möchte mit fernerem vor- 
behält, da einige saumnus durch mich entstehen sollte, das er- 
nanter ankläger solches selbsten widersprechen und sich verant- 
worten möge oder einen anderen an meiner Statt nemmen. 

StäbhcUter 

Ich lasse allein bedingt und erlaubt sein, was dises orths 
gewohnheit ist. 



105 

Stäbhälter 

Spricht zu den Richtern^ Merkht aaff ihr beisizende UrtJ- 
sprecher. 

Stäbhcüter 
sagt zu der gdg. Herrschet, fürsprech 

So bringt ihr nun Ewr Klag vor. 

HerrschffL fürsprech 

H Stabhalter, des hochgeb. Vnsers gdg. graffen und herrn 
anwaldt klagt aufiP den armen sünder, daß Er etc. (hir werden 
seine Verbrechen nacheinander Erzählt etc.) darumben Er billich 
mit leibstraff angesehen vnd vom leben zum Todt hingerichtet 
werden solle, alles mehreren Inhalts diser Yrgicht vnd seiner eige- 
nen bekanntnuß, so hiemit gerichtlich eingeben wird. 

Stdbhalter 
spricht zu dem armen Sünder 

Tomma hastu vernommen, was für eine schwere Klag, so dir 
dein leib und leben berühren möchte, wider dich angebracht wor- 
den, Was gestalten wilst du dise Klag verantworten. 

Des armen Sünders fürsprech 

H Stabhalter ich bitt. Er wolle mir neben dem armen 
Sünder umb uns zu unterreden einen Abtritt Erlauben. 

Stabhalter 

Seye Euch erlaubt abzutrotten iedoch befihlt . 

Stabhalter zuuor, das man den armen Sünder wider mit Banden 
schliessen solle. 

Darauff gehen sie mit einander hinaus, underreden sich mit 
einander und fragt fürsprech den armen sünder, ob er der furge- 
brachten Clag bekandtlich etc. 

Gehen wider miteinander herein. 

Stabhalter befihlt, den armen sünder wider von Banden loß- 
zumachen. 

Des armen Sünders fürsprech 

H Stabhalter, hier zugegen steht der arme sünder N N^ hat 
vernommen, was bey diesem angestellten peinlichen Rechtstag wider 
ihne geklagt worden, ist solches alles bekanntlich und ist ihme 
von grundt herzens laidt, das Er also wider Gott, seine gebott 
vnd den neben Menschen gesündiget habe, Er bitet aber vmb 
gottes barmherzigkeit willen, Ime solches zu uerzeihen vnd sein 
leben zu fristen, wie Er sich da anerbotten haben wolle, von 
diesem sündlichen Leben abzustehen, man wolle ihn für diesmal 
mit gnaden ansehen und nicht mit leibsstraff biessen, sondern mit 
andern muten straffen begnadigen, bittet also nochmalen um ein 
gdgs. Vrtheil. 

Stabhalter 
Spricht zur gdg. Herrschaffb anwalt 

Was sagt ihr über diese Verantwortung? 



106 

Herschftl. fürsprech: 

Ich habe gehört, das gegentheil der Klag gestendig, da er 
nuu dessen in abredt gewesen, bete mir getrauwt und mitel gehabt, 
ibne za überweisen, ich will diese sach zu recht gesezt haben. 

Des armen Sünders vorsprech sagt 

Der arme sünder will Ebenfahls die sachen zu recht gesezt 
und nochmalen amb ein gnädiges Yrtheil gebeten haben. 

Stdbhalter 
befilcht, das der arme sünder wider mit banden geschlossen und 
neben seinem fürsprech auch ankläger abtretten solle. 

Vnderdessen berahtschlagt man sich mit Einander nnd Redt 
der Stabhalter zu den Richtern 

Ihr Yrtelsprecher, ihr habt yernommon, was für grosse Klag 
wider den armen sünder angebracht worden und Er solche ge- 
stendig ist. Weilen nun beede Partheyen diese Peinliche Sach zu 
recht sezen, alß frag ich Euch bey dem Aydt, ob der angeklagte 
arme sünder wegen seinen grossen verbrechen nach den göttlichen 
und Weltlichen Rechten auch Kayser Carl des 5ten Peinlichen 
Halsgerichtsordnung das leben yerwirkht habe und zwar was für 
einen Todt Vndt frage ich Euch N K anfenglich rechtens darumbeu 
ahn, und sagt mir Ewer mainung. 

Der Erstgefragte antwortet 

H Stabhalter, ich erkenne zu recht bei meinem aydt, den 
Ich Ihro hochgf. Exe. unsrem gdgst. graffen und herrn geschworen 
hab, daß ein solcher Mensch nach göttl. und Weltlichen Rechten, 
bevorab Kayser Carl des 5ten Peinlicher Halsgerichtsordnung ge- 
mäß wegen geklagter seiner Missethaten halber, vnd selbst besten- 
digen bekantnuß das leben verfallen habe, nemblichen das Er mit 
Strang (oder schwerdt) von dem leben zum Todt solle hingerichtet 
werden. 

Vnd also fragt Stabhalter Einen nach dem andern ahn, 
Welche kürzlich antworthen 

Ich erkenne es auch also bei meinem aydt. 

Wan die vota herumb und das Vrtl verfaßt, wirdet der arme 
sünder neben seinem fürsprechen und anklägern aus befelch des 
Stabhalters wiederumb vor Gericht geruofiPen vnd nimbt der Stab- 
halter in die Eine Hand das schwerdt, in die andere den Staab 
vnd steht auff, spricht zu dem armen sünder 

Eß haben die Vrtlsprecher geschlossen, vnd das Vrthel nach 
anweisung der gemeinen rechten, auch Kaiser Karl deß 5ten Pein- 
licher Halsgerichtsordnung verfaßt, das du armer sünder wegen 
deines Verbrechens mit dem Strang (oder schwerdt) von dem leben 
zum Todt sollest hingericht werden. 

Auf dieses führt man den armen sünder auf den Plaz, sezt 
ihn auf einen stuol vnd wirdt durch den Gerichtsschreiber zu dem 
Yolkh sein Vrgicht öffentlich abgelesen. 



107 

Darauf ruofflt Stabhalter den Scharpft*iohter. 

Mr Leonhardt, Merkht wohl auf die ablesnng des Vrthels. 
Alsdann list der Gerichtsschreiber das Vrthel auch öfifentlich ab. 
Nach ablesung des Vrthels fragt Stabhalter den seh ai3)f rieh ter 

Mr Leonhardt, ich frag £uch zum Ersten, andern vnd 
dritenmahl, ob ihr das abgelesene Vrthel seinem daren Inhalt nach 
recht und wohl verstanden? 

Wan er Ja sagt 

Spricht Stabhalter femers : 

Wan ihr nun das Vrthel seinem Inhalt nach recht und wohl 
verstanden, so nembt dan den armen sünder zu Euren Händen 
vnd Banden vnd führt denselben auff die gewohnliche Richtstatt. 

Gleich nach diesen ausgesprochenen Worten bricht der Stab- 
halter den staab in 3 stukh, wurfTt ihn vnder dasVolkh vnd sagt: 

Das gibt gott vnd die gerechtigkeit, gott sei gnädig der 
armen seel! 

Nachgehents geht man zur Richtstatt vnd reüden die gerichts- 
leüth baar vnd baar gleich auf den armen sünder. 

Nach vollzogenem Vrthel spricht der Scharpffrichter zum 
Stabhalter 

H Stabhalter, hab ich gericht^.wie die Vrthel und recht 
mich angewisen. 

Hierauf spricht Stabhalter 

Wan ihr gericht habt. Was Vrtl vnd Recht gegeben vnd 
Euch befohlen worden, so habt ihr Recht gericht. 

Ende. 

BestäUgtmg oder JBesübung Eines armen Sünders, 

Ahn etwelchen orthen, nach gewohnheiten der Herrscha£Pken, 
wirdt dem Maleficant sein vergicht uorgelesen vnd darauf gesagt: 
(wan er änderst solches nit widerspricht) daß ihme deßweger auf 
nachkhommenden U. Tag Ein Peinlicher Rephtstag ankhündt seye, 
mit vermelden, Weil Vngewiß, waß ihme das Recht geben und 
was er vielleicht für einen ausschlag gewinnen möchte, damit Er 
aber an seiner seele Hayl und seeiigkheit nit verkirzt werde, man 
Ime Priester zuordnen, als mög er das Jenig was er noch nit be- 
khennt, Gott uad dem Priester beichten und über seine sünd von 
Herzen Reu und Laid haben. 

Dieses wirdt ihme von Ambtman in heywesen des Gerichts- 
ammans und zweyer des Gerichts angesagt vnd führt man ihn 
darau£P in das gewohnliche stuhle. 

Der Stabhalter neben Einem vom Gericht geht auch zum 
H Pfarrern, zeigt ihm solches ahn, damit der arme sünder die zeit 
bis auf den Rechtstag mit geistlichen mitl und zusprechen versehen 
werden möge. 

Gerichtsleith sind es 12. 

Beysitzer zwei. 



108 



Attestatio 
für hanß Michl Leimer Nachrichters wegen gethanen Matster- 

Stuckhfi 

Ich Gerg Katzenmayer Gerichts Amman der Grafik chaffk 
Königsegg arkhoDcle hiemit in GrafiEt die briefisi: Demnach anß gl. 
bewilligong meiner gn. herrschafft Ich daß Malefizgericht mit meiaen 
Gerichtsbesizem wie rechtens henth dato zn Hoßkirch ofiTentlich 
besessen, vnd Margareta Standerin von Ebenweiler, wegen das Sie 
mit dem laidigen laster der Hexerei behafft geweßen, Vermög. der 
Eayßl. Rechten vom leben zum toth Verortheilet worden, das alda 
ahnstatt des bestelten Scharpfrichters Meister Leonardt Steinmeyer 
von AnlendorfiT, Hanß Michl Leimer von Weingarten vff sein ge- 
büehrendes anersnechen vnd bitten ermeldte Margareta nach der 
Kays. Satzung mit dem schwehrt recht vnd wohl hingericht hat^ 
dardnrch dann er Hans Michl Leimer sein meisterstuckh wie sich 
gebüehrt Vollbracht, Vnd hinfüro für einen Maister kann und mag 
gehalten werden: Dessen dan zu Yrkhnndt nnd mehrerer bewaff' 
nang habe daß hochgrfifl. Königßegg'sche Ober-Ambt angesnecht, 
dasselbe mit dem gewöhnlich Gantzleysignet gegenwertige attestation 
verfertigen vnd Ihme Meister Leimer zustellen lassen. 

Geben zu Hosß Kirch am Königßeggerberg 
den 19 August 1676. 

MRBÜCK 



HEXENPROCBSSE AUS OBBRSCHWABEN 

AUSZÜGE 



Verdächt wider Elisäbetham Heyingin, Christa KhoUers von Ober- 
waldhausen Hausfrau^ tvie sie den 17ten Äprü 65 Bey hochgrA- 
Königsegg. Canzlei von folgends benamsten Persohnen einkhommen^)* 

Actum Königsegg 17 Aprl 65.*) „Dato ist die verdechtige 
Betha^) abermalen examinirt und gütlichen befragt worden: ob 
sie sich erklären wolle wegen forgegebenen Hexenwerks ^) und 
durch sie verursachten Brunnsten. — Ferner beeden wider sie 
eingebrachten angebungen Sie genzlich in abredt gestanden und 
weder eins noch anderß gethan haben will, worüber dann ihre 



109 

angeber einer nach dem andern forgestöUt nnd verhördt worden 
nnd folgenter gestalt ausgesagt: 1 Caspar Bist sagt: er habe von 
Jacob Khernen Weib zu Biedhausen gehört, daß die oberländische 
Hagd so kurz hin bei Elisabetha gedient^) erkrummet, und er- 
lamet, der Elisabeth habe sagen lassen, sie sei eine s. v. Hex, sei 
von ihr gelahmet worden. 

JBetha sagt hierüber: sei wahr, daß die Magd elend von ihr 
weggeführt worden, sei ihr aber von ihr nichts angethan worden, 
sondern die Magd habe ihr erzählet, wie das sie einen Menschen 
genommen^), welcher sich mit einer andern Magd auch versprochen 
gehabt (so vor eine Hexe gehalten worden), vermeine die Magd, 
es were ihr dies übel von selbigem Menschen beigebracht. 

2 MathUas Leher^ Amman, sagt: ungefähr vor 8 Jahren habe 
er 2 Spinnerinnen aus Pinthen^) gehabt, als sie bei ihme ansge- 
sponnen gehabt, seien sie bei Betha eingestanden^), andern Tags 
aber wieder in sein Haus kommen, bittend, ihne zu erlauben, daß 
ihnen etwas gekocht mecht werden, sie haben ab der Betha essen 
einen solchen Unlust überkommen, daß sie femer bei ihr nichts 
essen köndten und zwar habe Betha der Dorothea®^) zwei Bieren 
zu essen geben, worauf sie jdenn gleich nichts mehr bei sich be- 
halten megen und gehe ihr alles schwarz vor den angen um. 
Dritten Tags wären diese beiden Schwestern von dannen zogen, 
als aber bei erfolgter Ernt die Margretha^) in ein Lehenshaus 
kommen, habe er ihr Schwester Beschaffenheit von ihr gefragt, so 
die hend ob dem köpf zusammenschlagend ihme gesagt, sie seie 
das elendeste Mensch'^) von der Welt, schrau immer nach Hunger 
und köndte jedoch nichts gemessen, welches Elend von den 2 Bieren 
der Betha herkomme usw. Als die Margreth von dem Amman 
dergleichen roden zue geschweigen ermahnet worden, habe sie je- 
doch die red repetiret, dergleichen reden sind der Betha und ihrem 
man refferirt worden, so sie im geringsten geahndet, sondern si- 
muliret.^*). 

Betha: Sie habe nicht gewußt, daß die Winnerin vorhanden 
gewesen. ^*) 

3 Mathias Manß sagt: Betha habe eine Milch aus eines 
Weibes Brust begehrt; als ihr selbige abgefolget, habe Betha 
dafür eine andere geschickt, von welcher das Kind genossen und 
24 Stunden lang getobet und letztlichen 15 Wochen nichts essen, 
sondern nur trinken müessen^^), bis es endlich gestorben. Sage 
for gewiß, daß dieses Unheil von der Betha ihme zugefüegt 
worden. 

Betha: sie habe die Milch zu ihren Füssen ^^) gebraucht, die 
andere Milch sei dem Manz von ihrer Magd gegeben worden, wisse 
nicht, ob sie recht oder unrecht gewesen. 

4 Christa Meschenmoser: auf ein zeit war Betha zu ihm 
kommen fragende, ob er auch wisse, daß sie wegen bei ihr ge- 
wesenen 2 Spinnerinnen und auch sonsten als ein Hex ausgerufen 



HO 

a 

wnrde, worüber er ihr geantwortet, ja es wäre ihm auch wissend. 
Die kleine Kinder auf der Gassen halten sie vor eine nnd wann 
nnr ein Hienle amkheme, halte man sie vor schuldig ^^). Darauf 
sie gemeldt habe, sie habe ein schlechten Mann , der sich ihrer 
nichts annehme ^^), müesse aber anderwärtig hilf suchen. (Im 
andern Protocoll heißt es — sie müesse eben zu Galle Boschen 
nach Riedhausen gehen, um dieß zu vermitteln.) 

JBetha: so habe solchen nicht zu banden bringen können, 
sonsten sie wohl gedacht gewesen, das sie ihren guten Namen 
wieder bekhommen bette. 

5 Begina Ff eiferin sagt: vor etzlichen Jahren sei [das was 
oben von den 2 Spinnerinnen erzählt wurde, widerholt sich] die 
ein^^) zu Tettnang in dem Wirthshaus zu ihr khommen und ge- 
fragt, ob Betha noch lebe, da sie ja gesagt, habe Margretha an- 
heben zu erzählen , wie dise ihre Schwester durch zwei Bieren 
elend gemacht, soll ihr nur sagen, sie sei und bleib eine Hex^^). 

6 Adam SiUmaier und 7 Simon Peissel sagen: als ver- 
wichenen Ostermontag sie beed zwischen 11 und 12 Uhren Nachts 
bei den abgebrannten häusern zu Oberwaldhansen wacht gehalten, 
wie etwas, so sie zwar nit sehen, wohl aber hören kondten, ans 
der Betha Haus bei einem Fensterladen auf die negst dabei 
stehende Scheiterbeig mit grossem Ungestüm gefahren, nicht an- 
ders vermeinend die ganz Scheiterbeig fall zusammen, dann habe 
es sich auf die nagst dabei stehende Heuslein gelassen und nit 
anders als ob eine Menge großer und kleiner Katzen beisammen 
gewesen und geschrauen, woneben ihnen angefangen die Haar gen 
Berg stehen, dieß hat auch des Ammans Knecht gehört. 

8 Martin Miller von Riedhausen sagt: seie den Tag zuvor, 
als Bethas eigenes Hans, worinnen sie innleut ^®) gehabt, abgebrannt, 
bei ihr in dem Haus gewesen, in dem sie gewohnet ^*), auf einmal 
hab sie angefangen zu sagen, es weren gestern auf ihr Hausstocke 
Feuersfunken gepflogen, sie wisse wol, daß es morgen gewiß ab- 
brennen werde ^0), worauf ihr Mann Christa gesagt: gott wohl sie 
davor behüten und schweigen heißen, Betha habe solches repetiret; 
andern tags ist sie in das Haus gangen aleinig, lang oben herumb- 
gezogen, da sie doch sonsten eine geraume Zeit nie darinnen ge- 
wesen, kurz aber als sie daraus gangen, ist ein Knall gehört wor- 
den und das Haus angehoben zu brennen. 

9 Christa Morent sagt: als vor einigen Jahren die Gemeind 
zu Waldhausen einen Schweinhirt angenommen, habe es sich be- 
geben, daß der Hirt bei Elisabeth solle gespeiset werden ^^), als 
Elssenszeit gewesen, habe Betha dem Hirten aleinig eine Kriesen- 
suppen^^) geben, worauf er gleich krank worden dergestalten, 
daß er nachher weder wenig noch viel essen mögen. Als er sich 
zu bett gelegt, habe er ohne Veranlassung gesagt, Betha habe im 
in der Kriesensuppen den Tod geben, massen er dann wenig Tag 
hernach ellendt^^) gestorben und die lezte Wort gewesen: Betha, 



111 

Betha, Betha, wobei zu bemerken, daß des verstorbenen Bmder 
(eben diser Zeuge) in währender Krankheit za dem Scharfrichter 
nach Vberlingen^^) gangen , um rath wegen seines Bruders zu 
holen, doch ohne benamsung der Betha, welchem der Scharffrichter 
gesagt , es were dießmal seinem Bruder durch ein lang im Dorf 
wohnend und jedermann bekanntes' Weib mit einem krumpen Maul 
und verbundenen schenklen^^) in einer Kriesensuppen zubracht 
worden, hette nach empfang gleich an allen gliedern erlamen 
sollen, sei aber etwas wenigs gesegnet gewesen ; der habe im etwas 
geben , so in 3 Tagen zum Leben oder Tod efiPectum mache ^^), 
seie auch in 3 Tagen sein bruder gestorben. Nach diesem habe 
Betha und ihr Mann ihme, Morenten, entbieten lassen, wan er diese 
Sache nicht geschweige, wollten sie ihne ins Thal Josaphat laden '^), 
deß ungeachtet er es zum öfftern ofiPentlich erzöhlet. 

Anmerhung des Frotokollfürers, Ferneres ist auch zu con- 
sideriren, das, nachdem dieses verdechtige Weibsbild gefenglich 
eingezogen worden, sie anderen Tags den Wechter gefragt: ob 
man ihr die Haar abschneiden werde ^®), item wie oft und wie lang 
sie torquirt mecht werden. 

Sodann auch seindt allbereits 2 mal etlicher weile bei ihr 
in der gefengnuß gewaltige rumores und ihr selbst eigenes geschrei. 
gehört worden, als aber die Wächter zu ihr kommen, hat sie nichts 
davon wissen wollen.*®) 



Endurtheil der Elisäbetha Heyingin von Oherwäldhausen lat. et 

promulg. die 8 Mai 1665. 

In peinlichen Sachen Anwalts des hoch und wohlgeb. H H 
Job. Georg Grafen zu Königsegg u. Aulendorff etc. etc. auch Land- 
vogts in Ober und Niederschwaben gegen und wider Elisabetham 
Heyingin von Oberwaldhausen, gegenwärtige Maleficantin auf Klag 
antwurt und allgerichtliches Fürbringen auch der maleficantin 
selbst eigene so güet als peinliche Bekanntnuß nothdürftige wahr- 
haftige erfahr- und erfindung, so deßhalb alles laut Kaiser GarlV 
etc. etc. Reichsordnung beschehen ist durch die Urtheiler und 
Schöffen dieses Malefizgerichts entlichen zu recht erkannt worden: 

Daß gegenwärtige Malleficantin der Uebelthaten halber, so 
sie in Absagung und Verläugnung Gottes und aller Heiligen, auch 
mit dem Teufel veröbter Sodomiterey und Unzucht, beschedig- 
und tedtung menschen und vichs, auch zu Oberwaldhausen ver- 
ursachten 2maliger Feuersbrunst, wider gottes gebot, die Natur 
Selbsten, auch geistlich und weltliche rechten begangen und ver- 
übt, dem Nachrichter an die band gegeben, von deme gebunden 
zue gewohnlichen Richtstatt geführt und allda kraft habender re- 
gulativ Ihro Selbsten zu wohlverdienter Straf, andern aber zu 



112 

einem abgcheolichen Elxempel, mit dem Schwert vom Leben znm 
Tod bestraft and hernach Gorper und köpf zu Eschen verbrennt 
werden solle '^). 

*) Anmerkungen, 1) Von disem Prozesse feit ein Teil der Proto- 
kolle. 2) Es ist noch neben disem Protokoll ein 2tes da, welches 
fast immer dasselbe aussagt, jedoch von einer anderen Hand ge- 
schriben. 3) Betha für Elisabetba volksüblich (vgl. die gut Betha 
Yon Reuti). 4) Mit „werkh" bezeichnet der Ober -Schwabe 
Gollectiya, zB Euttlwerk, Eettewerk, Schellawerk, Wagawerk 
usw. 5) „dienen^ ist noch der Terminus; wie „einstehen^ für 
Arbeit nemen. Einstandsgeld ist das Haftgeld: hafting. 6)„nemen^ 
bedeutet so vil als „zum Schaz nemen oder zum Weib nemen^; 
jezt noch sagt man schlechtweg: dr hat se gnomma. Mensch ist im 
Masc. der Liebaber, im Neutr. aber: die Geliebte. 7) Aus dem Ober- 
land, d. i. aus dem Vorarlberg und Graubündten sind damals wie heute 
noch die Dienstboten hergekommen. 8)sih 5. 8^) Die eine der Schwe- 
stern. 9) Die andere Schwester. 10) Noch jezt hört der Arzt von einer 
genesenden Frau alles Ernstes sagen : aber hi, jez bin i wieder a 
Mensch, so a-n alts Mensch ist it guet flika. 11) Im andern 
Bogen heißt es: worüber jedoch, die Wienerin weder zu arrestiren, 
noch sein Weib zu defendiren, ihr Mann begeret. Die Wienerin 
ist die Schwester Margretha. 12) ganz noch heute so gesprochen. 
13) desgl. 14) Diso Redensart ist ebenfalls heute noch gebräuch- 
lich. 15) ist heute noch der Fall, daß einfaltige Männer, deren 
alte Weiber übel beschreit sind, dieselben fürchten und hassen, 
16) Margretha. 17) Dise Redensart ist noch stark gang 
und gäbe. Wir können es schon hier nicht vermeiden, darauf 
aufmerksam zu machen, wie die Anschauungen und die Aus- 
drucksweise in Oberschwaben unter dem nideren Volk biß in die 
feinsten Schattierungen hinein sich gleich gebliben sind, wie man 
heut zu Tage noch Leute genug zusammenbrächte, welche, wenn 
vom Gericht ebenso gern gehört, wie die Bauern zur Zeit 
dises Prozesses^ ganz änlich lautende Angaben, villeicht mit den- 
selben Worten machten. Wie damals ist auch heute noch das 
arme oder fremde Volk, besonders wenn es eine scharfe Zunge 
hat, wie es meistens der Fall ist, von den Bauern nicht sonderlich 
geachtet, und man glaubt alle Schlechtigkeiten, die man darüber 
sagt, ser gem. Daß nun die Landfahrerinnen von damals und die 
von heute ganz dieselben sind in iren geheimen Gedanken, wie in 
iren Worten und Werken, erhellt aus der oberflächlichsten Ver- 
gleichnng. Weiter unten noch Näheres. 18) innleut = Miets- 
leute. Das Wort wird noch gebraucht. 19) Betha besaß zwei 
Häuser, eines in dem sie gewont, ein anderes vermietetes, in wel- 



*) Äktenausgüge und Anmerkungen wurden von mir schon imJare 
1859 gemacht 



113 

cbes sie nnr selten kam. 20) Diser Aberglaube von Brünste 
ankündenden Feuersfunken lebt nocb. 21) Es ist noch Sitte den 
Gemeindebirten „umzuäzen", d. h. jeden Tag bei einem andern 
Bauer in Kost und Herberge zu bringen. 22) Eriesensuppen, 
Suppen von frischen Kirschen werden noch in der Gegend zube- 
reitet, änlich wie die Holdersuppe. Beide sind der Gonsistenz 
nach eher ein Mus. 23) Noch sagt man am gleichen Orte „ellendt".. 
nicht elend, wie man auch wagga stat Wagen, klagga stat klagen 
usw sagt. 24) Diser Scharfrichter von Ueberlingen spilte seiner 
Zeit eine große Rolle. Wir werden im, neben dem von Saalgau, 
Riedlingen, Ravensburg und anderen ärztlichen Beratern diser 
Klasse noch zum öftern begegnen. 25) Wir wissen von oben, daß 
die Frau zu iren „Füßen" Weibermilch gebraucht hat. Von jeher 
waren die offenen Fußschäden (varicöse Fußgeschwüre) das Kreuz 
der alten Weiber. 26) Es ist heutzutage noch ein Pfiff der 
„Kogenflicker" und „Seichgucker" den Leuten hargenau das- 
jenige aus dem beigebrachten Harn herausgucken und sagen zu 
können^ was sie vorher, die Einfalt und das Ungeordnete der 
bäurischen Klagreden benüzend, aus den Rat holenden heraus- 
gelockt haben. Jeder Bramarbas, auch der gebildete Charlatan, sagt 
nur etwas, was er von seinem Opfer bereits erfaren hat und was 
der Betrogene gern hört, indem der leztere nun der Meinung ist, 
das, was sein , Seichgucker*' im vorqualmt, habe der kluge Mann 
aus des Harns Beschaffenheit herausgelesen. Die Arzneien, welche 
in 3 Tagen Effekt machen, von denen man sagt: „Vogel friß oder 
stirb' ^ werden von den Quacksalbern auch heute noch bereitet 
und von den Bauern, welche schnelle Effekte nach unten oder 
oben gar zu gerne sehen, herzhaft genommen. 27) Der grausenerregen- 
den Vorladung ins Tal Josaphat wird in disen Akten noch zum öf- 
tern Erwänung getan, heute noch drohen sich erbitterte Prozessierer 
mit ir. Anderswo darüber mer. 28) Es war gewönlich; daß man 
den Hexen entweder gleich wenn sie gefangen wurden, oder erst, 
wenn sie im Verlauf des Prozesses nicht bekennen wollten, sämt- 
liche Hare des Körpers abschnit oder vilmer abrasierte; daß 
die bestellten Henkersknechte dises Amt circa pudibunda mit 
besonderer Aufmerksamkeit ausfürten, werden wir in den nachfol- 
genden Prozessen aufs deutlichste warnemen. Dise Knechte waren 
meist Kleinhäusler, wie heute noch, Büttel und Wegknechte etc. 
und durch dise wurde immer wider ausgeschwazt , was bei Amt 
vorgieng, weshalb wir uns nicht wundern dürfen, wenn troz des 
Eides der Richter (welche meist Bauern waren), alles, was bekannt 
und von Seiten des Untersuchungsrichters, behufs der Erzwingung 
eines Bekenntnisses, angefangen wurde, unter den Leuten herum 
kam. Ein schamhaftes Weib wird solche Bursche natürlich fürch- 
ten. 29) Wir begegnen hier zum erstenmal dem Vorurteil des 
Untersuchungsrichters, welcher besonders vil Gewicht auf die be- 
weisende Kraft schlimmer Vorbedeutungen legte, wie wir weiter 

Birlinger, Alemannia XI 2 ^ 



114 

unten sehen werden und dem das zufällige Vorhandensein eines 
von im für schlimm gehaltenen Zeichens Beweises genug war, die 
Angeklagte für eine Hexe zu halten oder ire natürlichen Ent- 
sohuldigungsgründe als hole Ausreden zu deuten und Grund ge- 
nug, sie one vil Umstände so lange foltern zu laßen, hiß sie die 
von im vorgelegte Frage so hejate oder verneinte, wie es im mallens 
maleficarum gedruckt stand und es der Richter hören wollte. Denn 
das ist das heillose bei all den Prozessen, daß nicht etwa bloß 
die Fragen, sondern auch die Antworten nach einem gedruckten 
Schema ausfallen musten. 30) Die Besibenung feit. 31) Das 
Urteil ist vollständig. 



II 

Gegen den lOjäri^en Knaben Philipp KhdlJer von Wald ') 

„so zu Königsegg mordtbrandts und Zauberei halber schon 
geraume Zeit verha£ft." Der unterzeichnete Consulent der Herr- 
schaft Matthias Jacob Kuösch Dr. jur. usw. meint nun in 
seinem Gutachten, er habe aus den Akten ersehen, „daß er (der 
Knabe) nicht allein mit ermelten beden abscheulichen lästern be- 
haft, ynd aus antreibung seines bulgeistes^) merkhliche Schäden 
damit vollbracht, sondern auch sich zugleich in dem abscheulichen 
Laster des Blutschands mit seiner leiblichen Schwester vergriffen 
habc."^) „Weilen das ProtocoU lautter vermag, daß er die darin 
enthaltenen mißhandlungen frei und gütlich bekannt, bei solcher 
Bekanntnuß auch beharrt — ich ihne von der leibs und lebens- 
straf ledig sprechen wollte, dan die minderjährige Kinder, als 
dieser 10jährige Knab ist, soll regulariter keiner in seiner minder- 
järigkeit um was verbrechen es wolle, hingericht werden." — 
„Wahr ist zwar, daß er nit allein alle gröbeste Laster eines alten 
und verbainten Hexenmaisters vollbracht, sondern noch darüber 
die Unthat des Mordbrändts und blutschands begangen und end- 
lich an seiner Besserung selbsten desperiret, indeme er vermeldt, 
daß sein buelgeist ihme auch in der Obrigkeitlichen Verwahrung 
continuirlich nachseze und die Unzucht mit ihm treibe, dahero er 
Selbsten zu sterben und von dieser Servitut erlediget zu werden 
verlanget." Laße man in los, meint der Consulent weiter unten, 
so werde der Knabe noch schlimmer und es dürfe besser sein, in 
disem Fall um des Knaben Seelenheil willen eine Ausname zu 
machen — „schliesse demnach, daß gegen dem verhafPten Bueben 
die leibs und lebensstraf fürgenommen werden köndte und solle. 



115 

Gleichwolen aber and damit die dementz nicht gar ausser acht 
gelassen werde, kan ihme dieselbe in modo ezecutionis gelyen, 
wan mau ihme nehmlichen in einem warmen Bad daß leben aus- 
rinnen lasset, welches, so viel ich allzeit gehört, der milteste und 
gregen dergleichen Kinder fast übliche tod ist/ Er unterschreibt 
Weingarten, den 7. September 1665. 

Zu bemerken ist noch, daß die interessante Hinrichtung von 
Kindern durch das Oe£Ehen der Adern in einem wannen Bad in 
Oberschwaben öfters vorkam, wie sowol die Tradition als die Akten 
selbst nachweisen. Wir legen der Tradition in disen Dingen des- 
halb vil Wert bei , weil wir so Viles, oft ganz Charakteristisches 
später in den bezüglichen Akten bestätiget fanden. 

Biß zum Jar 1672 feien die Akten wider. 

1) Von disem Prozesse ist nur noch 1 Brief des Gonsnlenten 
der Herschaft vorhanden. 2) Der Bulgeist spilt in allen Hezen- 
proEcssen die Hauptrolle. 3) Wir können uns nicht enthalten, 
schon hier darauf aufmerksam zu machen, daß man in die Kinder 
wie in große Leute allerlei hineinexaminieren konnte und examiniert 
hat. Gewönlich ist etwas an dem Vergehen wahr, aber der Richter 
zwingt den Angeklagten aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. 
£ine Jugendsünde^ die Masturbation, spilt bei Hexenprozessen 
^egen Kinder eine nicht minder große Rolle , als die Sünden der 
Alten, Hurerei und Ehebruch (mit menschlichen und recht wol 
hekannten Personen). . Was dise Blutschande anbetrift, so wird 
dise von der Gattung jener sein, die auf dem Lande gar häufig 
vorkommt. Nämlich beim Kinderspii „Väterles th&n*' heiraten 
die Kinder und weil die meisten schon mit 8 biß 10 Jaren ganz 

gut wißen, — — — — — 

— — — — ^^Q ^ir gelbst oft genug gesehen haben. 

Die Kinder wissen, daß das nicht recht ist, aber sie tun es, weil 
im Sommer fast immer nur sich selbst überlaßen, doch, klopft 
nun so ein Richter mit seinen Henkersknechten bei einem Buben 
tüchtig auf den Busch, dann wird er bald ein änliches Geständnis 
heraus haben und aus dem dummen Spiel ein Verbrechen machen. 



ni 

Proßess gegen Katharina Bosch von Wald 

Actum Wald 24 Febr. 1672. Ulrich Schatz Burgvogt all- 
hier, Gerichtsamman Katzenmayer von Hoßkiroh und ich Johann 
Franz Scharpf Dr. jur. Obervogt allda. Katharina Boschin von 



116 

Wald klagt vor Amt, Wie daß Agata Rist aach von Wald sie 
öffentlich bezüchtigt, sie, Boschin, habe ihr Kind vertrfinkt.^) 

BeJUagtin sagt: daß die klagende Bosch erst kürzlich ganz 
gegen Abend ftlr ihr Fenster komen nnd weilen sie nach eröfinetem 
Fenster der beklagten Mann sehen Besen machen, hab sie solchen 
begehret, darauf sie gleich in die Stnben kommen und straks der 
Wiegen Zugängen darin das Kind gelegen, die Küsselen etlicb 
mal geschüttelt und gesagt: ei wie hast so wenig federn drinn. 
Darauf das Kind gleich erkrankt und aufgeloffen, welches mit ge* 
weihten Sachen und rauch wieder vertrieben worden. Negirt aber, 
daß die Klägerin allein an der Krankheit schuld.') 

Klägerin sagt: wann sie schon zum Kind kommen, sei sie 
darum nit ursach der Krankheit und weilen die Beklagte sie öffent- 
lich dieß bezücbtigt, bitt sie, der Beklagten sammt ihrem Mann 
umb ein Widerruf oder die Beweisung aufzuladen. 

Die Beklagte bleibt bei ihrer Aussage — nnd ander leat 
sagen noch viel mehr Sachen.') 

Anmerkung 1) Auch aus andern schon veröffentlichten Pro- 
zessen diser Art wissen wir, daß das alte Weib, das einmal das 
Unglück hatte, verhaßt zu sein und eben damit für eine Hexe zu 
gel ton, schlimm davon kam, wenn es sich gegen solche Bezüchti- 
gungen nicht werte (wie wir sehen werden), und eben so schlimm, 
wenn es sich von dem Vorwurf reinigen wollte und bei Amt klagte, 
denn die Richter namen immer schon zum Voraus an, daß solche 
Weiber Hexen seien. 2) Niemand kennt die Allgewalt des heil- 
losen Schlußes post hoc ergo propter hoc beßer als ein Arzt. 
Ein Schluß, der schon bei den gebildeten Aerzten angebetet, 
beim niedern Volk nun vollends zum goldenen Kalb wird. Die 
alten Weiber sind damals bei vorkommenden Erkrankungen ebenso 
der Sündenbock der Unwissenheit geworden wie heutzutage die 
Erkältungen. — Die Beklagte getraut sich hier, wie auch an- 
dere Angeberinnen anderswo, nicht mer kategorisch zu behaupten, 
das alte Weib sei einzig und allein an der Erkrankung ires Kin- 
des schuld. 3) Auch heute noch hezen sich die Landleute in 
blinden Verdächtigungen, so daß der leise ausgesprochene Verdacht 
eines Einzelnen bald ein Heer direkter Bezüchtigungen Anderer 
im Gefolge hat. 

Bescheid (des Gerichtes): Die Klägerin soll ihre clag zu 
recht erweisen, der Fried aber beiderseits bis austrag der sach 
geboten sein. 

Das Gericht beeilt sich nun, „weil die Boschin schon lang 
wegen Hexerei in argwöhn und weil dieß Beklagte ausgesprochen, 
auch andern Personen genannt, so hievon Wissenschaft haben'' 
eben jene Leute „eydtlich" zu vernemen. 



117 

Actum Wald seq. die 25. Febr. 1672. Zeugin Catharinay 
von ungefähr 40 Jahr, sagt auf scharpfe erinnerung des Meineids 
und hierüber wirklich prästirtem aus, daß ungef&hr 8 Tag vor 
Weihnachten 1671 ihr büeblin, 3 Jahre alt, in der Catharina 
Boschen haus gesottene Erbsen gessen, worauf es erkrankt und 
an allen Gliedern aufgelofPen, sei mit geweihten Sachen wieder 
vertrieben worden. ^) 

Fürs andere sei sie, Katharina Zollerin, in 8 Tagen nachher 
selbst erkrankt; in 8 Tagen währender dieser Krankheit sei 
Katharina Boschin zu ihr in der Nacht um 1 1 Uhr über das Bett 
in einer neuen schwarzen Juppen^) und schwarz wammes®) und 
ihrer gewöhnlichen Weiberkappen kommen, sie lange gedrukt, das 
sie nit mehr reden können, hab anbei kein Wort gredt, sondern 
wieder zur Thür hinaus gangen, wo sie auch herein. Darauf sie 
Zollerin durch einen offenen laden, (das sie aus dem böth, weilen 
sie nit aufstehen können, gesehen) bei des Schneiders ihres Nach- 
bars haus bei völligem Mondschein mit einem Strohwisch in der 
Hand hab herum gehen sehen, als ob sie das Haus anzünden 
wollen. **) 

Christian Lumpper, Maurermeister hier, sagt auf gethanen 
eydt, daß vor einem Jahr die Boschin seinem 3jährigen Töchterlin 
in Beisein seines Weibes etliche Kerssen zu essen geben, übrige 
ihme ins Säklin gehoben, am Vormittag ; am Nachmittag sei das 
Kind erkrankt, daß es nichts mehr essen können, sei aufge- 
schwollen und in 8 Wochen nach vielen Schmerzen gestorben. In 
der Krankheit haben sie den Urin dem bekannten Mann dem Rohr 
zugesandt (hoc pro nihilo reputat), welcher zurukboten, daß in 7 
Eerschen von einem Zauberweib diese Krankheit geben worden 
und wenn er 14 Tag ehender^t») den urin geschikt, er sich getraut 
hatt zu helfen. Er warne Lumppern, der verdächtigen nichts zu 
leihen, in dieser Zeit sei die Boschin (sonsten Salzmännin genannt) 
nimmer zu ihm kommen^) ungeacht selbe zuvor schier täglich intf 
haus kommen, außer da sie sie ins Haus geschlichen, da er zu 
dem Mann geschickt zum Rohr, fewr ab dem härd genommen und 
damit davon geloffen, so sie dieß nöthig gehabt, wären andere 
nähere Heiser dagewest^). In dieser drauffolgenden Nacht sei ihm 
ein Kalb draufgegangen und als sein Weib es in Briel tragen und 
liegen lassen, habe sie gemeint, es lauf ihr im zurukgehen wieder 
nach, sei aber ein haas gewesen, der dem Dorf und der Salz- 
männin haus, das zwar das äusserst haus im Dorf, zugeloffen'^). 

Änmerk. 1) Von Arzneimitteln wird wenig gebraucht. Male- 
fizwachs, geweihte Kräuter und Zettelchen sind am meisten im 
Brauch. Auch hier wider post hoc, ergo propter hoc, sowol in 
Bezug auf das Erkranken als das Genesen. 2) Juppe f. Weiber- 
rock. 3) Wammes n. Weiberjacke. 4') Wir haben es hier offen- 
bar mit jenem pathologischen Ereignisse zu tun, das der Volks- 



118 

aberglaube zum Alp oder Schrättelesdrucken gemacht hat. Die 
Dmd ist in Obersohwaben unbekannt, erst wo es anfangt baye- 
risch oder alemannisch zu werden, spakt die Dmd. In Wirklich- 
keit gehört dise Erscheinung in die Kategorie der Schlafhallad- 
nationen, deren Gharacteristicam ist, daß der Leidende felsenfest 
glaubt, er wache und in disem Zustand habe er das durchgemacht, 

was er vom Traum erzält. — — — 

— — — — 4*) Das ist jedesmal die faule Ausrede der 

Schurken, man sei zu spät gekommen und hintendrein kommen 
die guten Ratschläge, man solle nichts herleihen; das nächste 
beste alte Weib, welches hundertmal vorher one Arg beim Nach- 
bar etwas entlent hat, wird jezt, wenn es wider kommt, plözlich 
für die rechte Hexe erkannt. Wir haben solches selbst mit an- 
gesehen und ein altes Weib vor den Peinigern gerettet. 5) sie 
wird wol gewust haben, daß sie an der Krankheit werde schuld 
sein müßen, wie die Hayingin im vorigen Prozesse recht gut ge- 
wust hat, daß sie schuldig sein müße, wenn im Dorf nur ein 
„Hienle*' verrecke. Die Leute auf dem Dorf nemen kein Blat fürs 
Maul und schimpfen gleich so anständig laut über die verdächtige 
Person, daß dise es nicht erst von Dritten zu erfaren braucht, 
was sie gescholten worden und mit was allem man ir droht. 
6) Das Feuer holen beim Nachbar war damals ser üblich, da man 
noch keine Zündhölzchen hatte, und spilt in den kommenden Akten 
noch öfters eine Rolle. Was den gegenwärtigen Fall anbetrift, 
so ist jedermann klar , daß bei den Herden , wie sie damals ge- 
baut waren und sie in alten Häusern noch beschaffen sind, 
neben der Haustüre, vom Nachbar leicht gesehen werden konnte, 
ob man da oder dort noch Feuer habe, oder wo die Türe geöffnet 
sei und gestatte, schnell etwas Feuer wegzunemen. 7) Dise An- 
gabe be- und verurteilt sich selbst. Freilich wenn es jezt noch 
ein Unglück vorbedeutet, so man einem Hasen begegnet , um wie 
Vil bedeutungsvoller muste damals der Hase sein, als die Hexen 
noch in Hasengestalt umliefen. Zumal wenn er gerade gegen das 
Dorf zulief, wo der Salzmännin Haus das erste war. Die Salz- 
männin ist hier nach der Meinung der ZoUerin als Hase heimge- 
laufen. 

Die Frau Hofmeiaterin^ die zu keinem Eid angestrengt 
worden, gibt an : „jedoch glaubwürdig", die geweßte Kindsmenschin 
hab sie gleich bei ihrer hieherkunft vor der Salzmännin gewarnet 
und gesagt, man hab diser sogar das Schloß verbotten, das die 
Boschin nit gehalten und unter anderen 2 Zuchthanen ins Schloß 
geliefert, die man zum andern Gefligel gethan, worauf der Mehr- 
theil crepirt, ausser wenig, so mit geweihten Sachen davon ge- 
bracht worden, die 2 haanen aber gleich anfangs wegkommen, nit 
wissend wohin ; zu disem hat man ihr zuvor durch den Bittel 



119 

ausdrukentlich sagen lassen, sie soll kein Zinshaanen liefern, bis 
mans von ihr begehre. 

Ursula Bratmin, noch ledig, sagt: die Boschin bab ihr 
vor 2 Jahren ein Mehl geben, aus welchem sie ein brennts Mus 
gemacht und etlich Schuppen (d. i. Schübe , so vil auf einen 
LöfiPel get ist ein Schub) davon gessen, wovon sie alsobald tödt- 
lichkrank worden, da sie solches wieder brechen, hab sie gemeint 
sie müesse sterben, ist nit beim eid verhöret worden, well es 
früher ausgemacht und aufgebebt worden. 

Es ist nämlich die leztere Bezüchtigung durch gütlichen Ver- 
gleich der Angeklagten und der Klägerin annulliert worden. 

Christian Bader sagt: die Salzmännin habe sein Kind 3 
mal in die Höhe gehebt und gesagt : wie ist dieß ein so fein Büb- 
lin, worüber es erkrankt und das Gesicht aufgeloffen, ist jedoch 
durch geweihte Sachen wieder gesund worden. 

Hierauf ist die Boschin auf den Rat des Rechtsverständigen 
den 23ten März in Haft genommen worden und über obgedachte 
Indicien examiniret worden wie folgt: 

Actum Schloß Königsegg den 14 März 1672 in praes. Jörg 
Wilhelm Leimbohrer Obervogts in Aulendorf, Schatzens Burgvogten 
in Wald, Eatzenmeyer Gerichtsamman in Hoßkirch und Dr. jur. 
Scharpf Obervogten allhier. 

Präliminariter ist zu erinnern, daß wie man die verhafftin 
anfangs bei diesem examen auf ein Stuehl, worunter das gewöhn- 
liche Heilthum angehefft war, gesezt, selbige nit ruhig sizen 
können, sondern immerder gerukt und aufstehen wollen, welches 
für eine böse anzeigung gehalten und von den vorhero in Aulen- 
dorf hingerichten Hexen auch observiret worden. — (Hier wird 
man wol weiter nichts anzumerken haben, der Richter charak- 
terisiert sich ja selbst.) 

ad prim. Sei in der Stuben gewesen, habe das Kissen ge- 
schüttelt, auch so gesagt, wie angegeben worden, könne aber nichts 
dafür, daß das Kind krank worden« 

ad secund. habe dem Kind keine Erbsen geben, sondern ihr 
Mann, laugnet durchaus das 3te und 4te. 

ad guint, seie wahr, daß sie dem Kind Kriesen geben, sei 
aber im geringsten nit vrsach der Krankheit; ingleichen daß sie 
nach erkranktem Kind nimmer in des Maurers Hans kommen, noch 
daß sie das übrig verursacht. 

ad prälifmnaria, hat sie nichts antworten wollen, sondern 
nur gesagt, sie sei keine Hex, weiß nichts davon und so fortahn etc. 

ad punctum der Catharina Zollerin Kind, negat, daß sie erst 
dieser Tag dem Kind mit der Ruthen auf der Gassen nachge- 
laufen^), doch leztlich bekennt sie, daß sie Ihre Buben nit ins 
Haus lassen wollen. Im übrigen negat alles überhaupt. 



120 

Es scheint y daß manches nur mündlich verhandelt nnd 
nicht ins Protocoll aufgenommen ward. — Man siht, daß es 
sich hier nm kleinliche Nachbarsreihereien handelt, die alle Tag 
auf dem Dorfe vorkommen. 

ad punctum des Schneiders Crista Kind: sagt sie hab das 
Kind etlichmal auf dem Arm gehabt, wisse im übrigen nichts 
böses. 

ad punctum das Schloß verbieten: hier hat sie nit anders 
geredt, als im Schloß (formalia) nur, ja ich weiß nichts von diesem, 
nach augenscheinlicher und klarer Erweisung aber der Verbietung 
be^iennt selbe, daß man ihro das Schloß verbotten, daß sie aber 
nachgehends dennoch ins Schloß kommen, könne sie nichts für 
das Verbot, dann sie hab müessen einen Sack hellen, die ander- 
mal (da ich sie seihst neben andern leuten einmal gesehen) wisse 
sie nichts davon, zudem, wann sie schon hinein kommen sei, sei 
sie doch mit allen Ehren in dem Schloß gewesen. Warum sie im 
Schloß gewesen, wisse sie nit (da es doch erst vor 3 Wochen ge- 
wesen). 

ad Mahl gehen. Das Mahl, so sie der Ursel geben, sei auß 
gewesen nnd hab selbiges einem fartknecht abgekauft. (Will be- 
sagen, ir Mel sei ir ausgegangen gewesen und das hergelihene 
habe sie von einem fremden Furmann gekauft.) 

ad alia. Warum sie sich heut (wie die hh examinatores 
ankommen) eine Ohnmacht simuliret bis man sie besprüzt, worauf 
sie einsmals aufgefahren und wiederum völlig zu ihr kommen, sagt 
wisse nichts davon. 

{Änm, Man siht, wie man dem alten Weib sogar iren 
natürlichen Schrecken vor den Justizmördern verübelt nnd schlimm 
deutet.) 

ad alia. Nemblich warumb sie bei verhör allzeit nur in den 

Spiegel und nit änderst wohin gesehen, respond: wisse nichts 

hievon. Mit Einem Wort, sie läugnet, was man mit eigenen 
äugen sieht. 

(Änm, hier meint der Richter wol, sie habe im Spiegel 
den Teufel gesehen.) 

Und weilen dann sie nichts güetlich bekennen wollen und 
zumahlen in ihren gebährdeu und werten wunderbarlich variiret, 
alß ist für gut befunden worden, daß man ihre Boschin völlig die 
haar abschneide, bei welchem actu sie sich nit Ein bisslin ge- 
schämbt, weniger einen zäher vergossen^) und nachgehends auf 
nochmalige güetige Erinnerung wirklich an die FWter geschlagen 
worden, welches dann auch auf ihr hartnäckigkeit erfolgt und 
worauf sie folgendes befragter geantwortet: 

ad prim. bekennt nit weiters als zuvor. 

Die Haanen betre£fend: sagt sie, sie habe selbige selbst ge- 



121 

liefert, wisse soDst nichts mehr, hat sich anbei wegen der Tortur 
so viel als nichts alterirt, biß endlich sagt sie, man soll sie nur 
ein wenig herunterlassen, sie wolle sich besinnen ^^), welches ge- 
schehen. Nach diesem ist sie so halsstarrig gewesen , als zuvor, 
dahero sie von frischem aufgezogen, bei welchem sie alsobald an- 
gefangen zu schreien und jammern'), jedoch mithin ganz herzhaft 
in ihrem läugnen bliben und nit ein Tropfen vergossen^). Beid 
aufzüg sind ohne anhenkung eines gewichts, sondern ganz lähr 
beschehen. 

Der Mann^) hat absonderlich kein argwöhn auf sie, als daß 
sie alle Samstag (wann man für die armen Seelen gebetet) mit 
dem Weihwasser in allen winkeln herumgeloffen und selbige aus- 
gesprizt, welches die vorhin gerichten Hexen auch im Brauch ge- 
habt^), so er. Mann, erst jezt in erfahrung bekommen und um so 
viel mehr einen argwöhn gefaßt^). Auf dem Bank, worunter wir 
das ordinari heiligthnm angeheftet, hat sie anfangs gar nit still 
sizen können, so ebenmässig bei vorigen hingerichteten hexen'') 
beschehen und pro certo sed malo omine^) gehalten worden. An- 
dere böse circumstantia so sich bei Einziehung und examinirung 
erzeiget, sind dermalen wegen länge nit beschriben worden. 

Dise Aussagen wurden dem Gonsnlenten von Amts wegen 
eingeschickt „und nachgehends auf dessen eingelangtes Gutachten 
ferneres in diesem Proceß fortgefahren, wie folgende zu sehen": 

Actum König segg y 22 Merzen anno 1672 praes. die obigen. 
Catharina Boschin hat auf nochmaliges güetliches erinnern gleich 
zuvor auf alle vorgehaltene Puncten nichts wollen geständig sein, 
"worauf selbige ganz nakend ausgezogen, hingegen ein geweihtes 
hemmet und hosen angethan, nachgehends wieder an die Folter, 
jedoch anfangs lär, geschlagen, hernach aber ihro ein schwärer 
Stein angehenkt, und an die blöse soll mit der Taufkerzen ziem- 
lich hart gebrennt worden, welche Schmerzen sie annoch zu keinem 
Bekenntniß gebracht, sondern statt der Antwort hat sie endlich 
gar nichts geredt ^), bis leztlich sagt sie, sie wolle mirs (Oborvogt) 
allein sagen; sind dann alle hinausgangen und ich allein bei ihr 
blieben, auch ihr möglich zugesprochen, worauf sie bekennt, sie 
habe einen hauen ihrem Nachbar zu todt geschlagen , item ein 
Tuch zu einem fürtuch genommen ^o), item sie hat buolet mit dem 
jezigen Mann, weil ihr erster £hemann annoch gelebt, welches ich 
ihr gleich verwiesen, daß ich dieß nit begehr derzumalen zu wissen, 
sondern verlange 1 rechte Antwort auf die Stuk, deren sie be- 
züchtiget und waß man sie mehr in dergleichen fragt ^^). Worauf 
sie gesagt, sie wisse nichts weder vom einen noch andern, sei 
unschuldig von allem hexenwesen. Hierüber bin ich hinausge- 
gangen, die andern aber wieder herein und haben sie wieder hin- 
aufziehen lassen, dessentwegen sie heftig geschrien und mich 



122 

wiederum zu ihr begehrt und ich nochmals allerbest zugesprochen, 
worüber sie folgendes in der güete bekennt ^^): 

1 Die Walpurga N von Ebenweiler sei vor ungef&hr 11 
Jahren gestorben und habe sie das hexen werk gelernt, habe sie 
zuerst auf einer schwarzen Katzen zum Tanz geführt. 

2 Der böse Feind sei gleich nach dem Tanz zu ihr kommen, 
das erstemal hab er gesagt, er wolle ihr buel sein, und wolle ihr 
geben, was sie wolle, hierüber hab er sie zum öftern beschlafen, 
sei aber nur ein schlechter wolust, ein blenderey, ja nur ein kaltes 
Ding gewesen ^^). 

3 und habe die Verläugnung Gottes und aller Heiligen an 
sie begehrt, so sie auch gethan , er sei aufgezogen wie ein herr 
und habe ein langes schwarzes haar aufgehabt. 

4 Sie habe gemeint, es sei ein bekannter Kriegerjung, so 
damals Ihr Liebhaber war, nach dem Fahl aber sei es der leidige 
Teufel gewesen'^) und hab sich erst das ander mal post coitum 
zu erkennen geben. 

Ö Sein Nam sei Gobelin ^^), er hab sie gar oft beschlaffen. 

6 Er hab sie bisweilen auf einem Steken, besen, hund, bald 
auf was anders abgeholt, sonsten sei sie niemals von sich selbsten 
auf den hexentanz kommen. 

7 Er habe selbst die obige Instrumenta gesalbet. 

8 Die Zusammenkünften seien in weitentlegenen ländern ge- 
wesen ^'') und habe keinen Tanz in 5 Jahren mehr besucht, sonsten 
haben sie allerlei, ohne Brod und Salz zu essen und Wein zu trinken 
gehabt*»). 

9 Die bekannten Complices seien alle gestorben, haben sich 
mit Spilleuten s v huren lustig gemacht, es neme sie nur wunder, 
wer die fümemen frauen (so aufgezogen wie gräfinen) müsten ge- 
wesen sein*^). Es seien auch Männer und Weiber in allerhand 
Standskleidung aufgezogen; allein sei kein rechter gust im coitn 
gewesen *®). 

10 Habe sonsten kein Wetter und dergleichen gemacht. 
Niemand, weder Mensch noch Vieh geschadet und wan schon der 
bös Feind ihr die hierzu kehrenden Mittel geben, habe sie selbige 
gleich weggeworfen^*), wessentwegen sie der Teufel allzeit erbärm- 
lich erprüglet. 

11 Was man vorgehalten, das hab sie nit, sondern die roth 
habs gethan*^), wie ihr der Teufel es ausführlich erzehlt habe, 
und daß der Teufelsbsschwörer NN zue Rohr eben sie die roth 
(id est die Gatharina Zollerin) gemeint hab, indem sie eben auch 
roth, wie sie seie und Catharina heisse, als wie sie. Welches alles 
sie nachgehends vor den Richtern gestanden, da man es ihr wort 
för wort vorgelesen. 

Actum Königsegg^ 24 März 1672 Gegenw. dieselben. 
Katharina Boschin sagt 1 auf ferneres güetigs erinnern (denn 
ihre erste aussag gar zu confus gewesen) ^^), daß der Teufel vor 



123 

Bregentzer Belägerang ^^) za ihro in Gestalt eines bekannten Erieger- 
jungen kommen und sie beschlafen. Das andere oder dritte mal 
habe er sich ihr erst zu erkennen geben, sein Gestalt habe er 
behalten'^) ausser seine füß seien verendert gewesen. 

2 Auf daß hab er an sie begehrt, Gott und alle Heiligen 
zu verläagnen nnd sich völlig in seinen Schutz und Gewalt zu 
ergeben, so sie auch leider gethan. 

3 Bei diesem hat er ihr versprochen, sie auf alle Tanz zu 
führen, auch in allem ihro zu willen zu fahren, wie sie dann über 
die Massen gern getanzt habe^®). 

4 Auf dieß er sie gleich auf den Tanz, so viel sie wisse ^''), 
auf einem hund geführet. 

Ö So oft er sie abgeholt, dann sie niemals von sich selbsten 
dabin kommen oder gereist, habe er sie zuvor allezeit beschlafen ^^). 

6 Da sie noch ledigen Stands gewesen, seie sie gar oft zu 
den hexentänzen kommen, und der erst sei auf dem breiten Mooß 
bei Ebenweiler gehalten wordeA, weil sie den ersten Mann gehabt, 
sei sie 4 mal zu dem Tanz kommen und das Mehrtheil am galgen- 
bühl zu besagtem Ebenweiler. 

7 Bisweilen sei sie auf einem Steken, hund, Besen etc. davon 
gefahren, dabei sie beide mit dem vorden Theil gegen einander 
gesessen. 

8 Der Teufel hab die fahrinstrument selbst geführt. 

9 Den Namen habe der bös Feind aus ihrem menstruo mit 
einer Feder auf ein Brieflin geschrieben. 

10 Habe eben selbigmal ihr ein Eratz in die Seiten am 
rechten Schenkel gegeben'^). 

11 Maria Möhrlin von Gugenhausen hab sie zum öftem 
auf dem Tanz gesehen, welche sie selbmal noch nicht gekannt, bis 
sie nach Wald kommen, dann sie zuvor zu Ebenweiler, nit zu 
Wald gewohnt habe, traute solches ihr ins Gesicht zu sagen ^^). 

42 Einem Soldaten habe sie ein Roß gelämbt, der Teufel 
hab ihr die Salb selbst gegeben. 

13 Bei Luegen im obern holz beim brunnen hab sie helfen 
einen Hagel machen,. der Teufel hab sambt ihr 8 in einem häfelein 
gerüret> alsdann ausgeleret, worauf gehling 1 Dampf an Himmel 
gestiegen und ein hagel daraus entstanden, hab zwar nit grossen 
Schaden gethan, die dabei gewesen, seien gestorben ^^), darunter 
gewesen die Locherin, des Bathles weib, Mnndlins weih und zwei 
von Stuben, die ander hab sie nit erkennt. 

14 Ledigen Stands und da sie zu Ebenweiler gewesen, habe 
sie 3 hägel helfen machen, die zwar nit grossen Schaden gewürkht, 
ob sie zwar willens gewesen, Schaden zu thun, jedoch habe paro- 
chus loci solches verwehren kennen ^^), also daß die Hägel nit 
angangen und nur in riedter herumgefahren. 

15 Nach androung der tortur^^) hat sie angefangen, die 
ersten lang gelaugneten stuk auch bekennen ^ sie habe in das 



124 

Eisselin ein bilfferlin hiDein gestreaet, so gelber farb^^) gewesen, 
der Teufel habe es ihr geben. 

16 Seie beim Galgen zu Hoßkirch vor 6 Wochen des lezte- 
mal beim Tanz gewesen. 

17 Habe des Manrers Kind, ingleichen der Schweizergretha 
Tochter mit diesem obigen bilferlin anch wollen hinrichtend^), wie 
die indicia zu erkennen geben. 

18 Negat, daß sie bei der rothen Nachts auf dein böth ge- 
wesen oder ihr Kind verderbt bab^^). 

19 Negat, daß sie in des Maurers haus hineingesehlichen 
und feur ab dem heerd genommen. 

20 Seie wahr, daß sie ihren ins Schloß gelieferten hauen 
obiges bülferli geben habe. 

21 Negat, daß sie des Christian Baders Eind etwas Übels 
angethan habe. 

22 Sei das leztemal nur zu fueß zum Tanz gangen, dann es 
nit weit gewesen. 

23 Dabei sei gewesen des Broses weih sammt ihrer Tochter, 
des roggenbaurenweib sammt ihrer angeheyrateten Tochter, alle 
von Wald. Des Muethen weih von Hoßkirch, item die rnthe (so 
viel ich ex desciiptione erkennen könden), des Antoni Wißners 
weih. Item die Schweizergreth von Wald, das häfelinsmans weih 
von Riedhausen (im nebenlaufenden Bogen heißt es: des hefelin- 
Webers weih von Waldhausen). Item die Mörlin (unleserlich), item 
des Bachmansweib, NB Diese hat sie revocirt und gesagt, sie 
wisse nichts mehr von ihr, als was ander leuth^'^) so eines einge- 
legten feurs wegen von ihr reden, daß sie ihren Mann hab ver- 
brennen wollen. Item die Vögtin*®). 

24 Sie hab in ihrer Abwesenheit bald einen steken, bald 
einen besen zum Mann ins bÖth gelegt. 

25 Der Teufel habe sie in der lezten Nacht gewarnet, man 
werd sie morgens fangen ^^). 

26 Wann der Pfarrherr von Ebenweiler nit gestorben wär^^), 
war sie nit mer in das laster gefallen, dann er sie davon erlediget 
gehabt. 

27 Der Rest von der Salb werd in Einem rothen hefelin 
vnder der Bettstatt oder hinder dem Trog, wo sie gelegen, zu 
finden sein. 

28 Er habe sie das leztemal beim Tanz beschlafen ^^J. 

29 Dabei haben sie Wein und allerhand fleisch zu essen auf 
einem großen Tisch gehabt. 

30 Die alten. Weiber seien more solito die liechtstök s. v. 
mit dem in die höbe gerichten hindern, worunter die Schweizer- 
greth gewesen. 



125 



Anmerkungm 

1) Vom Harabscbneiden ist schon gesprochen worden ^ es 
geschab, damit sich der Teufel nicht darin aufhalten könne. Daß 
sich die Alte bei dem Schrecken vor der irer wartenden Pein 
nicht besonders gewert haben wird, als man sie entblößte, ist 
ebenso leicht begreiflich , als daß sie dabei „keinen Zäher'' ver- 
gossen , wer den Menschen nur einmal in großem Seelenschmerz 
gesehen hat, weiß, daß im alles gleichgiltig ist, was man mit im 
anfangt und daß er auch nicht mer weinen ha/n/n, 

1') Das kommt häufig vor, daß sich die gequälten Weiber 
eine Bedenkzeit erbitten und manchmal wird dise Zeit dazu be- 
nüzt, denselben durch Vorzeigen der Folterwerkzeuge, Aaseinander- 
sezung irer Anwendung und irer Wirkung ein sogenanntes frei* 
williges Geständnis abzulocken, bißweilen besinnt sich das alte 
Weib über das, was andere Unglückliche vor ir angegeben haben 
und schwazt nun das gleiche, um der Folter zu entgehen; wir 
haben oben gesehen, daß sie die Folter fürchten, sonst würde nicht 
gefragt worden sein, .,wie lang sie mecht torquirt werden '^ 
2) noch sagt man jamere. 3) Auf dises Zeichen gehen die Rich- 
ter, wie auf ein Pathognomicon und wir werden dise obige Phrase 
hiß zum Eckel oft wieder hören müßen. 4) Noch jezt hat man 
dise Redeweise schlechtweg zu sagen : Der Mann , stat ir , dein 
mein Mann. 5) Es ist hier von einem alten Aberglauben die Rede, 
der damals wol nur noch von alten Weibern geübt werden mochte, 
der indessen noch heutiges Tages von den jezigen alten Weibern 
nicht vergeßen ist. Das Weihwaßer soll die Fegfeuerglut der im 
Hause herumschwebenden verstorbenen Angehörigen löschen. Noch 
heute hält man alte Weiber, welche besondere d. i. veraltete 
Redensarten im Munde füren, wie: ja daß mers anand iura gua 
stund verzellet — daß gott walt usw. für Hexen. Das heißt 
man dann: bsondere the'ma, denn alles Aufiallige an einem Men- 
schen deutet darauf hin, daß es mit im nicht geheuer ist, daher 
auch jede auffällige N/arvenkrankheit, choreaartige, histerische u dgl 
Bewegungsanomalien gleich für die Erscheinungstätigkeit des Belze- 
bub gebalten werden. Alte W^eiber sind von jeher in irem Be« 
nemen absonderlich gewesen und werden es so lange sein, als es 
dUe Weiber gibt. 6) Man siht, der Mann denkt nicht im ge- 
ringsten daran, sich seines Weibes anzunemen, wie es immer der 
Fall ist, wo die Borniertheit mit der Gespensterfurcht gepart 
ist. 7) Es ist unschwer zu begreifen, warum die Weiber nicht 
ruhig sizen bliben. Man braucht nur einmal ein altes Weib im 
Verhör gesehen zu haben und man ist vollständig belert, wie sich 
da ein altes Weib benimmt, wie beständig aufstet, wenn man es 
immer wider still sizen heißt. Das alte Weib härm gar nicht 
sprechen, oder sich erklären, one daß es aufstehen und gestiku- 



126 

lieren darf, das weiß jeder Arzt, der vil mit alten Bäurinen yer- 
kert. 8) Diser Grandsaz richtet sich selbst. 9) Wir werden auf 
dises Stillschweigen mitten anter der Tortur noch öfter stoßen, 
wir ffiren nur an, daß diß bei schmerzhaften Operationen grade 
so Torkommt. 10) Man siht, das arme Weib fangt an, seine 
wirklichen Sünden zu beichten. 11) Dem Richter genfigen ver- 
nfinftige Angraben nicht, er will um jeden Preis das hören, was 
als Antwort in seinem Ezaminationsschema geschriben stet. Auf 
dem Rande bemerkt man noch, „dieß ist der Hexenbranch, daß sie 
vermeinen, mit dergleichen zur sach nit thuenden Sachen die rieh- 
ter zu bedören." Und wer ist von disen beiden mer betört!? 

12) Das also nennt man ein gütliches oder freiwilliges Bekennt- 
nis, wenn ein altes schwaches Weib, nachdem es die unmensch- 
lichsten Grausamkeiten erduldet hat, alle Fragen, mögen sie zu 
irem Heil oder Unheil ausschlagen, willenlos nach dem Wunsch des 
Peinigers beantwortet. Das alte Weib siht wol ein, daß man es 
nicht ausläßt und daß es einmal eine Hexe sein muß, gleichvil, 
ob es eine ist oder nicht, und daß es sich vile Qualen erspart, 
wenn es bälder bekennt, was der Richter einmal bekannt wißen 
will. Wir werden weiter unten sehen, daß eine Frau bittet, man 
solle ir doch vorsagen, was sie bekennen soll, sie wolle es gern 
tun, und daß merere bitten, man möge doch den Prozess be- 
schleunigen, damit sie bald hingerichtet und aus irer Qual erlöst 
werden. Von der menschlichen Gerechtigkeit hoffen sie nichts mer. 

13) Vor allem muß bemerkt werden, daß in den Königseggischen 
Akten die Aussagen nur summarisch angegeben werden, daß weder 
die Fragen des Richters, noch die ersten abweichenden Angaben 
der Verhörten angefürt sind, woher es denn kommt, daß 
scheinbar nicht zusammengehörende Aussagen aneinander gereiht 
sind. Es widerholt sich jedoch die Reihenfolge der Fragen wie 
der Antworten in den kommenden Prozessen so gleich , daß man 
wol erkennen kann, wie der Untersuchungsrichter sein Schema 
neben sich hatte, ja es wird weiter unten in dem Prozesse der Hum- 
lerin sogar ausdrücklich angefürt. (Der Richter pflegte so zu 
sagen, daß die Angeklagte nur immer ja und nein zu sagen oder 
einen bestimmten Personennamen anzugeben brauchte.) 14) Wir 
werden noch öfters die Wamemung machen, daß diso fabulosen 
Vermischungen mit dem Bösen als eine Blenderei, als etwas 
Traumhaftes geschildert werden, woher es auch kommt, daß die Be- 
klagten oft den Beisaz machen, sie wißen es nicht mer recht, oder 
sie meinen es so; von einem wirklich ausgeübten Goitus mit 
iren menschlichen Liebhabern wißen diso Weiber alles harscharf, 
auch wenn es noch so lange her ist. 15) Wir werden finden, 
daß es sich regelmäßig darum handelt, daß ein gewisser Mensch, 
mit dem das Weib Umgang gepflogen, für den Teufel ausgegeben 
wird; obwol (zB in dem Prozess der Anna Maria Schenkhin von 
Hoßkirch) der menschliche Liebhaber selber gestet, sich mit der 



127 

Angeklagten versündigt zn baben. Hier macbt man die Warheit 
zur Dicbtnng. Es wirft auf den damaligen Stand der Sittlicbkeit 
freilieb ein ser scblecbtes Licht, da wir aus disen Prozessen ent- 
nemen werden, daß der Ebebrucb an der Tagesordnung war; wir 
könnten diß nocb unwiderleglicber beweisen, wenn wir einen un- 
bescheidenen Gebrauch von den noch vorhaodenen zalreichen 
Griminalprozessen, Ehebruch und Notzucht betreffend, machen woll- 
ten. 16) Diser Teufelsuame kommt auch in vilen andern Prozessen 
Yor. Begreiflicherweise verbreitet sich das, was von den Ange- 
klagten bekannt wurde, in der ganzen Umgegend, und so wißen 
spätere Angeklagte schon, was sie sagen müßen. Ueberdiß mnste 
es damals allgemein bekannt sein, was sich Hexe und Teufel als 
Liebespar für Namen gaben. 17) Wir erinnern nur an die Sage, 
wo der Bauer mit dem Hexenbock in einem Sprung über das Meer 
sezt nnd sich nicht enthalten kann zu bemerken: hm! hm! ist 
dees a Bokssprung gsein. 18) Es war für ein Hexenmal karak- 
teristisch one Brod und Salz zu speisen, deshalb wird diso An- 
gabe immer widerholt nnd dringt der Richter wesentlich darauf, 
diß Geständnis zu erhalten. 19) Hier wird die Angeklagte wider 
Mensch , sie fängt an , iren Feinden zu grollen und inen einzu- 
tränken. Es ist diß eine Anspilüng auf die Burgvögtin, von der 
man damals sagte, sie sei auch eine Erzhexe; weiter unten wird 
dise Frau auch wirklich angegeben, in dem 1. Artikel steigt der 
Groll schon zu Tage, der Ingrimm wider die Angeberin macht 
sich Luft, die Salzmännin nennt ire Hanptfeindin geradezu auch 
eine Hexe. Wie wir weiter unten noch sehen werden, gibt die 
Rachsucht gerade wider solche als Complices an, von welchen die 
Angeklagte am meisten verleumdet worden zu sein glaubt. Die 
Angeklagte weiß, daß es für ire Person zwar keine Rettung mer 
gibt, aber sie will nicht ungerochen sterben. Die Verhaßte soll 
auch brennen. Weiter unten spricht sich ein Weib one Scheu 
gerade so aus. 20) Beweis für das in Anmerkung 13 gesagte. 
21) Es hat seinen guten Grund, warum nie ein Corpus delicti 
beigebracht werden kann, und wo es beigebracht wird, ist es der 
unschuldigste alte Salb- oder Oelhafen, mit deren Inhalt die Rich- 
ter vergeblich Experimente an Tieren machten; von einer Unter- 
suchung der Bestandteile einer vermeintlichen Hexensalbe war gar 
keine Rede. Dazu hatte man weder Zeit noch den guten Willen, 
zum Foltern gebrach es an beidem nicht. 22) Die Rote ist eben 
die Hauptschwäzerin, welche die Verhaftung der Boschin besonders 
verursacht. 23) So lang die Aussagen vernünftig sind, nennt sie 
der Untersuchungsrichter confus, wie wir weiter unten deutlicher 
sehen werden , nur mystische Angaben passen in seinen Kram. 
24) Bregenz ward 1646 von Gustav Wrangel vergebens be- 
lagert. 25) Meist gab sich der Teufel erst nach dem 3ten oder 
4ten coitus zu erkennen. Menschlich betrachtet, weiß das Weib 
von iren ersten Zärtlichkeiten noch recht gut, daß sie einem Men- 



128 

Bchen galten. 26) One Zweifel fragte sie bier der Dr. Scharpf, 
wamm sie sich gerade das Abholen zum Tanz erbeten, sie moti- 
yiert dlß damit, daß sie eben in irer Jugend über die Maßen gern 
getanzt habe. Man siht, es verschmilzt Dichtung und Warheit 
zu einem yerderbeobringenden Oanzen. 27) Es ist diß ein Be- 
weis, wie das Weib nicht sicher weiß, was es als Reitinstrnment 
angeben soll. Wäre es wirklich auf etwas zum Hexentanz ge- 
faren, es könnte sich eben so gut daran erinnern, als an die Ge- 
stalt ires Kriegeijnngen. 28) Nach dem wo, wann und wie oft 
dises «Aktes haben sich die Hexenrichter mit besonderer Vorliebe 
erkundigt, was denselben keinesfalls zum Rum gereicht. Uebrigens 
ist das Nacheinander von Tanz und Fleischeslust eine so all- 
tägliche Erscheinung, daß es keiner weiteren Erörterung bedarf, 
warum sie aus dem Leben herausgegriffen und in die imaginäre 
Hexenwelt hineinverpflanzt ward. 29) Meistens gibt der Teufel 
an den Beinen, am Bauch , an den Schamteilen ein Zeichen , wo 
die Henkersknechte immer mit besonderem Eifer darnach suchten, 
wie wir sehen werden. Es war ein wirkliches Unglück für ein 
Weib, an irgend einem Körperteil ein Muttermal, eine kleine Narbe 
oder irgendwie etwas Augenfälliges zu haben. Es muste nolens 
volens ein Teufelszeichen sein. Wie man mit einer Schusterale 
Probe machte, sehen wir später! 30) Dise Phrase kert zum öf- 
tem wider. Namentlich wird sie solchen Personen gegenüber ge- 
braucht, bei denen sich die Verhörte eines heftigen Widerspruchs 
versiht, also ganz besonders bei persönlichen Feindinnen, und disen 
gegenüber beharren aber auch die Unglücklichen am hartnäckigsten 
auf irer Aussage, wärend sie die übrigen Angegebenen regelmäßig 
vor dem Betreten des Richtplazes revocieren, da sie die Nähe des 
göttlichen Ricbterstules denn doch etwas fürchten. Auch diser be- 
lerende W^ink gieng an dem wanumstrickten Hirn der Richter un- 
beachtet vorüber. 31) Auch im früheren Verhör werden nur Ver- 
storbene als Mitschuldige angegeben, allein die richterlichen Dränger 
wollen lebendiges Blut haben und stehn nicht ab, biß sie neue 
Opfer bezeichnet wißen. 32) Diser Pfarrer wird noch zum öftern 
als Haupt- Wetter- und Teufelsbanner erwänt. Wäre der und der 
nicht gestorben, höi*t man oft sagen, dann hätte das Wetter nicht 
geschlagen usw. und dises Weib sagte vor 200 Jaren, dann wäre sie 
nicht wider in das alte Laster der Hexerei gefallen. 33) Wenn der 
Faden des Erzälens zu reißen drote , wis man wider auf die Fol- 
ter, denn von diser wüste man ja, daß sie jedes Weib zu einem 
Geständnis vermochte. Bißher bat die Verhörte fast nur rein 
Erdichtetes angegeben , jezt kommen einzelne in der Wirklichkeit 
lebende Personen in das Wangewebe hinein. 34) Diser Farbe be- 
gegnen wir noch öfter; 35) hinrichten bedeutet beschädigen und 
töten. 36) hier mag sie irer Feindin die Freude nicht gönnen, 
zuzugeben, daß sie ober irem Bett gewesen. Das ist psychologisch 
ebenso interessant als war. 37) Abermals ein Wink, wie die Ge- 



129 

peinigten häufig solche Personen angaben, welche die öffentliche 
Meinnng als Hexen bezeichnete, die inen sonst nicht eingefallen 
wären. 38) Jezt wird die Yögtin endlich bei Namen genannt. 
39) Dise Warnung geben auch andere an ; das Gemunkel der Leute, 
welches von indiscreten Eingeweihten Narung erhielt, drang auch zu 
den Oren der Bedroten, und das nennt man im peinlichen Pro* 
ceß, der Teufel hat es gesagt. Bei der Mörlin und anderen ist 
dasselbe der Fall. 40) sih Note 32. 41) sihNote 28. Man 
kann bei der Beurteilung der Hexenprozesse überhaupt nicht oft 
genug darauf hinweisen, die Erklärung viler Angaben nicht in den 
mystischen Büchern unpraktischer Theologen oder Philosophen zu 
holen, sondern in dem so nahe ligenden leibhaftigen Alltagsleben. 
Meinungen, Lebensanschauungen, Bräuche und derlei mer erhalten 
sich im Volke mit einer so bewunderungswürdigen Zähigkeit, daß 
wir für unsere epikritischen Momente nicht erst in gelarten Gi- 
taten Nuzen zu holen brauchen, obwol wir das in hinlänglicher 
Menge könnten, sondern nur aus dem Naheligenden , aus dem 
Leben das Richtige mit beiden Händen herauszunemen haben. 
Außerdem muß man nie vergeßen, wie tief sich die abgeschmack- 
testen Meinungen in den Menschenschädel hineinfreßen können 
und wie ein Heroismus in malam partem entstehen kann, der gar 
Niemand anders zum Vater hat, als den Aberglauben. Wir sehen, 
daß damals jedermann am andern all das, was angegeben wurde, 
für möglich gehalten hat, nur an sich selber nicht. Wir sehen, 
daß der, welcher angegeben worden, die Beschuldigungen seiner 
Angeber mit Entsezen vernimmt, daß er im warhaftigen Geföl der 
Unschuld seine Unschuld selbst und heilig beteuert, aber man 
glaubt im nicht, wie er anderen nicht geglaubt hat, es gibt für 
in keine Verständlichmachuug mer, keine Möglichkeit des Beweises 
▼cm Gegenteil, denn alle Welt zeugt wider in. Muß einen sol- 
chen ]$lenschen, in solchem Elend, die Welt nicht wie ein Feld 
voller Teufel angrinsen, muß er sich nicht mitten in ein diaboli- 
sches Wanleben hineingebannt glauben, aus dem in nur wider nichts 
anderes als Schein, als Trug, als etwas Dämonisches rettet. Da 
verwirren sich seine Sinne in einem Zustand, der dem Hängen 
zwischen Himmel und Erde gleicht, denn die Seinigen, die er ge- 
zeugt, großgezogen mit unendlicher Mühe und Liebe sind im auf 
einmal fremd geworden, ja seine Verräter, seine Henkershenker 
und die göttliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit erschin im 
nicht minder etwas längst verschollenes. So gab es nur Eünen 
Kriöser aus dem gräulichen Wirrsal — den Tod! und disen ver- 
mochte er nur durch die Lüge hindurch zu umarmen, durch die 
Lüge, in die er seine Erinnerungskraft versenkte, biß sie mit seinem 
Wißen und Dafürhalten in Eins verschmolz, und er nun sich 
schuldig zu bekennen vermochte, one daß jemals wider das Be- 
wußtsein seiner Unschuld aufzutauchen wagte. 

Birlinger, Alemannia XI 3 ^ 



130 

Aetam K&mgsegg, 27ten Merzen 1672 in praesentia meiner 
und des Wechters allein. 

Dann sie mich ex prof. durch ihren Wechter eilends zn Ihro 
rufen lassen. Sagt: als sie in Ihrer Jngend das nähen in Wald 
gelernt, hahe angegehene Broses weih (bei welcher sie zur Stubeten 
gewesen) gesagt: wartet, ihr Mädlin, ich will etwas hereinbringen 
nnd ein Nebel machen, welches sie auch gethan und sei alles in 
der Stub herumgefahren, worüber sie Mriederum nach haus nach 
Ebenweiler sogen. 

2 sei ihr oftermal ins Haus ein schwarze Eaz kommen and 
da solche der Mann hat wollen todt und auf sie geschlagen aus 
Kräften, sei nit änderst gewesen, als wann er auf einen wollensak 
schlag und diese £atz sei des Broses weih gewesen. 

3 Sie hab ihr öfters im Salzfaßlin Schaden gethan, wie sie 
den einmal das hemmet beim Salzfassel vergessen und liegen 
lassen. 

4 Man soll dieß Broses weih und dann die Morlin von 
Gkigenhausen einziehen, zuvor könn und woll sie nit sterben, und 
werde man zwei Hexennester finden bei diesen Personen, daß es 
ein greuel sein werde, wodurch die ganze Herrschaft mochte von 
diesem laster gesäubert werden^). 

5 Sie habe die Salb ins feldt hinausgeworfen, es sei nur 
wenig noch vorhanden gewesen. 

6 für diese beide , daß sie hexen, woll sie gnugthun , aber 
wegen den übrigen wolle sie sich entschlagen'), dann wann diese 
beed werden ernstlich gefragt, werde man schon auf den rechten 
grund kommen. 

7 Gestern Abends um 7 Uhr, da der wechter mich zu ihro 
hinauf beruft und meidung wegen dieser 2 verdechtigen Personen, 
habe es bei ihr gedoset und gedobet, das Sie nicht gewußt, was 
es nur sein müsse, vermeine, es habens nur diese Hexen gethan, 
weilen sie selbe angegeben hab. 

Actum Königsegg, den 8 Merz m. praes. H Obervogts von 
Aulendorf, deß H Gerichtsammans und meiner. 

Auf beschehene Erwartung des H Gonsnlenten, daß man 
über etliche Puncten von der Gefangenen eine Erläuterung begehre^ 
bat man selbe nochmals constituirt und examiniret: 

1 Confirmirt alles nnd jedes, was sie bis dato bekennt und 
das ohne innige Tortur. 

2 sie habe das Hexenwesen nit von der Walpurg (wie an- 
fangs bekannt hat), sondern von dem Kriegerjungen, so es doch 
im fahl der Teufel gewesen, gelehrt habe, habe aus forcht die 
Walpurg angegeben. 

3 Sie habe diesen Kriegeijungen gar gern gesehen, in seiner 
Gestalt sei der Teufel durchgehends zu ihr kommen bei der Nacht, 
und indem sie mit dem vermeinten Kriegeijungen peccirt, sei er 



131 

von danen gangen and nichts weiter verlangt'), noch sich zu er- 
kennen geben nnd 

4 an sie den gehorsam, verläugnnng gottes und aller heiligen 
begehrt, was sie versprochen und alle heilige, ausser^) der h Mutter 
Gottes und der h Catharina, ihrer Patronin, verleugnet, worüber 
der böse Feind das blut von ihrem menstruo genommen und ihren 
Namen in ein Brief lein auf dem fenstersimbsen^) eingeschrieben. 

5 habe dahero kein Zeichen weiters am leib. 

6 Der bulgeist habe sie allezeit auf den Tanz auf einem 
stekhen, kazen, hund abgeholt. 

7 Der böse feind hab allzeit den fahrzeug selbst geschmiert 
und dabei gesagt: fahr hin ins Teufels Namen. 

8 Der erste Tanz sei gewesen beim breiten Moos zu Eben- 
weiler, wobei sie gesprungen, getanzt, gessen und getrunken, wobei 
der bulgeist allzeit die Ehre gehabt im Sizen und gehen®). 

9 habe nichts weiters bös gesehen oder gethan beim Tanz. 

10 Es sei ein aufgedeckter Tisch mit stiel gewesen. 

11 Außer wein und fleisch haben sie nichts weiters gehabt. 

12 Den wein, rother färb, hab der Teufel aus einem unbe- 
kannten Keller in Ravensburg '') genommen, item aus des Wirths 
von Eben Weiler, item des hirsch wirths bekhen bansen, von dem 
Schloßkeller von Althausen. 

13 Zu Wolfertschwendi sei sie auch etliche mal auf dem 
Tanz gewesen, und haben sie den wein allda aus dem Keller beim 
Wirth selbigs mal genommen, dahin sei sie auf einem schwarzen 
band gefahren. 

14 Die Maria Möhrlin von Gugenhausen sei zum oftem 
nach Ebenweiler zum Tanz kommen^), allzeit mit ihrem bulen. 

15 sie habe diese erst recht kennen gelernt, nachdeme sie 
Bosohin nach Wald gezogen. 

16 «ie haben einander beim Tanz gar oft zugetrunken, je- 
doch hab dasjenig dem maus zugebracht, nichts geantwortet, und 
more solito^) gesegnet. 

17 habe einem Soldaten das Pferd gelähmt, daß es ge- 
storben, der Soldat sei beim Müller zu Ebenweiler in Quartier 
gewesen. Die salb habe ihr der Teufel in die band gegeben, mit 
der sie das Pferd geschlagen. 

18 habe im oberen holtz zu Ebenweiler 3 Wetter helfen 
machen, ihrer 5 hexen seien ungefähr^®) dabei gewesen, nemblich 
des Andreas barthen weib, die Locherin, Annele gutt, des Munds 
weih, die seien schon gestorben, die 4te war sie, die 5te der 
Teufel, sie haben in einem hefele gerüert, worauf ein Rauch auf- 
gestiegen und ein wetter geben, hätt sollen über den Maurer und 
Altschauser ösch gehen, sei aber in das nahe gelegene Ried gangen ^^). 
Die abredung dessen sei zu wolfertschwendi beim Tanz beschehen 
nnd dieß am Sambstag^'). 



132 > 

19 Das pulferlin hab ihr der Teufel geben, wisse nit, wie 
er es gemacht. 

20 Sie habe des Maurers Kind das Bulferlin in den Kriesen 
geben, drauf es krank worden und gestorben. 

21 negat nochmals, daß sie bei der rothen gewesen und 
ihrem Kind was geschadt. 

22 negat, daß sie ein fewr in des Maurers haus geholt. 

23 bekennt, habe den haanen, so sie ins Schloß geliefert, 
von dem bulferlin geben, daß auch die andern crepiren, wie es 
vom Teufel ihr befohlen worden, in Meinung, die Frau Hof- 
meisterin soDe davon essen, damit sie davon sterbe, und das hab 
sie mit fleiß gethan, dann mein etc. Herr ingleichen ich nit zu 
haus selbigmal gewesen und sie uns nit gemeint hab, und daß 
darumben, weilen das frl. hofmeisterin sie nit allzeit wollen lassen 
passiren und im frohndienst so guete Obachtung auf sie geben 
habe «»). 

24 daß sie das leztemal gangen, seie die vrsaoh, daß der 
ort gar nah nemblichen dem galgen zu Hoßkirch gewesen. 

25 Die Maria Möhrlin, des Broses weih sammt ihrer Tochter 
sei mit ihren beiden buhlen auf einem hund zum Tanz geritten, 
die Maria Möhrlin sei auf einem Stekhen dahergefahren, sei ein 
jede in ihrem gewöhnlichen Kleid aufgezogen. 

26 seien samentlich ^^) an einem Tisch gesessen, diges fleisch 
gössen ^^), sonst nichts anderes als ein Trunk wein trunken, so sie 
vor Ostern ^^) aus des Joosen Keller geholt haben. 

27 Des Broses anna sei die erst und vornembst unter ihnen 
gewesen, zu oberst ist gesessen die besagte Anna, alsdann die ge- 
fangene, nach ihro die Möhrlin, dann das Mariele der Anna Tochter, 
dazwischen sei allezeit ein buelgeist gesessen , nach diesem seien 
andre mehr, wie im ersten Protocoll zu sehen, nacheinander mit 
ihren buhlen gesessen. 

28 Der Anna bulgeist habe den wein aus einer hölzernen 
flaschen aus obigem Keller von Ostern geholt. 

29 Die Anna und Möhrlin, wie auch der Anna Tochter 
Maria seien für gewiß hexen, die andere woll sie soweit ent- 
schlagen ^''), dann die Vbrigen schon genugsamb an Tag geben 
werden. 

30 Der Teufel habe ihro den steken, so sie zum Mann ins 
bett gelegt, allzeit gesalbet. 

31 Der böse feind sei einmal zu ihro ins Gefengnnß ge- 
kommen. 

32 Der Teufel hab ihro gesagt in der Gestalt, wie er alle- 
zeit aufgezogen, man werde sie fangen am lezten Abend beim hart. 

33 seie das Pulver wieder in seine Gewalt kommen. 

34 mit der Salb bleib sie bei der lezten aussag stehen. 

35 wisse nit recht, ob die Schweizergreth ein liechtstok ge* 
wesen oder ein hex sei^®), sondern laß es beim obigen bewenden. 



133 



36 sie habe des vogelins Eiod auch das Pulver auf das 
hauptkisselin gestreut, wodurch es krank worden. 

37 mit den brunsten habe sie niemals was angefangen, wisse 
auch nichts hievon das geringste zu sagen. 



Besiehung 

Auf diese examina und eingeholten Rath des Consulenten ist 
der Proceß beschlossen worden und die VerhafiPte auf dem Schloß 
Königsegg den 30ten März anno 1672 in beysein und gegenwart 
meiner Johann Franz Scharpf etc. Obervogten, Joh. 6. Katzen- 
mayers, Gerichtsammans und Stabhalters zu Hoßkirch, Baltasar 
Binder, Christian Bücheln, beed von Wald, Stoffel Stier von Ried- 
hausen, bans Scham, Peter Rauch, beede von hüttenreute, Jacob 
Schumacher von hoßkirch, alle mitrichter und Urtelsprecher etc. 
aller banden los vorgestellt, ihro die begangene und bekannte 
Laster vorgehalten, worauf sie alles und jedes, was sie bis dato 
bekennt, wiederum gut und freiwillig bestanden, ingleichen die- 
jenigen vorgelesenen pnncten , worüber sie in specie freiwillig he» 
sibnet und dann nach dem gehaltenen blutgericht vor jedermännig- 
lich in der Urgicht nach altem gebrauch und gewohnheit pflegen 
abgelesen zu werden, als nemlich und erstlich: 

Urgicht, waß Catharina Boschin sowol gütl- als peinlich bekennt hat 

1 vor 29 oder 30 Jahren habe sie umb ein Sriegerjungen 
in Ebenweiler gebuelt, in diesem sei der leidige Teufel in Gestalt 
des Kriegerjungen in der Nacht kommen und sie beschlafen und 
dies 3 mal, nach dem Sten mal hab er sich Ihro zu erkennen 
geben und den gehorsamb sambt der verläugnuß Gottes und aller 
heiligen begehrt. 

2 habe hierauf Gott und alle Heilige außer der Mutter 
Gottes und h Katharina verläugnet. 

3 hierüber der Teufel blut aus ihrem menstruo genommen 
und sie damit eingeschrieben. 

4 Der buelgeist (so gabele geheissen) hab sie allzeit zum 
Tanz auf einem gesalbten steken, kazen, hund abgeholt und dieß 
in lOOO Teuffelsnahmen. 

5 Den ersten Tanz habe sie bei Ebenweiler im breiten Moos 
besucht, wobei sie getanzt, gefressen und gesoffen, den Wein ans 
einem unbekannten Keller in Ravensburg genommen, item ans des 
Wirths von Ebenweiler, des hirschwirth beken bansen und Schloß 
in Alschausen. 

6 Zu Wolfertscbwendi sei sie auch etlichmal gewesen, den 
wein haben sie allda aus des wirths Keller genommen. 

7 Sie habe einem Soldaten zu Ebenweiler das Pferd ge- 
lamet, das es crepirt. 



134 

8 In dem oberen holtz zu Ebenweiler habe sie helfen 3 Wetter 
machen, in Meinung, dasselbe über Maurer und Altschanser öscb 
geben zu lassen, so aber nit dabin, sondern in das nagst gelegeue 
ried kommen. 

9 Mehr bab sie des Christa Lumppers Maurers zu Wald 
3jähriges Kind mit 1 Pulver bingericht. 

10 mit diesen Pulver hab sie das Geflügel im Schloß bin- 
gericht in Meinung, dadurch frl. Hofmeisterin allda auch hinzu- 
richten. 

11 sei durch die hPPFranziskaner von Sulgaw und ihrem 
gewesten herrn Pfarrherrn Seeb in Ebenweiler schon einmal von 
diesem Hexenlaster völlig erlediget worden^ in einem jubileo, 

12 worüber sie durch ihr übelverhalten wiederum in daß 
Laster kommen. 

13 Den lezten Danz hab sie vor ungefähr 2 Monat bei dem 
galgon zu Hoßkirch besucht, wozu der Teufel den Wein aus des 
Joosen Keller von Ostren in einer hölzernen flaschen geholt. 

24 Der Teufel habs ihr vorgesagt, am Abend bei dem härd 
man werde sie fangen. 

15 Sie hab allzeit, wenn sie ausgefahren, einen gesalbten 
Steken zum Mann anstatt ihro ins bett gethan. 

Ein Mehreres der etc. herrschafb vorbehalten und aus ge- 
wisser Ursach nit abgelesen. Voigt dann die hierauß von Einem 
der Grafschaft Königs Egg Ehrsam gericht die verfaßte Yrthel. 

Actum Hoßkirch 1 April 1672. Nachdem man die verhafte 
Catharina Boschin auf die beschehene besibnng von Königs Egg 
nachher Hoßkirch ins würths houß auf dem Karren geführt und 
selbiger zu Versorgung ihrer Seel die h geistlichen zugelassen, sind 
alle gerichtsverwandte nach gehörter h Meß am Morgen umb 
halber acht Uhr zusammenkommen , die Urtel anfangs, daß sie 
lebendig verbrannt werden solle, weilen sie aber höchstens neben 
den h geistlichen umb milterung der Vrthel gebetten, hernach auf 
das Schwert (wie nachgehends zu ersehen) verfaßt, zuvor aber 
obige puncten (obbemeldter fassung) von jedermänniglich und gleich 
darauf die Yrthel abgelesen, der Stab zerbrochen und sie Boschin 
zu Vollziehung der Urthel dem benker an die band geben. 

Vrthel 

In peinlicher Rechtssach gegen und wider Catharina Boschin 
allhier der hexerey halber sich haltend, Ist auf allgerichtliches 
für- vnd anbringen nach wahrhafter Erfahr- und Erfindung, so 
derentwegen lauth kaiser Carl V und des h Reichs Ordnung be- 
schehen durch die Vrtheiler und Schö£Pen dieses gerichts erkennt, 
das sie Catharina Boschin hier gegenwärtig solcher ihrer Misse- 
thaten halber Ihro zue wohlverdienter Straf, andern aber zu einem 
abscheulichen Exempel, mit dem Schwert vom Leben zum Tod 



135 

gestraft und Ihr Cörper zu Staub und Aschen verbrannt werden 
solle, publicatnm. 

Die hingerichte Person ist allem äasserlichen ansehen nach 
mit tre£Plicher Resolution vnd wohlgetröstem Vorsatz gestorben, 
requiescat. 

1) Sie sucht hier durch Anschwärzung anderer sich selbst 
weißer zu machen. 2) und sucht die Aufmerksamkeit des Richters 
von den bereits angegebenen ab und disen Personen zuzulenken, 
one Zweifel hat sie sich im Gefängnis auf dises Manöver gesonnen. 
3) man erwartet, die Sache menschlich betrachtet, auch nichts 
anderes. 4) Diß ist ganz charakteristisch, sollte wol Jemand 
glauben, daß der Teufel solche Goncessionen mache. Er, von dem 
man sagt, daß er die Mutter Gottes noch mer als Gott selbst 
baße. 5) man sagt noch so. Simbsen, Gesimse. 6) auf der 
rechten Seite. 7) man siht augenblicklich, wo die Geographie 
der Leute anfängt grau zu werden, hier vermag sie schon keinen 
Namen mer anzugeben, weil sie auf dise Entfernung Niemand mer 
kennt, wäre sie mit dem allwissenden Teufel im Pact gestanden, 
hätte sie alles harscharf wißen müßen. 8) Immer wider die 
Möhrlin. 9) es soll dir wol tun ins Teufels Namen , sih nuten. 
10) Die Zalen werden ser häufig ungenau angegeben, häufig ge- 
wechselt, eben weil sie nur Einfalle sind. 11) Es ist fast komisch, 
daß sich der dumme Teufel mit einem ganzen Troß bemüt ein Wetter zu 
machen und entweder get es nicht hin wo er will, oder „es gerät 
nicht", „get nicht an'^, ist nur ein klein Wölkle daraus worden 
usw. 12) Samstag ist der Hexensabbat. 13) Captatio benevo- 
lentiae beim Obervogt. 14) noch jezt: Gsundheit samentlioh! 15) 
Digis floisch, geräuchertes Fleisch. 16) d. i. Osterach. 17) „in 
so weif' noch gebräuchlich etwa far zwar. Bestet auf irem Opfer, 
one das sie ,,nit sterben könne und woUe'^ 

MRBUGK 



136 



JOHANNES PAULI ALS PREDIGER 

Fredigten 'des Verfaßers von „ Schimpf und Ernst^ waren 
bißher nicht bekannt; einen ganzen Band solcher enthält eine im 
Privatbesize befindliche Handschrift, deren Besizer mir freand- 
liehst die Mitteilung der nachfolgenden gestattet hat. Sie wurden 
1493 — 1494 zu Tann im Elsaß gehalten, wo Pauli die längste 
Zeit seines Lebens Lesemeister war. Der Band ist von einer Frau 
geschriben, wie der Eintrag am Anfang der Handschrift und die 
Schlußworte bezeugen. Bl. Ib Item es ist ze wissen ob von disen 
nach geschribnen predginen nit alle ding lieplich uf gelcit, maister- 
lieh probiert und ordelich gezögt sint, ist die schuld nit des wir- 
digen lesmaisters , sunder der armen schriberineu , die flisklich 
begert jrs wellent verziehen vnd gott für sy bitten. Am Schluß 
von Bl. 255 Bittend got für die schriberin. 

Ich gebe als Probe die erste Predigt, die mit lateinischen 
und deutschen Randglossen von andrer, aber gleichzeitiger Hand 
versehen ist, derselben die Bl. 1 b folgende Disposition der Predigt 
eingetragen hat: 

Predestinatio 
respicit bonum gratie et eam preparat 

Vocatio 
bonum gratie collate post retractionem a malo quod retrahit a 
malo et gratiam offert 

Justificatio 
bonum gratie initiale et gratie confert 

Glorificatio 
bonum glorie future et gratiam multiplicat 

Multi vocati pauci electi utinam de paucis nos simus 

Dens gloriosus qui seroel incepit bene i'acere nisi quod nostrom 
omnino est derelinquamus ejus beneficium cogitur ex necessitate 
juste misericordie neminem prius posse relinquere. 

la Dise nach geschribnen erlüchten 1er hat uns geton der 
wirdig lesmaister here hans Pauli unser trüwer bichtvatter vf den 
sibenden suntag nach pfingsten jm LXXXXIII, seit von craft vn 
nutzbarkait der gnad gotz. • 

Gracia dei. vita eterna Ad Romanos VP capitulo. 

Andechtigen kinder xpi jhü unsers herren! Die wort, so ich 
üwer andacht hab für gehalten jn latin, schribt vns der wirdig apostel 
Paulus zu den Römer. jn der epistel^ die da gelesen wirt hutt von 
disem loblichen suntag, sprechent jn tusch also „Gnad gottes ewigs 
leben ^. Dise wort mins anfangs ze beschliessen vnd ze tünd ain 
kurtze vorred, nim ich für mich ain red, die da tut der sAss lerer 
sanctus Augustinus; jn libro de gratia et natura spricht er also 



137 

„Gracia dei stim, sine qua nee infantes nee profecte etatis salnari 
possunt, et graoia non potest mereri, sed a deo gratis dator, ideo 
dicitur gratia. Von der gnad gottes bin jch, won dn die weder 
die jnngen kind noch die menschen des volkomnen vnd grawen 
alters mugent behalten werden, vnd die gnad mag nit verdienet 
werden, sunder si wirt vmb sus von gott gegeben, vnd darumb 
so haist vnd wirt sy genempt gnad." Mit disen Worten wil uns 
der lieb Augustinus ze verstend (1 b) geben dz alles dz so der mensch 
ist oder kuftiklichen werden mag, das ist noch hat er nit von jm 
selber, sunder allaiii von der göttlichen gnad, on die niemaut mag 
behalten werden. Vnd hierumb so vermanet uns der wirdig apostel 
paulus, dz wir uns fliösklich ftbint jn der gnad gottes vnd spricht 
also „Sicnt enim exhibuistis membra vestra seruire jnmundicie et 
jniquitate ad jniquitatem, ita nunc exhibete membra vestra seruire 
iusticie jn sanctificacione. Als ir bis her üri gelider habent er- 
hotten zu dienen der boshait vnd der vnrainikait, also söllint jr 
fürbas liwri gelyder erbietten ze dienen der gerechtikait in der 
hailigung." Wil also vil mainen: habint wir bisher unsern mund 
brucht zu fluchen, zu nachreden, zu vppigen vnnützen werten, so 
söllint wir jn fürbas bruchen zu dem dienst gottes, zu singen vnd 
lesen, zu andechtigem gebett, zu demütiger lutrer hiebt, zu tugent- 
rieh er minsamer 1er vnd vermanung etc. Habent wir bishere unser 
hertz ergeben b6sen vnd vnndtzen gedenken, söllint wir uns für- 
bas üben jn hailsamen g&tten gedenken vnd göttlicher betrachtung. 
Des gelich inser hend vnd füss vnd alle unser gelider s&Uint wir 
erbietten zu dem lob vnd dienst gottes jn tugentricher würkung, 
das wir mugint enpfengklich werden der gnaden gottes. „Quem 
ergo fructum habuistis tunc" etc. Fürbas spricht Paulus „Was 
frucht habent jr do gehept, do jr also der sund vnd boshait habent 
gedienet? Nütz anders denn dz ir üch (2a) der jetz mussent 
Schemen, won jr end ist der tod." Er seit frilich war, denn so 
wir lange jar gelebt vnd fröd vnd lust diser zyt snchent jn essen, 
jn trincken vnd jn andren dingen, wenn wir alt werdent, was 
habend wir dester me? Nütz überal denn sünd vnd gebresten 
vnd werint doch eben als wol 6n sölichen süntlichen gesnch her 
komen als darmit. Fürbas zögt er uns den Ion der sünden vnd 
spricht „Stipendia enim peccati mors, gracia autem dei vita eterna. 
Won der sold vnd belonung der sünden ist der ewig tod, aber der 
Ion der gnaden gottes ist ewig leben." Hie feit ain frag so die 
andechtigen doctores tünd, vnd ist die also, ob ain mensch mit 
sinen gntten werchen mug verdienen die fröd des ewigen lebens. 
Dise frag ze verantwürten so mussent wir die gutten werch verston 
mit ainem vnderschaid. Won es sint zwayerlay gntter werch, die 
ersten nement jr an fang a creato, die andren a creatori, von dem 
geschafen, dz ist yom menschen, die andren nement jren vrsprung 
vom Schöpfer, dz ist von gott selber. Nun von den ersten ze 
sagen, dz sint die gutten werch, die der mensch tutt von jm 



138 

selber vnd von aigner bewegnng sios frygen willen, als do ain 
mensch fastet, betet vnd andre gfite werch tat, allain vs siner 
aignen beweguDg vnd frywillikait. Mit den selben g&tten werchen, 
die also jren anfang nement von der geschöpft, mag der mensch 
nit verdienen dz ewig leben, „qaia tanta est dignitas regni dei 
etc. (2 b), won die wirdikait des richs gottes vnd der ewigen 
s&likait ist also gros dz sy von kainer creatur mag verdienet 
werden, „quia non sunt condigne passiones huios temporis ad fa- 
taram glorlam qne reuelabitur jn nobis^ ^). Waramb? Darumb 
„quia unlla creatura agit supra se"; das ist die vrsach „won kain 
Creator mag wArken über sich selbs oder h6oher denn sy selber 
ist jn jr nator". Verstand wol: kain esel noch kain pfärit 
mag ainen menschen geb&ren'), won der mensch ist h6cher vnd 
edler jn siner natur denn das pf&reit^) oder andre vnvernüftige 
tyer sigint, vnd darumb so mag kain pf&reit noch kain tyer 
niemer ainen menschen geberen. Aber ain tyer gebirt dz ander, 
dz jm gelioh ist jn der natur. Es mag och kain mensch ainen 
engel geberen, won der engel libertrift den menschen. Der enge! 
mag och nit geberen den himel, won der materlich himel, jn dem 
gott wonet, ist hftcher denn der engel ^). Sider nun kain creatur 
hocher mag wftrken denn si selber ist, so mag och kain mensch 
mit denen werchen, die er volbringt allain vs siner natürlichen be- 
wegnng^), erlangen noch begrifen die hochen wirdikait des richs 
gottes, dz ewig leben ist^). Der mensch mag aber mit BÖlichen 
guten werchen, die er allain vs aigner bewegung wdrkt vnd nit 
vs der gnad gotz, wol verdienen andre guter (3 a)'') die nit über 
sin wesen sint, also da ist erlüchtung der Vernunft vnd gesunthait 
des Ups vnd des geliehen, won es geschieht dik dz etwenn ain 
mensch ist und lept jn tftttlichen sünden, da durch jm sin Vernunft 
verblent vnd nider getrukt wirt, vnd wie wol er nit jst jn der 
gnad gotz^), dz jm sine gutte werch, die er denn vollbringt, jm 
mugint verdienlich sin zu ewigem leben, so mag er doch damit 
verdienen das im sin verstentnus da durch erlücht wirdt vnd also 
geschikt wirt zu dem gutten, och etwenn gesunthait eins lips 



1) Dk Worte „quia^ hiß „nobis*^ am Bande. 

2) f^gebkren*^ am Bande. 

3) nach ,,pßreit*' ausgestrichen ,y»ig^'. 

4) y,engeV^ für ausgestrichenes ^Mmd'^. 

h\ Am Bande: nuUum temporcäe cat^sat etemum. 

6) Nach „ist^^ folgender amgestrichener Sag: „Aber mit den an- 
dren gttten werchen, die jren vrsprung nement vom schöpfet ^ dz ist von 
gott selber y der durch sin gnad uns die gttten werch ist in gaisten 
(vgl 3 a). 

7) Am obem Bande: cum peceato mortali etat devotio quia devotio 
non est gracia gratum faciens hominem sie et mvXte virtuJtes que suiü 
informes {inferiores?): ßii huius seculi sunt prudentiores. 

8) Nach t^gotz^^ durchstrichen „ist*\ 



139 

dester leuger behalt, won die sftliche tugentlich werch t&nd sint 
dik vil gesunder denn andre menschen, die sölichs nit t&nd, jr 
fnlkait pflegent vnd jrem last jn essen, jn trinken vnd jn allen 
dingen gn&g sint. Ynd darnmb so sprich jch, dz der mensche[n] 
mit denen gfiten werchen wol mag verdienen geschiklichait der 
vernnnft, gesunthait des lips und des geliehen, won die ding sint 
nit vber den menschen, sunder sd sint jn macht ^) vnd wesen oder 
wArkung des menschen. Aber mit den andren gatten werchen, 
die jren anfang nement vom Schöpfer, das ist von gott selber, der 
durch sin gottlich gnad uns die g&tten werch ist jn sprechen^), 
mit denen mugent wir wol verdienen dz ewig leben, won wir die 
nit würkent als vss inser aignen macht vnd bewegung, ^sunder 
gott würkt die durch uns mit siner g6tt(3 b)lichen gnad, vnd 
hierumb so mugent wir damit erlangen vnd verdienen dz ewig 
rieh. Nim ain exempel: du siehst ainen prunnen, der loft von 
ainem hochen berg herab jn ain tief tal. mag (1. man) fragt 
dich : mag dz wasser, so jn dz tief tal harab ist geronnen, komen 
vnd rinnen vf ainen hochen berg? Du antwürst vnd sprichst: nain, 
dz ist vnmuglich. worumb? darümb, da ist dz wasser in siner 
natur schwär vnd darumb loft vnd falt es abwertz vnd nit Aber 
sich vfwertz. ist aber dz ain andrer berg stat nement dem berg, 
jn dem der bninn vnd das wasser entsprungen ist vnd er ^) grad 
jn der hoche ist als der, in dem der prun^) sinen vrsprung hat, 
so mag dz wasser wol vf den selben^) berg och rinnen, won die 
aigeschacht des brunnen ist dz er als hoch mag rinnen, als hoch 
sin vrsprung ist. By dem wasser, dz herab fliessen ist jm tal 
schwebt, verstand die werch, die wir vs unser aigen naturlichen 
bewegung wurkent : die sint ze schwär vnd ze nider, noch mugent 
nit damit komen vf den hochen berg ewiger s&likait. Aber der 
prunn, der sinen vrsprung vf dem hochen berg hat, dz sint die 
gutten werch, die jren anfang vnd vrsprung nement jn gott vnd 
die wir also volbringent mit hilf vnd mit wurkung der gnaden 
gotz: mit denen mugent wir wol komen vf den hochen 
berg vnd verdienen ewigs leben. Vnd darumb sprach paulus die 
wort mins an(4a)fangs „die gnad gotz ewigs leben": das ist dz 
wir mit der gnad gottes ewigs leben mugent verdienen, vnd hie 
mit ist gn&gsamklich beschlossen vnd jn geflirt das wort mins 
anfangs. 

Nun wyter ze reden von der gnad gottes, so wil ich dwer 
andacht sagen, wie die gnad gottes drü werch jm menschen ist 
wArken. „Quia gracia dei hominem educat de peccato mortali 



1) ursprünglich y,stnt jm girden macht*^, 

2)>„m gcdsten^^t ^oie BL 3b stand, wird wol das echte sein. 

3) er zweimal, am ScMuße und Anfärbe der Zeilen. 

4) dann ausgestrichen ent. 

5) darm qfMgestrichen vrspru. 



140 

conseruat in vita spirituali et ad vitam eternam perdacat. Die 
gnad gottz ist den menschen ze ersten vf füren von tätlichen 
Sunden, ze dem andren so ist sy jn behalten jn ainem gaischlichen 
leben, ze dem dritten so ist sy jn jn füren za dem ewigen leben. 
Ze dem ersten ist die gnad gotz den me(n)schen füren von den 
töttlichen Sünden, won kain mensch mag von siner aignen craft 
von t^ttlichen sdnden vf ston on snnderliche hilf vnd craft der 
gnaden gottes. Der mensch mag wol von aigner macht ^) töttlich 
Blinden, aber er mag nit wideramb da von vf ston allain vs siner 
craft. Die vnvernü(f)tigen tyer sint alle geschafen von dem ertrich, 
ynd wenn sü gesterbent, so werdent sü widervmb ze erden vnd ist 
jr wes^n vs'), nütz me da. Aber der mensch ist gemacht von 
zwayen naturen, dz ist von Hb vnd von sei. vom Hb ist er och 
vs ertrich gemacht, denn wir lesent jn genesis, dz got nam ainen ^) 
knollen laimen, formiert dar vß ain bild des menschen, (4 b) vnd 
darnach goß er^) jm jn den gaist des lebens, dz ist die sei. Also 
hastn dz der mensch nach dem Hb nütz anders ist denn pnl(v)er 
vn stob. Darumb sprach gott zum menschen „puluis es et in 
puluerem reverteris, du bist buluer vnd wirst widervmb jn pul- 
uer gekert". Dz sichstu taglich wol, gräbst du et wenn jn ain 
grab^ darjnnain mensch gelegen ist, du findest nütz me da denn 
erden, villicht ain wenig gebain dz zerstüpt vnd wirt ze äschen. 
Wo von ist aber die sei gemacht?^) Die sei ist von gott ge- 



1) "Dann abgestrichen sünd. 

2) Dann atisgestrichen jst 
bS Dann ausgestrichen hl, 

4) Darüber gaistet. 

5) Hier stet am Bande ein a, weiter unten bei ,^aber nit widerumb 
vf ston*' ein &, und dazu gehören folgende Bandbemerkungen^ die ich der 
Reihenfolge nach herseze, non est qtierendum quod querendo magis est 
irridendus, Ysidorus de summo bono, c. X7J. Diser punct worumb 
die sei geneigt sy etc. sol by kristelicher worheit nit anders verstanden 
werden dann aXLsoi yetz von wesen der erbsund so ist vns ein natur 
worden zt ainer pen, das by ntt vnd gor nAt von gott geschaffen ist 
als der natürlich tod wann kurtz die sei ist von gnaden gott das gott 
seJbs ist von sin selbs göttlicher natur. 

-|-a anima habit arbitrium ideo cadit propter ingnauiam ex se 
ipsa quia humana natura perdidit originalem iustidam. 

nolite älta sapere. 

sufficit humilitas et obediencia que semper exhibenda est deo qui 
nos creauit quem vult indwrat cuius vult miseretur non est creantis nee 
volentis sed miserantis. 

+ a diß überheb sich nieman by Ewiger pen das ist die recht 
übermütig hoffart wollen sin wan wir sygend g6it. o. aber von gnoden 
vnd fallen sdber berMieh wafT wir bergen uns des das wir möchten 
erwöUen vnd behoben so versumen wir uns selber gott verlosset den der 
jn verloßt spricht augustinus vnd sagt gar vyl dorwmb mit vorcht vnd 
bescheidenheit lyß disen puncten von dem. a. biß vff b. Der mensch ist 
sin selbs schiild vsß siner vnachtsame vnd dorther kein ander vrsach. 



141 

Schafen vss nicht, vnd dariimb won sd vss nichte geschafen ist, 
so hat sy alweg ain naigung zu der sdnd vnd gebrestelichait , za 
jrtum vnd fal der siinden. War aber die sei gemacht vss ainem 
materlichen ding als der himel oder vss der gnad gotz, so m6cht 
sy och von von aigner craft von todsünden widerumb vf ston; won 
sy aber vss nicht geschaffen ist, so mag si wol jn sünd vallen von 
aigner craft; aber nit widerumb vf ston, Darumb spricht gott 
zfi der sei durch den prophetam Oseam „0 Israel, defeccio tua 
ex te, sed auxilium tnum ex me, o jsrahel, din gebrestung ist 
vs dir, aber din hilf vn trost ist vs mir". Israhel jdem est quod 
videns deum: Israhel ist als vil gesprochen als ainer der gott 
sieht, dz ist der cristelich mensch, der gott sieht durch den 
globeh. Der haid noch der jud ist nit jsrahel, won er mit (5 a) 
dem rechten ogen nit gelopt noch sieht ^) die gothait xpi noch mit 
dem linggen ogen^) nicht glopt noch sieht die menschait xpi ver- 
aint mit der gotthait, vnd darumb ist er gantz plind noch mag 
nit sin noch haißen jsrael. Ys idem homo ra idem videns vn 
el idem deum, ys dz ist in hebräisch ain ^) mensch, ra ist sechent, 
el dz ist gott, dz h ist zu gleit vnd übrig; aber die drii wort 
oder silaben zesamen dz ist so vil gerett als ain mensch der 
gott sieht vnd betiit die cristelichen sei; zu der spricht gott „din 
gebrestung ist vss dir, won du von dir selb wol jn jrtum vnd 
sünd macht vallen, aber din hilfung ist vs mir, das ist von miner 
g&ttlichen ghad wird dir allain geholffen, dz du widerumb macht 
vf ston vnd widerumb komen vs der sund. Nim ain glichnus: 
du kanst von dir selber wol jn ainen tieffen prunnen vallen, du 
kanst aber nit widerumb darus komen, man helf dir denn, büt 
dir ain sail oder ain laiter. Diso laiter, mit der du vs dem 
tieffen prunnen t&ttlicher sünden macht komen, dz ist die gnad 
gotz. wie vil die sprossen hab wil jch dir jetz zemal nit sagen, 
es ist gnäg mit dem, dz du gehört hast, dz sy den menschen 
vs fürt von tÄttlichen sünden, vnd dz ist ain gutter fürer*). 

Ze dem andren ist die gnad gottz den menschen behalten 
jn ainem gaischlichen tugentrichen leben , vnd dz ist dem men- 
schen gar noturftig, angesechen (5 b) sin grosse krankhait, won 
kain mensch ist so andechtig noch so hailig dz er jn sinem 



1) noch sieht ewischengesehriben, 

2) 0^9, e scheint ausrctdiert. 

3) vor ain ausgestrichen dl, 

4) Danehen stet am Bande von „tool jn ainen tieffen prunnen**, 
offenbar mit Bezug auf das Bild von der Leiter, 

vnderteil 

1 gotts foreht 3 eex vnd reuerentz erbieten 5 betrachten 

2 gott lieh haben 4 lesen 6 betten 

7 schowen 
öberteü 



142 

gaischlichen oder gfiiten leben ^) so er aDgefangen b&t möcbt voU- 
barren, wenn jm die gnad gotz nit bystendig vnd bilflicb war, 
won der menscb ist also krank jn siner natur dz sant Augastin 
jn za gelichet ainem glas, dz gar licbtiklicb zerbriobt, wo man 
es ain wenig stost oder fallen 14t, vnd spricb(t)y der menscb sig 
nocb kr&nker vnd zergenkbcber denn ain glaß, won ain glas 
macbstn also sdberlicb balten, wol jn bescbliessen tnd also wol 
versorgen, es belibt etwa vil bnndert oder tasent jar gantz, aber 
bebalt ainen menseben, wie wol dn jemer wellist, bescblüss jn') 
oder lass jn vss, gib jm ze essen vnd trinken was er jemer be- 
geren mag, nocb so mag er so lang nit beliben jn leben als dz 
glas gantz blipt. Das siebt man wol by den grossen klingen vnd 
berren: die babent jr aigen artzot, die nütz anders tand denn 
jre war nemen vnd gebent jnen täglicb artznygen jn vnd mag vf 
komen '), sü sterbent glich als bald als ander lüt. Das aber dis 
krank glas, dz ist des menseben leben jn grosser sorgfeltikait sig, 
des nim ain exempel. Nemist du ain glas oder ainen angster, 
faltist den mit brinnenden kolen, satztist^) vff ain bocb kilcben 
tacb, do der wind am aller sterkest (6 a) w^te vnd allentbalben 
bücbsen scbützen vnd ander dargegen stAndint, die mit gantzem 
fliß emptzklicb zn dem glas scbnssint vnd mit stainen wnrffint, 
mainst du nit, ob dz glas jn grosser sorgfeltigkait stAnde? Ja es, 
on zwyfel, won setzt man ain glas vnuersicbtiklicb an die bocbe, 
es mftcbt berab fallen vnd zerbrecben. bepst du es ütz ain wenig 
ze nach dem für, es zerspringt von der bitz: wie vil me so es 
voll glAgender kolen ist. Du macht liebt mit ainem stain daran 
werfen, es zerbricht: wie sorgklich ist es denn vff dem bocben 
tacb an dem starken wind voll kolen jn gantze ze bebalten, da 
so vil sint die mit stainen dar jn werffent. Gaistlicb so verstand 
des menseben leben oder den menschen : der ist warlicb wol an 
ain bocbe statt gesetzt, so er in ainem gaiscblicb(en) st^t ist ge- 
setzt. Die prinnenden kolen jn dem glaß, idem fomes peccati, 
das ist die naiglichait der Sünden, die ain jegklicb menscb jn jm 
selber bat, er sig wie bailig vnd andechtig er jemer well, won 
kain menscb ist so bailig nie geboren, der dise kolen, naigklicbait, 
spys oder wurtzel der sünden nit jn jm bab gehept, vs genomen 
die zwo edlesten personen, xps vnd sin rainoste mater vnd magt 
Maria, die babent kain naigklichait der sünden gebept; aber süss 
alle (6 b) menschen babent dise glut jn jnen vnd ze dikem mal wirt 
sy enzünt also fast, dz die flammen über dz glas vs scblacbent, 
denn wir sechent dik dz der mensch mit vnordelicber beweg- 
lichait zoms oder andrer sünden also fast anzünt wirt, dz jm dz 



1) nach leben amgeatrichenmo, 

2) nach jn ausgestrichen vn g. 

3) 2. vnd mag nüt vf homen? 

4) nach satztist ausradwt jn. 



143 

bl&t ynder dz antlit loft vnd man jm daz ansieht, dz ist ndtz 
anders denn dz fiir ze dem angster ys schlecht, da von sorgklich 
ist dz es nit zerkliebe. Man bedarf uns zu kainer hoohen schul 
Bchiken , dz wir lemint sünden , es lert sich laider selber . wol, 
denn wir habent den sch&lmaister in üns^). Es sol och billich 
Mrchten die starken wind, die etwen so yngestüm sint dz sü 
pftm, bürg vnd grosse huser vmb werfent, by dem wind verstand 
die anfechtungen, die der mensch muss liden von dem b5sen gaiste, 
die etwenn so stark sint dz sü die sal, büß vnd bürg vmb 
stossent. Adam vnd Eua jm paradis warent zwo stark s&l, 
wardent von dem falschen r&t vnd anfechtung des b&sen gaist 
nider geworfen vnd fiellent jn sÄnd. Was nit Salomon ain schöne 
bürg, Samson ain starker turn, Dauid ain gross huß vnd vil 
ander ^), die von den starken winden der jnblasung des bösen 
figints nider geworfen sint? Wie vil billicher sol sich denn dz 
arm glas fürchten ! Ze dem dritten verstand by denen, die mit 
stainen jn dz glas werfent, die anfechtung, die du must liden 
von der weit oder von andren menschen. Won wer ain recht 
gaischlich leben wil füren, etwz besunders tun oder lassen, der 
muß vil nachred (7a), verkerung vnd spotlicher wort liden; er 
sig in weltlichem oder gaischlichem stftt, so findt man alweg lüt, 
die aim sin gutt fürnemen verkerend, jms für ain glichsnary 
nement vnd jms vff dz aller böst vs legent, won also spricht der 
apostel „omnes qni pie viuiere volunt etc. alle die miltiklich wellint 
leben jn xpo ihü, die m&szent vil durachtung liden. ^ Vnd dis ist 
kain nüws, es ist je vnd je gesin. Der lieb apostel paulus der 
laid vnd enpfieng vil herter grosser stain vnd schmächer wort 
von den menschen, won etlich sprachent: er ist nit ain zwelffbott, 
er hat xf m nie gesechen vnd ist nit by jm gesin ; er hat die ding 
nie von jm gehört^) noch gesechen , die er von jm seit. Ander 
sprachent, er w6r ain hergeloffner vnd weite nüwe vnd falsche 
Batzungen machen, vnd tag vnd nacht giengent sü jm vf sin leben; 
aber er liess darumb nit ab vnd kert sich nütz daran, wie vil 
sy stain gegen jm wurfent, sunder er sprach: „ego plus hijs Om- 
nibus laboraui, ich hon me gearbaitet denn die anderen apostel 
allsament^'. Also sol der mensch och tun: wenn jm sin gaischlich 
leben vnd sine gutte wort vnd werch verkert vnd verworfen wer- 
dent, sol er darumb nit ablaußen^), sunder stät beliben, won wer 
vollharret bis an dz end der wirt behalten^). Also hörst (7b) 
du wol dz der anfechtungen vnd sorgfeltikaiten des kranken 
eilenden menschen so gar vil vnd gross sint jn dissem jamerta]. 



1) Diser Saz stet am öbern Bande, 

2) nach ander durchstrichen vü, 
8) geseit h&rt, seit durchstrichen, 

4) ablaussn, n aus einem a gebessert, dahirUer ein g ausradiert, 

5) vor behalten ausgestrichen gecr6nt. 



144 

dz im mnglicli w&re , dz er jn dem gaischlichen leben 
mftchte bestoD, wenn jn die gnad gottes nit behielte vnd jm 
hilfiioh vn byst&ndig w&re. Dis bekant wol der erliacht 
küngklich prophet Dauid da er sprach jm psalmen „Qais 
conBurget mihi adaersns malignantes ant quis stabit mecnm ad- 
nersus operantes iniqnitates ? here gott, wer wirt mit mir yf 
ston wider die bössen vnd ibelredenden , oder wer wirt mit mir 
ston wider die da boshaiten würkent?" Vnd bald darnach, als er 
befand die creftigen hilf der gnad gotz, da sprach der also ,,Nisi 
dens adinueset me paulo minus habitasset anima mea jn inferno. 
Bett mir der here nit geholfen mit siner göttlichen gnad, so hett 
bald min sei gewonet jn der hell.^ Vnd also habent jr wie die 
gnad gotz den menschen behalt jn gaischlichem leben, won kain 
mensch ist so volkomen noch hailig, behat jn die göttlich gnad 
nit, er möcht noch werden ain kind der ewigen verdampnns. 

Ze dem dritten ist die gnad gotz den menschen fAren za 
dem ewigen leben. Wie aber? Des nim ain glichnns. War dz 
man jetz ainen man hett vervrtailt, (8 a) in vs farte vnd jn vom 
leben znm tod weit bringen, vnd k&m denn ain richer man vnd 
losti den gefangen, gAb fier oder fünf hnndert gl fdr jn, der ge- 
fangen wurd denn sin aigen, der here farte jn mit jm haim, hett 
jn by jm jn sinem dienst, befelch jm sine gütter ynd g&b er jm 
ze Ion essen vnd drinken vnd hett jn als sinen aigen; der ge- 
fangen d&chte, dz er jm (1. jn) vom tod erlftst hett, w&r jm 
triiw, meroti jm sin gatt vnd er so best er jemer künde: wenn 
nun der. rieh here weit sterben, er besatzte sin testament, macht 
sinem natürlichen sun, den satzte er ainen erben alles sins gutz, 
darnach berufte er och sinen aignen trüwen knecht, den er vom 
tod erkouft hett, Sprech zu jm „lieber frund, du hast mir lang 
vnd wol gedienet, des wil jch dich lassen geniessen vnd wil dich 
gantz fry vnd ledig sagen vnd mich aller aigenschaft an dir ver- 
ziehen, vnd darumb bis von mir fry vnd ledig vnd gang war da 
wellist." Der knecht antwürte dem herren vnd Sprech „lieber 
here, mich benügt nit an dem dz jr mich fry sagent, jch bitt 
üch, jr wellint jngedenk sin , dz ich üch so lang zit mit trüwen 
hon gedienet vnd üwer gutt wol gomeret vnd mir och etwz des 
(8 b) üwren mitailint vnd mich ainen erben lassint sin mit üwrem 
sun." Der here antwürt jm vnd spricht „lieber fründ, mich 
dunkt ich hab dir me geton denn jch dir schuldig bin, jn dem dz 
ich dich ledig wil lasen, dz du mir als drülich dienet hast, dz 
bist du mir schuldig gewesen, won ich hon dich vom tod erlöst. 
Der knecht antwürt jm vnd spricht ;, lieber here , ich kenn wol, 
dz jr mir des nit schuldig sint, aber ich beger sölichs von 
gnaden vmb üwer er vnd miltikait willen." So spricht der here 
^das ist ain anders; begerst du das nit ze ainem rechten, sunder 
allain von gnaden, so wil ich dir gnad mitailen vnd wil das da 
ain erb sigist alles mins guttes mit minem ainigen sun." Der 



145 

arm gefangen knecht dz ist der mensch, der vmb einer sind 
willen verurtailt wz zu dem ewigen tod, der rieh here, gott der 
allmächtig, hat jn da von erl6st vnd ze aigen gecouft, hat fAr jn 
geben fier die aller liebsten costlichest ding, die er haben mocht, 
das ist sin gotthait zu ainem ewigen Ion, sin edle sei ze ainer 
Graft, dz gaischlich leben unser sei ze behalten; er sach dz wir 
hungrig warent vnd gab uns sinen haiigen fronlicham ze ainer 
spys; er markt, dz wir durstig warent vnd gab (9a)*) uns sin 
rosenfarw blcit ze ainem trank; er wist, dz wir arm vnd eilend 
warent, daramb gab er uns beide mit ainandren jn dem haiigen 
sacrament. Darumb so ist der mensch schuldig, dz er jm tri- 
licben diene als sin aigner gefangner knecht. Wenn nun der 
mensch sterben wil, spricht er zu gott „ach lieber here, lass mich 
gemessen, dz ich dir triilich dienet hon vnd mach mich och ainen 
erben dins ewigen richs/ So antwurt jm gott vnd spricht „ich 
bin dir nit schuldig min rieh ze geben , won dz du mir gedienet 
bast, des bist du mir schuldig gesin, won du bist min aigner ge- 
koufter knecht." So antwurt jm der mensch vnd spricht „here, 
ich kenn wol, dz du mir nutz schuldig bist, aber ich bitt dich, 
du wollist mich von gnaden ainen miterben lassen sin dins ewigen 
richs mit jhm xpö dinem sun." Denn so spricht gott der vatter 
„won du gnad begerst , so wil ich dir gnad bewysen vnd dich 
ainen erben lassen sin mins ewigen richs." Da von spricht Paulus 
„Gracia sumus heredes dei, cöheredes autem xpi, durch die gnad 
sint wir worden erben gottes vnd miterben xpi." Also habent jr 
gehört, wie die gnad gotz den ^) menschen fArt vss der sui)d, dar- 
nach jn behalt jn gaischlichem leben, ze dem driten jn fürt zu 
dem ewigen leben: dz verlieh uns gott allen! Amen. 

Orate pro scriptrice. KARL BARTSCH 

ZUR SPRICHWÖRTERLITTERATUR 

1 Die Reisen des Augsburgers Philipp Hainhof er nach Eich- 
stadt, München und Regensburg, in den Jaren 1611 — 18 zum 
Erstenmale herausgegeben und erläutert von Dr. Chr. Häutle, kgl. 
Reichsarchivat in Zeitschrift des bist. Vereins für Schwaben und 
Neuburg Vlli Jhrg. Augsburg 1881 S 1—316. Eine überaus 
reiche Sammlung von deutschen, italienischen und franzosischen 
Sprichwörtern in dem Texte zerstreut. 

2 Ch. G. B. Schmiede des Politischen Glücks darinnen viele 
heilsahme Lehren enthalten, Neben usw. Hamburg, in Verlegung 
Johann Neumanns, Buchh. an St. Job. Kirch 1667 kl.8o 238 SS. 
Vile deutsche, englische und besonders italienische Sprichwörter im 
Texte zerstreut. AB 



1) oben am Bande Deus in nohis nü {h NU dem in nohis) preter 
8ua facta coronat. 

2) es stet dent und ein ausradierter Buchstäbe. 

Birlinger, Alemannia XI 2 10 



146 



DIE NAMEN SCHÖNBUCH UND BLAUBEUKEN 

1 Wenn die Wnrmlingery Wendelsheimer iren Holzbedarf 
im Schönbuch holten, so hieß es: man färt in Stoanbach. Schön- 
buch war unvolkstümlich; aber der alte Reichsforst yon Beben- 
hausen , Böblingen, Stuttgart zu, ist hochdeutsch Schönbuch ge- 
heißen worden. „Schoanbach^ wie LSchmid in s. Pfalzgrafen an- 
fürt, ist unvolkstümlich , ich habe es nie gehört, diente aber zu 
unseren Zwecken vorzüglich, wenn es vorhanden wäre. Tscherning 
(in der Beilage zum Wirtemb. Staatsanzeiger 1882) nennt alle 
bißher aufgestellten Erklärungsversuche und bringt dann seinen 
ansfiirlich vor. Von den urkundlichen Formen Schainbuchj Schaien- 
buochy Schaigenhuoch aus ist nach Uhlands Vorgang die Deutung 
zu beginnen. Büch^ Buchy Wald, ursprünglich wol Buchenwald, 
unterligt keiner Schwierigkeit. Es ist also das Grundwort. Was 
vom ime angefügt, muß demnach Bestimmungswort sein d. h. das 
Buch, Wald karakterisieren. Es kann — Farbe bleibt hier aus- 
geschloßen — also Schal-, Schale-, Schalen- entweder ein Wasser, 
einen Berg, Hochrücken, Hügel, Tal usw. ausdrücken, oder es sagt 
von Buch es sei einzeln, vorgebirgartig usw. dagewesen. Von 
Schaichbach, Schaichach, Schaichhof im Schönbuche dürfte Scbaich 
in Anschlag zu bringen sein; wenn diser Name deutsch, und das 
ist er wol, so drückt das „schaichen^ eilig dahinstürzen ans, 
wie das fremde Hier, Isar, das heimische Wutach. Allein das 
schaichen hat ein ai das nicht stimmt. Soll nach Tscherning scabho, 
scaho gen. scahhin, scahin Waldzunge, Wald (alem. nicht aber auch 
baierisch) ein Scai-, Scalen abgeben? Ganz unmöglich! aiinSchai 
muß alter Doppellaut sein und ist wurzelhaft, alem. schwäb. oa, 
oi, wärend die ai in Aich aus Ach, taidigen aus tagedingen usw. 
gar nicht hieherzälen. Damit sind wir beim uralten Waldnamen 
Scholle bei Oberdischingen angekommen, der laut der ältesten Auf- 
zeichnungen (15. sec.) Schailach, 8chail>och heißt; er war und ists 
heute teilweise noch: ein einzeln in die Fluren Dischingen-Altbeim 
hineinragender Wald. Sovil ist sicher, daß Scahho nioht zu Schai- 
ward, daß aber altes *Sk4, Skai einen Teil jener Bedeutung ge- 
habt haben wird. Können wir auch in den vorhandenen Denk- 
mälern deutscher Sprache von Einst willkommene Belege nicht 
vorfüren , so get es uns wie mit „eichen^ (sinnen alem.) ans lat 
icere (nicht aequare wie schon behauptet ward), es ist da und 
schon lange dagewesen und doch feien uns ältere Nachweise. — 
Zur Klärung des Wortes Schönbuch habe ich wenigstens beige- 
tragen, indem ich die Erklärungsversuche als unstichhaltig dar- 
legte. 



147 

2 Niemand haßte mer das zil- und schrankenlose Hernm- 
tnmmeln auf dem Gebiete sog. deutscher Mythologie, als Uhland. 
Ich hörte in oft in seiner Bescheidenheit klagen, in seiner aber 
Niemand weh tun wollenden Weise verurteilen. Was er über Dr. 
Engen Schneiders »Der Blau topf ein Baldersbrunnen" (ebenfalls 
im wirt. Staatsanzeiger) gesagt hätte, hat Prof. Fischer, Biblio- 
thekar, gesagt. Es sind für halbgebildete Forscher — ich yerstehe 
in germanistischen Dingen halbgebildete — Ostara, Balder, Wuo- 
tan, — ünerfarene schreiben Odin — Freya, Frigg und wie das 
Geschmeiß alles heißt, ser beliebte Themate, wie biß heute noch 
die „liebliche Ostara, die Frühlingsgöttin", die es bei uns nie ge- 
geben hat, sogar für Historiker verlockend ist. Es gab bei uns 
keine Form Odin, Woden, sondern oberd. ist Wuotan ; es gab keine 
Ostara, es gab keinen Namen Balder über die Lauenburgische 
Grenze hinaus. Das Herübertragen nordischer Mythologie, dem 
Simrock so unverzeihlich Tür und Tor geöffnet , ist gefäriich und 
Dr. Schneiders Aufsaz ist widerum eine Warnung, eine ernstliche 
Warnung! Wo soll das noch hinfüren? Selbst das Heimweh nach 
Blaubeuren, dem offenbar seine Zeilen entsprungen^ entschuldigen 
nicht. Seine Verurteilung fällt herber aus, als die Rupps, er ist 
ein studierter Mann, Rupp war Authodidakt. Wer nur einmal in 
ein altdeutsches CoUeg hineingeschmeckt, um mich so unhöfisch 
auszudrücken, muste Borin und Beuren auseinanderzuhalten wissen. 
Das hat Fischer ja schon gesagt, dem ich übrigens noch ver- 
sichern kann, daß „Born" Brunnen nur linksrheinisch ins Elsäßische, 
nie rechtsrheinisch ins Alemannische horeingreift. Es ist ein Leit- 
wort für fränkische Grenzmarken. 

Das Wort Bar Gemach , Wonung ist ser alt, kommt im 
Hildebrandsliede vor: prüt in büre sein junges Weib daheim 
laßend ; im Beovulf Dat. pl. hürum. Folgt nun auf die Wurzelsilbe 
ein a, so kann ü, iu mittelhochd. nur ü, (io) ie werden ; folgt ein 
altes i, so wird mhd. ü, iu nhd. eu: hüs, hiusir ahd. , Hauser 
nhd. also Bür mhd. Bür nhd. Beur-. Wer Ortsnamen verfolgt, 
findet nnzälige Beuren in Oberdeutschland in früherer Zeit one 
jegliches Bestimmungswort; erst späteres Datums ist die nähere 
Bezeichnung Blabüren, Benedictobüren, Ottenbüren. Wenn man 
nun das ahd. Wb. von Graff 3, 20 nachsiht, stehen dort Ortsnamen 
Puria, Purra, Buriheim, Aldunpurias, Manburia, Winniburia, Gund- 
lihes puria usw. Schlägt man vollends Förstemanns Ortsnamen- 
buch nach, so laßen sich die Belege massenhaft beibringen. Wir 
haben also ein Buria, Burja, Burjo, assimil. Burra Bnrron Dat. 
pl. anzunemen und das allein gibt neuhochd. Beuren. Das alte 
Bildungs-j, i drückt eine Widerholung aus, wie die 1-Bildungen, 
demnach wäre Burja oder -jo ein Gemach, das immer und immer 
wider zum Aufenthalte dient. Darnach ist auch das bekannte Carmina 
Burana Schmellerszu rektifizieren : es muß älter Buriana heißen. Daher 
müßen auch die von Fischer citierten urkundlichen Stellen v. 1200 



148 



ab mit üf nicht u bezeichnet werden. Blä" als Bestimmungswort 
kann deutsches Ursprungs sein, das Ugt am nächsten; möglich wäre 
aber auch fremde Heimat. Ist es deutsch, so ist es Subst., sonst 
wäre es Adj. nnd müste man heute Blauenbeuren sagen. 

ABIRLINGER 



VON DEN WEINEN 



Der Memmingische Arzt Balthasar Ehrhart in seiner Zugabe 
zu Lonicers Kräuterbuch sagt: Weiße, hitzige Neckarwem, Bhein- 
und Moßlerwein stürzen einen Menschen in Grießzustände und 
Podagra. — In Schwabcnland hat man dergleichen roten Wein, 
an dem sog. roten Schaffhatisertveiny erfordert aber, daß eine gene- 
reuse und milde Art davon ausgesucht werde usw. Herr Dr. Pfister 
in Schaffhausen hat disen Wein in einem eigenen Traktat beschri- 
ben. — Ist also falsch, wenn man von dem Seewein bey Lindau 
usw. vorgeben will, daß er wegen der Säure die phthisin als mor- 
bum endemium errege. — Die Erfarung giebt es sonst, daß in 
den dem Lacu Acroniano oder Bodamico benachbarten Klöstern, 
wo guter, obgleich säur schmeckender Seewein vor ordinari ge- 
trunken wird, die Religiosi gesünder und gewiß seltener am Stein 
und Glieder-Krankheiten zu laboriren gefunden werden^ als in den 
Klöstern gegen dem Würtembergerland, wo der Neckarwein her- 
kommt, gelegen. Die Ursach ist leicht zu erachten, denn da die 
Yollblütigkeit und Unmäßigkeit fast aller Krankheiten Wurzel ist, 
so muß der See wein das beste Gesnndheitstranck seyn , weil er 
wegen der Säure sowohl die Vollblütigkeit eher zehret als foviret, 
als 'auch dem kützlenden Schlund verbietet, daß er keine Debauche 
mit^hm mache. 

Die heutiges Tags in Europa berühmtest- und gebräuch- 
lichste Weine sind: Der Palm-See Madera-Sec (den Sloane in Eist. 
Jamale, oft rühmt) tind der Sireser-Sec aus Spanien. Der griechische 
Malvasier von Candien, Morea, Zant« oder Cephalonia. Der 
itali&nisch goldfarbige Vino Greco, wird sehr oft verfälscht, kommt 
gleichwie der dicke und schw&rzlechte vom Vesuvio, oder andern 
Gegenden Neapolis , der zu Rom berühmte Wein Chiarelto , and 
Lagrima Christi, welcher letztere roth, fett, süße, und angenehm 
piquant ist. Ferner seyn berühmt der weiß und rothe Florentiner. 
In der Lombardie der genuesische Vino di monte Vernaccia. Die 
spanischen Weine haben sehr viel gekünsteltes, der Alicantenwein 
ist ein dicker starker nnd überaus süßer, fast ecklicht schmecken- 
der Wein. Von Portugall soll der Vi de tinte kommen, welcher 
so schwärzlich roth , daß ihn die Wirthe zum *Färben brauchen. 



149 

Von französischen Weinen wachsen die süßeste in Languedoc und 
Provence, in Champagne und Bourgogne die allerstärkste, in der 
Picardie und um Bourdeaux die schlechteste, um Paris und Orleans 
die mittlere 'Sorten -des Weins. Also seyn französische Weine Vin 
de St. Laurent, Frontiniac, Vin de Champagne, de Bourgogne, 
Pountac, Picardans, &c. Unter denen schweitzerischen seyn die 
Neuf-Chateller, Velteliner, und Lacote-Wein. Unter den Ungari- 
schen die Tokayer, St. Georgen ausbruch, und überhaupt viele 
Ober h ungarische Weine. Teutsche Weine sind sonderlich berühmt 
Tyroler von Traminer und Etschland. Oesterreicher von Closter- 
Neuburg und Rosenberg. Pfälzer bey Worms die Lieben-Frauen- 
milch, Forster, Edinghofer, und Ambacher. Aus der Bergstraße 
Auerbach und Bensheim er. Neckarwein von Heidelberg und Stutt- 
gard. Aus Franken der Stein wein bey Würzburg. Item der Wert- 
heimer und Klingenberger. Rheinwein, der Uochheimer, Kostheimer, 
Rhingauer bis Bacharach, Rudelsheimer und Johannesberger. Mos- 
ierwein bey Dusemünde, Wela und Zeltingen. Von vorhergehen- 
dem heißt es: , 

Wie die Ungarweine an hohen Borgen gegen Mittag und 
MoVgen ligen, so die Situation auch bei den fränkischen und rhei- 
nischen Weinen; ich thue hinzu auch bei den Schaffhausischen 
und einigermaßen den am Bodensee gelegenen Weinbergen obser- 
viret wird S 10b. AB 



150 



ZUM ALEMANNISCHEN UND SCHWÄBISCHEN 

WORTSCHAZE 



n 



Dise Beiträge habe ich in den Herbsiferien 1882 gesammelt und 
zwar zumeist in der Bibliothek des Trappistenklosters Oelenberg in 
Oberelsaß, sowie in Kolmar. Sie bilden nur die eine Hälfte damaliger 
Ausbeute. Da ich für mein Alemannisches und Schwäbisches Wörter- 
buch vile Artikel in der Ausdenung nicht bringen kann, glaube ich 
mein Verfaren mit diser Publication zu rechtfertigen. Leztere bleibt 
somit in irem Werte besten , auch wenn genannte Wörterbücher er- 
schinen sind. Ich teile hier die Quellen-Abkürzungen mit. 



Ba Kloster Mannheimer Urbar von 
1381. Perg. Cod. 32 BU. Biblio- 
thek des Hist. V. von Schwaben 
und Neuburg, Augsburg. 

Bb Christliche Ermanung, das 
den vneeiichen kinden zu jrer 
Leibßnarung unbillicherweis bis 
hieher Lernung der Handtwerk, 
Einkommung der Zünften u. Bur- 
gerrecht aufgehalten werden. Aus 
16. Jhd. Getruckt z. Augsburg 
durch Sylvan Ottmar. 

Biüender Weingartt des Herren 
Gottes Sabaoths von Fr. Giugo 
Engelherr Yillinganus Cartusia- 
nus in Ittingen. Pap. Handschrift 
4 ® von 1637, Sammlung von Le- 
genden, Sagen usw. im Besize 
des Herrn M Bader, Hausgeist- 
lichen in Freiburg i. B. 

D Reformirtes Salve vnd Frieden- 
Gruß I Auff die Prob gestellt, 
vnd mit einem Trewhertzigen 
Christ - Evangelischen Wider- 
Gruss beschencket und beant- 
wortet durch Job. Conrad Dann- 
hawer, der H. Schrifft Doct. bey 
der üniversitet Straßburg usw, 
Straßburg 1658. Jos. Stadel. 8^ 
892 SS u. Appendix. 

Ehrhart Nöthige Zugabe zu D. 
Adami Loniceri Kräuterbuch — 
von Balthasar Ehrhart Med. Doct. 
der freyen Beichs-Stadt Mem- 
mingen Physicum Ord. Augsb. 
1783 (1737 1. Aufl.) fol. 

^ufer Tabulae Medlcae | seu | 
Medicina Domestica | Euporista 



ac facile parabilia Experi|entia 
atque authoritate comprobata, 
Medicamenta continens | Das ist | 
Kleine Hauß-Apothek | Darinnen 
allerhand schöne | Experimente 
oder Arzneyen, auch | von den 
geringsten und verächtlichsten | 
Sachen beschrieben und den 
Armen | Krancken zu Nutz an 
Tag gegeben worden | Durch | 
Joannem Gufer^ Memmingensem, 
der Arzney Dootorn und |unter- 
schidlicher Stände des Reichs | 
bestelten Physicum. Augfpnrg, 
In Verlegung Gottlieb | Gobels 
Buchhändlers,Gedruckt bey Jacob 
Koppmayer 1673 8^ 306 SS. one 
Register, Vorrede, Quellen, Ge- 
dichte. 

Ruber. Gründliche Beweisung, daß 
Christus Jesus gestorben seie 
für die Sünden des ganzen 
menschlichen Geschlechts wider 
etliche, fürnembste Calvinisten 
usw. durch Samuel Hubem von 
Burgdorf (Bern), diser Zeit 
Pfarrern zu Derendingen im 
Herzogthumb Würtemberg. Ge- 
truckt zu Tübingen, bei Georgen 
Gruppenbach 1590. 4°. 143 SS. 

L Facillima artis arithmeticae Me- 
thodus, das ist: Sehr leichter 
Unterricht und Lehr-Art der 
höchst -nothwendigen und nutz- 
baristen Rechen - Kunst. Zum 
drittenmal in den Druck gegeben 
von Johann Baptista Lechner. 
p. t. Cantore bey S Martin. Mit 



151 



gnädiger Erlaub« und Genehm- 
haltung einer hohen Obrigkeit 
inAugspurg. Verlegte Matthias 
Wolff, Buchhändler allda, Anno 
1788. 

LL Christliche Leichpredigt. Bey 
der Begräbnuß weylund deß 
Ehrnvesten vnd Fümemmen 
Bartholme Liechtenbergers, ge- 
weßnen Stattschreibers zu Gund- 
elfingen (16. Febr. 1613) gehal- 
ten von M. Johann Seytz Ulm 
Meder. 4» 12 Bll. 

Deß H. Rom. Reichs Statt Col- 

• mar Ordnung Vnd Tax der Räb : 
vnd Ackerbäw, Fuhr, Taglöhn 
auch Handwerker (Holzschnit 
Victor Mercurius, Periit Argus) 
Gedruckt zu Golmar durch Georg 
Friderich Sp. . . . Im Jahr Christi 
1646 40 13 Bll. 

Ob Neu-vermehrtes und mit einer 
mercklichen Anzahl wohl ausge- 
sonnener ungemeiner Staats- 
Fragen Erneuertes Oraculum in 
welchem allerhand verborgene 
Sachen menschlicher Zufälle künf- 
tiger Begebenheiten aus dem 
Grunde der bekannten Geomantie 
oalculirt und artig entworfen — 
von einem den die ünbekandten 
nicht kennen. Bern, zu ünden 



bey Joh. Bondeli Buchtrucker 
seel. Wittib Anno MDCCXLIII 40. 

Vancratz der eingefleischte Polter- 
geist Tragico-Comödie oder ver- 
mischtes Traur und Lust-Spiel 
Verfertigt durch %* \* *** Ge- 
druckt im Jahr 1722. 151 SS. 
(Straßburg) 8^ 

B Abhandlung von Inventuren und 
Abtheilungen, auch andern dahin 
einschlagenden Materien, inson- 
derheit nach dem Herzogl. Wür- 
tembergisohen Land -Recht und 
denen Neueren gnädigsten Ver- 
ordnungen, zur Bequemlichkeit 
derer damit beschäftigten Per- 
sonen verfertiget, von Lc. Adam 
Israel Röslin. Mit Herzoglich 
gnädigstem Privilegio. Stutgart, 
Verlag Johann Christoph Betulius, 
1761. 

S TheobaM: Sanctus Theobaldus. 
Daß ist Summarischer Bericht 
deß Lebens, der Translation deß 
Hochheyligthumbs vnd etlicher 
Wunderwerken deß Himmels- 
fürsten Vbaldi, sonstengemeinch- 
lich Theobaldi genannt, der Löbl. 
Statt und Herrschaft Thann im 
obem Elsaß usw. Freyburg im 
Breyßgau 1628. 8^ (Eolm. Stadt- 
bibliothek.) 



A: aaf daß sie nicht, wie man 
pflegt zu sagen, wan sie A 
gesagt, auch B sagen müssen 
D 544. Eiselein, Körte one 
alten Beleg. 

AACH, ON Bas Waldgericht i. 
d, A, auf einem Hofe bei Freu- 
denstadt, bestand aus 12 Rich- 
tern, unter Vorsiz des Vogtes 
von Dornstetten. 1400. Zoll. 
Zt. 12. 37. 

AACHFORELLE, die gute Forelle 
in der Aach, welche in das 
^ WEnde desZellersees (Boden- 
see) mündet. 



AB pra^, 1 9i brot ab dem 
Beokenladen d. h. beim Bäcker. 
Eonstanzer Eronik 1798 S 
272. 

ABBRÜCHE: Anteile an beson- 
ders ergibigen Bergwerkstellen 
in Todtnaner Urkunden: sullen 
wir da haben einest in dem 
jare nach S Gallen tage swenne 
es uns fueget un sint öch du 
apprüchd& unser. 1809 1381. 

ABEN inir. abnemen über- 
haupt, allgem. Untere Argen. 

ÄBEN ac^.: und welchem der- 
maßen vber kurz oder lang 
zuo Stuelingen — lenger zu- 
bleiben nit verfüeglich oder 
äben vnd dadannen verrücken 



152 



vnd ziehen weite. Stühlinger 
Stat. 2 a. 

ABER, ja, Wangen, Allgäu. 

ABFRUCHT /. in altwirtemb. 
Ordnungen maß nicht bloß 
über die ausgedroschene und 
auf den Speicher abgegebene 
Früchten (Getreide), sondern 
über das Stroh und die sog. 
Äbfrucht ein Tagebuch gefürt 
werden. 

ABFÜREN, abzalen: Den 4. Okt. 
Herrn Conradt Bolter seinen 
Jahrsconto ä. 23 fl. usw. gänz- 
lichen abgefüehrt Pfullendorfer 
Rechnungen 17. Jhd. 

ABHACKEN: den Erdäpfeln ah- 
gehackt Köhler Tageb. 1820. 

ABGNADEN swv, sich verab- 
schiden : hat Jutta aus Preußen 
das hochw. Sakrament em- 
pfangen, allen Umbstenden ab- 
gnadet. Blüender W. 

ABHÄNGIG praeruptus, declivis : 
waren die Felsen , über die 
man jetzt nicht hinabsehen 
mag, noch nicht so abhängig. 
H Sander Natur und Religion 
Carlsruhe 1791 2. Tl. S 169. 

ABHAUEN : die Wasserteuch ab- 
hawen, Kronik (Alem. X 261 
Anmerk.) S 153. 

ABHOLJBN , herauslaßen : man 
solle auß diesen beeden fassen 
in einem geschier zue der Not- 
turft Wein abholen. Blüender 
W feit DW 

ABLEIBER, Erblasser, im Walser 
Tal , Holzauer Akten stets. 
Feit DW. 

ABRED : item ob auch zwen oder 
mehr ain andern ire fürtrag 
nit geston vnd äbred sein 
wurden, so soll ain jeglicher 
fürtrag. Stühlinger Stat. 12a. 

ABRICHTEN, n. Wallfart abzu- 
richten verheißen. Degens Try- 



berger Wallfartsbuch48. Dazu 
Abrichtung d. Andacht 159. 

ABRUTSCHEN : zuweilen aber 
kann das Eöpflein gar nicht 
von dem Rand des Beins ab- 
rutschen. Riecke Hebammen- 
ünterr. 1746 Stuttg. S 38. 

ABSAZ , Zwischenraum , inter- 
vallum: In seinem Hause — 
einerseits an N., anderseits mit 
etwaß Absaz wegen der Mühlin 
Räderen an die Bachmühlin 
stossend usw. Zunftbrief des 
Bauamts Ueberlingen 1676. 

ABSCHRECKEN : die Wahrheit 
solle ihme a&^esc/iröcÄ^ werden. 
Lucerner Jesuiten-Schuldrama 
1692. 

ABSEZEN: bei gehaltener Rech- 
nung 1729 ist lobl. Spital 
vor underschidl. Post an Zinsen 
abgesest und zugelassen wor- 
den 1 6 fr . Pfullendorfer Hoster- 
Tageb. c. 1730. 

ABSPRUNG : Berengarius hat 
sich an das Sakrament des 
h. Abendmahls gerieben vnd 
von dessen alberen, einfaltigen 
Testaments werten einen für- 
witzigen Absprung gethao. 
D 121. 

ABSTOSSEN: 1 der Fuß müsse 
abgestossen werden Weingart. 
Braun II 183. Einsidl. Chr. 
1752: daß man ihm beide 
Fuß dbstossen weite 212; als 
nichts anderes zu thun übrig 
schiene, als ihm die Hand ab- 
zustoßen 340. Abstoßtmg des 
Arms 359, durch Abstossung 
der Hand selbsten 572. des 
Schenkels, Abname. Degens 
Tryb. 96. Daß ihr das Bein 
nach langem Arzneybraucben 
gar abgestoßen sollte werden. 
123. Daß der Fuß wegen 
stark zusetzendem Brand von 



153 



dem Leib abztisto&en seye. 
S 187—213. 2 Welcher 
Wirt dann Wein in den 
Keller legt oder abstößt daß 
ihn die Thür beschleußt — 
der ist davon Umgeld schul- 
dig. Giengener Stadtartikel 
17. Jhd. 

ABSTRIGELN swv. Nur Baasen 
dbztLstrigeln Bin ich gewohnt 
mit Prügeln. Schallers Ge- 
dichte 1788 I 229 (Kehl). 

ABTREIBEN : einen Kauf anfech- 
ten und a2)^rei6en. Dimer Urkd. 
1517; feit DW. 

ABWISCH m. a. 1690 werden 
15 Aulendorfer Mädchen, weil 
sie im obern Wirthshause über 
die zeit getanzet und mit den 
ledigen Bneben , gelöffelt', für 
Ambt gestöllt — darauf sie 
(die Mädchen) erwidert: ein 
Kuß seie nur ein Abtoüsch, 
Köuigseggische Verhörsproto- 
kolle S 74 b. S Dach Zeitv. 374. 

AELL, PN Adelheid, v. Trocht- 
elfingen 1409. Zoll. Zt. 12, 
46. vgl. nd. Allekin; AUeke. 

AFTERMONTAG, Dienstag, nur 
die Ulmer Urkunden haben es 
noch; es reicht biß Delmen- 
singen. 1370: an dem nech- 
sten aftermentag nach dem 
wissen sunnentag in der vastun. 
Nur schwäbisch , nicht ale- 
mannisch. 

AFTERVOGT , Altschultheiß, 
hohenzoll. Unterland. Amtlich 
noch Vogt = Schultheiß oder 
Bürgermeister. SVögtle hieß 
ein Commilitone in Tübingen, 
dessen Vater auf dem Heu- 
berge, Egesheim , Schultheiß 
war. 



AGEN, m, sehen den ägen in 
dem aug jres Nechsten, aber 
den balken in jrem aug nit, 
Bb. Welcherelei getraide man 
drischet und agen und stro 
f. 23 B a ; volget dem Käufer 
aber agen und stro, ebenda. 

AINFIER: damit aber dise ain- 
fieren menschen auf was san- 
digen unverstandnen Grund sy 
baweu, verstanden werd, zaigt 
an nachfolgend Traktätlein. — 
Von solchen hörten ainfieren 
Menschen (d. h. gegen Waisen). 
— So wünschen die andern 
ainfüren Kopf auf. — Und 
warlich, es wäre zu vermuten, 
wann dise amßere Menschen 
Christum hätten gesehen Bb. 

AINUCH w. Wer Zwilch oder 
Ainlich fayl hat an offnem 
marckth ohne Reisti Zwilch 
usw. Item verkhaufft er aber 
Zwilch oder Ainlich in dem 
Hauß Sauig. Stat. 1617. feit 
DW. 

ALAFANZ m. 1 List 2 der damit 
umget; ein feiner Fuchs; a^. 
alafenzig, Oberschwab. 

ALFANZEREI f. Daß allhie zu 
Straßburg JSturmius viel AI- 
fantzereien getrieben D 133. 

ALLE BOTT dem Kind 2-— 3 
Löffel voll geben, d. h. von 
Zeit zu Zeit. Sauig. Recept- 
buch 17 Jh. 

ALEMANN - : die (Religionen) 
vnter einer Decke vnd Mantel 
der Allemans' tolerAnz alles 
beschießen D 100. 

ALLENTHALBENHEIT , oft im 
lutherischen Katzenkrieg = 
Ubiquität. 

ALTAMON, Antimonium, Meers- 
bnrg. 



154 



ALTSCHW£IZ£BISCH : damit 
sincerissime auf gat aMschumeC' 
Tisch Teutsch geschehe, was 
DCrocius hoffet D 575. 

ALT URBANI : im Knrländischen 
fällt die Leinsaat — in vollem 
und abnehmenden Licht, nem- 
lich auf ÄU Urbani. Erhart 
59 b. 

ANLAUFEN: 1 Und das brot, so 
jre vätter jnen vermacht, will 
der Richter jnen absprechen 
und enziehen, das heißt an 
göttlichem Gesetz und Gebot 
hübsch angeloffen B b 2 befin- 
det aber den Kärcker mit 
höchster Verwunderung und 
Frewd angeloffen Bih Schnitter, 

ANLE ANE Großmutter: dero- 
halben beschikten sie auch die 
Änfrau oder Ähnle Reg. 
Mayerin mit Namen usw. ist 
das Enäblein erstillet — ge- 
sprochen : AhnUCi es ist schon 
(der Bruch) hineingegangen. 
St. Mangenb. 255. Meine liebe 
Vhrene vnd Anen; — meine 
liebe Äna^ Tibians Memorial 
1608 Vorrede, ewere' Mutter 
vnd Äna^ ebenda. 

ANSGHMIERALIEN : Oelung, Ro- 
senkranz, Weywasser vnd der- 
gleichen ^ftöo^miera^ienD 555. 

APOSTEL KACHEL, am Ofen: 
eine geglätte Ä, neben geglätte 
kleine E. ohngeglätte Ofenk. 
9b. 

ABMEISEN: ist dem N. gleich 
ein Ärmeisen von seiner rech- 
ten Handt dergestalt abge- 
fallen, — hatte aber noch ein 
Armeisen an dem linken Arm 
STheobald 139. 

ABQUEBUSADENWASSEB ein 
Heilwasser : N versichert, daß 
bey vielen Fällen in letsterm 
schweiaerischen Kriege das A. 



besser gedienet, als die sonst 
sehr berühmte Aloetincturen 
Ehrhart 49 a. 

ARSELE n. Ofen, untere Argen. 

A8CHENGKÜTTEL: denn nach- 
dem der Mensch vom Teuffei 
eingenommen ist, so weisen sie 
den hl. Geist in das Aschen- 
loch vnd sagen, er lige da ver- 
borgen als ein armer vber- 
wundner Aschengrüttel, der nit 
wohl mehr heraußsehen vnd 
sich könne mercken lassen 117 
Huber. 

AUFFAREN 1 intr,^ entstehen, 
von Geschwüren: oder einen 
ein Immen oder Wespen ge- 
stochen, verhütet, das keine 
Blutern auffahren. Gufer 2. 
2 trans. wehr gegen dem An- 
deren frevenlich ohne gewaf- 
neter handt auffehrt^ schlecht 
oder rauft usw. Sauig. Stat. 
1617. 

AUFFßASSE /*. So wird eine 
misgestaltete Geburt genandt, 
die die Weiber zuweilen an- 
stat rechter Kinder von sich 
gelaßen: Wann ich nur eine 
Atlasse haben könnte, so 
solte denen in Kindes-Nöthen 
liegenden Weibern die Gebart 
so leicht ankommen, als mir 
zwey Halbmaaß Gläßer Wach- 
holder Wein im Rubenlocb 
(e. Wirtshaus) außzutrincken. 
Pankratz 61. 

AUFMÄRIG: Bordo, kurz zuvor 
ein verstellter Christ, kehret 
zurück und machet auffmarig 
der Christen Anschlag, wie 
daß sie gesinnet wären usw. 
Marquardus, Gonstanzer Je- 
suiten-Schuldrama 1690. 

AUFMUZUNG /. wegen Aufmu- 
ssung vnd Zierung ihres Leibs. 
Blüender W. 



155 



AÜFRIECHEN, das, der Speiß 
auß dem Magen. Gofer 304. 

AUFSATTELN swv. Dannocb ist 
dieses oder dergleichen vns, 
wiewohl falsch vnd vnbillich, 
aufgesatteU worden D 239. 
Zum DW I 718. 

AUFSTECHER: und über die 
Evangelische, besondere Inqui- 
sitores haereticae pravltatis 
oder aufstecher umbs gelt 
seiiid bestelt. Goebelius 18. 

AUFTRECHEN, str. aufziehen : da 
man ihren (M. Stuart) falsche 
Laster aufgetrochen. Bitten- 
der W. 

AUGEN y skh: falls sich wider 
den alten Glauben aügte — 
oder Prädicanten anstellte 235 
sih gestrefute Brücke, 

AUGENDÜNST: Abfälle — un- 
vermercksamer weise durch 
blawe Atfgendunst in dieZwing- 
lische Irrthum, davon die Stadt 
Colmar ein Liedlein zu singen 
weiß D 640 feit DW. 

AUGSTLEUtEN ». Dem Mesmer 
wegen Ougstleuten 2 fl. Alte 
Sipplinger Rechnung 17 Jhd. 
(Bodensee). 

AUSHAUEN stv. ausschneiden, 
echt alem. Da hat der Henker 
Ihme die Gemächt außge- 
Jiowen. Blüend. W. 

AUSHOLHIPPEN: nachdem er 
Lutherum und sein Ministerium 
gnugsam zuvor außholhippet 
D 138. 

AUSKEGELN SiW. wann ein Roß 
Eyter unter der Sohlen hat, 
so stehet es gemeiniglich mit 
dem Fuß, als wan er aiisge- 
keglet wäre, es stehet nur auf 
dem Spitzen und bieget das 
Glaich vomen hinaus. Deigen- 
tesch 149. Zum DW. 



AUSKOCHEN: Das Gras ver- 
brennt auf jeder Au | Der 
Bach kocht atis, es fällt kein 
Thau. Schaller Ged. I 69. 

AUSKRÜLLEN SWV. von einem 
Raben : faules Fleisch (Schind- 
anger) von modernden Knochen 
ablösen , Pferdemist auszw 
kriUlen. Schallers Gedichte I 
257. 

AUSKÜNDEN SWV. verkünden, 
publizieren: ehe das man sol- 
ches auskündet usw. Blüen- 
der W. 

AUSPUZER «.Wischer, Vorwurf : 
als aber die Musketierer einen 
schriftlichen Schein, daß sie 
diesen Verräter überliefert, be- 
gehrten, gab der Ozenstim 
ihnen einen guten Äusbuteer 
S 64 sih Kläpseln, 

AUSRAUSGHEN: Du mochtest 
außgerauscM und mit Pan- 
toffeln ab der Kanzel herab- 
geworfen worden sein 19; sih 
Kessel. 

AUSREUTEN: vom Warzenaus- 
schneiden an der Pferde fußen 
Deigentesch 128. 

AUSSCHELEN,^^: da (am jüng- 
sten Tage) wirdt sich keiner 
können außschden vnd hin- 
durch schlupfen LL IV b. Zum 
DW I 945 ff. 

AUSSPRDSSSLING: junge A vom 
Holderbaum. Altes Receptheft, 
hs. 17 Jhd. 

AUS VESPERN: deren ein thail 
die AUenthalbenheit gar ver- 
nainet vnd außvespert (hinaus- 
läutet) Luth. Katzenpredigt 
392. 

AXT in der Waffenschmide : ein 
Fälg-Äxt, Zwerg-AjXt, Bund- 
Axt, Wald' Axt 8 b. 



156 



BACH: Pistorius schwöret Bach 
auf^ Bach ahy hat aber ein 
Gewissen so eng, daß man 
dar du roh junge Hund, wie man 
im Sprichwort sagt, bentlen 
möchte. Streitschrift geg. Luc. 
Oaiander 1589 S 42. 

BAD, oberes^ unteres in Lieben- 
zeil : wie solcher von deß Obern 
Badts daran gelegenem Waldt 
mitzwölf vnderschidlichen Stai- 
nen undermarckht. Perg. ü. 
Liebenzeller Lehenbrief vom 
20. Sept. 1630. welche Stain 
. . . mit einem V. daß Vnter 
Bad, vnd gegen deß Obern 
Bäders thailwaldts mit einem 
0. daß Ober Bad bedeutend, 
ebenda. 

BÄNKLIN: 1 sondern billich seine 
vneinige päpstliche historicos 
sollte vher das BencJclm ge- 
legt vnd ihnen ein gut Product 
abgestrichen haben Streitschr. 
1589 S 21. 2 unJcertes B: 
ein harter Mann, derdanemme, 
daß er nicht gelegt habe, wie 
man sagt auf dem vnkerten 
bäncMemLLB iij Vgl. ebenda: 
für das Bechenbänklein forden 
am jüngsten Tage. 

BAPP m, den Kindern für sich 
Selbsten eingeben, oder under 
ihre Bappen oder Muß ver- 
mischet. Gufer 17. 

BARON: selbst die uralte Be- 
nennung von Freyherrn hat 
man dem Adel neuerlich in 
einzelnen Provinzen des König- 
reichs Bayern entzogen und 
dafür die unteutsche Titulatur 
von Baron eingeführt 38 sih 
Beisassengeld. 

BASCHGEN, bemeistem, untere 
Argen. 



BASCHGEREN, einem übel mit- 
spilen. Ertingen.Ygl.baschgeo. 

BÄSZLIN: sie ist ein gräuliches 
Bäßlin gewest, wiewohl sie 
sich jezt so fromm stellt Ob 18. 

BAUCHOFEN: aufgerichteWäsch- 
und Bauchöfen. Zunfturkd. 
üeberlingen 1676. 

BAUER: 1 von prädicantischen 
Alfanzereien, nihil ad rem, 
jenem Spruch wort gemäß Wo 
hinauß Baur? Aepfell Ge- 
zöpfPter, geropffter lutherisch, 
Bürg-Hahn von FEustach 
Eisenhuet in Augsb. 1703 S 
87. 2 dann die Sach ligt am 
Tag, wie der Bawr an der 
Sonnen 35, sih Kessel. 

BAZERLE: goldene Panzer-Erb- 
sen- oder Glanz -Ketten und 
Armbande, — Perlen-Nuster, 
sogenannte Bazerlen R 19. 

BECHERLI: aUein wer Hilf und 
Freundschaft suchen will bey 
ihm, der muß sich eben bücken 
und das Becherli eben tragen 
Ob 11. Sie bekommt ein klein 
eigensinniges Männlein, dem 
sie das Becherli gar eben 
tragen muß 25. 

BEGRIF: mit allen ihren be- 
griffen, rechten vnd zugebör- 
den Calw. Urkd. 1517. 

BEHERREN stov. daß ain burger 
hie in vnser Stat ain ehrliche 
Frawen näme, die beherret, 
der soll sy inner Jahrsfrist von 
irem herren erkhauffen vnd 
ledig machen. Sauig. Stat. 1 617. 

BEJACHZEN mit dem Munde D 
102 Wer hat bejachzet, daß 
Gott der Herr usw. 239. 

BEIS m. für den Beiß oder 
Bauden Gufer 276. 

BEISASSENGELD: die adeligen 
Gutsbesizer beziehen kein Bei' 
sassen-6eld mehr weder bey 



157 



Christen noch Juden. Kurze 
Uebersicht über die Beschwer- 
den der Reichs -Ritterschaft 
1814 S 13 (17). 

BEISORGE f. Damit aber Nie- 
mand Beysorg trag, er möchte 
allzu weise werden 213. 

BEKÜMMERN 8WV, daß wir fueg 
haben sollen, vorbesagtes Erb- 
lehen . . . zuo pfänden , zue 
bekümmern f oder auch gar 
jnnzubehalten. Perg. ü. Lehen- 
brief das Obere Bad Lieben- 
zell betr., v. 20. Sept. 1630. 

BEMILCHT part adj. Sie reicht 
aus Treu und Lieb ihm die 
bemilchte Brüste. Chr. Rosinä 
Spitzlin Poetische Ergötzungs- 
Stunden Augsb. 1731 S 43: 
Die säugende Mutter. 

BENNE in der Wannenmachcr : 
Ein weiße Barm mit Kiiöpffen ; 
Ein rothe Bann', ein Mist- 
bätm sampt den Weyden; ein 
Bann zu machen von 10 biß 
12 batzen IIa. 

BESCHNEIKEN, auf ,den Tod 
einer alten Kokette: Der Stutzer 
kriechend Würraerheer | Be- 
kroch längst und beschneichte 
sie nicht mehr. Schaller Ge- 
dichte I 301. 

BESEZBLÄTTLEIN : für 2 5 Stück 
behauene Besetz- Blättlein in 
die Sacristei ä 28 Krz. Alte 
Sipplinger-Sernat. Rechnungen 
17. Jhd. 

BESPRACHEN: darumb sye sich 
mit ihren von himmlischen ge- 
haimnüssen besprachete Blüen- 
der W. 

BEUZEL m. geschwulstartige Er- 
höhung b.Tieren und Menschen : 
bekommet ein Roß unversehens 
an dem ganzen Leib Geschwul- 
sten oder Beuzel usw. Deigen- 
tesch 85. Der Haarwurm er- 



eignet sich unten an den 
Glaichen, allda stoßet er et- 
liche Beutzel 165. Mutter- 
mähler, Hofstatten derWunden, 
Beutzel und andere Maasen. 
Gufer 9. So man sie (Ziegel- 
mel) über die harte Beuzel 
legty machen sie dieselben 
schwören 160. Beuzel und 
Knollen 231. 

BEWILLIGEN, einwilligen : mußte 
sie doch endlich in die Wahl 
bewilligen, Blüender W. ein- 
bewilligen, ebenda. Vgl. ebenda 
^etrefiPen (antrefiPen), ^^stand- 
haftig. 

BEZIMMERN swv. Wer ein hoff- 
statt hat, die man bezimmern 
mag, muethet man ihm zue. 
Sauig. Stat. 1617. 

BIBENUNGE/l dienent dem herren 
in forchten vnd frdiwent üch 
ime mit bibenunge 2 Psalm 
XV sec. hs. Solothurner Stifts- 
bibl. Zu Lexer I 263; zum 
Ztw. bibenen. 

BIERSCHAU/. Welches (egypt. 
Zeugnis) ich besonders denen, 
so von Obrigkeitswegen die 
sog. Bierschau oder Inspection 
der Brauereien committiret ist, 
zu lieb thue. Ehrhart I 80 a. 

BIGANTERIE f. Eifersucht, Ge- 
häßigkeit: auf jemand eine B 
haben. Hohenzoll. Unterland. 

BINSEN Oslanders Glosse z. 
Isaja 56 : Wolher sprechen sie, 
Wein her, ists bald gebratten, 
wir wollen saufen, daß Binzen 
in uns wachsen müssen, Luth. 
Katzenkrieg 426. 

BIRENMOST: Wein oder\Byren- 
most Luth. Katzenkrieg 341. 

BISSEN, Keil, welcher mit der 
Schneide nach oben siht, um 
Körper, welche auf die Schneide 
gelegt werden, mit dem Hammer 



168 



zu trennen. Dangelbissa nm 
die Sensen zu schärfen. In 
weiterer Bedeutung jeder Keil 
zum Verspannen, Spalten. 

BIZLEN: die rechten Kennzeichen 
des guten Bieres: recht klar, 
gegoren, vom Geschmack rein 
und etwas bizlend oder piquant 
Ehrhart 82 b. 

BLÄHE /*. ser breites Rebbett, 
spezieller Name. Untere Argen. 

BLUTADER, f, bildlich : Daß sie 
einem die Blutader stellen 
möchte Huber 47. 

BLUTIG: nit mehr die schuch 
ab yndiplutig der hell zu, es 
reime sich oder nicht (von 
harten Leuten geg .Waisen) Bb. 

BLUTREGEN bildlich für 30- 
järigen Krieg : könten wir für 
das schöne Wetter so nach 
solchem Blutregen uns in 
Teutschland erschinen, Gott 
danken D 83. 

BLUTÜBEL vom unnüzen un- 
getreuen Knecht : wie jnn erst- 
lich diser Edle so blutübel 
außgeth LLQjb. 

BOCK m, 1 ein Haufen Korn, 
Haber zum Dreschen herge- 
richtet; 2 Sägbock zum Holz- 
sägen. Untere Argen. 3 bild- 
lich: was ists Wunder, wenn 
einer ein Bock melcket, der 
ander hebt ein durchlöchert 
Sieb unter, das kein Milch 
und Butter erfolge? D 874 ff. 

BOCKSHORN: das Gewissen so- 
gar inH Bockshorn einspannen 
und die Warheit unter die 
Banck zwingen. Lutherischer 
Katzenkrieg S 382. 

BODENSAZ, m. bildlich: Dise 
frag ligt im Bodensatz des 
ganzen Evangeliums. Huber 
49. 



BÖHMISCHER DIAMANT: liegt 
dem Jobel- oder Perlen Krämer 
ob, daß er nicht Glaß für 
einen Edelgestein, einen Böh- 
mischen Diamant für einen 
Orientalischen einkaufe D 79. 
Läßt ihm keinen B. J), für 
einen orientalischen einschätzen 
207. 

BOLZ : es kan nicht alles zu 
Boltzen gedrähet werden, die 
mittel Straß die beste war 
D 93. 

BRACHWURM: die X-arven der 
Maykäfer Engerlinge, Brach- 
Würmer, Quappen. H Sander 
über Gott und die Natur 
Carlsruhe 1791. II S 62. 

BRAND: So hat er an einer 
Seiten des Creutzganges die 
fenstergestell laßen verglasen 
mit einem schönen hüpschen 
Brandt. St. Blas. Stftgsbuch. 
Mone Quellens. II 65 a 1525. 

BRANDMÄLIG adj. ruchlose, 
brandmählige Gewissen D 505. 

BRATEN: Vertumnus erschmäckt 
den Braten und stellt sich mit 
seinem musicalischen Anhang 
nit übel in den Bossen. Diling. 
Schuldrama 1675 : Sympho- 
rianus. 

BRATSCHEN der Kicheren, Hül- 
sen der Bonen. Untere Argen. 

BRATSPIZ: Man kocht bei 4 
Heerd oder Feuern, und seynd 
bey jedem Heerd oder Feuer 
4 Bratspitz, und steckt an 
jedem Spitz Gebratenes vor 
8 Personen, ist nun die Frag, 
wieviel der Gast gewesen 
seyen? L 

BRENN: vnd kommet blut vnd 
bloß mit dem Leben davon, 
aber anders nicht, als einer, 
der durch die Brenn geloffen 



159 



ynd sein Seel zur Außbente 
daryon gebracht D 185. 

BBESCHGEN, in einen dringen, 
inständig einen angehen. Ober* 
Bchw. 

BRESCHLEN StffV. rumpeln. Un- 
tere Argen. 

BRETT : 3-4000 Gulden bey 
Vermeidung der Execution auf 
einem Brett an die Staats- 
Casse zu bezahlen 33 sih 
Beisassengeld, 

BRETTSPIL : ganze silberne Be- 
steck, wovon aber nur dieHeffte 
gewogen werden, mit oder 
ohne Futteralen oder auch in 
sog. Brettspielen R 20. 

BROT : so gemeinlich an frem- 
den Kindern das hrot verspilt 
ist. Gfoebelius 42 (nach dem 
alten Sprichwort). 

BRÜL: Name eines Üeberlinger 
Hauses, Zunfturkd. des Bau- 
amtes (Altbürgermeister Dr. 
Waibels) 1676. 

BRÜLIN , ein gelb , an etwas 
machen D 403. Inmassen Bu- 
cerus eine solche Brüh aus 
Fleisch gemacht,- die in der 
Schweiz hat munden sollen 790. 

BUBESswv, fressts, sanffts, huvtB, 
hübts, werdts nur nicht luthe- 
risch 1 Goebelius 1 8. (halb bai- 
risch). 

BUBENKINDER: dencken nit das 
sie auch Bubenkvnder sein Bb. 

BÜCHSLEIN : Diesem ist die ge- 
troffene Allianz wohl verträg- 
lich, aber jener wird prav ins 
Büchslein blasen und die Zech 
bezahlen müssen Ob 14. 

BUCKELKRÄMER, die in dem 
Land herum haußiren. Hoch- 
fürstl. Fürstenb. Bettel 0. 
1777. 



BUDLE 1 kleines Homvih, 2 
adj. gutmütig, dumm Y.Men- 
schen. Untere Argen. 

BÜRSTET borstig: eine bürstete 
Schweinhaut mit spitzigen Dör- 
nern gespickt. Blüend. W. 

BÜRST ROHRSCHAFT : von einem 
Mußqueten oder B, IIa. 

BUTTERZOLLF f. Hand voll 
Butter. Untere Argen. Etwa 
Butterbälle am mittlem Neckar. 

BUZ, Teufel: der kennet den 
Butten in weißen Engelsklei- 
dern D 631. 

BUZENMANN: der ganze Kate- 
chismus ist nichts als ein Kin- 
derspil, Gauggel- oder Afferi- 
werk oder ein lauterer Bwteen- 
mann^ mit deme man die Kin- 
der schreckt. Lutherischer 
Katzenkrieg 325. 



DACH: wenn man alles zernich- 
ten (wie die Freymüthigen zu 
Freyburg i.B.) und wie man 
zu reden pflegt, über ein Dach 
blasen wüh Aloys Merz S J 
Hat wol die Hartnäckigkeit 
lisw. Augsb. 1786 S 196. 

DAHERRÜMPELN swvr. Wann 
Pistorius mit den Vätern da- 
herrumpelt, Streitschrift 1589 
S 37. 

DÄMPFIG a4j* kurzatmig: wer 
dämpfig um die Brust ist oder 
einen kurzen ödem hat, der 
trinke usw. Altes Receptheft 
17 Jhd. 

TASCHE: 1 Wann einer nur so- 
viel Hirn im Kopf, als ein 
Meteger auf der Taschen^ so 
soll er doch gar bald und 
leichtlich usw. Luth. Katzen- 
krieg 405. 



160 



DASCHE: Plattziegel, Schmeller 
I* 627. Die Häuser brennen 
hin und her | Mit Zieglen und 
mit Daschen, Mnndus Agoni- 
zans von Pfaffenzeller. Augsb. 
1728 S 34. 

DÄTTE (Alem. X 175) Vater, 
Hohentengen. Datte^ Ertingen. 
Nicht bloß im Walachischen 
nachweisbar = Vater, schon 
im Lat. sih Orelli Inschriften 
Nr. 2813 f. 4943 Plane ro- 
man. Sprachen 189. 

DAUS: Bauer: I der Dans, 
das ist ein Manu , der sagt 
Euch rund — seine Sach 
heraus. Schaller Gedichte I 
287. 

TELLAMATER heißt in der Baar, 
Seitingen, die sogen. Knaus- 
birne. 

DENK m, Gedanke: kein denk 
geaba, keinen Gedanken geben, 
nicht eines Gedankens wert 
halten. Oberschwaben, alem. 

DEUTELMOSER PJV Frankental, 
1800. Zu Alem. VII 189. 
Dittelmos wo der DitelJcolbe 
typha wächst; lezteres zu 
Kiechlinsbergen , Kaiserstul. 
Auf dem Flenberge: Troraina- 
schlegel. 

DICHT adj, und soffen zum Ver- 
gleich einen dichten Bausch. 
Merkanders ungebundene Poet. 
Briefe vom Tanzen, Spielen, 
Schlittenfahren. Basel o. J. 

DILE, f, an der untern Argen: 
uf der DUe, Büne unter dem 
Dache. 

TÖBIG adj. töbig oder uf- 
setzig 1319. Diöc. Arch. II 
298. 

DOCKENHANSEL m. Spilzeug: 
Letztens vor allerhand Tändel- 
waar, DockenhoMsel und an- 



ders für ihre junge Töchter- 
lein und Söhnlein 53 Kreutzer, 
7 Heller L. 

TOLL a^. auffallend schöOf 
glänzend: mit dem köstlich 
brocischenEirchenziehrad wol- 
len wir uns bekleyden und 
unseren Gäulen dolle Scha- 
bracken anwerfen. Arp. 749. 

TORGGELBAUM, Trottbaum in 
Sipplinger Herbstrechnungen 
allgemein; er ward oft von 
einer Ortschaft zur andern ge- 
zogen. Vgl. Borggelprcsse 1798 
Konstanzer Chronik: es ist 
fast keine D. aufgegangen. 

DÖRRUNG /. Dürre, ariditas: in 
einer allgemeinen Dörrung hat 
sie durch ihr gebet einen 
fruchtbaren Regen erhalten. 
Glorreiche Frucht der Büß oder 
kurze Beschreibung des 3. Or- 
dens deß hl. Vaters Francisci 
usw. Solothurn, Urs Heuberger 
1731 S 425. DW II 1303. 

TORT: welches (Dornen) einem 
große Tort anihut. Delic. Hort. 
108. 

DORZE f. gewundene Fackel, 
Pechfackel aus ital. il torchio 
sih Schmeller I« 626. Thut 
man der gehurt eines kayser- 
lich-, königlich- oder fürst- 
lichen Prinzen zu allen Fen- 
steren die scheinbare Laternen 
und brinnende Dortzen auf- 
hängen. Ertl, Pred. 1721 S 
27 Augsb. Wie viel tausend 
mehrere fackel und tortschen 
sollen bei uns Christen in diser 
achttägigen Solennität hey 
llerumbegleitung des zartisten 
Fronleichnams Christi Jesu — 
brennen in nnsern Herzen 435. 
den Himmel (a. 1530b.Augsh. 
Reichstag) haben 6 fürsten — 
biß zu der Capelleu auf dem 



lei 



Berlacb getragen — Kaiser 
Carolus aber mit unbedecktem 
baupt und mit einer weissen 
viereketen Bortzen in der band 
— berumbegleitet 436 £P. er 
Selbsten (Carolus V) in eigener 
person gienge in einem scbwarz- 
geförbten Talar mit einer 
brennenden Dorischen zum 
Altaropfer 677. 

DOSSING: senex est sicut ramus 
resectus als ein abgebawer 
Mey — er muß aufs lezt gen 
JDossing ut in proverbio (?) 
bs Neresb. 16 sec. 

TOTENBAUM, Sarg: babe (er) 
demselbigen (der nacbber ge- 
rettet) albereitvmb ein Todten- 
havm^ aucb vmb Nägel, ibne 
zuzunaglen, vmbgeseben. S. 
Tbeobald 106. Da man den 
Todtenbaum wolte zunaglen 
107. Da seind von Stund an 
7 Closterfrauen auß jbren 
Todtenbäumen berfürbommen. 
Blüender W. Ein scbwarzer 
gewölbter Todtenbaum 1 fl. 
9 batzen. Ein scblecbter Todten" 
"bäum 1 fl. IIb. Zu den 
vilen Belegen aucb bier einer 
aus dem obern Elsaß. 

TOTENTANZ : Gariwaldus der 
königliche Prinz Grimowaldi 
wird vom Einderspiel zum 
Toden-Tcmz geladen. Solo- 
tburner Jesuiten -Scbuldrama 
1678: Partharitus. Ein Geist 
sagt einem Mordlustigen den 
Untergang „mit einem traw- 
rigen Todten -Bantz^ an, sib 
Schwerttane, 

TOTSRUNG m, Todesstunde : ibr 
Todtsrung seye ibren wegen 
ihres heiligen Lebens und Wan- 
dels nicht wie andern Sündern 
peinlich gewesen. Blüender W. 
In ihrem letzten Todtsrung 

Birlinger, Alemannia XI 2 



hat sie einen großen Durst 
gelitten (S Columba Troca- 
cazani). Ebenda. Und die so 
in des Todtsrung ligten, tbette 
sie besuchen. Ebenda. 

DBAB: sie ist gar heimtückisch, 
wird lang hinter dem Busch 
halten, bis sie ihre Gelegenheit 
wol ersibet, alsdann wird sie 
dir einen Dräb scbencken, daß 
du ibr nimmermehr yergeßen 
wirst Ob 35. 

DRECK, BÄ: Dreck für d'Ora, 
daß d^Hex ett bairt, eine Art 
Bescbwörung8-,Besegnungsfor- 
mel. Bodensee. 

DRECKEN den Abtrit aufs Feld, 
Krautland tragen. Wehingen. 

TREFSE/. (Alem. X 176) Trespe, 
zizania, Unkraut. Vgl. Ratten- 
sib zum Entfernen der Acker- 
raden. 

DREISSGNISTKROT (Alem. X 
176) fette August -September 
Kröte. Zeit des „Dreißgnist^ 
vom 15. Aug. biß 8. Sept. 

TREMPEL , Treampel collect. 
Name für kleinere Hauskrank- 
heiten epid. Natur: Grripp, 
Gatarrh, Ob. Donau. Aucb bloß: 
Magenschreien „d. T. get 
um", Heuberg Fridingen. 
Vrgl. 2V6mjpe?=Aschenbrödel- 
arbeit: ZebentO knecht, die 
auch etwan zuvor jhre Tremp- 
pel- und Boßlerknecht gewesen 
II ZebentO 27. Juni 1618 
Reysch. 16, 305. 

DRENGSEN suw. schwer atmen, 
seufzen. Untere Argen. Alem. 
Aussprache stat drensen, was 
von Menschen und Vih ge- 
braucht wird. 

TRICHTER, Tübinger^ bei Bebr, 
Glückwunsch - Gedicht 45 ff. 
Straßb. 1743 v. afterärzt- 

licben Weibern, die die hohe 

. 11 



162 



WisseDschaft ans dem deut- 
schen Coler, Gabelkofer, Wir- 
snng oder hent zu Tage aus 
dem Weisbach, Bäumler usw. 
ihnen als durch einen Trichter 
von Tübingen eingießen laßen 
— ey so gieß, daß du deine 
Ehre verschüttest! 

DRIEHAFTIG adj, gedeihend 1 
von einem jungen , gesunden 
Wald, 2 von einem fetten 
Stück Vih. Seitingen. Baar. 

DRTETSCHEN w. ein dummer 
Kerl, untere Argen. Darf an 
altes Trötschf Tritsch^ dummer 
Kerl, und Trilpentrisch im 
Oberlande ennnert werden? 

TRILLER, unter dem Schein des 
Handwerks herumreisende Bett- 
ler: fahrende Schüler, Leyre- 
rin, Sack- und andere Pfeifer, 
Hackbretter, Riemen-Stecher, 
Glückshäfner, Scholderer, sog. 
Triller j Markschreyer, starcke 
und gesunde Strolchen, Gaug- 
ier , fremde Wurzelgraber, 
Kreuz-Schlaifer, fremde unbe- 
kannte Kessel- und Pfannen- 
Flicker, Harzer, Zundelmacher, 
Mausfallentrager , Jacobsbrü- 
der usw. Auch die gedrticJcte 
Lieder herumtragen. Hoch- 
fürstl. Fürstenb. Bettel 0. 
1777. 

TRINGEN stv. wehr gegen dem 
Anderen frevenlich auffehrt 
oder tri/ngt mit gewafneter 
Hand oder Messerrauft. — wer 
den anderen mit Scheltwort 
beschwert ohne tringen 1. 
Sauig. Stat. 1617. 

TRINKWEIN m. zubacken neben 
einer Maß Tri/nchwein 7 b. 
zweymal zu rühren neben zwo 
maßen Trinckwein 10 b. 5 pf. 
Ib. 



TRIPEL von der christlichen 
Liebe als Kappellmeisterin: 
sie giebt takt und maß, was 
zu thun und zu lassen, son- 
derlich wanns Tripel gibtvnd 
vngleich hergehet D 92. Bei 
Schmeller TrippeUakt: bild- 
liche Anlenung. 
TRIPPE /*. eiserner Schweinetrog: 

Sütrippe, Meersburg. 
TRIT m. T. der Roß-Füß, mit 
Bluten und Schwären. Deigen- 
tesch 142 Alem. IV 260. 
DRITTE, c?as,Nachdmnd oder das 
zum dritten Male gemähete 
Wisengras. Hochbuch, Lindan. 
TRÖGEL, der, spilte im alten 
Lindau eine große Rolle; er 
war Eisenknecht, Gefangen- 
wärter auf dem Diebs- oder 
Gefangenenturme , daneben 
Schrannenknecht ; so ausge- 
dent seine Berufspflichten 
waren, so litt er doch unter 
dem von Kaiser und Städten 
öfter abgeschafiPten „ Unehr- 
lichsein^^. Nach dem j,Trögelr 
aydV^ sollen 1 die Trögel 
mit fähen, wachen und andern 
Dingen, was man sie haißt 
alleweg willig und gehorsam 
sein. 2 bei Messen ire Pflicht 
tun. In einem Statut: sol 
jedermann beleyben bei den 
Tregeleügen und der Zunft- 
straf. Die Trögel und Spöd- 
knechte werden oft neben 
einander aufgefurt. Ferner 
heißt es in einer Ordnung; 
„was aber außerhalb solcher 
6 Schilling pfenning zu fänk- 
licher Einziehung mit den Trö- 
geln oder andere für Unkosten 
aufgehen werde'* usw. Das 
Trögel bei Schmid bedeutet 
eine Einsammlung von Eiern 



163 



etc. für Lerer und Pfarrer 
143; alem. unbekanDt. Bei 
Tschudi (Frisch II, 379 b) = 
bajulus, Trager, SacJcirager, 
was mit dem Lindauer Schrarir 
nenknecht übereinstimmt. Es 
gebort zu tragen. Gehört wol 
das alem. schwäb. trögein = 
trinken wie ein Trögel, laug- 
sam, widerholt trinken dazu? 

DROGNERIE, Wortspil: Es soll 
auch dieses Holz wie alle neue 
JDrognerien (oder Betrüge- 
reyen) von sehr hohem Preis 
seyn. Ehrhart 117 a. 

TRÜPPER, Tröpfer: Gonorchea 

— ein beständiger Saamen- 
Ausfluß, daher er dann auch 
in dem deutschen IVipper oder 
Tröpfer, ingleichen Tropfel- 
pisse benennet wird, nach der 
gemeinisten RA aber wird er 
heutigs Tags der Saamenfluß 
oder Röhrlein- Geschwür be- 
namset. Man nennet es auch 
Hosenschnuppen, v. Lindner 
S 33. S 32: Es ist dieses 
heutzutag die allergemeinste 
Venus-Kranckbeit, so gar, daß 
auch die Bauren auf den Dor- 
fiFern damit bereits staat 
machen und sich vor Helden 
halten, so sie damit geplaget 
werden , gleich denen neuge- 
worbenen Soldaten , welche 
schöne Bänder oder Coquarden 
auf den Hüten tragen, da doch 
am Ende des Jauchzens ein 
erbärmliches Auwe erfolget. 

TRUZ WETTER n, bildlich: die 
Erde schlägt auf der Zitter 

— das Hauß heißet Trutz- 
wetter (Kirche) es dauret auß 
D 182. 

TUCK: dessen Tuch zum ewigen 
Gedächtnuß in unserer Kir- 



chen -Ordnung aufgezeichnet 
steht D 573. 

DÜRLIZEN: von Horn-Kirschen, 
Gornal-Kirschen,bey uns Dürr- 
Uzen genannt — kann ein 
köstlicher Bürrlizenwein prä- 
parirt werden Ehrhart 3 a 
Cornus folmina oder virga 
sanguinea sollte deutsch wilde 
Dürrlizen (Hartriegel) heißen 
23 b, Dürrlizenholz 118 b. 

DÜRNZ /. aestuarium : Item der 
Zuzzelmayr git ierclichen von 
ainem leben zehen Schilling 
haller und zway herbsthünr 
vnd die gehörnt in die dürnz 
an das lieht, f. 19 b Ba Vgl. 
auch den Bericht des Hofrat 
Boch (t 1714) vom Brande 
Durlachs in Sachs, Beiträge 
z. Gesch. d. Karlsruher Gymn. 
1787: Welche Bitte so viel 
gefruchtet, daß er mir gleich- 
gegönnet, das Volk in die 
Schloßkirche und in die sog, 
Türnitz zu führen. — So habe 
ich die Leute in die Türnitz 
und in die Kirche salvirt. — 
Kaum waren unsere Leute in 
der Türnitz, so stiegen etliche 
Franzosen von hinten herein. 
Vgl. Dürnizl ab Hohardt 
PN, spilt z. Regensburg als 
Schüler 1675 in einer Komödie. 

DWALEN n, Verziehen, uralt: 
Das Gesundmacheu ist ein 
Krankheit, und nit ein ge- 
suudheit; es ist ein DwahJen, 
von welchem heylen steht in 
sein. Kapitel. Paracelsus 5,151. 

E 

EBEN (Alem.X 176): mag mine 
frowe von Heiligcrüztal en- 
dern, als ihr das eben und 
fiigklich ist. Ertinger Dorf 
1484. 



164 



ECK, Über. adv. Es ist ein Statt- 
wunder — das nicht alles 
nndersich und übersieh, oder 
wie man pfleget zu sagen: 
bund über Eck gangen ist. 
Goebelius 48. 

EDE /*. aiidere (Rosse) gesch wel- 
len an der Brust oder Ede 
und bekommen große Milz. 
Deigentesch 66. Fahre her- 
nach an dem Roß hinder sich 
mit der Hand biß an die Ede^ 
und schlage 3 mal dran 69. 

EDERLINSBROT, SanU, hieß das 
Laiblein, das massenweise am 
28. Aug. jedes Jares, dem Ge- 
dächtnistage der halb mythi- 
schen Stifterin von Buchau, 
Gräfin Adelinde, verteilt wurde. 
Es war ein feierlicher Au&ug 
damit verbunden. 

EIGENBROTEN: damit dann auch 
die heimlichen Gänge und 
Schlupflöcher, besonders auch 
das Eigenbrodien, als wodurch 
jene nur geheget werden, ernst- 
lich verboten sein sollen. Gien- 
gener Stadtartikel 17 sec. 

EIGENRICHTIG a^. des Graffens 
und Lecester vnd seiner Mit- 
haften eigenrichtiges Fürhaben 
(Maria Stuart) Blüend. W. 

EINFELLEN sw. die Mauren zu 
Babel — daß sie von keinem 
Feind weder erstigen, noch 
vil weniger eingefeit — wer- 
den mögen. Goebelius Vorrede. 

EINHENKLING : von einem Ein- 
Iienckling 1 pf. 1 b. 

EINSPILEN swv. Da (Camera 
obscura) alles umgekehrt wird 
auf dem Kopfe stehen { Indem 
ein kleines Licht einspielt in 
diese Nacht. Chr. Rosinä Spitz- 
lin Poetische Ergötzungs-Stun- 
den. Augsb. 1731 S 39. 



EINSIZEN vom Calvinischen Gei- 
ste: daß er nicht einsiee und 
Oberhand nehme. Huber, Vor- 
rede. 

EINSTRUPFEN : so einem ein Glied 
schwindt oder eins Schmerzen 
in den Nerven oder Geäder 
hat, und solle einstrupfen 
Gufer 79. Nerven — abson- 
derlich so sie eingestrupft 156. 
Von Kröten, daß sie ganz 
einstrupfen 175. 

EINZLICH : wiltu die große Rüben 
zeugen, so must du den Rüb- 
Saamen in einem mürben Acker 
cimlich weit von einander 
stoßen. Hausbuch 16 Jhd. 

EISENHALT /, Von einem Ge- 
fangenen, er habe „den linken 
Fuß auß der Eysenhalten ge- 
zogen" — und hatte dannoch 
die ander Eysenhalten an dem 
rechten Fuß — und das 
er die Hund erweckte mit 
den Eysenhalten; — ließ 
sich vber die Burg Mauren 
hinab mit der Eysenhalten^ die 
er noch an dem rechten Fuß 
hatte. S. Theobald 132 ff. Mit 
zwo Eysenhalten an den Füßen 
eingeschlagen 153. Die E, 
verblibe ihme am Fuße — sich 
von der E. entledigen 155. 

EISENSCHÜSZIG adj, röthliche 
Farbe des Thones, der stark 
eisenschüßig ist. H Sander 
Natur und Religion. Carlsruhe 
1791 165. 

EITEE: daß das Rückenfleisch 
des Roßes 0U Eiter gehet. 
Deigentesch 71. 

ELENDE SEELEN, arme Seelen 
im Fegfeuer : so sol man alliu 
jar an dem achtenden tag 
nach Aller Seelentag die vor- 
genannten trey ' herren ' ze 



165 



Maunbeim dreySelmessen spre- 
chen allen eUenden Selen und 
die verschaiden sind inchristen- 
lichem glauben. Ba 27 b. 

ELLEND : die drei Ellenden beim 
Stein bei Rechtenstein, Figuren, 
Bilder von Heiligen , die aus 
der Fremde kamen, die fremd 
sind, aber auch die in der 
Marter dargestellt sind. Alem. 
X 177, Bück ONB 56. Von 
der ellendenHerherg der Gottes- 
gebärerin zu Bethlehem. Blüen* 
der W. 

ELS WER I So wirdt gegen disen 
Einden das Widerspil geübt, 
gleich, als sei die Meinung 
wör Eis wör, das dise eilende 
Kind nit frum and redlich 
werden Bb. 

ENDELICH: diese Person ist sehr 
arbeitsam , endelich unver- 
drossen und diensj;haft 51. 

ENTENMEIER heißt: der sich 
vieler Erfahrung in Rechten 
rühmet, den Grund der Rechts- 
gelehrsamkeit aber nicht ver- 
stehet, dahero zu langen ver- 
derblichen Rechtfertigungen 
ürsach gibt. Hermanns Jurist. 
Lex. 1741. Den Enten-Meyern 
und rabulis forensibus Gesatz 
geben. Adelstraktat S 72. 
Vnder ehrliche Advocaten seynd 
gar nicht zu zählen, auch nit 
zur Advocatur vnd procura- 
turstellen zu ziehen yverschrayte 
rabulae forenses^ die mehr auf 
Geld, dann auf die Sachen, 
ihre Augen und Aufsicht 
schlagen; dise seind Enten- 
mayer vultures rogati, advo- 
cati bestiales, vitilitigatores 
clamatores odiosi, mercenarii 
quibus Utes penderediu, Vin- 
demia quaedara est, sie seynd 
hirudines forenses, non missu- 



rae litigantium loculos, nisi 
plenae pecuniarum. Fritz de 
nobil. th. 9 Adelstrakt. S93. 

ERBAT f. das Kind habe die 
Erbat gehdht (Gichter). Aulen- 
dorf. Verhörsprot, 17 Jhd. 
Alem. X 177b. 

ERBLATTERN in der elsäfiischen- 
kolmarischen Rebleutesprache : 
Acker Räben-schneiden, stük- 
keu; niederziehen , hacken, 
zweymal zu rühren, erbrechen, 
erblattern, räumen und drey- 
mal hefiPten la. 

ERDNER, Erdenbewoner : Him- 
melssphären — Die kein Ehrd- 
ner würdig preist Schaller 
Ged. 46. Licht der Gang, den 
des Alls Vater Mit dem klü- 
gelnden Erdner geht S 58. 

ERKLAGEN, skh: Nachdem NN 
allhier bey unß zu vnderschid- 
lichen mahlen sich erldagt vnd 
beschwert, weßgestalten jhme 
usw. üeberl. Bauamts -Zunft 
ürkd. 1676. Oberdeutsch, alem. 
DW m 874. 

ERKLE in der Küblerordnung: 
Ein Ercklen der grösten Gat- 
tung. Ein Wasser ErcMen^ ein 
Herbst Ercklen 10b. 

ERMEISTERN: nachdem Vespa- 
sianus durch Titum das hart- 
neckige Jüdische Volk erfnei- 
Stert D 8. 

ERSCHWÄCHUNG f. dieweilen 
aber der Zehrpfennig ohne Er- 
Schwächung der anderweiten 
unentbehrlichen Auslagen nicht 
allezeit erklecken mag usw. 
Hochfürstl. Fürstenb. Bettel 
0. 1777. 

ERZÜNDEN swv. es wäre aber 
ihr Gemütt in der Liebe Gottes 
dermaßen erkundet. Blüen- 
derW. 



166 



ESSENIiOHE Fleucb , Theiire ! 
seinen Kns , — er brennt | 
Wie Essehloh' im Herzen. 
Schaller Gedichte I 83. 

EXCIPIEBEN in der altwirtem- 
bergischen Schalsprache: den 
deutsch diktierten Anfsaz anf 
der Stelle ins Latein über- 
sezen und das gleich in der 
römischen Sprache nachschrei- 
ben, was deutsch vorgesagt 
wird; heute extemporieren. Im 
Hartmann oder Wirtemberg. 
Klostergeschichte von Seybold 
S 72 heißt es: Denn gleich 
wird der filius herbeigerufen 
und gefragt : hat Ers eacip ieri ? 
wovon handelt das Thema? 

EXENBLEGH : ein ganz neu Exen- 
blech — ein altes aufzutrennen, 
ein new vorder halb Exen- 
blech ^ ein hinder Exenblech, 
n. alt vorder Eae = Achse 
häufig 7 a Mug'Ealen 7 b ein 
new Vorder Deichsel Geschirr 
mit der Exen vnd Grießbrett 
7 a Ein Hochgestell sampt der 
Exen 7 a. 



FALB adj. Und du sinnst, noch 
schläft der falbe Morgen 
Schon, ihr GlAck zu fördern, 
nach Schaller I 40. 

FASELN: solche (Angelica) denen 
Hauswirthen zu überlassen, 
welche sie vor eine Krankheit 
der Schweine gebrauchen, die 
bey theils Schwaben Fdsem 
genannt wird und vielleicht 
das ist, was die Sachsen Rank- 
korn hiessen. Ehrhart 75. 

FASNACHTBRÜDER : Darunder 
(jezige faule Knechte) auch 
vnsere jetzige Faßnachtbrüder 
sein, die mit Weib und Kind 



an Bettelstab gerathen vnd 
ihr schönes Schlemmerliedlein 
singen: Ich armes Brüderlein, 
wo muß ich äuß vnd an? Was 
ich hewr gewonnen hab, ist 
schon ferdt verthan! LLB IV b 
zum DW III 1356. 

FEDERRITT Bettgewand : Unter- 
bett von Trilch, auch Zwilch, 
Federritten, Schaaf - Barchet 
R 28. 

FEILBAR: Hutmacher, Hosen- 
stricker usw. vnd was sonsten 
feylbahre Arbeit hat. 12 a. 

FELDRINK: aber welcher vn- 
eelicher Geburt der möge nichts 
erlichs thun vnd sich guter 
Sitten gebrauchen — so doch 
die Feitrinken täglich das 
Widerspil der zal nach an- 
zaigen. Bb. 

FESEL m. mache ihm (dem Roß) 
ein starck Seil inn den kran- 
ken Fuß bey dem Fesel Deigen- 
tesch 95. 

FEÜERNEU adj. Feuernetoe Pas- 
sion mit Gottes Sohn spilen. 
Huber 50 DW 3, 1599. 

FICHZUG, Vihzucht: Veldtbaw 
und Fichztig. Bb. 

FILZ tn. So Wirts auch damaln 
(am letzten Sterben) nicht an- 
tre£fen ein fütz oder auch etwas 
zeitlichs, sonder daß ewige, da 
wird das Endurteil außge- 
sprochen werden LL B IV b. 
Zum DW III 1633. Einen 
Filz geben, Verweis geben 
Aulendorf, Strafprotok. 17 
Jhd. Alem. X 171. 

FLADER, — LOCH: Wenn junge 
Immen zur Stelle und in die 
Stöcke gebracht, so vermache 
man ihnen die Flader auch 
halb, offtermals auch, wann 
die Schwärme klein, lasse man 
ihnen das Ftader-hoch kaum 



167 



den dritten Theil ofifen, damit 
andere Immen keinen Einfall 
than, und die Jungen sich 
Gewalts nicht erwehren kön- 
nen, nachdem sie sich aher 
gemehret, und am Flug starck 
worden sind, mache man ihnen 
weiter LufiPt am Auß- und 
Einzüge. Altes Hausb. 16 sec. 

FL.OSZGALLEN: ob das Pferd 
nit floßgallen, überbain habe 
usw. B. 

FLOTZFARTEN auf der Schüssen 
seewärts: so im Mayen und 
Herbst im Altorfer Wald ge- 
schlagen wird. Landwaibel- 
amtsrechnung y. 1684. 

FOLANDSRAUSCH wi. furcht- 
barer Elausch. Unter der Alb; 
zu Faland X 178 b? 

FOLGEREI f. Die Consequentien 
und Folgereyen alle für ge- 
nehm gehalten? D 239. Fol- 
ger eyen seind, die auß der 
widrigen Lehr herfließen 240. 

FORSTEILICHKEIT: wurde dem 
bad. Adel die ganze Forst- 
eylichheit — entzogen 30 (6) 
sih Beisassen. 

FRECH adj. das sich dise zwo 
Jungfrauen etwas Frechers, 
Vertraulichers und Freund- 
lichers — mit einander be- 
sprachten. ßlüender W. 

FRIEDENSPFEIFE stimmen D 
715. 

FUCHSWADEL; ob nicht weit 
vom Ziel geschossen, und^sich 
dise Comparation ^reimet, als 
wie ein Fuxwadel zum Graß 
abmähen? Eisenhuet 113 (sih 
Bauer). 

FUDDERNsw». schimpfen, schel- 
ten, zanken. Untere Argen. 

FUGGER: unter dem Schein, als 
wären (die Schriften) schon 
allbereit von etlichen geist- 



lichen Fuggern gnugsam pro- 
birt D 19. 

FÜLLE f. aufgeworfener Wall, 
Gang der an dem Stadel her- 
läuft. Untere Argen. 

FÜRRIO: wäre auch, daß man 
schrüe fürrio oder sturmlüthe 
von fewrs wegen in der Statt, 
— daß in der Statt Fewr 
aufgienge vnd man schrüe 
fürrio, fürriOj der negst, der 
sollich geschray erhört usw. 
Sauig. St. 1617. 



Q 



GAICHENsicÄ, hochtragen, auf- 
fallend gebärden : er gaicht se. 
ßodenseegegend. 

GAISZWURM: den Kindern, so 
den Veyr- oder Gayßwurm 
haben stätigs schreyen und an 
dem Leib abnehmen Gufer 164. 

GALT: vnd hie mit den un- 
eelichen kinder wird das wider- 
spil geübt, wan seine Eltern 
und vorab der Vatter get galt 
und ungestraft aus vnd das 
Kind soll das Uebertreten des 
Vatters tragen Bb. 

GÄMSKUGEL, gepulverte, für die 
Lungensucht, absonderlich so 
du von einer gerechten und 
gepulverten G. daimit ein- 
nehmest Gufer 284. 

GARN BÄ: ich bitte noch ein- 
mal vmb Verzeyhung, wann 
ich nicht besser Garn spinnen 
kann als an der Kunckel an- 
gelegt worden D 414. 

GÄSCHT m. Wann nicht mein 
Mund erblaßt durch kalten 
TodeS'Gäscht. Christ. Rosina 
Spitzlin S 59. Wird einst 
(verlöscht) der Todea-Gäscht 
auf meinen Lippen stehen 
155. 



168 



GASSENSPRÜGHE : und wenn 
sich der Fall ergeben sollte, 
daß jemand ans der Familie 
die Gewohnheit hätte, derley 
nnsjiBi&ndige Gassensprüche zu 
gebrauchen usw. Sophie oder 
ein Gemälde zur Bildung jun- 
ger Frauenzimmer usw. Augsb. 
1789 S 23. Feit DWIV 1453. 

GEFIEBDT: wer ein guet an- 
spricht für diebigs oder für 
ranbigs, mag er es nit vol- 
fieren, so ist er ohne alles 
mittel verfallen usw. und dem, 
zue dem er klagt, dem thuet 
er seinen schaden ab umb an- 
getaschte Ehr vnd gefierdt^ 
so er deß guetes nit haben 
mag usw. Saulgauer Stat. 
1617. 

Gegnet (Gegne sonst am mittl. 
Neckar) Legende 1472: und 
kamen in die gegnet^ die ligt 
vmb die Stat Lomonicz f. 52 b. 

GEGRIFFT joar^. Von einem alten 
gegriffen Eisen vfipzuschlagen. 
Von einem ohngegrifften 6 a. 

GEHIMMELTE BETTLADEN von 
thännenem holz. R 117. 

GEIMEZEN, hiare: Doch hört, 
was die Geschichte Von un- 
serm Abentheuer spricht Und 
ich izt im Gedichte Ihr nach 
erzäl' nndgeimezt nicht. Schaller 
Gedichte I 222. 

GEISZLEN: er sähe, daß es 
(Vanilla) eine Sorte einer Winde 
war, die ihre Clavellos oder 
Geißlen von sich warf, wie 
ein Weinreb den Reben mit 
seinen Geifilen an den Baum 
hängen ; — durch seine Geißlen 
den Nabrungssaft aus dem 
Baume an sich ziehen. Ehr- 
hart 107 ff. Grimm DW IV 
2 Sp. 2815 5 a. 



GELACHTER: eben wie vor Zeiten 
das Münster allhie anfangs 
von König Clodoväo auf a^t 
Fränckisoh auß Holtz gebawet 
vnd weil es ein höUeern Ge- 
lächter gewest, durch einen 
Donnerschlag entzündet D 185. 

GELTVIH: zweierlei, junges und 
altes; zu lezterem zälen die 
alten Kühe und Ochsen, zu 
lezterem nicht bloß junge 
Ochsen und Kühe, die unfrucht- 
bar sind, sondern auch die 
kranke, lame und gebrechliche 
Kälber bringen oder sonst 
Schaden erlitten, daß sie künf- 
tig nicht vil mer zur Arbeit 
oder zum Abnuzen tauglich 
sind, ingleichen gehört hiezu 
alles junge Vieh, welches zur 
Zucht behalten wird. 

GEMEINDSTRUNK. Laut einer 
Ertinger Urkd. v. 16G7 18. 
März haben die Fremden, die 
nach Ertingen hinein heiraten, 
an Einzuggeld 2 f. 20 kr. zu 
entrichten (an das Kloster 
Kreuztal) „der gemeindt Er- 
tingen aber neben dem ge- 
hrätwhigeu gemeindstrunJc Ain- 
hundert gnldin von dato diß 
briefs an'^ zu geben. Ertinger 
ürkdbuch No. 29, S. 159—164. 

GEPFLETZ, das, vom Palast des 
K. Cyrus: die bänk silberin 
— das gepfletis aber von weis- 
sen, grünen, gelen und schwar- 
zen Marmolstein. Goebelius 
Vorred. 

GEPOPPELTE oder geschwollene 
Ort, am Rosse. Deigentesch 87. 

GETREMT n, Gebälke des Dach- 
stules. Aulendorf. Alem. X 175 : 
tram. 

GEROCHT aus gerächt, spiz zu- 
laui;end: Fritz der Bechaim 



169 



erhält 1871 als Leiblehen daz 
gerocht äckerlin in dem esche 
hinter den ziegelstadelen. Ulm 
1366: die gerochte jochart 
ackers am grymolvinger weg. 
Ulm. 

GEBSTLEIN: man findet heutiges 
Tags etwann anch noch Herren, 
die zu Nachts nichts als ein 
Gerstlein essen und sich wol 
darbey befinden. Gufer 234. 

CrESÄLZ n. eingekochter Früch- 
tesaft : Wachholder - QesäUz. 
Deigentesch 180. 

GESC5HWADER: von einem gros- 
sen Geschwader der Heyden 
wird das Bildnis des Teufels 
verert. Symphorianus Comico- 
Tragoedia Diling. 1677. 

GESCHKAI n. da ihrer Hailig- 
kait geschray weit erschallen. 
Bltiender W. 

GESEGNEN, sich: und alle gott- 
selige Herzen (sollen) sich 
dafür gesegnen (vor dem Calv. 
Geist) Huber Vorrede. 

GESPEBB n. alle Hindernuß, 
Aufisug und Gesperr — aus 
dem Wege räumen D 5. 

GESTRÄUTE BRÜCKE : auch sel- 
ten wir von Glarus zu bilten 
eine gestrewte Brück machen 
über die Lint. Nach einer 
Urkd. V. 1532. Ein kostbahrer 
Schatz, das ist fünfzehen gute 
Batschläg Eines wahren Freun- 
des der Evangelischen Glar- 
nerei, gesteh durch VPFRu- 
dolpharo von Schwytz Ca- 
puz. Zug 1695. kl. 80 S243. 

GEWÜHRIG: erkläre dich nur 
getoührig; die Sache kann 
keinen Schaden bringen Ob 50. 

GICEES, GACKES: also Arz- 
neyen nicht mit ewern Dölpel- 
werk Cholera, Phlegma, Gickes^ 
Gackes: pfdch an Galgen mit 



den hohen Schulen! Paracel- 
sus V 178. 

GLAICHWUNDEN : solche Aschen 
in die G, gestreut stellet das 
Gliedwaßer kräftiglich. Gufer 
78. 

GLOCKENGIESZER: schier gar 
verzagt hatten und verstockter 
auch erschrockener waren dann 
die Glockengießer; sahen sie 
diesen, den sie also erzippert 
hatten, auf der Gassen um- 
gehen. Gufer 22 fi". 

GLÜH : Da du geboren warst | 
Beteten gluherer Inbrunst voll 
Seraphim usw. Schaller Ge- 
dichte I 3. Die Flur stirbt, 
vom Winde siech, von gluher 
Sonne versengt S 67. 

GLUNZEN: daß die Fewrfunken 
nicht fort und fort gluntzen 
vnd endlich widerumb in newe 
bruQsten außsch lagen D 118. 
N der Berengarii gluntzende 
Eolen von newem ausgehaucht 
124. 

GÖGGELE junges Hun one Unter- 
schid des Geschlechts WZollern; 
OZollern: Heanle. 

GRALLEN, Korallen: N hat ein- 
gesezt ein Form den hl. Rosen- 
kranz durch die Grollen oder 
Paternoster, wie maus pflegt 
zu nemen, zu betten. Blüend. 
W. Weil sie kein Rosenkranz 
von Grollen gehabt. Ebenda. 

GRAS: Voigt darumb nit, das 
dadurch werde geboten (Ge- 
schichte von Isaac u.Ismael), das 
man alle vneeliche Kinder müsse 
auf daß Gros schlagen Bb. 

GRAT WOL: Dann solches nichts 
anderß ist, dann ein versuchen 
aufi* ein geraht wol, geräbts 
so geräbts. Paracelsus 3, 11. 
Vgl. gräts so grats und grata 
it so gräts itta. 



170 



GRÄZE: verdächtigen auf Jar- 
und WocheDinärkten feilbaben- 
den Leuten deren Grätse^ 
Laden, Pack zuvisitiren. Hoch- 
fürstl. Fürstenb. Bettel 0. 
1777. 

GRIMMEN swv, quare fremuerunt 
gentes: Warvmbe grinwnetent 
die Idte Ps. 2. XV sec. hs. 
StiftsbibL Solothurn. Zu Leser 
I 1085. 

GBINDSALBE: aus altem Scbmär, 
Schwefel, gepulverten Seven- 
baum und ein wenig Wach- 
holderöl magst du eine gute 
Grmdsälbe machen Gufer 190. 

GROBRÄUMLICH rt<&". Weniger 
hat er eine Consubstantiation 
vnd gröbrätmUiche oder natür- 
liche Mitwesung des Leibs 
Christi mit dem Brod gebilliget. 
D 141. 

GROMMET n. mit Heu oder Grom- 
met füttern Gufer 14. 

GRÜSZWERT acij. ein grußwerthes 
Gasthaus D 4. 

GUCKE f, die Batzen, Groschen, 
halbe Batzen, Kreuzer usw. 
ordentlich in Gucken oder über- 
haupt zusammen gezehlt und 
ausgeworfen werden R 17. 

GUKUCK m. Teufel: Es hat vor 
alten Zeiten der schwareeGuch- 
gmk drey schädliche Vogel 
ausgebrütet (Nestorius usw.) 
Dli9. Im 6. Seculo, da der 
höllische Guckguck eine Reli- 
gion Sect vnd Kätzerey nach 
der andern außgebrütet 637. 

GUMPEN: Th6e-, Caffee-, Milch- 
kannen, Spielgumpen R 31. 
Tassen , Gumpen , Zucker- 
büchsen 37. 

GUNSTTRANK : auch gut, sofern 
die menschliche Auctorität die 
Gemüther bezaubern will! Phil- 
tra Lieb- und Chmstträncklein 



beybringen vnd damit die Ge- 
rn üther verzaubern ist die Art 
der Römischen Damen D 621. 

GURGEL bildlich: vnd daß der 
Mentzerische Irrthumb der 
reinen Lehr nach der Gurgel 
greiffe, Luth.Katzenkrieg 291. 
Haist das nit einander nach 
der Gurgel greifen? S 328. 

GURRE. Osianders Glosse zu Zach. 
5: Wann einer eine Gurren 
gen Rom ritte, so könte er 
Sigel und Brief herausbringen, 
daß es ein Hengst were. Luth. 
Katzenkrieg 425. 

GÜSSE f. als das Waßer durch 
ein Güsse groß worden S Theo- 
bald 110. 



BAAR: deswegen hänget er an 
sich alle die, verstehe, Nicol. 
Gallum — vnd der haar an- 
dere mehr D 36. Welcher 
Haar der Manßfelder wer und 
oft ihn inniglich an das Ort 
gewünscht, da der Pfeffer 
wechst. Act. Mansf. 63. DW 
IV 18. 

HÄB /. Messer für Gärtner nnd 
Winzer Waffenschmid 0: ein 
Häh 5 batzen; ein Raum-Hi^ 
2 batzen 4 pf. 8b; sonst 
HäppCy Häpe, 

HABERCAMILLEN: die römische 
Chamillen sind lange dasjenige 
nicht, was die gemeine Acker- 
oder HabercTiainiUen Ehrhart 
36 a. 

HAFT in der GlaserO für ein 
Hafft 1 hll. für ein Kirchen- 
Hafft 1 Pf. 9 b. Ein newe 
Scheibkett und Haft 6 b. 

HAIPFEL tw. von Barchet oder 
Trilch; Strohsäcke und Stroh- 
Haipfei R 28, Haipfel- und 



171 



Kissenziechen , weisse und 
gfefarbte29. F\&chBene Heipfel- 
Ziechen 116. 

HAIMSUCH: wer dem A öderen 
zue Uauß und HofiP frevenlich 
khombt, daß ist ein Haimb- 
smch, der ist verfallen usw. 
Sauig. St. 1617. 

HAIiT m, Gehalt. Die Alligation 
hat zwey Arten : Die erste ist, 
wann etliche Ding ungleichen 
Halts oder Werthes, besserer 
oder schlechterer Dingen mit- 
einander vermenget werden, 
und dannoch der rechte Werth, 
oder das rechte Facit der ver- 
mischten oder vermengten 
Dingen durch diese Regul der 
Alligation sich erzeigen und 
hervorthun wird L. 

HAMELN nider kauern. Ertingen. 
zu ham, crus? 

HANDBROT: jr narung und 
hcmdthrot — vor dem Mund 
abschneiden Bb. Feit DW. 

HANENBOGEN m. Item, eine 
Hauß-Schaffnerin hat 6 Hen- 
nen-St&U, seynd in jedem Stall 
6 kleine St&Uein, und in jedem 
kleinen St&llein seynd 6 Hahnen- 
B5gen, und auf jedem Hahnen- 
Bogen sind 6 Goggel-Hahnen, 
und hat jeder Goggel-Hahn 
unter sich 6 Hennen, legt jede 
Henne täglich ein Ey, und 
kost ein Ey B Heller, ist nun 
die Frag, was die Hauß- 
Schaffnerin wöchentlich gel5ßt 
habe? L 

HANENSCHRIT : Sie wird kaum 
einen Hanenschritt von irem 
Vatterland verheyrathet wer- 
den 25. 

HANS JUNKER: oder der trett 
auch hinauß, legt die Hand 
an Pflug, bedunkt sich nit 
als sein Hans Junker Bb. 



HÄRING m. faules Bodenholz 
am Rebstocke, das im Früh- 
jare „ weggeschlagen ^ wird. 
Untere Argen. 

HASE: da ligt der Haf^ im 
Busch Bb. 

HAUSHÄBLICH adj. nach Ab- 
sterben ihres Mannes hat sie 
anderen die haußhäbliche Sorg 
übergeben. BlüenderW. Under 
disem Leben thette sye nichts 
in haufihäblichen geschefften 
versäumen. Ebenda. 

HAUSKIRCHEN d. Evangel. Goe- 
belius 19. 

HAUSCLISTIERLEIN Gufer 166. 

HAUSPRIESTER: ha,t dem Hauß- 
priester , so einer geringen 
Geschicklichkeit wäre, solches 
anbefohlen. BlnenderVf .Haus- 
geistlicher Name für einen 
Beichtvater in Ordenshäusern, 
Zuchthäusern (Freiburg i. B.). 

HAUSSCHWUM m. und wäre die 
Jungfrau in der Kuchen nach 
dem Sprichwort der Hauß- 
lump oder Haußschwum. Blü- 
ender W. Sähe keine nie- 
malen disen hailigen Hauß- 
schumm eßen oder zu Tisch 
sizen usw. Ebenda. Feit DW. 

HEEROLF vom Seiler: das Pfund 
Hasen Garn 4b. Das Pfund 
Heerolf 5 b. 7 b. 

HEILMACHERIN /l und hat ihre 
Heilmacherin Mariam Magd, 
mit heller stimm geprisen. 
Blüend. W. 

HEILSTEIN m, aus Kupferwasser, 
Vitriol, Bleiweiß, Bolus und 
Salmiak hart gebrannter Stein 
zur Heilung des Tritts der 
Rossefüße. Auch roter H 
Deigentesch 146. Feit DW 

HEIMGARTEN Fridhof, Ertingen. 
Man sagt aber auch imMes- 
mers Garten kommen. 



172 



HEIMGEBOREN : sind sie (Chri- 
sten) leibeigene und heimge- 
hohrne Kinder D 96. 

HEIMBUF m. Es wird dem Adel 
gestattet, in fremde Civil- und 
Militärdienste zu gehen, so 
lang keine feindlichen Verhält- 
nisse den Heimruf yeranlaßen 
20 sih Beisassengeld, 

HELMLIN: Richter, welche mit 
solcher wichtigen Exception 
jnen das hdmlin laßen vmb 
den Mund streichen Bh, 

HERBSTBINDEN, das, Kiefer- 
geschäft, besonders in Rech- 
nungen V. Sipplingen. 

HESELZAPFENPULVER Deigen- 
tesch 35 zum DW. 

HIMMELSORG: eines ist noth, 
nemlich die Heyl- und Htm" 
melsorg D 205. 

HINDERSCHLEICHEN stv. daß 
der böse Geist (Calvin) euch 
und unser gemeines liebes 
Vatterland nicht hinderscMei' 
che. Huber, Vorrede, sih oben 
X 184b. 

HINLOUF sfn. (I Psalm) vnd 
wirt (der Gerechte) als dz 
holtz dz gepflanzet ist nebent 
dem hinlÖffe der wassere, dz 
sine frucht git in siner zit. 
Psalmen XV sec. Stiftsbibl. 
Solothurn. Feit bei Lexer. 
Die Schweizer Bibel hat hochd. 
„wasserflüsse" dafür. 

HIRNGÖTZ m. ein ohnmächtiger 
stummer Hirngötz (E Blytters- 
hagen) D 354. 

HIRSCHKRANKHEIT f. Es gibt 
,aber sonsten auch noch ^ine 
Rehe, die man Wind -Rehe 
nennet, aber mit Unrecht. 
Diese Krankheit wird sonsten 
dieJSirsch'KrancJoheit genennet 
usw. Deigentesch 68. Zum DW. 

HOCH adj. Da es änderst auser 



hohem Mangel herbergen und 
holter noth halber sein müste 
Sauig. Stat. 4. 

HOFSCHMARUTZER: wie dort 
Constantini Hoffschmandzer 
sich nach des Eaysers Religion 
accomodirt D 628. 

HOFSUPPE: da sie (die hader- 
haftigen FriedenstÖrer) gegen 
Mittag zu in Americam, an- 
statt der Hof Suppen in Teutsch- 
land, der Indianer Maitz essen 
D 648. 

HOLDERBAUM, blauer oder Sy- 
ringa. Ebrhart I03a. 

HOPPE : vertreibet sie alles 
beissen und jukken der haut, 
deßgleichen die rothe Hoppen 
Gufer 160. 

HOPPIDEBUM. Auch bleiben wir 
beim Hoppidibum \ In deiner 
Gesellschaft, nach SVunsche — 
recht dumm. Vom Hanswurst, 
der auf die Dörfer sich zu- 
rückzog. Schallers Gedichte I 
277. 

HÖRNERTRAGER : es war beßer, 
du hättest nicht gefragt, dann 
du bist ein armer H. Ob 16. 

HUBEL : noch mehrere Vögel 
haben Federbüsche , grosse 
Hubein und andere zierden. 
H Sander 2 Tl. S 279. 

HÜLSCHENFRUCHT : die andere 
Tag wäre ihr speiß hulschen- 
frucht vnd gemüß. Blüender 
W. und ihr Herr nichts mehr 
(von Bonen) in dem hMschen' 
kosten funde a a 0. 

HUND 1 Ugolino gehet der Hund 
vor dem Liecht umb, Marcus 
därfFte seyn ein Profet ge- 
wesen, merkt daß das Glück 
die Färb nicht halte, sih zu- 
sammendupfen. Osianders Glos- 
se z. Proverb 19 Eccles 7. 2 
Hunde, junge: Sie haben weite 



173 



Gewissen, man könne junge 
Hunde dadtirchheuteln, Luther. 
Eatzenkrieg 422. 3 Hund, der 
schwarte, daß ist Nach red ob 
dem Tisch, welches ist der 
böß Geist, den mußt du auch 
vertreiben. Gebetbuch 1608 
üeberlingen, verf. V. e.fürstenb. 
Gräfin. 

HUNDSKOPF : ein krummer 
Hundskopf %h. ein grader J?. 
(Dreherordnung) 10 b. 

HÜNERFEIERTAG, blauer Mon- 
tag, von den nichtsarbeitenden 
Hünern benannt, UnterzoUern. 
OberzoUern hat dafür den 
Hagelfeiertag. 

HFNGERPFLüG bildlich: Ge- 
furcht hat jeder Mine Zug | 
Des tiefsten Elends Hunger- 
pfiug I Und eingekerbt die 
schwerste Not. Schallers Ged. 
I 178. 

HURENGAÜCH: Gott der Herr 
ist ein Zelotes — kein Huren- 
gauch, wie der Sathan der Ri- 
vales neben sich leiden kan 
D 643. 



JÄCKLE : in dem Zeitlichen wird 
es bey dir allezeit heißen: 
Huck dich Jäckle , laß über 
her gähn, das Wetter will 
seinen Willen han Ob 21. 

JACOBSBRÜDER : mit Sünden 
behengt und beladen, wie ein 
Jacöbsbruder tüitMuscheln Bb. 

JAGDRüG f. Die Adeligen in 
Wirtemb. haben in ihrer und 
in ihrer Hintersassen Waldung 
weder die Wald noch die Jagd- 
Bug 14 sih Beisassengeld, 

JÄGERTANZ: wird eine Jagt 
angestellet und mit einem 
Jäger Tanz geendiget. Soli- 



manus ein Ingoist. Jesuiten- 
Schuldrama 1674. 

JAST m. daß das gallhaffte 
Theil in der Leber und dessen 
Geblüt durch einen Jast sich 
in die Darm Öfters ergiesset. 
Deigen tesch 89. Von einem 
giftigen Jast in dem Geblüt 
aufgetriben 178. So kommet 
Fleisch und Blut in Jast Und 
draus erwachst der Friesel- 
Gast. Merkander 1754. 

JAUSEN, Österreich, schmausen. 
In Oesterreich dem theuren 
Land | Will man nur immer 
jausen | Es ist ja mir und dir 
bekandt Das macht baufällig 
hausen. Pfaffenzeller 38. 

ILGENOEL : Kamillen oder weiß 
J, Gufer 125. 

JOCHERT in Schwaben, sonst 
alem. Wilst du nun wissen, 
wie viel Jochert der Acker in 
sich halte, so dividir mit 40000 
(dann so viel hat ein Jochert 
Schuhe) in 600000 wie hier. 
Item, einer hat einen großen 
viereckigten ablangen Acker, 
Besitzer dieses m5chte gern 
wissen, wieviel Jochert solcher 
in sich hielte? L 

JOCHZÜG m. nun kan kein ge- 
wissenhafter — Theologus, so 
viel an ihm den vngleichen 
von S Paulo hart verbottenen 
Jochzug helfen beförderen D 
588. 

IRRWISCH, der Socinianische D 
225. 

JUPPE, als Familienspiznarae : 
Uotz mit der Juppen 1434 
Ertingen. 

JUST: ich kann mich gar wohl 
an eine gewisse Uhr, die ich 
für just halte, in der Stadt 
binden D 623. 



174 



E 

CALECUT: aber sie zeigen hie- 
mit den armen Seelen ein ge^ 
nuMst Calecut oder Traumhaus 
Huber 64. 

KÄLBEBGÖTZEBEI in derWfisten 
D 730. 

KÄLBEBMÄSZIG acij. das käTber- 
mäßige Springen unserer Tänzer 
und Tänzerinnen. Merkander 
12. 

KAMMER in Kammerlehen neben 
Tafellehen M 22 a; ebenda 
Kammermess (Korn) 23 a. 

KAMMERLEYRE: infans vagiens 
appellatur ein Kammerleyre, 
lyra cubiculi hs. Neresh. 16 
sec. FeltDW. 

KANZLEISÄ8ZIGKEIT : ja sogar 
(vor dem Adel in Baden) er- 
hielten die geringsten Hof- 
Diener die Canzleysässigkeit^ 
während dem der so bedeutend 
begüterte Stand der Grund- 
herren seinem eigenen Beamten 
unterworfen blieb 27 sih Bei- 
sassengeld. Feit DW V 180. 

KAPELLMEISTERIN : die christ- 
liche Liebe ist allhie die Ca- 
pellmeisterin, die fügt zusam- 
men, so viel müglich D 91. 

KAPPENRÜCKEN : dergleichen 
(jüdische) Ceremonien vnd wie 
wir Teut sehe reden, vnnöthiges 
Kappenrucken solle — ver- 
mitten bleiben D 5. 

KARIEREN in der altwirtemb. 
Seminarsprache eine Strafe, 
kraft welcher diejenigen, die 
etwas versehen haben, ein oder 
merere male des Weins, den 
sie ordentlicherweise bei Tische 
bekommen, auf Befehl eines 
Vorstehers beraubt werden : 
izt werden sie wohl die ersten 



sein die kurieren müssen. Hart- 
mann oder eine Wirtemb. 
Elostergeschichte v. Seybold 
S 90. 

KAUDERN, unverständlich reden: 
Wenn Samuelchen anfieng zu 
kaudern, so war sein Vater 
viel aufmerksamer darauf, als 
wenn der Fürst mit ihm redte. 
Seybold, Hartmann eine Wir- 
temb. Klostergesch. S 38. 

KAZENBALG lidern (unerlich): 
als wie an etlichen Orten, wann 
ainer ein Ochsen beschlüg oder 
Katzenhalgk lidert, es wurde 
jm für ein größer Sund geacht, 
wan er die 10 bott all hett 
übertretten Bb. 

KECKSILBRINER Becher, Keck- 
zinne Schüssel. Ulmer Inventar 
1540. 

KERNCHRIST: im Kirchenhauß 
oder in jedem Hauß — gibt 
es höltzene vnd irdische Ge- 
fäß, das ist, böse vnd gute. 
Kern- Christen vnd Heuchler 
D 181. 

KERSCHEN: warum solte ich nach 
schwarzen Kerschen auf den 
Baum steigen, so ich solche 
auf der Erden erlangen kan? 
Guf er Vorrede. Alem. Kriesen; 
angsb. Schwab. Kesper; ost- 
fränkisch Kerschen. 

KESSEL : und bedarf es des 
grossen Kessels gar nicht darza, 
den du überhänkst, wann da 
mit mir oder ihnen disputieren 
solltest. Jacob Andreae (Tü- 
bingen) Widerlegung der Ant- 
wort Conrad Vetters Jesuiters. 
1589. Tüb. 40 S 30. Der 
Kessel hängt an der Häl über 
dem Herde; je größer die 
Zubereitung, je größer der 
Kessel. 



175 



KETTENBING : wir schweifen 
überall herum und suchen be- 
gierig den Kettenrmg, der 
Pflanzen und Thiere verbindet. 
H Sander Natur und Religion 
1791 S 208 (2 Tl.) Zum DW 
Y. 637, wo dise Bedeutung 
feit. 

KIKD£RMEMMELE R 21. Zu 
Mamme, Memme, uraltes Wort 
in der Eindersprache DWVI. 
1519. 

KINDERSPIL, bildlich : aber wann 
diser (7) Wunder nicht nur 
siben sondern sibenzig mal 
siben weren , so weren sie 
gegen den augsb. Wundern 
lauter Kinderspiel und Narren- 
werk. Goebelius Vorr. 

KIRCHENPFLEGER, der himme- 
lische, bildl. Goebelius, Vorred. 

KLABERAUT : Rhinanthus crista 
galli? So haben auch in Schwa- 
hen viele Landleute gute ex- 
perience, daß dieses Kraut 
in Verstopfung der Nieren, als 
ein Dekokt — großen Nutzen 
bringe. Ehrhart 77 b. 

KLAFB' am Pfluge: ein new 
Mittelklaff sampt dem Ring 
5 batzen. — Ein new Ort- 
klaff usw. 6 b. 

KLÄMMLEIN : Thee-,Gafezeugmit 
Zuckerbüchsen, Gestell, Lö£feln 
und Klämmlen. Haar-Klärnm- 
lein R19. 21. DW 3. 934 ff. 

KLÄPPERTAFEL : Kräuter weihin, 
Hungertuch, Palmesel, Rumpel- 
mettin, Kläppertafel am Kar- 
freitag, Fladen weihen 14 ff. 
sih Kessel. Am mittlem Neckar : 
Däfla. 

KLAPSEN swv. ist eine Magd 
über die Schanz gesprungen, 
(hat) an die erste Mauer einen 
Schubkarren geleinet, darüber 
hineingestigen über die andern 



an steinen hinübergekläpset 
Handschrift 1778 des 30järigen 
Krieges von AVP Josephe a 
Leonissa Augustano TT Vicario 
locali fol. 221 beschrib. Blätter 
S 58. Zu DW V. 981. 

KLEINMEISTEREI /. süßlichtes 
Wesen (Lavater): Wol' mir, 
daß ich ledig bin | Beim Ge- 
schmack der Zeiten | Flitter- 
quark und Tändelei | Große 
Kleinigkeiten; | Süaelnde Klein- 
meisterei \ Ein Gefül wie Seide | 
Und ein Herz so weich wie 
Brei | Macht izt Mädchen 
Freude. Schaller Ged. I 123 
DW 5, 1118. 

KLEINSCHÄZIGachten B b D W V. 
1129. 

KLEISTERICH klebrig: weder 
zu pappend oder kleisterich 
noch zu trocken. Ehrhart 107 a. 
Im DW kleisterig; bei Stieler 
— icM, 

KLEPPERN Sf^v. es gehört aber 
mehr denn kleppern zum Hand- 
werk. Streitschrift 1 589 S 3. 

KLIMA, Gegend, Lage : der Acker 
des N. ligt in disem Klima, 
besonders bei Grundstücken. 
Oberschwäbisch. 

KLITTERN Si€V, der allein auß 
seinem Sinn vnd Hirn eigen- 
sinnig etwas geklittert D 404. 

KNASTER: die Vaniglienfrucht 
sollen die vornehmste Herren 
im Orient mit auserlesnem 
Kna^er schmauchen Ehrhart 
122. 

KNAWEL coccus Polonicus, wel- 
cher an den Würzelein eines 
grasichten unansehnlichen 

Kräutleins Polygonum minus 
polycarpum zu deutsch Knaweh 
so in Feldern wächst, gefun- 
den wird. Ehrhart 129 a. Bei 
Nemnich Knaud y Knawel 



176 



scleranthus annuns II 1250. Die 
nordischen Sprachen kennen E. 

KNEUPPER:bei gemeinen Leuten 
LöflFel, Messer, Gabel, K. R 39. 

KNOPF, der gelbe: Einige (Rosse) 
geschwellen an der Kehle und 
Halß und selbiges wird der 
gelbe Knopf genannt. Deigen- 
tesch 65. 

KNÖPFIG adj, die Versuchungen 
mit knöpfigen Gerüsten aus- 
treiben Blüender W. Hat ein 
rauhes härins hembd getragen, 
mit einer eysenen knöpfigen 
zwifachen Ketten. Ebenda. 
DW 5. 1480. 

KNORREN: die Schwein- und 
Kiuder- Knorren zu Pulver ver- 
brannt Gufer 71. 

KOCHEN: der Wandalen König 
kochet einen neuen Krieg. 
Jesuiten- Schuldrama 16B8. 

KOLBEN, schwarze^ typhae so in 
Weyhern oder tiefen Teychen 
stehen Gufer 191. Deutelkolben, 
Dittelkolben sonst alem. 

KÖLERGLAüBE : Hinweg mit dem 
Köhler-, Kinder- vnd Narren- 
glauben! D 207. 

CÖLSCH: vom Pfund (Mischen 
Garn 10 a. 

KOPPEN stw, aber sein zwen 
sün Johel und Abia kopten 
wenig in die Art, schlugen nit 
in die Frümkeit jres Vatters 
B b. Es sein vil frummer vätter 
gewesen, die wol haben ge- 
wißt, das der Spruch — das 
Kind kopt in die Art seines 
Vaters (patrem seqnitur sua 
proles) nit als hebig ist, ebenda. 
DW V 1790. 3. 

KÖRNEN swv, Körner ansezen: 
Belebst den Keim und reifst 
die Saat | Und körnst die gold- 
nen Aehren. Schaller I 29. 
DW V 1822. 



KOT, bildliche Negation : ich 
hatte eben so viel von ihm, 
als von dem Koth, das mir 
ab den Schuhen fället Gufer 2. 

KRAFTKNALL w. wie der Wind 
blaset empfindlich im Wort- 
schall, vnempfindlich in dem 
Krafftknall D 685. 

KRAMER. Es ist ein gemeines 
Sprichwort: viel Köpf, viel 
Sinn, ein jeder Krämer lobet 
sein Wahr. Gufer Vorr. 

KRÄNZE , gebackene : Dann 
schwingen in listigen Tänzen | 
Mit unsern gebackenen Krän- 
zen I Wir flink und hurtig 
umher. 

Anmerkung : Es ist hin und 
wieder Sitte im Elsas nach 
vollendeter Aernte Kücheln 
und mit Küchelteig umwun- 
dene Reiser, die den Sträuchen 
ähnlich sind, zu backen und 
mit lezteren geschmäckt, einen 
Freudentanz zu tanzen. Scbal- 
lers Ged. 122. 

KRÄNZEL der Tag und Ort der 
unter guten Freunden herumb- 
gehet sich zu erlustigen, zu 
spiehlen, zu trincken, von 
allerhand Sachen reden : Wir 
haben unser Kränzel, da wir 
von gelehrten Büchern uns 
unterreden. Pancratz 99. 

KRÄUSSELN: So wird man 
höchst vergnügt der Anmuth 
Fluhren sehen ] Weil Lerch 
und Nachtigal mit holdem 
Kräußlen singt. Spitzlin 60. 
Sie (Lerche) hebt sich durch 
die Luft und pfeiflTet Morgen- 
Lieder I Ein kräuslendes ge- 
thön mit Anmuth angefüllt 
126. Und ein sanfter Zephyr 
säusle I Schüttle Blüten ab 
und kräusle | Ihre Blätter auf 
und gaukle drin. Schaller Ged. 



177 



I 28. Weste darchsäuseln das 
goldene Meer | Kräuseln die 
wallenden Wogen 23. Weib- 
chen, 80 wallt auch das Herz 
mir vor Lust | Kräuseln am 
Auge sich zähren 24. 

KRAUT: diese Person ist zwar 
eines gar treuen Gemüths, 
also, daß sie vor dich in den 
Tod gieng; hingegen kann 
auch das Kraut leichtlich bei 
ihr verschüttet werden Ob 32. 

KRAWEIDEN: von Genisten. So 
übel recommeudirt der ge- 
meine Genist oder Genester, 
Grunitsch, bei uns Kraweyden 
genannt usw. Ehrhart 21a. 

KRAZWEKK: heilen alle böse 
Geflecht, Mähler und Kraz- 
werh jrer Kinder (von Säug- 
ammen und Müttern). Gufer 
67. Feit DW 5, 2082 dise 
Bedeutung. 

KREBS an Bäumen: Woher der 
Krebs an die Bäume komme. 
Wann man die Bäume setzt 
oder peltzt in den verbottenen 
Zeichen, nehmlich im Scorpion 
und im Krebs, das verursachet 
den Krebs, darum man keine 
Bäum in den verbottenen 
Zeichen weder setzen, peltzen, 
darum hacken, schneiden, dün- 
gen, und ihnen gar nichts 
thun, oder damit umgehen 
soll, auch kein Obst abnehmen, 
und gar nichts daran arbeiten, 
sonsten wächst der Krebs in 
den Schelffen, und nimmt den 
Bäumen die KrafPt, daß sie 
nicht viel Früchte bringen, 
und zuletzt, wann man nicht 
wehret, gantz und gar ver- 
derben. Deutsches Hausbuch 
17 Jhd. Zum DW I 1193. 

KRETT : die Krett zu beschlagen, 
Schmidearbeit 7 a. Ein 

Birlinger, Alemannia XI '^ 



Krett zu machen 6 batzen, 
ebenda. 

KREUZFÜSZ, ein Tisch mit K 
IIa. 

KREÜZSALBEI m. Salvia auri- 
culata Ehrhart 126 b. Nem- 
nich II 1616. 

KREUZSTICH #». Von einem düche- 
nen par Strumpf mit Greuz- 
Stichen 2 b. 4 pf. Von einem par 
ohne Creuzstich u^Ti , 4 a. 

KRIEGSVOGT w. curator viduae 
bonorum : zu diesem Geschäft 
seynd alle Erbs-Jnteressenten, 
die Wittwen mit ihren Kriegs- 
Vögten und die Minderjährige 
mit ihren Pflegern, zu be- 
scheiden R 5. So ist fürder- 
samst NN der Wittib zu einem 
Kriegsvogten — verordnet 119. 
Alem. 7, 87 ff. 

KRUG: für ein par der schönsten 
Bethladstollen mit Krügen, 
10 b. 

KRÜPPEL: stehet es ihm an, 
wie einem Krüppel das Tanzen. 
Streitschrift 1589 S 10. 

KUMPF nennen die Elsäßer die 
Schleifsteinscheide, welche die 
Mäher, mit etwas Wasser ge- 
füllt, beim Mähen anhängen. 
Heida drum hurtig die Kumpfe 
herbei | Schleifstein und Sensen 
usw. Schallers Gedichte 105. 

KUNKEL, JRÄ: es seye manch- 
mahl von einem und dem an- 
dern die Kunckel solchergestalt 
gezogen worden. [Vgl. oben in 
derLehre von der Erbsünde: das 
allerreinste Garn spinnen.] D 
169. 

KÜNZELNswv. schmeicheln: ein 
bidermännischer teutscherFried 
ohne Eüpperei, ohne Augen - 
dunst vnd welsche Kunst, Fuchs- 
schwanz und Veitsdanz, ohne 
künstlen vnd küntzlen D 87. 

12 



178 



KUNZEN streichen: das heißt 
dem alten Adam ein Kunzen 
gestrichen D 533. 

CHÜRKIND : ein Christ als Christ 
vnd Churkind Gottes D 81. 
Als Churhinder ins göttliche 
Testament und Lehensbuch ein- 
geschrieben 244. Von Ewigkeit 
zu einem Ch. erwehlet 240. 
Vgl. Churfreundschaft 86 und 
Churfrei: in chur freier und 
läßlicher Conversation 729. 

KUSSZEICHEN Judä des Ver- 
räters D 223. 



LABHORN uralter Ochsenname. 
Schluchsee, Aha. Andere: Wiß- 
kopf, Golde, Stolze, Nägele, 
Fige (Kuh), Merz, Strome. 

LÄFEREN swv, Speichel herab- 
laufen lassen : drielen wie Kin- 
der; syn.frdZe;}, triefen aus dem 
Mund. Untere Argen. In Ulm = 
vü schwäzen» Schmid 358 hat 
mer Belege. 

LAIDSAM: zue Vesperzeit laiten 
mit laidsamem gesang. Salom. 
Vita Diöc. A 10, 60. 

LAIT-, LAITEN, Frone, fronen in 
der Altdorfer Landweibelamts- 
rechnung von 1684: ImU- 
fährten,LaitfischyIjaifgelt,LaU' 
ross; laiten und fahren. 

LAND: kleine nicht umhegte garten- 
artige Pläze, Abteilungen im 
Garten selbst: Wo m&uGarten- 
heite oder also genannte Län- 
6?er, Rabatten u dergl. zu jetten 
hat. Delic. Hort, 18. 

LANDLUDER: zu der Zeit, als 
ich noch zu Jena und Halle 
studierte , war ein solches 
Landluder auf denen Dorf- 
schaften bekannt, welche famos 



war, daß sie sich in Ermang- 
lung einiger Mannspersonen 
usw. V. Lindern 157. 

LANDLÜGE: Es ist eine große 
Landlügen, kommt von einer 
giftigen Zungen her Ob 43. 

LANDRÜMIG: ob er sy land- 
rümip ußer dem land vertriben 
oder mit dem tod straufen 
wolte. Vita Salom. Diöc. A 
10,58. Ebenda S57: er solle 
rumen und flucht da dannen 
nemen. 

LANDWIG/: Langwid am Wagen 
7 a. Landwid^ Altglashütten. 

LANGER heißen insgemein die 
Spielleute ihren besten Baßisten, 
weil er von langer Statur ist, 
Langer : stimmet inzwischen 
euren Baßl Pankratz 69. 

LARVENFRIEDE w. ein Stief- 
fried , ein Larvenfried usw. 
D 641. 

LÄTTENTLI,anas minuta? Boden- 
see. Konstz. Kr. 1798 S 58. 

LAUBEN sw. Und laubst die 
Bäume in dem Wald J Den 
Wanderer zu schatten. Schaller 
Ged. I 28. 

LAUGENBAR : welcher ainen klagt 
umb ain schuld vnd der Schuld- 
ner der Schuld nit laugenbar, 
sonder bekbantlich, soll er 
Schuldner den Glaubner in 14 
tagen vsrichten vnd bezahlen 
Sauig. St. 1617. 

LAUSINNIGKEIT : Theobald wol- 
le bey Gott vns erlangen Er- 
kandtnuß vnserer Lausifmig- 
A^^ erwerben St. Theobald 16. 
Feit DW 

LÄUTERGARBE f. Hohentengen 
zu Alem. 10, 191. 

LE n. Vinea in Akkenle ON 1200. 
Oberrh. Zt. 30, 95. 

LEBERLEIN in einer Osiander- 
sehen Glosse zur Bibel : Job 9: 



179 



Ich habe das Leberlein fressen. 
Luth. Katzenkrieg 422. 

LGBLICH a^. ob sye schon an 
dem geschlecht, Alter vndCom- 
plexion löblich und frisch wäre. 
Blüend. W 

LEIBERÜNG f. und steht an 
einem Rath , ob sie daran 
Leiberung thuen wollen oder 
nit. Sauig. Stat. 1617. Als 
die landtsessen leiberung der 
Burdin, die jnen sein vatter 
Salomon aufgelegt Bb. 

LEIBLOSZ : were auch, daß dero 
Ainer so ein Leiblooß gethan 
hette, einem wider seinen 
willen usw. Sauig. Stat. 
1616. 

LEICHTSCHERZIÖ adj. Es sind 
aber viel Uichtschertzige Ge- 
müther, die ehender etwas 
Terachten als besser machen. 
Deigentesch, Vorrede. 

LEIDWERKEN einem das tun, 
was in beleidigt: deam honni 
g'loidwerkat. Bodensee. 

LEISZ in der SeilerO : ein starck 
gedoppelt Afftergeschirr , ge- 
ringer A. Ein Leif^ breit oder 
schmal 1 fl. 8 b. Ein Balck 
1 fl. 3 b. 7b. 8a. Ein 
iei/l- oder Zugband 6 b. 

LESCH, LISCH: vom Wetter. Un- 
tere Argen. 

LETZKOPF: diese Person ist ein 
LetZ'Kopfj wurde alles ver- 
kehrt ausrichten Ob 44. 

LEZI, die, impedimentum, Schuz- 
wer , Landwer ; alemannisch 
noch ser vilfach erhalten. 
Schmeller II 529 verweist 
darum auf Stalder. Im Rotw. 
Stadtr. 156 „von der Uzinen^, 
„Ze Grüeningen uff der Lezi" 
Wst. IV 270. Die Frastenzer 
Lezi , Befestigungslinie im 
Wallgau. 2 Lezinen gab es 



in Ravensburg. Ein Plaz bei 
Meersburg quod vulgariter di- 
citur inrnnthalb der letze 
1280. Uff der Letz Herbolzh. 
Lagerbuch. Ebenso in Konstanz. 
Weil oft ein Graben dise L. 
bildete: Lezgraben. So im 
Lindauischen Kelnhof - Urbar 
V. 16 Jhd. Als Grenze schlecht- 
hin erscheint Leze später 
widerholt. Bei Eßlingen hat 
sich urkundlich die Lezin er- 
halten; bei Wisensteig ist ein 
Lezholz^ Wald. Vergl.Augsb. 
Wb. 314 b, wo noch einige 
alem. Heimat angehörende Bei- 
spile angebracht sind. Kuhn 
Zt. 15, 264. In düringischen 
Schriftwerken zB. bei Rothe, 
ist Letze Fort, Außenwerk, im 
Gegensaz z. eigentlichen Mauer. 
Lanzelot 3010: des nam der 
grüne ritter war und entweich 
in sine lezze wider. 

LIDWEICH adj. adv, ihre glider 
seind ganz und also lidwaich^ 
daß man sie in alleweg leicht- 
lich kan bewegen. Blüend. W 
Alle glider ganz zierlich und 
lidwaich, ebenda. 

LIECHTjR^: rechtschaffeneLeute 
halten viel von dir, aber bey 
den Weltkindern bistu ein ver- 
achtes Lichtlein Ob 34. 

LIECHT vor den Fron- und Neben- 
altären : N git driu weysat 
oder vier Schilling haller und 
zway vasnachthünr vnd daz 
gehört in daz lieht (dh 
zur ständigen Abgabe für 
Unterhaltung des L) B 15 b. 
Daz gehört an Sant Walpurgen 
lieht; — daz (wisen) gehört 
an S Johans lieht. N hat ge- 
Schaft 1 lib. geltz uf das slaf- 
haus an daz lieht 28 a usw. 

LIENE: Jerichorpse hengt sich 



180 



an als wie Lienen und läßt 
sich schönes Oehäg daraus- 
ziehen. Delic. H 169. 

LIM ME L: drey par Schuhen oder 
für jedes ein gülden zwölff 
Limmeln dem Pfand nach ä 
7 batzen 2 a. Einem starcken 
Roßbuben neben zwey Par 
Schuhen, ä 12 batzen, acht 
Limmeln nach dem Gewicht 
2 b. Einem Rebknecht neben 
ein par Schuh zu 18 batzen 
Tnd gewonlichen Limmeln zu 
Lohn gegeben werden, ebenda. 
Einer Vieh Magd 4 lAmmel, 
ebenda. 

LOCHEN, Loch machen, durch- 
löchern am Mfileisen: Ein 
Schien zu lochen 6 a. 

LÖFFELKUNST, Liebelei: Man 
fängt jotzund bei Zeiten an | 
Die Löffd'Kunst zu treiben. 
PfafiPenzeller S 35. 

LOHN m. Ein newer LohnenO 1 b. 
Ein Lohnschieb 7 a. Ein newer 
Stocklohn 6 b. 

LONEB m. ein Rebbett. Untere 
Argen. cTon, Jänle am mittl. 
Neckar. 

LONZE in Schreckreime : der L 
kommt! Nicht vomPLeontius 
Beuttier, Stiftsherr und Statt- 
halter des Klosters Muri 
(Haigerloch, Olatter Orte). 

LOS» Schweinemutter: so nim 
das Koth von einer Losen 
oder Schweins - Mutter und 
Schlags über. Gufer 24. Auf 
der Ulm er Alb sagen die Mäd- 
chen zu irem Geliebten: du 
bist a Loas. 

LOSEN: die listigen graufen 
lostendBiiW des bischofs rüemen 
und glorieren. Sal. Vita Diöc. 
10 58. 

LUCHSAUGE n. Auch das schärfste 
Luaaug ist hie viel zu stumpf 



D 463; die zwar nicht ein 
jedes Auge alsobald merket, 
doch das Luaauge penetriren 
kann 755. 

LUFTSCHNALL: in der Brust 
entstehet ein solcher Jast, daß 
bey dieser ihrer Durchstoßung 
ein Gezische oder LuftschnaU 
herausgehet, welches man — 
vor einen Schrey des Vampyrs 
hat ausgeben. Ehrhart 87 b. 

LUFTWETTEE: bei starckem 
Luftwetter (seien die Wasch- 
häuser feuergefarlich). Ueber- 
liuger Zunfturkunde 1676. 

LUMEL f. N findt daselbsten 
ein alte rostige Lumeln^ mit 
derselben fahet er an zu feilen 
an der Ketten deß lincken 
Armeysens — willens mit der 
Lumeln fort zu feilen und 
schneidet die Ketten — von 
einander. — S Theobald 140. 

LmiELECHT adj, sie wisse nicht, 
was es jetzo seye, es seye 
nicht mehr wie heut Nacht, 
es seye alles lumelecJit and 
schlap. Riecke 143. 

LÜMMEL. Spott : am Pfingsttage 
fragt man in liiereichen : Woißt 
du denn nett, daß's Pfingsta 
ist? d h der Tag der Lümmels, 
Antwort : du Siech , du 
wflster 1 

LUPPERN.st(^t7. angeben, aussagen : 
alt: lütbaren. Oberschwäbische 
Protocolle. 

LUKEN, intr. 1 schellwerken, 
fronen. Hans Stockar, der 
Palästinapilger, sagt in s. Be- 
richt (1519) Munot 1846 S 
17 ff. : Uff die zyt Simon und 
Jude mußt ich und mein zunft- 
gesellen uff dem Emmersberg 
luren und hattend übel zyt — 
mußtend Rieh und Arm dran 
werken — und werket ich an 



181 



dem Lurwerk, daß ich es an 
3 Wochen empfand. 2 auf- 
passen; Sahst, lüri, 

M 

MAGENGLOCKE f. Die Magen- 
Glocke schlägt und zeigt den 
Mittag an. Spitzlin 201. 

MALENSCHLOSZ : mit einem 
eysenen Rigel und Malen- 
schloß versperrt. S Theohald 
140. Altes bekanntes Wort. 

MANIGVALTIGEN. 3 Psalm : do- 
mine quid multiplicati sunt, 
herre wz gemanigualügot sint 
die mich betrAbent. hs.XV sec. 
Soloth. Stiftsbibl. 

MANNESHEMDE in Zauberbü- 
chern, Recepten bißweilen em- 
pfolen : Tuch von M bei Ver- 
brennungen der Haut in dicken, 
roten Wein, Seife, eingetaucht 
in M, Sauig. hs. 17 Jhd. 

MÄNNLIN: als die Wirtenbergi- 
sche gesehen ist ihnen die 
Gall vbergangen, das Männlin 
aufgestigen usw. Lutherischer 
Katzenkrieg 250. Da müste 
dieser gute Lutheraner mit 
Spote bestehen, als wie ein 
geschorens Männlin S 430. 

MARGGRAFENPÜLVER: wie we- 
nig mit dem M begegnet wird, 
welches meistens aus der starck 
stopfenden Oichtwurz und Ei- 
chenmispelholz , nebst dem 
unverdaulichen Helfenbein, 
Elendsklau und sog. Perlen 
bestehet. Ehrhart S 35 a. 76b. 

MARSCHIEBSTAB m. Spazier- 
stock: Item, einer gehet zu 
Nachts bey hellem Mondschein 
Aber den Schatten eines hohen 
Hauses spatzieren, bey sich 
gedenckend: kh möchte wohl 



wissen, wie hoch dieses Hauß 
w&re; dahero er seinen Mar- 
schier-Stab ausser dem Schatten 
des Hauses gesteckt, und ge- 
mercket usw. L 

MASCHE: Zelimus aber fallet in 
eigene Maschen seiner Treu- 
losigkeit. Mindel heim er Jesuiten- 
Schuldrama : Wunderspil 1692. 

MASER adj. zähe sowol bezüg- 
lich der Gesundheit, als in 
Bezug auf das Freigebigsein. 
Ertingen. Zimm. Kr. meser. 

MASZGEN, GEMASZGET : zue wel- 
chen (Hören) sye ein wunder- 
barlich Vhren, so vnaussprech- 
lich gemaßgetj aufPwecket. 
Blüend. W 

MATCHEN pL die schwarzen Spin- 
nen, die die Hecken und den 
Boden mit ihrem Gewebe — 
mit den Matchen^ wie es der 
Bauer nennt, weil es um Ma- 
thäus Tag ist. Hanauisches 
Magazin 1779 St. 74. H San- 
der Natur u. Religion. 2 Tl. 
108. 

MAUCH oder rinnende Fissel, 
neben itfaucÄ;e.Deigentesch 127. 

MAUL: wer dises laugnen vnd 
stürczen wil, der mag wol den 
Brei vom Maul thun vnd frey 
heraussagen 23 ; daß dise Cal- 
vi nisten etwas verschmizter 
sein wollen vnd den Bret^ nicht 
dürfen vom Maul thun 130 
Huber. 

MAULFRANK m. Sollen sie als 
Grobianer, Saurtöpfe, Maul' 
francken, vnhöfflich mit der 
Thür zur Stuben hineinfallen? 
D 5. 

MAULSCHNEIDER: es ist ver- 
mehrt und verbessert, wie des 
Maulschneiders Vatter ünser^ 
ist nicht alles zu glauben b 30. 



182 






MAUSEN: Carolstadius erklärete, 
als wann er wie bißher ihm 
im finster n zu mausen D 149. 

MAUSPFEFFÜR: daß ihnen der 
röm. Beichtvater solchen Troat 
gönnen vnd nicht seinen rö- 
mischen Maußpfeffer mit ein- 
mischen usw. D 554. M ist 
der Name des Läusekrautes 
delphinium staphisagria, bei 
Pritzel- Jessen , die deutschen 
Volksnamen der Pflanzen 18^2 
S 132 übergangen, dagegen 
Mäusesamen, Rattenpfefifer ge- 
nannt. 

MEHLKREMPE neben Weiß- 
und Schwarzbecken usw. 011 b. 

MENSCH- und MÜÖLICH Goe- 
bei 37. 

MESSE FRÜMEN: stiften, be- 
stellen: item Gute diu Mars- 
pekin hat geschaft xxxß haller 
uf im jartag, der sol man 
geben iiß haller umb brot und 
die sol man spenden und 1 ß 
mit dem sol man messe frümen 
Ba28a. 

MILCHGESICHT: Sie sehn (die 
Jungen dem reitenden Narziß) 
ihm stier ins Milchgesicht 
Schaller Gedichte I 315. 

MILCHMAUL: wanns aber an 
die Religion gehet, so will 
der Gallion allzeit ein Milch- 
maul sein D 634. 

MILIZENZUG m. Gonskriptiou: 
Der Adel ist ganz vom Milizen- 
zug frei. 20 sih Beisassengeld 
Die Freyheit von dem Milizen- 
zug 23. Von aller Befreyung 
vom Milizenzug wurde Adel 
dispensiert 25 (2). 

MITGÖZEN s^ov, wann er im 
Papstumb eusserlich mitmachet, 
mitbeichtet, mitgötzet, mitmes- 
set D 645. 

MITPART : man wird deroselben 



interpretibus nicht den Sack, 
sondern Mitpart geben müssen 
D 020. 

MODEL : es ist auch gesezt wor- 
den von den Miliern, daß der 
Model, den sie von der steethe 
wegen haben, soll umb den 
Mihlstain gohn, so negst er 
mag in der Zarg und sol auch 
die Zarg den Model riebren 
Sauig. Stat. 1617. 

MOR: vnd wil der Zeaemann 
einen Mohren weiß waschen — 
wann er sich vntersteht — 
ihne mit Lflgen zu verthädigen. 
Lutherischer Eatzenkrieg 206. 

MÖRDELJUNG, -KNECHT, Hand- 
langer 11 b. 

MORDGEIST m. Streitschrift 
1589 S 11. 

MUFF: und so die kinder sy 
umb vätterliche Hilff ansuchen, 
schlagen die vätter jnen den 
Muff dar, sprechend: hey, es 
sein hurenkinder! Bb. 

MÜGELE, liebenswürdig. Untere 
Argen. 

MÜLESEL m. lebendige Keffer 
— so auf den Mauern gefun- 
den werden, man heißt sie 
Keller- oder Mühleseh Dei- 
gentesch 193. Maulesel, Ober- 
dischingen. 

MUM: haben (zweizüngige Leh- 
rer) Brey im Mund gehabt, 
mumy mum gesagt vnd die 
Wort auf Strauben gesezt. D 
151. 

MUMMEL: und hat sie träffen- 
liche, tieffe liebliche Seufzer 
mit einer frölichen beweglich- 
keit der Brust und Kälen, mit 
einem Mummel der Lefzen auß 
innerem Herzen gezogen. Blü- 
ender W 

MÜNSTER: dieser Traum be- 
deutet, daß Du einer alten 



183 



Frauen ins Münster sehen 
wirst Ob 31. Münster J3U Straß- 
hurg: Nimm dir etwas anders 
vor, daß du besser verstehest, 
dieses reichet über deinen Ver- 
stand, wie das Münster zu 
Strafiburg über andere Kir- 
chen D 46. 

MUß, MUER, adj. MURECHT : so 
soll man acht haben, daß die 
Aecker nicht murecht — daß 
der Grund feuchte sey und 
doch nicht schleimig von Muer, 
Hausbuch 17Jhd. Halb mittel- 
deutsch. 

MUTTER: Grimmen, welches die 
Weiber die Mutter nennen 
Gufer 155. 

N 

NACHEN m. bildlich : Daß nnsre 
Seele sich trennt von des 
Leibes Nachen Spitzlin 108. 
Der Dichter JvGünthert in 
Stuttgart redet vom Leibe als 
Kahn, altem Kahn. 

NACHGÄNGERIN : gleich wie ein 
Magd oder Nachgängerin uRch- 
gefolget. Luth. Katzenkrieg 
285. 

NACHGEBURT: Eclogismus deß 
Libertinismi Zucht vnd Nach- 
gebührt D 644. 

NACHGETRÄUFE n. Und können 
uns fast nimmer satt Am 
Nachgeträuf yon Blatt zu Blatt | 
Auf Blum und Bäumen sehen. 
Schaller Ged. 1 70. Das DW 
7, 207 hat nur naMräufen. 

NACHGILTIG adj. das ich für 
das nachgütig strow dise Wie- 
gen mit meinem Herzen be- 
decke. Bittender W 

NACHKLAPPERN swv. Wie die 
jungen Storken den alten 
Storeken nachzuklappem pfle- 
gen. Streitschrift 1589 Tü- 



bingen gegen LOsiander S 18. 
Im DW kein alter Beleg. 

NACHÖCHULD /. es soll kein 
Bürger keinem Ausmann einig 
liegend Gut um Schulden ver- 
setzen, verpfänden, noch einige 
Nachschuld darauf verkaufen 
und zu kaufen geben. Giengener 
Stadtartikel 17 sec. 

NACHSTEUER f. wurde der Adel 
in W^irtemberg zwar der Mili- 
tair-Pflichtigkeit, der Einquar- 
tirung, der Militair-Frohnden 
und der Nachsteuer unter- 
worfen 7, 2. Ist dem Adel 
die Nachsteuer-FreyJieit und 
der sehr beschränkte Genuß 
der kleinen Regalien geblieben 
23. sih Quelle unter Beisassen" 
gdd. 

NACHTEULE, die schwäbische 
hieß Jakob Heerbrand von 
Giengen bei den Commilitpnen 
von Wittenberg. Magenau 
Giengen 161. 

NACHTHÜLLE: Heil Dir, o Se- 
liger! Dir ist aufgerollt | Die 
Nachthülle von den Tiefen der 
Gottheit. Schaller I 57. 

NACHTMAL: zu dem Nachtmal 
des himmlischen Lämblins. 
Blüend. W 

NACHTPELZ: lege ein Nacht- 
Beiz oder Frauenrock an. Gufer 
160. 

NACHTREGEN m. mancher Blut- 
Regen ist ein Nachtregen ge- 
wesen, daß bis an den folgen- 
den Morgen aus den Ueber- 
bleibseln des Regens auf der 
Straße die rothe Farbe wieder 
verrauchet ist. S 108 sih 
sürfeln, 

NAGEL: das Christus in seiner 
Himmelfarth nicht eins Nagels 
oder Hars breit von der Erden 
gewichen. Luth. Katzenkr. 21 1 . 



184 



NÄGELMAL: und hat sie (S Eli- 
sabeta Bona) mit den h Wan- 
den nnd Nägelmalen bezaich- 
net — welche geblutet haben. 
Blüend. W Vgl. Nägelanhäf- 
Umg ebenda. 

NÄH£BAM£. Wol mir, daß ich 
ledig bin ! | Näherckhm^ und 
Rädchen | Sind aus Städten 
izt verbannt | Machen ja! dem 
Mädchen | Du bon ton nur 
Spott und Schand. Schallers 
Gedichte I 125. 

NÄHRHAFT adj, bildlich: ist 
nun der Fried ein so gethanes 
Saft-, Kraft- vnd nehrhaftes 
Wildprett, so hat man sich 
wol vorzusehen, daß man keine 
blinde Fehlschätz thue D 78. 

NAMENSGENOSSEN: von chri- 
stenlichs Namensgenossen. Hu- 
ber 15. 

NASE: 1 Hätt man uns nicht 
mit Fleiß wollen ein Nasen 
machen D 539. 2 wächsene N 
auf mancherley Weisen und 
Gattungen drähen D 224. 

NEBELKAPPEN und Beizkappen 
kommen bei gemeinen Leuten 
vor R 25. 

NEBEND-MANN: sie wird nur 
einen Ehmann, aber viel JVe- 
bend-Männer haben Ob 27. 

NEBENGERÜCH oder Nebenge- 
schmack. Ehrhart 124 b. 

NEBENSORGE f. vor der vierten 
Brodbitt — cura seculi die 
zeitliche Nahrungssorg ist das 
TidpepTOV vnd Nebensorg kompt 
wol auch hernach D 206. 

NEIDIG als ein Hund Ob 52. 

NEMAR jemand: n'emxir irgendwo. 
Untere Argen. 

NESTELTRÄGER : deßgleichen 
soll den Puppapers Nestel- 
vnd Würfelträgern weder, auf 
Wochen- noch auf Jahrmärkten 



oder Eürchweyhinen jre spil 
zu treiben verbotten sein, bei 
verlierung der Haab, so sie 
mit sich tragen. Warzach. 
Statut. 43 Titul. 

NEUNER eine silberne Münz von 
9 Pfennigen oder 3 Sola: Jung, 
da hast du 2 Neuner^ lauff 
geschwind auf den Markt und 
hohl MöUeHein (les Abricots, 
mala Armenia). Pankratz 75. 

NEZKNÖPFE pl ihre Matter 
habe sie immer gefragt, was 
sie essen wollten and habe 
ihnen Netzhnöpfe , Mandel- 
breie, Zitronenmüschen gekocht. 
Hartmann oder Wirtemberg. 
Klostergeschichte v. Seybold 
S 95. 

NICHTZIGT: wer nichtzigt hat 
und dem Gericht schuldig würdt 
4. nichtzig abziehen 14. Saalg. 
Stat. 1617. 

NIDERLASSUNG. Die deposse- 
dirten wirtemb. Adeligen müs- 
sen wenigstens einen ihrer 
Söhne zum Dienst oder zur 
Niederlassung im Königreich 
bestellen oder 3 Monat Resi- 
denz im Lande machen 11(7) 
Beschwerden der Reichsritter- 
schaft 1814. 

NOGGELE n. Kosewort für Kin- 
der : du N sagt die Mutter; 
Ztw. Noggelen spilen von Kin- 
• dern. Untere Argen. 

NOT: Venter magistor artium 
Noth lehret beten und arbeiten. 
Ehrhart 107. 

NOTKNOPF m. man hat nicht 
allein zu sehen auf den letzten 
Notknopf, das lezte Nun des 
Todes D 706. 

NOTSTALL: Calvinischer Not- 
stall, da ihnen die Seel zwi- 
schen Thür und Angel ver- 
steckt wird. Haber 64. Aas 



185 



disem Notställ werden sie nim* 
mermebr kommen 128. 

NULL: vnd wann Papst Alexan- 
ders VI Sohn den Reimen 
füret: aut Caesar aut nihil, 
vnd will ohne vnd wider Gott 
herschen, so mnß er zur Nullen 
werden vnd plötzlich vnd 
schröcklich seinem Vater hinten 
nach zur Höllen traben. LL 
Bij. 

NÜRNBERGER ELLE: Item, einer 
kaufft seidenen Zeug, bezahlt 
die Nürnberger' oder lange 
Elen um 2 Gnlden 6 Kreutzer, 
wie kommt die Leiptziger-£len, 
7 Nürnberger' vor 8 Leiptziger- 
Elen gerechnet? L 

NUSS, welsche: wann sie nicht 
einer in ihrem Vatterland 
nimmt, so wird sie schwerlich 
ein anderer holen , dann sie 
ist ja des Fuhrlohns nicht 
wehrt, wanns gleich nur dreg 
welsche Nuß machte Ob 26. 

NUST, Dachrinne, Augsb. Wb. 
356. Habe er ohngefahr vor 
7 Jahr bei denen allhiesigen 
Hrn. Franziskanern den Nt^t 
gekehret MalefizAkt 1750. 



OBERBÄUMLEIN in derWagnerO. 
nebenBodenschwing, Oberspale, 
Einspenle, Egenripp 7 b. 

OBLAG: so werde er seiner Ob' 
lag nach, die Warheit zu be- 
schützen, an ihm nichts er- 
mangeln laßen. Luth. Eatzen- 
krieg 233. 

OBLASTm. sih BedeutuDg Alem. 
10,200a. MoneZt.ll,278.Die 
Straßburger Polizei-0 1628 
Appendix ' 37 : item, so ein 
Schreiner von]^dem Obkist^ als 
nftmblichen von Bordten, Lat- 



ten, Eychenholz, Ahörner oder 
Lindenborten , Grenzleisten, 
Sparren, Stollen oder von an- 
deren dergleichen theil begert 
usw. Doch ob ein Burger zu 
sein selbst Gebäuw von einem 
Oblasttheü begehrt, soll ihm 
der Schreiner, obschon derselbe 
den Oblast zuvor bereit hatte, 
zu jeder Zeit weichen usw. 
Sponecks Schwarzwald 359 : 
Das Harz steht im Durch- 
schnitt immer in solchem Wert, 
weil es als Oblast auf den 
Kinzigflößen auf den Rhein 
gefahren werden kann. 389: 
überdieß mit Flarz, Pech, Ter- 
pentin, Kienruß unter dem 
Namen Oblast befrachtet usw. 

OBLEI n, die zu dem Gotshus 
ze Maunhaim in das Oblag 
gehörnt B a f. 7 a. die geltent 
ierclich in das öblag\ ebend. 
Zu den Zeiten Oblagerin des 
Gotshus ze Mannheim; ebend. 

OCHSE. Osiandersche Glosse zu 
Job 21 : wers Glück hat, dem 
kälbert emOchse. Luth. Katzen- 
krieg 422. Warscheinlich zu 
jener Stelle, die ich nach der 
Züricher Bibel 1548 citiere: 

9 ir stier der springt vnd miß- 
raatet jm nit. ire kA bringend 
die burt für vnd sind nit vn- 
fruchtbar. 

OCHSENZÄNE in Augsb. Male- 
fizakten von 1708: mit ab- 
prügeln, offenbar für Ochsen- 
ziemer, volksetym. 

OFEN : ist er aber ein Unflat und 
böser Sitten, so muß er hin- 
derm Ofen bleiben Bb. 

ORGRÜBLER, ORHÖLEN, OER- 
LIN , ORENWISELEIN : for- 
ficula auricularia : Erdflöhe, 
Käffer, Rauppen, Ameisen, OAr- 
hökn oder Ohrengrübler, Asseln 



186 



oder Esel, Werren usw. Delic. 
Hort. 19. Die OhrMen, Oehr- 
ling oder Ohrengrübler machen 
in Gärten viel Verdruß S 24. 
Ohr en- Wieselein 6S. Aber vor 
allem hat man jezt und im 
Julio wol Acht auf die sog. 
Ohren-Grübler zu gebea 245. 
Nemnich II 1639: Ohrengrüb- 
ler, Ohren wieselchen usw. 

ORTSCHEIDT n. Ein Ortscheidt 
mit newem Eisen, wann der 
Schmid das Eisen gibt, zu be- 
schlagen 6 a. 

ORWURM: sey hernach freund- 
lich gegen der geliebten Per- 
son, wie ein Ohrwurm j so 
dürffte der Boß noch angehen. 
Ob 47. 

OSL£N (ochseln) nach dem 
Stiere verlangen, von der Kuh. 
Fartw. adj. ossning eb. Sonst 
rindern, rinderig. Im Rot- 
weiler Stadtr. ain kne, die 
misstret oder ochsnete. 



PP 

PÄLMLIN: so würden die Ma- 
nichäer vor diser Rott das 
FälnUin davon bringen Hubei* 
129. 

PETER, JÄCKEL Frauenkleider R 
27. 

ST PETERS TRÄCHTERLIN : da- 
mit sy ir narung erlich nit 
mögen gewinnen, gleich als 
were es kain Gotßgab, sunder 
ainera jeden gezymen durch 
St Peters Trächterlin sein hant- 
werk einzugiessen Bb. 

PFANNENRÜBELE n. weißtanuon 
Reisach zum Pfannen ausrübeln, 
fegen ; vom Armenholz. Untere 
Argen. Vgl. '5 JRüble schdben'i 
Ulm, Schmid 12. 



PFEFFER: und solche Stümpler 
ad Judas et Charamantas, wo 
der Pfeffer wächst^ verweisen. 
Gufer Vorr. Er wird also re- 
gieren , daß man ihn dabin 
wünschen wird, wo der Pfeffer 
wachset. Bei etlichen bist du 
angenehm , die andern aber 
wollten, daji du wärst, wo der 
Pfeffer wächßt 41. 

PFISTERRUSZ als Heilmittel 
gegen Blutfluß Gufer 128. 

PFLATSCHEN beim begießen: 
nicht mit pfkUschen oder zuviel 
über einmal auszuschütten. 

• Delic. Hort. 33. 

PFLUGSTERZ: Stallwurcz oder 
Pflugsterz ononis auf Latein — 
für Grieß und Stein Gufer 280. 

PFRENGEN: N ritte also einen, 
ordinari Schrit ohne einiges 
eilen oder pfrengen fort. St 
Magn. 371. 

PFÜZLIN ». ist ihr ganzes An- 
gesicht mit einem wüsten Auf- 
satz befleckt worden, es seind 
blätterlin vnd pfützlin ent- 
sprungen. Blüender W 

PIPPE: indessen da der Unter- 
keller mit würcklicher Ein- 
lassung deß Biers bey der 
offenen Pippen beschäftigt 
wäre St Magnus 32. Und lauffet 
ohne Verzug mit dem Hanen 
der Pippen in der Hand dem 
hl Columb. zu S 33. 

PLOTZER seynd bey uns eine 
kupferne Müntz, deren drey 
vier Sols oder einen Schilling 
machen. — So hat er mir zu- 
gleich ein halbes Duzet Plotzer 
mit dem Schreiben in die Hand 
gesteckt usw. Pankratz 7. 

PLUMP-: hier in Memmingen, 
wann mann Plumpen- oder 
GumpenwcLSser zum Bier nimmt, 
observiren einige, daß ein langes 



187 



Sieden sehr vonnöthen. Ehr- 
hart 81a. 

POLNISCHE STIEFEL : es haben 
sich anß jhr er Gesellschaft ge- 
funden, welche die Augpurgi- 
sche Confession auß Schünipf 
vnd Verachtung einen Polni- 
scJien Stufet^ so an baide FAß 
gerecht ist, gehaissen. Luthe- 
rischer Katzenkrieg 109. 

PÖMPELI, das, colymbus minor, 
kl. Taucher; an einigen Orten 
auch Grundbruch genannt. 
Konstz. Kr. 1778 S 61. 

PORZLEINE: vom Burzelkraut, 
wird auch von einigen For/s- 
leine genannt. Ehrhart 28 b. 

POST: aus dem Stegreif und uff 
der Post ausmachen D 858. 

PBALIKEN seind Mandeln im 
zerlaßenen Zucker gebacken : 
den rechten Eocksack mit 
Mandeln und Meertrauben, den 
Lincken mit Fredinen — diese 
der Magd zu theil. Pankratz 68. 

PRÜGELSUPPE f. eine Tracht P. 
Eine gute Brüg eh Suppen dorflF- 
test du wohl eher als deine 
Bitt erlangen Ob 47. 

PUPAPPER , PIPAPPER : des- 
gleichen solle den IHpappern 
Nestel- und Würfelträgern an 
den Märkten das Erscheinen 
verboten sein. Würz. 47 
167 7 (Marktschreier).Pw^jpaj9er 
vnd Laden Crämmer. II Ordg. 
Reysch. 12, 580 Anmkg. Gaster- 
nien, Schießwerk, Buppappen 
vnd Kramereien. Vil Land. 0, 
1621. R 12, 859. JPuppapper 
VI Accise Ordg. v. 1679. R 
16, 248. Puppäpperer Accis- 
tafel 18 Juli 1699 allda 315. 
Doch sollen hiervon allein die 
Dockenkrämer und Pupaper^ 
welche von den Dreher selbsten 
die Waaren erkaufen vnd selbe 



fail haben, ausgeschlossen werd. 
Dreher Ordg. 6 Febr. 1660. 
13, 353. 
PUPPENWESEN n. Und wie gras- 
sirt das P. | Von Kleider-Pracht 
und stolzem Mut. Merkander, 
Friesellied 1754. 



B 



RACHLICH ad), Feindschaft und 
raachlich neyd tragen. Ritus 
eccl. Augustensis Episc. Diling. 
1580 S 61. 

RAD in der Urmachersprache des 
18 Jhds. erste Hälfte. Boden- 
Rad^ Cron-Rad, Federhauß- 
Rad , Schlag - Nagel - Rad^ 
Schloß-Rad, Schnecken - Rad, 
Schöpf'Radel, Steig-Rad, Vier- 
tel-Rad, Walzen-Rad, L 

RADSPERR: ein schädlicher Rad- 
sperr und Hindernuß des Frie- 
dens D 641. 

RAMENSCHUHE : von einem Par 
Weiber R. 4 a. 

RAMMELN swv, scheusliche 
Schweine , maU gerammelte 
Katzen. Merkander 36. 

RANZIONBLÜT: Ein Herr (Chri- 
stus), durch dessen Rantzion- 
hltU wir alle erkauft usw. 
D 85. 

RASSELN: da hergegen fluchen 
u. schweren, freßen vnd sauflTen, 
spilen und raßlen, huren und 
hüben jedermann frei gewesen. 
Goebelius 18. 

REBHÜNERAUGEN , die Asche 
der Soude — etwas auf blaulecht 
siebet , durch und durch mit 
vielen Löchlein , welche die 
Leute von der Profession i?eft- 
hühneraugen nennen. Ehrhart 
131a. 

REISSER m. man bauet auch in 
Flachssamen zweierley: nem- 



188 



lieh früh- und spät Flacbs, 
der eine wird Retsser^ der 
andiere Drescher genannt; weil 
nemlichdes einen seine Saamen- 
häuslein von selbst aufreißen 
und den Saamen von sich 
geben; des andern hingegen 
seine Knöpf lein gedroschen wer- 
den müssen. Ehrhart 60 a. 

REITBOCK, HEILBOCK: von 
einem guten HaupU, Reut-, 
Bockfell zu gerben 9 b. Von 
einem Haupt', Heilhoch' Fell 
usw. 5 b. Vgl. Reidwider, 
ebenda. 

REITERUNG, REITERN: So wür- 
det doch ein schlechte ReHC" 
rung inn handtwerken oder 
burgerrechten erhalten, wo man 
aber die mit aignem nutz für- 
kauff und Finanzen begriffen 
reytert usw. Bb. 

REMANETER pl. Geltrester oder 
Remaneter, Defizit. Calw, Urkd. 
17. sec. 

REUSCH: folia vitis Idaeae oder 
Vacciniaerubrae: Preuselbeer, 
Steinbeer und bey uns Reusch 
genannt. Ehrhart 127 a. 

RHEIN : wann du prav spendiren 
wirst, so bist du angenehm, 
ausser diesem wünscht man, 
daß du im Rhein schwimmst 
Ob 39. 

RINDSAUGE: Marguerite jaune 
— wird meistens Goldblume 
oder gelbes Bindsaug genannt. 
Chrysanthemum segetum. Ehr- 
hart 131a. 

RISCH: Drum risch daran und 
ungenirt. Schaller Gedichte I 
226. 

RISELEN, RISAMEN, Sommer- 
sproßen im Gesichte : Schnecken 
reiniget das Angesicht von den 
Rüselen und Fleken Gufer 82 ; 
vertreibt es die Rüsseln und 



Flecken 92. Vgl. die Sprenkel 
und Bysamen unter dem An- 
gesicht 229. Bei Lonicems: 
Der Kot der Spazen reinigt 
das Angesicht von den Bi- 
samen. 

RISTNAGEL, der, hölzerner oder 
eiserner Nagel amVorderwagen, 
womit die beid. vordem Räder 
u. d. hintern verbunden wer- 
den. Seibranz. Allgau. 

RITTER: Ist aber jemand, der 
bloß aus Neid und Zancksucht 
mein Tadler seyn und an mir 
eum Bitter werden wiU usw. 
JChrSchwarz Aeneide. Begens- 
. bürg 1746 Vorbericht. Nicht 
jeder, welcher vnder ihren 
Praktiken nicht gewieget und 
gar noch zum Bitter ist ge- 
macht worden. 31 Huber. 

RITTERRAT: das Central-Eigen- 
thum der adelichen Corporatio- 
nen hat der Königliche (Wirtb.) 
Schazan sich gezogen und in 
dem Archiv des Canton Creich- 
gaus zu Heilbronn wurden 
sogar die Gemähide noch le- 
bender Bitter-Bäthe das Stück 
um 24 Kr. verkauft 16; sih 
Beisassengeld. 

RODEL : er oder sie ist nett im 
Bodel, d. h. durchgefallen hei 
der Einladung. Seitingen. Baar. 

ROGLET adj. Etliche (sind) 
gleich den Marmeln, an Far- 
ben, gletti, vnd hertti; ett- 
lich roglet vnd gelöchert auff 
Schwammen arth. Paracelsus 
V 207. 

ROLLWAGEN : mit teutschen, 
leuchtfertigen Bolwagischen 
Possen und TeufPelskott be- 
schmaisset. Luth. Katzenkrieg 
420. Seynd aber das nicht 
feine Theologische Geistreiche, 
Biblische Glossen oder seynd 



189 



es viel mehr leichtfertige zum 
Theil unflätige lose Bossen, 
die den Bdiwagen besser dann 
die Bibel ziereten S 426. 

BORWORT: wenn unter denen, 
die im Fundament des Glau- 
bens vneinig, die Confusion 
der Namen und Bohrwort 
schädlich erscheinen will D 
612. 

ROSEN, goldene und silberne, 
dergleichen die Weihspersonen 
in dem Oberland annoch zu 
tragen pflegen R 22. 

ROSEN, rosig adj. Lange sank 
der rosene Abend \ So er- 
quickend, so süß und so la- 
bend. Schaller Ged. I 114. 

ROSSEISEN FRESZEN beliebtes 
Bild für Stärke des Magens, 
■ der Yerdauungsorgane bei Th 
Paraoelsus 3, 10: Das sind 
Gorosiffa vnd Etzstück, damit 
eines Herkules Senlen soll 
durchlöchern vnd die Boß- 
eissen mit fressen,— Yon einem 
Straußenmagen sagt man : der 
kann Bosseisener freßen und 
Nägel verdauen. Oberschwaben. 
In alten Eräuterbb. hie und 
da ein abconterfeiter Straußen- 
vogel, wie er i? frißt. Lonicer. 

ROSSHABERMARK , Colchicum 
anctnmnale. Bittelbronn. 

RÖSSLIN bildlich: Man darf ja 
dem ohne das nachlauffenden 
Bösslin keine Sporen geben 
D 112. 

ROSSQUINT: vnd das schöne 
Concent mit ihrer Boßquint 
unterstanden zu verderben D 
128. ZwingHus hat mit seinem 
Schwanen Gesang vbellautende 
Boßquinten eingemischt 150. 

RÖSZTE /*. Flachsröße : die Tau- 
röste^ wo der Flachs im ziem- 



lichen Durcheinander aufs Land 
gebreitet wird ; Wasserröste^ 
die bekanntere. Oberschwaben, 
Laupheim. 

ROTLEIBLEN FN bei Kolmar: 
1 Fuder Holz, auß dem Bot- 
let/blen zu führen 3 b. Dabei : 
Neuland, Aw, Vorhölzer oder 
Vächj Karpfen- Jfaf^; von der 
Linden herauf, Stuttaw, Henck- 
eisen, Mantel, Holzweier Bann, 
Schor, Hausen- Wäldlein, Heu 
von der Väch, Lange Brücken, 
Zu den Ruhen, Dieffenbach. 

RUCKEN m. vom faulen Knechte, 
der Gott anklagt: oder auch 
noch nicht thun will oder mag, 
was er wol thun köndte, wann 
er nur den rucken möchte 
darhinder thun vnd die Haut 
daran strecken. LL Biij. 

RÜCKKÖRBE, gedeckte Büöken- 
körbe, im badischen Schwarz- 
walde ; sie trugen die Bücken' 
krämer, außlendische und der- 
gleichen streiffende unnutzen 
BuckenJcrämer. Wirtemb. Ver- 
ordg. 17 Febr. 1562 Reyscher 
12, 321. 

RÜFLÖCHER: ich brummte wie 
ein alter Bahr | vor den Bitff- 
löchern hin und her. In dem 
Dorff Bläßheim haben die 
Bauren Mädgen diese Gewohn- 
heit, daß auß ihren SchlafiP- 
Gemachen Löcher auf die 
Straße gehen, die werden Buff- 
Löcher genandt. Deß Nachts 
nun kömmt der Dorf- Galan 
und präsentirt seine Seufißzer; 
gefallt er seiner Marzipillen 
alsdann, so nähert sie sich 
einem solchen Ru£Floch und 
hört sein verliebten Begehren 
an; ist er aber nicht ange< 
nehm, so mag er immer stehen 



190 



bleiben und Bie schnarchet fort. 
In der Pfalz nennen sie es 
Leimlöcher, Pancratz 134. 

BUGGEN, fortschreiten, an Boden 
gewinnen. A. 1577 den 9 Jnli 
schrib Georg Ilüung zu Tratz- 
berg (Schwaben), Landvogt, 
an dem Erzherzog Ferdinand 
in Innsbruck um Nasus : son- 
der es wurde auch darauß 
volgen, daz die catholischen 
allhie desto mer ruggens be- 
khonien und sich der lutterisch 
teglichen trutz und gewalts 
desto bas erwehren khindten. 
Anzeiger f. K. d. deutschen 
Vorz. 1866 Sp. 22 (Zingerle). 

KUNZE /*. man muß alle Bunzen 
und Löchlein, so die Bäum 
haben, also mit Kuhkoth be- 
streichen. Hausbuch 1 7 Jhd. 8^. 

RU0SSKE8SEL, Hafermark, so 
sie eine schwarze Krön be- 
kommt. Bittelbronn b. Horb. 

RÜPELN swv. einen schütteln, 
walzen. Altglashütten. 

RÜK — ein newer oder Bühr' 
karst ein breit gestählte i^ä^r- 
7mw^ ein Karst- oder BÜhr- 
Jcarst zu gerben 8a £F. 

RÜSPERN, sich räuspern : das ist 
nu der erst teil diser predig, 
dem es not sy, der rüsper sich 
vel der ermundar sich ne dor- 
miant sed et attentiores fiant. 
Manuale Curatorum predi- 
candi — Basil. 1508 f. 74 b. 

RUSZIG adj. sie leugneten die 
Höll und das Fegfeuer, wel- 
ches auch der rußige Super- 
intendent zu Tübingen , J 
Schmidlin gethon. Blüend. W 

RUTE KÜSSEN: Es muß sodann 
annoch das Kind die Buthe 
küssen \ Dieweil es wohlge- 
meint und man sein Bestes 
sucht usw. Chr.RosinäSpitzlin 



Poetische Ergötzungsstunden. 
Augsb. 1731 S35. Wen Gott 
nimmt zum Kinde an | Der 
muß vor die Bftthe hassen 20Q. 
RÜTZIG acij. rozig, mit d. Roz 
behaftet, d. bekannten Pferde- 
krankbeit.Wurml.Tuttl. ürkd. 
1766 : (Kunzenberg,Herrschft.) 
1 Dijenige (Pferde), welche 
rotzig oder rüteig^ es seye 
solches Hirn oder Lungenrotz. 
Schmid 443 falsch =r mager: 
S. Beispil: vnd ist das rützig 
Rößlin vnsrer Frawen gegeben 
worden. Rechnung des schwb. 
Bundes v. 1421 (z. Bau d. 
Frauenkirche in Ulm). 



S 



SACKPFEIFE f. Auf diese Weiß 
hätten auch die Vätter im 
Concilio zu Trident freye Vota 
gehabt, ohn angesehen sie nach 
der röm. Sackpfeiff das placet 
zustimmen müssen D524. Nach 
der r. S. gehen müssen 616. 

SALB: die Fürsprechen wollten 
gesalbet sein, der Wagen gehet 
nicht, wo kein Salb ist. Blüen- 
der W 

SÄLBIND n. das Pulver hinter 
die Ohren geschmieret oder 
darvon in eine SäUnnd ge- 
schroiret und an den Hals ge- 
bunden. Deigentesch 199. 

SAMENZETTLER : nim hinweck 
auß der Kirchen den hl.eestandt, 
sihe zu, ob du sie nicht an 
stat der Ee werdest erfüllen 
mit hurern, eebrechren, Samen- 
zettlern , weybischen Knaben 
sehendem hs. 16 sec. Neres- 
heim rase. Bernhardus super 
cantica. 

SAPENswy. welcher vermügh'cher 



191 



gewesen, der hat den andern 
in Sack geschoben, vnder ge- 
truckt, das sein genummen 
vnd zu im gesapt Bb. 

SAUBERE FRUCHT, reines gesäu- 
bertes Getreide, glatte Frucht 
auch genannt. Holzbronner 
Fleckenbüchl. 17 sec. 

SAUPFIPFERUNG, bildliche Ne- 
gation : ich gebe nicht ein 
SäwFfifferling dafür. Gufer 20. 

SCABELL 991. ihr Bett wäre ein 
Scabell oder Stul, darauff sie 
gar wenig schlafiPte. Bitten- 
der W 

SCHACKERN stov. schachern. 
Untere Argen. 

SCHAFEN adj, daß man widrige 
Dinge mit einander vermählet, 
so hernach gehalten, wie alt 
schüfen Leder D 593. 

SCHAFMETZIGUNG f, Schaf- 
schlachten D 608. 

SCHATl'ENFANG 99». Beweiß, daß 
dein Glaab kein Zeit- und 
Scheinglaub oder Schattenfang 
sei D 461. 

SCHAUBE f Haube: ein andere 
Zeit sähe sie einen Engel eine 
güldene Schatiben mit der 
Hand zue stricken vnd straiffen. 
Blüender W Sie hatt oft die 
Mutter Gottes in emer Schavhen 
so weiß und mit Sternen ge- 
ziert gesehen, ebenda. 

SCHAUBSACK: dieser ist wie ein 
Zigeuner, der einem das Gelt 
aus dem Schauhsach zauberen 
kann Ob 11. 

SCHAUFLER , Fruchthändler, 
Hohenzollem. 

SCHAUMÜNZEN: die Medailles 
oder Denck- und Schaumünzeri 
R 18. 

SCHAUPFENNING 991. er wolte 
nur diejenigen erlösen, welche 
er mit einem güldenen Schato- 



Pfennig, darauf sein Bild ge- 
präget wäre, begaben wolte. 
D 374. 

SCHAZ m. Von einem acker 
Raben, daß ist sechs Schatz 
übers Jahr dreymal mit dem 
Geschirr zu bawen bl. 1 a. 
Soll von dem Schatz gegeben 
werden Ib. Zu brechen und 
hefften vom Schatz 3 b. Zu 
räumen vom Schatz 2b 4 pf. 
Ib. 

SCHEERWASSER: das ainem ein 
seheertvasser fürgepezt werde, 
da dry gerstenkerner ainander 
jachen. Stipend. Ordg. 14 Febr. 
1536 Reyscher 12, 10. Das 
man einem ein Scheerwafier 
fürsezt, darinn drey Gersten- 
kernlein schwemmen. Stipend. 
Ordg. 12 Merz 1541. 

SCHEINUNG f das unschidliche 
Scheinungen und Hechtende 
Sternen in der Gellen hin und 
wider lauffen. Blüend. W 

SCHIFERN: und kan manchmal 
wol für ein Therbanth oder 
Dörrband gebraucht werden 
(Baumöl mit Branntwein), wann 
einem etwann ein Bein ge- 
brochen oder geschiferL Gufer 
141. 

SCHINDER m. Rindenschäler 
(Mone Zeitschrift) ad 1428 
(Edigheim u. Oppenan). 

SCHIRROSEN: zu allen Farten 
Trüsen, Alsteraugen, Warzen 
erhalten, und Schyrrosen Ge- 
schwulsten des Milzes. Gufer 33. 

SCHLACHT: von Schlacht- Anf- 
rechung. Wer den andern vmb 
ein Schlachtgiät anspricht, der 
soll ihm deß beweisen mit 
zwayen burgern oder mit Einem 
des Raths. Sauig. St. 1617. 

SCHLAFBODEN: hat er ange- 
fangen der Regel nach in der 



192 



Clansnr ob einem Tisch, in 
einem Schlaff hoden nach klö- 
sterlichem Brauch usw. STheo- 
bald 38. 

SCHLAG: im Schlag oder halben 
Schlag ist es sehr bewährt 
(Saft T. d. Wallnußbaamwurzel) 
Altes handschrftl. Receptbuch 
17 Jhd. 

SCHLAGNAGEL m. Es können 
auch ungerade Schlag- Nägel, 
welche samt der Schloß- Räder 
Zahn ihren Trieben und Schlag- 
Nägeln folgen, gemacht wer- 
den ; ist doch dabey zu mercken, 
daß die Sclüag-Nägel in die 
Zahn ihres eigenen Schlag- 
Nagel- Rad 8, wie auch die Trieb, 
in welche das Schlag-Nägel- 
Rad eingreiffet, jederzeit ohne 
Rest aufgehen. L 

SCHLAMPROCK : Frauenkleider, 
Endrienne , Schlampp - Hocke, 
Contusch. R 26. 

SCHLAPPERTASCHE: sie führet 
ihr Hauswesen ziemlich fein, 
allein dieses verderbt den Han- 
del, daß sie so eine schreck- 
liche Seh. ist Ob 17. 

SCHLAPPSACK: bey leichtferti- 
gen Schlappsäcken ist er gar 
hoch am Brett, aber ehrliche 
Damen meiden und fliehen ihn 
Ob 22. 

SCHLAPPÜCHEN, schlebauchen, 
stark und schnell aufatmen, 
b. Springen. Untere Argen. 

SCHLAUDEN bei gemeinen Leu- 
ten, neben Stiefel, Gamaschen, 
R 26. 

SCHLECKBISZLEIN : trucken 
Brots zu eusserster Auffent- 
haltung seines Leibs vnd ver- 
meydung aller Schleckhißkn 
S Theobald 44. 

SCHLEMP vom Schlosser: Fallen, 



Rüglen, 8cMempen,RBsxdhahen 
usw. 09 a. 

SCHLOZER nt. Saugbeutel der 
Kinder: daß er bey sich be- 
schloß, seinen künftigen Kin- 
dern einmal weder Brey noch 
Schlozer zu geben. — Ja, mein 
Kind, der Schlozer ist ebenso 
schädlich als der Brey. Hart- 
mann, eine Wirtemb. Kloster- 
geschichte vonSeybold. Frankf. 
und Leipzig 1778 S 17. 19; 
vergl. verscMozen: die Mäd- 
chen verschlozten alle Woche 
ein Pfand Zukerkand S 21. 

SCHLURFEN liederliche Pantoffel 
oder zerunzte 9chuhe : Ich bin 
fix und wann ich meine Schlur' 
fen außziehe usw. Pancratz 88. 

SCHLUTT: sie ist eine faule 
ScMuttj die alles verschläfPt und 
verliedertObl7. Er bekommt 
eine versoffene faule Schild 23. 

SCHLUTTE/". Judenkirsche. Gufer 
262. vgl. Judenkerschen 292. 

SCHLUX oderHösch. Gufer 134. 

SCHMALKALDISCH SCHWEFEL- 
ÖL, in einem alem . Recepthefte, 
geschriben 17 Jhd. 

SCHMALZSCHÜBLE w. der Her- 
ausstich aus dem Schmalz- 
hafen, so das Schmalz gestockt 
ist, daher aucli ünschlUschühle. 
Untere Argen. 

SCHMOZ iw. Fettflecken: den 
Schmoz und Masen auß den 
Kleidern und Tüchern ver- 
treiben. Gufer 59. 

SCHNAG6EN pl. Kühkot, die 
Gemach geräuchert vertreibt 
er die Schnaggen. Gufer 13. 

SCHNAKENKNABE, jung.Schnak: 
Drauf begannen sie zu laben | 
Küsse eines Schnakenknäben. 
Schallers Ged. I 21. 

SCHNECK RA: wann der Maul- 



I9ä 



esel geb&hren nnd die Sehneck 
fliegen wird D 595. 

SCHNEIDER (libellula L.) „bei 
uns*' H Sander, von der Güte 
und Weisheit Gottes. Carls- 
ruhe 1778 8 20. 

SCHNITTER, unzeitiger, der Tod. 
Feldkircher Jesuiten Schul- 
drama 1680 Thusciae Flosculi 
Pergentinus usw. 

SCHNUDER nt. also ist auch kein 
Speichel Speuwet auß ihrem 
Mund, und kein Schnuder oder 
andere Flüssigkeit von der 
Nasen außgangen. Blnend.W. 

SCHOLDERER: wolt man gern 
dise Waisen berauben, wirst 
Lotterbuben und Schulderer 
darauß machen? Bb. 

SCHOLLEN REYTTER Ö batzen 
neben Haber Reiter, beim Sib- 
macher. 010 a. 

SCHRÄGEN TISCHPUSZ, Dreher 
OlOb. 

SCHRITTSTEIN: wann man aber 
jedem seine Tugend und Laster 
beilegte, so wäre sie gegen 
ihn wie ein Schneeflock gegen 
einen Schrittstein. Ob 50. 

SCHUHE ALTE : Wann wir Teut- 
sche etwann einen vernichten 
wollen, pflegen wir zu sagen, 
ich halte ebensoviel auf ihn, 
als auf einen alten Schuh, als 
wolten wir damit andeuten, 
daß sie zu nichts nutz oder 
dienstlich wären. Gufer 130. 

SCHUH TEYCHEL von gutem 
Stein Espenholz, wann der 
Meister das Holz gibt. 10b. 
Dreher 0. 

SCHULTHEISZ : Rhadamantus 
der Schulthaiß der Höll. Bb. 

SCHUP: ein Kübel, ein Fürsätz- 
lein, ein Schup. OlOb (Kühler). 

SCHWÄBISCH ELLE: Item, einer 
Birlinger, Alemaimia XI 3 



kaufiPt zu Augsburg die kurtz 
oder Schwäbische Elen fein 
Tuch um 2 Gulden, 15 Kreutzer, 
wie soll die lang oder Bayrische 
Elen bestehen, wann 12 Bay- 
rische 17 Schwäbische oder 
kurtze Elen ausmachen? Item 
einer kauflt in Bayren die 
lange oder Bayrische Elen 
fein Tuch um 3 Gulden 1 1 V4 
Kreutzer, wie soll die kurtze 
oder Schwäbische Elen be- 
stehen, wann 17 Schwäbische 
oder kurtze Elen 12 Bayrische 
oder lange Elen ausmachen? L. 

SCHWADERN im Wasser, im 
Bade sich bewegen, daß das 
Wasser umhersprizt, von En- 
ten: Alte Weiber, Ente 
schwaderat hinterm See, wenn 
ma's will vertränke, sind se 
neana me. Bodensee. 

SCHWADERN ntr. Pistorii loses 
Gewesch, Geschwetz und weit- 
läufig giftig Schwadern und 
Plaudern. Streitschrift 1589 
S 50. 

SCHWAIGE SWAIGE f. und da 
betten si geklegt, daz der 
vorgen. her Chunrat von Berge 
mit ainer Swaige vichs vf den- 
selben Boßhart von Oepfingen 
treibe vnd den da veraczte, 
daz niht sin solte usw. vnd 
vmbe das getruwote er got 
vnd dem rechten wol, er solt 
recht haben mit siner Schwaige 
daruff zu triben Urkd. 1416. 
Ulm-Dischingen. 

SCHWÄLBELN: Ganz Teutsch- 
land sichet, daß der Herr 
Doctor geschwälbelt. (v. e. Tü- 
binger.) Luther. Katzenkrieg 
389. 

SCHWANZSTUCK: wer Leder 
hie zu Saulgau fayl hat, der 

18 



194 



soll khein Strich nit ihnen 
an kheinem Leder noch khein 
ander Schwanzstuckh 8. Heute 
noch in der Gerbersprache: 
Kopf- u. Schwanzstück. Sauig. 
Stat. 1617. 

SCHWEBTUCH w. Die Salben 
ist aach bewehrt für das 
schwinden der Glider, Arm 
und Schenkel, auf die Schweb- 
tiicher gestrichen , wie man 
pflegt zu solchen schwinden 
zu thun. Gufer 299. 

SCHWEFELN: Von lauter hitzi- 
gen geschwäffdten Köpfen. D 
160. 

SCHWEINEN swv, da sie 9 Jahr 
mit der schwemenden Sucht 
(Schwindsucht) behaftet. Bitt- 
ender W. 

SCHWEISZBAD, bildlich: Was 
die Calvinisten der Christen- 
heit zumal für ein hellisch 
Schweißbad vberth un 3 1 . Huber. 

SCHWEIZEBBEßG : sage du 
nun , du glaubest, daß ich 
diesen Schweizerberg ins Elsaß 
versetzen werde. D469. 

SCHWEIZERHOSEN: 1) Franz. 
Belle de nuit. Ehrhart 112 b. 
2) Jalappa: wollte erst ein 
Gelehrter die Bodmerischen 
gebundenen Schriften lesen, so 
würde ihm so übel darüber 
werden, als wenn er Schweizer- 
hosen verschlucket hätte. Vor- 
bericht zu Job. Christ. Schwarzs 
Aeneis , ein Heldengedicht. 
Regensburg 1742. 

SCHWEIZEBKUH : Jungfrauen, 
denen die Brüst zu groß wollen 
werden und daher gehen wie 
ein Schweizerhuhe. Gufer 4. 

SCHWENDEN : oft hielt man das 
sog. Schwenden für nothwendig 
um das Clima wärmer und 
gesunder zu machen, oft legte 



man Feuer in dieWäldernsw. 
H Sander 2 Tl. 8 72. 

SCHWERTTANZ: worauf die Sol- 
daten beyder Theil ihre Waffen 
zu einem freundlichen Schwer dt- 
vnd Frewden - Banz herfür 
nehmen. Clotarius, ein Lands- 
perger Jesuiten - Schuldrama 
1682. Augsburg. 

SCHWINDELHABER lolium te- 
mulentum: was aber den drit- 
ten Hauptdefekt des Roggens 
betrift, so ist solcher das lol. 
tem. Trespen, Schwindelhaber 
dort. Ein ganzes Dorf bei 
Stuttgart sei übel geplaget 
worden durch die Haberbrey 
oder Suppen. Ehrhart 87—88. 
Nemnich II 436. 

SEIFERN BWV. Hat aber ein Boß 
den Frosch und Gallen zugleich 
im Maul, so mag es weder 
freßen noch saufen, sondern 
Seifert nur im Sauffen und 
schmatzelt im Freßen. Deigen- 
tesch 15. 

SERE f. heilet es (Wolfs- und 
Hundskot) den Wolf oder 
Sähre deß Hindern. Gufer 28. 

SERFLEN, SERGLEN SWV. ab- 
zeren, austrocknen. Ertingen. 

SIGMAR bei Deigentesch 10: 
blas dem Hoß davon in die 
Augen und gib ihm Sigmars 
— ist ein Geschlecht der Pap- 
pelen usw. Wie stimmt das 
zu gladiolus , der Sigmar ? 
(Malva, Alcea, Allium Victo- 
riale). 

SINNPÜPPE /. ist dasjenige Erz- 
bild, nachdem sie ihre Sinn- 
puppen fonniret D715. VgL 
wer die Pupp küsset , kann 
derselben Namen nicht hassen 
713. 

SINT, seit: Sint des Himmels 
Lüfte dich befächeln | Sint 



195 



Du ihren Odem in Dich ziehst. 
Schaller I 10. 

SntY (Seirlen, Siren): wann Da 
der halben ein Patienten hast, 
der die Siry hätte, das ist ein 
Siechtum, der gern ynder den 
Augen wachst, um sich frißt 
und gestaltet ist wie ein Biß 
in einem Apfel 108. Damit 
salbe die Siry. Oufer. 

SOLEN, salzen: krüt sola. Subst. 
die Sola, eingesalzenes Fleisch. 
Untere Argen. Vgl. sohlea b. 
Schmid 406 : Ton Schweinen 
sich im Schlamme wälzen. 

SOM: Die sogenandte Igels -HüfP 
sind dieselben, da etwan vor- 
nen auf der Kronen ein Ge- 
schwer entspringt von scharfer 
biliösen Feuchtigkeit, welche 
die Haut auifrisset eines Dau- 
mens breit auf dem Böhm oder 
Kronen. Deigentesch 132. 

SOURE: auf den Alpen findet 
man im Sommer tief unten in 
allen Brunnen, die sehr hoch 
und der Sonnenhitze nicht 
ausgesetzt sind, das Thierchen 
Soure, wie es die Leute nennen, 
das beinahe wie ein Blutegel 
sich bald länglich streckt, und 
bald sich wieder wie eine 
Kugel zusammenzieht. Ueber 
Natur und Religion für die 
Liebhaber und Anbeter Gottes 
von H Sander. 2 Stück. Carls- 
ruhe 1791 S 51. Vgl. Sure 
Nemnich I 16. 

SPECK, Köder, bildlich : welches 
aber anders nichts, dann ein 
specklin auf der Fallen ge- 
wesen 30 Goebelins. 

SPIESZ: es hat der guthertzig 
Leser in Acht genommen, wie 
fein und schön — hinder sich 
hinauß, wie die Bawren die 
Spieß tragen — die NN vber- 



einkommen, Luther. Katzen- 
krieg 208. 

SPIESZLEIN: Bei getau£ften und 
und ungetauften bist Du an- 
genehm, weil du das Spieß- 
lein so artig zu tragen weist. 
Ob 33. 

SPISZ m, Spreissen: mit Wein 
aber ziecht es auß alle Spüß, 
Dorn, Spitz u. dgl. Gufer 32. 

SPISZIG o^;. adv. rauh, harig 
von einer Haut, die nicht aus- 
gegerbt ist. Baar. Seitingen. 
Offenbar zu Spieß und spießig : 
stachlicht, spizig. 

SPOREN, Stich, Spleen : Quesneli 
Bücher seyod verkehrt, Man 
sagt, er hab ein Sporen, Pfaffen- 
zeller 22. 

SPRÄTTELE n, ein wenig : a Sp. 
Sah. Bodensee. 

SPREIDEL 991. Spreißen, gespal- 
tenes Holz. Bodensee. 

SPREISZLIN , bildl. Negation : 
ein einiges Spreißlin nützen. 
Huber 123. 

SPRENGEISEN: N. ward mit 
Sprengeisen gefesselt und in 
ein gefänknus verschlossen. 
Befindet er sich mit den /S|^e9i^- 
eisen an den Füßen ettwan 
eines steinwurfs weit von St, 
Christinakloster. — Es werden 
heuttigs Tags dise Sprengeisen 
dort gesehen. Blüender Wein- 
gart S 5. 

SPRINGER : mus jaculus, weil er 
mit den langen Hinterfüßen 
oft sehr weit springt. H San- 
der 2 Tl. S 211. 

SPUI, SPÜIZ 9ff. SPUIEN, SPUI- 
ZELN Sivv. Speichel, um Saul- 
gau, Ebenweiler Spuie, -ein. 
Weingarten: Spuizler ein im- 
mer ausspeiender Raucher; in 
Haid b. Saulgau: Spuia: er- 



196 



brechen, sich. Qspuiy der Aus- 
warf, Speichel. Wurmlingen. 
Heaaspui /t. Milch des Löwen- 
zans. Hertfeld. 

STADEL m. Scheuer, Warenhaus, 
Ziegelei vorhersehend schwä- 
bisch-augsburgisch, und nicht 
alemannisch ; Oesterreich, Bay* 
ern kennen auch nur Sta- 
del, nicht Scheuer noch 
Scheune. Das augsb. Stadt- 
buch: Staedell Bl. 62 b. Die 
Blaubeurer Kloster von 1558 
hat noch: Die Frucht in dem 
Stadel oder Scheuren. Der 
Eißlegger Klosterrode] : vnd 
ain Stadelle diesselben vollen 
newer hylziner tholler. Im 
Eilwangischen , Ulmischen : 
Holzstadel, Ziegelstadel ; meist 
in einiger Entfernung von Ort 
oder Stadt. St. heißt auch 
eine 30' breite und eine eben 
so tiefe hohe helle Grotte auf 
der Asselfinger Markung. ON 
Stadeln Wü I 293. Stadelin 
II 87. 93. Sfadün 172 (Zürich) 
Stadelheuen II 96. 179. In 
ahd. Zeit war St. allgemein 
oberdeutsch. In Rottenburg 
a. N. ist St, ein bekannter FN. 

STALLGELT ist eine gewisse Ge- 
bühr, die jeder Bürger, nach- 
dem er Gut viel oder wenig 
hat, in die gemeine Schatz- 
kammer nach Proportion lief- 
fern muß. — ich armseliger 
elender Burger, der ich doch 
jährlich mein Stall -Geld so 
richtig lieffre! Pankratz 19 ff. 

STAMM-MIETE f. Die Adeligen 
in Wirtemb. sind blos Privat- 
Eigenthümer ihrer Waldungen 
und bezahlen 4 Kr. vom Gul- 
den des Holz-Ertrags alsiS^amm- 
Miethe 14 (20); sih Beisassen- 
geld. 

STANDE: Most - Büttenen oder 



sog. Skmden B 86. Daneben: 
Liegerling, Führung, Ablaß- 
zuber, Krautstanden. 

STÄNKER: daß Andr. Carol- 
stadius der protagonista der 
erste Zäncker und Stäncker 
gewesen. D 124. 

STABENWEIS:Pa8quilla,Schmäh- 
karten, Holhippen vnd der- 
gleichen Unlust, sturnatim oder 
Staaren-wei/i werden ohne Zahl 
gnug gefunden. D 161. 

STAUDEN swv. Jemehr hernach 
die Mägde beym Krautblatten 
darauf herumtreten, je mehr 
statidet es hernach. Ehrhart 79. 

STECKENROSS : wann ein Vatter 
seinem Kind ein Steekenroß 
verehrete. D 429, 

STEIRMÄRKER: wer das Un- 
glück hat, daß ihm ein' Hopfen 
10 Jahre liegen geblieben — 
und da kauft, wo der Hopfen 
wächst, selten jemand so gar 
alten Hopfen als gewisse va- 
girende Stegren oder Stegr- 
marker. Ebrhart 71a. 

STENGEL; umb daß er sich in 
dieser Materi gar zu sehr er- 
eiffert und über die Stengel 
geschlagen. Eisenhuet 118 (sih 
Bauer). 

STICH- oder Tausch - Rech- 
nung, in welcher Waar gegen 
Waar gesetzt wird. Hier ist 
erstlich wohl zu mercken, wie- 
viel du Waar durch den Stich 
verhandelst, oder durch den 
Stich bekommest; auch, wieviel 
jede Waar an baarem Geld 
mache, und im Stich ange- 
schlagen und übersetzt werde, 
damit du solchen Ueberschlag 
oder Vertheurung an denen 
Waaren, die du vertauschest, 
durch den Werth des Gelds 
vergleichest, daß du von denen, 
die mit dir stechen oder 



197 



tauscheD , nit übervortheilet. 
werdest, wie des mehrern aus 
folgenden Ezempeln wirst ge- 
lebret werden L. 

STICHELN stov. Wer Zahnweh 
hat, stichle mit einem Höltz- 
lein die Zähne, das sie blatten 
usw. Altes Receptheft 17 sec. 

STIGEL: nnd immerzu von einer 
Staffel zu der andern, da die 
stigel am nidersten gewesen, 
(haben) . steigen wollen. Goe- 
belius 28. 

STIKNENSTÖSZEL m. Land- 
streicher: das alle Stirnen- 
siößd, sie seien Frauen oder 
Mann, die nit Bürger sind, 
Bürgerrecht empfahen sollen 
und auch von der Sach lassen 
nnd furo nit treiben. Ravens- 
burger Ordg. für den Rat 
14. sec. Ebenso bei Frisch, 
Schmeller ebenfalls. 

STOCK m. 1 entwurzelter Baum- 
strunk bei Bürster 16, dann 
Baumstrunk überhaupt 113. 
122. 2 Nachdem sie ein paar 
iS^ocÄFederwisch wird verkaufiPb 
haben, möchte sich vielleicht 
noch ein heiloser Tropf über 
sie erbarmen Ob 25. 

STOCKEN: kheinen Stain vmb- 
hackhen, stocJchen oder aus- 
reitensoll. 23 Sauig. St. 1617. 

STOCKELEN Sfw. mit den Zehen- 
spizen anstoßen, daß an den 
Schuhen die Kappen fallen. 
Untere Argen, 

STOCKSCHNUPPEN : Sodbren- 
nen, St. Durst in Fiebern. 
Ehrhart 124 b. 

STOLLHAFEN,STOLLKÄCHELE: 
thue es in ein StoUkechele auf 
ein Eohlfeuer. Altes Recept- 
heft 1 7 sec. Beide heute üblich. 

STORES: 1620— 22 war Giengen 
sowie Dinkelsbühl und Nörd- 



lingen der vorzüglichste Markt- 
platz des Kipperns und Wip- 
perns. Man sah ganze Frucht- 
säcke mit sog. Stores — aus 
Kupferblech geschnittenen und 
in Weinstein gesottenen Drei- 
bäznern, die so leicht waren, 
daß man sie vom Tisch weg- 
blasen konnte — gefüllt. Ma- 
genau, Giengen 1830 S 33. 

STÖRRIG: jr vil sein auch so 
störrig j welche die kind das 
handwerk nit wellen leren Bb. 

STORRKOPF : storrige unver- 
ständige Köpf LL Giij. 

STOSZ m. eiserner Nagel, der 
durch den Pflugbalken get und 
in mit dem Pflugräderkarren 
zusammenhält. Allgäu. Stoß- 
nagelj Hundersingen. Familien- 
namen Stoß und Stauß häufig 
im Alemannischen , ebenso 
Stößer. 

STOSZEN m. stv. Pfäle in Wein- 
bergen einrammeln: Gleicher- 
maßen soll das Stoßen auch 
zu guter zimlicher Zeit be- 
schehen. Ravensb. RebO 1545 
Eben II 34. 

STÖSZLEN: ein groß ParSchey- 
den sampt Ruckriemen, Bauch- 
riemen vnd Stößlen 8a 
(Seiler 0). 

STRÄCKLICH a4j' und damit zum 
sibenden dieser Unserer Ord- 
nung desto sträcMwher nach- 
gelebet werde, sollen in denen 
Städten usw. Hochfürstl. Für- 
stenb. Bettel 0. 1777. 

STROSZGULDEN in Sippl. Rech- 
nungen. Denen Gemeinderen 
den sog. Stroßgulden (unter 
d. Dungfarten sei er begriffen). 

STÜBENTÜRE /*. mit der St, ab- 
strafen, die Türe weisen, fort- 
jagen. Aulendorf. Strafprotok. 
17 Jhd. 



198 



STÜMPELN: daß dieChur nicht 
nurpalliativa, gestämletynd^e- 
stümpelt seye D 92. Soll an 
ders der Baw kein gestümple- 
tes^ sondern vollkommenes Haus 
seynlSl. Vgl. Stimpely Simpel 
und Stimmelwerk 843. 

SÜRFELN sw. schlürfen, sorbere: 
zuerst versuchte ich ein ganz 
klein wenig , alsdann sür feite 
ich etwas mehr. Sammlung von 
Meinungen großer Gelehrten 
die Wunder-Regen betreffend 
(Dlm) 1755 S 7. 

SÜROPPE, stvm. Brei von der 
Buttermilch Unt. Argen, mittl. 
Nekar : Bloishrei; altbairisch 
Rürmillisuppa. 

u 

UCHTET, Vih weide in Wyler 
(Weilerhof b. Sulz) 1474. Zoll. 
Zt. 8, 73. Vergl. Weist. I 374. 
439. 441. Alem. X 170 a. 

UEBERGESCHÜH n. 1 par Manns 
Schuh mit rinderem üherge- 
schuh, tnitKälhevm übergeschüh 
(für Manns- und Weibsleute) 
4b. 

UEBERLAUF,der, Besuche : wegen 
Bauten und üeberlauf könnt 
ich wenig thun. Köhler Tage- 
buch oft. 

UEBEREICH, adj. übers Eich, 
über die Erde gehendes Wasser. 
Straßberg, Zollern. 

UEBERRISZ n. Auf dem Rucken 
oder Ueberriß werden die Rosse 
beschädiget, wann man einen 
schlimmen übelgefüllten und 
allzugroßen Sattel hat. Deigen- 
tesch 71. 

UEBERSAUF w. Fruchtzins aus 
hingelihenen Früchten bei 
Communen und Herrschaften, 
Beamtungen, ehedem üblich; 



der 8 Teil des Kapitals, also 
vom Scheffel 1 Simri: Etliche 
zunächst vorhergehendem pacto 
abermahlen noch ein Simri 
üehersauff zu jedem Scheffel 
angedingt. Solches aber eben- 
mäßig wegen des darzu ge- 
schlagenen Ud>ersauffs wnchev' 
lieh und daher strafbar ist; 
also habt jr auch deß wegen 
die Darleyher und Aufnehmer 
auf Martini mit einander ab- 
rechnen, darneben aber an- 
schlagen zu laßen, was das 
Simri Uehersauffs damals ge- 
kostet, da dann der Darleyher 
das resultirende pretium deß 
Uehersauffs gnedigster Herr- 
schaft loco poenae zu bezalen 
hat. Gen. Reskrpt. 5 Dez. 
1692. Reyscher VI 178. 179 
usw. 

UEBERSAZ m. Oder geben mit 
jhrer geschenksucht Anlaß sm 
allerley Wucher, Vbersatz vnd 
Betrug unter den Leuten wsw. 
MSchaefer Predigten I 78. 

UEBERSCHLAG m. Beffchen, 
Priesterläppchen : weiter unten 
lag ein gestickter Ueberschlag 
von der ältesten Schwester. 
Hartmann oder Wirtemb. Klo- 
stergesch. S 119. 

UEBERTRANGm. hat die selige 
Juliana vil Vbertrang und Ver- 
folgungen gelitten. Blüend. W. 

UFFNEN , reconvalescent sein. 
Allgäu. 

ULRICH S. Die mundartlichen 
Nebenformen Dbri, 27n, Heu- 
berg: der Großvater Uori; die 
Enkel: 's Uoris B&ben. Im 
Mülheimer Urbar (Wbl. z. 
Volkstümlichen) 48 heißt eine 
Matte Kälber — oder Klam- 
uri zu Nendipgen. Daher 
ürles, Wald^ Lauffen a. N. 



199 



8 Ülrichs-Brannen in Stein- 
bacb, Seibranz; — Halde bei 
Krailsbeim ; ebenso — Gärten, 
Murrbardt. Die Namen meist 
vom alten augsb. Bistams- 
patron. 8t ülrichstag bieß im 
Gmünd der Razenfeiertag, in 
Wangen Fest der Kapitels- 
geistlicben, vom Volke Pfaffen- 
Rammiete genannt. 
UMGANG der Bettler in Pro- 
zession mit den blechenen 

* 

Zeicben verseben „mit laut 
bethenden hl Rosenkranz '^ un- 
ter Vortritt des Bettelvogtes, 
der die doppelte Portion er- 
hielt. Der Tag hieß Bettel- 
tag, die ganze Gesellschaft der 
Bettelhaufen. Hocbfürstl. Für- 
stenb. BettelO. 1777. 

ÜMBÜCKELN SWV, mische Hol- 
derblustwasser, Endivien wasser 
usw. mische es in einem Glaß 
wohl durcheinander und schütte 
es dem Roß wol tangerilckelt 
auf einmal ein. Deigentesch 25. 

UMZIEHEN stv. a. 1537 verbot 
der Rat von Giengen dem 
Prediger, einen ehrbaren Rat 
nicht mehr wie bisher auf der 
Kanzel umisuziehen. Magenaus 
Giengen 8 79. Einem andern 
1534 befal er sein holhippen 
und Zehnbrechsschrei und Leut- 
Aufziehn auf der Kanzel zu 
unterlaßen. 

UNGEHEB:' das Gebäw auf lucken 
mürben, heillosen, vngehehen 
bawfälligen Grund D 186. 

UNGEMEIN adj. außerordentlich, 
-gewönlich: mit allerhand un- 
gemeinen Gnaden. Degen Try- 
berger Wallfartsberg 60. 

UNGENANNT, n. wann die Pferd 
Geschwär, welche man das 
Ungenannt nennet, haben usw. 
Gufer 178. 



UNGLAICHNIG adj. Ey das müs- 
sen unzeitigen Eyffers, vnbe- 
scheidene xvadvnglaicknige Pro- 
feten seyn, daß sie mit jhrer 
Obrigkeit so reden dorfften. 
MSchaefer, Predigt. I 23. 

UNMESSEN adj. So haben wide- 
rumben auch die Obrigkeiten 
keinen freyen vnmessenen ge- 
walt über und wider jhre 
vnterthanen. MSchaefer Pre- 
digten I 46. 

UNNOT: der Pabst muß einen 
Schlüßel haben, will er den 
Ablaß-Schatz aufschließen, daß 
aber der Schlüßel gülden sei, 
ist vmioth D 194. 

UNKEIN: ein gemidener Mensch, 
den man fliehet; gehässiger 
Name eines Anen des Hauses 
Beroldingen in Ratzenried vom 
BOjärig. Kriege her. 

UNSINNIGES Fasnachtfest: An- 
toph., in den Orgiis oder un' 
sinnigen Fastnacht 296. 297. 

UNTER- in UNTERBROT: Zwi- 
schenbrot im alem. Ober- 
schwaben neben Z' Unding^ am 
mittlem Neckar , Obetbraot, 
Vesperbraot. Im Vertrage Her- 
zog Ulrichs 29. Sept. 1522: 
aber über Morgensuppe und 
ünterbrod keinen Wein. Von 
Martens 35. Untermal Mone 
Zt. II 59. 36. Untern, Vesper- 
broteßen, Journal von und für 
Deutschland 1784 S 327. 1787 
I 364. Untertrunk oder schlaflP- 
trunk. Wirtb. Wirts 27 April 
1553. Reyscher XH 241 und 
bei Lienhart Flexel. Vergl. 
„Untern" bei Schmeller P 116. 

UNTEEBÜLZEN: Wie kann ihr 
Sach gut sein, welche sie an- 
ders nicht, als mit dergleichen 
Lügen besteuffen und vnter- 
biUtisen wollen. Zeaemann 122. 



200 



UNTEBSACHSEN: man findet 
auch neben diesen etliche Lu- 
theraner in Untersachsen vnd 
Denneroarck usw. Luth. Katzen- 
krieg 306. 

UNTERSCHUB »t. mit ünterschvb, 
Hülff und Beförderung. Huber 
Vorr. 

UNVEKFANG m. daß in deren 
(Bettler) Betrettens Fall die- 
selbe das erstemal des Aus- 
bleibens gütlich zu erinnern; 
bey dessen Unverfang aber 
das zweytemal mit Stock- oder 
Ruthen -Streichen zu warnen. 
Hochfürstl. Farstenb. Bettel 
1777 4 BU. fol. 

UN VERSPROCHEN, gut beleu- 
mundet: so soll ain jeglicher 
furtrag — mit zwayen oder 
mehr erbarn unversprochnen 
maus personen — erzeugt wer- 
den. Stuhl. Stat. 12 a. 

UNWHiLE, der : Unrath zu ver- 
hüeten ; ob sich über kurz oder 
lang zeyt begebe, das Jemand 
wer, der oder die wären, Edel 

- oder Unedel — mit vnd gegen 
ainandern zuo univUlen khennen 
vnd freu entlich Handlung oder 
Aufirur fürnemmen oder zuo- 
geprauchen vnderstunden. 
Stuhl. St. 3 a. 

UNWn^LEN 5MW. Me mißlingt 
der .Frawen so sie sich vyl 
erbriebt vnd unwillet hiij b. 
Hoseng. Straßburg 16 sec. vnd 
ob das kind soUichs von im 
timoület, so belybt doch so- 
viel, n5b. item dem seyge 
kind kompt zuo vntoülen und 
besunder unwillet das kind 
von diser dryerley vrsach 
nja. 

URÄSZ : an Fleischtägen Suppen, 
Rindfleisch und Gemüß, wel- 
ches iiicht allezeit aures, son- 



dern die Woche hindurch ein- 
oder zweimal von schlechterem 
dürrem Obst sein soll. Reiche- 
nauisch. Stnd. Tisch Diöe. A 
IV 331. 

URDRÜZ: daß seine Zuhörer 
dessen sehr müd und vrdrütz 
worden. Meiner hiesigen Plarr- 
stell müd und vrdrüte, Zeae- 
mann I 25. 33. 

URHABER vnd Anfänger der 
Sünden. Huber 25. 

URPIETIG oc^'. ergeben, gehor- 
sam : auch eine so elenbogen 
lange schlang haben sich auf 
das zureden Andreae gelegt 
und urpietig gefangen geben. 
Wilst du urpietiger sein als 
die Flammen. Wilst du dich 
kürriger erzeigen als das ver- 
gi£Fte Schlangenzifer. Arpag. 
10. warum soll ich, sagt Josef, 
seufzte Maria, auch nit ganz 
gern undurbietig in den Willen 
Gottes ergeben 131. Mithin 
werden wir aufgemuntert wer- 
den, einen so reichen Gast einzu- 
laden, der gleich wie urbietig ist 
zu kommen. 438. Freylich wir 
seynd urpiettig und suchen 
nichts anderes; unser Kind ist 
uns feil (Maria) 700. Maria 
eine urpietigste Mittlerin 825. 

URS — in alemannischen Flur- 
namen öfter das Bestimmungs- 
wort ; bei Nendingen (Tuttlin- 
gen) ist das Sagenreiche 27r- 
selentalt Mülh. Urbar ürslataH. 
Im Wurmlinger Vertrag: der 
Prunnen im Ursentkai 1664. 
Ein Ursenberg bei Hausen. 
Marchtaler Kronik 45. Bei 
Bebenhausen: Anker im Urs- 
rain. Schmid Pfalzgrafen 829. 
Der ON Ursendorf heißt nrkdl. 
Horsindorf. 



201 



VÄTTERN swv, Kayser Lucjwig, 
ein Sun Garoli M — hett selt- 
zame Kinder, die sich wenig 
vätterten. Wa man aber be- 
sorgt, das uneelich kindt möcht 
sich vättern usw. Und damit 
der Sun sich nit vätterte, auch 
vnrecht vrtail Sprech, ver- 
schuof Cambises usw. Es were 
auch kain besser buoß disen 
Xinden , damit sy sich nit 
vätterten^ dann daß man sy 
ließe bei erlichen Zünften Bb. 

V£IG£LEN heißt man am mitt- 
lem Neckar den gelben Levkoi. 

VEILETSKNASTER RAUCHEN 
cacare. Oberschwaben. Vgl. 
Paulis Baurenfigel. 

VENEDISCH SÜPPLIN n. Gift 
bei Theophrastus Farac. öfter : 
vnd ist ein rechter gift deß 
vergebens (vergiften) ; wie kön- 
nen sie sich dann entschul- 
digen, das sie nit seyn auß 
der Zal der Venedischen Süp- 
lin (ni p) ; oberschwäbisch : 
wäUch S. 

VERBÄRMSTEN sufv. Mitleid er- 
regen. Untere Argen. 

VERBELLEN sw. am mittlem 
Neckar ; Bedeutung bei Schmel- 
1er 12 22S ff. Schmid 85 : ver- 
böUen, was falsch geschriben 
ist, es gehört zu Ball, weil 
die Gegend des Fußes, wo das 
Leiden ansezt, Ball heißt. In 
Schlesien erbellen gewönlich, 
V, biß weilen. Pfeifer das Ros 
im Altd. 12, 15 ff. 

YERBUGEN, SICH : hat sie aber 
ein Roß verbueget, so ist ihme 
das gleich Tornen an dem 
Bueg ausgewichen. Deigen- 
tesch 94. 



VERDORREN V. lebenden Wesen: 
Elefanten verdorren, Cedern 
und Eichen verwelken. Berge 
veraltern. H Sander 2 Tl. 1791 
S 152. 

VERGÖNDUNG vnd bewilligung 
aller obgeschriebener ding. 
Calwer ürkd. 1517. 

VERGREIFEN, SICH : 1 In einem 
Aulendorfer VerhörsprotocoU 
von 1669: Christian Mayer 
von Jetingen und Jerg Tannes 
von Bobingen, zway landts- 
knecht, haben sich mit heunen- 
fangens allhie vergriffen, 2 vnd 
dieser wolbedächtlich vergriffe- 
nen Ordnung nachgelebea 2a. 

VERKEREN Siov. verübeln. Un- 
tere Argen. 

VERLAUCHEN, verstainen (sih 
unten): so oft und manigmol 
— mit aufschläg verlattchen 
würdet. Holzbronner Flecken- 
büchlein 17 sec. 

VERNEMEN stv. in allen Landen, 
wa Christus der Sohn Gottes 
bekannt vnd vemannt ist. 
Huber 1. 

VERRIEFEN, ausrufen, vom Ge- 
meindediener. Untere Argen. 

VERSCHAFFT GUT n, übel er- 
worbenes unrechtes Gut: alle 
die so verschafft Gut in haben. 
Ritus eccl. Augustensis Epi- 
scopatus Diling. 1580 S 58. 

VERSCHAZEN swv. mußte der 
Adeliche im Steuer- Anschlag 
die ihm später entzogenen Re- 
venuen immer noch verschätzen 
18(g);8ih Beisassengeld, 

VERSCHLAGEN: wo das singen 
und lesen in den Kirchen ge- 
maingklich verschlagen ist, alß 
dieweil man Interdikt helt usw. 
S 53: Ritus Ecclesiastici Au- 
gustens. Episcopatus auct. Dr. 
Marquardi Dill. 1580. 



202 



VERSTEINEN : sein gepähi-enden 
Thail Waldts am Busenhardt, 
dessen zway hundert neant- 

halb Morgen, wie solcher 

mit 12 vnderschidlichen Stainen 
vndermarcket vnd verstaint. 
Urkd. 1630 : Liebenzell. Leben- 
brief. 

VERTRAMPELN swv. daß unsere 
Tanzbodens weder erbauet 
sind, noch betreten oder ver- 
trampelt werden , die Ehre 
Gottes darauf zu befördern. 
Merkander 13. 

VERWEILEN, verzögern: wegen 
verweilter Bezahlung des Todes 
schuldig erkennen. Landsberger 
Jesuiten - Schuldrama 1686. 
Augsb. Joseram nus. 

VERWENDEN: dann er kondte 
sich wegen der Straichen vnd 
wunden nicht mehr von dem 
Ort, da er ligte, verwenden. 
Blüender W. 

VERWIRREN SWV.: aber dieser 
(Art Sevenbaum) ist gar nicht 
mit jenem zu verwirren. Ehr- 
hart 14 a. 

VERZABELN stov. Weilen sich 
die Roß bey dem Einschütten 
sehr mächtig verjsäblen, Deigen- 
tesch 61. 

VERZWEIFLUNGSSTRICK wt. sol- 
che gottslästerliche Gottsläste- 
rung vnd Verzweiflungsstrick. 
Huber 32. 

VESPERLEKTION in der alt- 
wirtemb. Klostersprache ein 
Nachmittags - Gottesdienst , in 
dem zuerst ein Kapitel aus der 
Bibel der Reihe nach, und 
hierauf eine Erklärung . aus 
einem Kommentar Osianders, 
gewönlich Oslanders „Id est" 
genannt, vorgelesen wird : wie 
er aber vollends am 2. Oster- 
feiertage vor ihnen auf die 



Kanzel trat, Yesperlektion hielt 
usw. Hartmann oder Wirtemb. 
Klostergesch. S 121. 
VORSTOSZ: der Vorstoß hat 
auch ein besonder Kraflft, 
Spreigsen, Dorn u. dergl. auß- 
zuziehen. Ein Dampf oder 
Rauch aus Vorstoß gemacht 

— heilet flechten. Gufer 232. 
VORTEILGELT : welch er Büchsen- 

schützengesellschaft dann die 
Herrschaft Wirtemberg aller 
Orthen jährlich ein gewises 
Gelt, genannt dctö VorteügeU^ 
im Fall da man würklichen 
zur Scheiben schießt bei dero 
Kellerey Tuttlingen raichen 
lasset. Jura Gontrov. (sih Wbl. 
z. Volkst.) 688. 
VREISE swm. 1 Psalm: seelig 
ist der man — der in dem 
stule der freisen nut ensas 
XV sec. hs. Solothurn. Stifts- 
bibl. Die Schweizer Bibel hat 
„ Spotvögel ". . 

w 

WACHTAUGEN der Gemein (Leh- 
rer) D 234. 

Wächter: clas übrig blaß der 

Wächter ist ein Straßburgisches 
Sprichwort, wann man etwas 
Geheimes sich schähmet oder 
sich sonst nicht trauet zu 
sagen. Fancratz 134. 

WAG: das kind war von der 
Hammerschmitten biß an der 
Edlen von Reynach Wag vnd 
Wasser hinabgefahren. STheo- 
bald 108. 

WALMDACH: an dem einen Haus 
dem Gibel gegen dem Süd- 
wind ein Wtümtach zu machen 

— in dem andern Haus 
gleichfahls ein Wtümtach zu 
machen und die ganze Bigel 



203 



Mach zu mauern. SippL Rech- 
nungen 17 Jhd. 

WALZLIGKEIT: Chrysippus hat 
die Erweckung der Natur Gott 
im Himmel gelassen, auf Art 
vnd Weiß, wie mit einem Gy- 
linder oder Wahlholtz, zwar 
von seiner eigenen Natur und 
Ort die WcUtzliglceit nicht hat 
usw. D 523. 

WABMA£SZIG adj, erheblicher 
wahrwefitger Argwohn. Ritus 
eccl. August. Episc. Diling. 
1580 S 347. 

WÄSCHER: Jakobus Andrea, 
welcher sogar auch bey dem 
Churfürsten verhaßt war — 
er wolte vier Tonnen Golds 
. drum geben , daß er diesen 
Schwäbischen Wäscher vnd 
Hanß in allen Gassen in sein 
Land beruffen. D 48. 

WAUWAU: mit solchen Schmäh- 
len einen Wau Wau machen 
97 sih gestreute Brüche, 

WEBUNG f. Vom Anbrennen des 
Holzes auf Glut: geschieht 
durch Anhauchen, Wind und 
Wetmng D 430. 

WEISAT /*. Abgabe: driu weysat^ 
oft. N git driu weysat — und 
ist in dem pawding ledig usw. 
Ba 19a u. ff. 

WEISZLOS adj. mein Sohn, 
erbarme dich vber dein ver- 
achtete und weißlose Mutter, 
ßlüender W. 

WEKHOLDER : gewiß ist, daß in 
dem Eschinen Holz und Faul- 
baum, Holder und Wekholder 
große Heimlichkeiten und Kraft 
verborgen, so man doch wenig 
achtet. Gufer, Vorrede. 

WENDENSCHIMPF: weil du ein 
reicher Wendenschimpf bist, 
so siebet die ganze Gesellschaft 



lieber deinen Rücken als dein 
Angesicht Ob 42. Ein solcher 
Wendenschimpf wie er , ist 
nirgend angenehm 20. 

WENIGLE, ein, aliquantulum D 
10. 

WESTEREEICHER SCHEIBE 

sarapt dem Bley einsetzen, 
Glaser 9 b. 

WETRIBEL: Und so der Vatter 
das kindt in das Hauß nimpt 
vnd sich eelich verheyrat, so 
muß es allen andern zu Füßen 
ligen, ain Weefribel vnd von 
meniglich veracht sein. Bb. 

WETL'ERSCHEIDT: von einem 
W. zu beschlagen. 07 a. 

WILDER MANN : dasselbe ist mir 
so wenig warhaftig gegenwär- 
tig, als ein wilder Mann in 
der neuen Welt. D 577. 

WILDFLÜGEL , WILDFÄNGE 
in Schliengen zugelaufene 
Leute „dar komen lüte^ ex- 
tranei, qui nee cives nee incolae 
aut confoederati, sowie Bastar- 
ten, Leibeigene und Wild- 
flügel 1509 Mone Zt. 17, 114. 

WIMPERN swv. Der Frühstern 
wimpert schon herauf | Und 
purpert Wolkenrände. Schallers 
Ged. I 35. 

WINDELLAD neben gefürnißte 
Bethlad mit dem Himmel 
(Schreinerordnung) 011b. 

WINDSGWOHTEN neben GÄH- 
WINDEN in Ertingen: Schnee- 
wäheten, Schneewände. 

WINTELN oder Wanzen. Gufer 
140. 

WIPPE : den 27 Mai ist zu Frey- 
burg auf dem Münsterplatz 
neben dem Kaufhaus ein Gal- 
gen neben einer Wippen und 
Esel aufgericht worden. Mal- 
linger 182. 



204 



WISENGRILLEN als Heilmittel, 
neben Esel (Asseln), füre Har- 
nen. Gufer 102. 

WOCHNER: ein ieglicher woch- 
ner, der die wochen verswizt 
git ierclichen usw.Ba 22 b; dem 
Wochner zu Pettems, oft. 

WOLKENHUND pflegen allhier 
die muthwillige Schiffleute und 
Fischer einander zu nennen 
und zu schelten : £r aber selbst 
ächzt und seufzt so lange, 
wo man die Fische verkauft, 
biß ihm ein Wolkenhund aus 
Barmherzigkeit eine Rottel 
oder ein Bresem zuwirft. Pan- 
kratz 64. 

WORTRUHR f, Gottes Wort for- 
dere ich, kein vergebene Wort- 
rühr, ohn ümbschweif vnd 
Circulfechten. D 465. 

WUNDSTREICH m. als Maria 
den Heiland geheftet sah, die 
Wundstraich zue Gemütt führte. 
Bittend. W. 

WÜRFEL: Diese Person ist falsch 
wie ein Würffei ^ hüte dich 
vor ihr Ob 31. Falsch, betrogen 
wie ein Würffei 47. 

WURMOSELE n. Ameise. Aul- 
fingen, Hegau. 6: (altes) ä. 



ZAPFEN w. wenn der Zapfen 
geschoßen neben Geschwär des 
Mundes usw. Vor das Zapfen- 
schiessen thue ein wenig saffran 
in deinen Urin usw. Recept- 
heft 17 sec. 

Z AMSELN swv. neben zeichlen, 
zeislen, schmeichelnd anlocken, 
besonders die Hunde. Untere 
Argen. Zamserlen , Mittl. 
Neckar. 

ZAN: daß ich so gemeine und 



geringe Arzneyen beschreibe 
und zwar in unserer Tentschen 
Muttersprach den gemeinen 
Leuten an die Zahn gleichsam 
streiche» Gufer Vorrede. Beim 
Ausfall eines Zanes wirft man 
in hinter sich und sagt: sih 
Maus, do hoscht 'n Zan, gib 
mir 'n andera dran; oder Wolf, 
Wolf — nur koan Biber zan. 
Beim Ausfalle der Vorderzäne 
heißt es in Ertingen: hast 
einem alten Weib 's Pelzle 
gsalbet. Der Biberjsan = 
Üeberzan, oder Wackehan? 
zu bibern? 

ZAUBERBALSAM von schwer rie- 
chenden Olitäten compouirt 
und in Würtembergischen Apo- 
theken wolbekanntes Leniment 
ist. Ehrhart 47 a. 

ZAUNSTECKEN: ein Zahnpulver 
— welches die Zahn, so bloß 
wie ein ZaunstecJten ohne Grund 
dastehen — wieder vest wach- 
sen. Gufer 7. 

ZEICHEN BLECHENE: gewisse 
blechene Zeichen mit dem An- 
fangs - Buchstaben der Herr- 
schaft (den wirklich Armen) 
zur Erkantnuß zugetheilt : 
Nach deren Abscheid musten 
sie der Obrigkeit wieder ein- 
geliefert werden. Hochfürstl. 
Fürstenb. Bettel 1777. 

ZEILE f. Reihe : Item, ein großer 
Saal ist mit 54756 Quader- 
Steinen durchaus ins Gevierdte 
gepflastert, ist die Frag, wie- 
viel deren in einer Linie oder 
Zeilen seynd. L.. 

ZELGFRÜCHTE: Allmanden, 
Walde, Felder und Zelgfrüch- 
ten. Calw. Urkd. 1517. 

ZERBORSTUNG: bei wirklichen 
Zerborstungen der Erdrinde 
versinken oft ganze Städte usw. 



205 



H Sander S 163 (2 Tl); ent- 
zweigehorstet 247. 

ZEEFÄLLUNG: Andertens, in der 
ZerfcUlung oder Zerstreuung 
der Zahlen, wann nemlichen 
ungerade Zahlen, als da sind : 
11. 13. 17. 19 etc. vorhanden 
seynd, so müssen solche zer- 
fällt oder zerstreuet werden, 
wie in folgenden Exempeln 
klärer zu ersehen seyn wird. L. 

ZEBENELLEN Osianders Glosse 
zu Ruth 2: Die Ruth hat nicht 
auff zween Tag gessen , daß 
ihr der Bauch het mögen eer- 
hnellen, Luth. Katzenkrieg 421. 

ZEEMÖRSCHELN swv. von einem 
Kinde, das in die Mülstein- 
zarge fiel : nit allein zertruckt 
vnd zermörscMet. S Theobald 
100. 

ZIETERSTANQ am Pfluge: ein 
Zieterstangen Bing sampt dem 
blech; zwey Blech an die 
Zieterstang, sampt Hälßling. 
6b. 

ZIGEUNEßLOCH, ein Gefängnis 
im Königseggischen Schlosse 
in Aulendorf. A. 1717: zur 
StrafiP wegen Raufiens solle er 
bis Abendts im Zügeunerloch 
abbüßen. Datiert von 1710 
her, da im Verließe dort eine 
Zig. Bande eingesperrt war. 
Verhörsprotok. 

ZIMP adj» Für euch, ihr eimpen 
Basen! Erzäl ich, wie sie ihn 
genekt. Schaller Ged. I 221. 

ZINSELN: diesen Tagwirstu was 
kostbares finden und darüber 
vor Freuden ins Hemd ßinseln. 
Ob 32. 

ZUBUSZE/1 beim Rebbau: sollen 
dabey alle Zubußen an Früch- 
ten und Wein gänzlich abge- 



stelt und verbotten seyn. 01a. 

ZUSAMMENDÜPFEN Stov, welche 
dann (Bürger und Gipelliner) 
umb den Pallast sambt ihren 
Fürsten zu überfallen und auf- 
zureiben eylfertig zusammenr 
dupfen, Neuburger Jesuiten- 
schüler Drama 1675: Ugolinus 
und seine drei Söne. 

ZUSCHLAG: ein Nuß- Blatt über 
die geschoßne Wunden gelegt, 
löschet die Hitz vom Pulver 
und den Zuschlag Gufer 156. 
Dann solche (Dinten) den Zu- 
schlag und die Blattern ver- 
hütet 174. Wehret er dem 
Zuschlag der Fontanellen 186. 

ZUSCHLAGEN stv. zu solcher 
trübselighaithat auch die große 
Armut zugeschlagen. Blüen- 
der W. 

ZWAZELN suw. Da zwazlet unser 
Antvogel mächtig und darf mit 
dem Gesang nit heraus. Eisen- 
huet 1703 S 141. 

ZWEIEN, ZWAIEN, skh: soruet 
es nymer in grünen zwey und 
zwayet sich nimer. cgm. 763 
f. 135. 

ZWEIFELSSTRICK heißt im 
Grund die 3 jn einander ver- 
schlungenen Brezeln änliche 
Figur, in Stein gehauen, an der 
St Johanneskirche in Gmünd. 
Man will das Warzeichen mit 
jener Eheringverlustmäre der 
Herzogin Agnes, Friedrichs von 
Staufen Gemahlin, in Verbin- 
dung bringen. Vogt, Schwäbi« 
sehe Alb 66. Alem. X 216. 

ZWINGE f. Eisen- oder Metall 
oder überhaupt ein Reif um 
ein Hefb abzubinden. Stock" 
zufingCy Messerzwmge, Boden- 
see. 



206 



BUND MAUS : stellet durch ein 
bekanntes Spill, Blindtmaus 
genannt, vor Augen, in was 
grose Schand, Schad und 6e- 
fahrligkeit ein Seel usw. Eon- 
stanzer Jesuiten - Schuldrama 
1681: HimmHsche NothilfiF in 
Grausamber Todtsgefahr er- 
wiesen usw. 

EINHEFTUNG f. Der du zur 
Einheftung an dem Creuz bist 
außgespannt worden. Blüen- 
der W. 

GLIZEN swv. glänzen, echt alem. 
Bei Th. Paracelsus 3. 16: als 
woltens im Schacht ziehen oder 
in dem Brett spilen ; die Far- 
ben waren gut und das Büchß- 
lein hüpsch glitzend (blank), 
wie aber die Kraft darinnen 
sei, laß ich stehen. 

KAISERTHEE: die aber (Blätter) 
zuerst auBwachsen — werden 



hier vor das delicatest oder 
Kaiserthee gehalten. Ehrhart 
123 a. 

ROGEN ZIEHEN: andere ließen 
sich einfinden, bey dißem Hoff- 
lust auch einen Bogen zu 
ziechen. Oonstanzer Jesuiten- 
Drama 1691 : Yirtus Ohristiana. 
Mindelheimer Spil 1694 Gon- 
stantia Ohristiana. 

VORGETÖSE», heißt eine Stelle 
der Rench hinter Lautenbacb, 
wo es auch beim gewönlichen 
Wasserstande schäumt; das 
Wasser bricht sich in einem 
ausgespülten Granitbette. Vgl. 
J Zentner 8. 

WUNDER in compos. bei Goe- 
belius 8. 12. 45 usw. Hausw. 
Kirchenw, , Kriegsw. (oft), 
Meerw. (Gustav Adolf), Regi-- 
mentsw., Schulw,^ Statttv. 
ABIRLINGER 



ALTE STRASZBÜRGER INSCHRIFT 



ImWunderhorn, alte Auflage, stet der Titel Erlösung^ unsere 
Ausgabe I 444 seete ,jAlte Straßhurger Inschrift/^ Das Original 
scheint folgendes zu sein : 

Dan in Wirtemberg kan man ihnen noch die Stund diß Ge- 
mälde zeigen: Unten stehet ein armer Sünder, der wendet sich zu 
der Maria und redet sie an, mit diesem Gebet: Te rogo, virgo 
Pia nunc me defende Maria. Ich ruff dich an o Jungfraw fromb 
vertritt du mich bey deinem Sohnl Maria redet auf der andern 
Seiten ihren Sohn mit entblösten Brüsten mit diesen Worten an : 
Haec quia suxisti, Fili, veniam precor isti. Durch diese Brüste, 
die du gesogen, Bitt ich, o Sohn, sey ihm gewogen! zeigt mit den 
Fingern an den Armen Sünder. Auf der andern Seiten stehet 
Christus, der zeigt seinem himmlischen Vatter seine Wunden mit 
diesen Worten : Vulnera cerne pater, fac, quod rogitat mea mater^ 
Schaw Vatter diese Wunden an, Ynd thue was mein Mutter wil 
hau. Der Vatter antwortet : quaeque petita dabo, Fili, tibi nulla 
negabo. Alles thue, was sie begehrt. 

Aus Conrad Bieterichs Predigten über das Buch der Weis^ 
heU Salomonis (Ulm) II 552, der sich auf D Thumm, Scultet. 
Iconoclasie ihes. 17 p. 11 beruft. ABIRLINGER 



207 



liACHRYMAE SUEUICO - GERMANAE , GER- 

MANO-SÜEÜICAE 

1 Heu Martis alea, 

So man die fach beym licht befieht, 

longe miserrima: 

Dum uincimus occambimus, 

der fig ist vnfer Hindernuß 

et laeya tefsera. 

2 Toto qninquennio 

gehen alle fachen vnder ßch 

furore bellico. 

Nee vnicum tugurinm, 

will fchweigen ein gantz farstenthumb 

cedit Imperio. 

3 Si recte cenfeas, 

nichtß bat daß lange kriegen gmacht 

alß arme Viduas. 

I Sueuiae per angulos, 

fo findt man nichtß dan Orphanos 

aedesque yacuas. 

4 Fides praetenditar, 

irt aber lauter äffen fpill, 

moneta quaeritar. 

Gui labor est faijbidio, 

der flikt sich beim foldaten zu 

fnrtisque deditur. 

5 In vnferem refir 
mactare praedas agere 
geht alleß inß quatir. 
Qui clepit apte pecora 
vocatur is (o tempora) 
der beste Gavallier. 

6 Ach wehe der wahren klagl 
Hibema dorant aspera 

biß auf St Jacobßtag, 
ac dum cohortes abeunt 
uix hoste uifo redeunt 
ohn alle niderlag. 



208 

7 Haec est militia, 

man last den bauren zäker gähn, 

falcare gramina. 

Vix mefsis intrat horrea, 

bald ist die Soldatesca da 

noratque tritica. 

8 Der caut^ rebelliert, 
fi modo sit politicns, 
wirdt lante pardoniert. 

Werß mit dem Commifsari kan 
vnd glaubet glich dem Alcoran, 
bleibt ohn-getribuliert. 

9 Diß arme Vatterland 
suis proditionibus 
gesturtz inß Sueden handt ! 
Nummis hyberna redimunt, 

fo muß dan entlieh gehn zu grnnd 
der ghorfam Ritterstand. 

10 Die difeß feur angftekt, 
morigeros se simulant, 

thun doch waß ihnen gmekt: 
Jurant cnm fraude Gaefari, 
doch wartenß auf den landerly, 
fo wirdt der fchalk bedekt. 

11 Waß kan doch erbarß fein? 
Suecus lanam totonderat, 

ietz schind man ynß aafß bein. 

Mulcetnr insolentia, 

pnnitur innocentia. 

Wie reimbt eß fich fo fein! 

12 Vorzeiten lit der feindt 
subactus armis, hodie 

waß leiden muß der frundt! 
Ficta sub amicitia 
perpetimur hostilia, 
heift doch alß wollgemeint. 

13 Hac bellj methodo 

[wird] weder frid noch einigkeit, 
perit Religio. 

Freybeuten ist ein heldenthat: 
Quod vi praedator occapat, 
lobt man in folio. 



209 

14 Pater familias, 

wo wein vnd brot nit hauffig ift, 
fert piagas asperas. 
Dem krieger auf der berenbaut 
nit fcbmeken will der fanrekraut, 
ambit succidias. 

15 Ni sit negotium, 

fo znnt er fchewr vnd haufer an, 
sie fallit otiam : 
fenestris et fornacibns 
inferre bella fustibus 
censet heroicum. 

16 Waß groffen vbermnoth 
creent in obsonia, 
niemall halt er verguet; 
Ni dederiB delicias, 

die fpeiße, fampt wer eß ein Aaß, 
mit fueffen tretten thuet. 

17 Gott fey im Himmell klagt, 
iam lippis et tonforibas 
man oft Ihr Gnaden fagt. 
Praemuntur honestissimiy 
leuantur obfcaenissimi, 

wnrd nicht nach Ehren gfragt. 

18 Wie mancher Leutenandt 
vix ante Quadrienniom 
war wenig vnbekant. 
Nunc panno folget anglico, 

manch Edelß blut ligt auf dem Stro, 
Sein Burghauß ist verbrant. 

19 Glaub mir, ein fchererknecht 
pro colonello militat, 

ich hab mit ihm gezecht: 

Is fulcina malluuio 

difco tumet argenteo, 

daß zinn ift im zu fchlecht. ^ 

20 Nur anß vergalt pocal 
credentzet er den heften Wein 
gleich feinem General : 

Auro nitebat abacus, 

von gfchleck war aller vberfluß 

im fch. den . . den faal. 

Birlinger, Alemannia XI 3 ^4 



210 

21 AUeß gieng doch wobl hin, 
si strenae rem gerereDt, 
wir hieltenß für ein gwin; 
sed hyeme quod potitent, 
aestate qnod nil factitent, 
daß will mir nit zu Sinn. 

22 Nun ist kein biderman 
prae Inpis his rapacibns 
mehr Ticher auf dem landt. 
Num Sacra nnm forensia 
sint quae leguntur spolia, 
ligt ihnen wenig dran. 

23 Wer fich beklagen tbnt, 
expertus hoc praenuntio, 
kriegt erst ein newe rnth. 
Spem annj miles eripit: 
der Corporal den fak znstrikt, 
thuen beid gar feiten gut. 

24 Et quid atrocius 
kundt doch begehn der Tarterhan 
quam qnod nunc Ferimus? 
Quae non glutiuit belluo, 
saeuo cremat incendio 
vnd fenktß in einen flußl 

25 Eombt er inß reichen hauß, 
grassatur et luxuriat, 
jagt iederman hinauß. 
Nach aufgezert^n hab ynd gut 
ftofb er aus lauter ybermuth 
dem faß den boden auß. 

26 Der fürt daß Regiment, 
laborat omni studio, 
daß fich der krieg nit endt: 
nam praelia si desinant, 
weiß mancher ftoltzer Gommendant 
nit wo er zfreffen findt. 

27 Diß merkt der Lanterly 
fugitque ferrum cernere, ' 
braucht lauter Cadesi. | 
Dum nos amicj militis 

haurimur intemperijs, 
fpilt er fein pollicj. 



211 

28 Eß gilt ibm eben glich, 
qnibus eneruet artibns 
daß H. Romifch Reich. 
Huc eiuB arma nigilant, 

daß er dem wertben Scbwabenlandt 
biß auf die ha . . den fchlich. 

29 Den Rein hat er fchon in: 
quem nero dabis Herculem, 
der felben wider gwinn? 
Seposito miracnlo 

tractu super Alsatico 
ift all mein bofiFnung hin. 

30 Quid ergo superest? 

Wan wir ganiz außgefogen find, 

da fitzt er vnß inß Nest. 

Nam spoliatos uincere 

non est opus difficile: 

So gibt man vnß den rest. 

31 Ach daß die propbecy 
uana fnisset peruelim, 
durchanß verlogen sey. 

Daß findt ich nit, wie Sueuia, 
dum durat haec tragoedia, 
könte verbleiben frey. 

32 magni Caelites 

et Praesules Gerraaniae 

sehet an vnß Exules ! 

Fax reuirefcat insgemein, 

last forthin nit mehr meister fein 

dife Eumenides. 

Getrnckt anno 1640. In einer Hs. des ausgehenden ITJarh. 
ans der Schweiz (im Besize Birlingers). WCRECELIUS 



FLIEGENDE BLÄTTER AUS DEM 30 JÄRIGEN 

KRIEGE 

I Der Soldaten Segen 

Der Soldat spricht den Predicanten freundtlich an, und spricht: 

1 Gott grftß euch, lieber Domine, 

wie thuet euch das Reyteo so wehe: 
Gott sey mit euch, das Pferdt mit mir: 
so reyte ich und gehet ihr. 



1 



212 

2 Lieber Herr Domine, steigt ab, 
damit ich auch zu reyten hab. 
Gebt mir den Beutel auch darzn, 
so habt ihr von mir frid und ruhe. 

Der Predicant sagt: 

3 Mein Freundt, ich bin ein Geistlich Mann, 
und hab euch nie kein Leyd gethan, 
darzu so bin ich auch befreyt, 

daß mich nit sollen solche Leuth 

4 Antasten, ist auch euch kein Ehr, 
weil es verbotten Gott der Herr, 
wer antastet ein Geistlichen Mann, 
der tastet Gottes AugapfiFel an. 

Der Soldat spricht: 

5 Herr, wie köndt ihr Geistlich sein? 
Ein Geistlicher reyt zu Fuß herein, 
ja wann ihr auff eim Esel ritt, 

so ließ man euch dest ehe mit frid. 

6 Wer (wäre) Christus auff eim Pf erdt geritten, 
hettens die Phariseer nit glitten, 

ihr sagt ir thut mir gar kein leyd, 
darauff gib ich euch disen bscheyd: 

7 Ihr bettet gar ofiPt wider mich 
und all Soldaten embsigklich, 
und sprecht Da pacem Domine, 

das thuet uns in dem Hertzen wehe. 

8 Solt ihr von Gott den Frid erwerben, 
müst mancher Soldat hungers sterben. 
Daß ihr wolt aber in Freyheit leben, 
und niemand nichts von ewrem geben : 

9 Darzu spricht Christus lauter nein, 
wie auch alle Apostel sein: 

Gebt dem Heiser zu ieder frist, 
was sein, und Gott was Gottes ist. 

10 Wer auch dem geringsten gibet was, 

der leyhet Gott auff Wuecher daß (das); 
werdt ihr nun ewr Pferdt geben mir, 
so gibt euch Gott wol zwey dafür. 



213 

11 Gottes Augapffel tast ich nicht an, 
weil ihr kein recht Geistlicher Mann. 

Der Predicant: 

£y lieber, laß mich reyten fort, 

gehe hin mit frid, brauch nit vil wort. 

12 Dann ich kein Bibel hab bey mir, 
daß ich drauß mit euch disputier, 

thöt ihr mir gwalt, wirdt Gott der Herr 
am jüngsten Tag mich rechen schwer. 

Der Soldat: 

13 Herr Domine, wolt ihr dann borgen 
zum jüngsten Tag, so seyt ohn sorgen, 
ich will alsdann euch zahlen fein, 
wann wir änderst beysamen sein. 

14 Kombt ihr aber in d'Höll hinein, 
und ich werd drobn im Himmel sein, 
oder ich in d'HöU, und ihr in Himmel, 
so gib ich nichtz fiir ewren Schimmel. 

15 Drumb laßt mir folgen letzt ewr Pferdt, 
auff borg wie ichs in gütn begert, 
sonst gib ich euch meins Pulvers ein, 
das wirdt ewrn Magn purgieren fein. 

16 Will euch mit meiner salben schmieren, 
daß ihr forthin nit dör£Pt studieren, 
ein Pillulein zwey oder drey 

die sollen ewren Beutel frey 

17 Der Geltsucht gar bald helffen ab, 
daß ich vom Lohn zu zöhren hab. 
Ein kleines Röhr lein zum Clistieren 
hab ich damit euch zu curieren. 

18 Au£P daß ihr nit dörfft tragen schwer, 
so gebt ewren Rock und Mantel her, 
greiff zu. Jung, halt das Schimmelein, 
biß ich mit ihm werd fertig sein. 



214 

Der Predicant: 

19 Seindt das guet Wort, so hols der Teuffei. 

Der Soldat: 

and euch darzn ohn allen Zweifel. 
Jung, reyt du forth in Wald hinein, 
da will ich gar bald bey dir sein. 

Der Predicant: 

20 webe, o wehe, der großen noth! 

Soldat : 

Schreyet nit, ich schlag euch nicht zu todt. 
Leibs und Lebens ihr gsichert seyt, 
kein böß Wort höret ihr von mir heut. 

21 Ich brauch guet Wort, die große Erafft 
bahn durch meins Segens Eygenschafft. 

Der Predicant: 

Verflucht seynd solche Wort und Segen, 
wann einer förchten muß den Degen. 

22 Pferdt, Gelt und Eleidt dahinden lassen. 

Soldat: 

Glück zu, ich reyt ein andere Straßen; 
kommen wir ein andermal wider zsamen, 
segn ich euch wider in Gottes Namen. 

Der Predicant: 

23 Strick zu, du loser Galgendieb! 

Soldat: 

Hett ihr mehr Gelts, das wer (wäre) mir lieb, 
ich wolt euch alles nach der pauß 
durch meinen segen treiben auß. 

24 Dann ich ein Apotecker bin, 
hülff manchen durch mein Medicin, 
will man die Haut behalten gantz, 
so folg er meiner Ordinantz, 



215 

25 Mein guten worten, threwer Lehr, 
drumb geht letzt heim, mein lieber Herr, 
geht hin in Nomine Domini, 

und beichtets keinem Homini. 

26 Sonst werdet ihr nur außgelacht, 
winsch euch hiemit ein guete Nacht. 

Predicant : 

Zieh du in nomine aller Diabl, 
die holn dich auff der Hexengabi 

27 Mit Leib und Seel, du Dieb du Schelm. 

Soldat : 

Wer waist, was ihr führt inn dem Helm. 
Ha, ha, ich mueß ietzt ewrer lachen, 
daß ihr mich wollet zornig machen. 

28 Ade, gebt heim, Herr bene vale 

Predicant : 

und du dein Halß bald abfalle, 

du Räuber, Mörder, du loser Tropff, 

du Schelm du Dieb und rechter Maußkopff. 

29 Dises Liedlein gesungen hat 
ein Predicant und auch Soldat, 

dem Predicanten ist nit wol gelungen, 

der Soldat ist mit dem Schimmel endtrunnen. 

Ein schönes newes Lied. Der Soldaten Segen genandt. Ist 
ein Geschieht, so sich kürtzlich bey Kempten zwischen einem Pre- 
dicanten vnd einem versuchten Soldaten begeben vnnd zugetragen, 
In deme bemelter Soldat, dem Predicanten ohne Schwerdtstreich, 
Mordt, vnnd Bluetvergießen, ohne schlagen, fluchen oder schweren, 
sondern allein mit gueten Worten, sein Pferdt, Gelt vnd Kleider 
angesprochen vnd abgebeutet. 

Im Thon: Woher kombt mir doch dise Zeit, etc. Gedruckt 
in disem wehrenden 1634. Jahn 4 Bl. 8^. 



216 



II Beste Schildwacht der katholischen Kirche 

1 Selige Muetter voll gnaden und GAter, 

glorwördigiste Matrona, 

bitt für uns Maria. 
Wir wollen dich grüßen, die hertzen auffschließen '), 
wollest gnädig anhören, was unser begehren. 

Bitt für uns Maria, 

bitt für uns Maria. 

2 Die gifftige Schlangen hat wider angfangen 

groß Jammer und Elend, Leib und Seel betreffendt^), 
wil alles umbkehren, und noch nit auffhören. 

3 Diß bitten wir alle mit disem Fußfalle, 

hilff uns im streiten, ietzund^) zu alln zelten, 

mach daß wir^*) d'Feind dempffen, und ritterlich kempffen. 

4 Als Pharao wütet, Gott Israel bhütet, 

alle Wägen versuncken, viel Reuter ertrnncken, 
Israel^) hat gsungen, weil Moyses gewunnen. 

5 Der Königin Bester biet Abasverus den Scepter, 
erhalt ihren Namen und Abrahams Stammen, 
am liechten Galgen muest Aman erhangen. 

6 Die Wittib Judith mit ihrem Zutrit«) 

hat d'Statt'') beschützet, Holofernum gestürtzet®), 
ihm sein Haupt abgschlagen, in d'Statt^) getragen. 

7 Da Solymus lebte, nach Christen^*) bluet strebte, 
Bapst Pius der fün£fte dein hülff anrüifte, 
drauff Schiff versuncken, viel Türeken ertruncken. 

8 Die Böheimi sehen Rebellen ^^) ein Krieg anstellen, 
ein König sie erwöhlen, doch thets ihnen fehlen, 

der Pfaltzgraf must fliehen, zu den Lucernern ziehen ^^). 

9 Die Jägerndorffer ^^) und Manßfeld mit *^) Gabor ruckten ins 

Feld, 
drauff folgten noch^^) starcker die Dennemärcker, 
du, Muetter, thetst retten, hasts alle zertretten ^'^ ). 

10 Was gspunnen Fürst Anhalt an der Rebellen gewalt, 
Graf Thurns tentiem und List experiren, 
Gott last uns anfechten, steht ^^) doch bey dem Gerechten. 



217 

11 Der Graf von Durlach kriegt ohn alle ursach, 
man hat ihm recht gschoren, das er alles verloren, 
der General Tylli thet die Feind stillen*"^). 

12 Deßgleichen stoltzierte der Graf von Halberstätte '^), 
hat sein Hand verloren, ist unsinnig worden, 
wird*®) zweymal geschlagen, muß*®) also verzagen. 

13 Vil Bawren vor zeiten seynd hliben im streiten, 

darauff Sachß und Hessen ^^) uns**) Christen gantz fressen, 
bald thet man beed fangen, ein End hat ihr prangen. 

14 Der König auß Schweden wolt Eayser gar werden, 
doch ehe ers genossen*^), wird**) er erschossen — 
Gott wird*^) ihn auch straffen — durch unsere Waffen. 

15 Noch seindt viel vorhanden**) in unseren Landen, 
die uns feindlich obligen, sihe*^) daß wir obsigen, 
den übrigen Hauffen mach (mag) hindersich lauffen. 

16 Die listige Schwetzer, halßstärrige Ketzer, 
wollest also bestreiten, und gäntzlich anßrenten, 
zerknirschen die Schlangen, die also thet prangen. 

17 All grosse Tyrannen, mit Scepter und Fahnen, 
uns under den fußen, uns ietzt unden ligen müßen, 
sein all gestorben und ewig verdorben. 

18 siegreichiste *'') Vestung, mit allerley Rüstung, 
mit Sternen gezierte, und wol polierte, 

laß uns doch genießen, thue niemand außschließen ^^). 

19 glantzende Sonne, holdseliger Mone, 

du Zuflucht der Sünder, wir bitten als Kinder, 
wollest uns bewahren vor allerley gfahren*®). 

20 sichere Porten, in allerley Orthen, 
gib uns die Victori und ewige Glory, 
hilff uns erwehren, dise bitt gewehren. 

21 Nimb hin das tristare, gib uns das letare, 
auff daß wir dich loben im Himmelreich oben, 
mit dir triumphieren und ewig regieren. 

1) außgießen B 2) Landt, Leuth verderbendt B 3) ietzt 
vnd B 3a) mir A 4) Maria B 5) Die K H biet Ahasvero A Der K H 
biet Assuerus B 6) mit Fasten und Fürbitt B 7) jhr Statt B 8) be- 
stürtzetB 9) auffd'StattmawrB 9 a) Christina A 10) Die Böhmischen 



218 

rebellten Newen Krieg anstellten B (wo es Str. 9 ist). 11) Den 
kürtzeren ziehen B 12) Jägerndorff B (wo es Str 8 ist). 13)Vnd 
B 14)vilB 15) Du Maetter thetst bitten, daß all haben glitten ß 
Du o Mutter zertretten A 16) steht feit in A 17) B zieht Str 
10 und 11 in eine zusammen: 

Was gspunnen Fürst Anhalt, Gra£P Thurn mit seim Gwalt, 
Vnd Marggra£P von Turlach, Bekriegten vns ohn Vrsaoh. 
Gott last uns anfechten, steht doch bey dem Gerechten. 

18) der von Halberstatte B 19) Wurd — mustB 20) drauffvolg- 
ten Sachs, Hessen B 21) Wolten B 22) genossen B gewesen A 
23) wurd B 24) wolt B 25) verbanden B 26) Sich B 
27) sichere B 28) statt der 2 lezten Zeilen folgen in B die 2 
lezten von 19 „Du Zueflucht d. S. w. b. a. K., du wöllst nsw," 
29) Als lezte Zeilen folgen die von Str 20: „Erlang vns Victori 
Vnd ewige Glory, Hülff vnser Frewd mehren, Diser bitt thue vns 
gewehren.'' Infolge dessen feit Str 20. 

In B folgen auf Str 14 noch folgende, die hier als 14 zälen: 

14 Hat Fridland nit wollen 
Mit seinen Gesellen 
Sgantz Reich devastiern 
Und selber regieren? 
Haben nichts erworben, 
Als eilend gestorben. 

15 Alle Lust und Figmenten, 
Betrug und Tradimenten 
Haben nit lang gewehret, 
Graff Kratz mir es bstetet, 
Mit ihm hört au£P prangen. 
Hörn FeldMarschalck gfangeu. 

16 Was hil£Pts die Rebellanten, 
Die in Bayren also prangten. 
Dem Kayser sie nachtrachten 
Und ihm ein Grueb machten, 
Darein sie selbs gloffen, 
Dein Fürbitt hat gholffen. 

17 Wann ich solte fragen 

Das gantze Land Schwaben, 
Wo die jenigen Tyrannen, 
Die also mit ihm umbgangen, 
Ward es mir sagen, 
Seynd maisttheils erschlagen. 



219 

18 Bey dem ists nit bliben, 
Vil Geistlicbe vertriben, 
Die sie grausam tribnlierten, 
Vil mit ihnen führten, 

So wol zu behertzen, 

Doch last Gott mit nit schertzen. 

19 Auff Gott wir verthrawen, 
Und dein Fürbitt pawen, 
Drumb kans uns nit fahlen, 
Wann noch sovil wären, 
Die wider uns anfangen,' 
Werden doch nichts erlangen. 

20 Statt Gostantz thuts bezeugen, 
Überlingen wills nit leugnen, 
Dein Fürbitt die sie gmercket, 
Gott hat sie gstercket, 
Deßgleichen Villingen, 

Die der Feindt nit kundt bezwingen. 

21 Vil dein Hilff bekennen, 
Die ich all nit kan nennen, 
Bekennen deßgleichen, 

Die von dir abweichen. 
Daß all ihr Yertrawen 
In Lu£Pt sey gepawen. 

Hierauf folgt Str 15 als 22, Str 16 und 17 feien, und 18—20 
sind in 2 zusammengezogen (als 23 und 24). Die Schlußstr. ist 
also in B 26. 

A: Beste Schiidtwacht der H Catholischen Kirchen, zu trost 
allen betrübten Hertzen, in kurtze Reimen verfaßt, oder zu singen. 
Im Thon: Ah limen optatum (Holzschnit: Maria mit dem Kinde). 
Getruckt Im Jahr, 1635. 4 Bl in 8^. Den Typen nach könnte es 
in Innsbruck bei Johann Gächen erschienen sein. 

B: Zway schiene newe Lieder, Zu vnser Lieben Frawen, in 
Betrübten: vnd Kriegszeiten, von Geistlich vnd Weltlichen gantz 
trostreich zusingen. Das erste, Im Thon: Ah limen optatum, da 
mihi virtutum contra hostes tuos. Das ander: Wie das von 
S Oatharina. (Holzschnit). Gedruckt im Jahr 1636. 8 Bl in 8^. 

Aus B teilt Wackernagel das deutsche Kirchenlied Y S 1336 
Str 1. 2. 12. 13. 19 und 20 mit, sowie das zweite Lied auf 
S 1335. 



220 

In A folgt auf die erste Langzeile Iq jeder Str abwechselnd: 

Glorwürdigiste Matrona, 
bitt für uns Maria 
oder 

Sigreicbiste Patrona, 
streit für ans Maria. 

In den Strofen, die erstere Zeilen haben, stet am Schlaße 
Bitt für uns Maria, bitt für ans Maria; 
in den lezteren 

Streit für ans Maria, streit für uns Maria. 

In B stehen die ersteren Zeilen nicht mit der regelmäßigen 
Abwechselung wie in A, der Schluß lautet: 

Bitt für uns, bitt für uns, 
Bitt für uns, bitt für uns, 
Bitt für uns Maria. 



oder in gleicher Weise: Streit für uns etc. 



WCRECELIÜS 



mSEEK KEIMKRONIK DES JOHANNES KUETZ 

Auf Anordnung des Abtes Oimar von Irsee schrih Johannes 
Kurtz im Jare 1500 eine gereimte Kronik dises unweit Kauf- 
beuten im haierischen Schwaben gelegenen Klosters. Von disem 
Dichter wißen wir nur, daß er Pfarrer zu Ebersbach (bair, BA 
Oberdorf) war und 1500 eiim Jubeljare gen Born wallfarte. Sein 
Werkchen ist noch in der Originalschrift vorhanden, Biselbe ge- 
hört seit der Aufhebung des Klosters der K Kreisbibliothek m 
Augsburg, Sie ist gut erhalten, von einer Hand geschriben, und 
bestet aus 32 Pergamentblättern in 4®, von denen aber El, 32 
und 31 V leer gebliben sind. Die Handschrift sollte mit Büdern 
geziert werden^ für die Kurtz im Texte jeweils Baum gelaßen hoA. 
Solche Bilder sollen die einzden Aebte, das Kloster Irsee (Bl, 3v 
ist dafür leer gelaßen) und die Stifter vorfüren; aber auch nicht 
eines ist angefertigt worden, ebensowenig die Wappen der Wol- 
täter des Klosters^ für die Kurtz Bl, IIa frei gelaßen hat. Das 
Werkchen hat keinen Titel, dagegen hat eine Hand des 16 Jhdts 
am Bande jeweils auf den Inhalt in kurzen lateinischen Glossen 
hingewisen. Ich habe dieselben jedoch weggelaßen, weil sie für uns 
one Belang sein dürften. Eine Hand des 17 Jhdts bemerkte ai*f 



221 

Bl. la: „Monasterii Vrsinensis^'. Eingebunden ward das Buch- 
lein in Schweinsleder wärend des 17Jhdts, wobei mit demselben 
eine ebenfalls in disem Jhdt entstandene wertlose Gründwngs- 
geschickte des Klosters Irsee verbunden ward, / 

Die Sprache ist hochdeutsch alemannisch; die mit B bezeich- 
neten sprachlichen Anmerkungen sind vom Herausgeber der Zeit- 
schrift. 

[2] Von geburt unsers Herren Jhesu Orist 

Das Kloster 'Urschin angehebt ist 

Ailfhundert zway und achtzig man zait, 

Do regiert Kayser Frydrich mit gwalt. 
5 Do ward von ainem seligen menschen gehört, 

Hainrich genant, der selbig begert 

Ze Yolfieren hie ain ainigs^) leben, 

Das was im der hailig gaist ingeben, 

Aller gathait der eingeber ist. 
10 Br&der Hainrich gieng zu diser fryst 

In ainen grossen wald, Hyberg genannt^). 

Ain wiestin was d6, nit vil bekant. 

Bey ainem brunnen im dicken wald 

Macht im der brader ain htislin bald. 
15 An ynderlaß dienet er d6 gott 

Und hielt gar streng die zehen gebott, 

Fasten, wachen und och sein gebett 

Der brader mit grossem andacht tätt. 

Sein gatter lümbd, der ward gehl^rt, 
20 AUenthalb sein lob fast ward gem6rt. 

Ain rytter was bey disen tagen 

Fast wund und von den fanden gschlagen, 

Conrat hyeß er und was d6 lygen, 

Für tod, er h&tt sich gar verzygen^) 
25 Seins lebens. Za der selbigen stund 

Ward im von got ein gsicht kund, 

Er solt sich in die wiest verhayssen 

Zu brader Hainrich, der wurd rayssen*) 

In sein leben lang gott ze dienen, 
20 Also möcht er sich gott versienen. 

Das verhiess der rytter. Auf die stund 

Ward er an allen wunden gesund. 

Z& brader Hainrich er schnell wz gan 

In die wiestin und was im undertan, 
35 Diser weit was er wydersagen, 

Das crütz Cristi bytz^) in sein tod tragen. 



1) einsam, für sich abgeschiden 2) Eiberg, bair, BAKaufbeuren 
3) aufgegeben, verzichtet 4) veranlaßen 5) echt alem. 



222 



Diflen stat w6ren sfichen vil lytt 
Die za in kamen von ferr und wytt, 
Das macht der brdeder hailigs leben. 
, 40 Hailsammen l&r w6ren sy in geben. 
Wie sy solten die sünd all myden 
Und vil umb gottes namen lyden, 
Den Sünden solten sy wyderstan. 
Etilich w6ren in den orden gan, 

45 [3J Wolten nit sein in der weit verhafft, 
Gselten sich der haiigen braderschafPt. 
Sy wören 6ch ain priester bewegen, 
Das er den orden an was legen. 
Mit grosser gier er in orden kam, 

50 Mengosus^ was des priesters nam, 
Etlich jünger mit im was bringen, 
Die lert er betten und ouch singen. 
Gar vil gelt der priester mit im bracht, 
Das gab er mit grosser andacht 

55 Der klaine schar gottes ze verzeren, 
Ewen^) lang sy damit was neren. 
Süngen und lasen die siben zyt 
In ainer cappel, die was so wyt 
Gebwen Unser frawen ze er 

60 Und sant Kiclas. Gar vil guter 1er 
Und ablaß die lyt d6 empfiengen. 
Die zu inen in cappel giengen. 
Wo ist die cappell hinkommen? 
Die stain, die wurden hingenommen^) 

65 An sant Niclas capell gen 'Urschin gfiert. 
Noch hüt by tag die das gotzhuß ziert. 
[4] Nach bey in zu Rumsperg wz gesessen 
Ain margräf, der wolt nit vergessen 
Der brüder, her Hainrich wz sein nam. 

70 Groß fröd er von ierem leben nam, 

Das der himschlisch sam im zu wz gsent 
In seim herrentum schnell und bhent. 
Seiner sei k6ft er ewigs hail, 
Gab er in des wald ain^^) grossen tail. 

75 Darauß machten sy äcker und garten. 
Der fiirsichtig mann wolt nymer warten. 



6) Vgl Älem, X 14 wo ein Weingartner Äbt des Namens genannt 
ist B 7) ewen adv, immer, allezeit B 8) weggenommen B 9) Bonsherg, 
bair, BA Oberdorf, üeber das Geschlecht Ürsin-Ronsberg sehrib PLiut- 
pold Brunner eine Monographie^ die 1860 als Programm des Gymnasiums 
St Stephan in Augsburg erschin. Vgh dam Baumann, Geschichte des 
Allgäus I 485 ff, 10) des Mberger Waldes, 



22S 



Do er sach von disen gottes knecht, 
Das sy lebten gaistlich, frnmm and grecht* 
Gottesdienst wolt er wyter meren, 
80 Das was in der hailig gaist leren, 
Sein diener er all beschicken t&tt, 
An sy legt er ain flyssig gebett, 
Des sy im den wald gar geben ein, 
Denn der wald was ir und 6ch sein. 
85 Sy gaben im ir gerechtikait, 

Ain grosses werck der barmhertzikait, 
Er wolt meren die seligen schar 
Umb gotzs willen gab er in den wald gar. 
Die sach was sich allenthalb glicken 
90 Ain abt von Yßny^*) er was bschicken, 
Marquart was deß selben abtes nam. 
Der abt bald z& margr4f Hainrich kam. 
Umb der lieb gots er in was bytten, 
Denn er wyßt wol des orden sytten, 
95 Das er das covent numm in sein gwalt 
Und inen ainen obren bestalt, 
Das billich bett der abt was gweren, 
Den orden wolt er helfen meren. 
[5] Auß seinem covent er ain gab***), 

100 Dem gab er gantzen gwalt und stab, 
Der selb fleyssiklich was regieren, 
Gar fast er gottes lob was zieren, 
Im drytten j4r das covent zoch 
Gen urschin auf den berge**) hoch, 

105 Auß Ordnung gottes das ist geschechen, 
Do das margr4f Hainrich wz sechen, 
Urschin gab er in boden und erd 
Und die pfarr mit aller zugehörd. 
Der erst abt starb, der margraf erwalt 

110 Den andren abt, dem gab er gwalt 
Ze regieren nach sant Benedicts orden. 
Oüno von Ottinburn^% der ist worden, 
Die abty was im der byschoff lychen 
Und was im 6ch das gotzhuß wychen 



11) Isny, Wirt. OÄ Wangen IIa) Derselbe hieß Wernher, war 
aber nichts wie die Kronik irrig erzäU, Abt, sondern nur Gubernator 
12) Zu Irsee stand die Stammburg des Hauses Eonsberg, welche Mark- 
graf Heinrich eben in ein Kloster umwandeln woUte 13) Ottenheuren, 
wol das scJumste im BococcosUl erbaute Kloster Säddeutschlands, bair. 
Schwaben. Abt Cuno, angeblich ein Sprosse der Dienstmannenfamilie 
von Westerried, regierte 1185—68. 



224 



115 Z& lob gotts ander der m&ter sein 
Maria, die uns gibt liechtos sobein. 
Do sy ain zyt uff dem berg blyben, 
Der abt und die brieder red tryben, 
Dwil sy auff dem berg nit mocbteu han 

120 Wasser, w6 denn das Kloster seit stan. 
Maria erschin in aim gesiebt, 
Priester Mengozo, dem gab sy bricht, 
Wo man das Kloster binbwen solt. 
Uff der ebny Maria es h4n wolt 

125 Undten an dem berg, d6 es noch stat, 
Gegen dem ort, do die sunn anffgat. 
Do das gesiebt der abt vemam, 
Do ward er und die brAder Mdsam 
Und lobten got fast umb das gsicht, 

130 Ze bwen sich der abte verpflicht. 

[6] Das gotzhnß bwt er auß dem grund, 
Er mocht aber nit gleben die stund, 
Das er den bw m6cht gar volbringen, 
Mit dem bytren tod er mäst ringen. 

135 In der zyt die hayden ze band 

Das Haiig grab gwunnen und dz Globt land, 
Vil Cristen blat ward vergossen! 
Das b4t Kayser Frydricb verdrossen, 
Das hailig ertricb wol er han unversert, 

140 Darauf Gristus sein haiig blat h4t verert^^) 
Darauf. Cristus fieß woreu gangen, 
Kayser Frydricb h4t groß verlangen, 
Er satzt im fdr in seinen sünnen, 
Er weit das Hailig grab gwinnen 

145 Mit des lebigen crütz schar er reich 
Zoch er hin mechtig durch Oesterreich 
Und darnach hin durch das Ungerland, 
Alle Cristen tatten im bystand. 
Seinem sun küng Hainrich er verließ 

150 Das Tütsch land, dem och em41s verhieß 
Der küng von Sicili sein rieh gar. 
Küng Hainrich samlet ain grossen schar, 
Der edel küng wolt ouch nit davon lÄn, 
Das küngreich Sicili wolt er h4n. 

155 Sicilisch küngin sin gmachel was. 
Küng Hainrich wolt han darumb das 
Küngreich und mit dem swert gwinnen, 
Do er margraf Haiurichs ward innen, 
Do legt in der küng groß gebett an, 

14) vergaßen. 



225 



160 Denn er was fast ain strytbarer man, 
Er solt mit im ziehen und bistand tun, 
Darumb weit er im geben gross Ifin. 
Der margraf sieb des küngs nit kund setzen ^^), 
Er bgünt sich mit dem gotzhuß letzen ^^), 

165 Er gab Unser frowen vor vil gut, 
Das sy in auf der fart wol behut. 
Rumhartzried ^'^) er dem gotzhuß d6 gab. 
Margraf Hainrich schied mit gn4den ab. 
Do er niin gen Apulien kam, 

170 Der frembde luft im nit gar wol zam: 
Bytz auf den tod ward er d6 kranck. 
Zu dem gotzhuß st&nd all sein gedanck, 
Do er verstund, das er mnst sterben, 
Das im Maria wer erwerben, 

175 [7] ümb zytlichs gfit ewigs leben, 
Ain silbrin köpf er uns wz geben, 
Fierzechen marck silber der köpf wag, 
Der ist seiner sei gut ewigen tag. 
Umb den köpf, den er dem gotzhuß ließ, 

180 Ward von aim rytter von Matzensieß ^^) 
Zu Smihon^^) gekoft ain guttes gilt. 
Dem gotzhuß war es in gutter hut 
Geben ein, denn der rytter gieng 
Für den küng Hainrich, der dz empfing, 

185 Der küng das darnach überantwurt, 
Wie denn aim lechenherren gebiirt, 
Margrdf Gotfryden^^) in seine band 
Darumb das die g6b hat ain bestand. 
Gotfryd gab dem gotzhuß willig das, 

190 Als sein herr vatter gestorben was. 

Ndch dem abt Guno sein gaist auf gab, 
Dem macht man an der kirchen ain grab, 
Auf dem berg^^) ward er gestat zfi erd. 
N&ch im kam Itudölf^\ ein abte werd, 

195 Zu Ochsenhusen^S) er hatt geriert^) 
Das priorampt, all menschen ain ziert, 
Ordenlich und nutzlich gottes knecht 
Er gubemiert und was gantz gerecht 
Und arm im gaist, noch ärmer am gut. 



15) wider sezen^ ebenso häufig sich gegen einen s. B 16) abfinden B 
17) Bomatsried, bair. BÄKaufbeuren 18) Mattsies, bair.BÄMindd 
heim 19) Abgegangener Ort bei Irsee 20) ven Bonsberg, 8on und Nach- 
folger des Markgrafen Heinrich 21) Nämlich Irsee 22) 1188—1223 
23) Oehsenhausen, mrt. OA Biber ach 24) So stet oft anstat geregiert, 
V. 196 hs. aU menschen den ziert B. 

Blrlinger, Alomannla XI 3 X5 



1 



^26 

200 Sein brieder h4t er in gfiter hat. 
Do die edlen das w6ren seclien, 
Und man in vil lob was veriechen — 
Sy wolten all ir grebnyssen d6 h&n. 
Do nun das abt Rudolf wz verst&n, 

205 Fieng er bwen an zu diser stund ' 

Sant Niclds cappell d6 auf dem grund, 
[8] Derneben bwen was das gotzbaß, 
Sant Nicl&s cappell macbt er gar auß 
Mit bilf gottes und 6cb frummer lytt. 

210 Do erbat er zu der selben zyt 

Den bischof, Vodisbalcum^^) genant, 
Vil prelaten und priester er bsant. 
Do die layen das band vernommen 
Ir vil sind auff kirchwycbin komen, 

215 Cappel ward gwicht durcb des bischoffs gwalt, 
Do man minder fünf zwelf hundert zalt. 
Darumb hat das abt Kudolf get&n, 
Das vil by der cappel möchten han 
Ir grebnyssen, die das begerten, 

220 Darduroh sy 6ch den gotzdienst merten. 
Vor sant Nicl&s mit großem fleyß 
Weicht er ain kirchhoff, hieß Pardyß ^ö). 
Gar vil grebniss d6 wolten haben 
Gar vil gfits sy dem gotzhuß gaben. 

225 Walther von Bayswil^®) von erst erwarb 
Im Parndyß ze ligen, do er starb. 
Was lychen auf dem berg^*^) waren glegt, 
Die selben wurden all gar bew^^), 
In das Parendyß tragen herab. 

230 Dem Cuno^^) ward in der cappel dz grab. 
Abt Rudolff bwt 6ch zellen darzfi, 
Darinn die brieder mochten h&n ru, 
Die brieder zugen vom berg herab, 
Abt Rudolff die abtj tibergab 

235 Die arbaitsam er er was fliechen, 
Er begert wyder haim ze ziechen, 
Nun siben wuchen er was leben, 
Sein sei er got wyder was geben. 
Do nun die abty ledig was 8t4n 

240 Margraf Gotfryd des zu r4t was gan 
[9] Mit den brüdern deß selben covent, 



24 a) üddlschälkj Graf von Eschmlohe, Bischof von Augsburg 1184 
—1203. Irsee geMrt zum Bistum Augsburg 25) hs Pendyß 26) JBais- 
weüy bair. BAKaufbeuren 27) Irsee 28) ausgehoben B 2d) dem Abte 
Cuno von Irsee. 



227 



Die wolten bleiben in regiment, 
Oen Ottinbdren kamen sy trat, 
Do wolten sy niemen ain rat. 

245 Sy nnmen d6 ain t6genlichen man, 
Albertum^), der nam die abty an. 
Er was gaistlich and künscb ^^), das ist war« 
Was do caster gwesen gar vil jar. 
Erweit ward er gar ainhelliklich. 

250 Gen ürschin fürten sy in erlich^^), 
Bischoffiich wychin er empfieng, 
Seliklich er an regieren fieng. 
Fast des gotzhuß g&t by im z&nam. 
In dem im botschafft von Augspurg kam, 

255 Wie der stiffter, her Gotfrid margraf 

Ton Eamsperg, hat tan sein lesten schlaf 
In got dem herren. Den selben tag 
Ward sein lieh gfiert mit grosser klag 
Gen OttinbÄren, d6 ward 6ch er 

260 Vergraben, wie vormals sein elter. 

Margraff Berchtold^^) nit wolt vergessen 
Seins bruders sei, er was recht niessen 
Der sei hail. Ain mairhof er wz geben 
Gen Ürschin umb der sei ewigs leben. 

265 Bald darnach Berchtold och wz sterben, 
Vorbin er mit göben wz werben. 
Das Burckholtz^) er dem gotzhu5 vor gab, 
Darnach ward er gelegt in dz grab, 
An dem Reinsträra ist er gestorben ^^), 

270 Er hat fast gen Ürschin geworben, 
Das man do hin solte legen, 
Doch das was den pfaltzgraven ^®) bwegen, 
Dwil zfi Ottinburn lag sein stamm, 
Solt man in och d6 bgraben lobsam. 

275 Der abt seins regiern nit wirt gestrafft, 

Die pfarr Pfortzhen ^'^) er dem gotzhaß k6fft. 
Grdf Gotfrid von MÄrstetten ^®) eben 
Ließ im funfnndfiertzig marck geben 
Um die pfarr mit aller gerechtigkait, 

280 Brief and sigel daramb ward berait. 
Loblich hat abt Albertus geriert. 



30) 1223—28 31) Birlinger, Älem. Sprache 116 32) feierlich, 
standesgemäß 33) Der lezte Bonsherger 34) WaM am Abhänge des 
Irseer Burgberges, allgemein deutscher Waldname 35) 1212 36) Von 
Tubingen, ein Verwandter des Markgrafe^i Berthold von Bonsberg, 
37) Pforzen, bair. BAKaufbewen 38) Wirt. OALetttkirch, Die Grafen 
von M, sind ein Nebemweig des Bonsberger Hauses. 



228 



Ain gaistlich leben hat er gefiert 
Er mit seinen coventbrftdern allen, 
Das allen umsessen was gfallen. 

285 [lO] Dem gotzhuß wurden sy all genaigt. 
Als noch hut durch die göben wird gezaigt. 
Die vil willig daran geben hand. 
Ir namen nit all hie geschriben stand, 
Sy haben io auserwelt das best: 

290 Nymer mer werden sy ausgelest, 

Ob gott will, auß dem buch deß leben; 
Ewig fröd in darumb ist geben. 
In ewigkait wird aller gedächt 
Von den ooventbrAdem mit andacht 

295 Tfiglich do mit singen und lesen, 
Des m5gen ir seien wol genesen. 
Vil gnts maß ich vorauß veriehen, 
Den Stiftern, von den ist geschechen 
Vil guts dem gotzhuß Unser frawen, 

300 Gottes anblick sind sy dort schawen. 
Do ir seien sich des libs verzygen, 
Ir kainer Hb by uns ist ligen, 
Denn mfirgraf Hainrichen tochter ain, 
Die ligt by uns mit ierem gebain, 

305 In mitten in der kirchen sy rast. 
Graf Virich von Ultimis, ain gast 
Aus dem Etschbirg^^), ist ir sun gesein. 
Der gab dem gotzhuß ain gilt mit wein, 
Brief und sigel gab er im darzfi — 

310 Herr gott, verlieh in allen ewigen rfil 
Zell^^) das dorf und die milin d6 bey 
Die gab sy 6ch dem gotzhuß uff gantz fry 
Mit des obgenanten suns wyllen. 
Jeren mann was sy 6ch stillen, 

315 Graf Hainrich von Wirtenberg geborn*^), 
Mit des gunst gab sy und 6n sein zom. 
Die von Swartzenburg*^) hand uns gstift gilt, 
Vergraben by uns mit heim und schilt. 
Die von Ürschin^^) hand Ün hilfes schein, 



39) Ulten. EtscTUand in Südtirol 40) Abgegangen bei Pforzeti^ 
baif. BA Kaufbeuren. Der Name ist erhalten in dem des dortigen Feld- 
gewanneSf „ZeUer Feld^'^ 41) Dise Angabe, daß eine Bansbergerin dtsen 
sonst nie genannten Wirtenberger gelmratet habe, läßt sich nicht queUen- 
mässig belegen 42) Burgatcü bei Blöektacht bair. BAKatifbeuren 
43) Auf der Burg Irsee hausende Dienstmannen der Markgrafen von 
Bonsberg, 



229 



320 Herr gott bhut sy vor der helle pein! 
Die von Baiswil**) band uns hilf getdn, 
Ach Maria, byß in dort bystän ! 
Die von Bickenried^) band geben stur, 
Herr, bhiet sie vor dem ewigen für! 

325 Die von Linaw**) band uns gilt gestifb, 
Maria bhiet sy von der helle gift! 
Gieter band geben die von Diessen*^) 
Herr, Mß sy das in deim rieh goniessen! 
[11] Die von Lesperg*®) band uns geben gdb, 

330 Maria deiner gnäd sy nit her ob ! 

Die von Eemnat^'^) band uns vil geben, 
Herr, gib in darumb ewigs leben! 
Was sol ich mer von dem abt sagen, 
Gerecht ist er gsein by sein tagen, 

335 Ainfeltig, des bösen nit lystig, 
Des guten aber wyß und wytzig, 
Er hat mit seiner fürsichtikait 
Die gieter gmacht gut, wyt und brait, 
Der zucht und gaistlicbait gepflogen, 

340 Die zytlich er hdt er ring gewogen. 
In sant Nicläs cappel ist sein grab 
Under dem stain*®), darauf standen dry stab. 
Das aber dry stab standen auf dem stain, 
Das bedüt, das dryer äbt gebain 

345 Darunder ligen: Albert der fiert, 

Die andren wurden och do her gefiert. 
[12] Der fünft abt wirt TJlrich^^) genent. 
Under des selbigen regiment 
Ist an das gotzhuß kommen Bickenried, 



44) Baiswdl, Bickenried, LdnaUfbair.BÄKaußetMren. Zu den von 
Leinau gehört auch der mittelalterliche Dichter eitles Eckenliedes Heinrich 
von Linowe 45) Schwabdiessen, bair, BÄ Schongau 46) Lechsberg, bair, 
BÄ Landsberg 47) Bair. B Ä Kaufbeuren. Ueber dise Familie s. Bau- 
nian7i, Geschichte des Allgäus I 540 48) Dises Grabmal ist nicht mer 
vorhanden. BruscMus, chronologia monasteriorum Germaniae, beschreibt 
dasselbe also: Extrema drcumferentia tumuli habet hos: 

Praesenti busto sunt tres mores tumtüati 

Glerid, merito qui dudum sunt sodati. 
In ipsa superficie tumuli sunt tres circuli, quorum superior habet hunc 
versum: 

Albertus qua/rtus abbas hie condidit artus. 

Medius htmc: 

In m^dia fossa Wernheri corporis ossa. 

Inferior tälem: 

Äst abbas primus, Ghuno dictus, jacet imus 
49) c, 1267—88, Die Kronik nennt irrig den abt Conrad^ der nach 
AU)ert und vor Ulrich 1228—67 regierte, erst nach disem. 



230 



350 Das gab her Hainrich, e er verschied 
Und sein husfraw aaß disem zitt. 
Sy gaben ir gelegen gut und lyt, 
Die fraw gab 6ch vü nich deff mans todt 
Fich und 6ch anders, deß was nodt 

855 Darumb, das man im jartag wer hg&n 
Und 6ch all wachen dry messen wer hin 
In sant Nicläs cappellen: am montag 
Von allen seien und am dornstag 
Dem patron sant Nicl&s ze eren, 

360 Am sampstag sol man das lob meren 
Unser lieben frowen in der mess, 
Das sy lerer seien nit vergeß, 
Das hat man bytz her ton holenden, 
Denn kain lebender mensch sol wenden; 

365 Noch aim sein testament verkeren, 
Das ist uns die gescbryft leren, 
Man wurd sunst nichtz mer stifften 
Und die kirchen also begiften. 
Der sechst abt, her Conrat^), der erwarb 

370 Von dem stul ze Rom, ee und er starb, 
Des gotzhuß confirmatz, ain bull groß, 
Wie es genommen was in die schoß 
Der oristenlichen kirchen in gestalt, 
Wie n&ch stdt, die selbig bull innhalt: 

375 Sy sagt hilf zu, ob ettliche weren, 
Die das gotzhuß weiten beschweren, 
Br6ben oder schaden zufiegen — 
Die selben fürwar sich betriegen: 
Denn in wirt der ewig fluch geben 

380 Und och verbotten das ewig leben. 

[13] Davor wyß sich ain yeder ze hietten, 
Denn der bäbst ist das yedem verbietten, 
Wer das nit halt, der sol sein ber6bt 
Gwalt, er und gfierd, der er ist beg6bt, 

385 Grottes urtail sol er schuldig sein, 

Welcher dem gotzhuß tut trang und pein; 
Er soll oucb nit tailhaftig werden, 
Aller guthait, die geschieht auf erden; 
Er soll deß haiigen blut vergiesäen 

390 Unsers hailmachers nit genießen, 
Es soll 6ch über in kommen r4ch 
Gottes, es sy denn, das er darnach 
Dem gotzhuß den schaden wyder wend. 
So ist es im verzygen behend, 



50) 1228—67. 



^ 



231 



395 Zum ersten, zum andren, zum drytten 
ßin ich warnen n&ch der bull sytten 
All gaistliüh und 6ch weltlich person 
Daß nit sprechen, sy wyssen nit davon 
Sy sollen unbekumeret län 

400 Das gotzhußy sein gut und undertän, 
Alle die sy yetz ze mal innband; 
Auch die hiniüro raicht gottes band. 
Ürschin, das dorf und die pfarr, sey behiit, 
Auch Pfortzhein^^) mit all seim Hb und gut, 

405 Rumhartzried ^^), Blectach^*), die wyler, baid 
Sollen bhiet sein vor allem laid, 
Auch all des gotzhuß gottesgoben 
Die sol niemantz letzen noch beröben. 
Bevor dies gotzhuß castenfögt sind, 

410 Die s611en nit sein also blind, 

Das sy es bsweren und bladen mer, 
Denn syt und ir recht ist von alter her, 
Ir gercchtikait sich bniegen lin, 
In gutem schirm 6ch das gotzhuß hAn. 

415 Wenn sy und och ander das sind tim 
Was wirt des gotzhuß guttäter lun. 
Und denen, die die grechtikait halten, 
Jhesus Cristus will sy alweg bhalten 
In seinem fryd hie in disem zyt 

420 Und dort. Sy sollen och £n alle byt 
Nach disem leben ewigs h&n. 
Bähst Gregorius, der h&ts tän, 
Den sogen geben allen ze lün. 
Die dem gotzhuß guts sind tun. 

425 [14] Der abt ist darnach in got gestorben 
Als er disen bull hat erworben. 
Das geschach, do man zalt 12 hundert j£r 
Und och neinunddrysgen, das ist war. 
Der sibent abt Hainrich^^), der ist kommen, 

430 Bey dem das gotzhuß ab hat gnommen. 
Dem abt was nit wol gelingen. 
Er verkoft zwen gut höf zu Schlingen ^^), 
Cunrat Bunder k6ft umb sechtzig pfund 
Augspurger. Zu der selben stund 

435 Ward das gotzhuß mit schulden beschwert, 
Im was och der korenkast^) gelert. 
Das covent was och zu dem k6f stimmen 



51) Pforeen, Bomatmed, Blöcktachj bair, B A Kauf heuren 25) 1288 
— 1303 53) Bair. BAKaußeuren 54) echt Schwab, augsb. u. aletn. B, 



232 



Deon sy b&tten in dem kloster Dymmen 
Ze essen noch wyter ze leben, 

440 Darumb mosten sy h6f hingeben. 
Hartmannus^^) ward der achted abt, 
Der hat sy vierzechen jär gehabt. 
Das gotzhuß was von im wol behiit, 
Die j&rlöf w6ren z& der zyt gut, 

445 [15] Der ackerbw ist wol erschossen, 
Das gotzhuß hat des wol genossen. 
Zu dem gotsdienst hit ei" grossen flyß, 
Daran merckt man wol, dz er wz weyß. 
Der von Ramswang ^^) was im wol genaigt 

450 Das selb er mit ainer gotzgäb erzaigt, 
Die pfar Ingenried ^'^) gab er im ein, 
Das die brAder solten dencken sein 
Und seiner vordren und nachkommen, 
Darumb haben sy die pfarr genommen. 

455 Alle ding tat er gar recht fiegen, 
Do erhab sich ain großes kriegen 
Von herren von Oesterrich und von Bairen 
Yetweder wolt den andren mairen^^), 
Yetweder wolt das Römisch rieh han, 

460 In dem land was es gar übel gän 
Mit brennen und mit lyt erstechen, 
Dz wolt dem lieben abt sein hertz brechen, 
Von nnmut er in ain kranckhait kam, 
Die selb so groß überhand nam, 

465 Die abtj er darumb übergab. 

Nach dry monat er glegt ward ins grab. 
Es ward ainer von Augspurg geschikt, 
Der selb dem gotzhuß nit gelickt, 
In Sant Ulrichs kloster wz er prior. 

470 Den bisch[of] Fridrich^®) nam er bevor, 
Mit gwalt er zu ainem abt setzt 
Abt Hainrichen^^)i der sich nit wol letzt 
Mit dem gotzhuß: Do er davon kam 
Vil geltz und gut er d6 mit im nam. 

475 Er was aller weltlichen lyst vol, 
Gotes dienst, den regiert er nit wol. 
Noch der brAder er nit vil achtet 



55) 1303— -17 56) Die von Eamschwag (Kanton StOaUen) erbten 
von den von Kemnat die grosse Herschaft Kemnat, mit der seit dem 
Äaussterben der Markgrafen von Ronsberg die Kastvogtd Irsee verbunden 
war; HaggenmüUer, Geschichte von Kempten II 51 57) Bair. JBA 
Kufbeuren 58) bemeistern, bemeiem', trans. und intrans, B 59) Von 
Augsburg 1309—31 60) 1317—24:. 



233 



Nun ndch zytlichem gut er trachtet. 
[16] Die bräder mochten nit blyben 

480 Bey im, er was sy all vertrybeo. 
Ain höchren stand was er begeren, 
ßiscbofiP Fridrych wz in deß gweren 
Denn do er gelt by im was verstän. 
Die abti zu F Assen ^^) must er hdn 

485 Yil gelt mit im dobin hat gefiert 
Als er siben jär hie hdt geriert. 
Nachdem als er hin ist gezogen, 
Sind die briider wyder zugeflogen 
Und band under in ain abt geweit 

490 Cünradum^^), der sich recht hat gestelt, 
Von Herbaltzboven ®^) was er geboren. 
Alles, WZ das gotzhuß hat verloren, 
Des was er alles wyder bringen, 
Alles sam was im wol gelingen 

495 Denn er was in seim wandel diemietig, 
Gegen den undei*tdn gar gietig. 
Mit klaid er sich schlechlich zoch, 
Er h&t aber ain vemuft hoch, 
Im gantzen land fand man nit sein gleich, 

500 So klug was er und so sinnreich 

Gold ze schmiden was er wol gelert, 
Mit dem er ornat und die kelch mert. 
Ain gutter mäler ist er gesein, 
Das selb gibt sein gmel noch ain schein, 

585 Von holtz und von stain er bild hawet, 
Die man noch in der kirchen schawet, 
Den crützgaug er selbs geh wen hat 
Mit seiner hand^ wie er noch hut stät. 
Do er von erst zu der abtj kam, 

510 Groß wyderwertikait er ainnam: 

[17] In fiinf jaren was kain frid im land, 
Do sind geschechen vil mord und brand. 
Das gotzhuß des kriegs schaden empfieng, 
Das in all sein cent und gilt abgieng, 

515 Der lieb herr kund gar nichtz behalten 
Domit er sich m6ch[t] aufenthalten^) 
Und seine brieder, denn allain das, 
Das er by dem Kloster bwen was. 
Sy hätten nit mer ze verzeren, 



61) Uraltes Kloster am Lech bei Hohenschwangau 62) 1324—44 
63) Herbertshofen, bair. BÄWcrtingen? 64) sein Dasein fristen B. 



n 



234 



520 Denn ain ainigcr pflog mocht erereii^^). 
Er hat groß lyden und gedult 
Er flysse sich got des herren huldt, 
66t ist die seinen nymnier Verlan 
Mit hilf wolte er in 6ch beyst&n. 

525 Do sich nun der selb krieg endet, 
All sach sich zu dem besten wendet 
N6ch dem brennen and röben 
Kamen zn dem gotzhuß yil g6ben, 
Gnaigt ze geben was alle weit. 

530 Er k6ft 6ch vil um sein aigen gelt. 

Vom hertzog von Kernden^^) vor bedacht 
H&t der abt za dem gotzhuß brächt 
Wingilt all j4r fierzechen fuder®''), 
Der mocht wol gniessen yeder br&der. 

535 Diser abt, der erwarb 6ch daby, 
Das die alle solten g4n zol fry. 
Als wyt den gieng sein herrentom, 
Das ist in baiden grosser rfim 
Von allen menschen hie auf der erd, 

540 Billich syen sy och by got werd. 
Ze Linaw^^) ward im geben ain hof 
Wyder, der vorm&ls in ainem kof 
Dem gotzhuß abgek6f[t] was worden. 
Ain gaistlich frow hat lieb den orden, 

545 Mit ierem gut sy sich im versient 
* Und ir lebtag lang im kloster dient. 
[18] Darnach ward der aüft abt erkoren, 
Das tat dem von Ramswag zoren^^), 
Er begunt sich aber im lieben, 

550 Mit waydny*^^) er sich fast was yeben 
Und 6ch mit diser weit schnödikait 
Costliche wirtscha£Pt er züberait, 
D6mit koffet er meniges huld, 
Well got, das er by im sey 6n schuld, 

555 Dyß lob in nit gar fast wol ziert, 
Das gotzhuß h&t er nit lang geriert, 
Sein tafnamen hab ich nit gelesen, 
Zwerger ist sein zunam gewesen '^^). 
Der zwelft abt, der ist erwölt worden 

560 Vom covent, wie innhalt der orden, 
Hainricus Zerrer, der was sein nam, 



65) ackern, umackern B QQ) Heinrich, Herzog van Kärnten, Graf 
von Tirol (und vorübergehend auch König von Böhmen) f 1331 67) Aus 
Südtirol 68) Leinau, BA Kauf teuren 69) aih nben Koren B 70) mhd. 
waidenie Jagd, Fischerei 71) Er hieß Swigger (1344--45). 



235 

Diser gar bald von der abty kam, 

Fier monat wz er die abty h&n, 

Weder g&t noch b6ß hdt er getan. 
565 Nach dem ward 6ch erweit abt üolrich'^^) 
' Von Altenstat'^^) eben, und 6ch glich 

Nit lang regiert und lidt grossen trang 

Von dem rytter Hansen von Ramswang. 

Do er aber die bull was verstau 
570 Und 6ch in sein gwyssen was g&n, 

[19] Forcht er, gott wurd in darumb straffen, 

Zu der rw was er gar schnell 14ffen, 

Er gab dem gotzhuß ain gute pfarr, 

Zfi Murstetten*^^), den kirchensatz gar, 
575 Zu Brügge '^^) och zway gütten gut. 

Also er sich vor dem fluch behut, 

£r hat dem gotzhuß tan vil guthait, 

Damit hat er das b6ß abgerait. 

Also hat er den segen empfangen, 
580 £ er auß diser weit ist gangen, 

Sein 1yd vnd gut hat er by uns glän. 

Sein jÄrzyt ist man io ewig bg&n. 

Der abt hkt bestät ain bruderschafft, 

Mit den von Ottinbdrn sich behafft. 
585 Nach dem ward des vordren friind erweit 

Hainrich'^^)^ der selb sich recht gern wol hat gstelt, 

Wie wol er was ainfeltig und schlecht, 

Nach seiner zyt tat er im gar recht, 

Denn er hat nit fast lang geregiert, 
590 Das kloster hat er sunst wol geziert. 

Nach dem musten wir ain frembden hau, 

Johannes Wyssen'^''), der mocht nit bstan. 

Von Ottinbüren was er gebor n, 

Das selb tat den unsern fast zoren, 
595 Von den ward er gar fast gehindert, 

Dennoch ward dem gotzhuß nicht gemindert. 

[20] Petrus von BaistoeiV^) in grosser eil 

War ingesetz von Gerwig von Baisweil, 

Seinem vätter, ze nyd und ze trang. 
600 Dem fogt her Hansen von Ramschwang. 

Abt Peter hat sein tail wol geriert 

Ze verderben, wie sich das gebiert, 



72) 1345—58 73) ÄUenstadt, bair. BÄSchongaUy Dorf mit her- 
licher romanischer Kirche des 12 Jhdts, 74) Mauerstetten^ bair, BA 
Kaufbeuren 75) Wol Schwabbruck, bair, BA Sehongau 76) 1358—63 
77) 1363—68 78) 1369— c. 1380. 



23e 



G&t und gelt h&t er ring gewegen, 
Wirtschaft und hofwyß hat er pflegen, 

605 Er ist bin in den fr&den geschwebt, 
Hat n&cb des adels sytten gelebt, 
So lang bitz es nymer mocht ertragen, 
Do mfist er zfi den selben tagen 
Auf die pfarr gen Pfortzbein ziechen» 

610 Alle brAder 6cb mästen fliechen 

Aus dem kloster all zem bdttren banger, 
In dem kloster blib nun ain junger, 
Uolrich, der was der gotzhuß warten 
Und pflanzet die bdm in den garten. 

615 Abt Peter, der gat> ain b6sen stoß 
Dem gotzhuß, er macbts gantz zinslos, 
Er b&t die wingilt im biergf verk6ft, 
Das selb uns noch hut umb die bend loft, 
Doch an dem selben gelt blib ain zal, 

620 Darumb ward koft das dorf EggentaP®), 
Das burgstal, der turn, boden und grund 
Ward koft um sibenthalb hundert pfnnd. 
[21] Ain regiererin er do bestalt, 
Der gab er der abty gantzen gwalt, 

625 Frow Anna von Ellerbach^^) sy hyess, 
Der covent willig im das nach ließ, 
Der bischo£f^^) 6ch verwilget darein, 
Dwil frow Anna was ain swester sein. 
Das gotzbuß ward verderbt gantz und gar, 

630 Do das die von EUerbacb nam war 
Sy beschickt her Cünrat Hdnfan^^), 
Bat, er solt die abty niemen an. 
Denn er was ainer von dem covent, 
Die von mangel hin woren gesent. 

635 H5rend, was er zu ir was sagen : 

,,Es fund doch nit ain muß ze nagen 

In dem kloster, was wolt ich essen!" 

Sy sprach: „Die sach ir nit also solt messen, 

Zyt, die kumpt nit, sy bringt mit ir rat, 

640 Nyment die abti an, die sach wol gerät 
6ot der herr hilft in solchem ding, 
S6 haben ir 6ch ain libgeding 



t In Südtiröl 79) Eggentäl, bair. BAKaufbewren 80) Bise be- 
kannte Famüie stammt von Erbachj wirt. OA Ehingen. Anna von Eiter- 
hack war als Erbin der von Ramschwag Gebieterin von Kemnat und deshalb 
auch Kastvögtin von Irsee 81) Burkhart von Augsburg 1373 — 1404 
82) 1399^14:22. 



237 



Mit dem sollen ir kek anfachen, 

Glick und hail wird sich all zyt nachen.'^ 

645 Der abtj er sich do underwand, 
Nit vil gelt er in dem kloster fand, 
Er was ain fast gater edelman, 
Und nam sich doch nit vil hofwyß an, 
Domit sparet er sein muß und brot: 

650 Er was karg und t&t im gar nott^ 

Er ließ außrytten und außhacken wcld. 
Deß fichs hiettet er selbs in dem feld, 
So lang als der fichhiert hkt gessen. 
Seins gebets was er nit vergessen, 

655 Wenn der hiert kam, so gieng er wyder haim. 
Sein hofgesind, das was fast klain, 
Damit bracht er zeweg so vil reut, 
Und gilt, das er zu ainem covent 
Wol siben brieder mochte hän, 

660 Die w6ren streng zu kircben gkn, 
Die was er rätlich spysen und neren, 
In andrem dester minder zeren. 
Er hat ain wysses klaines roß, 
Das selb schlug er in wysen und moß, 

665 Also hat er das futer gespart, 

Deß gotzhuß hat er gar gute wart. 
So bald er nun das hat vernommen, 
Das im gest ze büß wolten kommen, 
Bhend nam er ain zam in seine band 

670 Und lugt, wo er sein gramalin fand, 
Er sass daraufip und ryt etwa hin, 
Er West, das gastung im bracht kain gwin, 
Wolt sich nit der gastung verbinden, 
Er ließ sich ee nit dahaim finden, 

675 Damit hat er k6ft Keterschwang ^^) 
Mit aller zugehörd vnd grichtgang 
Und sunst vil ander höf und gfit, 
Sein sei sey darumb ewig behät. 
Er hat gebwen den turn und kor, 

680 Als in dem nächsten jar davor 
Ward das concilium gehalten, 
Zu Costentz das geschach. D6 mir zalten 
Ain ringgen, fier roßysen daby, 
Ain schlaipfen, ain häggen und ain y^). 



83) Ketterschwang, bair. BA Kauf beuten 84) Dise Datierung be- 
zieht sieh auf die Art der damaligen Mönchshuehstaben] der Klosterbtand 
fand 1416 stat. Vgl, Alem. oben 98, wozu Wackernagels Basel im 



238 



685 in dem jar bran das kloster gar auß 
On turn, kor und der kirchen lankbaß, 
Von Marien jnnckfrölicher giet 
AUain das betthaß ward behiet. 
Im fünften j&r nach disem geschieht 

690 Der lieb abt sein sei mit got verpflicht. 
In sant Niclas cappell ist sein grab, 
In stain ist er ghawen mit seim stab. 
[25] Darnach nach ordnnng vom covent 
Ward erweit ain abt, der wz genent 

696 Eainrich Esseier ^)j der was geborn 
Von Kempten, man hat vor ain verlorn, 
Der h&t dem gotzhoß vil guts getdn, 
Der was eben als ain guts lob h4n, 
Er was ain wyß man and fürsichtig, 

700 Zu allen dingen och aaßrichtig 

Gnistlich ding er wol was ordinieren, 
In weltlichen ließ er nichtz verlieren, 
Gaistlich and och andächtig gn&gsam, 
Alle nacht er in die mettin kam. 

705 Er was allweg der erst in dem kor, 
Sein coventbrAdern gieng er recht, vor, 
Mit essen, trincken an in nichtz spart. 
Das die kirch dester baß wer bewart 
Mit singen, lesen and mit messen, 

710 Er ließ sy gotsdienst nit vergessen. 
Er hat sy 6ch lieb gar schon und wol, 
Eoft alle biecher, die man hdn sol 
In ainer Kirchen ze singen und lesen. 
Der abt f&rt ain ordenlich wesen, 

715 In zytlichero hkt er regiment, 

Das er billich sol werden genent. 
Der ander Stifter unsers gotshuß 
Wenn man es will recht messen aaß 
Er h&t vil gfit an dz gotzhuß bracht, 

720 Deren aller hirndch wir[t] ged&cht. 
Von dem vordren abt G&nrat Hanfan 
Fand er ain schätz, den legt er wol an, 
Er saralet 6ch zesamen vil gelt, 
Denn es was zfi der zyt in der weit 

725 Ain grossen tArin, die was im gut, 



14 Jhd, Festschrift der hist. GeseUsch. zur 5. Saectüarfeier des Erd- 
bebens Basel 1856 S 217 zu vergleichen^ ebenso L Sieber in Beiträgen z. 
Vaterländischen Geschichte BdlOy 8262, Der Denkvers kommt 1356 
und im 15 Jhd, merfach vor B 85) 1422—59. 



239 



Denn er h&t ain grosse hinderhat ^) 
Von körn auf dem kästen ligen, 
Damit spiset er dan's gantz tigen^*^), 
Arm lyt funden by [im] ain Zuflucht. 

730 Vil geltes löset er auß der frucht. 

Baysweil, grund und boden, lib und gut gar, 
Eoft er und bezalts also bar^^), 
Zehentiisent gülden gab er hinauß, 
Vil gut b&t er br&cht zu dem gotzhuß, 

735 Sein oberster amptman von Eggental, 
Hainrich Lupoid, der denn überal 
[24] Sein rechnung wysi by dem minsten här, 
Der sagt by seinem aid und Mr war, 
Das er dem gotzhuß wol h&t gehisent, 

740 Denn er wol umb zwaintzig tusent 
Gulden des gotzhuß besseret h&t, 
Das ist seiner seien ain gute t4t. 
Wer wolt im nit gnts lob yeriecheni 
Er h&t 6ch das flyßklich fürsechen, 

745 Das das gotzhuß h&t ain gilt von wein, 
Billich sol das coyent dencken sein, 
' Er koft sechs fuder am Bodense, 
H&t nit kra[njckhait im bracht so groß we, 
So wolt er noch sechsen k6ft han, 

750 Doch h&t er das gelt hinder im gl&n. 

N&ch seinem tod fand man ain schätz groß, 
Der naohgend abt des selben genoß. 
Zu der zyt woren gut jarle£P 
Darurab mocht er wol tun gross köff. 

755 Es was alweg gäter fryd im land. 
Er h&t och gar fast gfiten bystand 
Von den ca8tenf5gten von Bentznaw®®) 
Die selben dem gotzhuß, wie und w& 
Im etwas schaden wolte aufstan, 

760 Den selben Hessen sy nit fürgan. 

Sy haben das gotzhuß nit beschwert, 
Den sy woren frumm lyt und bewert, 
Von edlem stammen gar wol geborn, 
Sy h&tten ee das schloß Kemnat verlorn, 



86) Dise Bedeutung feU in den Wbb, B 87) d. i. die Grund- 
herschaft des Klosters, Diser ÄiMdruek war im ganzen Äügäu üblich^ 
er bezeichnet die einzelnen Gdnete im Gegensaze zu den AUgäuer reichs- 
freien Bauerschaften 88) Sogleich^ echt alemannisch, Älem. III 65 X 
169. B 89) Ein Zweig der öberbaierischen Familie von Bensnau kam 
im löJhdt, durch Heirat in den Besiz der Herschaft Kemnat, lieber 
dieselbe handelt das Programm des Gymnasiums von Kempten von 1850 
(von JMBroxn^X 



240 

765 E das etwas hätten län Diemen 

Dem gotzhuß, billicb ich die bin riemen. 

Hans von Bentznaw, der edel und fest, i 

Der tat dem gotzbaß das aller best. I 

Her Wernher von Bentznaw, ryttersgroß, 
770 Der t&t dem gotzbuß ain dienste groß, 

Er z6cb gen Rom und wolt ausbringen 

Ain bull, es was im nit gelingen, 

Understund sich und was das hin tÄn, 

Wolt Bayswyler®^) pfarr an uns bracht han. 
775 Die f&gt sind gut Schirmherren gesein, 

Ach hergot, wend in ewigen pein, 

Gib in dort ewigen seligkaitl 

Zu dem hat sich der abt ewig berait, 

Als er z& seim guten alter kam, 
780 Gar ain vernünftiges end er nam, 

[25] Das gantz covent zu im do gieng 

Mit grosser and&cht er do empfieng 

Den zarten fronlichnam Jhesu Grist, 

Dem gab er sein gaist auf zu diser frist. 
725 Nein und dryssig hat er geriert, 

Sein grebnyß das capitel wol ziert, 

Auf seim grab ligt ain gehawer stain, 

Darunder ligt sein Hb und 6ch gebain. 

Nach dem kam ain abt wolgelert, 
790 Der selb deß gotzhuß sach recht hat kert, 

Petrus Älberti^^)^ der was sein nam.. 

Er was in der kirchen flyssig, sam 

Abt Ilainrich, kain mettin er verschlaf, 

All sein sach er selbs außricht und schuf. 
795 Im regieren was er ain dapfer man. 

Sein undertän, die woren im nit gran, 

Er beschwert sy nit mit grosser stÄr. 

Wie wol er sich gen inen macht tür, 

Seine lyt w6ren all häbig und rieh, 
800 Armen und rychen was er glich. 

Ettlicher hö£F, wyt hindan gelegen, 

Der selben wolt er sich verwegen, 

Verk6ft die, wolt by ainander hdn 

Des gotzhuß gut und undertan. 
805 Lochdorfö2) er darumb koft hat, 

Das glegen ist dem gotzhuß nach stät. 



90) Baisweil, hair. BÄKaußeuren 91) Vers 812 nennt Kurte 
denselben Alblin; er regierte 1459-75 92) Lauchdorf^ hair. BAKauf- 
beuren. 



241 



Des gotzhuß nutz h&t er wol betracht, 
Zwen gemtirt stedel^^) li4t er gemacht. 
Za der pfarr Baysweil st&nd im sein sinn. 

810 Darnmb schickt er von erst gen Rom bin, 
Her Hanns Aman, Steinbrecher genant, 
Abt Peter Aiblin hin gen Rom sant. 
Dam&ch im dry und sibyt[z]gosten j&r 
Er wyder gen Rom sant her Othmar®*). 

815 [26] Das geschach, do der hayß sammer was, 
Der verbrant auf erd vil lob und gras, 
Win und körn, w&d gnfig gut und dir, 
Davor kam an dem himel her Mr 
Ain comet, wie ain pfawenschwantz er sach, 

820 Bedütet groß wnnder und nngmach, 
Denn es erhfib sich ain gprosser streit, 
Yederman must ziechen brait und wyt 
Wyder Karolum hertzog von Bürgan®'^), 
Das ryoh wolt er undertryben h4n. 

825 Do abt Peter kranck ward und alten, 
Das regiment wolt er nym(er) bhalten, 
Die abty er willig übergab 
Dem covent, das solt den gwalt und stab 
Mit wal aim andren übergeben. 

830 Abt Peter was nit lenger leben 

Denn zwey jar, d6 ist er gestorben, 
Ewigs leben by got erworben. 
Im crdtzgang undrem stain ist sein grab, 
Darauf er gehawen ist mit seinem stab. 

835 Das covent hdt erweit ainen abt®®), 

Der hat anfengklich nit vil glick gehabt. 
Wolt er abt sein und 6ch regieren 
Und wolt sich 14ssen confirmieren, 
Tusent gülden mfist er aufnemen, 

840 Die sach ist wörlich nit ze riemen. 
Elr must, dann das gelt mfist er han, 
Abt Peter h&t im kain schätz gl4n. 
Er hat gehebt grossen unfal, 
Der hagel, der schlfig im überal 

845 Das erst jar, darnach mfist er han 
.In den krieg wyder den von Burg4n 
[27] Sechshundert gülden also bar. 
Ain gprossen vnglick niement war: 
Hans Hack genannt, ain raysiger knecht, 



93) stA oben XI 196 a. B 94) Der spätere AU 95) Burgund 
96) Mathias (1475—90). 

Birlinger, Alemannia XI 3 16 



242 



860 Der selb t^t dem gotzhüß gantz unrecht, 
Er sagt im ab und hat das lang kriegt, 
E das es sich z& ainer richtung fiegt, 
Es ob tusent gtllden gstanden hat. 
Der Hack wyderumb in das land g&t, 

855 Die von Eanfbeiren band in gfangen, 
An dem galgen must er hangen. 
Der Hack h&t sich selbs betrogen, 
Das kloster hat in anferzogen, 
Und was im darnach vil abbrechen, 

860 Die mnter gots t&t das rechen, 

Sy gibt w5rlichen yeglichen den Ifin, 
N4ch dem al[s]er dem kloster ist tan. 
Am sechs und sibitzgosten jär geschach 
Ain Schlacht, denn nit wolten hän gemach 

865 Die Burgdner, ir hertzog tod blib, 

Das rieh sein folk als erschlng und vertryb. 
Im land ward darn&ch ain türin groß, 
Der selben das gotzhnß nit vil genoß. 
Man solt dozem&l kom verk6ft han, 

870 Do woren all kornkasten 1er st&n, 

Nit ward btracht und fürsehen künftig zyt, 
Wie das ertrich nit allweg frücht gyt, 
Ain yeder herr soll alweg fürgends han, 
Das er m6g helfen seinen änderten, 

875 Wenn myßbw, hagel, krieg ist kommen, 
Der sach ward nit wol war genommen. 
Man sol sparen fast win und körn 
Nit aufiP hüt, sonder sorgen auf mom, 
Wer das nit tut, hilft übel haß han. 

880 Wie es ist, also laß ichs yetz stan, 
Wie wol es dem abt ist glegen hart, 
So hat er doch nie nicht gespart, 
Bytz er pfarr Baysweil an uns hat bracht, 
Billich wirt sein in gutem ged4cht. 

885 Zum drytten m&\ er gen Rom hat geschickt; 
Her Caspar Seybolt h&t es geglickt. 
By abt Hainrichen kam hin dan 
Ain junger, der ward ain gschickter man, 
Her Hans der Miller was er genant, 

890 Prior zu Sant Pals»'), den bdbst wol er kant 
[28] Der h4t die pfarr umb pfarr erworben. 
Aber abt Maihis^ der ist gestorben, 
Das er die pfarr nie mocht niessen, 
Zu Augspurg WZ er sein leben bschliessen 



97) Welches Kloster hier gemeint ist, weiss ich nicht 



243 



895 Do was hingfaren von ertzny. 
Mater gots Maria won im by, 
Er b4t dir aufiPgricbt ain rosenkrantz; 
D6 neben ligt bgraben sein Hb gantz. 
Als man zalt tusent vierhundert nuntzig j&r, 

900 So ward erweit zu abt ber Othmar^^\ 
Von Kempten, ain barger, Bünder gebom. 
Zfi der abtj ward er erkoren, 
Seins leibs was er fast ain krancker man, 
Noch must er die abtj niemen an. 

905 Er bat geregiert zehen jar, 

Do er das b&cb machet offenbar, 

Was er in den jären hat getan, 

Das will er lich hie wyssen lan. 

Am ersten mas[t] er tusend gülden hdn, 

910 Ze confirmieren und ze beg&n 

Des vordren grebnyß und ze sytzen ein. 
Der pfarr Baysweil frücht nam er och ein, 
Aber fierhundert gülden mus er alle jar geben 
Zway pfarrern, die wil sy w6ren leben. 

915 Im andren jar er beb wen hat 

Die cappel, die an der kirchen st&t, 
Ainem abt ain taugenlich betthuß, 
Er sieht davon in kirchen binauß, 
Haimlich schneggen syen daran, 

920 Dardurch man allenthalb hin g&n kan. 
Haimlich geng aim prelaten nutzlich sind. 
Den von brüdern und 6ch vom hofgsind 
Mögen nit vil bös sach geschechen, 
Sy fürchten, der prelät, der wurd soeben. 

925 [29] Im ainsundniintzgosten jär überal 
Ain türin ward, das ain fiertal 
Korn galt ain pfund Haller gutes gelt. 
Vil jar blib es tiir in aller weit. 
In allen land wachsen nun myßby®^*), 

930 Seim herren der ackerman daby 

Weder rent noch gilt nit mocht geben. 
Im Algeu erhub sich wilds leben, 
Fünftusent puren kamen ze huff 
By Kempten an die Liibaß^^) hinanff 

935 Wyder iem aigen herren, den abt, 
Der hÄt sy in grosser strÄft gehabt, 
Sy weiten sich niemant straffen Idn, 
Das Kloster weiten sy erbrochen h&n, 
Do was sy der Swebisch bunt zwingen, 



98) 1490—1401 98a) Feljare, da die Felder nicht tragen 99) Ort 
und Fluß Leubas nördlich wm Kempten, 



244 



940 Wyder zu der ghorsammin tringen, 
Ir vil sind auß dem land entrunneD, 
Das hand sy an dem Btmschüch gwunnen. 
Man hat wol gesecben scli5nen schertz, 
H&t in der bunt nit brechen dz hertz. 

945 Darn&ch ain stadel er bwen h&t, 

Der vor dem tor zfi rechter hand stät. 

Im fierten jar der bw geschach, 

Die alten hofstuben er abbrach, 

Die macht er wyter, gantz schön und nw, 

950 Das t&t er im besten aoß gantzer trw, 
Wiewol es nit yedem ist gefallen, 
Was wollen sy nun reden und kallen 
Za dem bw, der ward gefangen an 
Im fünften jar? Den lobt yederman, 

955 Niemant sol darzfi Scheltwort tryben 
Ewigklich sol man den l&n blyben. 
Der abt mit grossem flyß btracht, 
Wie zytlichs leben sol sein veracht, 
Wie er and sein br&der all stunden, 

960 Sind zu der observantz verbunden, 

Wie das gotzhuß 6ch darauf ist gestifft, 
Das weist aller bull und brief geschrifft. 
Der bischofP wolt in nit confirmieren, 
Er wolt denn anf&chen und fieren 

965 Ain recht leben der observantz nach. 
Deß anzef&chen was im fast g&ch, 
Die fogtherren zu Eemnat rie£F er an 
Her Hansen, r3rtter, den strengen man, 
Und Juncker J5rgen, baid Bentznawer, 

970 [30] Des Klosters Schirmherren und beschawer. 
Sy wurden ains, in hingen (sie) Hessen, 
Bytten mit dem abt gen Fiessen 
Zu herr Fridrich^^) bischoff und herren, 
Dz er in dz g&t werck hulf merren, 

975 Er was des fro und versprach ze kommen 
Zu in. Mit fröd sy urlob nommen, 
Der bischoff wolt nit lenger byten, 
Er was gar bald gen 'Urschin r&ten, 
Eben auf Kirchwich er d6hin kam, 

980 Groß fr5d man ab sinr zukunfb nam. 

Als des haiigen crütztag gwicht ist worden 
Das gotzhuß, auf den tag der orden 
Von bischoff Fridrich ist greformiert. 
Die ander wichung dz gotzhuß ziert. 



100) Von Augsburg, ein Graf von HdhenzoUern^ regierte 1486 — 1505, 



245 

985 Sech[8] von fünfzehen hundert zalt man, 
Do ward die observantz gfangen an, 
Fier vatter wurden in beschert, 
Die hand sy die observantz gelert, 
Die ist man halten gar schon und fein, 
990 Her got, l&ß dirs ain gfallen sein! 
Darnach wie observantz wyset auß, 
Haben wir gebwen ain badhuß, 
Zwen keler in den crützgang hinein, 
Darinn brieder hand irn aigen wein. 
995 Gen Eaufbiren bwten wir ain Zuflucht, 
Do wir bhalten mochten unser frucht, 
Wier hätten in der stat zway huß, 
Do weiten wir machen ain grosß auß. 
Noch drw hüser wir darzu k6ft hand, 

1000 Die uns zway hundert gülden gestand, 

Fierthalbhundert gülden sind ietz ausgeben. 
Den murer und zymmerman da neben, 
Kost es gfit und vil gelt 6ne zal. 
Noch ist es nit bwen überal, 

1005 Daran gebwen byß ins flert jar 

Auf dem land darzu nit geflret zwar. 
Ain swaigi^^) in Rerwang^®*) wir hand gemacht, 
Darein im summer vil vich wirt ver[br Jacht, 
Zucht so vil als man in Kirchen bedarf. 

1010 Ain huß zu 'Urschin man niderwarf 
Und hat darauf gebwen ain wirtzhüß, 
Das die gest dester e blyben duß. 
[31] Darnach hand wir k6ft Pfortzhen, dz gricht, 
Dry hoff zu Linaw ^®*) und sind verpflicht 

1015 Die Wertach als wyt sy denn d6 löflft, 
Und dry weld, die haben wir och koft. 
Was man zä Gengachhusen ^^^) facht fisch 
Und Frankenried ^^) denen auf unsren tisch, 
Nachdem und ist deß köfbriefifs innhalt. 

1020 Maria uns und dz g&t bhiet in deim gwalt! 
Das biechlin hat läo machen her Othmdr, 
Ward gmacht im eingenden jubelj&r, 
Do man zalt von Crist burt M und . . . 
Herr got bhüet in vor ewigem we, 



101) sih oben 193b 102) Böhrwäng , bair, BAKaufbeuren 

103) Pforzen, Leinau, Gennachhausen^ Frankenried, bair. BAKaufbeuren 

104) Lücke, von vil jüngerer Hand ausgefüUt mit : „me". 



246 



1025 Verlieh im hie recht ze regieren 
Dort by dir ewigs jubilieren! 

Amen. 
Johannes Kurtz von Eberspach hats gedieht, 
In wer andachtgs gebet sieh verpflicht. 
1030 Als er im jubeljai' gen Rom wolt gan, 
Das bieehlin dem gotzhuß ze letz gelan. 

L BAUM ANN 



DIE BANN WARTHÜTTE ZU THANN IM OBER- 

ELSASS 

Zu Thann im Rangen, 

Zu Gebweiler in der Wanne, 

Zu Türkheim im Brand 

Wächst der beste Wein im Land: 

mit disen Worten feiert der Elsäßer die Heimat seiner besten 
Weine. Thann, im Oberelsaß, am Eingange des reizenden St. 
Amarintales gelegen, nimmt wol nicht mit Unrecht den ersten Plaz 
im Liede ein. Wie zwei gewaltige Risen sten schirmend und 
schüzend Rangen und Staufen rechts und links der Stadt, und auf 
inen baut man den Wein, der mit angenemen Geschmacke bedeu- 
tende Stärke verbindet. Schon mancher muste dise gar bitter 
empfinden; nicht iimsonst fügt im Jare 1665 die T hanner Kronik ^) 
dem Weinbericht hinzu: es war ein mittelmäßiger Trunk, von 
keiner sonderbaren Stärke, doch war er gesund und ließ den Mann 
beim Verstand, Mer als in jeziger Zeit, in der die z aireichen Fabriken 
das dürftige Brot der Bevölkerung reichen, bot früher der Wein- 
bau den Unterhalt, und so erklärt es sich auch, warum mit so 
ängstlicher Gewissenhaftigkeit die Kronisten vom Jare 1500 an 
nicht nur den Beginn des Herbstes, sondern ebenso Quantität, 
Qualität und den Preis verzeichneten. Waren es doch schlimme 
Zeiten, wenn der Wein nicht geriet, wie beispilsb alber 1542: „den 
12. October fing man an zu herbsten, aber es war leyder ein so 
saurer und ungeschlachter Wein, daß ihn kein Mensch genießen 
kunte ; weilen erstlich ein continuirliches Regenwetter und zugleich 
ein gar kalter Äugst- und Herbstmonath war , und dan zum an- 
deren die Trauben nicht kunten zeitig werden; darumb hieß man 
diesen diesjährigen Wein den anderen Türckhenwein wegen der ab- 

1) Annales oder Jähresgeschichten der Barfüßeren oder Mindern 
Brüder usw durch MTscMmser 1724. Gedruckt Colmar 1864. 



247 

geschmackten und unglückseligen Expedition und Feldzug gegen 
die Türckhen." Oder 1573: „Es ist ein Wein worden, der nit 
nur nicht zeitig und nichts nutz, sondern schier gar Essig wäre: 
Ursach, weil die Trauben vor langem, nassem Wetter weder ErafiPt, 

noch Arth noch Tugend kunten fassen Da war ein Elend 

bei den armen Leuthen : kein Gelt, kein Wein, kein Korn, kein 
Brott. Daß Gott erbarm!'' Im Jare 1695 gieng es vor allem 
den Klosterherrn hart hin , denn es jammert der Eronist : „Den 
25ten October hat man hier anfangen zu herbsten und ist den 
7ten November fertig worden; aber es war ein Wein, das leyder 
ihn schier kein Mensch hat geniesen können, so sauer und abge- 
schmackt, das unsere Patres ihre Portiones zu ihren guten Freunden 
in die Statt hinaus geschickht, umb selbige etwan mit einem guten 
alten Wein (weil keiner im Gloster mehr war, und unsere Leuthe 
etliche Jahr den Most von der Trotten weg müsten trinckhen) an- 
zufüllen ; die Trauben, welche nicht recht haben zeitig werden 
können , wegen langem Regen und kaltem Mißwetter , hat man 
müssen mit Holtzschuhen , ja sogar mit holtzenen Stampften ver- 
truckhen, da kan keiner gedencken, was für ein lieblich getrauckh 
darauß habe werden können. Deo sint laudes pro omnibus suis 
beneficjis!** Ein köstlicher Humor troz allen Unglücks! Wie muste 
der Wiz erst sprudeln , wenn es so vil guten neuen Wein gab, 
daß man, wie* 1530, „vor dem Herbst den alten, ferndrigen Wein, 
welcher gar sauer war , ausgeschüttet , oder den Mördel darmit 
angemacht, daß man den newen kunt aufheben.'' „1683 war der 
Herbst gut, wir haben in allem und allem über 25 Fuder neuen 
Wein in den Keller gelegt, welches vor unerdenckhlichen Jahren 
nit geschehen; dem Höchsten seye Dankh gesagt! Ein jedweder 
Chorherr ohne die special Digniteten des Probsten, Cantoris und 
Custodis kam dies Jahr auf 13 Fueder und 12 Ohmen Wein." 

Bei der Bedeutung des Weinbaues für unsere Gegend musten 
die Reben nicht nur mit angestrengtestem Fleiße und gewißen- 
bafter Pünktlichkeit besorgt werden, sondern es war vor allem 
die Aufgabe, die kostbare Ernte zur Zeit der Reife vor „Menschen, 
Vih und anderen Gefaren" zu beschüzen. Dazu wurden alljärlicli 
in einer Ratssizung, die gewönlich im Januar (manchmal scbon im 
December) statfand, aus dm vier Zünften vier erhare Männer er- 
wäU, den Bann zu hüten. Im Jare 1483 erwänt der Kronist die 
erste Wal mit den Worten: „Bannwarthen, so vil ich hab finden 
können, seind in diesem und folgenden Jahren, der Ordnung nach 
(dan ältere seind nicht zu erforschen gewesen) erwölt worden die 
ehrbahre Leuth: Heinrich Buesinger, Rudiger Hageler, Fritzmann 
Tscheppelin und Werlin Luttenbach. " 

Zum Bannwart gewält zu werden , war ein hohe Ere , die 
ganze Gemeinde bezeugte öifentlich den Vieren ir Vertrauen. Zu- 
dem war es die erste Stelle in der Gemeinde-Laufban , wenn der 
junge Bürger darauf reflektierte. Denn erst nach diser Wal konnte 



248 

er die Würde eines Stadtrates und alle anderen Erenstellen er- 
langen, welche dise in sich schließt. Auch waren die Befugnisse 
und Rechte der vier Männer keineswegs klein. Um nur eines zu 
erwänen, so waren sie befugt, wenn sie Jemanden antrafen, der in 
einem im nicht zugehörigen Gute Trauben, Baum- oder Feldfrüchte 
entwandte, denselben zu pfänden und das Geld mit einander zu 
verzeren. Kein Wunder, daß es aus Freude über dises Glück 
hoch hergieng, wenn die vier auserlesenen Bürger zum ersten Mal 
die Bannhütte bezogen. In kräftigen Zügen trank man den alten 
Rebensaft aufs Wol des kommenden Weitgares; manche Rede, ge- 
würzt mit Scherz und heiterer Laune, brachte dem Schöpfer den 
Dank für das Empfangene und ergieng sich in den kühnsten Qoff- 
nungen auf den Neuen. Kalbs- und Hammelsstozen, vor allem 
die beliebte Fleischpastete feiten nicht, ein fröhlicher Tanz be- 
schloß das heitere Fest. Wenn es auch von der Obrigkeit ver- 
boten war, Gastereien in der Bannhütte zu geben, damit die Bann- 
wärter in Ausübung ires Dienstes nicht gehindert oder nachläßig 
würden, so kam es in guten, glücklichen Jaren doch nicht allzu 
selten vor, und gar oft saßen die Vier in brüderlicher Eintracht 
zusammen beim Kruge und tranken und sangen, wie sie uns selbst 
in den nachfolgenden Gedichten erzälen, die vilfach von echtem, 
kernigem Yolkshumor zeugen: 

1732. 

Wir haben gehalten unsern Eyd Tag und Nacht 
Auch in Ehren bisweilen uns lustig gemacht. 

oder 1762. 

Vorem Jahr war gueter Wein, 
Diß Jahr soll er gwis besser sein. 
Lustig, ihr liebe Brüder mein, 
Wir trinken von dem gueten Wein, 
Wir wollen dapfer lustig sein. 

oder 1832. 

Friede und Eintracht herrschte immer unter uns vier Brüder, 
Oefters haben wir getrunken beim. Schalle fröhlicher Lieder. 
Wir wünschen unseren Nachfolger das nemliche Glück 
Den Liebe und Einigkeit sind nöthig in allen Stück. 

Nach vollzogener Wal, nach den Festlichkeiten, die sich an 
den Amtsantrit knüpften, bezogen die Bannwärter die Hütte, 
etliche 100 Schritte südöstlich von Thann gelegen , um von hier 
aus ires Amtes getreulich zu walten. Das Innere des Häuschens 
nimmt nur eine Stube mit vier Fenstern ein. An zwei Seiten 
sten lange Tische und Holzbänke, an der südlichen ist das große, 
offene Kamin angebaut, eine Treppe fürt daselbst unter das Dach, 



249 

wo die Wärter det Buhe pflogeo, die inen ir Dienst ließ. Eine 
Falltüre au der nördlichen Seite zeigt uns den Keller, in dem sie 
das köstliche Naß hargen, um sich wärend und nach der Arbeit 
zu stärken. Die Wände zieren Tafeln, welche teils ausfürlich „die 
Zeiten", schildern, teils nur die Namen der Bannwärter, oft auch 
nur in bescheidener Weise die Anfangsbuchstaben derselben mit 
Jareszal mitteilen. In der Mitte des Zimmers hängt an einer 
starken Säule eine Holztafel mit einem Holzdeckel darüber; sie 
enthält die Statuten für die Vier ein Auszug aus dem alten Stadt- 
protokoll, der folgendermaßen lautet: 

Dem alten Gebrauch und Herkommen nach sollen die er- 
wählten Bannwarten der Stadt und Kattenbach ^) aus lauter wohl- 
habenden, vermöglichen und zu diesem Dienst tauglichen Bürgern 
bestehen; auch kann kein Bürger zum Mitglied des Stadtraths er- 
wählt werden, der nicht zuvor Bannwart gewesen ist. 



BannwartS' Eid 

„Erstlich sollen die neuerwählten Bannwarte schwören, den 
Bann getreulich zu hüten und alles dasjenige, so zum Nutzen und 
zur Besserung der Stadt und des gemeinen Wesens ersprießlich 
und gedeihlich seyn kann, der Administration vorzutragen. Auch 
sollen sie fleißig und wachbar seyn, damit von Niemanden weder 
der Stadt noch dem Bann gefliessentlich Schaden zugefüget würde; 
und im Fall solches geschehen, ebenfalls der administration anzu- 
zeigen. 

Item das fremde angekommene Viehe getreulich und ohne 
Schaden des Banns aus und ein zu transportieren. Die gefundenen 
Hasen- und Wolfslocher, wie auch diejenigen, so ohne Recht Hasen 
schießen, gehörigen Orts anzuzeigen. 

Item so sie jemand anträfen, der in einem ihm nicht zuge- 
hörigen Gut Trauben, Baum- oder Feldfrüchte entwendet, so sind 
sie befugt denselben zu pfänden und das Geld mit einander zu 
verzehren. 

Item nachzusehen, ob in dem Bann keine Viehtritte oder 
Hufschläge zu merken ist und im geschehenen Fall solches ge 
hörigen Orts zu rapportieren. Insonderheit sollen sie wachbar 
seyn wegen Feur in den Waldungen. Ueberhaupt sollen sie von 
der Zeit an, da sie aus der Stadt in die Bannwartshütte gezogen 
sind, Tag und Nacht den Bann ' getreulich und fleißig hüten^ wie 
es fromme und getreue Bannwarte thun sollen und bisher der Ge- 
brauch war. 

Item sollte sich eräugnen, daß das von Metzgern oder an- 
deren Particularen ausgetriebene Viehe dem Bann einigen Schaden 



2) Vorstadi von Thann auf dem Unken Ufer der Thwr, 



250 

zugefügt haty so sind sie berechtigt zu pfönden und darüber ihren 
Rapport zu machen. 

Item auch diejenigen, so in dem Altthanner oder Leim- 
bacher^) Bann einigen Schaden zugefügt haben, zu pfänden und 
darüber zu rapportieren. 

Item sollen sie die bekannten Bannwartspfadlen zum Durch- 
gehen wohl conserviren. Dabey ist ihnen verbotten nirgend als 
nur allein gemelte Bannwartspfadlen als verbottene Wege zu be- 
zeichnen. 

Item damit sie in ihrer obliegenden Schuldigkeit nicht ge- 
hindert und nachlässig werden mögen, ist ihnen ausdrücklich ver- 
botten von der Zeit an, da sie aus der Stadt in die Bannwarts- 
hütte gezogen sind, ohne Erlaubniß der Obrigkeit in der Banu- 
wartshütte Gastereyen zu geben/ 

42 Tafeln, Memorial oder Schild von den Stiftern genannt, 
zieren die Wände; 26 sind aus Stein, 16 aus Holz; die älteste 
von 1560, die jüngste von 1832. Manche der Steintafeln zeigen 
nur die Wappen der Zünfte mit den Anfangsbuchstaben der Namen 
der Bannwärter, andere die ausgeschriebenen Namen derselben ; so 
in den Jahren 1560, 1578, 1579, 1580, 1586, 1612, 1618, 1628, 
1647, 1673, 1674, 1700, 1713, 1723, 1731. Einige von disen 
sind mit Belief bildern (Christus am Kreuz, St. Theobald^ Schuz- 
patron von Thann) geziert. 

Auf einzelnen diser Steintafeln, auf die weniger eingemeißelt 
werden konnte, als man auf die Holztafeln zu schreiben im Stande 
war, sind ein par kurze Säze hinzugefügt wie auf den Tafeln von : 

1606 Glauben Tuen wirs auß erffahrenheit, hoffnung machet 
uns kurtz die zeit, Lyebe gdult, frid und einigkeit hat uns ver- 
thriben manches leid. 

1619 sezten die Bannwärter neben die Anfangsbuchstaben 
irer Namen iren Stand: anno 1619 ist durch die obrigkeit zu 
banuward erweld worden die vier mann LA der weher, TJ der 
gerber, DS der beck, MW rebmann. 

1649 Anno 1649 seint vier manns iacob Banwart gesiin 
haben gelebtin fridt und einigkheit Oott sei gelobt in ewigkheit. 
(Folgen die Namen der vier Jacobe). 

1671 Ein Bann wart wirt zu Eidt gebracht das er dueht 
hüete tag und Nacht für wald und feldt und gantzen bann für 
alles diß sorg soll haben. 

1677 was mid got wird angefangen mues ein gnet ent er- 
langen. 

Ausfürlicher sind folgende Inschriften: 

Anno 1648 mir 4 banward und mir leben und wissen nid 
welang, mir sderben und wissen nid wan, mir faren und wissen 
nid wohin. Uns nimbd wunder das mir so frelich sind in dem 

3) beides Dörfer nahe bei Thann. 



251 

elenden griegsleben. und miesen mir so ein grossens wuchengeld 
geben und nach disem leben well uns gott die ewige frid geben, 
amen. 

1668 Oott sey gedangkht in ewigkeit das wir alle uier sint 
ohne streit uon anfang bis zum ende ueberbliben, o herr dir seies 
zu geschrieben, hie her uer schafft dis memoriall, die banwart 
waren in disem iahr anno 1668. 

1710 Anno . 1709 . ein groser . krig waran . dem . rein . 
gros . iamer . war . da . zu . mall . auch . verfrorren . die . 
reben . zu . berg . und . dall . danoch . segned . uns . der . 
liebe . gott . im . anderen . iahr . mid . wein . und brod. 

darunter 

Herr gib uns den Friden. 

1732 Gott den Allerhöchsten sey ewig Danck gesagt. Das 
wir die Zeit in Lieb und Fried hier zugebracht. Wir haben ge- 
halten unser Eyd Tag und Nacht. Auch in Ehren bisweilen uns 
lustig gemacht. Gott sey Lob in dem Himmelsthron, wo wir yer- 
hoffen unsern Lohn. Amen. 

1735 wir baunwart aeinigkeit. was unser zir kom obs gemis 
wachts zimlich uil allein der weinn uerderbt das spill dan weil 
der plust misrathen warr gabs wenig weinn in disen iahr gott sei 
dancht fir ales das. 

1741 Als zu 1700 Jahren vierzig und eins gezehlt worden, 
wurden wir Vier zu banwart erwählt und viele Arme von Hunger 
gequälet dan zwanzig Liber ein Viertel Walzen, 8 Liber ein Ohmen 
Wein tat gelten und manche zum Stehlen reizen. Es gäbe sehr 
wenig, doch guter Wein , so daß man darbei konte lustig sein, 
die Franzosen marschierten ins Bayerland, was Sei werden machen, 
ist Gott bekannt, man meint es sei wegen dem Kaiserthum, dan 
noch von uns es niemand reden kunt. Herr gib uns den 
Frieden. Anno 1741. 

Schon auf disen 6 leztgenannten Steintafeln ist manches aus 
der Zeitgeschichte augezogen. Bezeichnend für die damalige Lage 
sind die Worte aus dem Jar 1648, in dem endlich durch den 
westfälischen Frieden dem traurigsten aller Kriege ein Ende ge- 
macht wurde. Es ist das Gefül der Verzweiflung, es ist die 
stamme Resignation, die sich in ir Schicksal ergibt, was uns aus 
disen wenigen Worten entgegenklingt; und doch ließ sich troz 
der unheilvollen Zeiten die menschliche Natur nur schwer zurück- 
drängen: „uns nimbd wunder das mir so frelich sind in dem elenden 
griegsleben." 1709 ist der spanische Erbfolgekrieg erwänt, 1741 
der österreichische Erbfolgekrieg, in welchem die Franzosen mit 
Baiern gegen Maria Theresia die Waffen ergriffen. 

Die Holztafeln boten mer Plaz, es konnte eine kleinere Schrift 
angewandt werden; die Nachrichten fließen deßhalb reichlicher. 
Neben allgemeinen Witterungsverhältnissen, Ernte und Weinherbst 



252 

werden auch die sonstigen Begebenheiten der Stadt Thann, die 
der Aufzeichnung wert erschienen, erwänt, die wichtigsten poli- 
tischen Verhältnisse mitgeteilt. Die Jare 1719, 1752, 1762, 1772 
zeichneten sich durch große Hize aus. In dem leztgenannten stellte 
man sogar mitten in der Erntezeit Betstunden an, um den Himmel 
um Bogen zu bitten : „man stellt procesionen und bettstunden an, 
Jeder man vermeint der himel nicht mehr regnen kan.^ Um so 
reichlicher an Niederschlägen waren die Jare 1750, 1763, 1778 : 
„Kaum war in diesem Jahr der Most ins Faß gethan, da fing die 
Thur zu stürmen an, Sie schwillt, sie schäumt, sie brüllt vor 
Grimm, Kaum hörte man sein eigne Stimm. ^ Becht kräftige, 
durch die Alliteration malerische Verse! 1742, 1772 war die Stadt 
von Feuersnot heimgesucht. 1763 fiel der Mann, welcher an 
Frohnleichnamsfest die Fane auf die Spize unsers Münsters stecken 
sollte, vom Turm herunter. Welchen Eindruck dises Unglück ver- 
ursachte, zeigt der Umstand, daß auf dem Schilde diser Sturz ge- 
malt ist. 

Von besonderem Beiz ist die Schilderung des Jares 1794, 
in welchem selbst ein Bann Wärter in die „Pastill'' gefürt wurde; 
auch des Jares 1817, das sich als Hungerjar einen traurigen Bum 
erwarb. Karl X von Frankreich suchte durch glänzende auswär- 
tige Unternemungen das Volk zu fesseln. Zu Thann gelang es 
im vollständig. Mit Stolz erwänt das Memorial die Taten der 
Franzosen in Griechenland unter General Maisou 1828; 1830 er- 
füllte Jubel und Freude die BevÖlkesung wegen der Einname von 
Algier. Freilich war dises „der Eingang eines merkwürdigen Fall, 
es erscheinten die den Frey holten so gefarliche Ordonanzen.** Wie 
vil dem Verfasser das Wort Freiheit galt, zeigt das Jar 1823. 
Die Franzosen waren im Kampfe gegen die spanischen Liberalen 
glücklich, allein der Krieg war allgemein misbilligt, weil er gegen 
die Freiheit war. 1830 schwärmt er für die Julirevolution: „alle 
Völker stimmten dieser Bevolution freymüthig bei", feiert in dem- 
selben Jare die Losreißung Belgiens von den Fesseln Hollands und 
bedauert die heldenmütigen Polen, „die durch Verrat wieder unter 
Bußlands Joch gebracht wurden*. 

Über die verschiedensten Verhältnisse unterrichteten uns dem- 
nach die Holztafeln in der bescheidenen Bannwarthütte, sie sind 
sprechende Zeugen für das, was einst das Herz des Kleinbürgers 
bewegte, für das, was er für nötig hielt der Nachwelt zu über- 
mitteln. Meist schmückt die obere Hälfte der Schilde ein frommes 
Bild: die Krönung Marias, Josef, Maria mit dem Jesuskinde 
usw.; die Namenspatrone und Namen der vier Bannwärter 
feien nie, darunter die Wappen der betreffenden Zunft. 

Wir geben den Inhalt derselben in chronologischer Beihen- 
folge : 

1714 Anno 1714 Diso vier seindt Bannwarth worden als 
der Frid an allen Orthen publiciert und Kund gemacht, Haben 



253 

sie den bann verwacht, War alles Theür Zne dissen Jahren Brod 
Wein Fleisch wie mirs erfahren Das vich fiel hin halt da halt 
dort Darumb groses Jamer aller orth. 

1719 Als man 17 undt 19 gezehlt 

hat raan uns 4 zue banwarten erwöhlt. 

Ein grosse hitz war dises Jahr 

so zwar das das graß, die tranben, ja die danen sogar 

in den wältern verdorten nndt alles, was bei mans gedencken nit 
erhört, also biUich war der sester frucht, der zentner hew, ein 
ohme wein umb 3 tt gleichen preiß verkanfit worden, nachfolgende 
Jahren aber Gott besser er seye, deshalben von uns nnd aller 
ewigkeit geehrt. 

1739 Als man 1739 zeit 

Hat man uns 4 zusammen gselt 

Und auch zubanwarden erwöhlt 

Das mir den bann verwahren 

Vor menschen, Vieh nnd gefahren, 

Welchen wir haben verwacht 

daß gantze Jahr Tag und nacht, 

Im friden und in Einigkeith, 

dafür sey Gott gebenedeyt; 

Alß wir zum erst den berg bestigen 

seind wir vor Schnee schir bliben ligen; 

Daß gantz früh jähr hört man klagen, 

dieweil die Nahrung thuet auffschlagen. 

Wahr alleß zu bekommen noch 

wan nur nit feit daß gelt dem Koch, 

Und weillen im vergangenen Jahr, 

gar wenig wein gewachsen war, 

So war der Ohmen in dem Eauff 

Um 9 liver der gemeine LanfiP. 

Doch Gott den Weiostock allso satt 

In disem Jahr gesegnet hat. 

Daß kein Mann hier in Thann 

Größeren Herbst gedenken kan, 

Darumb der Most schier umb ein spott, 

Gült 20 sols der Ohmen von der Trott, 

und weil der herbst zimlich naß, 

Schreid Jedermann nach gros Läre faß. 

1742 Anno 1742 

Hatt man uns vier zusammeng'sellt 
Und für den bahn zu hüetten bestellt, 
Als wir zuerst den berg bestigen 
Thut noch vill schnee auff selben ligen, 



254 

das früh Jabr war kalt mit vill wind, 
die reben siodt lang bliben blindt, 
die frucbt war auch in hohem preiß, 
Groß scbadten thuen darin die Mäuß^ 
Groß Jammer war in der Vorstatt, 
weil es darin gebrenet hat, 
Daß fewr legt in 6 fiertel stund 
6 häusser völlig auff den grund, 
Der somer Kombt auch zimlich spatt 
All Monaih es ein Kelte hatt. 
danoch die reben dises Jahr 
in 10 Tagen verblüet gar, 
und weils am regen gemangelt hatt, 
darum der herbst war zimlich spath, 
vom Krieg man gar vill redten thuet 
In Böhmen get eß gar nitt guett, 
daß Kriegs volg Leuthet große Noth, 
Weils Mangel an hew und brod, 
Solcheß auch so lang werth, 
Daß sie gar assen ihre pferdt, 
Gott allem Übel mach ein Endt 
Und alles schlimmeß von uns wend. 

1750 Als man sibenzehnhundtert funfftzig zeit 
wurden wir vier Bannwahrt erwehlt, 
daß wür allhier hüetten den Bahn, 
welches wir auch fleisig gethan, 
Obschon Frid aller Orten wahr, 

Ist doch die frucht Thewr dises Jahr, 
das viertel Weitzen und das weiß 
Gulden Achtzehen livers in dem preiß. 
Jedoch schlagts in 8 Tagen ab, 
daß man eß umb Neun Livers gab, 
den ersten Äugst in disem Jahr 
Ein P^orchtsam Donnerwetter wahr, 
mit Hagelstein und Wassergüß, 
daß überlüffen bäch und flüß, 
Im Sennenbahn und Anchenberg 
Nam eß Stuckweis den Grund Hinweckh, 
Es währet Albereith drey stundt, 
D'Man vermeint alß gehe Zue grund. 
Der liebe Gott wolle uns bewahren, 
Hinftiro vor solchen Gefahren. 

1751 Gott allein die Ehr. 

Als das Jubel Jahr aller Orden 
Auff den Cantzlen verkündet worden 



255 

So haben wir all vier alhier 

den bahn verwahret nach gebür, 

welcher wir auch daß jähr bericht, 

wan schon Jemands dar wider spricht. 

Das frü iahr war für d'fruchfc nit gut, 

Trey monat lang es rägnen thuet, 

Zwo güssen seind im früling kommen, 

so Stack und brücken weg genomen, 

Daß wenig tag zu zehlen wir, 

so es nit hat gerägnet hier^ 

Darum die sommerfrucht gar spat 

Zue ent deß mays gesähet hat, 

die fruchten auff dem feldt dün stehn, 

viU gersten gar nit auffgehen 

thuet, die frucht schlagt aJler orden anff 

zu vor wars umb 9 livres KaufiP, 

anitzo ist der gemeint preiß, 

15, 18 liber gilt das weiß, 

der halbe äugst sehr drucken war, 

bis den lOten Weinmonat gar, 

Derum der wein nicht wird so guet 

wie man im äugst in hoffen thuet, 

Joseph Mackert hat auch die Ehr 

bahnwart zu blassen seinem schwär, 

dahero sie noch gsellen sein, 

Gott geh uns inß Künftig Guetten wein. 

1752 Wir vier seind diß jähr Bannwarth erwehlt, 
denen Namen anbey zu lesen. Ein Metzger« 
frantz theobald Hillenweckh, Lutwic Husch 
ein beckh, Tohmas Zyller ein Kühler hier, 
Martin Ruppo auch beckh die vier. 
Der frühling war gar kalt und naß, 
das zurückblieb blühte und graß, 
In dem May war ein starker Nabel komen, 
Hat vil obst und Frucht weggenomen. 
AUeß war theuer und schlagt auf 
Zwei und 20 liber in dem Kauff, 
Daß graieß das wahr ziemlich rahr 
hat gefehlt im forig Jahr 
das pfund ertäpfel auff gleiche weis 
wie das Pfund rindßfleisch im preiß. 
Doch schlägt die Frucht in 8 Tag ab, 
um 16 liver man sie gab. 
Die Ernd und herbst war dieß jähr gut, 
weilß so lang nicht regnen thnt, 
Herbst und weinmonath drucken war 



256 

der windermonath auch sogar. 

Die Wasser waren noch so klein , 

vill Müllen stil gestanden sein. 

Trey monath nicht recht geregnet hat, 

Drumthuts nicht wohl omb die saat. 

Die fracht kond nicht recht aufgehen, 

Yül äcker ohne Frucht stehen, 

die trückne hat auch dergestalten 

die Traub im Zeitigen aufgehalten, 

Darumb müste man sie ablesen, 

eher alles völig zeitig gewesen, 

Da ist der preis vom ohmen wein 

für umb 50 su insgemein, 

hat darbey gut und viel geben 

Gott geh darbey uns gsund zu leben. 

1760 Diese 4 Bangwart von Thann 
hüethen getrey den bahn, 
der Frühling war gar zu schön, 
die frücht auff dem Feldt thuen stehn, 
der Sommer Erschröcklich trocken war, 
daß waser aller orthen rahr, 
darauf ein Theurungszeit 
gekomert hat Man und Weib, 
Die frucht gülden hat daß weiß 
Neunzen livers in dem preiß, 
Aber gleich abgeschlagen. 
Daß man Gott danck soll sagen, 
das gemueß war rahr allerley, 
schier gar kein ämet und wenig hey. 
Alles war rar, eß ist ein Joch, 
Gekümmert hat allzeit der Koch. 
Das Obß ist gar wol graden, 
daß man lang wird davon sagen, 
man vermeint es geh wenig wein, 
Gott hat sein sägen geben drein, 
Guetter Wein, der war doli. 
Wer zvill trinkt, der wird voll. 
Ein Ohmen wein au£f dise weiß 
Drey über ist der gmeine Preiß. 

1762 Als man 1762 zeit, 

seind dise 4 burger zu bahnwart erwölt, 

Dise gemelte 4 man 

hüetten Treulich de ban. 

Der früling zu melten ist schön, 

die fruchten auff dem felde sten. 



257 



Der sommer schröcklich Trucken war 

Daß Wasser 7 wochen rahr; 

ach du lieber guter Rangen, 

Aa£f den Hacket tbuest du blangen. 

Die frucht hat gülden das weiß 

12 liber war ja der preiß. 

Ops, gemieß allerley 

wenig ämet, nit vill hey. 

Äugst, Herbstmonat war vill nößcn 

daraus geben hat ein gußen, 

vill Leuth, die haben gemult (Graben zogen), 

Darauß ihr äroet ist verfult, 

Im Feld seind schön die räben, 

wenig nußen hat es geben. 

Kein freierer Herbst ist nit zu finden, 

Die alte Leuth könneß nit ergrinden. 

Michaelitag war kommen an, 

Den Tag darnach man Herbsten kan, 

Vorem iahr war gueter Wein, 

diß iahr soll er gwis beser sein. 

Lustig ihr liebe Brüder mein, 

wir trinken von dem gueten wein, 

wir wollen dapfer lustig sein! 

Der guete wein gilt gleich von der Trott 

um 50 SU der ohmen, ist ein spott. 

Darauff der windter ein böse muetter 

dem kalten windter gewest sein brueder, 

wann einer schon hat frucht genommen, 

so hat er doch kein möU bekommen. 

Niemahl so kalt bey maus gedenck 

Gott wöll machen der Eält ein End. 

1768 Da man 1763 zölt, 

seind diese 4 zu bahnwart erwöhlt. 

der fryling, zu melden, ist naß, 

der gantze sommer duren daß. 

Also hat man vil yernomen, 

das brück und stäg hat weggenomen, 

frucht geben guet und genug, 

9 lieber fiertel gelten thuet, 

wenig Obß^ gemieß allerley, 

vil ämet und vil hey. 

auch an fronleichnamstag fallt 

einer Tott von Tburn hinab, 

Fahrt oben vom Gipfel bis unden durchs Tach 

daß Ziegel und laten durchkracht. 

Guetter wein getrunken der genügen, 

Birlinger, Alemannia XI 3 17 



258 

der sauere miesen mir Jetzt hüeten, 
weinmonath reiffeD, naß dameben, 
deswegen saurer wein hat geben, 
von der Trott der saure wein 
yier liber muß bezahlt sein. 
Die Heren sollten sich schier schämen, 
der steffan Ton Bahnwart geschwind 
Begister mueß nehmen. 

1770 Als man 1769 zehlt, 

Seind wier Vier zu bahnward erwöhlt, 

das wir im 1770 jähr auf den bahn sollten haben acht, 

welchen wir auch mit allem fleiß yerwacht. 

die Zeiten zu beschreiben, 

wollten wir nicht lassen bleiben: 

mitten im hornung war gefallen ein schnee, 

der ist ligen geblieben bis miten im brachmonat. 

In den bergen und in der hoch, 

der Mhling war angefüllt mit költen, 

das anfangs mayen Kein boum gegrün tt in den f eidern« 

doch wäre der mayen so gutt, 

das er bringt Laub und grass genug, 

ein grosses iammer bey den menschen wahr, 

das die frucht so Theur in diesem Jahr, 

sechs und dreisig Lieber gilt das weis, 

das mahl körn 29 bis 30 tt in dem breiß. 

das gemies wahr so rahr, 

das bis in den äugst schier keines zu bekommen wahr. 

Die reben seynd lang geblieben blind, 

dass sie erst auf iacobi in blust komen seynd. 

doch hatt uns gott gesegnet mit warmen weder und 

sonenschein, 
das die drauben bis ausgängst angst zur aufwachsung 

komen seynd, 
an iacobi ein Onglücks dag, 
das kein man gedenken mag, 

auf den abent um 9 Uhr ist kommen ein Ongewider, 
das der donnerstral die lauderer im glockenhaus geschlagen 

darniter, 
doch seynd 7 mid leben dar von kommen, 
iohannes bihler hätts von dieser Welt genommen, 
hin und wider grosse wolcken brüch, 
das das wasser in vielen orden hinweg genomen hat leyd 

und viech, 
der wein in seinem breis zu melten, 
thut der ohmen im herbst 8, 9 bis lOtt gelten, 
die Theurung Thut in allem also fort dauren, 



259 

das mirs in nnser schilt tbnxi schreiben mit Tranem, 

wir alle bitten Gott, 

das er von uns neme die Thenmngs noth 

nnd uns Seyn segen mitheilen, 

und mid seyner gnad nicht verweillen, 

damit mir die Zeiten mit getult können vertragen, 

nnd gott ewig darfür Danck zu sagen. 

1772 Als man sieben zehen hnndert siebenzig eins zehlt, 
hat man uns yjer burger zu banwarth erwöhlt, 
anffs iahr siebzehn hundert sibenzig zwey 
Torm richter zu schwöhren Tor den ban das aytt. 
lorentz tscheiller seyne frau lang krankh gelegen, 
gott sie genomen ins ewige Leben, 
Lorentz tscheiller wegen disem von banwarth ist komen 

wie recht und gueth, 
vor ihn ist ban warth erwöhlt worden iosephns gueth. 
das frie iahr wahr faist mit rauem wintt, 
die reeben hat man müssen binden geschwintt, 
weil boeum uud reeben frieh rucken herfür, 
ist alles frölich das Lantt hinnnder nnd hier, 
gleich alle freutt ist widerum vergangen, 
weil osterfeyerdaeg mit Einem grossen schuee thun prangen, 
eyszapfen hängt der menge an boeum und reeben, 
man hat vermeind werdt nichts mehr geben, 
gott zeigt uns alles schön ihm ban, 
durch unsere sind ers wider nemen kan, 
gott sey lob danckh geprissen ietz und imerdar, 
das land auf und ab niemand Klagt wegen dieser gefahr. 
der sumer ist durch und durch trucken gewesen, 
doch hat es füll hey und öhmet geben, 
alle nacht ein reichlicher tau vom himmel ist kommen, 
das gemiess und graß erquiget, sonst wöhr es umkomen, 
viU Kirschen hats geben au£f dem ebenen landt, 
ihn bergen und thoellern hats der nebel verbandt, 
wenig apfel und biren, keine zwegschen hats geben, 
weill alles ihm bluest vom nebel ist worden gequället. 
Das körn ist worden gahr fein und hübst, 
Ihn der £mdt man den lieben gott um regen noch bitt, 
die halben nussen von der hitz abgefallen seyndt, 
sumerfrucht hats winig geben, es ist bliben gar klein, 
man stellt procesionen und bettstunden an, 
Jeder man vermeint der himel nicht mehr regnen kan, 
Nach dem blust die Trauben still gestanden an den reeben. 
Jedermann vermeindt winig wein dis Jahr werd geben, 
nach Jacobi die Trauben starkh und gross gewaxsen seindt. 
Ein grosser herbst hats geben mehr als man vermeindt, 



260 

i 

i 

an glitten orthen yon schätz reben sieben bittig gelessen, 
Vor dem berbst der alte wein um 12tt £r ist Theuerer 

gewesen. 
Ihn und nach dem herbst der. neue Wein 4 bis 5tt galt, 
an gutten ordeu besser als der alt, 
die frucht ist disses Jahr noch in einem hohen preyß, 
die mahlfrncht 18tt 20 bis 22 tt gilt das weiß, 
die Thanner statt dis Jahr zwey grosse schrecken hat, 
zwey feyersbrunst mit zittern ausgestanden hat, 
zu mitter nacht in Gathenbach Legts feyr 3 häusser dar 

Nieder, 
beim ober Thor dem Nachbahr nicht wohl weills feyr 2 

häusser nimbt wider, 
Grott woU uns fernere Jahren behieten und bewahren 
Vor feyersbrunst, Miswaxs und andere gefahren! 
Die Zeit haben wier verdrieben 
In fridt und Einigheit, 
darvor sey gott gepriessen, 
went ferner von uns alles leydt. 

1778 Das heurig Jahr ein Strafe Jahr 
So nur an Unglück fruchtbar war, 
Bald würd vor Hitz Getraid und Wein 
Erdorrt und ausgedrocknet seyn. 
Doch bracht ein Hegen noch zur zeit 
Die schon verschätzte Fruchtbarkeit, 
So daß der Weinstock und die Aehr 
Noch halb und halb ergibig war. 
Zwölf Livers man für Mahlkorn zahlt 
Der Waitzen noch 6 mehrer galt 
Mithin der gmeine Mann mit Noth 
Sich beigeschafft das täglich Brod, 
Neun Franken galt der gmeine Wein 
Wie theuer müßt nicht der beste sein. 
Auch was der Armen Speise war 
Die Erd in gringer Zahl gebar. 
Dem Gmieß ging ab der Nahrungstrieb, 
Der Bäume frucht zurücke blieb 
D^ Erdäpfel wai*en viel zu klein 
So vieler Mägen Speis zu sein. 
Noch war die Straf der Sund nicht gleich 
Der Himmel bschloß noch härtern Streich. 
Kaum war der Most ins Faß gethan — 
Da fing die Thur zu stürmen an. 
Sie schwillt, sie schäumt, sie brüllt vor Grimm 
Kaum hörte man sein eigne Stimm ; 



261 

Sie raubt dem Thal sein Holz nnd Stein 
Und reißt darmit die Brücken ein, 
Sie tritt aus ihrem Kinne Saal 
Vergrößert so der Thanner Qual 
Sie untergrabt die Maur der Stadt 
Und, was daran gestanden hat, 
Stürzt um und wird der Wellen Beut, 
So daß zur Lebens Sicherheit 
Gar viele sich gezwungen sahen 
Dem oberen Kloster sich zu nahen. 
Zwölf Häuser gingen so zu grund 
Und das zuvor so prächtig stund 
Das Eathhaus fiele auch mit ein 
Und muß des Neptun Speise sein. 
Die gantze Stadt mit gleicher Gfahr 
Zur nämlich Zeit bedrohet war, 
Indem die Fluth schon in die Stadt 
Durchs obere Thor getrungen hat. 
So vieles Unheil eine Nacht 
Den Thannern Bürgern hat gebracht! 
Den Tag darauf noch mehrer Schmerz 
Durchs Aug getrungen in das Herz, 
Da man das Übel auf dem Feld 
So der Tyrann hat angestellt 
Mit nassen Augen angesehn — 
Es möchte eim das Herz zergehn, 
Die Erde war sehr tief benetzt, 
Was grüU; mit Kies und Stein besetzt,» 
Die tiefe Gräben ausgefüllt 
. Die Weeg und Grunde weggespühlt 
Die Güter litten hier und dort 
Viel schwamen mit dem Wasser fort 
So daß man nicht beschreiben kann 
Was uns die Fluth zu leid gethan. 
Erstatt, o Gott, der Vatterstadt, 
Was diese Nacht ihr g'schaden hat. 
Und damit Sie von Strafen frey 
Gib, daß Sie fern von Sünden sey. 
Diß wünschen die dermahlige 
Bahnwärter 
den 25ten Weinmonat. 

1794 Des zweyten republikanischen Jahrs, 
alter Zeitrechnung aber wars 
siebzehnhundertneunzig vier, 
daß erwählet worden wir, 
den Bahn zu hüten mit allem fleiß, 



— ^ 



262 

das wir gethan auf d'ächtest weis. 

An Theurung, Unglück, Tyranney 

gar keipem Alter fallet bey : 

daß jemals nock gewesen war 

ein diesem heurigen äbnlicbs Jabr. 

bundert Franken man fdr Mablkorn zablt, 

der Waitzen zwanzig mebrer galt, 

und dieses zwar in scbönstem Oeld, 

so dieses Beicb in sieb entbält; 

zehntausend Franken dahingegen 

in Assignats man mußt hinlegen 

und was am meisten zu beklagen, 

maus aufm Kucken mußt zutragen. 

Es war ein solche grosse Noth, 

daß zwey tbeil Leuten one Brod, 

Erdäpfel musten ganz allein 

so vieler Mensche Speise seyn. 

noch waren diese kaum zu kaufen, 

weil sich s^fiertel tbat belaufen 

auf neun livres silbergeld, 

sos' doppelt schier in sich entbält, 

weil was sechs livres silber galt 

in kupfer man neun livres zahlt, 

überhaupt all nahrung zwar 

der Theurung überlegen war. 

achtzehn Franken galt der gmeine Wein, 

wie theuer mußt nicht der beste seyn! 

Noch war die Straf der Sund nicht gleich 

Uns drückte noch ein härterer Streich: 

die Bobespieranisch Wüterey 

und unerhörte Tyranney 

durch die fast all ehrliche Leuten 

die größt Verfolgung mußten leiden, 

man schleppte sie in die Pastillen 

seiner Anhänger wuth zu stillen, 

Unzahlbar viel tausend aus ihn 

wurden gemartert durch d^Ouilotine 

so daß man nicht beschreiben kann 

was übles ihn ward angethan 

Leopold Haas auch mußte zwar, 

ob er schon hatte sechzig Jahr 

in die Pastill seyn geführet, 

so für ein Bahnwart nicht gebühret. 

Wir bitten dich, o grosser Gott, 

schick uns nicht mehr ein solche Noth! 

erstatt dem Land und unsrer Stadt, 

was dieses übel g'schaden hat. 



263 

und damit sie von strafen frey 
gib, daß sie fem von sünden sey. 
Dies wünschen wir Bahnwärter 
Leopold Haaß, Joseph Fahner, 
Joseph Hurth und Anton Eisch. 
Gemallet Anno 1797 

JBulffer Maller. 

1817. 1818 Dies Jahr wir Obige wurden erwählt 
Obrigkeitlich zu bahnwarten bestellt; 
Den Bahn zu behüten mit allem Fleiß 
das wir gethan auf d'ächtest Weis. 
Keines in diesem Jahrhundert war 
an thearung gleich dem heurigen Jahr. 
Fürs Mahlkorn man 100 frangen zahlt, 
der weitzen 20 mehrer galt; 
£s war ein solche große Noth, 
daß zwei Theil Leute ohne Brod. 
d'Erdäpfel musten fast allein 
so vieler Leute speyse sein. 
Noch waren diese kaum zu kaufen, 
Weil der Preis sich z'hoch hat belaufen, 
den sTiertel 30 Franken galt, 
Ja noch drüber man hat bezahlt. 
Überhaupt alle Nahrung zwar 
der Theuere überlegen war, 
sehr viel mit Gras sich musten nähren. 
Weil sie dem Hunger nicht konnten wehren. 
Viele erkrankten vor Mattigkeit 
und reisten ab in d^Fwigkeit. 
Achtzig Franken galt der geringsted Wein, 
wie theuer must nicht der Beste seyn — 
dann auch in diesem Unglücksjahr 
an d'Keben der Wein verfroren war. 
Noch war die Straf der Sund nicht gleich, 
Uns drückte noch ein harter Streich, 
Weil wir in diesem Fehlejahren 
Vom Feinde noch beladen waren. 
Wir bitten dich, o großer Gott, 
schick uns nicht mehr ein solche Noth, 
Erstatt dem Land und unsrer Stadt 
Was dieses Übel g Schaden hat. 
Und damit sie von strafen frey. 
Gib daß sie fern von Sünden sey! 

1818 An Getreid, Futter und Gmüs dies Jahr 
alles fruchtbar mittelmäßig war, 



264 

Oott segnete uns noch oben drein 

auch dieses Jahr mit gutem Wein, 

da vorhin schon einige Jahren 

sauer und wenig Wein gewachsen waren. 

18 Franken galt der gmeine Wein, 

wie theuer mußt nicht der beste sein. 

20 Franken man fürs Mahlkorn zahlt, 

der Weitzen neune mehrer galt. 

Mithin der gemeine Mann mit Noth 

Sich angeschafft das täglich Brod. 

dies heurig 1818te Jahr 

auch sehr für uns erfreulich war, 

Weil d^feindliche Truppen insgesammt 

Müßten ziehen aus unserm Land. 

Gott, deinem Volke väterlich in diesem Jahr hilf wieder 

Erbarme der Verlassenen dich und der bedrängten Glieder, 

gib Glück zu jeder guten That 

Und las dich Gott mit Heil und Rath 

auf unsre Obern nieder, 

das Weisheit und Gerechtigkeit auf ihrem Stuhle throne, 

das Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne, 

das Treu und Liebe bei uns sey — 

Dies lieber Vater uns verleih 

In Christo deinem Sohne. 

Bekräftiget von Herren Mayer Nonancourt, 

gemalt von F Joseph Bulffer. 

1832 Nach einer Unterbrechung von 10 Jahren 

Während welchen Frankreich vieles erfahren, 

Wurde, als man 1831 zählt, 

Die alte Ordnung in Bahnhütten hergestellt. 

Jedermann erzeigte viel Freud daran 

Und uns 4 obige bietet man die Stelle an. 

Den Bahn zu hüeten mit allem Fleiß, 

Daß wir gethan auf die ächteste Weis. 

Um die Lücke, die diese Unterbrechung in der Geschichte 

verursacht, auszufüUen 
Haben wir uns zur Pflicht genommen und es ist unser 

fester Willen 
Hier in wenig Worten zu sagen 
Was sich während dieser Zeit hat zugetragen. 

1821 war keines der besten Jahren 

Und merkwürdiges haben wir in demselben nicht erfahren. 

1822 war schon viel besser. 

Denn mit sehr gutem Wein füllten sich unsere Fässer, 
Getreide, Gemüser und Obst gab es von allen Sorten 



265 



Darum herrschte Zufriedenheit und Lustbarkeit in allen 

Orten. 
Der frühe Herbst war noch das merkwürdigte oben drein: 
Am 9ten Herbstmonat führte man schon die Trauben ein. 
1828 gab es wenig und schlechten Wein, 
Und über dies fiel der Krieg mit Spanien ein, 
Obschon mißbilligt, weil er gegen Freiheit war, 
So zeigte er doch den Muth der Franzosen klar, 
Denn wie uns durch die Geschichte schon l^ng bekannt, 
Als Sieger kehrten sie zurück ins Vaterland. 

1824 war in Betreff der Produkten der £rde gering 

überall 
Und der Tod von Ludwig dem ISten in demselben ein 

tichtiger Fall. 
Der Anfang der Regierung seines Nachfolgers ließ uns 

vieles hoffen, 
Aber es hat wie man später sehen wird fehlgetroffen. 

1825 war ein mittelmäßiger Herbst, aber sehr guter Wein, 
Und d^£insammlung anderer Früchten überhaupt nicht 

klein. 

1826 führte man einen sehr großen Herbst ein, 
Der Wein aber hätte wohl können besser sein. 

1827 war in allen Stücken sehr fruchtbar 

Der Herbst mittelmäßig, die Qualität aber schätzbar. 

1828 gab wieder Gelegenheit 

Zur Franzosen Muth und Tapferkeit. 

Den 15 Äugst sind unsere Truppen yon Toulon nach 

Morea abgesegelt 
Und in kurzer Zeit die unterdruckten Griechen vom Joch 

der Türken erledigt. 
In diesem Jahr war der Herbst sehr groß, aber der Wein 

so gering im Preis 
Daß man ihn suchte zu verkaufen und abzuschaffen auf 

alle Weis 
Doch haben diejenige, die es thaten wagen, 
Vom Speculiren darauf sich nicht zu beklagen. 
Denn die Fehljahren, die nachfolgten, waren so hart, 
Daß er noch kam in den schönsten Werth. 
5 und 6 Franken man von der Trotte zahlt, 
Und zwei Jahren darauf 1 f mehr galt. 

1829 war eine allgemeine Trauer, 

Denn der Herbst war gering und der Wein sehr sauer. 

1830 war in den Produkten der Erde dem vorhergehende 

ziemlich gleich. 
Aber an merkwürdigen Begebenheiten sehr reich, 
Es gab den Franzosen auch Gelegenheit 
Zu Heldenmuth und Tapferkeit. 



266 

Den 25ten Mai sind unsere Truppen von Toulon nach Algier 

abgefahren 
Und den darauffolgenden July haben wir die Einnahme der Sfcadt 

und die Absetzung des Dey erfahren. 
Freude und Jubel herrschte darüber überall, 
Doch war es nur der Eingang eines merkwürdigen Fall, 
Den 26ten July erscheinten die den französischen Freyheiten so 

gefährliche Ordonanzen 
Und am 27ten thaten schon die Einwohner von Paris Häuser und 

Gassen verschanzen. 
Es folgte darauf ein blutiges Oefecht, noch keines in der Geschichte 

seines gleichen, 
Die Kinder der Freiheit erhielten den Sieg und die Gewaltherrscher 

mußten weichen. 
Die alte Ordnung und Dinastie wurde weggeschafft 
Einen andern König gewählt und eine neue Charte abgefaßt. 
Alle Völker Europas stimmten dieser Revolution freymüthig bei 
Weil sie glaubten, daß sie den Ursprung ihrer Befreiung sei. 
Belgien brach die Fesseln, die sie an Holland banden 
Und zerrieß das Reich der Niederlanden. 
Fohlen Heldenmuth ist auch in diesem Jahr erwacht, 
Aber Verrätherey hat sie 1831 wieder unter das russische Joch 

gebracht. 
Alles war immer sehr theuer in diesem Jahr, 
Welches die Folge einer immerwährende Nässe war, 
Sie war so fortdauernd, man soll es kaum glauben, 
Während dem ganzen Sommer sah man Wasser im Steinruntz laufen, 
Sie verursacht uns wenig und schlechten Wein, 
Und theuer mußten Früchte und Erdäpfel sein. 
Mancher mußte das Wirthshaus meiden 
Und Weib und Kinder Mangel leiden. 
1832 waren wir von allen Seiten bedroht 
Und eine lange Drückene verkündigt uns Noth. 
Doch war die Erndte reich und Obst hat es gegeben, 
Soviel daß kein Mann gesehen in seinem Leben. 
Im Spätjahr zogen unsere Völker in das Feld 
Welches gekostet bat Mann und Geld« 

Die Einnahme der Vestung von Antwerben war der Resultat, 
Sie beweist die Standhaftigkeit des französischen Soldat, 
Friede und Eintracht herrschte immer unter uns vier Brüder. 
Öfters haben wir getrunken beim Schalle fröhlicher Lieder« 
Wir wünschen unseren Nachfolger das nemliche Glück, 
Den Liebe und Einigkeit sind nöthig in allen Stück. 

Dises ist der Inhalt der lezten Taf^. Zwei ständige Bann- 
wärter versehen jezt den Dienst. Die alte Einrichtung fiel wie 
so manches andere der neuen Zeit zum Opfer. 

Thann i. E. BRUNO STEHLE 



267 



CONEAD DIETERICH VON ULM GEGEN 

ABERGLAUBEN 

Das Werk des Ulmer Superintendenten, Conrad D., eines 
gebornen Hessen aus Hayna oder Gmünden, dem folgende Beiträge 
zur Sittengeschichte desl7Jhds. entnommen sind, umfaßt 2 dicke 
Bände in fol. Titel: 

EcclesiasteSj \ Das ist: \ Der Frediger SdLomo \ In vnter- 
schiedenen Predigen erklärt | vnd aufgelegt, darinnen der thörichte 
Weltwahn vnd dessen Eytelkeit | klärlich vor Augen gestellt, dar- 
beneben auch mancherley vornehme Theologische, Politijsche, Phy- 
sische, Elementarische vnd andere Materien, so sonst in Populär 
Predigen | nicht vorfallen, tractirt vnd begriffen werden. | Gehalten 
zu Vlm im Münster | Durch Weiland den Wohl Ehrwürdigen 
Groß I Achtbaren und Hochgelahrten Herrn | Gunrat Dieterich, der 
Heiligen Schrifft Doctorn j Vlmischer Kirchen Hochverdienter | 
Superintendenten | Kurz vor seinem Seeligen End, von ihme selbst- 
revidirt; nunmehr auch auf instand |iges Begehren von seinen hinter- 
laßenen Erben in offenen Druck geben | Erster Theil 1642 fol. 
23 Bll. 882 88. mit Index, Ulm, Gedruckt, In Verlegung Johann 
Gorlins, Buchhändlers, durch Balthasar Kühnen bestellten Buch- 
drucker. 

Bef^ BtLchs I Der Weisheit \ Salomonis 

In vnterschiedenen Predigen erkläret | vnd außgelegt, | Da- 
rinn die vornembsten Historien vnd | Geschichte Alten Testaments 
von Adam an biß nach Außführung der Kinder Israel auß Aegyp- 
ten durch die Wüsten, Sampt andern vornemmen Theologischen, 
Politischen, Ethischen vnd Elementar jischen Materien, so sonst in 
Populär Predigten nicht vorfallen usw. Ander Theü. Vlm durch 
Jonam Saum bestellten Buchtruckem. Im Jahr 1632. fol. 1172 SS. 
und 12 SS. Dazu ausfürl. Register. 

CD. geb. 1S75, Feldfprediger beim Fürsten Sohns-Laübach; Ärchi- 
diakon in Marburgy 1607 Prof. in Giessen^ 1614 Sup. in ültriy 1620 zur 
gleich Direktor des Gymnasiums, f 1639. „ Unter den Predigten verdient 
besondere Erwähnung das Buch der Weisheit, auch für d. Sprachforscher 
beachlenswerth,*' Ällgem. Deutsche Biogr. V 157 ff. {Heppe). 

1 TEUFEL UND HEXEN, WETTERMACHEN 

An s. Leben durfte der T. dem Job nichts tun. Er konnte 
nicht eine Laus machen I Mos. 8, 18, one Erlaubnis konnte er 
nicht in die Grergesener Säw faren Matth. 8, 31 ff. 

„Wie viel weniger wird er dann an eim Menschen etwas 
können ohne Gottes Verhengnuß? So dann nun der Teuffei so ohn- 
mächtig, daß er aus sich selbst nichts vermag, auch nicht über 
ein Sawbürste, werden seine Postbotten und Diener, die jhm also 
zureden, das Schindmesser nachtragen, als da sind Hexen, Un- 



268 

holden, Zauberer, Wahrsager, Segensprecher und andere weise, ja 
rechte Teoffelsleut, viel weniger etwas hierinn yermögen? Ean doch 
ein Hex oder Unhold, wann es im Sommer allzu dürr oder zu 
feucht, mit aller ihrer Kunst kein Regen oder Sonnen über ihr 
eigen Gut bringen, kann nit ein Kübel oder Krug voll, ja nit ein 
Tröpflein Wassers auß dem Bronnen oder Bach, dabey sie wohnet, 
zu ihrer Notturft haben, es sey dann, daß sie das schöpfen oder 
holen laße. Und da ihnen ihr Fewr in der Aschen verlöschet, 
nicht machen, es sey dann, daß sie es aus einem Fewrstein schlagen 
oder bey den Nachbawren holen. Was wollen sie dann, sag mir, 
jmmerroehr für Ungewitter, Fewrstralen und Streich, Donner 
und Hagel in der Luft machen können ? Wann Hexen oder Un- 
holden Dooner und Hagelwetter machen konnten , wenn es wohl 
ohn not, daß man heutigs tags bey vorgehendem so beschwer- 
lichem blutigen Kriegswesen im Römischen Reich ^ so viel Un- 
kosten an Kriegswerbung zu Roß und Fuß legte, sondern durfte 
nur ein solche Gabelreuterin bestellen, welche dem Feind seine 
Macht mit Hagel und Ungewitter, Donnerstral, Schlag und Streich 
zu Boden richtete, wie der Herr zue Zeiten Josue und Elia ge- 
tban. Will nit sagen, wann der Teuffei und sein Hexengeschmeiß 
jhres Gefallens, wann, wo, wie oder über wen vnd so oft sie wol- 
ten Wetter machen könnten, daß wir langsam, ja nimmermehr 
ohn Ungewitter, Donner und Hagelschlag seyn wurden, weil sie 
der Menschen abgesagte Feind seyn. Darumb ists alles nichts, 
was von den Alten Wettermacherin gesagt, geglaubt tind gehalten 
wird. Gott ist der rechte Wettermacher usw. H 892 ff. 

2 MITTEL DAGEGEN 

Das ist aber billich zu beklagen, daß noch heutigs tags 
unter uns Christen solche Leut gefunden werden, die allerhand 
abergläubische , mehr dann heyduische Mittel wider die Wetter 
sich nicht sehe wen zu gebrauchen. Dann in dem Papstumb findet 
man 1) etliche die besondere Wettersegen haben, damit sie die 
Wetter beschwören, daß sie ohn Schaden abgehen, dergleichen 
dann vnterschieden unter ihnen gefunden werden. Neben dem 
stellen sie 2) öffentliche Processionen und Walfarten an, da sie 
järlich in der Greuzwochen umb die Felder mit Creuz und Fahnen 
gehen, besondere Götzenbilder umbtragen, die alte abergläubische 
Litaney, wie auch den Anfang des Evangelii Johannis singen, da- 
mit das Wetter sie nicht beschedige. Haben ingleichen 3) Das 
Evangelium Johannis, welches sie aufs allerkleinest, entweder mit 
roter Färb getruckt oder geschrieben in Federkeile oder silberne 
und güldene Creuzlein einschliessen, etliche Messen darüber halten 
lassen, mit dem Fürgeben, daß diejenige, welche solche bey sich 
tragen, vor Ungewitter, Donnerstral, Zauberei, Gespänst und Ge- 
fahr des Teufels befreyet. Dergleichen auch denen begegnen soll, 



269 

welche es am Morgen nacli der Meß lesen hören. 4) Jener ßanr 
machte es noch besser, welcher sagt, wann ein Wetter kommen 
und er vier Grenz mache und die Namen der 4 Evangelisten M. 
M. Herodes und Pilatus spreche, daß er gewiß vor dem Stral ver- 
wehret wäre. So hat man 5) vor Zeiten gesagt und gehalten, wo 
ein Johannes in Einem Haaß seye, das Wetter entweder gar nicht 
darein schlage, oder, da es ja gar einschlage, dannoch keinen 
Schaden thue. Dannenher schier ein jeder Haußvater ein Hansen 
in seinem Hanß haben wollen. 6) An vielen Orten hat man Wetter- 
hörn er gehabt, welche man zu Ach in Brabant geweyhet vnd man 
daher Ächhörner genennet. 7) Sonsten ist diß ein gemein Mittel 
in dem Papstumb, daß man die getau£Fte und geweyhete Glocken 
anzeucht und fürgibt, soweit man den Klang höre, das Wetter 
keinen Schaden thue. Sonderlich hat man die Glocken für kräftig 
gehalten, welche in dem hl Land iu dem Jordan getaufft. Barumb 
vor Zeiten die Bilgram allerley kleine und große Glocken dasselbst 
taufen lassen und die mit großem Unkosten her außgefübret, wie 
solches in ihren Eeyßbüchern zu ünden. 8) Etlich zünden ge- 
weyhete Kerzen und Palmen an. 9) Etliche stecken Eybes, Bey- 
foß, Ingrün, Johannskraut, Schellenkraut, Rauten und dergleichen 
Wurzeln, Kräuter und Blumen, welche sie an St. Johanns Abend 
samblen an alle Oerter der Häuser. 10) Etliche heben die Eyer 
mit allem Fleyß auf, welche die Hennen an dem Tag der liimmel- 
fart legen und binden die in großem Ungewitter oben auf die 
Häuser. Das soll fürs Wetter helfen! Probatum est. Scilicet. H 
914 ff. 

Aber es sind diß alles miteinander zauberische, Abergläu- 
bische, Abgöttische und demnach ungöttliche, verbottene Mittel, 
darvon wir in der hl. Schrift kein Gebot, kein Verheissung, kein 
Ezempel haben und demnach dadurch Gott der Herr mehr zum 
Zorn weder zur Gnad bewegen. — Folgen Beispiele, wie ein Bauer, 
der das Johannesevangelium am Hals getragen und ein anderer 
die geweihte Wetterglocke gezogen hat, vom Stral getroffen we^ 
den. Ein Bauer in Steiermark veranlaßt den Pfarrer, das Wetter 
zu beschweren, wird aber diser vom Bliz erschlagen, daß er un- 
kenntlich ward. In Ofen trägt ein Geistlicher a. 1542 den 14 Juni 
einen Schafskopf vor sich her, will das Wetter stillen; das hebt 
ihn in die Lüft.e und niemand wußte wohin er kam II 915. 

Etliche schreiben dön Korallen, Hyacinth, Smaragd, anderm 
Edelgestein die Kraft zu, daß sie die Leut vor dem Donnerstreich 
bewahren. Etliche legen dem Lorbeer, andere der Haußwurz, 
andere den Päonienkemen die kraft zu, daß sie vor dem Stral be- 
wahren. Die Haut der Meerkälber soll das bewährtest seyn, in- 
niassen deren Haar bei grossen Ungewittern sich emporstreuben 
— die Bauersleut hencken sie in ihren Gütern auf, oder tragen 
sie um dieselbige II 915 ff. 



270 



3 ARTEN DER ABERGLÄUBIGEN 

Beim Oananeischen Zanberreiohe II 360 ff. 

1 ) Dahin gehören alle Giftköche, Wettermacher, Hexen, Un- 
holden, Besem-, Böck- und Gabelreuter, welche mit dem Teufel 
ein Bund machen, ihm sich mit Leib und Seel ergeben, versprechen 
und verpfenden, der Teufel hingegen ihnen zu helfen und ihren 
Willen zu volnführen sich verpflichtet. Dannenhero sie nach- 
gehents durch deß Teufels Hülf und Beistand Wetter kochen und 
machen, Frucht verderben, mit Lieb- und Buhlen träncken , mit 
antasten und bestreichen, anhauchen, anblasen, ansehen, anreden 
mit Schlagen , Verwünschen , verfluchen, mit Gift , Spannischen 
Mucken, giftigen und andern Kräutern, Wurzeln, Urin, Eoth, Holz, 
Stein, Bildern, Todtenbeinen, Knochen, Haaren, spitzigen Nadel, 
Glufen, Nägel, Fischgraden, Lumpen, anderm dergleichen, Menschen 
und Vieh Schaden zufügen, auch andere Sachen, mit Milchnehmen, 
Eyer, Essen, Trincken Gelt anders zu entziehen, verrichten. 

2) Alle Weiß, und Wahrsager, so entweder durch Eingebung 
deß Teufels oder durch Christdll oder Spiegel oder Gläser, oder 
Ring, oder Beyel oder Böcken, oder Siebe, Wasser, Fewer, Hauen, 
Loß, Vogelgeschrey, Eingeweyde der Thier oder durch besondere 
Geister, so man spiritus familiäres nennet und entweder in eim 
Glaß, in G-estald einer Spinnen, Fliegen oder anders sitzen oder 
aber in Gestald eines Hunds oder Katzen umb sich hat, dadurch 
von künftigen Dingen Weiß- und Wahrsagen, Diebe, so eim was 
gestohlen, junge Gesellen vnd Jungfrawen so eines zur Ehe be- 
kommen soll, was verlohren, wieder zur Hand zubringen, anders 
mehr erlernen. 

3) AUerley Segensprecher, so da mit gewissen besondem 
Segen allerhand Kranckheiten, Hagel, Ungewitter, Fewer, Wasser, 
anders Unglück mehr an Menschen und Viehe, Haab und Gütern 
abwenden, Raupen und Schnegel am Kraut, Ratten und Mäuse 
vertreiben, Wölfen und Hunden die Mäuler zubinden, Fewerbrunst 
ohn Wasser dempfen — alles Glück im Spielen, Schiessen, kaufen 
und verkaufen zubringen woUen. Dessen Zauber- und Hezen- 
gemücks auch die, so mit gewissen cauderwelschen Worten oder 
Sprüchen der Bibel und Psalmen, deßgleichen Pater noster, Ave 
Marien, Glaubensbetung, wie nicht weniger gewissen Buchstaben, 
Charakteren, Grenzen. Figuren, Zeichen, Zeiten, Stunden, Geberden, 
andere dergleichen, seltzame Künste für Stechen und hawen, für 
Schiessen und Kugeln, zum Spielen und Gewinnen , mit Würfel 
werfen, mit Karten und was deß Teufels Drecks mehr ist, treiben 
und lehren wollen. 

4) Die eigentlich also genanndte Zauberer und Schwarzkünstler, 
Teufelsbanner und Beschwerer, Gauckler und Verblender, so den 
Leuten mit diesem vnd jenem ein blawen Dunst für die Nasen 



271 

machen sie Terblenden, daß sie dieses und jenes för Menschen, 
Roß, Bäum, Vögel, Hunde ansehen, da es ein lauter Blendwerck. 
Dergleichen Cresell Fatcsttis u. sein Discipulus Scotus (sie!) II 360. 

4 DIE FÜNFTE PREDIGT ÜBER DAS 17 CAPITEL DER 
WEISZHEIT. 1 WIE ES ÜMB DIE EGYPTIER SCHWARZ- 
KÜNSTLER GAUKELWERK BEWAND 

Das Gaackelwerk der Schwartzenkunst lag auch darnieder, unnd 
das Rühmen von ihrer Kunst ward zum Spott. Im Griechischen Text 
stehen die Worte, . . . ., magicae artis ludibria, der Magischen Kunst 
Spottung oder Auslachung. Magische Kunst ist anders nichts als 
Zauberey oder Zauberkunst (wann Zauberey nur ein Kunst zu nennen). 
Dardurch vermittels wirckung des Teuffels, viel Wundersachen ver- 
richtet werden, die Menschen dadurch entweder zu verblenden und zu 
verführen, oder ihnen an Leib und Seel, Hab und Gut, schaden zuzu- 
fügen, wie diß mehr, dann gut, bekant ist. Wird sonst in unser 
Teutsclien Sprach die achwartze Kunst genand, und die damit umhgelien, 
SchwarteJcünstlerf und das theils weil solche Kunst von dem schwartzen 
Käsperle, dem Teufel, gelehret und gelemet wird, welcher weil er 
ein Fürst der Finstemuß, wie er gencut, Ephes. 6. 12 gemeiniglich 
auch in schwartzer scheußlicher Gestalt erscheinet, darbeneben zu den 
Werken der Finsternuß lust hat und sie treibet, derSchwartze genant 
und gemeiniglich schwartz gemahlet wird. Teils will solche Zauber- 
kunst in der Schwär tze oder Finstemuß heimblich und verborgen, 
durch Hülff der schwartzen Teuffei, üben und treiben. Wird ein 
Gauckeley oder Gaukelwerck genant, weil nichts rechts darhinder, son- 
dern alles so darbei vorgehet, ist eine lautere Gauckeley und Blend- 
werck, daß der Teuffei den Menschen und Thieren die Augen blendet, 
damit sie das so etwas ist, nicht sehen, oder das nichts ist, für etwas 
ansehen oder ein Ding in andrer Gestalt ansehen als es inWarheit ist. 
Solch Ganckelwerk aber ist zweyerley. Das eine geschihet durch zau- 
berische Verblendung, dadurch die Leut bethöret werden. Das ander 
durch besondere Geschwind- und Behendigkeit, dadurch nichts, dann 
Bossen getrieben. Von diesem wird hie nichts gehandlet, sondern von 
zauberischer Gauckeley, so mit dem Teuffei zugehet Dieser Schwartz- 
künstler und zauberischer Gauckler hat es nun auch in Egypten ge- 
habt, die inn der schwartzen Kunst vor andern geübt und erfahren 
gewesen seyn, deren vornembste Meister dann gewesen sind Jannes 
und Mambres, deren Paulus mit Namen gedenckt, 2 Tim. 3. 8, welche 
Mosi in seinen Gottlichen Wundern, die er für Pharao dem König in 
Egypten gethan in allem widerstanden. Wie diß zugangen das wird 
beschrieben im 2 Buch Mosi am 7 und 8 Gap. Denn als Mose auff 
Gottes Befelch seinen Stab inn eine Schlangen verwandlet, drauff gantz 
Egyptenland voll Frösche gemacht, haben dergleichen der Egytier 
Schwartzkünstler und Zauberer auch gethan, und mit ihrem Be- 
schwören durch ihre schwartze Kunst auch Schlangen, Blut und Frösche 
zuwegen gebracht. Von dieser ihrer Kunst haben sie nun groß Rüh- 
mens gemacht. Dann wie Philo und Josephus schreiben, als Moses 
Stab in ein Schlangen verwandlet und jedermann darüber bestürzet, 
sei Pharao darüber erzürnet, hab Mosen einen verlauffenen Gauckler 
und Leutebeschmeisser genent, und gesagt, er dörff sich deswegen nicht 
so breit oder groß machen, als wann er die Kunst allein könte, er hab 
Priester im Land, die dergleichen Wunderding ebenso wohl, als er. 



1 



272 

thun konten, habe darauff seine Zauberer vor sich kommen lassen , 
welche zu den Zuhörern gesagt, was sie sich viel hierab entsetzten, sie 
könten die Kunst auch, hab darauff ein jeder sein Stecken anf die 
Erden geworffen, seyen selbige auch zu Schlangen worden. Welches 
Mose sich nicht irren lassen, sondern gesagt, Er wisse ihre Zauber- 
kunst wohl, wolte ihnen aber bald Gottes gegenwertige Erafft zeigen. 
Darauff alsbald sein Schlang den Rachen auffgespert, und der anderer 
Zauberer Schlanigen all, als wenn es kleine Fischle weren, verschlungen, 
und alsdann wiaer zum Stab worden, dadurch ihre Eunst darnieder- 
gelegen und zum spott worden. Wiederumb, ob sie wohl das Wasser 
in Blut verwandlet, und Frösche, gleich wie Mose herfür gebracht, so 
haben sie ihm doch keine Läuse nachmachen können, unangesehen, sie 
sichs unterstanden, 2 Mos. 8. 18. Ebenmessig sind sie auch eben so 
wol, als die andre Egytier, voll Blatern worden, und haben solche auch 
nicht vertreiben können. Und ist vermutlich, daß sie auch viel ruh- 
mens gemacht, daß sie die Finsternuß und die darbey vorhergehende, 
schreckliche Gespenst und scheußliche Larven, dadurch das Yolck er- 
schreckt und übel geängstiget mit ihrer Kunst bald weiten vertreiben, 
werden auch, allen zweiffei ohne viel beschwörens, wie diß ihre Kunst 
mit sich bringet, und ander Gauckeley, dazu gebrauchet haben. Aber 

es sind gewesen lauter, , ludibria & derisus artis Magicae, 

Spottung und Auslachung der Magischen Kunst, dadurch sie mit aller 
ihrer Kunst zu spott und zu schänden gemacht, daß menniglich ge- 
sehen, daß es nichts damit, dann lauter Gauckeley, Phantasey und 
Triegerey. Dann sie waren eben so wohl als andre da geplagt und 
konten weder ihnen Selbsten noch andern helfen. Dahin sihet unser 
Weißheit, da sie hie sagt, das Gauckelwerk der schwartzen Kunst lag 
auch darnieder, und das Resume von ihrer Kunst ward zum Spott. 

Lehr und Erinnerung. Wir haben bierauß zu lernen, was 
es für ein greulich, aber doch betrieglich, nichtig, schandlich und 
schädlich Ding, umb alle zauberische Schwarzkünstlerey und Gau- 
keley seye. 

Denn 1 so bezeuget Gott der Herr selbst, daß alle Zauberer 
und Beschwörer vor im ein Gauckel seyen, und daß er sie umb 
solcher Greuel willen vertreiben wolle. 5 M. 18. 11. 12. Da dann 
durch die Zauberer und Beschwörer nit nur die verstanden so 
schädliche Zauberey mit Gifft und andern Sachen brauchen , da- 
durch Menschen und Viehe schaden zugefügt, sondern auch Schwartz- 
künstler, welche die rechte Teuffelsbeschwerer sein, und dann die 
Gauckler so mit Handwerck umbgehen, so deswegen in d. schlifft 
Mechafschephum Zauberer genant , 2 M. 7. 8. andern Orten 
mehr, von hebreischen Wort laßshaph, welchs Augen verblenden 
heißt. Und demnach so wohl die Schwartzkünstler und Gauckel- 
werck, als andere Zauberer und ihre vermeinte schwartze Eunst 
und Gauckelwerk vor Gott ein Greuel, und deßwegen vom Leben 
zum Tode hin zu richten und zu steinigen befohlen, 2 Mos. 22. 
18. 3. Mos. 20. 27. Ist ohne das diese Kunst an und für sich 
selbst ein Greuel. Dann ist es ja einmal diß unfehlbar gewiß, daß 
alle die so die schwartze kunst lernen wollen, die müssen sie vom 
Teuffei lernen. Der Teuffei lehret sie aber niemands, weder Mann 



273 

noch Weib, es sei denn, daß er sein Interesse auch darbey habe, 
die, 80 sie in einem oder andern Stuck lernen, anfesseln, bis daß 
sie gar in seine Strick kommen. Die Meyster aber lehret er die 
Kunst nicht, es sey dann, daß sie dargegen des Teu£Fels mit Leib 
und Seel eygen seyn, selbigen anbetten, verehren und ihm dienen, 
daß sie Gott, seynem h. Wort, und seyner h. TauflF absagen, sich 
verschwören, verloben und mit ihrem eygenen Blut betheuern, daß 
sie nun und nimmermehr mit Gott und seynen h. Engeln und Auss- 
erwehlten zuthun und zuschaffen, und kein theil an seinem Reich 
und der Seligkeit in alle unendliche Ewigkeit nicht haben wollen, 
massen diß aller Zauberer, Hexen und Unholden eygene peinliche 
Urgichte und Bekantnuß saß weisen. Schreibt auch also Petrus 
Mamorius in seinem flagello Maleficorum vom Wilhelmo Surano, 
welcher der h. Schrifft Doctor und berühmter Prediger in Frank- 
reich, darbeneben ein großer Zauberer und Schwartzkünstler ge- 
wesen, daß, als er wegen seines Zauberwesen a. 1453 d. 12. 12. 
zu Poittiers verdampt, er mit seinem eygenen Munde bekande, 
daß er nicht allein alle Religion müssen verschwören, sondern 
darbeneben ein besonderes Instrument einer Schrifftlichen Obligation 
oder verbündnuß von sich geben , darin er sich mit dem Teu£Fel 
und der TeufFel sich wider mit ihm auff gewisse Punkten ver- 
bunden, unter andern auch diß, daß er Gott verleugnen und dem 
Teuffei opffern wolle, habe auch oft den Teuffei angebetten, der 
sich zue zelten in gestaldt eines Menschen, zun zeiten eines JBocJcs 
sehen lassen, welche sein Bekandtnuß noch zu Poittiers unter den 
Gerichtsactis zu finden, wie Bodinus erwehnet. So schreibt Frater 
Martinus in Ghronicis , gedenkt dessen auch Holkot vom Papst 
Silvestro, dieses Namens dem andern, daß er die schwartze Kunst 
vom Teuffei gelernet, darbeneben ihm mit eim leiblichen Eyd ver- 
sprochen, daß er nach seim Tod mit Leib und Seel sein eygen 
sein wolle. Was kann aber greulicher sein, als das ein Mensch 
ein Kunst vom Teuffei lernen soll? Greulicher als daß er sich 
dem Teuffei, mit Leib und Seel sein eygen zu seyn, verschwören, 
vereyden, und verbrieffen soll? Grewel über alle Grewel! Dann 
das ist ein solcher Grewel , darüber mir die har jetzo zu berge 
stehen, daß ichs rede: Behüte Gott ein jedes frommes hertz, daß 
es solches im Werck erfahren soltl 

2 Ist solche schwartze Kunst anders nichts , dann ein 
Gauckelwerk, wie es unser Weißheit nennet, und also ein gantz 
nichtige purlautere Verblendung, darhinden nichts ist. Dann die 
Dinge, so darinn mit beschwör- darstell- und befragung der 
Teuffei, der todten verstorbenen Menschen, anderer Gesichten, Ge- 
staldten, Werken und Sachen mehr vorgehen , scheinen wohl in 
und vor unserm Gesicht, als ob es etwas sey, ist aber nichts wahr^^ 
hafftiges, und also nichts wenigers, dann das, so man siebet und 
meynet, daß es seye. Das will ich E. L. mit dem Exempel der 
Egyptier Schwartzkünstler beweisen, so wir hie vor uns haben. Die 

Birlinger, Alemannia XI 3 28 



274; 

bracbien auch durch ihre schwartze Kunst Schlangen , Blut und 
Frösche zuwegen, aber es waren keiue rechte, wahre, natürliche 
Schlangen, Blut und Frösche, sondern sie sahen nur dem eusser- 
lichen Ansehen nach also auß, waren aber revera praestigiae, 
specie veritatis hominibus non admodum cautis imponentes. 
Eigentlich und warhafFtig Blendnusseu, so unterm Schein der 
Warheit die unvorsichtige Leut betriegen, wie Josephus darvon 
redet. Dergleichen Meynung auch sind auß den alten bewehrten 
Kirchenlehrern Justinus Martyr, Tertull., Greg. Nyssenus, Ambros. 
Hieronimus andere mehr. 

Und ob wol Aug. Theodoretus, Thomas, andere Scholastici 
der Meynung, daß dieses wahrhafftige Schlangen und Frösche ge- 
wesen, so haben sie doch die Zauberer nicht aus ihren Stäben 
gemacht, sondern die Teuffei haben anders woher den Zauberern 
solche Schlangen bracht, im werffen die Stäbe verzucket, und die 
Schlangen an deren stat geworffen, daß die Leut gemeynet, es 
seyen die Stäbe zu Schlangen worden, welches anders nichts als 
ein Gauckelwerk. Dergleichen Dings jederzeit viel von Zauberern, 
Schwartzkünstlern und Gauklern geschehen, und noch hentigs Tags 
geschiehet. Bei den Alten sein derer viel zu finden, sonderlich bei 
dem Philostrato in beschreibung des Lebens Appolonii Tianaei, 
der ein großer berümbter Schwartzkünstler gewesen. August, 
gedenkt zweyer heidnischer Nonnen, deren eine Claudia ein Schifi^ 
so weder Menschen noch Thier fortbringen können, allein mit ihrem 
Gürtel fortzogen ; die andere Tucia zu Bezeugung ihrer Keusch- 
heit ein Sieb voll Wasser auß der Tyber biß fürs Capitolium ge- 
tragen. Welches aber ein lauter Blendwerk, dann der Teuffei das 
Schiff fortgezogen und das Sieb unten zugehalten, daß das Wasser 
nit heraußlaufifen hönnen. Anno 876 hat Kaiser Ludwig ein 
medicum und Leibartzt zu hof, der hieß Zedechias, war ein Jad 
und großer Schwartzkünstler und Gauckler, der trieb öffentlich 
vor Fürsten und herrn viel Gauckelwerck; unter andern fraß er 
ein geharnischten Mann mit Pferd und allen Waffen, er hieb den 
Leuten KopfT, Hand und Fuß ab, legte sie in ein Becken also 
blutig und macht s dann gantz wieder zusammen, im Lufft und in 
den wölken stellete er jagten an, die man gesehen und gehöret, 
andere dergleichen Ding mehr. Der Münch zu Erfurt fraß aufm 
Markt ein Fuder hew mit Wagen und Rossen, welches der Baar 
hernacher widerfunden draussen vor dem Thor stehen. Als anno 
1260 Kayser Wilhelm von seiner Krönung von Aach naher Köln 
kam, und daselbst viel Fürsten und Herrn ein statlichfBanquet 
zugerichtet, hat Älberttis Magnus, der gelerte, berümbte Prediger- 
münch daselbst auch ein Stuck seiner Schwartzkunst bewiesen. 
Dann er macht, daß der Saal, darinn das Banquet gehalten, mitten 
im Winter umb Weihnachten mit Bäumen, Kräutern, Laub und 
Graß gegrünet, der Guckug, der Lerch und Nachtigal darunter 
gesungen, als wenn es im Frühling wer; welches dem Keyser so 



275 

wol gefallen, daß er Alberto und seinen Klosterbrüdern ein stat- 
lieh Landgut verehret. Joliannes Tritteuhemius gewesener Apt 
zu Sponheim am Hundsrücken hat Eeyser Maximiliano, dieses 
Namens dem ersten, sein verstorben Gemahlin Mariam, Hertzogin 
V. Burgund, die ein schön Person und vom Keyser hertzlich lieb 
war, durch sein schwartze Kunst in einem besondern Gemach, 
darinn er ifiit dem Keyser und noch einem seiner vertrauten Diener 
allein gewesen, sichtbarlich gezeigt und an£Fgeführet, da sie fein 
sittsamlich vor ihm fürüber passiert, sich gegen ihm geneiget, ge- 
lieblet und ihn angelachot, mit allen Geberden, Form, Gestalt 
seiner rechten Gemahlin so gleich, daß der Keyser auch ein schwartz 
Flecklein, so sie hindem am Halse gehabt, an ihr mit großer Ver- 
wunderung gemerkt. Aber es war diß allens ein Gauckelwerck 
und Spiegel fechtens, darhinder anders nichts als bloßer Schein war. 
Lutherus gedenkt, daß eben dieser Trithemius höchstermeldetem 
Kayser auch alle verstorbne Keyser und große beyden, die Neun- 
besten, so man also heißt, in sein Gemach nacheinander gehend 
für geführet habe, ein jeden in seiner Gestalt und gebreuchlichen 
Bekleydung, darin er Zeit seines Lebens gangen, darunter auch 
gewesen AI. Magn. Jul. Caes. deßgleichen seine andere Braut und 
hochzeiterin Fräwlin Anna auß Britannien, welche der König in 
Frankreich Garolus gibbosus ihm genommen hatte. Dieses Tri- 
themii discipul ist gewesen Cornelius Ägrippa, welcher nicht* allein 
von der Schwartzkünstlerey ein besondern Tractat geschrieben, so 
er occultam philosophiam nennt, darinn er zwar sich unterstehet 
zu beweisen, daß solche Kunst eine natürli^e Kunst, aber doch 
in dem Grunde nichts, als recht gaucklerische Schwartzkünstlerey 
darinn zu finden, sondern hat auch mit seiner Kunst den Keyser 
begauckelt, daß er ihn zum Ritter geschlagen und zu seinem Rath 
angenommen. Hat ein schwartzen hund, der ein halßband umb, 
drauff wunderseltzame Charactere und Buchstabe beschrieben, von 
welchem er alles erfahren kondte, was er begehret. Wie es umb 
Johan Fatcstum bewandt, ist fast männiglich bewust und bekandt. 
Elr hat gelebt zu Luther! und Philippi zeiten, ist allernechst bei 
Knüttlingen in dem Wirtemberger Land daheim, und Jcein Doctor, 
sondern nur ein gemeiner Landstreicher gewesen. Dann als er 
wegen verübter Sodomiterey, von eim Schuldienst unter Frantz 
von Sickingen abgesetzt, hat er als ein erfahrner Schuler in der 
Welt umbvagiert und zu Crakow in Polen, da solche schwartze 
Kunst öffentlich gelehret worden, dieselbige gelernet, drauff nach 
'Wirtemberg kommen , und seltsam Gauckelspiel daselbst und 
andern Orten getrieben. Unter anderm als einsmals seine bekandte 
von ihm ein Stuck seiner Kunst zusehen, und weils mitten in dem 
Wint>er, daß er ihnen ein Weinstock voller Trauben machen wolte, 
begehreten, hat er ihnen solches zugesagt, aber doch ihnen zu vor- 
gesagt, daß sie alle in großer still sitzen, keiner unter ihnen 
einige Trauben abschneiden sollte, biß daß er sie es heissen wurde. 



276 

Drauff als er ihnen ein herrlichen Stock durch seine schwartze 
Kunst fürgestelt, und ein jeglicher mit großer Begierde nach einer 
großen Trauben grieffen, das Messer daran setzt und wartete, biß 
Faustus sie abschneiden hiesse, ist der Stock mit den Trauben 
verschwunden und hat ein jeder sein Nase mit der band gehalten, 
drauff sein Messer gesetzt und wenn er sie bette heissen schneiden, 
bette ein jeder ibme die Nasen selbst abgeschnitten.* Von eben 
diesem Faust erzehlet Lerchheimer, als in einem Gelach desWirths 
Jung ihm zu voll einscheokete, tröwete er ihm, wann er ihm noch 
einmal so einscheukete , weite er ihn fressen. Da nun der Jung 
sein spottete, sagend, Ja wol fressen, und er ihm noch einmal zu 
voll einschenkete , da sperrete F. sein Maul auff und Fraß ihn, 
erwischt darnach den Kübel mit dem Kühlwasser, sprcht: auf 
einen guten bissen gehört ein guter Trunck, saufft das auch auß. 
Als ihm aber der Wirt ernstlich zuredete, er solle ihm seinen 
Diener wider verschaffen, oder er wolte etwas anders mit ihm an- 
fangen, sagt er zu ihm er solte zufrieden seyn, und hinter den 
Ofen schawen, da findet er den Buben liegen aller pfutznaß, 
bebend vor Schrecken. Wer siebet hier nicht, daß diß des Teuffels 
Ganckelspiel? Ebenso ging es mit einem anderen Zauberer, dessen 
er auch gedenckt. Da derselbig nicht genug Gelt von sein Ganckel- 
spiel einsambiet, ward er unwillig, sagt, er wolte nit länger auff 
Erden bei den undankbaren Leuten bleiben, sondern gen Himmel 
fahren, wirfft mit dem seines Rößleins Zügel an die Höhe; das 
fahret hinauff, er helt sich an den Schwantz, das Weib an seinen 
Mantel, die Magd a% des Weibs Rock , fahren also mit einander 
in- einem Koppel in die Lufft hinauff. Da nun jedermann unter 
dem Yolcke rufft und ein Getümmel macht, kommt ungefehr ein 
Bürger ans Markt, der fragt. Was da sey? Und da man ihm sagte, 
der Gauckler sei mit seinem Roß, Weib und Magd gen himmel 
gefahren, sagt er, daß er ihm dort in der Gassen begegnet, und 
in ein Wirthshaus gangen. Wer siebet auch hie nit, daß diß ein 
lauter Gauckel werk seye? Aus welchem ein jeder abzunehmen, daß 
diß was mit der schwartzen Kunst vorgehet, lauter Oauckelwerck 
und Spiegelfechtens und wann schon je was rechts darbey vor- 
gehet, solches auch auß lauter Betrug und Gauckeley des Teuffels 
verrichtet werde. 

3 Ists damit ein spöttlich Ding, dann die so damit umb- 
gehen, entlich, wanns lang herumbgehet, in ihrer Kunst, entweder 
von Gott, oder vom Teuffei, oder von ihnen Selbsten zu Spott und 
Schanden werden, so giengs den Zauberern in Egypten. Da sie 
lang groß ruh mens von ihrer Kunst gemacht, auch Schlangen, Blut 
und Frösche herfürgebracht, sind sie endUich darinn zu schänden 
worden , daß sie nit eine lausechte Lauß machen , nit die 
drussen von ihrem Leib, nit die finstere und Gespänst mit 
aller ihrer Kunst vertreiben mögen , dadurch all ihr Kuüst dar- 
niederzulegen und sie männiglichs Spott worden. So gehets allen 



277 

Schwartzkünstlern noch. Es ist als ein Teoffel wider und über 
den andern , und ein Schelm wider und über den andern, 
und mag leicht ein gering Ding seyn, darüber sie zu spott 
werden. Dann 1 so macht sie der Teuffei selbst zu spott. 
Dessen haben wir Exempel an einem, dessen Holkot über diesen 
unsern Weißheit Text gedenckt^ welcher sich der schwartzen Kunst 
ergeben umb zeitlicher Ehr willen, auch dadurch soviel erlangt, 
daß er ein Bischoff worden und als er viel Feinde hat, die ihn 
bekriegten, und er sich vor ihnen fürchtete , fragt er seinen 
schwartzen Teuffei, ob er fliehen solle oder nicht: Der ihm zur 
Antwort gegeben, Sta secure venient inimici tui suaviter et sub- 
dentur tibi, welches er den Worten nach dahin verstanden, als ob 
er solt sicher sitzen bleiben, denn seine Feinde werden freundlich 
kommen und ihm unterworfen werden. Darauff seine Feinde kom- 
men, das Schloß darinnen er war, mit Fewr angezündet. Da er 
nun in seiner eussersten Noth seinem Teuffei zugeschryen und ihm 
verwiesen, daß er ihn zu guter letze also betrogen und zuschanden 
gemacht, habe ihm der Teuffei zur Antwort geben, er hab gesagt, 
Non sta sec. venient in. tui. suav. et tibi subdent Ur i. e. 
ignem, Sitze nicht sicher (sondern fliehe) , denn deine Feinde 
werden freundtlich kommen und dir Ur, das ist Fewr unterlegen, 
werden dein Schloß unter dir mit Fewr anzünden. Hat also der 
schwartz Teuffei diesen seinen Schwartzkünstler mit seiner schwartzen 
Kunst zuschanden gemacht. Ebenso ist es gangen jenem Münch, 
der auch ein Schwartzkünstler, welchem der Teuffei erschienen und 
verheissen, daß er solte König in Engelland werden und mit sol- 
solchem Comitat mitten in England geführet werden , als er jemals 
König Heinrichs Sohn, Eduardum einherreiten sehen. Was ge- 
schieht? Der Münch verlast sich auff sein schwartze Kunst, weist 
nicht, wie er es etwa versiebet, daß er in Narthamiona, als eben 
Parlament gehalten, ergnffen, zum Galgen zu von einer grossen 
Menge Volkes darunter auch die vornembste Königliche Officianten, 
geführet und auffgehenckt worden. 

Darnach so macht solch schwartz Teuffelsgesind sich selbst 
unter einander zuspott und zu schänden. Dubravius gedenkt daß 
als König Wentzel in Böhmen des Hertzogs in Beyern Tochter 
genommen, hab der hertzog weil ihm bewußt, daß sein Tochter- 
mann sonderlich Lust zun Gaucklern gehabt, einen gantzen Wagen 
voll Gaucklern mit sich nacher Prag geführet. Als nun der 
Meister unter denen sein Gauckelkunst angefangen, habe Zyto 
König Wentzels Schwartzkünstler sein Maul aufgesperret , den 
Gauckler mit all seinem Zeug gefressen, biß auf die Schuch, so 
kotticht gewesen und als ihme deß wegen der Bauch aufgeschwollen, 
hab er ihn wider von sich per posteriora geben, daß männiglich 
zugesehen, darüber er von jedermann ausgelacht, und weder er 
noch seine Gesellen ihr Kunst, weil sie damit zu Spott und Schan- 
den gemacht, probieren wollen. Gleichmäßig Exempel eszählt 



278 

D. Luther, daß ein vornehnier Fürst, der auch zur schwartzen Kunst 
last gehabt, einen Schwartzkünstler zur Tafel berufen und durch 
seine Kunst zuwege gebracht, daß der Schwartzkünstler Ochsenfüß 
und Klawen an Händen und Füßen bekommen ; da er ihn nun 
essen heißen und er sich geschämbt, auch seine Klawen unter den 
Tisch verborgen, hab er gesagt, er wole wohl auch etwas machen, 
wann es ihm erlaubt. Und als der Fürst gesagt, ja, es sei ihm 
erlaubt, hab der Zauberer ein Lermen draussen gemacht vor dem 
Gemach, und als der Herr zum Fenster hinauß gesehen, zu ver- 
nehmen was da were, sei ihm ein groß Gewicht von Hirschhörnern 
am Kopf gewachsen, daß er den Kopf nicht wider zum Fenster 
hereinbringen können. Das sind nun wol Gauckelbossen, die 
giengen gestalter Sachen nach, noch wol hin. Zun Zeiten aber 
schimpfiPt der Teuffei gar zu grob mit ihnen, daß einer den andern 
selbst umb das Leben bringt. Dessen Exempel wir haben an 
einem vom Adel in Hessen, dessen Nam und Gesehlecht mir wohl 
bekandt. Ich auch selbsten viel von ihm in meiner Jugend ge- 
hört, derselbe war berümbt wegen seiner schwartzen Kunst, konnte 
unter anderm auch Köpffe abhawen und wider auffsetzen. Ließ 
sich demnach einstmals von einem guten Gesellen überreden, daß 
er ihnen dergleichen stückle zeigete, hawet darauff dem hauß- 
knecht den Kopff ab, aber da er ihn ihm wolte wider aufsetzen, 
das wolt nicht angehen. Spricht deß wegen zu den Gästen, es 
sei einer da unter ihnen, der ihn verhindere, den wolt er ge- 
mahnet, und verwarnt haben, daß ers nicht thue. Yersuchts darauff 
abermal, könnt aber nichts ausrichten, deß wegen er vermahnet 
und warnet zum andern mal, man solte ihn unverhindert lassen. 
Da das auch nicht helfen wollte, last er auf den Tisch ein Lilien 
wachsen, hieb derselbigen das Huupt und die Blum oben ab. Was 
geschieht. Alsbald fiel einer von den Gästen hinder sich von der 
Bank, dem war der Kopff ab, welches der Schwartzkünstler ge- 
wesen, so ihn verhindert. Da setzt er dem haußknecht sein Kopff 
wider auff. Stieß also sein Schimpff den Boden auß und ein Bab 
bicket dem andern die Augen auß, Ein Teuffei vexiert den andern 
und machen den Schwartzkünstler sich selbst dadurch zu Spott 
und Schanden, können ihnen selbsten nicht helfen, und ligt ihre 
Kunst darnieder. 

4 Endtlich ist solch Gauckelwerk der schwartzen Kunst 
solchen Schwartzkünstlern hoch schädlich. Schädlich an ihren 
Ehren und Guten Namen. Denn ob sie schon vor dem gemeinen 
Welthauffen Ruhm und Ehr haben, so machen sie doch durch 
Gauckelwerk sich verhast und verdächtig, daß fromme und Ehr- 
liebende Christen solche Teuffelsschwärm und Ebenthewrer fliehen 
und meydeu, mit ihnen wegen Leichtfertigkeit und Treulosen Ab- 
falls von Gott nicht gern zu thun und zu schaffen haben. Denn 
welcher rechtschaffener Christ, dem sein Gott und sein Religion 
von Hertzen lieb wolte zu einem solchen Teuffelsgespann zuneygung 



279 

und ein vertrewlich hertz haben, da er sein Gott nicht treu? 
Schädlich an ihrem Hab und Gut. Dann da sie etc. etc. Weil es 
4 hochschädlich ist 

1 an Ehren and guten Namen, 

2 an ihrem Hab und Gut, 

3 an ihrer Seelen, 

4 an ihrem Leben. 

5 Müssen ewig yerdampt sein. 

Wo sind jetzt die berümbte Schwartzkünstler? Albertus, 
Trithemius, Cornelius, Faustus, Scotus etc. mit ihrem Gauckel- 
werk? Ach sie haben längst ihren verdienten Lohn empfangen, 
und sind vor langst mit ihrer schwartzen Kunst in das schwartze 
Loch zu ihrem schwartzen Meister dem Teuffei in die dunckele 
Bechglut gefahren, da sie nunmehr gauckeln in Ewigkeit.' Simon 
Samaritanus, da er lang durch seine schwartze Kunst Zauber- und 
Gauckelwerck gnug getrieben, ward er endtlich da er in die Luft 
in die höhe flöge, an Flügeln gelähmet, daß er herunter ge- 
stürtzet, und den halß gebrochen. Als hin, zu dem .Teuffei zu, 
Papst Silvester der ander, der berümbte Schwartzkünstler so durch 
die schwartze Kunst Papst worden, fragt seinen schwartzen Geist, 
wie lang er noch solte in dem Papstumb lebend bleiben? Und 
als er ihm zur antwort gab, er solte nicht sterben, biß er zu Je- 
rusalem Meß halten werde, lebt er sicher dahin. Dann er noch 
lange nicht in der Statt Jerusal. Meß zu halten begehrete. Es ist 
aber in der Kirch zum h. Kreutz in Rom ein Capell, die heißt Jerus. 
Als nun der Papst dem alten herkommen gemeß, darinn in der 
Fasten Meß hielte, kommt der Teuffei zn ihm, machet ein gereusch 
und getoß, darauß er abgenommen, daß er fort und sterben müste, 
da er mit großem seaffzen sein Sündengrewel erkennet, und be- 
gehret, daß man ihm sein Hand und Zunge, damit er sich dem 
Teuffei verschworen, abschneiden wolte und ist also hingefahren. 
Als hin, zum Teuffei zu! Henricus Cornelius Agrippa, als sein 
Ende herbeikommen verdampt er sein Buch, Occulta philos. von 
der schwartzen Kunst genant, zum Höllenfewr, löset seinem 
schwartzen hund sein Halßband ab, darauff seltzsame Schrift und 
Zeichen stunden und sprach zu ihm, gehe hin du verfluchtes Thier, 
du hast mich in Ewigkeit verdampt ! Auf welche Wort der Hund 
in das Wasser Arar, welches vor Leon fliest, sich gestürtzet und 
nie mehr gesehen, Cornel. aber bald daraufP gestorben. Als hie, 
zum Teuffei zu, Picus Mirandalus schreibt, daß ein Schwartz- 
künstler gewesen sei, der als er einem Fürsten die Belagerung 
Trojae zeigen wollen, von dem Teuffei lebendig weg geführet. Als 
hin zum Teuffei zu 1 Johan Fauste da er lang Gauckelspiel gnug 
getrieben, ist er in seiner heimat zu nach von dem Teuffei mit 
nmbgedrehtem Halß in seiner Kammer erwürget worden. Als hin 
zu dem Teuffei zu! Wie sein Discipul Johan Wctgner und Scotus 
die berümbten Schwartzkünstler, umbkommen, ist aus deren Ge- 



280 

schiebten bekandt. Lercbeimer schreibt, daß ihm eines guten 
Manns nngerathener Sohn bekandt, welcher auch mit guten Ge- 
sellen auff dem Mantel gefahren. Da sein Zeit verlauffen, und er 
seine Freinde an einem frembden Ort besuchet und bei ihnen am 
Tisch gesessen, sei ihm unversehens der Eopfif hinderwerts ge- 
trähet , und also tot blieben ; die mit über Tisch saßen , haben 
gemeynet er bette sonst hinder sich gesehen, so hat es ihm der 
unsichtbare Teuffei gethan 1 Als hin zu dem Teuffei zu. Das ist 
der schwartzen Kunst verdienter Lohn. 

Sehet so ein grewlich, so ein nichtig, so ein schändlich, bo 
ein schädlich Ding ist es um das Gauckelwerk der schwartzen 
Kunst, so ligt es endtlich darnieder, und das rühmen von ihrer 
Kunst wird zum Spott. 

Da sey nur jeder vom hohen bis zum niedrigen, sey wer er 
wolle gewarnet, daß, wann der Teuffei sein Gauckelspiel mit ihm 
treiben soll, und er in seiner Kunst nit will zu spott werden, er 
sich sein Gauckeley und schwartze Kunst nit betriegen und ver- 
führen lasse. Es sind leyder der rohen, leichtfertigen Leut viel, 
welche Gott seine Wort, und der Seelen Seligkeit nicht viel nach- 
fragen, sondern nur auf das zeitliche sehen und darnach trachten, 
wie sie nur auf dieser Welt was sonderlich s vor andern seyn, was 
sonderlichs und wunderlichs vorbringen, große Ehr und Würde, 
Ruhm und Namen, Gelt und Gut erlangen und dadurch ein An- 
sehen erwerben mögen. Andere wie sie durch Faulheit und Müßiggang 
gut Leben haben mögen, andere wie sie sich an ihren Feinden 
und Widersachern rächen mögen , Andere was anders in diesem 
und jenem vorhaben. Darumb damit sie darzu gelangen mögen, 
geben sie sich auff die schwartze Kunst und wollen durch deren 
Mittel aufkommen. So sind viel unter den Gelehrten, welche der 
leidige Ehrgeitz dahin treibet, daß sie alle andere in der Kunst 
übertreffen wollen. Sehen demnach , wie sie allerhand magische 
Bücher, darum sie studieren, desgleichen Spiritus familiäres, zau- 
berische Glaßgeister, bekommen, so sie in Gläser setzen, welche 
ihnen alles einblasen, sie in diesem oder jenem unterrichten. So 
giengs mit Trithemio, welchen der lauter Ehrgeitz zur Kunst, zur 
schwartzen Kunst gebracht. Viel sind der Erzte, welche, damit sie 
alle und jede Krankheiten heilen mögen, lassen sie sich mit dem 
Teuffei ein und brauchen seyne Schwartzkünstlerey. So ging es 
mit Theophrasto Bombast, welchen der Artzney Ehrgeitz zur 
schwartzen Kunst gebrach. Viele lernen aus der schwartzen Kunst, 
wie sie alles mögen treffen, was innerhalb eines Schusses ist, und 
das so genaw, daß sie auch eines h ellers nicht verfehlen. Andere 
damit sie gefroren und vest werden^ damit man sie nicht durch- 
hawen, stechen und schiessen kann. Andere, daß sie alle Karten 
kennen und mit den Würffein werffen hönnen, was sie wollen. 
Was der Schwartzkünstlerey mehr ist. Vermeynen nicht, daß diß 
Sünde sey, oder da ihnen ihr Gewissen schon sagt^ daß es sünde 



281 

sej, daß es ihnen doch solte an der Seligkeit schädlich seyn. Da 
sie an ihrem £nd sich wieder bekehren and darvon ablassen 
wollen. Aber siehe dich für lieber Gesell, siebe dich für. Bann 
du hast den Teuffei Yor dir, dessen Kunst ist die rechte schwartze 
Kunst. Was dann nun wider Gott und sein Wort, wider natür- 
lich Mittel, mit Glaßgeistern, mit Beschwörern, mit Charaktern, 
mit Wurtzeln, mit Kräutern mit segnen und ander dergleichen 
Sachen zugehet, das ist von der schwartzen Kunst und also vom 
Teuffei etc. etc. (Gleicbnuß von Kohlen. Gefahr dieser Kunst.) 
Lerchheimer gedenkt eines Schwartzkünstlers , der als die Stund 
seines Vertrags, welchen er mit dem Teuffei gemacht, herbey- 
kommt, sein Sünde erkennt , etlichen Theologen gebeichtet und 
sich zu Gott bekehret. Aber nichts desto weniger sey er in der 
bestimpten Nacht von seinem Gaist erwürgt worden, daß er mor- 
gens vor seinem Bett gelegen auff dem Bücken und ihm der halß 
abwerts au.ffm Boden gestanden etc. etc. 

2 Brauch. £rmahnung der Schwartzkünstler und Gauckler 
müssig zu gehen. 

Keyser Ludwigen ward endtlich von seinem Schwartzkünstler 
dem Juden Sedechia mit Gifft vergeben. Das war sein Lohn. 
Sifiridus Presbyter gedenckt eines jungen Gesellen, welcher durch 
hülff eines Schwartzkünstlers ihm ein Jungfraw, darumb er ge- 
buhlet^ für Augen bringen lassen. Als nun der Teuffei in deren 
Gestalt erschienen und der Gesell mit der Hand außer dem 
Zauberkreiß, darinn er gestanden nach ihr gegriffen, hab sobald 
in der Teuffei erhascht, an der Wand geschlagen und an Stücken 
geschmettert. Da Trithemius Keyser Maximil. I sein Gemahl 
durch sein schwartze Kunst fürgezeiget, hat er ihm verbotten, daß 
er kein Wort reden solte. Als nun das Gesicht vor ihm vorüber- 
gehet, kompt ihm ein solch grausen an, daß er dem Apt winket, 
er solt das Gespäust abschaffen, und als es weg, hab er mit Zorn 
und Zittern gesprochen : Münch, mache mir der Possen nicht mehr ! 
Denn er bekennet wie schwer er sich des Bedens enthalten, war 
es aber geschehen, so war der fromme Herr von dem Gespänste 
erwürget. Bodinus erzehlet, daß etliche, so der Hexen Aussage 
nicht glauben wollen, seye dann daß sie es selbsten gesehen, 
deßwegen mit den Hexen an den Ort, da sie ihr Teuffelswesen ver- 
richtet gefahren. Als nun sie daselbst grewliche Scliand gesehen, so 
der Teuffel mit den Unholden getrieben, hab endtlich der Teuffei 
der sich angenommen, als wenn er sie nicht sehe auf sie zuge- 
eylet, sy dermassen geschlagen, daß sie am Fünfftzehenden Tag 
hernacher gjBstorben. und gesetzt, wenn einen an Leib und Leben 
schon nichts geschehe, wann er Gaucklern und Schwartzkünstlern 
in ihren Bossen zusehe, so ist es doch sündtlich, weil diese Sache 
nicht natürlich, sondern teuffelisch, nicht erbawlich, sondern ärger- 
lich, nicht dienlich, sondern hochschädlich, nicht verträglich son- 
dern hochgefährlich. Dann hin zu andern nichts nutz, als zur 



282 

Verführung, Leichtfertigkeit, Roheit, Vermessenheit andere unge- 
zimhten Sachen mehr Ursach gehen. Die Sünde meyden iat die 
Gelegenheit zu sündigen meyden. Nicht alleyn die es tun sondern 
auch gefallen hahen an denen so es tun sind des Todts würdig. 
Rom. 1. 2. 3. 

Ohrigkeit soll ermahnet seyn, daß sie solche Schwartzkünstler, 
zaaherische Landfahrer and erfahrne Schüler, die mit der schwartzen 
Kunst nmhgehen in ihrem Gepiet, Stätten, Dörffern, Land und 
Leuthen nicht dulden, sondern dieselbige abschaffen und ihrem 
Volk nicht gestatten, selbige zu gebrauwen, noch deren Gauckel- 
spiel zuzusehen, als durch welche Gott verhöhnet, dem Teuffel 
gefeyret, das Volk verführet und mit dem Teuffel zu schertzen 
veranlasset wird. So wolte hertzog Johan, Churfürst zu Sachsen, 
in seinem Ijand den Joh, Faust nicht leyden, sondern gab Be- 
felch, daß man ihn, wo man kondte, beyfangen sollte, daß er 
kümmerlich auß dem Land entwischen kondte, dergleichen ihm zu 
Nürnberg auch ergangen. Carolas der Sibend , König in Frank- 
reich, Hess den Fürsten Aegidium, so ein großer Zauberer, an 
Galgen hangen und mit Fewr sengen. Keyser Heinr. III ließ 
auf seiner Hochzeit, die er zu Ingelheim am Rein gehalten, alle 
Gauckler, Spielleut, Seildantzer, Schalcksnarren, die mit großer 
Menge darinn sich versaroblet, abschaffen, anno 1044. Hertzog 
Albrecht versucht die Kunst, die ihn ein Jud lehret, daß er fest 
seia soll, an dem Juden selbst. Sollen selbst andern mit gutem 
Exempel vorgehen, der Schwartzkünstler Rath nicht gebrauchen, 
damit sie nicht von ihnen aufs £iß geführet, oder gar zu Zauberern 
gemacht werden, wie es Valeriano> Heliogabalo und Maxentio 
ergangen. 

Was die Schwartzkünstler nicht geköndt 

Egyptische Zauberer haben die Gespenste in Finsternuß 
wollen vertreiben. Kranke Seele. Werden darüber zu spot und 
schände. 

Lehr und Erinnerung. Was es für ein nichtig ohnmächtig 
ding umb all Hcxonwerck und Schwartzkünsteley seye. 

Können mehr von weiter nit als ihnen Gott verbeuget und 
zulasset. 

1 In Gottes Gewalt sind alle Engel, Teuffel, menschen und 
Creaturen. 

Gott halt des Teuffels Schwerdt beim Knopff 
Teuffel müssen Gott unterthan seyn 
Bezeuget dieß das Werk selbst. Job. 3. 35. 

2 Gott weiß aller Teuffel, Hexen und schwartzkünstler Ge- 
danken, thun und lassen. 

Kans auch endern und hindern seins beliebens. 



283 

3 Gott schützet und schirmet die gläubigen wider den TenfiPel 
lind sein hofgesind. 

Christus den Teu£fel zur schaw gefähret. 
Teufifelsgeschmeiß ein Arm, gefangener, gebundener, ohn- 
mechtig Hauff. 

Zauberwerk weil Teuffelswerk ist von Christus zerstöret. 

4 Gott gebrauchet die Menge der guten Engel wider die 
Teuffei. 

Was deren Verrichtunge 

Psalm 91. 11. 1 Mos. 32. 2. Psalm 39. 8. 2 König 6. 16. 
Hebr. 1. 14. Daniel 4. 10. Daniel 10. 20. Epist. Judae v. 9. 
Tobias 6. 5. 1 1. 14. Tob. 8. 3. Wird mit Exempeln bestetigt. 

Der Egyptier Zauberer, Wie die zu spott und schänden ge- 
macht. Mit den Läusen, mit den Schwären, mit den gespänsten. 
Exempel Jobs. Job. 1. 8. 2. 6. König Achabs. 1. König 22. 22. 
2. Chronik 18. 21. 

Die Sternseher und Weisen und Zauberer im Chaldea konten 
nicht wissen, was der Traum, der König Nebukadnezer im Schlaff 
vorkommen, bedeutete, sondern sie sagten austrücklich dem König 
ins Gesicht, Es wäre keiner der solches thun kondte, außgenom- 
men Götter die bei den Menschen nicht wohnen. Dan. 2. 10. Da 
doch sonst der Teuffei andern vielen viel Träume außgelegt, die 
auch wahr worden, wie die Exempel bezeugen. Ebendmessig 
konndte kein Weiser und Warsager die Worte lesen, noch deren 
Deutung dem Könige anzeigen, welche an die Wand in dem Saal König 
Belsazars geschrieben waren, Mene Mene Tekel etc. Daniel 5. 5. 8. 
Was machts? Er hat es nicht kondt, Gott hat es nicht gewolt, 
und damit zu erkennen geben, daß er mehr, weder alle Teuffei, 
wisse und kenne. Da Christus den Teuffei in der Gergesener Gegend 
außtreiben wolte, da hat er nicht so viel Gewalt für sich, daß er 
in deren Säw gefahren, sondern er muste bey Christus um Erlaub- 
niß bitten , und von ihm erhalten , daß sie darein fahren mögen, 
wie auch auff sein Erlaubniß geschehen. Math. 8. 31. 32. Was 
machts? Er hat es nicht kondt, biß es Christus gewolt, damit 
männiglich sehe, was er für ein elender, ohnmächtiger Geist sey. 
Ebenso gieng es mit D.Luther, als derselbig Anno 1521 von dem 
Beichstag von Wormbs kam, und in dem Heimziehen in dem Walde 
bey Eysenach auffgefangen und auff das Schloß Wartburg,^ auff 
Befelch Hertzogs Friedrich von Sachsen, geführot war, daß er vor 
des Keysers Acht und Verfolgung sicher were, hat kein Warsager 
in Teutschland oder Welschland, obgleich viel hierumb ersucht 
worden, wissen können, wo der Münch verborgen lege. Was 
machts? Der Teuffei hat es nicht kondt, Gott hat es nicht Jgewolt. 
Und was wird noch täglich von des Teuffels Hofgesind, Zauberern 



284 

und Schwartzkünstlern durch ihre Zauberkunst zuwerck gericht, 
so aber von Gott und seinen guten Engeln hindertrieben und zu 
nicht gemacht wird. Fürwar wann der Teuffei und seine Künstler 
kondten, was siewolten und offt im Sinn haben! — lieber Gott, 
wie würde es manchem Menschen so übel bekommen. Aber Gott 
macht in ihrer Kunst zu spott, daß da sie sich unterwinden, diese 
und jene schwartze Kunst zu treiben, sie in ihrer besten Kunst 
zu Spot und schänden werden. 

AUhier entstehet nun die Frage, über welche und warumb 
Gott dem Teuffei und seinen Schwartzkünstlern und Zauberern 
dieses und jenes verhengC; daß sie es tun, und das Werck setzen 
und verrichten können? 

Hierauff gebe ich diese richtige und kurtze Antwort, daß 
Gott dem Teuffei, seinen Schwartzkünstlern und Gauckelgeschmeiß, 
Macht und Gewalt verhenge und zulasse vornembtlich über die 
Gottlose, die in schweren sünden und irrthumb leben. Denn der 
Teuffei hat Gewalt über diejenige, so Gott verachten, sagt der 
Engel Raphael zum jungen Tobia. etc. etc. 

Kau der Teuffei nicht mehr als ihm Gott verbeuget, so haben 
die Zauberer und Schwartzkünstler hierbei zusehen und zu er- 
kennen, was für eine herrlich edle Kunst (scilicet hinder sich) ihr 
Zauberkunst seye. Es werden diese elende Leut von dem Teuffei 
dermassen verblendet, daß sie umb der nichtigen, betrieglichen, 
schendtlichen , bochschädlichen , vermeinten Teuffelskunst willen, 
sich mit Leib und Seel dem Teuffei zu eygen verpflichten, wie in 
dem ersten Teil erwehnung geschehen, vermeinende, wenn sie die 
Kunst erlernet, sie haben ich weiß nicht was erlernet, kondten, 
weiß nicht was zu Wercke richten, seyen weiß nicht was, für 
selige benedeyte Leut etc. etc. 

Schwartzkünstler durch teuffeite Narren 

Können nit was sie wollen. 

Ihr Kunst offt gefehlet. 

Ewige Schmach und Schande darüber zuerwarten. 

Brauch und Erinnerung, daß sich keiner vorm teuffei und 
seinen Künstlern zu förchten. 

Daß aber darumb ein rechtgleubiger Christ alsobald, wann 
er vom Teuffei, seiner schwartzen Kunst und hexenwerck sagen 
höret, sich fürchten, erschrecken und entsetzen wolle, als ob ihm 
deswegen alsobald ein Seh ad begegnen würde, wie ihrer denn viel 
wen sie einer Hexen, die verdächtig ist gedenken hören, so bald 
sagen: Es ist heut ein guter Montag, ein guter Dienstag, oder 
was sonst für ein Tag ist, oder aber nennen solche nicht, sondern 
sagen : Das ist ein , Gott behüte uns, anders dergleichen das ist 
drumb eben nicht recht. Denn die das thun, die werden dadurch 
selbst zu Zauberern inn dem sie der Zauberei mehr zulegen, als 
sich gcbüret. Rechtschaffene Christen, die wissen, daß Teuffei, 



285 

Zauberer und Schwartzkünstler mehr weiters uicht können, als 
ihnen Gott zulasset und yerbenget. Darumb so fürchten die sich 
vor dergleichen schwartzen Leuten nicht, und haben ob ihnen kein 
Grawen sondern thun ihrem Gott und Herrn im himmel yertrawen 
und sich dem inn christlicher Furcht befehlen, wissend, daß sie 
durch dessen besten Schutz und Schirm sie vor aller Zauberkunst 
gesichert und bewahret seyen. 

Noch weniger sollen wir den Teu£fel mit dem Teufiel, Zauber- 
werck mit Zauberwerck, vertreiben, wie unser Leut heut zu tag 
thun pflegen, brauchen wider die Hexerei gewiß zauberische Wort 
und Geremonien, stechen inn ein wachsen biid, keeren das Keersaal 
im hauß zusammen, legens in warme Al^chen, dadurch die Hexen auß- 
zudürren, was deß Hexenwesens mehr ist. Das sint ungezimbte 
Mittel, dadurch dem Teuffei boflret, Gott betrübet, das Gewissen 
versehret, das Unglück je mehr und mehr vermehret, drumb hüte 
sich jeder dafür, rufe aber Gott umb Besserung und Abwendung 
solches Uebels an, erkenne sein Sund und Unrecht, und bessere 
sein Leben, brauche rechtmessige Mittel, so wird Gott erhören 
und helffen, laut seiner Verheißung: Rufe mich an in der Not etc. 

Und demnach wann wir Abends zu Bette gehen, Morgens 
vom Bett wider auffstehen, wann wir anß- und eingehen, wann 
wir essen oder trinken, sollen wir Gott unser Leib und Seel, 
Weib und Kinder, Haab und Güter, Rinder und Viehe sampt allem 
was wir haben, mit unserm Morgen- und Abendsegen und anderm 
Christengleubigen Gebett, befehlen, ihn bitten, daß er sein h. £ngeln 
über uns Befelch thue, daß sie uns behüten und bewahren, be- 
gleyten und beschirmen, drauff den apostolischen Glauben in unsrem 
Yertrawen sprechen, welcher dem Teuffei und sein Anhang ein 
rechter Dorn im Augen, selbigen mit einem starcken Vatter unser 
beschliessen, sonderlich immerzu ausstoßen die Sechste Bitte 

Führ uns herr in Versuchung nicht, 
Wen uns der böse Geist anfleht, 
Zur Linken und zur Rechten Hand, 
Hilff uns thun starken Widerstand, 
Im Glauben fest und wohlgerüst 
Und durch des h. Geistes Trost. 

Neben dem kann man dem Tenffel nicht weher thun, als 
wenn man ihm und sein Zaubergesind nicht viel hofirens machet, 
viel auff ihr Kunst giebt, sich vor ihnen förchtet, sondern sie ver- 
achtet, auff sie nicht viel gehen lesset, und im wahren Glauben 
sie trotzet. — Als Keyser Fr. I Meyland belagerte, und ein 
Zauberer auß der Stadt ins Lager geschickt ward, daß er ihn 
mit Gifft töten sollte und solches dem Keyser innen wurde, ließ 
er ihn fahen. Als der Gefangene ihm tröwete, wo er ihn nicht 
loß ließe, wolt er ihn zu tod zaubern, kehrete der Keyser sich 
nicht daran, ließ ihn hinrichten, konnte ihm nichts schaden. As